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Full text of "Neues Jahrbuch feralogie, Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde"

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FORTHE  PEOPLE 

FOR  EDVCATION 

FOR  SCIENCE 

LIBRARY 

OF 

THE  AMERICAN  MUSEUM 

OF 

NATURAL  HISTORY 

Neues  Jahrbuch 


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für  -       '  ^  ^ 

Mineralogie,   Geognosie,   Geologie 

und 

Petrefakten- Kunde , 

herausgegeben 


Dr,  K.  C.  VON  Leonhard  und  Dr.  H.  G.  Bronn, 

Pl'ofessorcn  aa  der  Universität  /ii   Heidelberg. 


Jahrgang    1851. 

Mit  IX  Tafeln  und   1 1    eingedruckten  Holzschnitten. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart' sehe  Verlagshandlung  und  Druckerei. 

1851. 


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So-'tf-ihr»^»^*^*^ 


Inhalt. 

I.     Abhandlungen. 


Seite 
Daub  :    die   Feldstein-Porphyre    und  die    Erz-Gäiige    des    Münster- 
Thaies  bei  Staufcn 1 

EzQUEP.RA  DEL  Bayo  :    geognoslische  Karte  von  Spanien,   erläutert 

von   G.  Leonhakd,   Tt.  I 24 

G.  L.  Ulex  :  über  Stniveit 50 

SchafhXutl  :  Gliederung  des  Süd/jay er n' sehen  Alpenkalks,  Tf.  II   .         129 
Fr.  Sandbkrger  :  einige  Mineralien  aus  dem  Gebiete  der  Nassaui- 

xchen  Diabase 150 

R.  H.  Rühatsch  :  die  Formation  des  Gebirges,  aus  welchem  die 
Bayernschen  Jod-Quellen  zu  Krankenheil  bei  Töl-z,  zu  Heit- 
bronn,  zu  Benediktbeuren  und  Sutsbrurmen  bei  Kempten  ent- 
springen, und  über  den  Einfluss  der  Formation  auf  den  Jod- 
Gehalt  dieser  Quellen 161 

Det-essk  :   über  den  Porphyr  von   Ijessines  in   Belgien 168 

Th.   Schebker  :  Keilhau's  Gaea  Norwegica,  111.  Heft,  dem  Haupt- 

Inhiilt  nach  skiz/.irt  und  mit  Zusätzen  versehen,  Tf.  III      .     .         257 
A.  ScHLACiNTWEiT  :  ßemcrkungcn  über  die  Wirkungen  der  Erosion 

in  den  Alpen 292 

Ferd.  Roemer  :  Vorkommen  von  Gault-Fossilien  im  Flammen- 
Mergel  des  NW.  Deutschlands,  Tf.  IVa •.     .         30f> 

H.  Girai'.d  ;  über  die  Varietäten  der  Terebratula  vicinalis  aus  dem 

Brocatello  d'Arzo,  m.  Tf.  IVb,  Fg.  1-7 316 

Sit,LEM  :  über  Pseudomorphosen 385 

ScHAFHÄurr,  :    über    einige    neue   Petrefaktcn    des   Südbayernschen 

Vorgebirges,  Tf.  VII 407 

Dklesse  :  über  den  alterthümlichen  Rothen  Porphyr 422 

C.  F.  Naumann:  über  neuere  Formationen  von  Gneiss  und  krystal- 

linischem   Schiefer 513 

G.  SA^DBERGER  :  Über  Goniatiten  und  insbesondere  die  Varietäten- 
Reihe  der  Goniatites  retrorsus  v.  Buch's:  Tf.  Vu.  7  Holzschn.  536 
Delesse  ;    Untersuchungen    über    das    Verbundenseyn    von  Minera- 
lien in  Felsarten  von  starker  magnetischer  Kralt 555 

L.  v.  Buch  :  zur  wesentlichen  Unter.scheidung    der  Goniatiten  von 

den  Nautileen,  2  Holzschn 568 

H.  Credner  :  Gervillien  der  Trias  in  Thüringen,  Tf,  VI   ...     .         641 

Blum:  mineralogische  Beobachtungen 658 

Fr.  Rolle:  über  neue  devonische  Vorkommnisse,  Tf.  IXA  .     .     .         661 


»  IV 

Seitf 

Dr.  Fbantzius  :  um  ßteran  vorkomniende  Grauwacke 667 

V.  Warnsdorff  :  B«'iträoe  zur  ^geologischen  Kenntniss  von  Marien- 
bad und  Karlsbad,  Tf.  IX  C,   1  Holzschn. 769 

K.  Marxens;  Versuch  die  Entstehiingsweise  der  Übergangs-Gebirge 

zu  erklären  _ ' • 779 

Ch.  Puggaard  :  Übersicht  der  Geologie  der  Insel  JHöen,  1  Holzschn.  791 
Fr.  RojLrE  :  zwei  devonische  Korallen  aus  der  neuen  Sippe  Repta- 

ria,  Tf.  IXB 810 

II.     Briefwechsel. 

A.    Mittheilungen  an  Geheimen-Rath  von  Leonhahd. 

Fr.  SA^DBERGKR :    Porphyre   um  Schaumburg;   Cypridinen-Sclüefer 

im   Rupbach-That 60 

V.  Dechkn  :  Jui  akalkslein-Stücke  bei  Kloster  Laach 60 

Reuss  :  zweiter  erloschener  Vulkan  in   Böhmen 61 

Ax.  Erdmann:    Geologie    von    Tunaberg ;    Niveau-Wechsel   in    den 

Scheeren  u.  a 174 

F.  Sanuberger  :  Tertiär-Bildungen  gleich  alt  mit  dem  itfai/nJScrBecken         J  77 
Th.  Scheerer  :    alte    Gebirgs-Bildungen    in    Norwegen ,    verlorene 
seltene  Mineralien  von  da;  zur  Geschichte  desEuxenits  und 

Yttrotitanits 178 

B.  CüTTA  :  Schrift  über  den  innern  Bau  der  Gebirge 181 

Lardy  :    Schweitzer  Naturforscher- Veisammlung    zu   Aai-an,    Ver- 
handlungen       3'20 

B.  CoTTA :  gegen  einige  Ansichten  in  Bischof's  Geologie       .     .     .         322 

A.  Delesse  :  Kersantit  der    Vogesen  und  Kersanton  ....         428 

Naumann  :  über  Brüchhausen's  Hochwasser-Theorie 570 

WisER  :  Diamant  aus  Brasilien;    Eisen -Rosen  von  St.  Golt- 

hard  ;    rothe   Fiussspnthe    in    Uri  ;    Hyacinth  -  G  r  a  naten    am 
Dissentis :  Ammonit  in  Schwarzmangan    vererzt 571 

B.  Cotta  :  körnige  Kalksteine  in  Glimmerscltiefer  Aar  Striegis- 

Thäler;  Granulit  bei  Hainichen,  m.  Tf.  VIII 573 

Hausmann  :  Tri  pha  n  wiePyroxcnkrystallisirtini?faīacA.,  iHolzschn.  574 

Lobtet:  Knochentrümmer-Gestein   von   Cßlte 674 

Bornträgeb  ;  Analyse  von  Beryll  aus  Zwiesel  und  Zinkblende 

von  Joachims-Thal 674 

J.  EzpuERBA  DEL  Bayo  :  „Elemetitos  de  Laboreo  de  Blinas" ',  neueste 

Aufschlüsse  im  Quo<ksilber-Bau  von  Almaden 675 

F.  Sandbergbr  :    Analogie    der  Land  -    und  Süsswasser-Fauna  des 

Maymser  Beckens  und  des  Miltelmeeres   ...*.....  676 

Lardy:  Kohlensandstein  in  Aer  Schweilz:,  Studer's  Geologie  ders.  815 

Bornemann:   Geologie  des  Ohm-Gebirges 815 

v.  Decken:  Aufsatz  und  Karte  über  das  Siebengebirge      ....  816 

F.  VoLTZ :  „Geologie  des  Grossherzogthums  Hessen" 816 

B.    Cotta:    Falten-Erhebung    am    Hans;    Muschelkalk,    Lias    bei 

Braunschweig  ;  in  Muschelschaalen  eingedrückte  Eisen-Körner  819 

B.    Mitlheilungen  an  Prof.  Bronn. 

Geikitz  :    über  Grünsand-Formation  und  Flammen-Mergel  im  Teu- 

toburger  Walde * 62 

DE  Verneuil  :  Durchschnitt  vom  Silur-  bis  Kohlen-Gebirge  zu  Mans  64 

Göppkrt:  über  Junghühn's  geologische  Forschungen  in  Java    .     .  68 


Seite 

F.  Roemer:  Professor  Troost  in  Nashville  gestorben 74 

H,  V.  Meyer:    Polyptychodoii    interruptus   im  Flammen  Merjjel  bei 

Goslar;  Säugethier-Knochen  in  Braunkohle  dei  Molasse  der 
Schicfitz:  mitlel-tertiäre  Säug^ethierp  und  Reptilien-Knochen 
zu  Haslach  bei  Ulm;  über  fossile  Emys-  und  PlateniysArten  ; 
Fische  aus  dem  Tertär-Thon  von  Ünterkirvhberg  bei  Ulm, 
Dadocrinus ,    Nothosaurus    und  F'ischc    im  Muschelkalke  Ober- 

schlesiens 75 

Costa:  „Palaeontolog^ia" ;  Jura-Fische  im  Neapolitanischen    .     .     .         182 

G.  Leonhard  :  Beryll   im   Granit  von   Heidelberg 185 

A.  V.  Strombkck  :  Steinsalz  bei  Sal^gitter  in  Braunschweig  er- 
bohrt: Gebirgs-Schii  hten   und   Quellen  daselbst 325 

P.  Merian  :  St.-Cassianer  Foimation  an  mehren  Orten 328 

Sii.r.EM  :   Nachträge  über  Pseudomorphosen 328 

Girakd:  Verbreitung  des  Goniatiten-  und  Clymenien-Gebirges  ;  geo- 
logische Reise  nach  der  Srhtneit^,  Süd- Frankreich  und  Pyre- 
näen,  Bex,  Baveno,  Lugano,  Mendrisio,  Tremotia  ....  331 
F.  RoEMER  :  Gault-Fossilien  (Ammonites  inflatus)  im  Flammen- 
Mergel  N W.Deutschlands',  Spirulirostra  im  tertiären  Thon  von 
Osnabrück;  Hils-Versteinuiigen ,  Pecten  crassilesta  und  Exo- 
gyra  sinuata)  bis  Benlheimi    Werk    „über   die   Kreide-Verstei- 

nerunüen  von  Texas"  ;  geologische   Karten 576 

Sillem:  Nachtrag  über  Pseudomorphosen 577 

H.  V.  Meyer:  Reisensburg  bei  Günsburg  mit  mitlel-tertiären  Säuge- 
thier-,  Reptilien-,  Fisch-Knochen  und  Krustern  (Gas(rosacus); 
Fische  und  Insekten  der  Braunkohle  bei  Westerburg  in  Nas- 
sau: Wirbelthier-Reste  in  der  Blätterkohle  von  Rotl  am  Sie- 
bengebirge (Viverriden,  Krokodile,  Wiederkäuer,  Colubrinen, 
Chelydra):  —  Rhinoceros  und  ?Anoplotherium  im  IJickengrund 
am  Westerwald ;  —  Zahn-Gebilde  beim  jungen  Elejjlias  pri- 
migenius;  —  Knochen-Breccie  von  Säugthier- Resten  hei  Bere- 
mcnd  im  Baranyaer  Kotnifate;  —  Saurichthys  tenuirostris  des 
Muschelkalks;   —   Säugthier-Knochen  in  einer  Lehm-Grube  zu 

Lorch  in   Nassau 677 

A,  V.  Klipstein:    Abgüsse    seltener    Knochen    (Dinotherium);   über 

Cotta's  Reise  in  den  Alpen;  Karte  von   Darmsladt    ....  680 

A.  Sillem  :  neue  Pseudomorphosen 820 

III.     Neue  Literatur. 
A.    Bücher. 

(848  :  DuNKER 339 

HussoN 579 

DE    BOÜCHEPORN 821 

1848—49:  Milne-Edwards  et  J.  Haime 436 

1849:  J.  R.  Jackson 82 

Ch.  T.  Jackson 436 

PoN7.i-,  Reuss 821 

1860:  Bayle;    Barrande;    Buff;    Cotteaü  ;   Dana;    Hehi.  ;    d'Or- 
muNY  2m. ;  Rötimeyer;  H.  et  A.  Schlagintweit  ;  Fr.  Schmidt; 

Smvth  ;  Tuomey 82 

Dixon;  d'Orbigny  3ni.:  Sandbbroer 186 

Dixon:  Jäger;  Jukes;  Kinü;  Krauss;  Pbtkrmann  ;  Ritchib  339 


VI 

Seite 

LoGAPf ;    Milne-Edwarps  et  Haimk  :   H.  Sowerby:  A.  Wagner         436 

Husson:  Mantell 579 

BüviGNiER  et  Sauvage;  Reüss ' 821 

1861:  (?  S0MERVI1.T.E) :  C.  Vogt 84 

G.  Leoivhard 186 

Brückmamv;  Erdmann:  Piggaabd;  Rolle;  Schultz-Schultzen- 

stein:  Stizenbergep. 339 

Bronn;  King;  Kner;  Lyell;  Milne-Edwards  etHAiiwE:  d'Or- 

bigny  :  Zerrenner 436 

DE    LA    Beche:    Boue  :     Bronn;    Bitrmkistbr  ;     Giebel    2mal; 

Hempfing  ;  Jamks  ;  d'Obbiony  2nial :  Quenstedt  :  Stdder  .  579 
Angelin;   Ansted  :    Cotteau;    Fischep.  de  Waldheim;  Hänle; 

Habting;  M'Coy:  Mulei,  :  Naumann  ;  D'0uBiGNY2mal ;  Over- 

MANN ;  Prestwich;  Puggaabd;  Schäffer  ;  Siegfried  .  ,  ,  683 
Ansted;  Giebel:  Hagenow:  Hörnes;  Kutorga  2m.;  Morlot; 

Jos.  Müller:  Sandberger 821 

1848—51  :  (de  la   Beche)  Geologlcal  Maps 580 

1851  ff.  :  Ste.-Claire-Deville 822 


ß.    Zeitschriften. 

n.    Min  eralogi  seil  e.   Pal  iio  n  t  ol  ogis  cli  e    und    Bergmännische, 

Zeitschrift  der  deutschen  geologisrhen  Gesellschaft,  Berlin  8°  [Jb.  1850,  v]. 

1850,  Mai— Juli:  11,3,  S.  169  —  237,  Tf.  7-9.  .  .  437 
Aug.-Oct.':  II,  4,  S.  238—488,  Tf.  10—15.  .  .  684 
Nov.— 785/ Jan.:   III.  1,  S.        1  — 106,  Tf.      1—7.     .     .         685 

1851,  Febr.— April  ;  III,  S,  S.  107—208,  Tf.     8—9.     .     .         822 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Rcichs-Anstalt,   Wien  4".    [Jb.  1850,  v]. 
1850,  April  — Juni;  /.  2,  l8l  — 388,  Tf.  3  —  7 686 

Karsten  und  v.  Dechen:  Archiv  f.   Mineralogie,   Geognosie,  Berg- 
Bau   und  Hütten-Kunde.    Berlin  s"  [Jb.  1849,   vi]. 

1850,  ÄÄIII,  2,   S.4i7-7Q6,  Tf.  5-7 683 

1851,  XXIV,  7,"  S.        1-298,  Tf.  1-2 684 

Berichte  des  gcngnostiscli-monfanistischen  Vereins  für  Inner-Osler- 
reich  und  das  Land-ob  der- Ens,   Grads  8"  [Jb.  1850,  vi]. 
1851,   F,  63  SS 581 

W.  Dunker  h.  H.  v.  Meyer  :  Palaeontographica ,  Beiträge  zur  Na- 
turgeschichte der  Vorwelt,   Ca.iscl  4"  [Jb.   1850,  vi]. 

/,  5,  e,  75-75— 5Ö,  S.  195-341,  Tf.  28— 42 823 

11,  2,       1S49,  S.    43—   74,  Tf.     6-12 823 

m,  1,       1850,  S.       1—   67,  Tf.     1  —  10 187 

Btillelin  de  la  Societe  geologicjue   de  France,    2*^  se'r.  (h) ,   Paris, 
8"  [Jb.  1850,  vi]. 

1849,  b,  VI,     737-748  (Register) 187 

1850,  b,VII,    481-808,  pl.  8-11            (7«50,  Mai  6-Sept.  1)  .     .  582 
1850-51,  b,  VIII,     1-320,  pl.  l-6et«gg.(/S50,Nov.4-7S57,Avr.7)  688 

1851,  b,    —     321-432,  pl.  7                  (7S57,  Avr.  7-Mai  19)  .     .  828 

Memoires  de  la  üociete  geologique  de  France,  2^  ser.  (b),  Paris,  4^ 
[Jb.  1850,  vi]. 

1850,  b,   III,  III,  503—?       pl.   19—?  [scheint  nicht  erschienen], 

1851,  b,  IV,      I,       1-202,  pl.     1  — U 829 


VII 


Seite 


Annales  des  Mines.  ou  Recueil  de  Memoires  sur  V exploilalion  de» 
mines,  4'^  ser.  (d),  Paris  S"  [Jb.  78.50.  vi]. 
18S0,  1—2;  d,  ÄVII,    1-2,  p.        1—460,  pl.   1  —  7      ....  85 

3:  3,         p.  461  —  788 343 

4:         d,  XVllI,    1,         p.        1-360,  pl.   1  —  7 343 

S,  2,  p.  361  —  640,   pl.  8—14     ....  829 

The  Quarterlif  Journal  of  the  Geolotjical  Society  of  London,  London 
*">  [Jb.  1SS1,  VI]. 

1850,  Nov.;  no.  24:     17,   4,  347-48'i,  61-   76,  pl.  17-26,  OC  woodc.  86 

1851,  Febr.;  „  25 ;  VII,  1,  I-  88,  1-  34,  pl.  1,  GC  woodc.  344 
Mai;  „26^  —  2,  89-138,35-  90,  pl.  2-  7,  CO  ^^oodc.  690 
Aug.;     „27;    —     5,  139-256,  91-114,  pl.    4-  8,  OO  woodc.         832 

Transactiom   of  the    Geological   Society   of  London,    London  4^ 

[Jb.  1847,  viii]. 

(Noch  immer  iiicbls  Neues.) 
The  Palaeonlographical  Society,  instituted  1847,  London  4". 

1849-1851 833 

b.      Allgemein  N  a  tur  w  i  ss  ens  cha  f  tli  c  b  e. 

Verbandliingen    der    k.    Leopoldiniscb-karoliniscbeii    Akademie    der 
Naturforscher,   Brest,  u.  Bonn  4"  [Jb.   1848,  vn]. 
XXII  (XIV),  II,  S.  I— xcvi;  357  —  965,  Tf.  39-72,  hgg.  1850    .  187 

Abhandlungen    der    k.    Preuss.    Akademie    der   Wi.sspnschaf(en    zu 
Berlin:  Physikalische  Abhandlungen,    Berlin  i^  [Jb.  1850,  vi], 
1849  (jrj:/),  hgg.  1S51,  S.  1-547,   OD  Tfln 824 

(Monatlir  her)  Bericht  über  die  zur  Bekanntmachung  geeigneten 
Verhandlungen  der  k.  Preuss.  Akademie  der  Wissenschaften  zu 
Berlin:   Berlin  4«'  [Jb.  1850,  vi]. 

1850,  Sept.  — Dec,   Hett  9—12,  S.  365  —  502 437 

1S51.  Jan.  — März,       „      /—  3,  S.       1—208 581 

Apr.— Aug.,       „      4—   8,  S.  209  —  618 824 

Abhandlungen  der  k   Gesellschaft  der  Wissenschaften  zu  Göltingen: 
Physikalische  Klasse,  Götlingen  4"  [Jb.  184S,  vii]. 
1848-50,  IV,  274  SS.  hgg.   1850 ' 187 

Verhandlungen  des  Naturhistorischen  Vereins  der  Preussischen  Rhein- 
Lande,  hgjj.  von  J.  Budge,   Bonn  8°  [Jb.   1850,  vn]. 
1850,    VII,  S.  1—520.  Tf.  1—7;  Corresp.-BI.Nr./-5,S. 1-34         341 

785/,F///,J,^,S.  l-25ö,Tf.  1-4;       „  „     „1-4      ...         824 

Jahresbericht  des  naturwissens«  hafll.  Vereins  in  Halle,   Bertin,  8** 

1849-50,  II,   161  SS.   1  Tfl,    hgg.  1850 83 

1850,  Juni— Dec.  III,   190  SS.  3  Tfln.  hgg.   1851 825 

Übersicht    der  Arbeiten    und  Veränderungen    der    Schlesischen  Ge- 
sellschaft für  vaterländische  Kultur,  Breslau  4°  [Jb.  1850,  vn]. 
1850,  hgg.   1851,  204  u.    36  SS 825 

Wiirttembergische  naturwissenschaftliche  Jahres-Hefte,  Stuttgart.  8" 
[Jb.  1850,   vii]. 
1850,      VI,  3,        S.  257 —  .  [uns  noch  nicht  zugekommen]. 
1861,    VII,   1,  2,   S.       1  —  264,   hgg.   1851 685 

Bor.L:    Archiv    des  Vereins    der    Freunde   der   Naturgeschichte   für 
Mecklenburg,  Neulrandenburg  H"  [Jb.  1850,  vii], 
1850,  IV,  235  SS.,  1   T.ibell.,  hgg.   1851 84 


Yltl 

Seite 
Jahresbericht    der  Wetlerau-schen   Gesellschaft   für  die  gesamnite 
Naturkunde,  Hanau  8"  [Jb.  1849,  vii]. 

1847—1850,  85  SS 437 

Bericht  über  die  Verhandliing^en  der  Naturforschenden  Gesellschaft 
in  Basel,  Basel  8*»  [Jb.  1849,  vii]. 

1848  Mi— 1850  Juni,  IX,  S.  1  —  100,  hgg.  1851 687 

J.  L.  Poggeivdorff  :    Annalen    der  Physik    und  Chemie,  Leipzig  8" 
[Jb.  1850,  vii]. 

1850,  5-  8,  LXXX,        1-4,  S.       1—580,  Tf.  1-6.     ...         340 
9-12,  LXXXI,      1-4,  S.       1-680,  Tf.  l 581 

1851,  1,  LXXXI!,    1,         S.       1-160,  Tf.  1 581 

2—  4,                        2—4,  S.   161—600,  Tf.  2—3.     ...         827 
.5-  6,  LXXXIII,  1-2,  S.       1—308,  Tf.  1 827 

Ergänzung        ///,  1,         S.       1  —  160 827 

ERDMAiNN  u.  Marciiand  :  Journal  für  praktische  Chemie,  Leipzig  8" 
[Jb.  1850,  VI!]. 

1850,  Nr.     9-16;  L,     1-8,  S.  1-512,  Tf.  1-3 341 

Tür.  17— 24;  LI,    1-8,  S.   1  —  503 825 

Erdmann:  Journal  für  praktische  Chemie,  Leipzig  8°  (s.  vorhin). 

1851,  Nr.  /—  8;     I,  1—8,  S.  1-512  (Erdm.  u.  March.  LH).         826 
Nr.  9-13,  II,  1—5,  S.  1-320 ■.         826 

Wühler  und  Liebig  :    Annalen  der  Chemie  und  Pharmazie,  Heidel- 
berg, 8"  [Jb.  1850,  villi. 

1850,  April— Juni,  LXXIV,  1—3,  S.   1-363 83 

Juli -Sept.,     LXXV.     1-3,  S.   1  —  368 83 

Oct.— Dec.  ,    LXXVI,   1—3,  S.  1—408 683 

Wühler,  Liebig  und  Kopp:    Annalen   der  Chemie   und  Pharmazie, 
Heidelberg  8". 

1851,  Jan.-März,  LXXVII     (b,  I)     1—3,  S.  1-384.     ...         683 
April,  LXXVIIKb,  11)    1,  S.   1-128.     ..     .         683 

Memorie  della  R.  Accademia  delle  Science  di  Torino,  Clause  fisicaj 
h;  Torino  4«  [Jb.  1849,  viii]. 

1847—48,  b.  X.    Lxix  e  436  pp  ,  QO  pH  ,  ed.   1849 828 

1848—49,  b,  XI,  Lxx    e  482  pp.,  X  pH-,  ed.   1851 828 

J.Berzeliüs:  Jahres-Bericht  über  die  Chemien.  Mineralogie,  fortges. 
V.  Svanberg,  übers.   Tübingen  8"  (Jb.  1850,  viii]. 

XXX,  Jahrg.  1849,  eingereicht  1850,  übers.   1851 827 

Erman's  Archiv  für  wissenschaftliche  Kunde  von  Russland,  Berlin 
%^  [Jb.  1850,  viii]. 

1850,  IX,  1—4,  S.   1  —  722,  Tf.  1-2 687 

1851,  X,    1-2,  S.  1—332,  Tf.   1-5 827 

Bulletin    de    la  Classe    pkysico-mathemntique    de    VAcademie    des 

Sciences  de  St.  Petersburg,  Petersb.  4^  [Jb.  1850,   viii]. 
1850,  Avril  — Aoüt,  no.  186-192:  VIII,  1824,  p.  273-383  187 

1850,Aoiü—185imgirs,no.193—208\lX,         1-16,  ]>.       1-256         827 
Me'moires  de  V Academie  I.  des  sciences  de  St.  Petersbonrg,    6,  ser. 
(f);  Sciences  naturelles.     Petersb.  4"  [Jb.  1850,  viii]. 
1850,   VIII,  1 —    ,  p.   1—  .  [uns  noch  nicht  zugekommen]. 
Bulletin  de    la  Societe    des  Naturalistes   de  Moscou ;   Moscou    8^ 
[Jb.  1850,  villi. 
1850,  2;         XXIll,  I,  2,         p.  347  —  680,  pl.  8-16     .     .         828 

1850,  3-4;  XXIV,  ii,  1-2,  p.       1-386  —  714,  pl.   1—5-8       ,         828 

1851,  Iß        XXV,      u    1,         p.       1-392,  pl.   1-7,  A-C         828 


IX 


Bulletin  de  FAcademie  R.  des  Sciences ,  des  lettres  et  des  heaux- 
arts  de  Belgique,  Bruxelles  6**  [Jb.  1849,  viii]. 

1849,  XVI,     II,  731  pp.,  2  pll.  publ.   1849 

1850,  XVÜ,  I,    576  pp. ,  8  pll.  publ.   1850 

Memoires  de  V Academie  R,  des  sciences,  des  lettres  et  des  beaux- 
arts  de  Belgique,  Bruxelles  4°  [Jb.  1849,  viii]. 
[uns  nichts  zugekommen.] 

Memoires  couronnes  de  VAcademie  des  sciences,  des  lettres  et  des 
beaux-arts  de  Belgique.     Brux.  4**  [Jb.  1848,  viii]. 
1848-50,  XXJll,  pll.,  publ.   1850 

U Institut:    Journal  gener al  des  societes    et  traveaux  scientifiques 

de    la   France    et    de    rEtranger.      /.    Sect.      Sciences    mathe- 

matiques,  physiques  et  naturelles,   Paris  4"  [Jb.  1850,  viii]. 

XVIUe  an.,1850,  Sept.   18-Nov.  27  ;  no.  872—882,  p.  297—384 

Dec.     4— Dec.  26;  no.  883—886,  p.  385—416 

XlXe      an,  1851,  Jan.      2-Fevr.  5;  no.  887-892,  p.       1—48 

Fe vr.  12- Mai    li,   no.  893-906,  p.    49  —  160 

Mai     21-Sept.    3;  no.  907-922,  p.  161—288 

Campten  rendus  hebdomadaires  des  seances  de  C  Academie  des  sciences, 
parMlU.  les Secretaires yerpetuels,  Paris4'^[3b.  1850,  viii  u.688l 
1859,  Aoüt   12- Dec.    30;   XXXI,      no.     7—27,  p.   185  —  908 

1851,  Jan.  6-Avril  21:  XXXII,  no.  1  —  16,  p.  1—604 
Avril28— Juin  30  ;  no.  17— 28,  p.  605—958 
Juin     7-Oct.      13;   XXXIII,  no.     1  —  13,  p.        1—404 

Mii.ivE-EpwARD.s ,  Ad.  Brongniart  et  J.  Decaiswe  :  Annales  de. 
Sciences  naturelles,  3e  Ser.  (c);  Zoologie;  Paris  8^  [Jb 
1850,  villi. 

1850,  .Tan V.— Juin;  c,  XIII,  1-6,  p.  1—380,  pl.  1— U  .  . 
Juill.— Dec;  c,  XIV,    1-6,  p.  1-400,  pl.  1—   4    .     . 

1851,  Janv. :  c,  XV,       I,         p.   1—  64,  pl       .     .     . 

Annnies  de  Chimif  et  de  Phy.iiqtie,  3.  ser.  [c],  Paris  8"  [Jb  1850,  w] 

1850,  Mai  — Aout  ;  XXIX,  1-4,  p.  1  —  512,  pl.  1,  2  .  . 
Sept.- Dec. ;    XXX.       1-4,   p,    1-512,   pl.   1-3      .     . 

1851,  .lanv.  — Avr. ;  XXXI,     1  —  4,   p    1—512,  pl.   1-4      . 
Mai  —  Aout;  XXXII,  1  —  4,  p.   1—512,  pl.   1-2      . 

IUe'moires  de  la  Societe  R.  des  sciences,  lettres  et  arts  de  Nancy, 
Xancy  S"  [Jb.  1848,  ix]. 
1848,  468  pp.,   1   pll.  publ    1850 

Memoires  de  la  Societe  Linneenne  de  Normandie,  Paris  4". 

1839-42,   VII,  232  pp.,   12  pll.  publ.   1842 

The  Philosophical  Transactions  of  the  Roi/al  Society  of  London, 
London  4"  [Jb.  1850,  ix]. 

1850,  1,  II,  p.   1  —  297  —  844,  pl.    1-17-58,  ed.   1850     .     . 

1851,  I,         p.   1  —  331   et  I  — Lxvii,  pl.  1  —  14,  ed.   1851      .     . 

The    London  .    Edinburgh    a.    Dublin    Philosophical    Magazine   and 

Journal  of  Science,   3.  a.  4.  Series   (c,  d) ,    London  8"  [Jb. 

1850,  )x]. 

/8.50,Oct.-Dec ,  (c),no.249-253,XXXVII,3-7,l6l.S52,p\.\-3 

/85/,Jan.-June,Suppl.(d),no.      1-     7,1,  17,     1-592,  pll  3 

July,  (<l),no        8,  II,  1,         1-84      .     , 


.Seite 


84 
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342 


689 
834 


439 
834 
835 


Ja  imeson:  the  Edinburgh  new  Philosophical  Journal,  Edinb.  8" 
[Jb.  1850,  ix]. 

1850,  Oct.,     110.     98;  XLIX,  2,  p.   193-408 

1851,  Jan.,    iio.     99;  L,  1,  p.       1-19'2 

April,  110.  100;   -  ^,  p.   193-384 

July,    no.  101;  LI,         1,  p.       1-212 

Jardine,  Selby,  Johnstoiv,  Dois  a.  R.  Taylor  :  the  Annais  and  Ma- 
gaz4ne  of  Natural  Hislory,  2.  ser.  (b),  London  S"  [Jb.  1850,  ix]. 
1850,Ji\\v-Dec.,b,no.S1—36,VL     l  —  6,\>.     1  — 504,pl.    1  —  12 
1851, . ]sixi. -  A\>v.,  b.no. 37-40, Vn,  1  —  4,\u     l-352,pl.    1  —  13 
Mai  — June.  6,' no.  4/  — 42,    —     5— ff,  p.353  — 512,  pl.  14— 15 
July— Oct.,-,no.43-4ff,F//;,/— 4,  p.     1— 352,  pl.    1  —  13 
Vroceedings   of  the  American  Association  for  the  Advnncement  of 
Science,  8"  [Jb.  1850,  ix]. 
in.  meeting,  held  at  Charlesion.  S.  C. ,  March  1850  (216  pp.) 
IV.  „  „      „    New-Haven,  Aug.      1850   .... 

F.  „  „      „    Cincinnali,  Mai        1851    .     .     .     . 

B.  SiLJ.iMAN  sr.  a.  jr. ,  Dana  a.  Gibbs  :  the  American  Jour- 
nal of  Sciences  and  Arts ,  2.  series  (b) ,  New-Haven  S"  [Jb. 
1850,  IX  u.  610]. 

1850,  Juli,  Nov.:  b,  no.  28-30,  X,     1—3,  p.       1—476      .     . 

1851,  Jan.;  no.  57,  XI,  1,  p.  1  —  152,  pl.  1 
Marcb;  no.  32,  2,  p.  153—304,  pl.  2 
IVIrti;  no.  33,  3,  p.  305—456  .  . 
July;                   no.  54,           XU,  1,  p.       1-152,  pl    1 

Proceedings  of  the  Boston  Society  of  Natural  History,  Boston  S". 

1849-50 ■ 

1850  (Mai  flF.) , 

Journal  of  the  Acadeniy   of  Natural  Sciences  of  Philadelphia,  N.  S., 
Philadelphia  4". 

1850,  b,  II,  1 


85 
343 
690 
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834 


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190 
440 

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836 

193 

836 


836 


IV.    Auszüge. 
A.    Mineralogie,  Krystallographie,  Mineral-Chemie. 

P.  H.  Weibye  u.  K.   A.  Sjögren:   über  den  Katapleiit       .     .     .  88 

K.  MoNHEiM  :  Willemit  vom   Busbacher  Berg  bei  Aachen    ...  89 

Websky  :  Mangan-ldokras  von  St.  Marceil  in  Piemont    ...  89 

H.  Abich  :  Soda  der  j4rö.Te*-Ebene  in  Armenien 90 

A.  Breithacpt  :  über  den  Konichalzit  aus  Andalusien.     ...  91 

Delesse  :  analysirt  Sthiefer  mit  Taikerdc-Basis  vom  Po  ...  91 

N.  J.  Berlin:  zerleo;t  Tbniit  von   Arendal 92 

Zepharovich  :  P.<seudoniorpliose  von  Wei  s.sbl  ei  erz  nacb  Bleiglanz  92 

W.  Haidinger  :  Bericbf  über  den  Dopplerit 194 

Chatin:  Jod  in  Siisswasser-Pflanzen 197 

C.  Zinken  ii.  C.  Rammel.'^bkcg:   da.s  ArscnikSilber  vom  Hans  197 

Sh.  MüsrRATT  :  Lölbrobr  Reaktion  von  Baryt,  Strontian  etc.    .  198 

N.  J.  Berlin:  Analyse  des  Sodaliths  von  Lamo  bei  Brevig      .  198 

Damour  :  zerlegt  Trapp  von   Island    . 199 

SquiRE  u.  Davis:  Verwendung  des  Silbers  in  ältester  Zeit    .     .  199 

C.  Blondeau:  natürliche  Quellen  von  Schwefelsäure  ....  199 

Kkug  V.  NiDDA  :  Hörn-  u-  Weiss-Bleierz  in  Krystall-Form  des  ei  sten  200 

G.  C.  Wittstein:  zerlegt  Steinaiark  von  Münden 202 


XI 

Seite 

Minfral-Rciditlniiii  Hnd-Avslralicns 202 

L.  A.  HucHMEr,  jnii.  :  zei'li'o;f  die  Kdel-Soole  von   Reichenhall      .     .  203 

Hermann:  die  iiatiiiliclicn   Ta  i  k  erd  c  -  Sil  i  ka  t  e 203 

ür.Kx:   Bro  110;  11  iart  i  n  oder  Glanberit  aus  Süd-Peru   ....  204 

K.  List:  rhpnti.srlie  Zusammensetzung  des  Tflwnj/.v-S  chief  crs       .  345 

C.  BtT.GEMANN  :  Ge  1  b  b  i  ei -Erz  von  Aaulnques'  in  Zacatecas   .     .  348 

Zinken  u.  Ramivielsbkbg  :  2  Nickelerze  d.  Anfimon-Grube  b.  Wolf'sberg  348 

A.  Barth  :  analyt^iil  Jod-Iiaitiges  Mineral-Wasser  von  Ober-Bayern  349 

ScHi'r.Tz  «.  Paii  LETTE :    Zinn-baltiger  Kies,  sog.  Ballestero.sit.  350 

Breslau:   Ozokerit   im    WelHner  Steinkohlen-Reviere     ....  350 

Pattei'.son  :  Gold,   Platin  und    Diamanten  in  den  V er einfen  Staaten  35I 

F.  H.  Weibye  u.  N    J.   Berlin:  über  den   Tri  to  mit 352 

Zinken  u.  Raivimelsbebg  :  Strontian  u.  S  0  b  we  rspa  t  h  v.  Äö7Äen  353 

J.  A.  AsHLEY  :  Zusammensetzung  des   Themse-W  as  ser  s  ....  353 

Geriviah  :  Cbrisimatin.  ein  neues  Erdharz 353 

DoMEYKo:   Skolezit  des  Cachninial  Thaies  in  Chili 354 

—  —   zerlegt   Prehnit  und    l'orphyr   aus   Chili 354 

R.   Hermann:    Fe  I  d  s  pa  th-Mineralien  :    Lepolitb  ,    Linseit,   Hypo- 

sklerit:   Heteicnieiie  der  Feldspathe 441 

Wittstein:   Untersuchung  weisser  Ma  rm  o  r- Arten 444 

V.   KoBELL*.  Skülopsit  ein  neues  Suipbai-Silikat 445 

Hermann:  Jcffersonit  und   Angit  sind  identisch     .....  447 

—  —    Pennit  ein   neues  Mineral 448 

V.  MoNHEiM  :  Z  i  n  k  -  Mi  n  er  a  ii  e  n  am  Altenberge  bei   Aachen  .     ,  448 

Murbach  :  Wirkung  des  Magnetes  auf  Krystalle 450 

Hausmann:     Krysfallisations-Sysiem    des    Karstenits;    Homöo- 

morphisnuis  der  Mineralien 450 

G.  Rose:  Pseudomorphosen  des  Glimmers  nach  Feldspath;   regel- 

mässige Veiwaciisung  des  Feldspalhs  mit  Albit 585 

F.  Wühler:  Ar>enik  Gehalt   des   liarlubader  Sprodelsteins      .     .     .  587 

V.   MoNHEim:  Halloisit  am   Altenhcrge  bei  Aachen 58" 

A.   Bi'.eithaipt:  Talks  path  auf  Lagern  im  Gneisse  iVori/;f^en,v     .  588 

List:  Analyse  des  P  i  k  r  o  I  i  f  h  s  von    fieichelstein  in  Schlesien.     .  588 

G.  WILso^:  ob  der  D  ia  ma  n  t  von  Anthrazit  oder  Giapbit  abstammt  f,88 
ScACCHi  :  Mineralien  ans  den  vulkanischen  Dämpfen  zu  fofsi-voli  etc.  589 
L.  Smith  :  Mineralien  in  Begleitung  des  S  m  i  r  ^j  e  I  s  in  Kleinasien  .  589 
ScHNABKi. :   Stahl-Kobalt  oder  faseriger  Spoiss-Kobalt  in  Siegen  590 

HE^RY  :  nnfeisucbung  des  Francoliths  aus  Devon 590 

C.   Bkrgemann:  A  rse  n  ik  s  a  n  r  es   Blei  aus  Zacatecas     ....  591 

Benett:  Untersuchung  des  Themse-Wassers  von   Greentcick       .     .  591 

Heidkpuiem  :  N  ep  he  I  i  n-Fels  des   höbaner- Berges 591 

Whitney:    neues  Uranhaltiges  Mineral   von  Lake  superior    .     .     .  592 

C.  G.  Gmelin:   Feldspath  des  Zii  koii-Syrnits  in  Norwegen     .     .  592 

F.  Fripau:  Alauiifels  vom   Gleichenberg  in  Sleyernuirk  .     .     .     .  592 

Fr.  V.  KoBELL :  Aräoxcn,  ein  neues  Bleizink-Vanadat      ....  594 

A.  Breitiiaupt:  Rhipidolith   von  Schwarzenstein  in  Tijrol      .     .  595 

C.  Rammelsreiig:  Zusammensetzung  des  Tnrmalins  etc.     .     .     .  595 

H.  DE  Senabmünt  :  Bildung  von   Gang-Mineralien  auf  nassini  Wege  596 

Delafosse:  Beziehung  zw.  Atom-Zusammensetzung  u.  Krystall-Form  699 

Ebei.men.  Mineral-Erzeuguni;  durch  Krystallisat.  auf  trockenem  Wege  692 

.1.  Nicki  es:  über  die  dimorphen  Körper 693 

v.  Kobell:  Kreitonit   ein   neuer  Spinell  v.  RodenmayS:  Mineral- 
arten  mit   vikarii  endeil   Mischungsfheileii 694 

Desci.oizEaux:  Krysfall-F'oi ni  des  Malakons 696 

Rammelsbkrg:  zerlegt  Me  t  e  0  r  ei  sc  n  von  Seeläsgen  hei  Schwiebits  696 

Knoblauch:  kiystalli«irtc  Körper  zwischen  elektrischen  Polen   .-  .  698 


xn 

Seite 

Monheim:  Zink-Eiseiisp  atli  (Kapnit)  von  Aachen 705 

—  —  Kiesel-Zinkerz  von  Aachen  und  aus  Ungarn      .....  7o5 

WEtBYE  und  Berun  :  über  den  Atlieriasfit 705 

Durocher:  Mineralien  d.  Erzlagerstätten  auf  trockenemWeg  erzeugt  706 

Rammelsberg  :  zerleget  K  u  p  f  e  r  s?  1  i  ni  m  e  r  von  Andreasberg    .     .  708 

Hügard:  krystallographische  Studien  am  schvvefelsaun-n  Strontian  708 

Monheim:  zerlegt  Dolomit  vom  Altenberg  bei   Aachen      ....  709 

—  —  zerlegt  grünen  Eisenspath  von  da 709 

G.  Rose:  Speckstein-Knollen  im  Gyps  von  Stecklenberg,  und  gelber 

erdiger  Kalkstein  von   Gernrode 709 

Ebelmen:  künstliclie  C  h  r  yso  b  e  ry  1 1-Krystalle 710 

Daübkek:  Apatit  und  Topas  auf  künstlichem  Wege 710 

R.  BuNSEN  :    über   die  Prozesse   der  vulkanischen  Gestein-Bildung 

Islands 8,^7 

I.  Genetische  Beziehung  der  nicht  metamorphischen  Gebilde  837 

II.  Genetische  Beziehungen  der  metamorphischen   Gebilde      .  851 

1.  Palagonitische  Gesteine 851 

2.  Zeolithische  Gebilde 859 

3.  Pneumatholythisclie  Metamorphose 863 

B.     Geologie  und  Geognosie. 

£uE   DE   Bealmont  :   Wechselbeziehungen    in    den   Richtungen    der 

Gebirgs-Sysfeme 94 

C.  Prevost  :  Bemerkungen  darüber 99 

Elie  de  Beaumont  :  dagegen 100 

A.  D'OF.BIG^Y :  Fossil-Reste  im  Terrain  Danien  oder  pisolithique    .  loo 

C.   A.  Andrä  :  geognostische  Karle  von  Halle',  Text  dazu            .     .  102 

DELA^OLIE:  das  untere  Devon-System  im   Boulogner  Becken       .     .  103 

Felsensturz  bei  Felsberg 107 

A.  KoRiSTKA  :  Einflnss  von  Höhe  und  Gestein  auf  £rd-iV1agnetismus  110 

H.  Abich  :  Höhen  in   Dagestan  und  Transkaukasien 205 

Acosta:  über  den  Vulkan  von  Zamba 208 

Ausbruch  des   Vesuvs  im  Jahre  1850 209 

H.  V.  Dechen  :  die  Bildung  der  Gänge 210 

BuNSEN  :   Einfluss  des  Drucks  auf  die  chemische  Natur  plutonischer 

Gesteine 220 

Fr.  A.  Roemer:  zur  geologischen  Kenntniss  des  NW.  Harz-Gebirges  223 
G.  A.  Mantell  :  Dinornis- u.  a.  Vogel-Reste,  Konchylien,  Korallen, 

Felsarten  aus  Mittet-  und  Nord-Neuseeland 226 

A.  v.  MoRLOT :  Geologie  des  südlichen  Th<»iles  von   Untersteyer     .  231 

E.  FoRBEs  :  Schichten-  und  Organismen-Folge  im  Purbcck-Gebilde  354 

United  States  Expedition:  X.  Part  „Dana:  Geology",   1849.  4^.     .  356 

L.  v.  Buch:  Goniatiten,  Aptychus:   Kreide  in   Dagestan     ....  357 

Ch.  Devii.le  :  Kalk-haltiges  Feldspath-Gestein  von  Chemnitis     .     .  358 

A.  Erdmann  :   „Geognosie  des  Kirchspiels  Tunaberg",  Stuttgart  8"  359 

HÖRNEs  :  Schichten-Folge  des  Tegel-Gebirges 36o 

A.  Riviere:  Erz-Lagerslätten  in  Grauwacke  des  rechten  fiAein-t//«r»  362 

A.  BouRjOT  :  Gegend  von  Forges-les-Eaux,  Seine-infer 363 

K0WALEW.SKJI :  Gold  in  Afrika 363 

ScHAFHÄUTL  :      bestimmtere      Charakteristik      vcrsteinerungsleerer 

Felsarten 364 

Delesse  :  Alters-Folge  der  Mineralien  auf  Gängen  in  Arkose    .     .  368 

H.  v.  Decken  :  über  Eis-Bildung  in  Strömen 455 

Sauvage  :  Geologie  des  Eilandes  Milo 461 

Lamare-Picquot  :  Felsarten  in  Nord-Amerika  gesammelt    ....  462 


XIII 

Seile 

Laletin  :  Kupfer-Erze  zu  Bogoslawsk  im  N.-Ural 463 

T.  S.  HowAuD  :  plützliclier  u.  anhaltender  Gas-Ausbruch  in  Slafford  464 

Erdbeben  in   Armenien 464 

Orkan  und  Wolkenbruch  in  N.- Amerika 465 

Balleui.  :  Erscheinungen  bei  Ausbruch  des   Vesuvs  1850       .     .     .  465 

Rouvii.LE  :  Steinkohlen   des  Larsac 466 

J.  D.  FoRKKs:  vulkanische  Formation  des  Monl-Albano      ....  466 

J.  F.  Ludwig:  Geulofiisches  um  Jauer  in  Schlesien 467 

Gold-Gewinnung  im  Ural  und  Sibirien  1848 467 

G.  V.  Hkimersen:  die  Halbinsel  Mangyschlack 468 

A.  E.  Bruckmaisn:  „der  artesische  Brunnen  zu  Isny",  Stultg.  1851  470 

A.  Paillette:  Fluss-Geschiebe  und  Kohlen-Formation  in  Asturien  471 

J.  Bryce:  Lignite  iu   verändertem  Dolomite  auf  Bute 473 

J.  B.  JiicKEs  :   Alter  des  Neuen   Rothen  Sandsteins 475 

C.  Anukä:  Kohlen-Pflanzen   von   VVetlin  und  Löbeji'm 475 

RmcLF.K-THOivisüN:  Lage  der  Konchylien  in  Red-Crag      .     .       •     >  477 

S.  H.  Blackwell:  Feuer-Gesteine  im  Kohlen-Gebirge  Slaffordshires  477 

R.  KisEB :  Versteinerungen  im  Kreide-Mergel  von  Lemberg  .     .     .  478 

A.  Alth  :  geognostisch-|jaläontologische  Beschreibung  von  Lemberg  479 

Despretz  :  Wirkung  der  Volta'sehen  Säule  auf  Kohlenstoff    .     .     .  481 

Baird  :  Knochen-Höhlen  in   Pennsijlvanien 481 

Höhle  in  Kentucky 482 

Cleghorn  :  über  den  Till  bei   VVick  in  Cailhness 483 

J.  Smith:   Konchylien  darin 483 

—  —  Konchylit'n  in  dessen  Zwischenschichten 483 

J.  C.   iMooKE  :  andere  Arten  darin 484 

P.  B.  Bkodie:  gewisse  Schichten  im  Unteroolith  bei  Cheltenham    .  484 

V.  Augyll:  Fossilien-Schicht  unter  Trapp  auf  Mull 487 

Tiefe  des  Jordan-Thaies  und  Todlen  Meeres 488 

C.  RiTiiviEVEi. :   „das  Schweitzerische  Nunimoliten-Terrain",  Bern  8°  599 

Daubree:  Knoclien  Hoble  bei  Laute,  Ober-Rhein 599 

Lagorie  :  Gold-Gruben  in  Anlioqtiia,  Nau-Hranada 600 

Zobel:   Graphit- Vorkommen   zu   Sacrau  bei  Münsterberg   ....  600 

Der  Berg  togdo  und  der  Salz-See  Basskuntschais 601 

Ewald:  die  Kreide  und  ihre  Versteinerungen  in  Istrien   ....  602 

ScACCHi:  Ausbruche  des    Vesuvs  von   1840  bis  1850 603 

G.  Rose:  Pseudomoiphosen  d.  Serpentins  v.  Snaritmu.  im  Allgemeinen  604 

EiChWALD:  die  Bergkalk  Form.-ition  Russlands 607 

Elie  de  Beahmont:  Aufgaben  in  den  W.  Cordilleren  Süd-Amerikas  610 

E.  HoFMA^N:  Verhältnisse  und  Nord  Verlauf  des  Urals      ....  610 

A.  Burat;  versch.  Beschaffenheit  gewiss.  Erz-Lagerstätten  in  d. Tiefe  611 

A.  Di'MONT :  geologische  Karte  und  Einthcilung  Belgiens.  .  .  .  617 
L.  V.  Buch:  „eine  Muschcl-Ümlagerung  der  Nord-See",  Berlin  8^  621 
Th.  Wright:  Tertiär-Schichten  im  Küsten-Durchschnitt  v.  Hampshire  711 

B.  Sti'Dkr:   „Geologie  der  Schweilz,  l.  Band"   1851,  8 717 

Anisomow:  die  Naphiha  von  Taman 718 

B.  King:  Gold-Mengen  in  Kalifornien  gefunden 720 

Lipold:  Geognosie  der   H('rrs<haft  Nadicorna  in   Galiisien      .     ,     .  721 

CoquAND:  Gänge  in  Toskana 722 

J.  Durochkr:  magnetische  Kraft  der  Felsarten 723 

Unterirdischer  Reichthnm   Chiiia^s 724 

Röchet  d'Hericodrt:  Hebung  des  Arabisch.  Busens  u.  Abyssiniens  724 

L.  Leichhardt:  Kohlen-Lager  zu  Newcastle  in  Australien    .     .     .  726 

E.  Collümb:  Quartär-Gebilde  des  ÄAcin-Beckens 728 

E.  Hebert:  über  Leyiwerie's  neuen  Kreide-Typus 731 

L.  Zeuschner  :  Schwefel-Lager  von  Stcoszowice  bei  Krakau     .     .  732 


x?v 

Seite 

Daubrke:  tertiäres  Bitumen,  Lignit  und  Salze  von  Lobsann       .     .  734 

EwAr.D:  Grenze  zwisclien  Neocomien  und  Gaiilt 737 

R.   Bunskn:  Einfluss  des  Drucks  auf  d.  Natur  plutonisclicr  Gesteine  739 

Fr.  V.  Hauek:   Eocän-Jiilduno-en  im  CV//i/^r-Krcise,  nach  Koncliylieii  740 

E.  Hebert  :  Crag-Fossilien  im  Bosc  dAubigny,  Manche  ....  741 
Guekanger:  Scbirlitung  des  Terrain  Cenomanien  bei  Mann  .  .  .  742 
H.  Abich  :  Sammlung'  von  kreide-Vcrsteineruuisjen  aus  Ditgheslan  744 
Gkesslv:  über  die  Tertiär-Bildungen  im  Laufen  Tlialc 745 

C.     Petrefakten-Kunde. 

J.  V.  Pettko  :  Tubicaulis  von  llia  bei  Schemnili 115 

L.  Agassiz  :  Zusammenhang  zwischen  Organisations-Stufe  n.  Wohn- 

Elcment  der  Thiere 115 

P.  Merian  :  Scbaaltbiere  im  Süsswasserkalk  von  Mühlhausen    .     ,  122 

J.  Barrande  ;  „Graptolitbes  de  Boheme,  Prague  1850,  8""     .     .     .  123 

F.  Unger:  Blätter-Abdrucke  in  Schwefeiflötz  zu  Swns-:zoiiice,  Galicien  127 

J.  Czjzek:  über  die  Congeria  Partsciii  bei   Wien 128 

A.  d'Oreigny:  „Prodrome  de  Paleontologie'*  elc.  l,  II,  Paris  12"  239 

G.  A.  Mantell  :  neue  Sendung  von  Mo  a- Knoclien  aus  Neuseeland  245 
QcENSTEDT  :    die  M  a  s  t  0  d  0  n  s  a  u  r  i  e  r  im  Keuper  Württembergs,  4°  251 

Fr.   M'Coy:  neue  silurische  Mollusken 253 

J.  Wyman  :  W  i  rb  e  i  tli  i  e  r-Reste  von   Richmond,    Va 254 

Th.   W.  Feetchkr:   Trilobiten  von   Dudley 255 

Nachrichten  über   den  Moa 255 

G.  Mantej^l  :  lebender  Notornis  aus  Neil-Seeland 256 

Ch.  Bonaparte:  lebender  Notornis  aus  Neu-Seeland      ....  256 

NiLSSON  :  die  fossilen   Ochsen -Reste 256 

L.  Agassiz  ;  veischiedener  Ursprung  der  Mensciicn-Rasse»     .     .     .  369 
R.   Owen:  die  ungeflügelten  Riesen  Vögel   Neu-Seelands  ....  373 
I.  Geoffroy-St.-Hii.aire;  alluviale  Knochen  und  Eier  eines  Riesen- 
Vogels  von  Madagaskar , 374 

Roth:  fossile  Spinnen  im  Solenhofener  Schiefer 375 

Stitzenkerger  :   „Versteinerungen  des  GrossluMzogth.  ßarfen"   1851  377 

Fr.  RoLf.E:  „vergleichende  llber.sicht  urweltlicher  Org;inismen"  1851  377 

J.  CzjzKK  :  fossile  Fo  ram  inif  er  en  des    Wiener  Beckens    .     •     .  378 

Heckel:  Pycnodus  Mural  ti  aus  Kreide  Islriens 378 

R.   Owen:  die  fossilen  Krokodile  in  England 379 

J.  CzjzEK  :  2  neue  Fo  ra  m  i  n  i  fere  n  -  Genera  um    Wien  ....  379 

v.  Keyserling:  Beobachtungen  an  Numm  u  1  i  te  n 379 

Frever  :  Fo  ram  i  n  if  er  e  n  des    Wiener  Beckens 380 

DE  Christol:  tertiäre  Affen-  und  Katzen- Art 380 

A.  Gor.DFUSs  :  As  pid  0  s  o  m  a  Ar  n  old  ii,  Seestern  aus  Grauwacke  380 

Heckel's   und  Fenzl's  Art  versteinerte  Skelette  zu  reinigen  .     .     .  380 

Dana  :  fossile  Reste  von  der  United  States  Expedition 381 

F.  Krauss  :  „Petrefakte  der  untern   Kreide  vom  Kap-Land"  4"  .     .  382 

W.  King:  einige  Korallen-Familien  und  -Genera 488 

J.  Haime:  Milnia  ein  neues  Cidariden-Genus 490 

P.  Gervais:  3  Hi  ppario  n-Arten  zu  Cucuron,    Vaiiclnse  ....  490 

Fischer  von  Waldheim:  Cephalopoden  aus  Russischem  ßergkalk  .  491 

—    —    Crioceras  Woronzowi 491 

P.  Gervais:  „Zoologie  et  Paleontologie  Franpaises" ,  Paris,  fol.  .  492 

Grey-Egerton  und  Miller  :  Ptcrichthys  u.  die  Ce  ph  alaspid  e  n  493 

Ehrenberg;  Werk  über  Geologie  des  unsichtbaren  Lebens     .     .     .  495 

Rouillier  und  Vosinsky  :  alte  Foraminiferen  um  Moscau  ....  495 

F.  Roemer:  Stephanocr iuus,  aus  der  Familie  der  Cystideen      .  496 


XV 

Seite 

A.  WA^■^KR:  Lepi'dotiis  oblonge us  von  Solenhofen 496 

J.  Deani::  neue  fossile  Falliten  von  Turners-Fatl 497 

DE  CuRiSTOt:    klassifizitt  die   Pacliydornien    nmh    dem  Zaiin-Zäment  497 

E.  SisMüisDA  :  vollständiges   Mastodo  n  -  Sk  e  I  et  t  bei  Turin       .     .  498 

Hall:   Paläontologiscbe  Erj^ebnisse  in  New-York 498 

Giosser  Plesiosaurus  vim    Whitby 499 

G.  Jäger:  fossile  Säiiffcthiere  in    Württemberg 501 

Fr.  M'Cov:  Klassifikation  fossiler  Kruste  t 505 

V.  Marschall,  über  Graf  Mijnster's  Sammlung  in  lUiinchen      .     .  510 

Quenstedt:  Mecoe.hirus  u.  a.  Krebse  im   braunen  Jura       .     .     .  511 

Chaklesvvorth  :   über  Trigonien 512 

R.   Harkness:  drcizehigc  Fäbrten  im  Buntsandsfeine   Cheshires      .  bV2 

J.  Haime:   Bildung  von  Antipathes.     . 512 

Th.  Pliemnger:  über  Ainpiiicyon   in    Württemberg 512 

M^l.^K-EDWARDs  etHAiME  :  „Slructitre  et  Classification  des  Polypiers"  625 

—  —  „«  Iflonograph  of  British  Fossil  Coriils" 625 

—  —  „Iflonographie  des  Polypifrs  palcoi-oiques^' 627 

Cb.   Lyell:  über  Stufen-weise  Entwickelung  oi ganischer  Formen    .  628 

A.  D'ORBIG^Y:  geologische  Eutwickelungs-Folge  des  Thier-Reichs  .  631 

—  —   Zeit  der  Erscheinung  dei'  Thier-Ordnungen 633 

—  —  geologische  Medien  der  Existenz  der  Thiere 633 

Unger  :  tertiäre  Lokal-Floren   Österreichs 634 

—  —  nieiocäne   Pflanzen  in   Braunkohle  bei  Grntz 635 

Salter:    fossile   Organismen    am  Slincher-Flusse    und  Loch  Ryan 

in  Schottland 036 

Gale:  Menschen-Reste  in  der   Bluff-Formation  von  Nalchez-  ,     .     .  636 

Fr.  M'Coy:  neue  Arten  paläozoisi  her  Echinodermen    ....  748 

d'Archiac:  Fossilien  der  Nummuliten-Gruppe  um  Bayonne     .     .     .  750 

A.  Rouault:  Eocäne  Arten  von    Oos  d'Arros  bei   Pau 752 

E.  F.   Gloc?;er:  neue  Thier-Fornien  aus  Uarpathen  Sandstein    .     .  753 

DE  Quatbefages:  Scolicia  prisca,  ein  Annellide  aus  Kreide      .  763 

R.  Brown:  aufrechte  Sigi  Marien  in  Kohle  von   Breton      .     .     .  754 

J.  Li:idy:    Poe  b  r  ot  he  r  i  u  m  Wilsoni,   ein    tertiärer  Widerkäuer  755 

OsWAf.D:   silurische  Seeschvvämme 757 

Deshayes:  über  Sphaerulites  calieoloides   DesMoul.  .     .     .  757 

Geri\i4r:  tertiäre  Insekten  am  Rhein  und  zu   Aix 759 

M.  DE  Serresu.  Jeanjean:  Knochen-Breccien  u. -Höhlen  bei  Montpellier  759 

J.  Morris:  Sau  get  h  i  e  r-Reste  zu   Brentford 7G0 

Ph.  Gkey  Egerton:   Verwandtschaft  von  Piafysomus     ....  761 

Bowerbank  :  Alcyonites  parasiticus  in  Achat 761 

P.  Meriais:  Schaalthiere  im  Süsswasser-Kalk  Mühlhausens       .  762 
E.  Lartet  u.  C    Prevost  \  Grabungen     nach     tertiären    Knochen  j 

Laurillard,  Duverkoy        (  zu  Sansan       .     .     .     .  _ \ 

L.  BsLr.ARDi  :   numinulitische  Versteinerungen  aus  Ägypten     .     .     .  764 

J.  HALt, :  neue  fossile  Ko  ra  I  le  n  -  Genera  in  New-York     ....  765 

Jon.  Miller:  Lycoptera  Middendorffi,  aus  Sibirien    .     .    ^  768 

Geologische    Preis-Aufgaben 

der  Harlemer  Societät  der  Wissenschaften  für  1852  u.  1853   .     .  637 


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Zeile 

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lies 

62, 

IS  V. 

0. 

RÖMBR 

ROEMER 

83, 

26  V. 

0. 

363 

236 

186, 

7  V. 

0. 

ex 

CLX 

190, 

17  V. 

0. 

Sept. 

Nov. 

321, 

22  V. 

0. 

Mryrat 

Meyrat 

357, 

27   V. 

0. 

Temirchanska 

Temirchanshura 

357, 

31   V. 

0. 

Furtschidag 

Turtschidag 

389,3 

U.4.V. 

u. 

Kalk 

Talk 

422, 

2  V. 

0. 

eigenthiimlichen 

alterthiim  liehen 

438, 

16  V. 

0. 

Chemie 

Chimie 

440, 

19  V. 

u. 

XII 

XI 

475, 

9  V. 

u. 

Andree 

AlSDRÄ 

486, 

1    V. 

0. 

Conifera 

Conchifera 

583, 

18  V. 

0. 

1850 

1851 

584, 

3  V. 

0. 

Xli 

XI 

618, 

16  V, 

0. 

Aply 

Ciply 

626, 

1     V. 

u. 

Sextularia 

Sertularia 

627, 

2   V. 

u. 

du  terrains 

des  terrains 

628, 

13  V. 

0. 

nur 

nun 

737, 

13   V. 

u. 

r  a  d  i  0  s  a 

radiola. 

l^-  ^1     #s-i^    * 


Die 


Feldstein-Porphyre  und  die  Erz-Gänge  des 
Münster -Tliales  bei  Staiifen, 


Herrn  Berg-Inspektor  Daub 

zu  Münster-Thal. 


Die  Feldstein-Porphyre.  Es  setzen  in  unsrem  Thale 
gegen  12  an  Länge  wie  an  Mächtigkeit  sehr  differente  Por- 
phyr-Züge anf,  welche  nach  ihrer  Lage  sich,  in  Bezug-  auf  die 
Stadt  Stanfen  als  Zentralpunkt,  wie  Radien  eines  Kreises  ver- 
halten. Denkt  man  sich  die  Peripherie  des  Kreises  in  einer  Ent- 
fernung- von  2'/,  Stunden  von  Slaufen  durch  den  Belchen  gelegt, 
so  hat  man  zugleich  die  äussersten  östlichen,  südlichen  und  die 
dazwischen  liegenden  Begrenzungs-Punkte  unsrer  gegen  Staufen 
konvergirenden  Porphyr-Züge  bezeichnet.  Der  nördlichste  und 
zugleich  der  bedeutendste  dieser  Züge  beginnt  in  der  Nähe 
von  Staufen  am  alten  Schlossberg  und  zieht  sich  über  den 
Metzenbacher  Gebirgs-Rücken,  den  er  ganz  bildet,  die  Rodels- 
bürg,  St.  Trudpert,  Rurgeck,  Schar fenst ein.,  Wiedener-Ech  bis 
in  das  in  der  1^-ähe  unsrer  Grenze,  aber  schon  im  Gebiete 
der  Wiese  gelv^gene  Dorf  Wieden.  Diese  Richtung  fällt  in 
COS.— VVWN.  Die  Länge  dieses  Zi^es  beträgt  etwas 
über  2y,  Stunden  und  seine  Mächtigkeit  im  westlichen  Theile 
100—500',  in  seinem  östlichen  Theile  aber  5000—6000'. 
Alle  übrigen  Züge  folgen  in  radialen  Richtungen  dem  Haupt- 
zuge gegen  Süden;  sie  erreichen  aber  auf  der  einen  Seite 
nicht  alle  den  Zentralpunkt,   und  auf  der  anderen    nicht  alle 

Jahrgang  1851.  1 


2 

die  Peripherie,  dagegen  vereinigen  sich  zwei  oder  drei  der 
nächstgelegenen  Züge  zwischen  dem  Diepelbach  und  Wölfle- 
thal  mit  dem  Hauptzuge,  nachdem  sie  vorher  in  ihren  west- 
lichen Theilen  sich  der  Richtung  gegen  Norden  mehr  an- 
näherten. Ihre  Mächtigkeit  ist,  je  nachdem  sie  an  den  An- 
fangs-, End-  oder  mittlen  Punkten  abgenommen  wird,  sehr 
ungleich  und  kann  zu  20 — 300'  angegeben  werden.  —  Die 
mittlen  dieser  Züge  streichen  meist  gegen  hora  9,  die 
äussersten  gegen  Südwesten  fallen  in  hora  12  und  schliessen 
sich  somit  an  die  ebenfalls  Porphyr-reiche  Gegend  von  Sulz- 
hurg  an.  —  Die  grösste  Höhe  erreicht  der  nördliche  Haupt- 
zug nahe  an  seinem  östlichen  Ende,  auf  dem  Hürnle,  mit 
3966'  badisch  über  dem  Meere ;  an  seinem  westlichen  Ende, 
bei  Sfaufen,  hat  er  sich  bis  auf  2264'  gesenkt.  In  dem 
Hauptthal  so  wie  in  dessen  zahlreichen  Verzweigungen  lie- 
gen natürlich  sämmtliche  Porphyr  Züge  tiefer.  Tiber  das  Ein- 
fallen sind  nur  ■wenige  Beobachtungen  vorhanden,  weil  der 
Anstellung  derselben,  ausserhalb  der  Gruben,  sich  allerlei 
Schwierigkeiten  entgegenstellen.  An  einigen  der  Züge,  be- 
sonders an  den  dem  Hauptzuge  zunächst  gelegenen,  wurde 
an  mehren  Punkten  in  den  Gruben  Schindler,  Teufelsgrund, 
Rippenbach  und  in  sonstigen  bergmännischen  Arbeiten ,  wie 
z.  B.  Brunnen,  ein  nördliches  und  nordöstliches  Einfallen  mit 
50 — 60*^  abgenommen.  Die  folgenden  Züge  scheinen  sich 
diesen  in  der  Fall-Richtung  parallel  zu  legen,  soweit  es  ihr 
Streichen  erlaubt,  dagegen  der  nördliche  Hauptzug  ein  bei- 
nahe seigeres  Einfallen  nach  derselben  Weltgegend  zu  be- 
sitzen. Die  Mächtigkeit  scheint  mit  zunehmender  Teufe  zu 
wachsen,  jedoch  liegen  entscheidende  Beobachtungen  hierüber 
nicht  vor. 

Auf  eine  ausführliche  Schilderung  der  Gesteins-Charaktere 
kann  ich  mich  natürlich  nicht  einlassen;  ich  muss  hier  auf 
die  Handstücke  verweisen  und  mich  auf  Weniges  beschränken. 

Die  hiesigen  Porphyre  führen  alle  Quarz;  daraus  ergibt 
sich  schon,  dass  es  an  Hornstein-Porphyren  nicht  fehlen  kann; 
aber  auch  die  sogenannten  Thon-  oder  Thonstein-Porphyre 
treten  an  manchen  Punkten  auf.  Die  petrographischen  und 
sozialen  Verhältnisse  dieser  Gesteins- Varietäten  sind  der  Art, 


.3 

(lass   ich  keinen   grossen  Werth   anf  die  bisher  übliche  und 
vielfach  gebrauchte  Unterscheidung  zu  legen  geneigt  bin. 

Die  Feldstein-  oder  Felsit-Grundinasse  ist  überall  vorherr- 
schend und  nur  in  ihrer  äussern  Erscheinung  verschieden. 
So  tritt  sie  auf  dem  nördlichen  oder  Haupt-Zuge  mit  vorwal- 
tend grünen,  dann  aber  bläulichen,  schmutzig-röthlichen,  bräun- 
lichen und  schmutzig-gelblichen,  auf  den  übrigen  Zügen  in 
mehr  lichten:  schmutzig-weissen,  grauen,  ziegelrothen,  fleisch- 
vothen,  seltener  violetten,  gelblichen  und  grünen  Farben  auf. 
In  dieser  Grundmasse  liegen  bald  mehr  und  bald  weniger,  bald 
kleine  und  bald  bis  zu  2yo"  grosse  Feldspath-(Orthoklas-)Kry- 
stalle,  ohne  irgend  eine  Gesetzmässigkeit  in  der  Verthellung 
oder  in  der  Lage.  An  der  einen  Stelle  liegen  diese  Krystalle 
gruppenweise  zusammen,  an  der  andern  wieder  weiter  aus- 
einander. In  dem  Hanptzuge  sind  diese  Einschlüsse  Immer 
klein  und  sehr  klein,  so  dass  dadurch  In  Verbindung  mit 
den  beiden  andern  ebenfalls  kleinkörnigen  wesentlichen  Be- 
standtheilen,  dem  Quarz  und  Glimmer,  ein  klein*  und  fein- 
körniges Gestein  entsteht,  das  nicht  selten  in  das  Dichte 
übergeht,  in  welchem  Falle  nur  noch  spärliche  kleine  Quarz- 
Körner  oder  -Krystalle  in  der  Masse  zu  entdecken  sind.  Diese 
Beschaffenheit  des  Gesteins,  besonders  aber  die  gleiche  Korn- 
Grösse  und  die  vorwaltend  grünliche  Färbung  des  Felsit-Teiges, 
unterscheiden  dasselbe  sehr  bestimmt  von  den  übrigen  Por- 
phyren. —  Die  Form  der  Krystalle  scheint  in  allen  Varietäten 
dieselbe  zu  seyn.  Der  Feldspath  ist  weiss  und  schmutzig- 
weiss,  der  Quarz  grau  und  der  Glimmer  weiss  und  von  dun- 
keln Farben:  schwarz,  braun  und  seltener  röthlich.  —  Am 
östlichen  End-Punkte  des  grossen  Zuges,  bei  dem  Dorfe  Wie- 
den,  so  wie  auch  noch  an  wenigen  Punkten  des  westlichen 
Theiles  wird  die  Farbe  der  Grundmasse  weiss,  schmutzig- 
weiss  und  gelblich-weiss;  das  Gestein  erscheint  als  Thon-Por- 
phyr  mit  braunen  Eisenocker-ähnlichen  Punkten  und  sehr 
kleinen  Quarz-Krystallen.  An  der  südlichen  Grenze  gegen  den 
Gneiss,  von  der  sogenannten  Breüenau  —  einem  3316'  hoch 
gelegenen  Hause  der  Gemeinde  Obermünsterthal  —  bis  zum 
Kloster  St.  IVudpert,  wird  die  Grund-Masse  des  sonst  grünen 
Porphyrs   grau    und    ziegelroth.    In    dieser   liegen   grössere 

1* 


4 

krystallinische  und  krystallisirte  Önarz-Paitie'n ;  der  Glimmer 
ist  zu  einer  gelblich  ^riinen  Masse  verwittert,  in  welcher 
man  jedoch  noch  Theile  der  Blättchen  erkennen  kann;  der 
Feldspath  wird  vermisst.  In  einer  mehr  braunen  Grundmasse 
befinden  sich  daselbst,  neben  dem  unveränderten  öiiarz  und 
dunkelbraunen  Glimmer,  zahlreiche  deutlicheFeldspath-Krystalle 
von  röthlicher  Farbe.  An  einem  andern  Punkte  besteht  diese 
Grenze  gegen  den  Gneiss  aus  einem  Porphyr  mit  grauer 
Grund-Masse,  der  dem  in  den  folgenden  Zügen  vorkommenden 
ähnlich  ist;  nur  sind  die  Feldspath-Krystalle  etwas  kleiner. 
Man  sieht  also  hier  in  ein  und  demselben  Zuge  Gesteine  von 
wesentlich  verschiedenem  Habitus.  Bemerkenswerth  ist  jedoch 
hierbei,  dass  die  von  der  Hauptmasse  abweichenden  Varietä- 
ten in  eine  ganz  schmale  Zone  an  der  Grenze  gegen  den 
Gneiss  zusammengedrängt  sind.  Wir  werden  später  ein  ana- 
loges Verhalten  bei  den  grauen  Porphyren  in  den  folgenden 
Zügen  finden. 

Die  Absonderung  des  grünen  Porphyrs  des  Hauptzuges 
ist  an  mehren  Stellen  ausgezeichnet  säulenförmig,  so  na- 
mentlich im  Grambächle,  auf  der  Burgech,  an  dem  Streicher 
Kopf  und  an  den  malerischen  Felsen  des  Scharfensteins.  Es 
sind  unregelmässig  sechsseitige  Säulen  von  8  —  15"  Seiten-Breite 
und  von  5 — 10'  Länge.  Die  Säulen  liegen  mit  konkaven  und 
konvexen  Seitenflächen  an  einander;  die  Flächen  selbst  sind 
der  Länge  nach  gefurcht.  An  andern  Lokalitäten  ist  die 
Säulen-Form  zwar  weniger  deutlich  ausgeprägt,  allein  immer 
noch  erkennbar,  so  z.  B.  an  der  Rödelsöurg ,  Meizenbacher 
Höhe  etc.  Ich  glaube  bemerkt  zu  haben,  dass  diese  beson- 
ders am  Scharf ensiein  so  schönen  Polyeder  nach  allen  ihren 
Dimensionen  um  so  kleiner  werden,  je  höher  sie  vorkommen; 
besonders  aber  wird  durch  das  Zusammenrücken  ihrer  trans- 
versalen Gliederungs-Fugen  eine  Verkürzung  der  Säulen  be- 
wirkt. Die  Gesteins-Festigkeit  erreicht  in  den  Säulen  den 
höchsten  Grad;  daher  diese  den  zerstörenden  Elementen  einen 
grossen  Widerstand  entgegensetzen  und  sich  zu  malerischen 
Fels-Partie'n  gestalten  konnten.  Eine  weitere  interessante 
Erscheinung  bietet  die  gleichförmige  Neigung  der  deutlichen, 
wie  der  undeutlichen  Säulen  gegen  Osten,  unter  einem  Winkel 


5 

von  60— 80<>  dar.  Die  bedingende  Ursache  dieser  konstant 
auf  dem  g;anzen  Zuge  vorkommenden  Neigung  kann  erst, 
nachdem  die  Säulen  zu  ihrer  Ausbildung  gelangt  waren,  in 
Wirksamkeit  getreten  seyn,  und  zwar  i'ibercinstimmend  mit 
der  höher  gelegenen  Obeifläche  des  Zuges  in  Osten,  —  ent- 
weder hier  hebend ,  oder  dort  in  Westen  niederziehend. 
Dass  diese  Regelmässigkeit  in  der  Neigung  ihren  Grund 
ebenfalls  in  dem  Krystallisations-Akt,  aus  welchem  die  Säulen- 
Gestalt  hervorging,  haben  soll,  scheint  mir  nicht  wahrschein- 
lich: es  muss  vielmehr  angenommen  werden,  dass  die  Säulen 
erst  später  ihre  gegenwärtige  Lage  annahmen.  Ich  habe  nun 
noch  auf  einige  weniger  häutig  vorkommende  Absonderungs- 
Formen  aufmerksam  zu  machen.  Zu  diesen  gehört  eine  un- 
deutlich kugelförmige  und  die  plattenförraige.  Jene  ist 
äusserst  selten  (u.  a.  im  Grambächle},  diese  dagegen  häufiger 
zu  beobachten.  Die  Platten  sind  1~S"  mächtig  und  strei- 
chen fast  ohne  Ausnahme  zwischen  hora  12  und  1.  Sie  neh- 
men an  Stäike  zu,  je  mehr  sie  sich  von  dem  Ausgehenden 
gegen  die  Tiefe  entfernen. 

Auf  den  andern  Zügen,  welche  dem  bisher  betrachteten 
Hauptzuge  südlich  und  südwestlich  liegen,  erscheint  der  Feld- 
stein-Poiphyr  in  wesentlich  veränderten  Charakteren.  Die  Be- 
sfandtheile  sind  zwar  dieselben;  allein  in  Farbe,  Form  und 
Quantität  treten  andere  sehr  modifizirende  Verhältnisse  ein. 
Insbesondere  ist  es  jetzt  die  Faibe  der  Feldstein-Grundmasse, 
und  die  Farbe  und  Grösse  der  Orthoklas  Krystalle,  welciie  den 
Habitus  des  Gesteins  bestimmen.  Erinnert  man  sich,  dass 
an  der  Grenze  des  grossen  Zuges  gegen  den  Gneiss  sich 
Gebilde  einstellten,  welche  grosse  Übereinstimmung  mit  den 
nun  zu  beschreibenden  zeigten,  so  liegt  die  Vermuthung  nahe, 
dass  bei  der  geringeren  Mächtigkeit  der  folgenden  Züge  das 
durchbrochene  Nebengestein  nicht  ohne  Einfluss  auf  die  Por- 
phyr-l?ildinig  war.  Da  jedoch  ein  solcher  Einfluss  gerade  an 
diesen  schmalen  Zügen  unverkennbar  ist,  wie  wir  später  sehen 
werden,  das  Resultat  desselben  aber  iu  der  Erzeugung  eines 
dichten  und  fast  homogenen  Gesteins  von  vorwaltend  weisser 
blassgelber  und  lichtgraner  Farbe  ist,  während  dort,  an  der 
Gneiss-Grenze  des  grünen  Porphyrs,  die  Gemengtlieile  des  Ge- 


6 

Steins  an  Grösse  zugenommen  haben,  so  muss  man  hier  wohl 
auf  jene  Vermuthung  über  die  weitgreifende  Einwirkung  des 
Nebengesteins  verzichten,  oder  eine  solche  anderer  Art  an- 
nehmen. 

Die  Grundmasse  aller  unserer  auf  den  schmalen  Zügen 
befindlichen  Porphyre  ist  in  den  meisten  Fällen  grau.  Die 
allerdings  zahlreichen  Farben-Modifikationen,  deren  eben  ge- 
dacht wurde,  sind  in  Bezug  auf  das  Ganze  von  untergeord- 
neter Bedeutung.  —  In  der  grauen  Grundmasse,  die  bald 
lichter  und  bald  dunkler  wird,  liegen  Orthoklas-Krystalle  von 
wenigen  Linien  bis  zu  2V2"  Grösse,  wie  ebenfalls  schon  be- 
merkt, ohne  Ordnung  und  ohne  gleichmässige  Vertheilung. 
Ihre  Konturen  sind  aber  oft  so  verwischt,  oder  sie  verfliessen 
so  sehr  mit  der  Grundmasse,  dass  es  schwer  hält,  die  Kry- 
stall-Form  zu  erkennen;  die  weissere  Farbe  allein  verräth 
dann  nur  noch  den  Krystall  und  annähernd  dessen  Form. 
Diese  undeutliche  oder  unvollständige  Form-Entwicklung  zeigt 
der  Porphyr  mit  besonders  fester  Grundmasse  und  wenig 
Quarz  am  häufigsten.  Es  scheint,  dass  hier  die  vorhandene 
Basis  fast  den  ganzen  Kieselerde-Gehalt  zur  Silikat-Bildung  in 
Anspruch  nahm,  und  dass  daher  nur  selten  reine  Kieselerde 
als  Quarz  ausgeschieden  wurde.  Hiernach  ist  auch  wohl  die 
grössere  Gesteins- Festigkeit  erklärlich. 

Diejenigen  Formen,  welche  sich  am  häufigsten  am  Ortho- 
klase finden,  sind : 

1.  Das  Hendyoeder  OOPCO-  (00  PCO).  OP. 

2.  OOP.  (OOPOO).  OP.  2P0O.  (00P3) 

3.  OOPoO.  (OOPoO).  OP.  V2P.  2P.  —  P 

die  Fläche  1/2  P  bildet  mit  OP  und  OOP 00  eine  Kom- 
binations-Ecke; die — P  Flächen  stumpfen  die  Kombina- 
tions-Ecken von  OOP  00«  (00 Poe)  nnd  OP  nur  wenig 
ab,  so  dass  sie  sehr  klein  sind. 

4.  (OOPoe).  OOP.  OP.  2P0O.  (0CP3).  (2Pcc).  P- 
Die  Flächen    der  positiven  Hemipyramiden,  P,    bestehen 

in  kleinen  Dreiecken,  die  selten  der  positiven  kliuodiagonalen 
Pol-Kante  nahe  treten;  kommen  sie  aber  am  Krystall  selbst 
bis  zum  Durchschnitt  mit  derselben ,  dann  bleibt  von  der 
Fläche  2Poo>   ^^^  horizontalen   oder   orthodiagonalen  posi- 


tiveii  Hemisprisma,  wenig-  übrig*.  Die  Flächen  des  geneigten 
Prisnic'is,  oder  klinodiagonalen  Oomas  (2.Pqq)  und  des  ver- 
tikalen Prisma's  (coP3),  bilden  nur  schmale  Abstumpfungs- 
Fläclien  an  den  entsprechenden  Kombinations-Kanten  der  vorwal- 
tend tafelartigen  Kombinationen.  —  Die  Zwillinge  sind  ausser- 
ordentlich häufig,  so  dass  man  selten  ein  Stück  in  die  Hand 
bekommt,  in  welchem  nicht  Zwillinge  sind.  Die  Zwillings- 
ßildung  erscheint  entweder  nach  dem  Karlsbader  oder,  je- 
doch viel  seltener,  nach  dem  Bavenoer  Gesetze.  An  jenen 
gewahrt  man  die  rechts  und  links  verwachsenen  Krystalle 
recht  oft.  Die  Krystalle  sind  um  so  deutlicher  ausgebildet, 
je  grösser  sie  sind;  ihre  Grösse  ist  aber  ebenfalls  abhängig 
von  der  relativen  Höhe  ihrer  Fundorte,  so  dass  sie  auf  den 
Höhen  immer  am  kleinsten  sind.  Die  Gewinnung  von  einzel- 
nen wohlerhaltenen  Krystallen  ist  ungemein  schwierig;  am 
besten  ist  es  mir  gelungen,  sie  von  der  einschliessenden  Masse 
des  aus  der  Grube  frisch  geförderten  Gesteins  zu  befreien. 
Ans  dem  zu  Tage  anstehenden  unzersetzten  Gestein  habe  ich 
noch  nicht  einen  einzigen  guten  Krystall  bekommen.  —  Die 
Farbe  der  Krystalle  ist  gewöhnlich  weiss,  gelblichweiss  und 
aschgrau  und  stets  lichter  als  die  Grundmasse;  nur  in  dem 
Zustande  der  Verwitterung  erscheint  die  Farbe  derselben  oft 
dunkler  als  der  Teig.  Die  Zersetzung  beginnt  im  Mittel- 
punkte des  Krystalls  mit  der  Farbenwandlung  und  schreitet 
successive  bis  zum  Umfange  vor;  erst  erscheinen  lichtere; 
gelbliche,  grünliche  und  röthliche,  dann  dunklere:  braune  und 
schwärzliche  Farben,  und  zuletzt  mit  der  vollendeten  Zer- 
setzung das  Herausfallen  der  KrystallSubstanz.  Es  ist  jedoch 
interessant,  dass  noch  lange  Zeit  eine  schwache  weisse  Email- 
artige Rinde  vom  Krystall  an  der  Grundmasse  sitzen  bleibt; 
jedoch  auch  diese  widersteht  auf  die  Dauer  der  Zersetzung 
nicht,  und  so  bleibt  dann  zuletzt  nur  noch  eine  Zelle  im  Ge- 
stein zurück,  die  gewöhnlich  die  Form  des  verschwundenen 
Krystalls  deutlich  erkennen  lässt.  Die  grossen  Krystalle  ver- 
mögen der  Verwitterung  am  längsten  zu  widerstehen;  wenn 
ihre  kleineren  Nachbarn  schon  völlig  verwittert,  sind  sie  oft 
noch  unversehrt,  und  so  nimmt  man  auch  hier  wieder  wahr, 
dass  eine  Mineralsubstanz   in    ihrem  ursprünglichen  Zustande 


8 

um  so  länger  beharrt,  je  vollständiger  die  geometrischen  Ge-j 
setze  zur  Entwicklung-  gelangten,  d.  li.  je  reiner  und  voll-' 
ständiger  der  Krystall  wurde.  In  vielen  Fällen  mag  aber 
auch  ein  grösserer  Natron-Gehalt  der  Feldspath-Substanz  die 
Veranlassung  zu  einer  fri^ihzeitigern  Verwitterung  gewesen 
seyn ,  was  um  so  Avalirsclieinlicher,  da  in  der  That  auch 
Natron-  oder  triklinoedrischer  Feldspath  zu  den  Einschlüssen 
unserer  Porphyre  gehört.  —  Durch  die  Verwitterung  erhält 
das  Gestein  ein  sehr  poröses  Anselien ;  man  trifft  solche 
Massen  am  häufigsten  auf  den  Höhen  und  an  den  Sommer- 
Seiten  der  Berge;  eine  Thatsache  die  alles  Befremdende  ver- 
liert, wenn  man  sich  erinnert,  dass  die  kleinen  Krystalle  am 
leichtesten  verwittern,  dass  sie  auf  den  höchsten  Punkten 
vorzugsweise  angetroffen  werden,  und  dass  endlicii  Nässe 
und  Wärme  den  Prozess  beschleunigen.  Hinsichtlich  der 
Zeit,  welche  zur  Zersetzung  nothwendig  ist,  kann  ich  aus 
Erfahrung  hinzufügen,  dass  der  Prozess  schon  in  wenigen 
Jahren,  wenigstens  bei  gewissen  Gesteins-Varietäten,  ein- 
geleitet und  in  7 — 8  Jahren  bei  kleineren  Krystallen  voll- 
endet ist,  während  die  grösseren  Krystalle  in  ihrem  Innern 
erst  anfangen  sich  zu  bräunen  und  lissig  zu  werden.  Diese 
Erscheinung  lässt  sich  noch  heute  an  dem  vor  7—8  Jahren 
im  Wilhelmstüllen  der  Grube  Teufelsgrund  gewonnenen  und 
auf  der  Halde  für  die  Stollen-Mauerung  aufbewahrten  Porphyr 
wahrnehmen.  —  Erwägt  man,  dass  alle  Natron-Feldspathe 
leichter  verwittern,  als  die  Kali-Feldspathe,  und  dass  die  Rinde 
unserer  Krystalle  mit  der  grössten  Hartnäckigkeit  sich  end- 
lich dem  Gesetze  der  Nothwendigkelt  fügt,  so  ist  man  zu 
glauben  geneigt,  dass  das  interessante  Phänomen  durch  die 
Annahme  eines  konzentrirteren  Natron-Gehaltes  im  Zentrum 
des  Krystalls  zu  erklären  sey.  —  In  der  Mitte  der  Ortho- 
klas-Krystalle  finden  sich  nicht  selten  Glimmer  Blättchen;  auch 
habe  ich  schon  in  einem  Zwillings-Krystall  aus  dem  Wühelm- 
stollen,  ebenfalls  in  der  Mitte,  eine  feinkörnige  bis  dichte 
braune  Braunspath-ähnliche  Masse  mit  einigen  deutlichen 
ßleiglanz-Augen,  und  endlich  in  einem  grösstentheils  verwit- 
terten Zwilling    aus    dem  Porphyr   von    den  Glashöfen   hinter 


9 

dem  Scharf ens fein ,  in  der  noch  unversehrten  Krystall-Rinde, 
ein  Bleigianz-Korn  beobachtet. 

Der  öiiarz  tritt  in  krystalliiiischen  Körnern  und  in  deut- 
lich ausgebildeten  Krystallen  auf;  diese  so  wie  jene  sind  je- 
doch immer  klein  und  erreichen  selten  die  Grösse  von  3'". 
Dieser  ßestandtheil  ist  in  allen  Metamorphosen  des  Gesteins 
sehr  leicht  zu  erkennen,  wenn  auch  nicht  an  seiner  Form, 
so  doch  an  seiner  Farbe,  noch  mehr  aber  an  der  Eigenthüm- 
lichkeit  seines  Glanzes.  Er  ist  entweder  farblos,  wasserheli 
oder  grau,  glasglänzend  oder  fettglänzend.  Die  Form  der 
Krystalle  ist  meist  die  gewöiinliche,  nämlich  die  doppelt  sechs- 
seitige Pyramide  und  das  mit  derselben  in  Kombination  tre- 
tende hexagonale  Prisma.  Je  nach  dem  Vorherrschen  dieser 
oder  jener  Form  erscheint  00  P  •  P  oder  P.CZDP.;  am  häufig- 
sten aber  ist  die  letzte  Kombination,  Die  Krystalle  kommen 
einzeln,  in  Zwillingen  und  in  Aggregaten  vor.  Der  Quarz 
ist  in  keinem  Porphyr  ganz  ausgeschlossen;  und  glaubt  man 
ihn  hie  oder  da  zu  vermissen  und  den  Grund  davon  in  der 
Gesteins-ßeschaffenheit  zu  finden,  so  gewahrt  man  ihn  in  dem- 
selben Gestein  an  einer  anderen  Stelle  bald  wieder;  nur 
ist,  was  Frequenz  betrilff,  ein  grosser  Unterschied,  indem  er 
bald  häufig  und  bald  vereinzelt  erscheint. 

Der  Glimmer,  mitunter  sehr  häufig,  verliert  sich  in  der- 
selben Gesteins-Varietät  bis  zu  wenigen  eingestreuten  Blättchen. 
Er  kommt  in  sechsseitigen  Tafeln  oder  Blättchen  und  in 
gleichzähligen,  aber  kurzen  Säulchen  vor;  diese  sind  aber 
nichts  anders  als  eine  Anhäufung  mehrer  oder  vieler  Ta- 
feln bis  zur  Säule,  d.i.  ooP.OP  oder  OP.OOP.  —  Die 
Farbe  ist  braun,  griinlich  grau  und  weiss,  bis  silberweiss, 
und  wird  dann  lichtbraun,  dunkelbraun  und  schwarz,  wenn 
das  Gestein  in  Verwitterung  übergeht.  Zuweilen  finden  sich 
auch  auf  den  Blättchen  rotlie  Flecken  von  Eisenocker.  Der 
Glimmer  ist  an  wenigen  Orten  iGropbacli)  so  vorwaltend, 
dass  alle  andern  Bestandtheile  bis  auf  den  krystallinischen 
oder  krystallisirten  Feldspath  ganz  verdrängt  sind.  3Ian  hat 
dann  einen  wahren  Glimmer-Porphyr  und  wahrscheinlich  das 
bei  Framont  in  Frankreich  mit  dem  Namen  „Minette"  belegte 
Gestein;  denn  so  wie  in  diesem,  fehlt  dem  Glimmer  in  unserin 


10 

Gestein  die  Parallel-Struktur;  und  da  kein  bindender  Teig 
vorhanden  ist,  so  zerbröckelt  es  so  leicht,  dass  es  ohne  An- 
strengung mit  den  Fingern  zerbrochen   werden  kann. 

Als  zufällige  oder  accessorische  Bestandtheile  ver- 
dienen aufgeführt  zu  \yerden:  Hornblende  jedoch  selten;  eine 
nicht  individualisirte,  bereits  erwähnte  gelbliche,  grünlich- 
graue und  grünlich-weisse  Feldspath-Substanz,  die  mehr  dem 
Oligoklas  als  dem  Albit  angehören  möchte,  —  dann  seltener 
Schwefel-Kies  und  Zink-Blende,  beide  in  dem  noch  zu  be- 
sprechenden Kontakt-Gestein  am  Gneisse,  —  ferner  Bleiglanz, 
Anthrazite?),  Dichroit(?),  Pinit  in  kleinen  blassgrünen  Säul- 
chen, und  endlich  ebenfalls  als  Seltenheit  Thonschiefer- 
Fragmente. 

Ganz  unabhängig  von  dem  petrographischen  Charakter 
des  Gesteins  tritt  überall  —  mit  nur  einer  mir  bis  jetzt  be- 
kannt gewordenen  Ausnahme,  nahe  am  Ausgehenden  —  in 
den  grauen  Porphyren  der  kleinen  Züge  eine  Gesteins-Ver- 
änderung an  der  Grenze  gegen  den  Gneiss,  Syenit  etc.  auf, 
deren  noch  besonders  gedacht  werden  muss.  Es  ist  Diess  ein 
dichter  Porphyr  ohne  Feldspath-Ausscheidungen,  mit  mehr 
oder  weniger  ganz  kleinen  und  oft  kaum  bemerklichen  Öuarz- 
I^örnern  und  eben  solchen  theils  weissen  und  theils  gelblich- 
und  blassgrünen  Glimmer-Theilchen.  Stellenweise  glaubt 
man  es  mit  einer  ganz  homogenen  Masse  zu  thun  zu  haben. 
Die  Farbe  dieses  Gesteins  ist  in  den  meisten  Fällen  weiss, 
gelblich,  gräulich  und  schmutzig  weiss,  theils  auch  braun 
und  ziegelroth,  in  welch'  letzter  Abänderung,  wie  es  scheint, 
der  Quarz  noch  am  deutlichsten  hervortritt.  Es  bildet  nur 
eine  schmale  Zone  oder  einen  Saum  an  der  Grenze  des  Por- 
phyrs, sich  gegen  dessen  Inneres  verlaufend,  bis  es  durch 
deutliches  Hervortreten  von  Quarz,  Glimmer  und  besonders 
Orthoklas  den  gewöhnlichen  Gesteins-Charaktor  wieder  an- 
genommen hat.  Gegen  den  einschliessenden  Gneiss  bildet  es 
eine  ganz  scharfe  Grenze.  Die  Mächtigkeit  dieses  Kontakt- 
Gesteins  schwankt  zwischen  1  und  5'.  Es  ist  oft  ausser- 
ordentlich spröde,  so  dass  es  bei  dem  leichtesten  Hammer- 
schlag zerspringt,  während  e«  in  andern  Fällen  eine  zähe 
Festigkeit  besitzt;    jene  Abänderung  zeigt   einen  deutlichen, 


11' 

diese  einen  weniger  ausgezeichneten  flachmuscheiigen  und 
mehr  erdigen  Bruch;  anch  ist  diese  gewöhnlich  weiss,  jene 
aber  grünlicli.  Dieselbe  Masse  erscheint  zuweilen  in  einer 
Form,  welche  eine  entfernte  Ähnlichkeit  mit  verkieseltem 
Holze  hat,  indem  sie  bald  eine  parallel-geradfaserige,  bald 
eine  irreguläre  und  geknickt-faserige  Struktur  annimmt. 
Ausserdem  bemerkt  man  stark  oder  tief  gefurchte,  meist 
etwas  verdrehte  oder  verzerite  Stücke.  Diese  seltsame  (ie- 
steins-Bildung  ist  nnzweifelhaft  aus  einem  in  verschiedenen 
Richtungen  gepressten  Teige  hervorgegangen,  —  In  zahl- 
reicheren Fällen  ist  unser  Kontakt-Gestein  in  dünne  dem 
Streichen  parallele  Platten  abgesondert,  auf  deren  Flächen 
sich  gerade  gefurchte  Harnische,  jedoch  ohne  Spiegel-Bildung, 
zeigen.  Auch  diese  plane  Parallel-Struktur  deutet  auf  eine 
Entstehung  aus  einer  einst  plastischen  Masse  hin;  jedoch 
wirkte  hier  die  bewegende  Kraft  nicht  drehend  «nd  verzer- 
rend, sondern  in  aufsteigend  gleichbleibender  Richtung.  Dass 
hier  überall  die  Krystall-Bildungfast  ganz  verdrängt  ist,  kann 
nicht  befremden,  wenn  man  erwägt,  dass  das  Gestein  das 
Resultat  eines  grossen  Druckes  ist,  dem  die  aufsteigende 
heisse  Porphyr-Masse  an  den  starren  Wänden  des  Nebenge- 
steins ausgesetzt  war,  dass  letztes  rasch  abkühlend  auf 
jene  wirkte,  und  dass  folglich  an  der  Grenze  die  Bedingungen 
fehlten,  unter  welchen  Mineral-Substanzen  aus  einer  Flüssig- 
keit krystallisiren,  nämlich:  hinlängliche  Ruhe  und  Zeit.  Da- 
mit steht  auch  ohne  Zweifel  die  Thatsache  in  Verdindung, 
dass  selbst  am  Ausgehenden,  d.  h.  an  der  Oberfläche,  das 
Gestein  hie  und  da  von  feinkörniger,  ja  sogar  von  derselben 
dichten  Beschaffenheit  ist,  wie  das  Kontakt-Gestein.  —  In 
den  in  Folge  starker  Pressung  entstandenen,  auffallend  ge- 
furchten Bildungen  fand  ich  auf  den  Neuhöfen,  bei  Wicdener- 
Eck  und  Wieden  mehiemal  kleine  Thonchiefer-Bruchstücke, 
die  unstreitig  dem  älteren  Thonschiefer  angehören,  der  in 
einer  Entfernung  von  1  — P/^,  Stunden  im  Wiesenthal  —  zu- 
nächst bei  Utzeftfeld  —  sehr  verbreitet  ist.  Von  einer  Ver- 
änderung dieser  Thonschiefer-Einschlüsse  habe  ich  nichts  wahr- 
genommen. 

Ganz   analoge   Bildungen   sind    mir   im    Schwarzwald  an 


12 

der  Grenze  des  Granits  gegen  den  Gneiss  vorgekommen ;  auch 
hier  ist  die  Ausscheidung  der  ßestandtheile  nicht  zum  Ah- 
schluss  gelangt,  so  dass  man  es  ebenfalls  mit  einem  fein- 
körnigen oder  dichten  Granit  zu  thun  hat.  Unbedenklich  wird 
daher  auch  der  Granulit,  der  im  gewöhnlichen  Öranit  des 
Schwarztvaldes  Gcänge  von  sehr  wechselnder,  jedoch  nie 
grosser  Mächtigkeit  bildet,  hierher  gerechnet  werden  müssen. 
Dass  auch  in  ihm  weiter  nichts  als  die  Tendenz  zur  Krystall- 
ßildung  zu  erkennen  ist,  wird  auf  keine  andere  Ursache  zu- 
rückzuführen seyn,  als  auf  den  grossen  Druck  und  die  rasche 
Abkühlung,  welche  der  heraufquellende  granitische  Teig  an 
den  Wänden  des  älteren  Granits  erlitt.  Je  näher  die  beiden 
Wände  zusammenblieben,  desto  mehr  wurden  auch  die  innern 
Theile  des  im  Werden  begriffenen  neuen  Gesteins  von  ihrem 
Einfluss  beherrscht  und  wahlverwandte  Atome  verhindert,  nach 
stöchiometrischen  Gesetzen  in  geometrische,  nämlich  in  Kry- 
Stall-Gestalten  zusammenzutreten. 

Die  grauen  Porphyre  der  schwächeren  Züge  erscheinen 
selten  regelmässig  abgesondert,  wie  z.  B.  in  der  Gabel,  wo 
plattenförmige  Mauersteine  gebrochen  werden ,  die  in  der 
neueren  Zeit  als  Bau-Material  immer  mehr  in  Aufnahme  ge- 
kommen sind.  Auch  noch  an  andern  Orten  ist  eine  undeut- 
lich plattenförmige  und  sogar  eine  Neigung  zur  säulenför- 
migen Absonderung  zu  erkennen. 

Von  grosser  Wichtigkeit  für  die  hiesigen  Porphyr-Ge- 
bilde sind  die  nicht  seltenen  gangförmigen  tiuarz-Lagerstätten. 
Sie  treten  entweder  als  selbstständige  Gänge  (?)  in  der  Nähe 
der  schwachen  Züge  mit  grauem  Porphyr,  diesen  sowohl  im 
Streichen  als  auch  wahrscheinlich  im  Fallen  parallel,  oder 
als  Kontakt-Massen  zwischen  denselben  und  dem  Gneiss  auf, 
oder  sie  bilden  Theile  des  Ausgehenden  der  Porphyr-Züge. 
In  allen  diesen  Fällen  ragen  sie  als  Kämme  oder  isolirte 
Fels-Partie'n  an  einigen  Punkten,  wie  besonders  im  Rippen- 
hach,  Ehrenstetter  Wald  und  in  der  Gabel,  aus  der  Oberfläche 
hervor.  An  einigen  dieser  Stellen  schliesst  der  öuarz  eckige 
Gneiss-  und  Porphyr  Fragmente  ein.  Es  ist  dieses  das  einzige 
Trümmer-Gebilde,  welches  ich  bei  unsern  Porphyren  kennen 
gelernt  habe.  —   Die  erwähnten  Einschlüsse  des  Quarzes  be- 


»3 

weisen  hinlänglicli,  dass  er  dem  Porphyr  an  Alter  nachsteht. 
Auf  welchem  Wege  der  Quarz  an  die  Oberfläche  gelangte, 
darüber  kann  kein  Zweifel  in  denjenigen  Fällen  obwalten, 
in  welchen  er  als  Kontakt-Bildung  zwischen  Porphyr  und 
Gneiss  erscheint.  Da  wo  er  das  Ausgehende  des  Porphyrs 
bildet,  würde  das  Alters-Verhältniss  einer  andern  Deutung  un- 
terliegen, Avenn  nicht  auch  hier  die  eingeschlossenen  Porphyr- 
Trümmer  auf  das  spätere  Hervortreten  des  Quarzes  mit  Be- 
stimmtheit hinwiesen.  Dahingegen,  wo  endlich  der  Quarz 
unabliängig  vom  Porphyr  vorkommt,  lässt  sich  nur  aus  der 
steten  Nachbarschaft,  aus  dem  Parallelismus  im  Streichen 
und  aus  der  Identität  der  von  den  verschiedenen  Ortlich- 
keiten  entnommenen  Quarze  auf  die  Verwandtschaft  schliessen, 
in  welcher  diese  zu  den  Porphyren  stehen.  Es  ist  nicht  un- 
wahrscheinlich, dass  die  zuletzt  erwähnten  Quarz-Lagerstätten 
in  der  Tiefe  mit  dem  Porphyr  zusammenhängen  und  folglich 
auch  nichts  anders  als  Ausgehende  von  diesem  seyn  dürften. 
Zu  dieser  Annahme  ist  man  bei  einem  30 — 50'  mächtigen 
Quarz-Zuge  im  Rippenhach  um  so  mehr  berechtigt,  als  er  in 
seiner  nördlich  fortgesetzten  Streichungs-Linie  auf  die  Rodels^ 
bürg  trifft,  die  in  der  Nähe  auf  dem  grossen  Porphyr-Zuge 
liegt. 

Der  Quarz  ist  von  weisser  und  grauer  Farbe.  Jene  ge- 
hört einem  weniger  dichten  und  porösen  Quarz  (Zucker- 
Quarz)  an;  diese  findet  sich  an  einem  weniger  reinen  Quarz 
oder  Hornstcin,  welch'  letzter  durch  Aufnahme  von  Eisen- 
oxyd in  Eisenkiesel  übergeht  und  dann  röthlich  wird.  Auch 
kleinere  Partie'n  von  Brauneisenstein,  sowie  schwache  aber 
oft  sehr  zahlreiche  Trümmer  reinen  Quarzes  durchziehen  die 
Quarz-Felsen  in  der  Richtung  des  Streichens.  In  diesen  Trüm- 
mern kommen  Drusen  mit  sehr  schönen  kleinen  Quarz-Kry- 
stallen  und,  freilich  selten,  Funken  von  Kupfer-  und  Schwe- 
fel-Kies vor. 

Ich  habe  nun  noch  des  Einflusses  zu  gedenken,  welchen 
die  Porphyre  auf  das  Nachbar-Gestein  ausgeübt  haben  dürf- 
ten. In  den  obern  Theilen  des  Thals  ist  ein  solcher  nicht 
zu  bemerken.  In  den  Gruben  habe  ich  den  Gneiss  in  der 
Nähe  des    Porphyrs  stets   unverändert  gefunden ;  zeigte   sich 


jener  aber  zersetzt  und  mit  erblassten  Farben,  so  war  das 
keineswegs  der  EinAvirkung  des  Porphyrs,  sondern  lediglich 
den  Wassern  zuzuschreiben,  welclie  auf  der  scharfen  Ablö- 
sung zwischen  beiden  Gesteinen  von  Tage  nieder  ihren  Weg 
in  die  Tiefe  gefunden  und  zersetzend  auf  das  unterliegende 
Gestein  gewirkt  hatten.  Diese  Beobachtungen  wurden  näm- 
lich im  Liegenden  des  Porphyrs  gemacht.  Die  Durchfahrung 
dieser  Grenze  lieferte  auch  viele  Wasser,  während  die  han- 
gende Ablösung  trocken  durchörtert  und  der  darüber  liegende 
Gneiss  ganz  uuverändeit  gefunden  wurde.  Gewöhnlich  fanden 
sich  an  diesen  Grenzen  im  Porphyr  Zinkblende,  Bleiglanz 
und  Schwefelkies  fein  und  nicht  häufig  eingesprengt  und  an- 
geflogen ;  auch  auf  Ablösungen  und  sehr  schwachen  Trüm- 
mern kamen  diese  Erze  vor.  —  Dagegen  scheint  im  untern 
Theil  des  Thaies,  wo  die  Porphyr-Züge  näher  zusammen- 
rücken ,  wo  sie  sich  verstarken  und  noch  kleine  Züge  hin- 
zutreten, so  dass  sie  einen  ungleich  grössern  Antheil  an  der 
Zusammensetzung  des  Gebirges  nehmen  wie  weiter  oben,  ein 
so  tief  eingreifender  Einfluss  stattgefunden  zu  haben,  dass 
überhaupt  nur  noch  wenig  Gneiss  sich  der  Metamorphose  ent- 
ziehen konnte.  Die  schief rige  Struktur,  die  auch  sonst  dem 
hiesigen  Gneisse,  freilich  in  sehr  wechselnden  Graden  der 
Deutlichkeit  eigen  ist,  verliert  sich  fast  ganz;  das  Gestein 
nimmt  einen  mehr  granitischen  oder  einen  Charakter  an,  der 
es  geAvissen  Varietäten  des  grünen  Porphyrs  des  Hauptzuges 
nahe  bringt.  Der  Gneiss  ist  zu  einem  Gestein  von  kleinen 
und  ziemlich  gleichen  Körnern  von  Feldspath,  Quarz  und 
Glimmer  umgebildet.  Erster,  der  oft  vorwaltet,  befindet 
sich  mehr  oder  Aveniger  im  Zustande  der  Zersetzung;  der 
Quarz  ist  Avie  gewöhnlich  unverändert  geblieben,  und  der  Glim- 
mer, der  mit  dem  Zurücktreten  des  Feldspaths  zum  prädomi- 
nirenden  Bestandtbeil  Avird,  ist  braun,  sclnvärzüch  oder  auch 
silberweiss.  Die  Ähnlichkeit  eines  solchen  Gneisses  mit  jenen 
grünen  Porphyren  Avird  in  dem  Falle  bis  zum  Verwechseln 
gross,  Avenn  die  Grundmasse  der  letzten  sich  zurückzieht 
und  damit  gleichzeitig  sich  die  Tendenz  zur  Schieferung  ein- 
stellt, Avie  sie  ihnen  an  der  Grenze  und  auch  an  der  Oberfläche 


]|5 

hin  und  wieder  eigen  ist,  und  wie  sie  der  veränderte  Gneiss 
mitunter  bewahrt  hat. 

Endlich  erwähne  ich  nocli  einer  in  früherer  Zeit  bestan- 
denen Sool-Öuelle  im  Riggenbach,  deren  Salz-Gehalt  jedoch 
sehr  gering  gewesen  seyn  soll.  Sie  kam  auf  dem  Gute  des 
ehemaligen  Ministers  von  Andlaw  zu  Tage,  der  sie  aucii 
fassen  Hess.  Ich  habe  zwar  die  Fassung  noch  gesehen,  allein 
ohne  Soole.  Diese  hat  sich  wahrscheinlich  in  Folge  des  in 
der  Nähe  stattgefundenen  Bergbau-Betriebes  verloren.  Die 
Quelle  befand  sich  jedenfalls  in  der  Nähe  des  Porphyrs  5  ob 
sie  aber  aus  diesem  selbst,  oder  auf  dessen  Grenzen  oder, 
was  mir  am  wahrscheinlichsten  vorkommt,  auf  der  Grenze 
eines  Quarz-Znges  zu  Tage  trat ,  habe  ich  der  mächtigen 
Diluvial-Bedeckung  wegen  nicht  ermitteln  können. 

Erz-Gänge    in     dem  Gebiete    des  Feldstein -Porphyrs. 

Der  Schwarzwald  hat  eine  so  grosse  Menge  Gänge  auf- 
zuweisen, dass  er  in  dieser  Beziehung  ohne  Gefahr  den  Ver- 
gleich mit  den  meisten  deutschen  Gebirgs-Ziigen  anshalten 
kann;  anders  verhält  es  sich  freilich  rücksichtlich  deren  Bau- 
würdigkeit. Es  ist  in  der  That  auffallend,  dass  bei  einer 
so  grossen  Anzahl  und  in  ihrem  Streichen  zum  Tlieil  so  weit 
zu  Felde  setzenden  Gängen  so  wenige  vorhanden  sind,  welche 
dem  Bergmann  Ersatz  füi"  Mühe  und  Kosten-Aufwand  ge- 
währen. Die  Gänge  sind  entweder  nicht  mächtig  genug,  oder 
sie  sind  zu  arm  an  Erzen.  Damit  sollen  jedoch  keineswegs 
sämmtliche  Gänge  zur  ünbauwürdigkeit  verurtheilt  seyn;  ich 
bin  vielmehr  der  Ansicht,  dass  es  an  bauwürdigen  Erz-Mitteln 
nicht  fehlt;  aber  sie  anzugreifen,  dazu  gehört  ünternehmungs- 
Geist  und  Geld ,  und  daran  fehlt  es  natürlich  jetzt  mehr  als 
je.  Ich  will  zur  Unterstützung  meiner  Ansicht  einige  Zahlen 
anführen,  und,  wenn  es  wahr  ist  was  Benzenberg  einst  sagte: 
—  dass  Zahlen  entscheiden  —  so  wird  man  daraus  vielleicht 
zu  einer  annähernd  richtigen  Vorstellung  von  dem  Älineral- 
Reichthum  des  Schwarzwaldes  gelangen.  Aus  den  Akten  und 
durch  die  ßereisung  des  Schwarzwaldes  bin  ich  bis  jetzt  mit 
145  Gängen  im  südlichen  Theile  desselben  bekannt  geworden. 
Da  ich  mich  bei  mehren  Gelegenheiten  überzeugt  habe,  dass 


16 

unbeachtet  der  Umsicht  und  der  grossen  Thätigkeit  der  ehe- 
mals Vorderösterreichischen  Berg-Behörden,  von  welch'  letzten 
jene  Akten  grösstentheils  herrühren,  denselben  dennoch  nicht 
alle  Gänge  bekannt  geworden  sind,  und  da  ich  endlich  selbst 
nicht  überall  bekannt  bin,  so  lässt  sich  annehmen,  dass  die 
Zahl  der  Gänge  noch  viel  grösser  ist  als  145.  Diese  haben, 
so  weit  man  sie  durch  den  Berg-Bau  kennen  gelernt  hat,  zu- 
sammen eine  Länge  von  21,438  Lachter  zu  10'  Badisch. 
Wird  hiervon  der  Metall- Werth  (d.  h.  der  Werth  an  Blei 
und  Silber)  nach  sehr  mäsigen  Ansätzen,  nämlich  von  5  Ctr. 
Erz  äöuadrat-Lachter  mit  40  Pfd.  Blei  und  5  Loth  Silber  auf 
den  Ctr.  Erz  und  mit  12  fl.  der  Ctr.  Blei  und  24  fl.  24  kr.  die  Mark 
Silber,  auf  10  Lachter  Seiger-Teufe  berechnet,  so  ergibt  sich 
derselbe  zu  14,117,454  fl.,  auf  20  Lachter  Seiger-Teufe  zu 
28,234,908  fl.  u.  s.  w.  Ein  solcher  Schatz  wird  sicher  nicht 
für  alle  Zeiten  unberührt  bleiben.  So  lange  jedoch  unsere 
Regierungen  das  Schicksal  des  Berg-Baues  in  die  Hände  der 
Ausländer  legen  und  nicht  für  einen  hinlänglichen  Schutz-Zoll 
sorgen,  oder  solange  die  Metall-Werthe  nicht  steigen,  wer- 
den solche  enormen  Schätze  so  gut  wie  gar  nicht  vorhanden 
und  von  dem  Antheil  ausgeschlossen  seyn ,  den  sie  an  dem 
National-Vermögen  zu  nehmen  bestimmt  sind.  Man  scheint 
in  Deutschland  noch  nicht  überall  begriffen  zu  haben  ,  dass 
1  Ctr.  selbst  gewonnenes  Metall  mehr  werth  ist ,  als  1  Ctr, 
fremdes.  Unsere  Nachbarn  im  N.  und  W.  wissen  es  schon 
lange  und  haben  danach  gehandelt,  und  man  weiss  mit  wel- 
chem Nutzen! 

Die  fraglichen  Gänge  sind  alle  mehr  oder  weniger  auf 
Blei  und  Silber  bekannt  geworden.  Der  Silber-Gehalt  des  Blei- 
Glanzes  ist  sehr  gut,  indem  er  auf  den  Ctr.  Erz  3  —  12  Loth 
beträgt,  je  nachdem  dieses  grob-  oder  fein-sprössig,  das  Neben- 
gestein milde  oder  fest  ist.  Man  wird  mit  der  Annahme  von 
6  Loth  im  Mittel  auf  den  Ctr.  der  Wahrheit  sehr  nahe  stehen. 
—  Vergleicht  man  diesen  hohen  Silber-Gehalt  der  Bleiglanze 
von  den  im  Granit  und  Gneisse  aufsetzenden  Gängen  mit 
demjenigen  der  gleichen  Erze  von  den  Lagerstätten  in  der 
Grauwacke,  dem  Thonschiefer,  Kohlen-Sandstein,  Bunt-Sand- 
stein,  Muschelkalk,  Jura-Kalk  u.  s.  w. ,   so   gelangt  man  zu 


17 

der  interessanten  Wahrnelimung;,  dass  das  Silber  der  Erze 
immer  mehr  abnimmt,  je  mehr  mau  von  den  ältesten  zu  den 
neuesten  Gesteins-Bildungeu  aufsteigt.  Ob  die  Ursache  davon 
lediglich  in  der  Alters-Verschiedenheit  oder  in  der  pyrogenen 
oder  hydrogenen  Natur  des  Mutter-Gesteins,  oder  endlich  in 
dem  Antheil,  welchen  der  Feldspath,  Thon  oder  Kalk  an  der 
Zusammensetzung'  derselben  nimmt,  gesucht  werden  müsse, 
muss  hier  vorläufig  unentschieden  gelassen  werden. 

Die  Gänge  des  Schwarzwaldes  durchsetzen  i'tberall  den 
Porphyr,  wo  sie  mit  ihm  zusammentreffen,  jedoch  stets  mit 
bedeutend  verminderter  Mächtigkeit  und  Erz-Führung,  so  dass 
nirgends  auf  diesen  Gang-Theilen  ein  eigentlicher  Erz-Abbau 
stattgefunden  hat.  Diese  Gänge  sind  demnach  entschieden 
jünger  als  der  Porphyr,  aber  unter  sich  wieder  von  verschie- 
denem Alter,  was  die  vorkommenden  Durchsetzungen  und 
Verwerfungen  beweisen;  und  zwar  dürften,  mit  einer  nach- 
her zu  gedenkenden  Ausnahme,  diejenigen  Gänge  die  jünge- 
ren seyn ,  deren  Streichen  in  die  Mittag-Mitternacht-Stunden 
und  folglich  in  die  Richtung  des  Schwarzwaldes  fällt.  Auch 
an  dem  Porphyr  sind  die  Gänge  gewöhnlich  verworfen  ,  so 
dass  eine  auf-  oder  abwärts-gehende  Bewegung  desselben 
noch  nach  der  Gang-Bildung  eingetreten  seyn  muss.  Dafür 
sprechen  übrigens  auch  Thatsachen.  Die  Verwerfungen  sind 
indessen  nirgends  gross  ,  was  auch  wohl  gut  im  Einklänge 
steht  mit  dem  starken  Fall-Winkel  der  Gänge  und  Klüfte. 
Dieser  findet  sich  im  Durchschnitt  für  die  Gänge  im  südlichen 
Schwarzwalde  zu  71*^.  —  Das  Streichen  der  Gänge  ist  sehr 
verschieden,  wie  sich  aus  folgender  Zusammenstellung  er- 
gibt. Von  140  Gängen  setzen  nämlich  auf: 
in  hora  10,4  bis  1,4  oder  von  S.  nach  N.  31,44  Proz. 
„  „  1,4  „  4,4  „  „  SO.  „  NW.  45,71  >, 
„  „  4,4  „  7,4  „  „  O.  „  W.  12,14  „ 
„  „  7,4  „  10,4  „  „  SW.  „  NO.  10,71  „ 
Die  zweite  Streich-Richtung  ist  also  am  zahlreichsten  vertre- 
ten; dagegen  halten  die  der  ersten  angehörenden  Gänge  am 
besten  aus.  Zur  Belegung  dieser  Behauptung  wollen  wir 
zwei  auffallende  Beispiele  anfühlen. 

Der  Schindler  Gang,  der  hier  von  den  Alten  in  beträcht- 

.Inhrgniig  1851.  2 


U8, 

lichem  Umfange  und  auch  in  der  neuesten  Zeit  noch  bebaut 
wurde,  beginnt  nahe  am  Wiesen-Thal  bei  Höfen  und  Kirch- 
hausen und  lässt  sich  dann  in  nördlicher  Richtung  über  Wies, 
Heubronn,  den  Reichen,  Schindlen  im  Untermünster-Thal,  Stoll- 
bach und  Steinbrunnen  im  Obermünster-Thal,  St.  Ulrich,  den 
Bromberg  bei  Freiburg,  Wiehre  und  Schlossberg  daselbst  (an 
beiden  Punkten  Dolerit-Gänge?),  Herdern,  Karlstollen  bei 
Zähringen,  Friedrichstollen  im  Wild-Thal,  Suggen-Thal,  Ka- 
roline  bei  Eberbach,  Segen-Gottes  und  Silberloch  bei  Reichen- 
lach, Schutter-Thal,  Prinzbach  im  Kinzig-Thal,  Amalie  in  der 
Nordrach,  Bad  Sulzbach  iRenchbad'),  Bühler-Thal,  Neuweiher 
bei  Steinbach  bis  Baden-Baden,  also  auf  eine  Länge  von 
27,96  badischen  Stunden  =  16,776  Deutsche  Meilen  ver- 
folgen. 

Den  zweiten  grossen  Gang-Zug  nenne  ich  den  Bernhar- 
der Zug,  weil  von  allen  auf  ihm  liegenden  Gruben  die  Grube 
Bernhard  bei  Hausach  im  Kinzig-Thal  die  bedeutendste  war 
und  auch  die  älteste  seyn  mag.  Er  beginnt  6  Stunden  nörd- 
lich von  dem  Schindler  Zuge,  mit  der  längst  verlassenen  Grube 
Hermann  bei  Görwihl  im  untern  Alb-Thal  und  setzt  bei  St. 
Blasien  über  die  Gruben  Neuglück  und  Neue-Hoffnung- Gottes, 
den  Silberberg  bei  Hinterzarten,  Hornberg  (Basalt-Vorkommen 
am  Karlstein'),  Bernhard  und  Gabriel  bei  Hausach,  Gelbbach 
(in  der  Nähe  der  parallelstreichende  Gang  der  ehemals  so 
wichtigen  Grube  Alterwenzel  bei  Oberwolfach'),  Biersbach  im 
Oberharmersbacher  -  Thal ,  Petersthal  (Bad  im  Rench-That), 
Antogost  daselbst,  Nordwasserbad  daselbst  bis  Baden-Baden 
fort,  also  ebenfalls  auf  eine  Länge  von  27,5  Stunden  =  16,5 
deutschen  Meilen.  Die  Bergbau-Punkte  verlieren  sich  aller- 
dings schon  im  Oberharmersbacher  Thal-,  allein  der  Um- 
stand ,  dass  die  Renchbäder ,  von  Petersthal  nordwärts  in  die 
Streichungs-Linie  fallen,  bestimmt  mich,  die  Fortsetzung  der 
Gang-Spalte  ebenfalls  bis  Baden-Baden  anzunehmen.  Auf 
diesem  Zuge  sind  überhaupt  weniger  Bergbau-Punkte  als  auf 
dem  Schindler  Zuge,  daher  der  Zusammenhang  derselben 
weniger  bestimmt  nachzuweisen  ist,  als  bei  diesem.  Dagegen 
ist  er  bei  St,  Blasien  und  Hausach  auf  ansehnliche  Längen 
bekannt. 


19 

Was  das  Streichen  der  die  Lag^e  und  Richtung  beider 
grossen  Gang-Züge  bezeichnenden,  oben  namhaft  gemachten 
Einzel-Gänge  betrifft,  so  ist  zu  bemerken ,  dass  dasselbe  mit 
wenigen  Ausnahmen  in  das  Streichen  des  erwähnten  Zuges 
fällt.  —  Die  Ausfiillung  dieser  Gänge  besteht  überall  aus 
Flussspath  und  Sciiwerspath ,  weniger  häufig  aus  Silber- 
reichem ßleiglanz,  Zink-Blende,  Schwefel-Kies,  Kalkspath 
und  Braunspath. 

Ein  auffallender  Parallelismus  im  Streichen  der  Gänge 
und  Porphyre  im  Münster-Thal  findet  nicht  Statt;  dagegen 
ist  es  Thatsache ,  dass  besonders  in  der  Nähe  der  in  der 
Mittags-Linie  aufsetzenden  Porphyr-Gänge  sich  nicht  seltene, 
jedoch  schwache  und  hinsichtlich  ihrer  Erz-Führung  unbe- 
deutende Gänge  finden.  Die  geringe  Entfernung  dieser  Gänge 
von  den  Porphyr- Zügen  lässt  vermuthen,  dass  ihre  Spalten 
durch  dieselbe  Kraft  aufgerissen  wurden,  durch  welche  auch 
die  Porphyre  zu  ihrer  gegenwärtigen  Stellung  gelangten,  oder 
dass  es  gar  nnr  von  der  Haupt-Spalte  ablaufende  Zweige  mit 
spätrer  Erz-  und  Gangarten-Ausfüllung  sind.  Diesen  Gängen 
wird  daher  auch  ein  höheres  Alter  beizumessen  seyn  als  den 
übrigen ,  so  wie  auch  zu  vermuthen  ist ,  dass  mehre  Klüfte 
auf  den  Gruben  Teufelsgrund  und  Schindler^  die  in  der  Nähe 
des  Porphyrs  und  parallel  mit  diesem  aufsetzen,  ihr  Daseyn 
dem  Hervorbrechen  desselben  werden  zu  verdanken  haben 
und  mithin  auch  älter  seyn  dürften  als  die  Gänge.  An  die- 
sen Klüften  kommen  zwar  überall  Gang-Verwerfungen  vor, 
allein  darin  liegt  kein  Beweis  gegen  das  höhere  Alter  der 
Klüfte.  Dass  diese  gar  häufig  älter  sind  als  die  von  ihnen 
verworfenen  Gänge,  lässt  sich  nicht  nur  hier,  sondern  auch 
in  vielen  andern  Berg-Revieren,  besonders  ausgezeichnet  aber 
im  Siegen  sehen,  wo  es  Schichtungs- Klüfte  sind,  wahrnehmen. 
Dort,  wie  hier,  setzt  in  diesem  Fall  der  Gang  oft  ganz  deut- 
lich mit  seiner  Ausfüllungs-Masse,  wenn  auch  mit  etwas  ver- 
minderter Mächtigkeit,  auf  der  Kluft  fort  und,  nachdem  er 
diese  eine  gewisse  Strecke  verfolgt  hat,  nimmt  er  sein  frü- 
heres Streichen  wieder  an,  indem  er  die  Kluft  nnter  demselben 
Winkel  vcrlässt,  unter  welchem  er  an  sie  heransetzte.  Die- 
ser Winkel  ist  wohl  ohne  Ausnahme  ein  stumpfer  und  es  ist 

2* 


daher  natürlich,  dass  die  Bergleute  den  verlorenen  Gang  nach 
dem  stumpfen  Winkel  wieder  auszurichten  suchen,  was  je- 
doch nur  dann  gelingt,  wenn  man  es  wirklich  mit  den  in 
Rede  stehenden  und  nicht  mit  jüngeren  Klüften  zu  thun  hat, 
an  welchen  bekanntlich  die  Verwerfungen  sowohl  nach  spitzen 
als  nach  stumpfen  Winkeln  vorkommen  können. 

Kommen  wir  nun  schliesslich  noch  einmal  zurück  auf 
unsere  beiden  oben  beschriebenen  grossen  Gang  Spalten  nnd 
knüpfen  daran  einige  allgemeine  Betrachtungen  über  das  Vor- 
kommen der  Gänge  und  der  Porphyre  in  dem  Schwarzwalde, 
so  werden  wir  zu  einigen  nicht  uninteressanten  Ergebnissen 
gelangen. 

Die  höchsten  Punkte  des  Schwarzwaldes  sind  in  seinem 
südlichen  Theile;  es  sind  u.  Ä.  die  in  einem  ziemlich  gleich- 
schenkeligen  Dreieck  liegenden  Berge:  Feldberg  mit  49S2 
ßadischen  Fuss.,  Herzogenhorn  mit4724'  unABelchen  mit  4718' 
Meeres- Höhe.  In  der  Richtung  gegen  N.  verliert  das  Gebirge 
immer  mehr  an  seiner  Höhe.  —  In  seinem  höchsten  Theile 
befinden  sich  die  meisten  Porphyre  und  die  meisten  Erz- 
Gänge,  und  zwar  letzte  in  auffallenden  Gruppirungen  in  der 
Nähe  der  höchsten  Punkte.  So  z.  B.  finden  sich  in  der  Ge- 
gend von  *SY.  Blasien,  südlich  vom  Herzogenhorn,  unfern  von 
den  in  den  Mittags-Stunden  streichenden  ausgedehnten  Por- 
phyr-Zügen viele  im  Streichen  seh;*  gut  aushaltende  Gänge. 
Noch  keine  halbe  Stunde  westlich  vom  Herzogenhorn  liegt 
der  4532'  hohe  Silberberg  in  dem  an  Erz-Gängen  reichen 
Reviere  von  Todtnau.  In  dem  Silberherg  selbst  setzen  mehre 
Gänge  von  verschiedenem  Streichen  auf,  deren  gemeinschaft- 
licher Schaarungs  Punkt  unter  der  Kuppe  des  Berges  liegt. 
Inmitten  dieser  Gänge  liegen  die  Porphyre  vom  Brandenberg. 
—  Das  Münster- Thal,  sowie  die  Gegenden  von  Sulzburg  und 
Badenweiler  sind  besonders  ausgezeichnet  durch  eine  grosse 
Zahl  von  Erz-Gängen  in  der  Nähe  der  Feldstein-Porphyre. 
Hier  lagern  sich  diese,  so  wie  die  Gänge  um  den  Belchen  und 
den  3890'  hohen  Blauen  herum.  Zwei  Stunden  nordwestlich 
vom  Feldberg  und  nicht  ganz  eine  halbe  Stunde  nördlich  von 
den  äussersten  Quellen  des  Obermünster  -  Thaies ,  liegt  der 
4288'   hohe   Schauinsland   oder  Erzhasten   mit  seinen    vielen 


21 

Gängen,  wozu  die  bis  ins  Münster-Thal  herübersetzenden  be- 
kannten riofsgrimder  G«^nge  gehören. 

So  weit  finden  wir  also  die  Gänge  entweder  immer  in 
der  unmittelbaren  Nachbarschaft  der  Porphyre  oder  an  her- 
vorragenden ßerg-Kuppen  oder  in  der  Nähe  jener  und  dieser 
aufsetzend.  —  Den  Zusammenhang  dieser  Vorkommnisse  mit 
unsern  beiden  grossen  Gang-Spalten  betreffend,  ist  zu  be- 
merken, dass  dem  B  e  r  n  h  a  r  d  e  r  G  a  n  g -  Z  u  g  von  der  untern 
Alp  an  bis  in  die  Gegend  von  Hornberg  der  Porphyr  (und 
Basalt  an  einem  Punkte)  auf  16 -17  Stunden  in  ziemlicher 
llegelmäsigkeit  auf  der  rechten  oder  nördliciien  Seite  folgt. 
Weiter  nördlich  triff't  dieser  Zug  endlich  wieder  auf  die  Por- 
phyre von  Oberkirch  und  die  in  dieser  Partie  gelegenen 
Rench-Bäder  und  zuletzt  auf  die  Porphyre  und  Quellen  von 
Baden-Baden. 

Der  Schindler  Zug  berührt  die  Porphyre  östlich  von 
Kandern,  dann  die  von  Badenweiler ,  Sulzburg  und  Münster- 
l'hal.  Weiter  nördlich  liegen  ihm  die  Porphyre  zwischen 
Lahr  und  Bieherach  im  Kinzig-llial ,  an  dem  Rauchkasten  und 
Hohengeroldseck  links  und  mit  gleichem  Streichen  zur  Seite. 
Dann  trifft  der  Zug,  noch  mehr  nördlich,  auf  die  Porphyre 
von  Oberkirch  ^  die  Rench-Bäder  und  zuletzt  ebenfalls  auf 
Baden-Baden.  —  Wir  haben  also  bedeutende  gegen  letzten 
Ort  schwach  konvergirende  Gang-Spalten  in  der  Richtung 
des  Schwarzwaldes  nachgewiesen.  Vergleichen  wir  damit  die 
höchst  interessanten  Ergebnisse,  zu  welchen  Walchner  in 
seiner  „Darstellung  der  geologischen  Verhältnisse  der  am  N.- 
Rande  des  Schwarzwaldes  hervortretenden  Mineral-Quellen" 
gelangt ,  so  gewinnt  das  bisher  Mitgetheilte  noch  ein  viel 
höheres  geologisciies  Interesse.  Walchner  hat  bekanntlich 
in  der  erwähnten  Schrift  sehr  gut  nachgewiesen,  dass  die 
bekannten  Thermen  von  Baden-Baden,  Wildbad  und  Lieben- 
stein in  Verbindung  mit  dem  Granit  auf  einer  von  Baden- 
Baden  in  östlicher  Richtung  bis  Stuttgart  fortsetzenden  Linie 
hervortreten.  Wir  haben  demnach  in  Baden-Baden  einen  Schaar- 
Punkt  von  drei  grossartigen  Gebirgs-Spalten,  von  welchen  die 
Quer  Spalte  fast  senkrecht  auf  den  beiden  Längen-Spalten 
steht.     Dass   auf  diesem    Schaarpunkte   die  Zerreissung   der 


22 

Gebirgs-Massen  in  einem  hohen  Grade  stattfinden  und  die  dor- 
tige Trümmer-  oder  Breccien-Bildung  zu  einer  Entwickelung 
gelangen  musste,  wie  sie  in  der  Nähe  des  Porphyrs  \m  Schwarz- 
walde nirgends  mehr  vorkommt,  scheint  mir  eben  so  natürlich, 
als  dass  die  Quellen  hinsichtlich  der  Wasser-Menge  und  der 
Wärme-Intensität  alle  anderen  derartigen  Quellen  in  der  Nähe 
der  gedachten  Spalten   weit  übertreffen. 

Wir  sehen  also  die  südlichen  und  höher  gelegenen  Theile 
der  beiden  Gang-Spalten  hauptsächlich  mit  Erzen  und  Gang- 
arten erfüllt,  während  auf  den  tiefsten  und  nördlichen  Thei- 
len,  wo  nur  sehr  wenige  Gang-Bildungen  bekannt  sind,  die 
mehrgenannten  Thermen  zu  Tage  treten;  wir  sehen  aber 
auch  diese,  wie  die  Gänge,  stets  im  Zusammenhange  mit  der 
Porphyr-Bildung,  so  dass  wenn  die  Gänge  fehlen,  deren  Stelle 
gleichsam  von  den  Quellen  eingenommen  wird. 

Sehr  verwandte  Verhältnisse  kommen  in  der  gegenüber- 
liegenden ,  dem  Schwarzwalde  parallelen  Vogesen-Kette  vor. 
In  dem  südlichen  Theile  derselben,  der  ebenfalls  der  höchste 
ist  und  seine  grösste  Erhebung  in  seinem,  den  hiesigen  etwas 
überragenden  und  ihm  gerade  gegenüberliegenden  ßelchen 
^Ballon  d'Alsace)  erreicht,  ist  der  Feldstein-Porphyr,  ausser 
dem  Melaphyr,  ebenfalls  sehr  verbreitet.  Gleichfalls  in  der 
Nachbarschaft  von  diesem  und  südlich  von  dem  Ballon  d'Al- 
sace  setzen  die  bekannten  Silber-haltigen  Bleiglanz  -  und 
Kupererze- führenden  Gänge  von  Giromagny ,  Plancher-les- 
Mines  und  Faucogney  zahlreich  auf.  Auch  auf  der  nördli- 
chen Seite  des  genannten  Berges  finden  sich  noch  Gänge. 

Die  Vogesen-Kette  senkt  sich ,  wie  der  Schwarzwald, 
gegen  N.  Im  nördlichen  Theile  ist  schon  früher  durch  fran- 
zösische Geologen,  u.  A.  Ehe  de  Beaumont,  und  neuerlich 
wieder  durch  Naumann  (siehe  dessen  vortreffliches  Lehrbuch 
der  Geognosie  S.  983)  auf  eine  grosse  Gebirgs-Spalte  auf- 
merksam gemacht  worden.  Diese  liegt  ebenfalls  in  der  Rich- 
tung der  Vogesen  und  streicht  folglich  unseren  beiden  Spalten, 
besonders  aber  der  Schindler,  parallel.  Ihre  Länge  wird  zu 
15  Meilen  angegeben,  indem  sie  sich  von  Saales  über  Savern 
bis  Lemberg  bei  Pirmnsenz  erstreckt.  Sie  macht  sich  beson- 
ders bemerklich  durch  die  bedeutenden  Niveau-Veränderungen, 


23 

welche  an  den  durchschnittenen  Gebirgs-Theilen  stattgefun- 
den haben.  Die  südlich  verlängerte  Streichungs-Linie  dieser 
Spalte  trifft,  dem  Rücken  der  Vogesen  ziemlich  genau  fol- 
gend ,  auf  oben  genannte  an  Gängen  und  Porphyren  reiche 
Gegend  von  Giromagny.  Wenn  ihre  Fortsetzung  bis  dorthin 
noch  nicht  nachgewiesen  wurde,  so  mag  Dieses  seinen  Grund 
darin  haben  ,  dass  sich  die  Merkmale  ihres  Daseyns  in  den 
mächtigen  Eruptiv  -  Massen  des  südlichen  Gebirgs  -  Theiles 
leichter  verlieren ,  als  in  den  geschichteten  Formationen  des 
nördlichen  Theiles.  Bemerkenswerth  ist  übrigens  noch,  dass 
ihrem  südlichen  End-Punkte  bei  Saales  gegenüber,  etwa  2y2 
Stunden  östlich  bei  St.  Maue-aux-Mines,  ehemals  Bergbau  auf 
Blei  und  Silber  stattfand  (dessen  Wiederaufnahme  in  der  neue' 
reu  Zeit  versucht,  aber  eben  so  wenig  gelungen  zu  seyn 
scheint,  als  zu  Giromagny^,  und  dass  nicht  weit  zurück  vom 
nördlichen  Ende,  ebenfalls  ungefähr  2  Stunden  östlich  von  der 
Linie,  die  bekannten  Bade-Quellen  von  Niederbronn  liegen. 

Alle  diese  Spalten  müssen  als  Folge  der  Erhebung  beider 
Gebirgs-Ketten  betrachtet  werden,  wenn  ihre  Entstehung  nicht 
mit  dem  späteren  Hervorbrechen  der  Porphyre  zusammenfällt. 


Geognostischc 

Übersichts-Karte  \o\\  Spanien^ 

mitgctlieilt  von 

Herrn  £zquerra  del  Bayo 

und  erläutert  von 

Herrn  Dr.  Gustav  Leonhard. 


Unter  allen  Ländern  Europa's  ist  die  Iberische  Halbinsel 
in  geognostischer  Beziehung  verhältnissmäsig  am  wenigsten 
bekannt.  Zwar  besuchten  Hausmann  (im  Jahr  1829)  und 
LePlay  (1832)  Spanien'^  doch  war  der  Aufenthalt  dieser  Geo- 
logen ein  viel  zu  kurzer,  und  sie  konnten  uns  nur  mit  eini- 
gen Theilen  des  von  ihnen  durchwanderten  Gebietes  bekannt 
machen.  Ausserdem  besitzen  wir  noch  ältere  Mittheilungeu 
von  Cook,  Buvignier,  Itier  ,  ISoulet,  Sharpe,  Silvertop, 
V.  Eschwegk,  Schulz,  neuere  durch  Baird  ,  Bordin,  Debilly, 
Pailette,  Sauvage,  Pernolet,  Dufrenov,  d'Orbigny,  Schimper, 
Pellico  ,  Willkomm,  Amalio  Maestre  u.  A.;  aber  alle  diese 
Nachrichten  betreffen  bald  einzelne  Formationen,  bald  diese 
oder  jene  Gegend,  und  es  fehlte  uns  noch  an  einem  allge- 
meinen Bilde  des  an  denkwürdigen  geologischen  Beziehungen, 
an  manchfachen  Mineral-Schätzen  so  reichen  Gebirgs-Laudes. 
Um  so  dankbarer  ist  das  Streben  des  eifiigen  unterrichteten 
Spanischen  Geologen  Ezüuerra  del  Bavo  anzuerkennen,  wel- 
cher vor  kurzer  Zeit  eine  von  ihm  nach  seinen  neuesten 
Beobachtungen  kolorirte,  geoguostische  Übersichts-Karle  von 
Spanien  einsendete.  Leider  war  dem  werthvolleu  Geschenk 
kein  erklärender  Text  beigefügt;  wir  unternahmen  es  daher 
aus  den  verschiedenen  Bemerkungen  der  oben  genannten 
Geologen  einige  Erläuterungen  zusammenzustellen ,  welche 
als  Begleiter  der  ersfeu  geognostischen  Karte  von  Spanien, 
die  in  Deutschland  erscheint,  dienen  mögen. 


25 

Hausmann  —  dem  wir  so  lehrreiche  Mittheilungen  über 
die  orographischen  Verhältnisse  Spaniens  verdanken  —  machte 
schon  vor  geraumer  Zeit  auf  den  Irrthum  aufmerksam,  der 
sich  in  mehren  Geographien  fortgepflanzt  hat:  die  Haupt- 
Gebirge  Spaniens  seyen  Ausläufer  der  Pyrenäen.  Ausser  den 
eigentlichen  Pyrenäen,  welche  die  nördliche  und  nati'irliche 
Grenze  gegen  Frankreich  bilden,  hat  Spanien  mehre  Gebirgs- 
Ketten  aufzuweisen.  Die  nördlichste  derselben,  das  Somo- 
sierra-  und  Guadarrama- Gebirge,  fängt  an  Aracjoniens  westli- 
cher Grenze  an ,  scheidet  AltltasWien  von  Neuhastilien  und 
zieht  sich  unter  dem  JNamen  Sierra  del  Pico,  Montarfa  de 
Griegos  und  Sierra  de  Gata  nach  Portugal.  \n  gleicher  Rich- 
tung, von  WSW.  nach  ONO.,  erstreckt  sich  eine  andere  Kette, 
die  Montcs  de  Consuegra,  Sierra  de  Yevenes ,  Montarias  de 
Toledo,  Sierra  de  Guadelupe  zwischen  den  Flüssen  Guadiana 
und  Tajo  nach  Portugal.  Weiter  südlich  Hegt  die  Sierra 
Morena  (das  „schwarze  Gebirge");  sie  zieht  sich  an  der 
Ost-Grenze  von  La  Mancha  beginnend  zwischen  dem  Gua- 
dalquivir  und  der  Guadiana  hin.  Ihr  nördlicher  Abfall  be- 
trägt kaum  300  bis  400  Fuss,  der  südliche  aber  nach  der 
Thal-Ebene  des  Guada/quiiir  gegen  3000  Fuss.  Eine  Fort- 
setzung der  Sierra  Morena  ist  die  Sierra  Monchigue,  die  bei 
dem  Kap  S.  Vinzente  in  Portugal  bis  an  das  JMeer  stösst; 
der  Gipfel  des  erhabensten  Punktes  der  Sierra  Morena,  der 
Sagra  Sierra  steigt  bis  zu  55()8  Fuss  empor.  Sudlich  und 
parallel  mit  diesem  Gebirge  zieht  sich  die  Sierra  Nevada  hin; 
sie  erhebt  sich  zu  Gipfeln ,  welche  die  Pyrenäen  weit  über- 
ragen. Als  Fortsetzung  derselben  ist  im  W.  die  Sierra  de 
Honda  zu  betrachten,  die  mit  den  Vorgebirgen  Gibraltar, 
Travalgar ,  Tarifa  das  Meer  erreicht;  das  südöstliche  Ende 
der  Sierra  Nevada  wird  gewöhnlich  unter  dem  Namen  Alpu- 
jarras  oder  Alpuxarras  begriffen  ;  es  endigt  mit  dem  Cap  de 
Gata.  Die  Schnee-Grenze  beginnt  in  der  S.  Nevada  mit  einer 
Höhe  von  SßOO  F.  Die  erhabensten  Punkte  sind  der  Cumbre 
de  Mulhacen  (10,105  P.  F.)  und  La  Veleta  (10,841  P.  F.); 
die  zu  der  S.  Nevada  gehörige,  unter  dem  allgemeinen  Namen 
Alpujarras  begrißene  Küsten-Kette  besteht  aus  einer  Reihe 
von    durch    Quer-Thäler    getrennten    Gebirgs  -  Rücken ;    die 


26 

bedeutendsten  derselben  sind:  die  Sierra  de  Aljamilla,  die 
Sierra  de  Gador  (bis  zu  6787  F.  ansteigend) ,  die  Sierra  de 
Confraviesa  (zu  4699  F.),  der  Cerrajon  de  Murtas  (4620  F.) 
die  Sierra  de  Lujar  (5970  F.)  und  die  Sierra  de  las  Almi- 
jarras. 

Einen  der  Hauptcharakter-Züge  Spaniens  bilden  die  zwi- 
schen den  Gebirgen  sich  weithin  ausdehnenden  Hochebenen 
{Parameras)\  namentlich  ist  der  grössere  mittle  Theil  ein 
ungeheures  Tafel-Land ,  fast  ganz  Castilien  umfassend.  Auf 
diesen  Hochebenen  entspringen  die  meisten  grossen  Flüsse 
Spaniens  —  Ebro ,  Duero ,  Tajo ,  Guadalquivir ,  Guadiana 
u.  a.  —  denen,  mit  Ausnahme  des  Ebro ^  eine  südwestliche 
oder  südliche  Richtung  eigenthümlich  ist.  Die  Hochebene 
von  Caslilien  liegt  etwa  2090  bis    2500  F.  über  dem  Meere. 

Die  Gebirge  Spaniens  —  so  verschieden  sie  sich  in  man- 
chen Beziehungen  zeigen  —  besitzen  in  einer  Hinsicht 
grosse  Analogie'n :  der  eigentliche  Kern  sämmtlicher  Gebirge 
besteht  entweder  aus  älteren  krystallinischen  und  Schiefer- 
Gesteinen,  oder  aus  Gliedern  der  Granwacke-Gruppe.  Unter 
jenen  sind  vorzugsweise  zu  nennen  Granit,  Gneiss  und  Glim- 
merschiefer, die  fast  in  keinem  der  Gebirge  fehlen  und  sich 
besonders  charakteristisch  in  der  Sierra  Nevada  zeigen. 

Unter  allen  diesen  Felsarten  spielt  Granit  eine  der  be- 
deutendsten und  interessantesten  Rollen.  Er  nimmt  Theil  an 
der  Zusammensetzung  der  Pyrenäen'^  ist  in  Galizien  sehr 
verbreitet;  die  Kette  der  Sommo  Sierra  —  deren  zackigen 
Gipfel  fast  nie  ihre  Schnee-Decke  verlieren  —  besteht  fast 
ganz  aus  dem  Gestein  ,  welches  auch  in  dem  Guadarrama- 
Gebirge  so  wie  in  der  zwischen  Tajo  und  Guadiana  hinzie- 
henden Kette  sehr  häufig  ist ;  endlich  erscheint  derselbe  an 
der  S. -Seite  der  Sierra  Morena. 

Betrachtet  man  das  Auftreten  des  Granites  in  den 
Pyrenäen  überhaupt,  so  zeigt  sich  —  wie  schon  Charpentier 
bemerkte  —  dass  er  weniger  in  ausgedehnten  zusammenhän- 
genden Massen,  als  in  vereinzelten  Partie'n  erscheint.  Die 
grösste  Verbreitung  gewinnt  derselbe  an  dem  nördlichen  Ab- 
hang des  Gebirges,  wo  er  fast  die  Kamm-Höhe  erreicht.  In 
der  östlichen  Hälfte    der  Pyrenäen  setzt   Granit  eine   Reihe 


27 

von  Höhen  zusammen,  deren  Gipfel  fast  eben  so  hoch  anstei- 
gen, wie  der  Kamm  der  Zentral-Kette.  Häufig  wird  die  Fels- 
art durch  jiingere  Gebilde  bedeckt.  Verschiedene  Thatsachen 
sprechen  dafiir,  dass  ein  Theil  des  Pyrenäen-Granites  ziemlich 
neuen  Ursprungs  sey.  Granit-Gänge  im  Granit  sollen  an  eini- 
gen Orten  vorkommen.  (Syenit,  der  in  anderen  Gebirgen  oft 
in  der  Nähe  des  Granites  auftritt,  scheint  in  den  Pyrenäen 
gänzlich  zu  fehlen.)  In  petrographischer  Beziehung  zeigt  sich 
Granit  besonders  in  Catalonien  am  siidlichen  Pyrenäen- 
Gehängein  grosser  Manchfaltigkeit;  Porphyr-artige,  fein-  und 
grob-körnige  Granite  finden  sich  und  führen  die  häufigeren 
bezeichnenden  Beimengungen,  wie  Turmalin,  Granat  u.  s.  w. 
Auch  in  dem  bergigen  Galizien  —  das  zu  drei  Vierthei- 
len aus  primitiven  Gebilden  besteht  —  stellt  sich  Granit 
in  seinen  verschiedensten  Abänderungen  ein.  Indess  lässt  er 
zu  den  iibrigen  Gesteinen  —  Gneiss,  Glimmerschiefer,  Talk- 
und  Chlorit  Schiefer  —  keine  bestimmten  Lagerungs-Verhält- 
nisse wahrnehmen;  alle  die  genannten  Fels-Massen  wechseln 
mit  einander  ab  ,  ohne  dass  über  die  gegenseitigen  Alters- 
Beziehungen  ein  Urtheil  zu  fällen  wäre. 

Interessanter  ist  das  Auftreten  des  Granites  in  Estre- 
madura.  Auch  der  Boden  dieser  Provinz  gehört  zum  grös- 
sten  Theile  den  primitiven  Gesteinen  an.  Granit  bildet  — 
wie  noch  in  anderen  Gegenden  Spaniens  —  ein  ausgedehntes 
Tafelland  mit  grossen  Wellen -Biegungen.  Die  bedeutend- 
sten Granit-Plateau's  sind  jene  von  Trujillo  ,  von  Don  Beaito 
und  von  Medellin.  EzauERRA  del  Bayo  glaubt  in  Estrema- 
dura  zwei  Ausbruchs-Epochen  des  Granites  unterscheiden  zu 
müssen;  eine  erste  für  den  grobkörnigen,  Feldspath-reichen 
—  der  eine  ungeheure  Masse  bildet,  die  gegen  N.  bis  Goliesa 
und  östlich  bis  Guadarrama  reicht  — ,  und  eine  zweite  für 
den  nur  wenig  verbreiteten  feinkörnigen  Granit.  Die  Bildung 
der  Erz-Gänge  im  mittlen  Estremadura  dürfte  nach  EzauERRA 
in  Zusammenhang  mit  den  Granit-Eruptionen  stehen.  Bei 
Trußllo,  am  Abhang  der  Sierra  de  Guadeloupe^  ist  die  Lager- 
stätte des  bekannten  Phosphorits.  Endlich  verdienen  noch 
die  ungeheuren  Haufwerke  von  Granit-Blöcken  (Felsen-Meere) 
Erwähnung,  welche  in  Estremadura  auf  den  Hügeln  von  Mal- 


28= 

partida  sich  finden  und  wohl  ähnlichen  Katastrophen  ihre 
Entstehung  verdanken,  wie  die  bekannten  Felsen-Meere  itn 
südlichen  Schwarzwald  in  den  Umgebungen  des  Schluch-Sees, 
bei   Tryberg  u.  a.  O. 

In  dem  südlichen  Spanien,  in  Andalusien,  erscheint  Granit 
in  dem  Gebirge  von  Jaen  auf  dem  rechten  Ufer  des  Gundal- 
quivir.  wo  er  unverkennbaren  Eintiuss  auf  die  geschichteten 
Massen  ausübte.  Auf  der  linken  Seite  des  Guadalquivir  ver- 
schwindet Granit  und  fehlt  in  der  Sierra  Nevada  gänzlich, 
ist  wenigstens  bis  jetzt  dort  noch  nicht  nachgewiesen  worden. 
—  In  manchen  Gegenden  zeigt  sich  die  Felsart  reich  an 
Erzen ;  die  bekannten  mächtigen  Bleierz-Gänge  von  Linares 
setzen  in  Granit  auf. 

Der  Gneiss  wird  in  keinem  der  Gebirge  Spaniens  ver- 
misst,  die  Sierra  Nevada  ausgenommen ,  wie  denn  überhaupt 
der  Mangel  Feldspath  enthaltender  Gesteine  —  die  in  den  an- 
deren  Ketten  der  Halbinsel  so  verbreitet  sind  —  ein  Charakter- 
Zug  dieses  Gebirges  scheint.  Die  Angabe  einiger  Geologen, 
dass  der  erhabenste  Gipfel  der  Sierra  Nevada  aus  Gneiss 
bestehe,  wurde  bereits  durch  Hausmann  widerlegt.  Hingegen 
ist  die  Felsart  in  den  Pyrenäen  entwickelt,  obwohl  sie  dem 
Granit  an  Häufigkeit  nachsteht  und  mehr  untergeordnete 
Lager  ausmacht.  Sehr  vorherrschend  zeigt  sich  Gneiss  in 
dem  Alt-  und  Neu-Castilien  scheidenden  Gebirgs-Zuge,  so 
wie  in  dem  westlichen  Theile  Galiziens.  Auch  in  Miircia, 
in  dem  mittlen  Theile  der  Aguaderos-Kette,  zwischen  Aguilas 
und  Lorca,  setzt  Gneiss  bedeutende  Strecken  zusammen. 

Glimmerschiefer  erreicht,  was  Verbreitung  und  Höhe 
betrifft,  in  der  Sierra  Nevada  ^^mew  Kulminations-Punkt;  denn 
er  kann  in  diesem  Gebirge  als  die  herrschende  Felsart  an- 
gesehen werden;  er  bildet  hier  namentlich  den  Kern  des  Ge- 
birges und  setzt  den  erhabensten  Gipfel,  den  Cunibre  de  Mul- 
hacen  zusammen.  Zu  der  der  Sierra  Nevada  eigenthümlichen 
Einförmigkeit  trägt  Glimmerschiefer  durch  seine  sanft  ge- 
wölbten und  wenig  ausgezeichneten  Fels-Formen  viel  bei.  Fast 
allenthulben  zeigt  er  sich  reich  an  Granaten ;  auch  umschliesst 
er  Lager  von  Kalkstein,  Marmor  und  Dolomit,  welche  indes- 
sen in  andern  Schiefer-Gesteinen   in    dem  nämlichen  Gebirge 


29 

noch  häufiger  vorkommen.  In  Granada  zwischen  Velez 
Malaga  wn\  Almeria  tritt  Gh'mmerschiefer  dicht  an  das  Meer, 
fiihrt  in  jener  Gegend  A  n  d  a  1  u  s  i  t  und  D  i  s  t  h  e  n.  Ausserdem 
findet  sich  die  Feisart  in  den  schon  mehrfach  genannten  an  pri- 
mitiven Gebilden  reichen  ^vo\\nzen  Spaniens,  in  Galizien  u.  s.  vv. 
In  Murcia  ist  Glimmerschiefer  sowohl  in  der  Aguaderos-Kette 
verbreitet,  wie  an  der  südlichen  Küste  bei  Carthagenn.  Zwi- 
schen Alicante  und  Malaga  nmschliesst  derselbe  zahlreiche 
Stöcke  weissen  körnigen  Gypses. 

T  a  1  k  -  und  C  h  1  o  r  i  t  -  S  c  h  i  e  f  e  r ,  so  wie  Hornblende- 
schiefer pflegen  den  meisten  Gebirgen  Spaniens  nicht  fremd 
zu  seyn;  die  beiden  ersten  zeigen  sich  zumal  in  der  Sierra 
Nevada,  wo  vollkommene  Übergänge  aus  Glimmerschiefer  in 
diese  Gesteine  stattfinden.  Auch  setzt  Talkschiefer  ver- 
eint mit  Glimmerschiefer  die  Berge  an  der  S.-Küste  bei  Car- 
thagena  zusammen.  Hornblende  -  Gesteine  erscheinen 
besonders  in  dem  westlichen  Theil  von  Galizien,  wo  auch 
Syenite  auftreten. 

Pluto nisc he  Gebilde  verschiedener  Art  kommen  noch 
in  mehren  Gegenden  Spaniens  vor,  ohne  jedoch  irgendwo 
eine  bedeutende  Verbreitung  zu  erlangen.  Diorit  ist  eines 
der  häufigsten ;  er  findet  sich  in  dem  westlichen  Galizien, 
ferner  in  dem  Gebiet  der  Grauwacke-Gruppe  in  Estremadura, 
in  den  Umgebungen  von  Almaden,  Cazalla,  Guarena  u.  a.  O. 
Es  ist  eine  Eigenthümlichkeit  des  „Ubergangs-Gebirges"  in 
Spanien,  dass  da,  wo  dasselbe  sich  reich  an  Metall-Schätzen 
zeigt,  in  grösserer  oder  geringerer  Entfernung  von  den  Erz- 
Gängen  dioritische  Massen  auftreten,  als  ob  diese  die  Erz- 
bringer  seyen.  Mehre  Distrikte  tragen  hierin  gemeinschaftliche 
Merkmale.  In  der  Sierra  Morena,  wo  sicii  die  Erz- Ablagerungen 
von  Almaden,  Los  Sanlos,  von  Guadalcanal  befinden,  bestehen 
jene  Merkmale  hinsichtlich  der  Lagerung  darin,  dass  sie  Diori- 
ten  untergeordnet  oder  davon  abhängig  sind  ;  hinsichtlich  der 
Gestalt  stellen  sich  dieselben  als  mächtige  Gänge  dar,  deren 
Erstreckung  in  der  Richtung  des  Streichens  sechs-  bis  zehn- 
tausend Meter  beträgt.  Auch  im  Gebirge  \onJae?i  erscheint 
Diorit.  In  der  Provinz  Guadalajara  dürfte  er  gleichfalls  in 
nahen   Beziehungen    zu    den    neuerdings    entdeckten    reichen 


Silbererz-Lagerstätten  von  Hiendelaencia  stehen ;  die  Gänge 
setzen  in  Gneiss  oder  Glimmerschiefer  auf,  durch  welche  dio- 
ritische  Gesteine  empordrangen.  Letzte  kommen  in  kleinen 
vereinzelten  Hügeln  in  den  Alpesroches  und  in  der  Minosa 
zu  Tage  und  stellen  sich  meist  als  ausgezeichnete  Diorit- 
Porphyre  dar,  mit  schönen  grossen  Feldspath-Krystallen  und 
Blättchen  schwarzen  Glimmers. 

Gabbro-  und  Hypersthe n  -  G  este  in  e  spielen  zumal 
in  dem  südlichen  Theile  der  Iberischen  Halbinsel  eine  Rolle. 
In  der  Sierra  Nevada,  wo  abnorme  Massen  nur  selten  zum 
Vorschein  kommen ,  wo  —  wie  bereits  bemerkt  wurde  — 
Granit  gänzlich  fehlt,  treten  Gabbro  und  Hypersthen  unter. 
Verhältnissen  auf,  welche  die  Vermuthung  begründen,  dass  bei- 
den Gebilden  die  Hebung  und  Aufrichtung  der  neptunischen 
Schichten  zugeschrieben  werden  müsse.  Gabbro  und  Hyper- 
sthen finden  sich  auch  an  mehren  Orten  in  Esfremadura,  doch 
nie  sehr  entwickelt,  so  bei  Guarcna,  Albuquerque,  Cazalla  u, 
a.  a.  O.;  Gabbro  fehlt  endlich  in  dem  an  plutonischen  Mas- 
sen reichen  Galizien  nicht.  Hypersthen -Fels  kommt  bei 
Salinas  de  Poza  in  Alt-Castilien  vor. 

Serpentin  erscheint  zumal  in  der  Sierra  Nevada.  Bei 
Berja  an  der  Sierra  de  Gador,  wo  das  Gestein  in  mächtigen 
Felsen  zu  Tage  geht,  entJiält  dasselbe  Schnüre  von  Asbest, 
Chlorit  und  Epidot- Trümmer.  Galizien  hat  gleichfalls 
Serpentine  aufzuweisen. 

Merkwürdig  ist  das  Auftreten  des  körnigen  Gypses 
in  der  Sierra  Nevada,  wo  er  mächtige  Stöcke  in  dem  Glim- 
mer-, Talk-  oder  Thon-Schiefer  bildet  und  sich  manchmal  unter 
Verhältnissen  zeigt ,  die  auf  ein  Heraufdringen  desselben  in 
feurigflüssigem  Zustande  hindeuten.  Bei  Berja,  wo  Gyps  mit 
Thonschiefer  in  Berührung ,  enthält  er  Bruchstijcke  dieses 
Gesteins  eingeschlossen,  die  ganz  auf  ähnliche  Weise  darin 
vorkommen  ,  wie  Fragmente  des  Nebengesteins  in  der  Gang- 
Masse  auf  Gängen.  Hausmann  glaubt  desshalb,  und  gewiss 
nicht  mit  Unrecht ,  auf  eine  plutonische  Abkunft  des  Gypses 
schliessen  zu  müssen.  Beachtung  verdienen  Schwefel  und 
Flussspath,  welche  in  dem  Gyps  von  Berja  sich  finden« 
In  den  Pyrenäen  wird  Gyps  hie  und  da  getroffen. 


31 

Körniger  Kalk  erscheint  auf  älinliclie  Weise  in  meh- 
ren Gegenden  des  südlichen  Spaniens,  hauptsächlich  in  der 
Sierra  Nevada.  Eine  nicht  unbedeutende  Entwicklung  erlangt 
das  Gestein  in  der  südwestlichen  Fortsetzung  des  genannten 
Gebirges,  in  der  Sierra  de  Myas ,  welche  als  ein  wahres 
Marmor-Gebirge,  dem  von  Carrara  ähnlich,  gelten  kann. 
Die  schönsten  und  manchfachsten  Abänderungen  des  körni- 
gen Kalkes,  der  in  schroffen  Fels-Massen  zu  mehr  denn 
tausend  Fuss  Höhe  emporsteigt,  werden  hier  gewonnen.  Bei 
Marbella  umschliesst  der  weisse  körnige  Kalk  Lagerstätten 
von  Magneteisen.  Die  Erz -Masse  ist  von  dem  Gestein 
durch  Anhäufung  verschiedener  Substanzen,  wie  Strahl- 
stein, Augit  u.  s.  \v.  geschieden.  Auch  bei  Bajadoz  kommt 
die  Felsart  vor;  sie  setzt  dort  einen  Hügel  zusammen,  auf 
dem  die  Citadelle  ruht.  In  Catalonien  bildet  sie  an  mehren 
Orten  untergeordnete  Lagerstätten  im  Gneiss  oder  Glimmer- 
schiefer. 

Quarz-führender  Porphyr  scheint  in  Spanien  nicht 
häufig  zu  seyn ;  in  Catalonien  unfern  San  Juan  de  las  Äba~ 
deras  am  Ufer  des  Ter  tritt  derselbe  im  Gebiet  des  Stein- 
kohlen-Gebirges auf,  in  welchem  er  beträchtliche  Störungen 
hervorrief.  Unfern  des  Marktfleckens  Casliello  in  Asturien 
zeigen  sich  Porphyre  gleichfalls  im  Gebiet  der  Kohlen-For- 
mation. In  den  Umgebungen  von  Carthagena,  gegen  das  Cap 
Palos  hin,  setzen  einige  mächtige  Gang-Züge  grünen  „Horn- 
stein"-Porphyrs  im  Schiefer-Gebirge  auf.  Bei  Velez-Malaga, 
am  Rio  de   Veles  soll  „rother  Porphyr"  vorkommen. 

Vulkanische  Gebilde  zeigen  sich  in  Spanien  haupt- 
sächlich in  Catalonien  und  dann  in  mehren  Regionen  im  süd- 
lichen Theil  des  Landes.  In  Catalonien  nehmen  sie  unge- 
fähr einen  Raum  von  fünfzehn  (Engl.)  Meilen  ein.  Als 
Mittelpunkt  kann  die  kleine  in  der  Gegend  von  Gerona 
liegende  Stadt  Olot  gelten.  Mehre  Krater  sind  hier  wahr- 
zunehmen, und  deren  Zusammenhang  mit  ergossenen  Strömen 
basaltischer  Lava  ist  sehr  deutlich.  Zu  den  bedeutenderen 
Krateren  gehören  der  Montolivet,  Puig  de  la  Garrinada, 
Crusca,  Cot,  Cot-Sainte-Marguerite  und  besonders  der  Mont- 
sacopa  5  der  Krater  des  letzten  ist  [noch  wohl  erhalten  und  hat 


32 

an  seinem  oberen  Ende  einen  Durcliniesser  von  145  Meten; 
bei  18  Metern  Tiefe.  Den  Beobachtungen  von  Debilltj  zu- 
folge soll  er  grosse  Ähnlichkeit  mit  dem  Puy  de  Pariou  be- 
sitzen. Überhaupt  zeigen  die  erloschenen  Vulkane  Calalo- 
niens  viele  Analogie'n  mit  jenen  des  südlichen  Frankreichs-, 
sie  gehören  der  Klasse  neuerer  Vulkane  an,  obwohl  man  in 
geschichtlicher  Zeit  keine  Eruptionen  kennt.  Auch  deuten 
die  in  verschiedenen  Theilen  der  Iberischen  Halbinsel  häufi- 
gen Erdbeben  auf  eine  fortgesetzte  unterirdische  Thätigkeit 
hin.  Die  basaltischen  Laven  der  Umgebungen  von  O/o^  treten 
im  Tertiär-Gebiet  auf;  sie  führen  Olivin  und  glasigen  Fcld- 
spath.  Bei  Girona  in  Catalonien  nehmen  basaltische  Massen 
auf  ]Nummuliten-Kalk  ihre  Stelle  ein,  welchen  sie  durchbro- 
chen haben. 

Ein  anderer  Schauplatz  vulkanischer  Phänomene  ist  die 
Provinz  Murcia '^  auch  hier  zeigen  sich,  wie  in  Catalonien^ 
die  Feuer-Gebilde  nicht  sehr  fern  von  der  Meeres-Küste.  Tra- 
chyte  und  Basalte  spielen  eine  ziemlich  bedeutende  Rolle. 
Inmitten  des  Tertiär-Gebietes  erhebt  sich  bei  Almazarron  un- 
fern Carthagena  ein  aus  N.  nach  S.  in  die  Länge  gezogener 
Trachyt-Berg,  welcher  den  Namen  el  Cabezo  de  la  Raja, 
d.  h.  gespaltener  Fels  [?]  führt.  An  seinem  Gipfel  sieht 
man  Fragmente  von  Schiefer  und  Sandstein  in  Trachyt  ein- 
geschlossen, welchen  schwefelige  Dämpfe  mehr  oder  weniger  zu 
Alaun -Fels  umgewandelt  haben.  Ausserdem  überlagern 
bei  Almazarron  noch  mächtige  Basalt-Streifen  die  meisten 
Mergel.  Zwischen  Almazarron  und  Carthagena  kommt  Alaun- 
stein vor.  Die  Erz-Gänge,  welche  in  der  Provinz  Murcia 
das  „Ubergangs«-Gebirge  und  die  Schiefer-Gesteine  durch- 
setzen, treten  auch  in  den  Trachyten  auf,  und  zwar  in  ziem- 
licher Mächtigkeit  und  Regelmäsigkeit.  Das  vorherrschende 
Erz  besteht  aus  Blei  glänz.  Die  Thermen  und  Salz-Quellen, 
welche  in  den  genannten  Gegenden  sich  finden  und  oft  ziem- 
lich hohe  Temperatur  besitzen,  machen  hier  gleichfalls  eine 
Fortdauer  unterirdischer  vulkanischer  Wirksamkeit  sehr  wahr- 
scheinlich. 

Noch  weiter  südlich  bis  nach  Cabo  de  Gata ,  also  bis 
dicht  an  das  Meeres-Ufer,    zeigen  sich  vulkanische  Gebilde. 


33 

Basalte  und  Trachyte  sind  über  einen  Raum  von  mehr 
denn  7  Stunden  verbreitet.  Bei  La  Carbonera  werden  die 
Tracbyte,  welche  häufig  Hornblende  fiihren,  von  Perlstein 
begleitet.  Bei  Vera  bestehen  mehre  Hügel-Reihen  aus  T rä- 
ch yt;  hier  kommt  auch  Pechstein  vor,  Alaun-Fels  bei 
St.  Christobal 

In  Estremadura  finden  sich  M  e  1  a  p  h  y  r  -  artige  Gesteine 
auf  der  Grenze  zwischen  Granit  und  der  Grauwacke-Gruppe 
hei Zalamea',  sie  scheinen  bedeutende  Veränderungen  in  letzter 
hervorgerufen  zu  haben. 

Endlich  erlangen  basaltische  Gebilde  noch  einige 
Verbreitung  in  der  Provinz  La  Mancha\  sie  zeichnen  sich  im 
Allgemeinen  durch  Reichthum  an  Olivin  aus.  Ein  interes- 
santer basaltischer  Ausbruch  ist  bei  Puerto  Uano  zu  beob- 
achten; der  Basalt  enthält  Zirkon.*  Bei  Riotinto  setzt  ein 
starker  Strom  basaltischer  Lava  in  einer  Mächtigkeit 
von  etwa  hundert  Fuss  durch  den  Talkschiefer.  Schwarze 
Porphyre  treten  in  der  Nähe  von  Almaden  hin  und  wieder 
zu  Tage.  Höchst  denkwürdig  ist  das  Vorkommen  eines 
Basalt-Ganges  in  der  Provinz  Galicia  wegen  seiner  so 
beträchtlichen  Entfernung  von  allen  vulkanischen  Massen. 
Er  setzt  in  der  Gegend  zwischen  Las  Cruzes  und  Larazo 
unfern  Santiago  im  Gneiss  auf;  das  Gestein  ist  dicht  und 
enthält  basaltische  Hornblende,  Olivin  und  zeoli- 
thische  Substanzen. 

Ein  Blick  auf  die  Karte  zeigt,  wie  im  Gegensatz  zu  den 
abnormen  Massen ,  von  denen  bis  jetzt  die  Rede  gewesen, 
neptunische  Gebilde  eine  weit  bedeutendere  Rolle  auf  der 
Iberischen  Halbinsel  spielen.  Es  ist  namentlich  das  soge- 
nannte LI  bergangs-Gebirge.  dem  eine  grosse  Verbreitung 
zusteht:  si  Iuris  che  und  devonische  Gesteine,  ferner 
Dolomite,  dichte  Kalksteine,  so  wie  metamorph ische 
Massen.  Der  gänzliche  Mangel  an  Versteinerungen,  wel- 
cher in  manchen  Gegenden  sehr  auffallend,  hindert  eine  ge- 
nauere Bestimmung  vieler  Dolomite  und  Kalksteine ;  indess 
sprechen  die  Beobachtungen  dafür,  dass  solche  grossentheils 
dem  tl bergangs-Gebirge  angehören. 

Betrachtet   man    das   Auftreten   dieser   ältesten    Gruppe 

Jahrgang  1851.  3 


u 

normaler  Gebilde  in  Spanien  im  Alig;eineinen,  so  sieht  man, 
wie  dieselbe  hauptsächlich  auf  drei  Distrikte  vertheilt  ist,  näm- 
lich die  Pyrenäen,  dann  im  nordwestlichen  Spanien  in  Astu- 
rien  und  Galizien,  und  endlich  in  den  südlichen  Provinzen 
besonders  auf  die  Sierra  Morena  und  Sierra  Nevada.  Grau- 
wacke  und  Thons chiefer  setzen  auf  dem  Spanischen 
Pyrewä'ew-Gehänge  wohl  zwei  Drittheile  des  ganzen  Gebirges 
zusammen.  Den  Schichten  ist  bisweilen  senkrechte  Stellung 
eigen  und  in  Quer-Thälern  lassen  sie  sich  oft  auf  acht  bis 
zehn  Stunden  verfolgen.  Nach  Amalio  Maestre  liegen  die 
Schichten  der  Grauwacke- Gruppe  in  folgender  Weise  aufein- 
ander; 1)  Thonschief er;  2)  Kalkstein;  3)  Kalk- 
Breccie  und  Konglomerat;  4)  Quarz  -  Ges  t  ei  n  ; 
5)  Grauwacke  und  Grau  wacke  -  Seh  iefe  r.  Die  Grau- 
wacke besteht  aus  Bruchstücken  von  Quarz  und  Granit,  ge- 
bunden durch  einen  thonigen  Teig;  sie  vvechsellagert  oft  mit 
Schiefer  und  umschliesst  untergeordnete  Massen  von  Kalk- 
stein. Hie  und  da  kommt  Anthrazit  vor.  Die  vorzüglichsten 
organischen  Reste  sind:  Nautilus,  Terebratula,  Ortho- 
ceratites  striatus,  O.  annulatus,  O.  lateralis,  O. 
tenuis,  O.  giganteus  —  oft  von  überraschender  Grösse 
—  Pecten,  Avicula  u.  s.  vv.  Der  Thonschiefer  steigt  in 
den  Pyrenäen  zu  höheren  Punkten  an,  wie  der  Granit.  —  In 
Navarra  treten  an  einigen  Orten  silurische  Gebilde  auf; 
es  ist  besonders  ein  dichter,  schwarzer  Kalkstein, 
charakterisirt  durch  Melania  bilineata. 

In  der  Provinz  Asturien  zeigt  sich  die  Grauwacke-Gruppe 
ziemlich  entwickelt.  Im  westlichen  Theil,  gegen  Galizien, 
herrschen  Schiefer -Massen  begleitet  von  quarzigen 
Gebilden  und  Sandsteinen,  denen  ein  starkes  Einfallen 
eigen.  Untergeordnete  Kalk-Lager  finden  sich  hie  und  da. 
Erz-Gänge  mit  Sil  ber  -  hal  tigem  El  ei  glänz,  Blende, 
Galmei  setzen  in  diesen  Gesteinen  auf.  Im  Südosten  der 
Provinz  sind  Felsarten  entwickelt,  die  der  devonischen 
Formation  angehören.  Sie  setzen  zumal  die  an  der  Grenze 
von  Leon  befindliche  Berg-Reihe  zusammen.  Dichte  Kalk- 
steine von  schwarzer  oder  grauer  Farbe  mit  Productus 
und  Spirifer,  quarzige  Massen,  Schiefer  und  Sand- 


I 


3^ 

steine  machen  diese  Gruppe  aus.  Mitunter  wird  Kohle 
auf  kleinen  Lagern  angetroffen. 

Ungefähr  der  vierte  Theil  des  bergigen  Galiziens  wird 
von  Gliedern  des  Übergangs  -  Gebirges  bedeckt.  Räthselhaft 
und  wahrscheinlicii  als  ein  metainorphisches  Gebilde  zu  be- 
trachten ist  ein  schwarzer  Schiefer,  der  an  mehren  Stellen 
in  langen  schmalen  Streifen  zwischen  den  plutonischen  Fels- 
arten erscheint,  wie  z.  ß.  bei  Ferreira  und  von  Barquero  bis 
Vamonde.  Der  gemeine  Th  o  n  sc  hiefer,  unter  den  Gliedern 
der  Gruppe  nebst  Kalkstein  am  häufigsten,  hat  bald  schwärz- 
liche bald  grünliche  Farbe  und  umschliesst  nur  selten  Petre- 
fakten  (Trilobiten,  Orthoceratiten).  Dachschiefer  kommt  auch 
vor.  Mit  dem  Thonschiefer  wechsellagert  bisweilen  ein 
quarziger  Seh  ief er.  Der  „Übe rga  ng  s-Kalk".  meist 
von  lichteblauer  Farbe ,  setzt  oft  beträchtliche  Massen  im 
Thonschiefer  zusammen.  Der  Grauwacke  steht  nur  ge- 
ringe Verbreitung  zu;  weder  in  ihr  noch  in  dem  Kalkstein 
wurden  bis  jetzt  Versteinerungen  getroffen.  Das  Übergangs- 
Gebirge  zeigt,  was  Streichen  und  Fallen  betrifft,  viele  Unre- 
gelmässigkeiten, zumal  am  Sil.  Nicht  selten  fallen  die  Schich- 
ten unter  hohem  Vi^inkel  gegen  den  Granit  ein.  Höchst  denkwür- 
dig ist  die  Thatsache,  dass  der  Thonschiefer  an  mehren  Orten  in 
der  unmittelbaren  Nähe  des  Granites  Krystalle  von  Chiasto- 
lith  einschliesst.  Denselben  Fall  hat  man  auch  bei  Salabe  in 
Asturien  beobachtet.  Metallische  Substanzen  kommen  in  ver- 
schiedenen Gegenden  Galiciens  im  Übergangs- Gebirge  vor; 
Braun-Eisenstein  bei  Formigeiros  und  bei  Reinante  unfern 
Rivades ,  ferner  Antimon-Glanz,  Blei-  und  Kupfer- 
Erze  u.  s.  w. 

In  Estremadura  treten  an  mehren  Orten  Glieder  des 
Übergangs- Gebirges  auf.  Ein  schmaler  Streifen  derselben 
scheidet  die  Granite  der  Sierra  de  Guadelupe  —  welche  das 
linke  Ufer  des  Tajo  begrenzt  —  von  denen  von  Trußllo;  sie 
sind  hier  regelmäsig  geschichtet.  Bei  Logtos  unfern  Trujülo 
findet  sich  Faser-Apatit  im  Thonschiefer.  —  Das  ganze 
linke  Ufer  der  Guadiann^  wo  sie  nach  Estremadura  eintritt, 
besteht  aus  Grauwacke-Gebilden,  die  vielfach  mit  Graniten 
in   Berührung    kommen.      Ähnliche    Verhältnisse    walten    im 

3* 


36 

südwestlichen  Estremadura ,  bei  Bengarencia ,  Zalamea, 
fftguera,  El  Campillo,  Llerena'^  hier  herrschen  Schiefer  und 
Grauwacke,  aus  denen  granitische  Massen  hervortreten.  Die 
Grauwacke  zeigt  in  petrographischer  Beziehung  grosse 
Einförmigkeit,  sie  erscheint  meist  feinkörnig.  Auch  eigen- 
thümliche  Quarz-Gesteine  („öuarzite«)  werden  in  Estre- 
madura getroffen.  In  den  Umgebungen  von  Llerena  geht 
Kalkstein  zu  Tage,  der  gleichfalls  zum  „Übergangs-Gebirge« 
gehört  und  sich  durch  seinen  Reichthum  an  metallischen 
Substanzen  auszeichnet. 

In  der  Sierra  Morena,  so  wie  in  der  Gegend  nördlich 
von  derselben  spielt  das  älteste  Versteinerungen -führende 
Gebirge  eine  wichtige  Rolle ;  die  erhabensten  Kämme  des 
Gebirges  im  NO,  von  Sevilla  bestehen  aus  Thonschiefer.  Die 
berühmten  Erz-Gänge  von  Almaden  setzen  in  Thonschiefer 
auf.  Noch  grössere  Bedeutung  erlangt  die  Gruppe  in  der 
Sierra  Nevada.  Es  ist  für  diese  Gebirgs-Kette  charakteristisch, 
dass  nur  selten  plutonische  Massen  zum  Vorschein  kommen. 
Thonschiefer  herrscht  zumal  in  dem  südlichen  Theil  der 
Sierra  Nevada;  Grauwacke  und  Grauwackenschiefer 
treten  in  den  äusseren  Theilen  des  Schiefer-Gebirges  auf, 
besonders  am  nördlichen  und  südwestlichen  Fuss.  Kalk- 
steine und  Dolomite  erscheinen  als  untergeordnete  Glie- 
der. Letztes  Gestein  ist  in  der  Sierra  de  Gador  sehr  ver- 
breitet und  setzt  fast  die  ganze  Masse  dieses  Gebirges 
zusammen;  es  ist  bituminös,  rauchgrau,  bald  in  mächtige 
Bänke ,  bald  in  dünne  Schichten  abgetheilt.  Wie  bekannt 
zeichnet  sich  die  Sierra  de  Gador  durch  grossen  Erz-Reich- 
thum  (Blei glänz)  aus.  Am  nördlichen  Fuss  des  Gebirges 
gegen  Granada  zu  gehen  schöne  Dolomite  von  lichteblauer 
Farbe  in  pittoresken  Felsen  zu  Tage.  Was  das  Alter  der 
verschiedenen  in  der  Sierra  Morena  so  verbreiteten  Glieder 
des  IJbergangs-Gebirges  betrifft,  so  ist  es  schwer,  denselben 
eine  bestimmte  Stellung  in  dieser  Gruppe  anzuvi^eisen,  da  der 
Mangel  an  Petrefakten  einen  jeden  derartigen  Versuch  schei- 
tern macht.  Wäre  es  erlaubt  —  so  bemerkt  Hausmann  — 
auf  die  petrographische  Beschaffenheit  der  Gebirgs-Glieder 
und   ihre   gegenseitigen   Lagerungs  -  Verhältnisse   allein    ein 


37 

Urtlieil  zu  gründen,  so  würde  man  geneigt  seyn,  den  grössten 
Tiieil  der  Schiefer  mit  ihren  Kalk-  und  Dolomit-Massen  — 
etwa  mit  Ausnahme  der  Granaten-führenden  Glimmerschiefer 
der  Haupt-Kette  —  dem  älteren  sogenannten  Übergangs- 
Gebirge  zuzuzählen;  wogegen  die  Grauwacke  der  äusseren 
ßejrrenzune:  mit  den  zunächst  sich  ihr  anschliessenden  Mas- 
sen  vielleicht  zu  einer  jüngeren  Abtheilung  der  sonst  so  ge- 
nannten Übergangs-Formation  zu  rechnen  seyn  dürfte.  Wollte 
man  es  wagen ,  sich  noch  bestimmter  auszusprechen  und  die 
neueren  Englischen  Nomenklaturen  auf  das  Gebirgs-System 
der  Sierra  Nevada  anwenden,  so  würde  man  vielleicht  die 
Hauptmasse  der  Schiefer  mit  ihren  untergeordneten  Lagern 
als  dem  sihirischeu  und  die  vorliegende  Grauwacke  mit  den 
angrenzenden  Gliedern  als  dem  devonischen  Systeme  ange- 
hörig betrachten  mögen.  —  Erwähnung  verdienen  noch  die 
seltsamen  Trümmer-Gebilde,  welche  in  der  Mitte  der  A/pujar- 
ras  vorkommen ;  sie  bestehen  aus  Thonschiefer  und  körnigem 
Kalk;  auch  trifft  man  Konglomerate,  zusammengesetzt  aus 
Bruchstücken  von  Kalkstein,  Quarz  und  Talkschiefer,  die  oft 
zu  bedeutenden  Höhen  ansteigen. 

Im  S.  der  Sierra  Nevada  sind  noch  an  mehren  Orten 
ältere  neptunische  Gebilde  entwickelt.  Manche  Küsten- 
Gegenden,  an  welche  dieses  Gebirge  stösst,  bieten  treffende 
Beispiele  für  den  Metamorphismus;  die  Art  der  Erstreckung 
und  Auflagerung  der  verschiedenen  Schiefer-  und  Kalk-Lager 
deutet  auf  einen  neptunischen  Ursprung  hin,  so  wie  die  kry- 
stalliuische  Struktur  und  andere  Erscheinungen  auf  spätere 
Einwirkungen.  —  Zwischen  Malaga  und  Velez  Malaga  herr- 
schen Schiefer;  der  Fels,  welcher  die  alte  maurische  Veste 
von  Gibraltar  trägt,  besteht  aus  silurischem  Kalkstein.  Zwi- 
schen Malaga  und  Alicante  ist  Thonschiefer  an  mehren  Orten 
entwickelt.  In  Murcia  besitzt  besonders  ein  schwarzer 
Kalkstein  ohne  organische  Reste  grosse  Verbreitung;  ein- 
zelne Partien  desselben  ragen  Inseln-artig  aus  den  Tertiär- 
Gebilden  hervor,  wie  bei  Alhama,  Murcia.  Dieser  Kalkstein 
setzt  auch  einzelne  Berg-Züge  zusammen,  z.  B.  die  Sierra  de 
Carrascoy  zwischen  Carthagena  und  Murcia. 

Das  S  t  e  i  n  k  o  h  l  e  n-G  e  b  i  r  g  e  ist  zwar  in  mehren  Gegenden 


entwickelt,  indessen  erlangt  es  fast  nirgends  bedeutende  Ver- 
breitung; manche  Ablagerungen  in  dem  südlichen  Theil  des 
Landes  sind  so  klein,  dass  sie  nach  dem  Massstab  der  Karte 
nicht  angegeben  werden  konnten.  In  der  Provinz  Asturien 
zeigen  sich  Kohlen-Gebilde  ziemlich  ausgedehnt.  Die  For- 
mation —  welche  hauptsächlich  in  den  Distrikten  von  Z,«n- 
gues  und  Sierro  auftritt  —  besteht  aus  Ko  hlen-Sa  ndst  ei  n, 
aus  Konglomerat  und  Schiefer;  hie  und  da  findet  sich 
auch  Kohlen-Kalkstein.  Die  Neigung  der  Schichten  ist 
eine  ziemlich  starke,  ihr  Streichen  von  SW.  nach  NO.  Die 
Steinkohle  erscheint  in  häufigen  Lagen,  deren  Mächtigkeit 
oft  sehr  beträchtlich  ;  manche  sollen  die  Stärke  von  6  Metern 
erreichen.  Petrefakten  fehlen  fast  gänzlich ,  nur  bisweilen 
trifft  man  pflanzliche  Reste,  £isenspath  kommt  in  dem 
Kohlen-Gebirge  Asturiens  vor.  In  dem  nachbarlichen  Gali' 
zien  wird  die  Formation  vermisst. 

In  Cafalonien ,  am  Ufer  des  Ter,  bei  San  Juan  de  las 
Abaderas  bildet  das  Steinkohlen-Gebirge  einen  schmalen,  zwei 
Stunden  langen  Streifen,  der  auf  der  Ubergangs-Gruppe  ruht. 
Seine  Schichten  haben  durch  Quarz  führende  Porphyre  manch- 
fache  Störungen  erlitten.  In  Estremadura  finden  sich  an 
fnehren  Orten  kleine  Steinkohlen-Ablagerungen,  die  stets  auf 
dem  Grauwacke-Gebirge  ihre  Stelle  einnehmen.  Die  bedeu- 
tendste ist  das  Kohlen-Becken  von  Villa- Nueva-del- Rio,  wel- 
ches am  Fiiss  des  Guadalquivir  unfern  Pedroso  liegt.  Das- 
selbe besteht  aus  einem  Konglomerat,  dessen  einzelne  Bruch- 
stücke oft  von  beträchtlichem  Durchmesser  sind,  aus  Kohle  und 
aus  bituminösem  Kohlenschiefer,  der  viele  pflanzliche  Reste 
umschliesst.  Überhaupt  werden  die  Kohlen-Ablagerungen 
Estretnaduras  durch  eine  reiche  fossile  Flora  charakterisirt. 
Andere  kleine  Partien  des  Kohlen  Gebirges,  denen  eine  ähn- 
liche Zusammensetzung  eigen,  wie  jenem  \on  Pedroso,  finden 
sich  bei  Espiel,  Valmez,  Fuenie-del  Arco  und  bei  Alanis.  In 
neuester  Zeit  wurden  in  der  Gegend  von  Madrid  einige  Stein- 
kohlen-Lager entdeckt. 

Der  Bunte  Sandstein  bildet  namentlich  im  S.  Spaniens 
einige  ausgedehnte  zusammenhängende  Massen ;  Diess  ist 
besonders  am  nördlichen  Fusse  der  Sierra  Nevada  der  Fall, 


39 

von  wo  er  sich  weithin  nach  Castilien  zieht.  In  dem  Gebirge 
von  Jaen  kommt  ausserdem  eine  Felsart  vor,  die  auch  zur 
Trias-Gruppe  gehören  dürfte.  Es  ist  ein  thoniger,  verschie- 
den gefärbter  Mergel,  der  —  Avie  Hausmann  bemerkt  —  die 
grösste  Ähnlichkeit  mit  dem  Keuper-Mergel  des  nordwestli- 
chen Deuichlands  zeigt;  er  umschliesst  mächtige  Einlagerun- 
gen eines  rauchgrauen  Kalksteins,  so  wie  zahlreiche  Gyps- 
Stöcke.  Der  Bunte  Sandstein  findet  sich  ferner  am  süd- 
westlichen Fuss  der  Sierra  Nevada,  in  Caaltlien ,  an  dem 
Pyrenäen- Gehänge  und  im  S.  von  Santander.  Leider  fehlt  es 
über  die  petrogiapbischeu  Verhältnisse  des  Gesteins,  so  wie 
über  dessen  Beziehungen  zu  anderen  Felsarten  völlig  an 
Nachrichten;  wie  in  manchen  Gegenden  des  südwestlichen 
Deutschlands,  so  soll  ihm  auch  in  Spanien  jene  ermüdende  Ein- 
förmigkeit eigen  seyn. 

Ebenso  wissen  wir  verhältnissmäsig  nur  sehr  wenig  über 
das  Auftreten  von  Gliedern  der  Lias-  und  Jura- Gruppe. 
Die  Lias-Formation  ist  hauptsächlich  im  nördlichen  Spa- 
nien sehr  verbreitet;  sie  erscheint  an  dem  Abfall  der  Pyre- 
näen und  gewinnt  in  Guipuscoa  grosse  Ausdehnung.  Die 
verschiedenen  hier  entwickelten  Glieder  der  Gruppe  zeigen 
nach  Hausmann  manchfache  Analogien  mit  den  Gebilden 
gleichen  Alters  in  den  ?Fc*cr  -  Gegenden.  Eisenerze 
(Braun-  und  Rot  h  -  Eisenstein  und  Eisenspath)  von 
vorzüglicher  Güte  brechen  in  dem  Lias-Gebirge  bei  Somo- 
ruslro  unfern  Bilbao.  —  In  der  Provinz  Galicia  findet  sich 
in  einigen  Thälern  ein  eigenthümliches  Mergel-Gebilde,  das 
aus  Bunten  Mergeln  mit  einzelnen  Sandstein-Bänken  besteht. 
Der  Mangel  an  Petrefakten  lässt  keine  Bestimmung  der  Fels- 
arten zu,  die  von  sandigen  Massen  bedeckt  werden,  welche 
viele  Ähnlichkeit  mit  Grünsand  besitzen.  —  In  Murcia  ist 
ein  lichtegrauer  Kalkstein  sehr  entwickelt;  er  setzt  nament- 
lich zwischen  Baza  \\\u\  Granada  durch  pittoreske  Formen 
ausgezeichnete  Berge  zusammen.  Die  Versteinerungen,  welche 
derselbe  —  z.  B.  bei  Mula  —  führt,  lassen  auf  Lias  oder 
Oxford  Thon  schliessen. 

Die  Jura- Gruppe    besitzt    in    einigen    Gegenden    von 
AU-   und    Neu-Castilien    eine    ausserordentliche    Ausdehnung. 


40 

Unter  den  verschiedenen  Gliedern  steht  besonders  dein  Ju- 
rakalk grosse  Häufigkeit  zu,  und  es  sind  demselben  die  für 
ihn  so  charakteristischen  Berg-  und  Fels-Gestalten  eigen.  — 
In  Navarra  und  Aragonien  kommen  hie  und  da  unter  den 
Kreide-Gebilden  Gesteine  der  Jura-Formation  zum  Vorschein. 
Ein  hellfarbiger  dichter  Kalkstein,  in  hohem  Grade  dem  Kalk 
ähnlich,  der  die  bekannte  Felsen-Kette  von  Pancorbo  in  der 
Gegend  von  Burgos  zusammensetzt  —  das  Gebilde  wurde 
früher  zur  Jura-Gruppe  gezählt,  soll  aber  nach  neueren  Beob- 
achtungen zur  Kreide  gehören  —  macht  in  dem  Gebirge  von 
Jaen  bedeutende  Massen  aus.  Während  dieser  Kalkstein 
viele  Analogie'n  mit  dem  Korallen-Kalk  zeigt,  machen  die 
obengenannte  Ähnlichkeit  und  das  Vorkommen  von  Feuerstein- 
Knollen  in  demselben  es  ungewiss,  ob  das  Gestein  der  Jura- 
Formation  zuzutheilen  sey.  Die  Schichten  des  Kalksteines 
lassen  nicht  allein  starkes  Fallen  ,  sondern  manchmal  sogar 
heftige  Windungen  und  Krümmungen  wahrnehmen,  oder  sie 
stehen  auf  dem  Kopf.  Durch  solche  Umstürzungen  der  Schich- 
ten wurden  imposante  Felsen-Thore  hervorgerufen,  wie  z.  B. 
die  Puerta  de  Avenas  bei  Campülo.  Auch  nördlich  von  der 
Sierra,  zwischen  Granada  und  Guadix  tritt  ein  ähnlicher 
Kalkstein  auf,  so  wie  bei   Gibraltar. 

Die  K  reid  e- G  r  u  pp  e  erscheint  hauptsächlich  in  den 
nördlichen  Theilen  der  Iberischen  Halbinsel,  in  Biscaya,  Na- 
varra, Catalonien,  Aragonien  und  Asturien.  INach  den  Beob- 
achtungen, welche  in  verschiedenen  Ländern  Earopa's  in  den 
letzten  Jahren  gemacht  wurden,  wird  es  sehr  wahrscheinlich, 
dass  auch  in  Spanien  manche  Gebilde,  die  bisher  zur  Kreide- 
Formation  gerechnet  wurden  ,  jetzt  zu  den  ältesten  oder  eo- 
cänen  Tertiär-Ablagerungen  gezählt  werden  dürften,  in  Ca- 
talonien treten  über  dem  Grauvvacke-Gcbirgc  quarzige  Sand- 
steine auf,  die  ihren  Petrefakten  zufolge  als  Kreide-Gebilde 
anzusehen  sind;  sie  enthalten  Pecten  quinqu  ecostatus, 
Trigonia  scabra,  Cyclolites  hemisphaericus  und 
C.  ellipticus,  ferner  Hippuriten,  Terebiateln  u.  s.  w.  Die  sie 
bedeckenden,  an  Nummuliten  reichen  Kalksteine  sind  wohl 
eocän.  Noch  an  mehren  Orten  an  dem  Pyrenäen-GeXxiiWge, 
oft  auf  beträchtlichen  Höhen,  finden  sich  Kreide-Ablagerungen. 


41 

In  dem  westlichen  Theii  der  Pyrenäen  bildet  bekanntlich 
obere  Kreide  die  höchsten  Spitzen,  den  Mont-Perdu  ^  Cuje- 
la-Palas,  Pic  d'Anie  u.  a.  Ausserdem  trifft  man  in  Catalonien 
bisweilen  kleine  Kohlen-Flötze,  die  von  Einigen  zur  Kreide, 
von  Andein  zur  tertiären  Gruppe  gezählt  werden.  In  den 
Küsten-Gegenden  des  nördlichen  Spaniens,  namentlich  an  der 
Grenze  der  Provinzen  Santander  und  Asturien  ist  die  Kreide- 
Foimation  sehr  entwickelt  und  erreicht  oft  bedeutende  Mäch- 
tigkeit bis  zu  2000  Fuss.  In  dem  Distrikt  zwischen  Colum- 
bres  und  S.  Viante  de  la  Barquera  zeigen  sich  die  lehrreich- 
sten Verhältnisse  der  verschiedenen  Glieder  der  Kreide  und 
der  sie  bedeckenden  Num  muli  te  n-Geb  ild  e;  in  ansteigen- 
der Ordnung  folgen  dort  auf  einander:  H  ippuri  ten-K  alk  ; 
O  r  b  i  t  u  1  i  t  e  n  -  K  a  1  k ;  S  p  a  t  a  n  g  e  n-K  alk;  Nummuliten- 
Kalk;  gelber  Sand  und  Sandstein.  Die  Orbituliten 
wurden  früher  irrthümlich  fiir  Nummuliten  gehalten ;  der 
Spatangen-führende  Kalkstein  ist  wahrscheinlich  ein  Äquiva- 
lent der  weissen  Kreide.  Die  Nummuliten  erreichen  bei  Co- 
lumbres  oft  beträchtliche  Grösse;  mit  ihnen  finden  sich  Co- 
noclypus  conoideus,  Ostrea  latissima,  Serpula 
spirn laea  u.  s.  w. 

Noch  in  anderen  Gegenden  Spaniens^  zumal  in  Leon, 
Alt-Castilien  und  in  den  BasMschen  Provinzen  walten  ähn- 
liche Beziehungen,  d.  h.  die  Kreide-Formation  tritt  zu- 
gleich mit  Aew  Numm  u  1  i  te  n-Bän  k  en  auf,  und  Sekundär- 
und  Tertiär-Gebirge  lassen  keine  scharfe  Scheidung  wahr- 
nehmen. Charakteristisch  ist  noch,  dass  die  Nummuliten- 
Schichten  —  auf  gleiche  Weise  wie  in  den  Alpen  —  die  näm- 
lichen Biegungen  und  Störungen  erlitten  haben,  wie  die  Kreide. 
In  Castilien,  zwischen  Segovia  und  Sepulveda,  breitet  sich 
eine  mächtige  Ilippuritenkalk-Formation  aus.  —  In  den  si'ul- 
liclien  Theilen  der  Iberischen  Halbinsel,  in  den  Ki'isten- 
Distrikten ,  wo  Tertiär-Gebilde  so  häufig,  scheint  die  Kreide 
nur  selten  entwickelt ;  bei  Malaga  sollen  zu  ihr  gehörige 
Schichten  vorkommen;  so  wie  zwischen  Cadix  und  Gibraltar 
ein  dem  ftuader-San  dstein  der  Sächsischen  Schwcitz  ana- 
loges Gestein,  bei  los  Barios  ein  PI  ä  n  e  r-artiges  Gebilde. 

An  T  e  r  t  i  ä  r-A  b  1  a  g  e  r  u  n  g  e  n  hat  Spanien  keinen  Mangel, 


42 

Sie  sind  vorzugsweise  in  den  Landstrichen  an  der  Küste  und 
in  den  Becken  grösserer  Flusse,  Ebro,  Tajo,  Duero  u.  s.  w. 
verbreitet.  In  Galicien  findet  man  iiie  und  da  einzelne  Par- 
tie'n  von  plastischem  T  hon  und  S  and,  die  ßran  nkohle 
in  Menge  enthalten.  Es  war  bereits  die  Rede  davon ,  dass 
in  Asturien  über  der  Kreide  eocäne  Gebilde  auftreten;  ebenso 
verhält  es  sich  in  Catalonien.  Unmittelbar  auf  die  Kreide 
folgen  dort  thonige  und  mergelige  Kalksteine,  quarzige  Sand- 
steine und  ein  mächtiges  Konglomerat.  Die  Kalksteine  und 
Sandsteine  snid  reich  an  Niimmuliten.  Ausserdem  erscheinen 
noch  tertiäre  Meeres  Ablagerungen ,  wohl  zur  Molasse  ge- 
hörig, in  den  Ebenen  des  Küsten-Landes  von  Catalonien  und 
Aragonien.  In  den  Baskischen  Provinzen  kommen  kalkige 
Mergel  vor ,  die  als  Vertreter  der  unteren  nummulitischen 
Gruppe  C'f&st.  alaricien')  angesehen  werden.  —  In  Alt-  und 
Neu-Castilien  sind  Tertiär-Gebilde  auf  den  Plateau's  weithin 
verbreitet;  sie  bestehen  wesentlich  aus  dichten  Kalksteinen, 
Mergeln ,  Gyps  und  erlangen  oft  grosse  Mächtigkeit ,  wie 
z.  1».  in  den  Hügeln  um  Briviesca  in  All-Castilien  und  in  den 
Plateau's  südlich  von  Madrid  an  der  Strasse  nach  Andalusien 
und  an  der  Cuesta  de  la  Reyna  unfern  Aranjuez.  In  Alt- 
Caslilien  nehmen  Ablagerungen  von  Thon ,  Sand  und  Gruss 
den  ganzen  niederen  Theil  zwischen  Leon ,  Benevento  und 
Valladolid  ein.  Im  Becken  des  Duero  treten  Tertiär-Gebilde 
unter  besonders  interessanten  Verhältnissen  auf;  EzauEBRA 
unterscheidet  hier  drei  verschiedene  Gruppen:  eine  untere 
Nagelflue,  eine  mittle  gypsige,  und  eine  obere  kalkige.  Die 
letzte  ist  sehr  kieselig,  führt  Feuerstein,  Halbopal  und  Chal- 
zedon.  Die  mittle  Gruppe  enthält  in  Thon-Lagen  die  schön- 
sten Zwillings-Krystalle  von  Gyps,  jenem  von  Montmartre 
ähnlich,  zumal  bei  Olmedo  und  bei  Valladolid.  Auch  in  dem 
grossen  Zentral-Becken  südlich  von  Aranjuez ,  das  Tajo  und 
Jarama  durchströmen,  sind  mächtige  tertiäre  Ablagerungen. 
—  Bei  Vallecas  unweit  Madrid  findet  sich  bekanntlich  Meer- 
schaum in  einem  tertiären  Mergel,  begleitet  von  Horustein, 
Chalcedon,  Halbopal  und  Kalkspath.  Auch  bei  Cavanas  un- 
fern Toledo  ist  ein  ähnliches  Meerschaum- Lager. 

Auch  im  südöstlichen  und  südlichen  Spanien  zeigen  sich 


43 

tertiäre  Massen  entwickelt ;  sie  bilden  die  Ebenen  von  Murcia, 
Carthagena ,  Alicante ,  Aguilas  ,  Valencia  ,  Granada ,  erfüllen 
die  Thäler  von  Segura ,  Lorca ,  Almeria ,  vom  Guadalquivir 
II.  s.  w.  Thon  und  Mergel  zeigen  sich  im  unteren  Anda- 
lusien weit  ausgedehnt;  der  Subapenninen -Formation  ange- 
hörige  Gebilde  finden  sicli  in  den  Küsten-Gegenden  um  Va- 
lencia, In  Granada  und  Sevilla  umgeben  tertiäre  Ablagerun- 
gen die  primitiven  und  Übergangs-Gesteine  der  Sierra  Ne- 
vada. Zwischen  Carthagena  und  Malaga  an  der  Küste  herr- 
schen Gebilde  von  Thon,  Sand,  Sandstein,  Lehm,  Mergel 
und  Konglomerate;  sie  enthalten  oft  zahlreiche  fossile  Reste, 
wie  Pecten,  Ostrea,  Natica,  ßalanns,  Cardium, 
Turritella,  Hai  Zähne,  Wirbel  von  Delphin  n.  s.  w.  Bei 
Velez  Malaga  treten  Tertiär-Schichten  mit  Clypeaster  in 
einer  Höhe  von  450  Fuss  auf.  Bemerkenswerth  ist,  dass  das 
Mittehneer  sich  seit  Menschen-Gedenken  beträchtlich  von  der 
S.-Küste  zurückgezogen  hat,  so  dass  jetzt  da  Häuser  stehen, 
wo  einst  Schiffe  Anker  warfen.  Im  südwestlichen  Spanien 
besteht  die  Tertiär-Formation  aus  Kalkstein,  Mergel  und  Sand; 
bei  Conil  enthalten  thonige  Mergel  in  grosser  Menge  die 
bekannten  Schwefel  -  Krystalle.  (Früher  wurde  die  Lager- 
stätte auf  Rechnung  des  Herzogs  von  Medina  Sidonia  unter 
freiem  Himmel  abgebaut.  Noch  jetzt  findet  man  zierliche 
Krystalle  des  Minerals  auf  den  Halden.)  Überhaupt  trifft 
man  an  mehren  Orten  in  Spanien  in  den  tertiären  Massen 
Schwefel.  Beachtung  verdient  das  schöne  Vorkommen  der 
Substanz  in  einem  bituminösen  mergeligen  Gyps  als  Ver- 
steinerungs-Mittei  von  Flanorbis  und  Chara  bei  Teruel  in 
Aragonien.  Auch  Steinsalz  zeigt  sich  auf  ähnliche  Weise 
von  Tertiär-Gebilden  umschlossen ;  so  z.  B.  bei  Valtierra  un- 
fern Tudela  ,  in  der  Gegend  von  Aranjuez  u.  a.  a.  O.  Was 
die  berühmte  Steinsalz- Lagerstätte  von  Cardona  betrifft,  so 
ist  deren  geologische  Stellung  noch  nicht  entschieden.  Ein 
bald  feinkörniger,  bald  Konglomerat-artiger  Sandstein  ent- 
hält den  an  mächtigen,  von  Gyps  und  Thon  begleiteten  Stein- 
salz-Stock ;  die  bebaute  Masse  hat  eine  Länge  von  etwa  400 
und  eine  Breite  von  800  Fuss. 

Charakteristisch    für   die    verschiedenen    Tertiär -Becken 


44 

Spaniens  ist  der  Umstand,  dass  sie  mit  Süsswasser- 
Ablagerungeii  eifülit  sind.  Im  JE^ro-Beckeii  ruhen  auf 
den  Tertiär-Scliicliten  thonige  und  kalkige  Bänke  voll  Pla- 
norbis  und  Limnaea;  ähnliche  Gesteine,  mit  denselben 
organischen  Resten  in  Gesellschaft  von  Paludina,  kommen 
im  Z>Mero-Becken  vor.  In  dem  grossen  Zentral-Becken  süd- 
lich von  Aranjuez  bildet  eine  mächtige  Süsswasser-Formation 
ausgedehnte  Plateau's.  In  der  Nähe  von  Guadalajara  bei 
Trijueque  zeigt  sich  Süss  w  asser  kalk  ganz  erfüllt  mit 
Limnaea,  Hei  ix  u.  s.  w.  Indess  sind  Süsswasser-Ablage- 
rungen  nicht  auf  die  genannten  Becken  beschränkt;  sie  finden 
sich  im  Innern  des  Landes,  wie  an  den  Küsten,  in  dem  ver- 
schiedensten Niveau.  In  Murcia  ist  die  Süsswasser-Forma- 
tion ziemlich  verbreitet;  sie  enthält  nicht  selten  Schwefel, 
wie  bei  Ricote,  Salero  «.  a.  a.  O,,  besonders  aber  bei  Hellin, 
wo  bedeutende  Gewinnung  statt  hat.  Salpeter  erzeugt 
sich  häufig  in  den  Ebenen  Murcia's.  In  Calahnien  erscheint 
gleichfalls  im  S.  von  Urgel  eine  ausgedehnte  Süssw.asser- 
Formation  mit  verschiedenen  Arten  der  obengenannten  Pe- 
trefakten. 

Unter  den  Gebilden  der  Diluvial-Zeit  muss  hier  vorzugs- 
weise des  eigenthümlichen  Konglomerates,  des  Knochen- 
t  r  ü  m  m  e  r-G  e  s  t  e  i  n  s  gedacht  werden,  welches  an  der  S.-Küste 
Spaniens^  in  den  Umgebungen  von  Gibraltar  eine  Rolle  spielt  und 
frühe  schon  die  Aufmerksamkeit  der  Naturforscher  auf  sich  zog. 
In  einem  rothen  eisenschüssigen  ,  meist  sehr  kalkigen  Thon 
liegen  Bruchstücke  und  Geschiebe  von  Kalkstein  nebst  Kno- 
chen und  Zähnen  von  Vierfüssern,  Vögeln  und  Reptilien  ,  so 
wie  verschiedenen  Schaalthier-Resten. — Mit  diesem  Knochen- 
trümmer-Gestein zeigt  eine  Kalk-Breccie  viele  Analogie, 
die  gleichfalls  in  der  Nähe  der  S.-Küste  oft  nur  wenige  Fuss, 
manchmal  auch  mehre  Lachter  mächtige  Schichten  an  der 
Oberfläche  bildet.  Sie  scheint  am  häufigsten  in  jenen  Gegen- 
den ,  wo  Kalkstein  vorherrscht,  zumal  bei  Berja  und  Adra. 
In  einem  gelblichrothen  kalkigen  Thon  liegen  Kalkstein- 
Bruchstücke  von  verschiedener  Grösse,  nebst  Fragmenten  oder 
Geschieben  von  Thonschiefer,  letzte  aber  seltener. 

Mehre  Gegenden  der  Iberischen  Halbinsel,  hauptsächlich 


45 

der  östliche  Theil  ist  mit  ausgedehnten  Diluvial-Äblagerungen 
bedeckt,  Murcia,  Castilien  ii.  s.  w.  Diese  Ablagerungen  be- 
stehen aus  Gruss,  Sand  und  Gerollen  manchfacher  Gesteine. 
Dieselben  gewinnen  in  der  Provinz  Galida  Bedeutung  wegen 
des  Vorkommens  von  Gold.  Es  ist  vorzugsweise  das  Über- 
gangs-Gebirge,  welches  das  Material  für  die  Gold-führenden 
Konglomerate  geliefert  hat.  Auch  in  dem  Alluvium,  im  Sande 
des  SU  wird  Gold  gefunden.  Am  nördlichen  Abfall  der 
Sierra  Nevada,  bei  Granada,  Guadix  u.  a.  O.  treten  mäch- 
tige Lehm-Ablagerungen  auf.  Die  ärmere  Volks-Klasse  wei- 
tet sich  in  den  durch  grosse  Trockenheit  ausgezeichneten 
Lehm-Bänken  Wohnungen  aus. 


Es  war  bereits  die  Rede  davon,  dass  Spanien  nicht  unbe- 
deutende Schätze  metallischer  Substanzen,  so  wie  von 
Kohle  und  Steinsalz  besitzt.  Das  letzte  findet  sich  be- 
kanntlich in  un^rmesslicher  Menge  bei  Cardona;  allein  die 
beinahe  aus  ganz  reinem  Steinsalz  bestehende  Oberfläche  des 
„Steinsalz-Berges"  begreift  einen  Raum  von  132,012  Quadrat- 
Ruthen.  Doch  auch  an  Orten  wird  Salz  gewonnen,  welches 
theils  von  sekundären,  tUeils  von  tertiären  Gesteinen  um- 
schlossen ist.  Ausserdem  geben  manche  der  an  der  S.-Küste 
errichteten  „Meeres-Salinen"  einen  guten  Handelszweig  ab; 
das  Salz  nehmen  fremde  Schiffe  als  Ballast  mit.  Das  in  der 
Gegend  von  Malaga  vorkommende  soll  sich  durch  Reinheit 
und  Weisse  auszeichnen.  Alaun  und  Salpeter  gehören 
zu  den  besonders  häufigen  Erzeugnissen ,  namentlich  in  den 
südöstlichen  Provinzen.  Steinkohlen  sind  in  Überfluss  in 
den  Pyrenäen,  in  Asturien  und  Valencia  angehäuft ;  doch  be- 
dürfen sie  einer  zweckmäsigeren  Ausbeutung  als  bisher. 

In  der  Gewinnung  metallischer  Substanzen  hat  man 

—  die  Öuecksilber-Erze  von  Almaden  ausgenommen,  welche 
bereits  den  Griechen  700  Jahre  vor  Christus  bekannt  waren 

—  erst  in  den  letzten  zehn  bis  fünfzehn  Jahren  eine  grössere 
Betriebsamkeit  und  Energie  gezeigt  *;    auch  führten  sorgfäl- 

'     Vor  184t  wurde  fast  p^ar  kein  Silber  zu  Tage  gefördert :  man  grub 
überhaupt  nur  wenig  auf  edle  Metalle,  obwohl  das  Land  schon  im  Alter- 


4G 

tige  Nachfovschung;en  zur  Entdeckung-  neuer  Schätze.  Im 
Jahr  1S41  fand  man  bei  Baylen  in  Jaen  reiche  Silber-,  An- 
timon- und  Kupfer-Minen  auf.  Im  März  1842  wurden  in  der 
Provinz  Logranno  vierzehn  neue  Gruben  aufgenommen.  In 
neuester  Zeit  verdient  besonders  die  Entdeckung  der  Silber- 
erz-Lagerstätte von  Hiendelaencia  in  der  Provinz  Guadalajara 
Beachtung.  Die  Silbererz-Gänge  setzen  im  Gneiss  und  Glim- 
merschiefer auf;  sie  bestehen  aus  Silberglanz,  Chlorsilber, 
ßromsilber,  Rothgültigerz,  gediegenem  Silber,  Eisenkies 
u.  s.  vv.  Der  eine  Gang  San  Jose  hat  eine  Mächtigkeit  von 
drei  Metern. 

Die  Hauptbergvverks-Distrikte  Spaniens,  wo  gegenwärtig 
grosse  Thätigkeit  herrscht,  liegen  im  südlichen  Theil  des 
Landes ,  zumal  in  den  Provinzen  Granada  und  Murcia.  In 
der  Gegend  von  Almazarron  setzen  zahlreiche,  oft  mächtige 
Bleiglanz-Gänge  im  Granit  auf.  Gänge  von  Blei-Erzen  werden 
in  der  Sierra  Almagrera  CGranada^  abgebaut;  sie  tragen  jähr- 
lich etwa  80,000  Mark  Silber.  In  den  Umgebungen  von 
Carthagena  findet  gleichfalls  ein  bedeutender  Berg-Bau  auf 
Silber-haltige  Blei-Erze  Statt ;  besonders  berühmt  aber  wegen 
ihres  Reichthums  an  Blei-Erzen  ist  die  Sierra  de  Gador.  Die 
Gänge  setzen,  wie  schon  erwähnt  wurde,  in  einem  dunkel- 
farbigen, keine  Versteinerungen  enthaltenden  Kalk  auf.  Die 
Gruben  finden  sich  hauptsächlich  nordöstlich  von  Berja  auf 
dem  höchsten  Punkte  des  Gebiro;es,  2000  Meter  über  dem 
Meere.  Die  Grube  Santa  Suzanna  soll  gegenwärtig  die  er- 
giebigste seyn ,  sie  liefert  monatlich  150,000  Kilogramm 
schmelzwürdiges  Erz.  Früher  arbeiteten  in  den  Bergwerken 
der  Sierra  de  Gadur  10,000  Bergleute;  im  August  1845  waren 
nur  noch  3000  beschäftigt.  Allmähliche  Erschöpfung  der 
Erz-Lagerstätte  veranlasste  die  Abnahme. 

Eine  nie  versiegende  Quelle  sind  die  schon  den  Römern 
bekannt  gewesenen  Zinnober-Gruben  von  Almaden ,    die  nocli 


thum  wegen  seines  Silber-Reichthums  berülmit  war.  Die  Ausbeute  an 
Silber-Erzen  betrug  im  Jahre  1841:  33381  Mark,  1842:  133447,  1843: 
229090  Mark ;  innerhalb  drei  Jahren  ein  Gesammt-Werth  von  64  Millionen 
Realen. 


47 

jetzt  einen  Hanptschatz  der  Spanischen  Krone  bilden.  In 
neun  Stockwerken,  die  eine  Teufe  von  1140  Fuss  erreichen, 
werden  die  im  Thonschiefer  aufsetzenden  Erze  gewonnen. 
In  liohem  Grade  merkwürdjo;  ist  die  Mächtigkeit  des  Zinn- 
ober-Ganges. Es  streicht  von  O.  nach  W.  und  ist  im  oberen 
Theiie  des  Bergwerkes  unter  60<*  bis  70*^  geneigt,  weiter  tie- 
fer steht  er  fast  senkrecht.  Im  ersten  Stockwerk  beträgt 
seine  Mächtigkeit  18,  im  untersten  60  Fuss.  Noch  Jahrtau- 
sende des  Abbaues  sind  dem  Gang  gesichert.  Die  jährliche 
Ausbeute  beträgt  etwa  eine  Million  Zentner  Zinnober ,  diese 
liefern  ungefähr  80,000  Zentner  Quecksilber.  Die  jährliche 
Gesammt-Einnahme  beläuft  sich  demnach  auf  8  Millionen 
Realen.  Bekanntlich  hatte  man  früher  —  da  die  Arbeit  in  den 
Quecksilber-Gruben  so  sehr  nachtheilig  —  nur  Verbrecher 
dazu  verwendet;  jetzt  bedient  man  sich  freier  und  besoldeter 
Bergleute ,  die  nicht  länger  als  sechs  Stunden  arbeiten  dür- 
fen. Dennoch  sterben  viele  in  einem  Alter  von  30  bis  40 
Jahren.  In  dem  benachbarten  Bade  Fuencaliente  suchen  zahl- 
reiche kranke  Bergleute  im  Oktober  Linderung  ihres  Übels. 
In  geringer  Entfernung  von  Almaden  liegen  die  erst  in  neue- 
rer Zeit  aufgenommenen  Gruben  von  Almadenejos,  ausgezeich- 
net durch  das  so  seltene  Vorkommen  des  Quecksilber-Horn- 
erzes.  Ganz  kürzlich  (1849)  hat  man  in  der  Provinz  Gua- 
dalajara durch  Zufall  sehr  ergiebige  Quecksilber-Lagerstätten 
aufgefunden.  Sie  erhielten  den  Namen  Gruben  von  Alcaria. 
—  Nach  den  neuesten  Nachrichten  wurde  auch  in  der  Pro- 
vinz Leon  ein  reiches  Gold-Lager  entdeckt.  Die  Gold-führen- 
den Massen  finden  sich  sowohl  an  den  niedrigen  Ufern  des 
Darro,  wie  in  dengrossen  Landstrecken  in  der  Nähe  der  Haupt- 
stadt CGranada}.  Schon  sind  viele  Personen  mit  Ausbeutung 
der  Gold-führenden  Lager  beschäftigt. 


Am  Schlüsse  der  geognostischen  Skizze  Spaniens  erlauben 
wir  uns  noch  die  interessanten  Bemerkungen  Haüsmann's  * 
anzuführen,    indem  sie    ein  getreues  Bild    des  merkwürdigen 


Göllittger  gelehrte  Anzeigen  18S9,  No.  197,  S.  1961  E 


48 

Landes  gewähren  und  zugleich  zeigen,  wie  manche  physische 
Verhältnisse  mit  geognostischen  in  einem  gewissen  Zusam- 
menhang stehen.  Ein  Blick  auf  die  gesammte  Natur  von 
Spanien  —  so  sagt  Hausmann  —  lässt  eine  dreifache  Haupt- 
Verschiedenheit  erkennen.  Die  nördUche  Zone ,  welche  bis 
gegen  den  Ebro  sich  erstreckt,  weicht  in  ihrem  Charakter 
von  dem  mittlen  Haupttheile  gänzlich  ab  ;  und  von  diesem  ist 
wieder  sehr  auffallend  verschieden  die  südliche  Zone,  welche 
durch  die  Sierra  Morena  nördlich  begrenzt  wird,  nebst  einem 
Theile  des  0. -Randes.  Die  nördliche  Zone,  welche  Galicien, 
Asturien,  die  Baskischen  Provinzen,  Navorra,  den  nördlichen 
Theil  von  Aragonien  und  Catalonien  begreift,  ist  ein  weit  aus- 
gedehntes Gebirgs-Land.  Auf  einer  Seite  haben  die  Schnee- 
Felder  und  Gletscher  der  hohen  Pyrenäen  und  auf  der  andern 
die  N.-  und  W.-W^inde  Einfluss  auf  Erniedrigung  der  Tem- 
peratur und  auf  stärkere  Bewässerung.  Die  grössere  Feuch- 
tigkeit ist  der  Vegetation  giinstig,  die  im  Ganzen  noch  sehr 
der  im  südlichen  Frankreich  gleicht  und  die  Manchfaltigkeit 
der  Kalk,  Tlion  und  Sand  enthaltenden  Gebirgsarten,  so  wie 
der  verschiedenartige  Wechsel  ihrer  Lagerung  wirken  vor- 
theilhaft  auf  die  Acker-Krume  ein.  Alles  fordert  zur  Kultur 
des  Bodens  auf,  die  auch  von  dem  Catalonier  und  Basken 
fleissig  betrieben  wird.  In  nicht  so  günstigen  Verhältnissen 
befindet  sich  der  mittle  Haupttheil  von  Spanien,  wozu  Alt- 
und  Neu-Casfi/ien,  ein  Theil  von  Aragonien,  Leon  und  Estre- 
madura  gehören.  Die  meisten  Gegenden  desselben  haben 
weder  den  Reiz  der  Schönheit  noch  den  der  Manchfaltigkeit. 
Ermüdend  sind  die  unabsehlichen  baumlosen  Flächen  des  hohen 
Tafel-Landes,  dessen  vorherrschende,  grösstentheils  horizon- 
tal ausgebreitete  Flötz-Formation  einen  einförmigen  Boden 
erzeugt,  der  vom  Winde  bestrichen  und  von  den  Sonnen- 
strahlen ausgebrannt  wird.  Wohin  das  Auge  sich  wendet, 
erblickt  es  fast  nichts  als  schlecht  bestellte  Korn-Felder  und 
öde  Cistus-Haiden.  Selten,  im  Ganzen  mehr  in  den  südliche- 
ren als  in  den  nördlicheren  Landstrichen,  geben  Ölbaum- 
Pflanzungen  kärglichen  Schatten  und  einige,  wenn  auch  nicht 
anmuthige  Abwechslung.  Auf  diese  Beschaffenheit  der  Natur, 
mit    denen    Manches    in    den   Eigenthümlichkeiten    und    der 


49 

Lebensweise  der  Menschen  im  Einklänge  ist,  wirkt  unstreitig 
nichts  melir  ein ,  als  die  gieichmäsige  hohe  Lage  der  weit 
ausgedehnten  Ebenen  nnd  die  Gleichförmigkeit  des  Gesteins, 
welches  die  Grundlage  des  Frucht-tragenden  Bodens  bildet. 
Dass  aber  die  Spanischen  Hochebenen  jenen  grossen  Zusam- 
menhang haben ,  dass  sie  nicht  von  zahlreichen  und  tiefen 
Thälern  durchschnitten  werden ,  ist  wohl  vornehmlich  der  ho- 
rizontalen Lagerung  und  dem  Mangel  an  Wasser  zuzuschrei- 
ben. Im  Verhältniss  zur  Grösse  des  Landes  und  der  Menge 
bedeutender  Gebirge  führen  die  Ströme  in  den  meisten  Zeiten 
wenig  Wasser;  die  Anzahl  der  kleinen  Flüsse  ist  ebenfalls 
verhältnissmäsig  gering,  und  auffallend  ist  es,  wie  unbedeu- 
tend die  Gewässer  der  meisten  Gebirge  in  Spanien  sind, 
selbst  wenn  die  Beschaffenheiten  des  Gesteins  Quellen-Bil- 
dung begünstigen.  Die  Ursachen  dieser  Wasser-Armuth  sind 
wohl  hauptsächlich  die  grosse  Trockenheit  der  Atmosphäre, 
die  geringe  und  nicht  dauernde  Schnee-Decke  der  Gebirge, 
der  Mangel  an  Waldung,  der  Mangel  von  grossen  Mooren 
auf  den  Höhen  und  die  verhältnissmäsig  geringe  Breite  der 
Gebirgszüge.  Höchst  abweichend  stellt  sich  der  südliche  und 
südöstliche  Theil  von  Spanien  dar,  der  Andalusien  nebst 
Granada,  Murcia  und  Valencia  begreift.  Jenseits  der  Sierra 
Morena  hat  das  ganze  Land  einen  weit  südlicheren  und  fremd- 
artigeren Charakter,  einen  Anhauch  von  Afrikanischer  Natur, 
der  sich  nicht  allein  in  der  Pflanzen- Welt,  sondern  auch  in 
der  Thier-Welt  und  selbst  auf  gewisse  Weise  an  dem  Men- 
schen kund  thut.  Es  ist  die  südlichere  Lage,  die  dem  Afri- 
kanischen Winde  zugekehrte  Abdachung  gegen  S.  und  SO., 
die  starke  Zurückwerfung  der  Sonnen-Strahlen  von  den  hohen 
nackten  Gebirgs-Wänden,  wodurch  die  grosse  klimatische 
Verscliiedenheit  hervorgerufen  wird.  Die  Gebirge  sind  weit 
gedrängter,  die  Thäler  tiefer  eingeschnitten;  für  sehr  ausge- 
dehnte Hochebenen  ist  kein  Raum,  und  die  beschränkteren 
welche  es  gibt,  wie  die  von  Granada,  sind  mehr  bewässert 
als  im  mittlen  Spanien.  Dazu  kommt  eine  grössere  Verschie- 
denartigkeit des  Gesteins  und  der  Lagerung.  Das  südliche 
Spanien  besitzt  daher  nicht  allein  eine  weit  höhere,  das  Ge- 
deihen von  Pomeranzen  und  Palmen  begünstigende  Temperatur, 

Jnhrgang  1831.  4 


50 

sondern  «auch  einen  weit  manchfaltigeren  und  für  die  Kultur 
vortheilhafteren  Boden.  Aber  freilich  würden  diese  Verliält- 
nisse  einen  noch  g;ünstig;eren  Einfluss  haben,  wenn  die  Luft 
w^eniger  trocken  und  überall  die  Feuchtigkeit  grösser  wäre. 
In  dem  Mangel  derselben  scheint  nicht  allein  die  Dürftigkeit 
der  phanerogamischen  Vegetation  an  den  meisten  Berg-Ein- 
hängen ,  sondern  auch  die  auffallende  Armuth  des  Küsten- 
Gebirges  an  Eichenen  und  Laub-Moosen  hauptsächlich  be- 
gründet zu  seyn,  womit  dann  weiter  zusammenhängt,  dass 
die  Verwitterung  der  Felsen  und  die  Umformung  der  ur- 
sprünglichen Oberfläche  der  Gebirge  dort  einen  etwas  ande- 
ren Gang  nehmen,  als  in  feuchteren  und  mit  einer  stärkeren 
Vegetation  begabten  Gegenden. 


über 

Struveit 

von 
Herrn  G.  L.  Ulex. 


Jetzt,  wo  die  Fundgrube  für  Struveit  schon  seit  Jahr 
und  Tag  geschlossen  ist;  wo  eine  mächtige  Konkret-Masse, 
das  Fundament  des  Gemäuers,  welches  sich  in  reinster  gothi- 
scher  Form  zum  Dome  erhebt,  ihren  Grund  ausfüllt:  jetzt 
erscheint  es  nicht  überflüssig,  einen  Rückblick  auf  die  allge- 
meinen Verhältnisse  jenes  Minerals  zu  werfen  und  einige  Beob- 
achtungen anzureihen,  die  später  noch  gemacht  worden  sind. 

Zuletzt,  in  der  grössten  Tiefe,  fanden  sich  die  reinsten 
und  schönsten  Krystalle.  Sie  halten  sich  vortrefflich;  ohne 
alle  Sorgfalt  in  einer  Schublade  verwahrt,  zeigt  sich  bei  ihnen 
keine  Spur  von  Verwitterung,  die  doch  bei  den  vorher  gefun- 
denen sich  stellenweise  als  weisser  oder  blaulicher  Beschlag 
einstellte.  Freunden  der  Wissenschaft  überlasse  ich,  da  ich 
noch  ziemlichen  Vorrath  davon  besitze,  mit  Vergnügen  davon. 

Man  kann  3  Haupt-Formen  des  Struveits  unterscheiden : 

1)  Farblose  fünfseitige  hemiprismatische  Kry- 
stalle, ziemlich  selten;  häufiger  die  von  gelber  Farbe  und 
von  eingeschlossenem  Schmutz  dunkleren.  In  den  obersten 
Schichten. 

2)  Grosse  py  ramid  enförmige  K  rystalle.  Rhom- 
boeder  mit  farbloser  Glas  heller  Spitze  und  gefärbter  Basis; 
die  grössteu  bis  zu  3  Grammen  schwer. 

4* 


52 

3)  ßernstein-gelbe  klare  d  reiseitige  Prismen, 
zu  Unterst,  in  einer  Letten-Schicht  vorkommend. 

Vor  dem.Löthrohr  schmelzen  die  ersten  zu  einem  weissen 
Email,  Mg-bP,  das  bei  längerem  Blasen  in  der  inneren  Flamme 
Phosphorsänre  verliert  und  zu  einer  durchsichtigen  farblosen 
Perle  von  Mg'' cP  wird.  —  2  und  3  geben  ein  braunes 
Email. 

In  Borax  lösen  sich  die  Krystalle  reichlich  auf;  1  gibt 
in  der  äusseren  Flamme  ein  violettes  Mangan-Glas;  2  und 
3  zeigen  die  Reaktionen  des  Eisens.  —  Ähnlich  verhält  sich 
Phosphor-Salz. 

Auf  dem  Platin-Blech  mit  Soda  geschmolzen  wird  diese 
von  allen  mehr  oder  minder  intensiv  grün  gefärbt;  bei 
1  sind  ausserdem  fleischrothe  Partie'n  von  Spuren  von  Eisen- 
oxyd; bei  2  und  3  treten  gelbbraune  Massen  von  Eisen- 
Oxyd  reichlich  auf. 

Kobalt-Solution  färbt  nur  1  schmutzig  roth. 

In  Chlorwasserstoff-  oder  Schwefel-Säure  gelöst,  färben 
rothes  und  gelbes  Blutlaugen  Salz  die  verdünnte  Lösung  von 
1  grün,  von  2  und  3  dagegen  stark  dunkel  und  hell- 
blau; Ätz-Kali  fällt  alle  drei  in  weissen  Flocken,  die  bei  2 
und  3  bald  braun  werden. 

Die  qualitative  Untersuchung  ergibt  somit  ausser  den 
früher  nachgewiesenen  Bestandtheilen  noch  Mangan  -  und 
Eisen-Oxydul ;  letztes  verräth  sich  auch  schon  durch  den 
blauen  Überzug,  mit  dem  manche  Krystalle  sich  beim  Ver- 
wittern bedecken,  und  der  immer  eintritt,  wenn  durch  starkes 
Reiben  oder  Abwaschen  die  äussere  Textur  der  Krystalle 
verletzt  wurde;  vermeidet  man  Diess ,  so  halten  sie  sich 
selbst  in  offenen  Gefässen  unversehrt. 

Die  verschiedenen  Formen  wurden  einer  quantitativen 
Analyse  unterworfen. 

1,54  Grm.  von  1  verlieren  beim  Glühen  0,825  an  Am- 
moniak und  Wasser.  Durch  Schmelzen  mit  Soda  und  Aus- 
laugen der  geschmolzenen  Masse  mit  Wasser  wurde  die 
Phosphorsäure  0,445  von  der  Magnesia,  dem  Mangan  und 
Eisen-Oxydul  getrennt;  letzte  Basen  in  reichlicher  Chlorwas- 
serstoff-Säure gelöst  und  mit  überschüssigem  Ammoniak  und 


i 


53 

dann  mit  Schwefelwasserstoff-Ammoniak  versetzt;  die  Schwe- 
fel-Metalle in  Chlorwasserstoff-Säure  und  Chlor- Wasser  gelöst, 
und  aus  der  neutralen  Flüssigkeit  das  Eisen  durch  Bernstein- 
saures Ammoniak,  das  Mangan  durch  kohlensaures  Natron 
gefällt.  Erhalten  wurde  0,018  Mangan-Oxydnioxyd  =  0,017 
Mangan  Oxydul  mit  etwas  Eisen-Oxydul;  ferner  0,651  pyro- 
phosphorsanre  Magnesia  =  0,238  Magnesia. 

1,135  Grm.  von  2  gaben  0,608  Ammoniak  und  Wasser, 
0,407  pyrophosphorsaure  Magnesia  =  0,149  Magnesia,  0,027 
Eisen-Oxyd  =:  0,025  Eisen-Oxydul,  0,014  Mangan-Oxydul- 
oxyd  =  0,01.»  Mangan-Oxydul  und  0,318  Phosphorsäure. 

0,545  Grra.  von  3  lieferten  0,293  Ammoniak  und  Wasser, 
0,199  pyrophosphorsaure  Magnesia  =0.073  Mg,  0,017  ¥e  == 
0,016Fe,  0,007  Mangan-Oxyduloxyd  =  0,006  Mn  und  0,155P. 

0,662  Grm.  von  3  gaben  0,361  Ammoniak  und  Wasser,  0,210 
pyrophosphorsaures  Mg  =  0,077  Mg,  0,028  ¥e  —  0^027 
te,  0,014  Mangan-Oxyduloxyd  =  0,013  Mn   und  0,180  P. 

Hieraus  ergibt  sich  folgende  prozentische  Zusammen- 
setzung: 

1)  5  s  e  i  1 1  g  e  f  e  i  n  p  r  i  s  111  a  t  i  s  c  Ii  e     2)  Pyramide  n-f  ö  r  nii  g  e 
K  r  y  s  t  a  I  1  c.  K  r  y  s  t  a  1 1  e. 

Sauerstoff.  Sauerstoff. 

Aninioniak  und  Wasser  .     .     53,62 

Magnesia 15,50     .     6,20  |  13,15     .     5,26 

Eisen-Oxydul         j  1,11     .     o.ixi    ^'^"^      ^'"^^     '     ^'^^  \    ®'^* 


Mangan-Oxydul    J  '  2,01     .     0,44  ' 

c  Phosphorsäure    ....     28,90     .       -       15,90    28,05     .       —       15,17 

3)  Sseitige  prismalische  Rrystalle. 

Sauerstoff.  Sauerstoff. 

Ammoniak  und  Wasser  .     .  53,76 

Magnesia 13,46     . 

Eiseii-Oxydul 3,06     , 

Mangan-Oxydul     ....       1,12     . 

c  Pliospliorsäure   ....  28,56     .  . 

Die  vorstehenden  Analysen  ergaben  demnach  eine  theil- 
weise  Vertretung  der  Magnesia  durch  Eisen-  und  Mangan- 
Oxydul  in  wechselnden  Verhältnissen  ;  bei  2  ist  das  Quantum 
derselben  annähernd  gleich;  bei  3  hat  das  Eisen-Oxydul  das 
Übergewicht;  immer  ist  jedoch  die  Magnesia  vorherrschend, 
und    nur   bei    solchen  Krystallen ,    die    sich    mit  der  hin  und 


54 

wieder  vorkommenden  Blaueisen-Erde  gebildet  liaben  und  sie 
zum  Theil  einschliessen ,  übersteigt  der  Eisenoxydul- Gehalt 
den  der  Magnesia. 

Als  Formel  des  Struveits  ergibt  sich: 
[Mg  0 
NH*  0  +  2]Fe  0  +  c  PO^  +  12  HO 
Imti  0 
und    der  Struveit   begreift   mithin    als  natürlich   krystallisirte 
Verbindung  alle  3  phosphorsauren  Doppel-Salze  in  sich,  welche 
Otto   einzeln    in    Form    eines   Niederschlags    darstellte   und 
analysirte. 

Weder  der  Guanit  Teschemacher's,  noch  die  kleinen  Kry- 
stalle  des  Tripel-Salzes,  welches  Forchhammkr  in  Kopenhagen 
fand,  enthalten  Eisen-  oder  Mangan-Oxydul. 

Bei  dem  grossen  Interesse,  welches  der  Struveit  durch 
seine  merkwürdige  und  manchfaltige  Krystall-Form ,  durch 
seine  Zusammensetzung,  so  wie  durch  seine  Pyro-Elektrizität 
darbietet ,  ist  im  Grunde  die  Frage :  ob  derselbe  als  Mineral 
zu  betrachten  sey  oder  nicht,  gewiss  eine  ziemlich  unwesent- 
liche. Er  wurde  als  solches  aufgestellt  und  benannt,  und 
wenn  die  Gründe ,  die  hiezu  Veranlassungen  gaben ,  bereits 
vielfach  anderweitig  erörtert  sind,  so  scheint  es  dennoch  nicht 
überflüssig,  den  Gegenstand  nochmals  in  Erwägung  zu  ziehen, 
um  möglichst  über  denselben  ins  Klare  zu  kommen. 

Legen  wir  die  Definition  Na.umann's  zum  Grunde,  so  ist 
ein  Mineral  jeder  homogene,  starre  oder  tropfbarflüssige  an- 
organische Körper,  welcher  so  ,  wie  er  erscheint,  ein  unmit- 
telbares, ohne  Mitwirkung  organischer  Prozesse  und  ohne 
Zuthun  menschlicher  Willkühr  entstandenes  Natur-Produkt  ist. 

Dass  der  Struveit  ein  homogener  starrer  anorganischer 
Körper  ist,  wird  Niemand  bestreiten.  Auch  von  menschlicher 
Willkühr  kann  keine  Rede  seyn ,  da  diese  bei  der  Bildung 
desselben  positiv  keinen  Einfluss  geäussert  hat.  Bis  zu  seiner 
Entdeckung  hatte  man  von  seinem  Vorhandenseyn  keine 
Ahnung,  und  bis  zu  dem  heutigen  Tage  hat  man  eine  Ver- 
bindung von  der  oben  angeführten  Zusammensetzung  weder 
zu  beschreiben  noch  darzustellen  versucht.  —  Ist  er  aber 
auch  ein  unmittelbares  ohne  Mitwirkung  organischer  Prozesse 


entstandenes  Natiir-Pi'odukt?  Ganz  bestimmt,  denn  organische 
Prozesse  gehen  nur  nnter  Einfluss  der  Lebens-Kraft  vor  sich, 
und  Lebens-Kraft  ist  bei  Bildung  des  Struveits  so  wenig 
nachzuweisen,  als  bei  der  jedes  andern  Krystalls.  Nach  der 
NAUMANN'schen  Diagnose  ist  der  Struveit  demnach  unbestreit- 
bar ein  Min  er  al. 

Es  ist  Avalir,  die  Bestandtheile  des  Struveits,  vorzugs- 
weise die  phospliorsaure  Ammoniak-Talkerde,  jedoch  auch 
Eisen  und  Mangan  finden  sich  im  lebendigen  Organismus, 
und  es  mag  immerhin  zugegeben  werden,  dass  dieselben  früher 
einmal  Thieren  oder  Pflanzen  angehörten.  Darf  Diess  jedoch 
überraschen  ?  Oder  darf  man  dieser  Ursache  willen  den 
Struveit  von  den  übrigen  Mineralien  ausschliessen?  Wie  in- 
konsequent und  ungerecht,  da  man  von  keiner  Mineral-Spezies 
behaupten  kann,  dass  eins  oder  das  andere  ihrer  Bestand- 
theile nicht  früher  einmal  dem  organischen  Reiche  angehörte. 
Gerade  die  Bildung  der  meisten  Mineralien  liefert  uns  vor- 
treffliche Beispiele  von  dem  Kreislauf  der  Elemente  in  der 
Natur,  so  wie  von  den  nahen  Beziehungen,  in  denen  Thier, 
Pflanze  und  Gestein  zu  einander  stehen,  und  gerade  sie  zeigt 
uns  eine  wunderbare  Manchfaliigkeit  und  Ökonomie  in  der 
Verwendung  der  Elemente.  Die  Erde  verliert  ja  nichts  von 
den  Stoffen,  die  ihr  eigen  sind,  und  erhält  (vereinzelte  Meteor- 
steine ausgenommen)  von  aussen  keinen  materiellen  Zuwachs. 
Die  Elemente,  welche  bei  der  Schöpfung  den  Erdball  bildeten, 
sind  noch  heute  dieselben;  aber  welchen  Wechsel  von  Ver- 
bindungen und  Zersetzungen  haben  sie  seitdem  erlitten ! 
Alles  Lebendige,  und  wir  selbst  als  Theile  desselben,  erbor- 
gen die  Stoffe,  aus  denen  wir  gebildet  sind,  für  die  kurze 
Zeit  unseres  Daseyu ,  um  unmittelbar  nach  unserem  Tode 
dieselben  der  Erde  zur  Bildung  neuer  Wesen  zurück- 
zugeben. 

Wer  will  z»  B.  beweisen ,  dass  der  kohlensaure  Kalk, 
welcher  Kalkspath-Krystalle  in  den  Drusenräumen  des  Basaltes 
bildet,  nicht  von  Konchylien-Schaalen  entnommen  wurde  oder 
die  Zellen  der  Cycadeen  ausfüllte?  Diese  Krystalle  sind  in 
nichts  von  den  mikroskopischen  Kalkspath-Rhomboedcrn,  die 
den  festen  Theil  des  Gehäuses  jener  Thiere  ausmachen  oder 


56 

sich  aus  dem  Saft  jener  Pflanzen  abscheiden  ,  verschieden» 
Sie  wurden  von  kohlensaurem  Wasser  (zu  welchem  die  orga- 
nische Natur  ihren  grossen  Tribut  zollt,  denn  unter  den  Zer- 
setzungs-Produkten solcher  Körper  treten  vorzugsweise  Was- 
ser und  Kohlensäure  auf)  gelöst  und  schieden  sich  unter 
Verlust  von  Kohlensäure  aus  diesem  wieder  ab.  Jetzt  sind 
sie  Zierden  unsrer  Mineralien-Sammlungen. 

Gleiches  gilt  von  der  Bildung  mancher  Kiese.  Viele 
Schwefel-Kiese  tragen  das  Gepräge  ihrer  Bildung  durch  orga- 
nische Prozesse  unverkennbar  an  sich.  Die  Kammern  der 
Ammoniten  sind  oft  mit  Schwefel-Kies  erfüllt,  und  oft  noch 
geht  der  Verkiesungs-Prozess  an  Thieren  und  Pflanzen  unter 
unsern  Augen  vor  sich;  ich  will  nur  von  Algen  auf  Helgo^ 
land  erinnern,  deren  Stengel  in  Schwefel-Kies  iiberging. 

Die  schwefelsauren  Salze,  welche  von  den  Tages- Wässern 
aus  dem  Boden  in  die  Flüsse  und  von  diesen  in  das  Meer 
geschaff"t  werden,  würden  für  die  Acker-Krume  und  für  das 
Gedeihen  der  Futter-Kräuter  auf  derselben  verloren  seyn, 
wenn  die  Natur  nicht  am  Strande  der  Küsten  die  Wächter 
ausgestellt  hätte,  die  jene  Salze  vom  Meere  zurückfordern 
und  in  sich  konzentriren;  die  Algen  nämlich,  deren  Asche 
so  reich  an  schwefelsauren  Salzen  ist.  Auf  gleiche  Weise 
wirken  für  den  Kalk-Gehalt  des  Wassers  die  Zoophyten  und 
Schaal-Thiere. 

Kalk-,  Talk-,  Kali-  und  Natron-Salpeter,  so  wie  Ammo- 
niak-Alaun ,  Mascagnin  und  Salmiak  sind  nicht  anders  aus 
Stickstoff-haltigen  Materien  entstanden,  als  alle  die  salpeter- 
sauren und  ammoniakalischen  Salze,  deren  zufällige  Bildung- 
täglich  zu  beobachten  uns  Gelegenheit  gegeben  ist.  Es  kommt 
Zentner-weise  ein  doppelt-kohlensaures  Ammoniak  im  Han- 
del vor  in  mehr  als  zwei  Zoll  langen  Glas-glänzenden  Rhom- 
boedern,  wie  es  die  chemischen  Fabriken  nicht  herzustellen 
im  Stande  sind.  Niemand  würde  Anstand  nehmen ,  es  als 
Mineral-Spezies  aufzuführen,  wenn  es  sich  ohne  weiteres  in 
einer  trocknen  Schicht  in  der  Erd-Rinde  fände.  Jetzt  aber, 
da  man  sicher  weiss,  dass  es  aus  Exkrementen  der  See- 
Vögel  gebildet  ist,  dass  es  die  unterste  Schicht  eines  Guano- 


37 

Laders  an  der  West-Küste  Amerikas  ausmacht,  jetzt  wird  man 
difßcil  lind  zieht  die  Sache  erst  in  Überlegung. 

Der  Vivianit,  die  wunderhübschen  phosphorsauren  Kupfer- 
oxyd-Verbindungen und  die  meisten  phosphorsauren  Erden 
gelten  ohne  Anfechtung  als  vollzählige  Mineralien;  man 
scheint  demnach  nicht  daran  zu  denken,  dass  die  organische 
Natur  bei  ihrer  Bildung  influirte.  Sollte  man  aber  nicht  stutzig 
werden,  wenn  man  Vivianit-Krystalle  in  den  Bein-Knochen 
eines  verunglückten  Bergmannes  findet,  oder  gar  in  dem 
Magen  eines  lebenden  Strausses?  Sollte  man  nicht  stutzig 
werden  ,  wenn  Untersuchungen  ergeben  ,  dass  vorzugsweise 
die  Pflanzen  die  Sammler  der  Phosphorsäure  im  Boden  sind, 
dass  die  Thiere,  denen  jene  zur  Nahrung  dienen,  sich  die 
letzte  assimiliren,  welche  bei  Lebzeiten  der  Thiere  in  den  Ex- 
krementen, nach  ihrem  Tode  durch  die  Verwesung  dem  Boden 
zurückgegeben  wird,  dann  aufs  Neue  zur  Bildung  neuer  Pflan- 
zen dient,  um  endlich  nach  vielfach  wiederholtem  Kreislauf 
in  Form  der  oben  angeführten  phosphorsauren  Salze,  die  sich 
im  sedimentären  Gebirge  finden,  dem  Mineral-Reiche  zurück- 
gegeben zu  werden  ?  Wollen  doch  Girardin  und  Preisser 
den  phosphorsauren  Kalk  der  Knochen  direkt  in  Apatit  haben 
übergehen  sehen ,  so  wie  sich  deutliche  Apatit-Krystalle  in 
einem  Rückstand  von  Bereitung  des  Phosphors  in  der  che- 
mischen Fabrik  zu  Freudenstadt  vorfanden. 

Ganz  ähnlich  verhält  es  sich  mit  dem  Struveit.  In  den 
obern  Schichten  ist  er  reine  phosphorsaure  Ammoniak-Magne- 
sia mit  Wasser.  Etwas  tiefer  mischt  sich  jenen  Stoffen  Man- 
gan-Oxydul bei,  wofür  entsprechend  Magnesia  sich  ausschei- 
det. Das  Mangan  ist  ein  seltner  Bestandthell  des  thierischen 
Organismus,  und  in  den  bisherigen  Analysen,  die  über  feste 
und  flüssige  Exkremente  vorliegen  ,  ist  es  so  wenig  wie  das 
Eisen  aufgeführt.  Untersucht  man  die  Matrix  des  Struveits, 
so  gelingt  mit  Leichtigkeit  in  jedem  Stückchen  von  Steck- 
nadelkopf-Grösse Mangan  und  Eisen  nachzuweisen.  Eben  so 
leicht  gelingts  beim  Struveit,  Der  kleinste  vollkommen 
klare  Krystall  Splitter  mit  etwas  Soda  vermischt  und  mittelst 
der  Löthrohr-Flamme,  die  man  unter  das  Platin-Blech  spielen 
lässt ,  erhitzt    schmelzt  die  Soda ,    die  sich  vom  Mangan  in- 


58 

teiisiv  grün  färbt,  und  lässt  das  Eisen  in  Form  einer  braunen 
Masse  erscheinen.  So  verhält  sich  nicht  das  phosphorsaure 
Tripel  Salz  des  thierischen  Organismus;  auf  gleiche  Weise 
behandelt  bleibt  Alles  weiss  und  farblos.  Beide  sind  dem- 
nach nicht  identisch.  Da  nun  Eisen  und  Mangan  bisher  im 
Tripelsalz  nicht  gefunden  sind,  auch  in  den  Exkrementen  nicht 
aufgeführt  wurden,  so  muss  die  Fundstätte  des  Struveits  etwas 
anders  als  eine  einfache  Kloake  seyn.  Es  musste  Eisen-  und 
Mangan-haltiges  Erd-Reich  veihanden  seyn,  dem  die  Struveite 
beiihrer  Bildung  beide  Stoffe  entnahmen;  und  in  der  That,  beide 
Metalle  haben  in  unsrem  aufgeschwemmten  Lande  einer  un- 
gemeinen Verbreitung  sich  zu  erfreuen.  Der  Rasen-Eisenstein, 
welcher  dem  Landmann,  der  ihn  oft  mit  seiner  Pflugschaar  aut- 
reisst,  keine  erfreuliche  Erscheinung,  ist  stellenvveis  so  häufig, 
dass  er  bei  ziemlicher  Mächtigkeit  ganze  Acker  Landes  be- 
deckend zu  Gusseisen  verschmolzen  wurde.  In  der  Nähe 
Lüneburgs  ist  der  Torf  gewisser  Moore  sehr  Schwefelkies- 
haltig;  er  wird  verbrannt,  die  Asche  wird  ausgelaugt  und 
liefert  jährlich  Hunderte  von  Zentnern  grünen  Vitriols,  der, 
obgleich  höher  im  Preise  als  der  Goslarische ,  doch  in  vielen 
Fällen  vorgezogen  wird,  weil  er  zinkfrei  ist.  —  Die  Tage- 
wasser lösen  Mangan-Verbindungen  vielfach  auf  und  setzen 
sie  an  andern  Orten  wieder  ab.  Fünf  Minuten  vor  dem 
Damm-Thore  Hamburgs  erblickt  man  in  einer  Sand-Grube 
dunkle  Partie'n,  die  sich  in  allen  Übergängen  vom  Rostgelben 
bis  ins  Schwarze  verlaufen.  Durch  einen  Überzug  von  Eisen- 
und  Mangan-Oxyden  werden  hier  die  Sand-Körner  zusammen- 
gekittet, der,  wo  die  Farbe  am  dunkelsten  ist,  fast  aus  reinem 
Mangan-Superoxyd  besteht. 

Übrigens  ist  die  phosphorsaure  Ammoniak-Magnesia  durch 
ihre  Bestandtheile,  die  alle  drei  für  das  Gedeihen  der  Cerea- 
lien  z.  B.  unentbehrlich  sind,  das  vortrefflichste  Dung-Mittel, 
und  unter  üppiger  Entwicklung  derselben  wird  es  von  den 
Pflanzen  aufgenommen.  Auch  hier  sehen  wir  wieder,  wie 
Zersetzung  der  Mineral- Stoffe  den  Boden  befruchtet  und  die 
Ernährung  der  Thiere  und  Pflanzen  bedingt,  wie  auf  Tod 
Leben,  und  auf  Leben  Tod  in  stetem  und  immer  wieder- 
kehrenden Wechsel  folgen! 


I 


59 

Doch  genug  der  Beispiele,  die  auf  schlagende  Weise 
den  Zusammenhang  zwischen  organischer  und  unorganischer 
Natur  nachweisen  und  aufs  Neue  den  alten  Satz  bestätigen: 
die  Natur  macht  keine  Sprünge. 

Schliesslich  an  vor  urt  heils  fre  ie  ßeurtheiler  appel- 
lirend  wünsche  ich,  dass  in  ihren  Augen  der  Nachweis :  der 
S  t  r  u  V  e  i  t  ist  mit  gleichem  Recht  eine  Mineral- 
Spezies  als  hundert  andere  im  System  aufgeführte, 
mir  trotz  Allem  gelungen  seyn  möge. 


Briefwechsel. 


Mittheilungeti    an    den    Gelieimenrath    v.    Leonhard.  i 


gerichtet. 

Wiesbaden,  18.  Okt.  1850. 

Die  Gegend  von  Schaumburg  ist  sehr  komplizirt,  namentlich  wegen 
der  Diabase  und  Porphyre.  Letzte  zeigen  ein  so  verschiedenes  Verhalten 
in  jeder  Beziehung  von  denen  der  Gegend  von  Baden,  dass  m.m  wohl 
an  einem  viel  höheren  Alter  nicht  zweifein  darf.  Sie  sind  sogar  älter  als 
die  Diabase.  Hrn.  Roo.e's  Abhandlung  über  eine  Partie  des  Rupbach- 
Thaleit  erleidet  bedeutende  Modifikationen,  wenn  man  die  beschriebenen 
Schichten  im  Fortstreichen  verfolgt  ,  alle  Schiefer  des  Rupbach-Thales  so- 
wie der  Käslei  gehören  zum  Cypridinen-Scbiefer,  dessen  Fauna  an  einigen 
Stellen  ausserordentlich  reich  ist. 

F.  Sandberger. 


Bonn,  28.  Okt.  1850. 

Das  Schreiben  des  Hrn.  Rolle  vom  18.  August  v.  J.  an  den  Hrn. 
Prof.  Bronn  gerichtet ,  welches  in  dem  Jahrbuche  S.  602  abgedruckt 
ist,  gibt  mir  Veranlassung  einige  Worte  über  die  räthselhaften  weissen  Kalk- 
stein-Findlinge zwischen  Kloster  Laach  und  Wehr  an  Sie  zu  richten.  Hr. 
Berg-Hauptmann  von  Oevnhau.sen  erwähnt  dieser  Kalkstein-Stücke  in  den 
Erläuterungen  zu  seiner  grossen  geognostisch-orographischen  Karte  der 
Umgebung  des  Laacher  See's  {Berlin  1847)  S.  7  und  37.  Er  führt  an 
dieser  letzten  Stelle  an  ,  dass  sie  nach  der  Untersuchung  der  darin  vor- 
kommenden Versteinerungen  durch  Hrn.  Prof.  Beyrich  in  Berlin  dem 
mittlen  Jura  angehören.  Diess  bestätigen  Hr.  Dr.  Roemer  und  Hr.  Rolle. 
Über  den  Ursprungs-Ort  dieser  Kalkstein-Stücke,  so  wie  über  die  Art  und 
Weise,  wie  sie  von  demselben  an  ihre  gegenwärtige  Fundstätte  gelangt 
sind,  äussert  sich  Hr.  v.  Oeykuausen  nicht.  Hr.  Rolle  stellt  die  Meinung 
auf,    dass    diese  Kalkstein-Findlige    zu    der  Ausschmückung  irgend    einer 


61 

alten  Kirche  oder  eines  Palatiums  verwendet  gewesen  seyen  ,  die  in  sehr 
früher  Zeit  hier  gestanden  habe. 

Wenn  es  mir  nun  auch  niclit  möglich  ist ,  zu  sagen  ,  woher  und  wie 
diese  Kalkstein-Stiickc  an  ihre  gegenwärtige  Fundstätte  gekommen  sind, 
so  scheint  mir  doch  die  Ansicht,  welche  Hr.  Rolle  darüber  ausgesprochen 
hat,  nicht  haltbar  zu  seyn.  Er  selbst  hat  keine  Gründe  dafür  angeführt. 
Diese  Kalkstein-Stücke  sind  klein,  nur  handgross ,  stammen  grössfentheils 
von  dünnen  ,  kaum  Zoll-starken  Schichten  ab  ,  sind  an  den  Kanten  stark 
abgerundet  und  liegen  zahlreich  zerstreut  auf  den  TufF-Schichten  ,  welche 
den  westlichen  Abhang  des  Laudier  Kopfes  bedecken;  sie  werden  im  Wege 
und  auf  den  Ackern  gefunden.  An  keinem  der  vielen  Stücke,  die  ich 
tlieils  an  Ort  und  Stelle,  theils  in  den  hiesigen  Sammlungen  gesehen 
habe,  ist  eine  irgend  künstlich  bearbeitete  Fläche  oder  irgend  eine  Form 
aufgefallen,  welche  durch  Bearbeitung  hervorgerufen  wäre.  Im  Gegen- 
theil  möchte  ich  behaupten  ,  dass  die  Form  und  Grösse  dieser  Kalkstein- 
Stücke  es  geradezu  unmöglich  machen  ,  dass  sie  von  den  Trümmern  eines 
Bau-Werkes  herrühren.  In  der  Nähe  ihrer  Fundstätte  sind  keine  anderen 
Überreste  und  Spuren  einer  alten  Kirche  oder  eines  römischen  Palatiums 
bekannt.  Wenn  also  wirklich  diese  Kalkstein-Stücke  nur  allein  an  der 
Oberfläche  vorkämen,  so  würden  sie  dennoch  irgend  einen  anderen  Ursprung 
haben  müssen,  als  ihnen  Hr.  Rolle  beilegt.  Derselbe  meint,  die  frühere 
Ansicht,  dass  diese  Blöcke  den  unterliegenden  Tuff-Schichten  ursprünglich 
angeliörten  ,  hätte  dadurch  sehr  an  Wahrscheinlichkeit  verloren ,  dass  die 
darin  enthaltenen  Versteinerungen  ihre  Abstammung  aus  Jura-Schichten 
bewiesen.  Diese  Meinung  steht  aber  mit  der  Thatsache  geradezu  im 
Widerspruche.  Denn  diese  Kalkstein-Stücke,  genau  von  derselben  Beschaf- 
fenheit wie  sie  an  der  Oberfläche  zerstreut  liegen,  sind  auch  eingeschlossen 
in  den  darunter  anstehenden  TuflF-Schichlen  gefunden  worden,  als  vor  mehren 
Jahren  einige  Schürfe  in  dieser  Gegend  gemacht  wurden ,  um  über  das 
Vorkommen  derselben  Anfschluss  zu  erhalten.  Von  einer  wahrscheinlichen 
Ansicht  kann  also  in  dieser  Beziehung  durchaus  keine  Rede  seyn. 

Die  Frage,  woher  diese  Kalksteine  stammen ,  ist  von  einem  vielseiti- 
gen Interesse;  sie  muss  zunächst  bearbeitet  werden;  ist  sie  beantwortet, 
so  werden  Betrachtungen  über  die  Art  des  Transportes  von  ihrem  Ur- 
sprungs-Ort bis  zu  den  TufF-Schichten  der  Laacher  Gegend  ,  worin  sie 
eingeschlossen  und  aufbewahrt  wurden,  von  selbst  sich  daraus  ergeben. 
Die  Versteinerungen  und  die  Eigenthümlichkeiten  des  Gesteins  werden  hof- 
fentlich zu  einer  ziemlich  sicheren  Lösung  der  ersten  Frage  führen.  Die 
Jura-Schichten  im  oberen  Rhein-Thale ,  in  der  Umgegend  von  Freiburg 
und  bis  gegen  Basel  verdienen  wohl  zunächst  damit  verglichen  zu 
werden. 

V.  Dechen. 


Prag,  den  29.  Oktober  1860*. 

Ich  habe  heuer  eine  geogiiostische  Untersuchung  des  nordwestlichsten 
Böhmens  unternommen  und  dabei  sehr  viel  Interessantes  gefunden.  Das 
Wichtigste  ist  aber  wohl  die  Auffindung  eines  bisher  unbekannten  erlo- 
schenen Vulkans  von  grössren  Dimensionen,  als  dem  bisher  einzigen  Böhmi- 
schen Duodez-Vulkan,  dem  Kammerbühl.  Der  Schlacken-Kegel  ist  noch 
vollkommen  erhalten,  und  die  Schichten  von  Asche  und  Lapilli  haben  eine 
bedeutende  Ausdehnung.  Die  Einschlüsse  der  vulkanischen  Bomben  sind 
höchst  interessant.  Sobald  ich  eine  Abhandlung  darüber  vollendet  habe, 
sende  ich  sie  Ihnen  zu. 

Reuss. 


Mittheilangen  an  Professor  Bronn  gerichtet. 

Dresden,  den  3.  November  1850. 

Sie  erlauben  mir  wohl,  Ihnen  für  das  Jahrbuch  folgenden  Auszug  aus 
einem  Briefe  an  Herrn  F.  Roemer  zu  übersenden. 

Dr.  H.  B.  Geinitz. 

Dresden,  den  4.  Oktober  1850. 
Herrn  Dr.  Ferd.  Römei;  in  Bonn. 

„Ihre  Untersuchungen  und  Entdeckungen  im  Teutoburger  Walde  ver- 
folge ich  mit  grossem  Interesse ,  um  so  mehr,  als  sie  dem  von  mir  vor- 
geschlagenen Namen  Quader-Gebirge  für  die  Gesammtheit  der  sogenannten 
Kreide-Formation  immer  mehr  rechtfertigen.  Sie  haben  nachgewiesen, 
wie  auch  im  Gebiete  des  Hilses  der  ächte  Quadersandstein  mächtig  ent- 
wickelt ist,  mit  welchem  Gebilde  daher  die  ganze  zur  Gruppe  der  Kreide- 
Formation  gezogenen  Gebirgs-Schichten  beginnt  und  endet. 

Der  Name  Hils-Sandstein  ist  ein  glücklich  gewählter.  Wahre  Kreide 
haben  wir  in  Deutschland  fast  nur  auf  Rügen,  Usedom  und  Wollin,  selbst 
in  Süd-Deutschland  tritt  sie,  im  Bayrischen  Oberlande,  nur  höchst  unter- 
geordnet auf.  Von  Kreide  ist  auch  in  Amerika  nichts  zu  sehen.  Desshalb 
nennt  man  dort  die  Formation  Grünsand-Formation,  ein  Name,  den 
ich  für  Deutschland  nicht  billigen  kann,  weil  es  noch  Grünsande  in  an- 
deren Formationen  gibt,  welche  denen  des  Quader-Gebirges  sehr  ähnlich 
sind,  wie  am  Kressenberge  bei  Traunstein. 

Was  den  Hils  bei  Rothen/elde  anlangt,  so  bringen  Sie  allerdings 
kräftige  Beweise  für  ein  früheres  Alter,  als  ich  ihm  beilegte,  denen  ich 
alle  Achtung  widerfahren  lasse.  Mir  blieb  bei  den  eigenthümlichen  geo- 
gnostischen  Verhältnissen  der  Umgegend  des  Hilses  nichts  übrig,   als  den 


*    An  Dr.  Q.   Leonhard   gerichtetes    und   von    diesem   füi's   Jahrbuch  mitgetheiltea 
Schreiben.  D.  R. 


i 


C3 

Knoten  zu  zerhauen  und  den  Quader  des  Hilses  für  oberen  Quader-Sand< 
stein  anzusprechen,  eine  Ansicht,  die  sich  geognostisch  wohl  rechtfertigen 
hisst.  Der  von  Ihnen  geführte  paläontologische  Beweis  spricht  gegen 
mii'h.  Indess  bitte  ich,  hier  berücksichtigen  zu  wollen,  dass  den  Exem- 
plaren nach,  die  ich  in  der  Sammlung  des  Herrn  Oberbergraths  Jügler  in 
Hannover  sah,  Ihr  Herr  Bruder  unter  Hamites  gigas  Sow.  wenigstens 
2  verschiedne  Arten  begriffen  hat  *,  dass  eine  ganz  ähnliche  Form  auch 
im  Kreide-TufF  von  Mastricht  vorkömmt,  und  dass  auch  Mya  elongata 
RoEM.  aus  dem  Konglomerate  des  Osterwaldes  und  von  Grävinghagen  ver- 
schieden ist  von  Mya  elongata  Roem.  im  Hilse  "•'"'". 

Dass  Ihr  Flammen-Mergel  des  nordwestlichen  Deutschlands  nicht 
dem  Gälte,  sondern  dem  untren  Quader-Mergel  beizugesellen  ist,  werden 
Sie  bei  einem  Besuche  in  Sachsen,  wozu  ich  Sie  dringend  einlade,  sofort 
erkennen,  und  ich  kann  mich  daher  über  Ihre  Deutung''"'*  nur  freuen. 
Diese  bilden  bei  uns  überall,  wenn  sie  nicht  durch  Grünsand  vertreten 
sind,  die  untren  Schichten  des  untren  Pläners,  welcher  nach  oben  hin 
immer  thoniger  und  mergeliger  wird. 

Die  obere  Region  des  untren  Pläners  ist  ganz  vorzüglich  die  des 
Inoceramus  mytiloides,  welche  Art  indess  durch  alle  Schichten  vom 
untren  Quader  an  aufwärts  hindurchgeht)  sie  ist  der  mittle  Pläner  oder 
Pläner-Mergel  in  meiner  Charakteristik  f. 

Diese  obren  mergeligen  Schichten  des  untren  Pläners  sind  zwar  oft 
schwer  vom  Pläner-Kalke  zu  trennen  ;  doch  treten  sie  unter  dem  letzten 
und  über  dem  Flammen-Mergel  überall,  so  auch  bei  Essen  und  im  Nor- 
den von  Deutschland  auf  WolHuy  wieder  auf.  Diese  Schichten  sind  es 
aber  auch,  die  an  der  Timmer  Egge  bei  Rothenfelde  im  Liegenden  des 
Grünsand-Konglomerats  sich  finden,  während  das  letzte  selbst  durch  seine 
Lage  und  Versteinerungen  nur  dem  mittlen  Quader-Mergel  und,  wie  bei 
Essen,  der  untren  Grenze  desselben  angehören  mag ,  wogegen  nichts 
spricht. 

Wenn  icli  Ihr  schönes  Profil  durch  die  Kette  des  Teutoburger  Waldes 
über  Kirchdornberg  mit  dem  im  Bette  der  Ems  von  Rheine  bis  zum  Ende 


♦    Gei!»itz  Quaders.  S.  120. 

**  Geinitz  Quaders.  S.  146.  Paiiopaea  elongata  und  Pan.  Roemori. 
♦**  Jahrb.  1850,  S.  400. 
t  Ausfülirliclicrcs  hierüber  findet  sich  in  meiner  neuesten  Schrift :  das  Quader-Gebirge 
oder  die  Kreide-Formation  in  Sachsen.  —  Beiläufig  gestatte  icli  mir  hierüber  die  Bemer- 
kung, dass  auf  Wunsch  der  ARNoiD'schen  Buclihandlung  in  Leipzig  eine  neue  billige 
Ausgabe  meiner  „Charakteristik  der  Schichten  und  Petrefakten  des  Sächsisch-Böhmisclien 
Kreide-Gebirges,  sowie  der  Versteinerungen  von  Kietlingsivalde'^  neuerdings  erschienen 
ist,  welcher  ich  eine  Übersicht  der  leitenden  Versteinerungen,  sowie  ein  alphabetisches 
Vewcicliniss  aller  darin  beschriebenen  Versteinerungen,  und  neue  Erklärungen  der  Ab- 
bildungen, mit  Bezug  auf  die  neuren  im  „Quader-Sandstein-Gebirge  oder  Kreide-Gebirge 
In  Deutsrliltnul,  1849—1850"  niedergelegten  Forschungen  beigefügt  habe.  Durch  diese 
Nachträge,  welche  von  der  Buchhandlung  auch  einzeln  abgegeben  werden,  glaube  ich  den 
frühem  Käufern  und  nachsichtigen  Beurtheilern  der  Charakteristik  einen  schuldigen 
Dienst  zu  erweisen.  0. 


64 

des  SchifFfahrt-Kanals  vergleiche,  so  ersehe  ich  aus  dem  ersten ,  dass  Sie 
den  Flammen-Mergel  (als  untren  Quader-Mergel)  vom  Pläner  (als  mittlen 
Quader-Mergel)  auch  in  meinem  Sinne  geschieden  haben,  wogegen  ich 
nicht  ganz  billigen  kann,  dass  Sie  im  letzten  Profile  die  Grünsand-Lage 
im  Bette  der  Ems  als  Galt  bezeichnet  und  nicht,  wie  ich  es  gethan  ha- 
ben möchte,  dem  ersten  Grünsande  von  Essen  verglichen  haben,  zumal 
da  wir  vom  Gälte  bis  jetzt  noch  nichts  weiteres  kennen,  während  durch 
Vergleichung  mit  Essen  beide  Profile  in  schönem  Einklänge  seyn  wurden. 

Zwei  aneinander  gränzende  Regionen,  wie  Hils  und  Galt,  wie  Galt 
und  untrer  Quader  und  untrer  Quader-Mergel,  und  wie  untrer  und  mittler 
Quader-Mergel,  haben  immer  eine  Anzahl  Versteinerungen  gemein,  woher 
es  auch  kommt,  dass  Ihr  Herr  Bruder  den  Griinsand  von  Essen  früher 
zu  dem  Hilse  zog  und  dass  noch  gegenwärtig  Dumont  und  Andere  die 
Tourtia,  wenn  nicht  dem  Hilse,  so  doch  dem  Gälte  gleichsetzen. 

Ein  einziger  Ammonit  (A.  inflatus  Sow.)  ist  meiner  Meinung  nach 
nicht  hinreichend,  um  in  Deutschland  den  Galt  hervorzuziehen  *. 

Beiläufig,  scheint  es  mir  überhaupt,  als  ob  noch  Manches,  was  man 
im  Auslande  Galt  nennt,  sich  auf  den  untren  Quader-Mergel  sowie  auf 
den  Hils  zurückführen  lasse  :  wenigstens  bin  ich  überzeugt,  dass  zwischen 
Hils  und  Galt,  Galt  und  untrem  Quader  oder  untrem  Quader- Mergel  kein 
grössrer  Unterschied  ist,  der  zu  grössren  Haupt-Abtheiliingen  berechtigen 
könnte,  als  zwischen  untrem  und  obrem  Pläner,  oder  besser  zwischen  un- 
trem und  mittlem  Quader-Mergel,  wie  überhaupt  zwischen  den  von  mir 
aufgestellten  Unter-Abtheilungen. 

Darin  aber  weicht  besonders  meine  Ansicht  von  der  des  Herrn  Bey« 
BiCH  "*  ab,  welcher  der  ganzen  Reihe  von  Gebirgs-Schichten  zwischen 
untrem  Quader  und  obrem  Quader  Sachsens  oder  obrer  Kreide  nicht 
mehr  Selbstständigkeit  insgesammt  zuerkennen  will,  als  der  Etage  des 
Gattes  und  der  des  Hilses  oder  des  Neocomiens.  Wäre  man  nicht  in  den 
Systemen  des  Auslandes  bereits  ergraut,  so  würde  sich  das  Naturgemässe 
des  meinen  leichter  Eingang  verschaffen. 

H.  ß.  Geinitz, 


Paris,  23.  Oktober  1850. 

Der  Druck  der  Verhandlungen  oer  ausserordentlichen  Versammlung, 
welche  die  geologische  Gesellschaft  dieses  Jahr  zu  Mans  gehalten,  wird 
noch  vor  mehren  Monaten   nicht  stattfinden;   daher  es  mehr    im   Interesse 


*  So  ist  z.B. auch  der  nach  d'Orbigny  u.  A.  nur  den  Galt  bezeichnende  Ammonites 
bicurvat  us  Mich,  in  etwa  5  Ex.  im  untren  Pläner  von  Goppeln  bei  Dresden  gefunden 
worden,  während  eine  andre  Spezies  des  Gattes,  der  A.  splendens  Sow.,  bei  uns 
sogar  im  Pläner-Kalke  vorkommt.  G. 

**    Mit  welchem  ich  übrigens  unsre  Differenzen  kürzlich  in  Greifsivalde  ausgeglichen 
habe.  G. 


05 

der  Wissenschaft  seyn  dürfte,  wenn  ich  Ihnen  schon  jetzt  die  wichtigsten 
Ergebnisse  unsrer  Untersuchungen  über  die  älteren  Formationen  inittheile. 
Ich  war  8  Tage  vor  Beginn  der  Versammlung  dort,  um  Vorbereitungen 
mit  Herrn  Trigbr  zu  treffen,  der  eine  schon  seit  15  Jahren  mit  der  ausser- 
sten  Genauigkeit  angelegte  Karte  entworfen  hat,  in  welcher  es  nur  noch 
nöthig  war  die  Namen  einiger  Formationen  zwischen  die  bereits  gezoge- 
nen Grenzen  einzuschreiben.  Von  ihm  geführt  hat  die  Gesellschaft  wäh- 
rend einer  dreitägigen  Exkursion  einen  Gebirgs-Durchschnift  aufgenommen, 
welchen  ich  als  einen  der  genauesten  oder  als  den  genauesten  von  allen 
ansehe,  die  man  in  der  paläozoisi  hen  Region  Wesi-Frankreichs  kennt. 
Süd-nördlicher  Durchschnitt  von  Sable  nath  Silie-le  Gui/Iaume 

*i       18.   Schiefer  mit  Anthrazit :  Poille.   Epinettx,  Lobasonge. 

^      17.    Kohlen-Kalk  mit  Productus  gigas,  Chonete»  comoides: 

g  Sable,  Epineux,  Argmtre. 

1s.       16.    Sandstein-.  Schiefer-  und  Anthrazit-Schichten  in  Betrieb:  Sahl^. 
o 

_W Ferce. 

,  J5.    Kalke  von   Vire  und   Brtilon. 

S  "K    14.   Weiss-und-gelber   Sandstein    von     Vire     mit    devonischen     Ab- 

^x  drücken:    Cryphaeus,    Homalonotus,     Orthis,    ähnlich 

^_ denen  in  Nr.  15. 

^  (^     13.    Schiefer   mit   Ampeliten  und    Kalk-Knollen  voll   Cardio  la  i  n- 
terrupta,  Ort  hoc.  gregaroides  d'O.  (wie  zu  Feuguerolles 

und  St.  Saumxir-le-Vicomle  in  Normandie). 

12.    Rother  eisenschüssiger  Sandstein  mit  Eisen-Erzen  (=  Sandstein 

von  May  und  Jurques  bei  Caen). 
11.   Weisslicher    Sandstein    und     Schiefer    mit    Ampelit- Adern    mit 

Graptolithns  sagittarius,  Gr.  convolutus  u.  a. 
10.   Sandstein. 
9.  Kalkstein    von    Evron ,  Magnesia-halfig   ohne    Versteinerungen; 
12  fehlt  zuweilen. 

CO         8.   Dach-Schiefer  mit    Calymene  Tristuni,    Illaenus,  Trinu- 
_o  de  US,  Ogygia  (wie  zu  Angers,  Bain,  la  Hunaudiere,  Poligne', 

"S  la  Couyere,  Vilre,  Scouville.). 

•2         7.   Thon-Schiefer  über  eine  Strecke   von  mehr   als  2  Kilom.  Breite 

s 

ö  anhaltend,    mit  aufgerichteten    und  verbogenen    Schichten,    wie 

Nro.  6. 
6.    Pudding,  ein  schmaler  Streifen,  oft  ganz  fehlend. 
5.    Zweiter  Magnesiakalk-Streifen,  vielleicht  eine  Falte  von  Nro.  3. 
4.    Thon-Schiefer,  wenig  entwickelt. 
3.   Magnesia-Kalk  ohne  Fossilien. 
2.   Weisslicher  Sandstein  in  nicht  dicken  Schichten. 


O  ^ 


l.    Porphyr  von  Stile, 
Dieser  Durchschnitt  hat    den  Vortheil,    die    wahre  relative  Lagerung 
aller  Fossilien-führenden  Schichten,  die  wir  bis  jetzt    im    älteren    Gebirge 
der  Bretagne  und  der  Normandie  kennen,  anzugeben. 

Welches    aber    auch    hier    die    Entwicklung    des    Untersilur-Gebirges 
Jahrgang  18öl.  5 


m 

seyn  niagf,  so  scheint  der  mit  anderen  Gegenden  vergleichbare  Theil  dess- 
,selben  nach  unten  seine  Grenze  zu  habe«  unmittelbar  unter  der  Abthei- 
lung mit  Ogygia  und  Trinucleus,  welche  in  Böhmen  und  Schweden  be- 
kanntlich noch  über  derjenigen  mit  Paradoxides,  Conoccphalus  und  Olenus 
liegt.  Denn  unterhalb  der  Ogygia-Schiefer  von  Angers  e(c.  findet  sich  wohl 
noch  eine  Masse  von  ansehnlichen  Niederschlägen,  welche  noch  den  aller* 
untersten  Theil  des  Silur-Gebirges  vorstellen  kann,  worin  man  aber  bis 
jetzt  noch  keine  Fossil-Reste  entdeckt  hat.  Die  Kalk-Massen  3,  5  und  9 
sind  örtliche  Bildungen,  welche  man  sonst  fast  nirgends  in  Bretagne  trifft. 

Einer  der  interessantesten  Theile  dieses  Durchschnittes  ist  derjenige, 
welcher  das  Uulersilur-  mit  dem  Devon-Gebirge  verbindet.  Es  ist  Diess  die 
Stelle  der  Schichten-Reihe,  welche  in  audrcn  Ländern  der  Kalk  von  Dudley, 
Gottland  und  in  Amerika  der  Niagara-Ks\k  einnimmt,  das  Obersilur-System. 
Diese  Abtheilung  fehlt  nämlich,  wie  ich  im  Geologischen  Bulletin  schon 
vor  mehren  Jahren  nachgewiesen  habe,  fast  gänzlich  bei  uns  und  wird  nur 
etwa  durch  die  C  a  r  d  i  o  1  a -Schiefer  (13)  vertreten,  die,  wenn  sie  nicht 
auch  noch  zur  untersilurischen  Abtheilung  gehören,  an  den  Grund  der 
obersilurischen  verlegt  werden  müssen.  Diese  Erscheinung  beschränkt 
sich  jedoch  nicht  auf  die  Bretagne.)  sondern  findet  auch  in  Spanien,  Sardi- 
nien und  Süd- Frankreich  statt.  Die  Schiefer  mit  Cardiola  interrupta  sind 
die  einzigen  Stellvertreter  des  oberen  Silur-Systems.  Ich  habe  sie  dieses 
Jahr  auch  in  der  Sierra  Morena  8  Stunden  NO.  von  Cordova  wiederge- 
funden, und  man  kennt  sie  ;in  beiden  Abhängen  der  Pyrenäen  zu  Ä^  Beat 
und  zu  Sl.-Jean-de-las  Abadessas;  Fournet  hat  sie  zu  Neffiez  (Levant) 
getroffen.  —  Die  Schiefer,  welche  die  Kalk-Knollen  mit  Cardiola  enthal- 
ten, sind  bekanntlich  auch  in  Böhmen  vorhanden,  vvo  sie  Barrande  in 
zweierlei  Höhen  übereinander  gefunden,  zuerst  an  der  Grenze  beider 
Sihir-Abtheilungen  und  dann  in  der  unteren  Abtheilung  selbst. 

Über  diesen  Schiefern,  da  wo  in  Böhmen  sich  nach  Barraisdk  die 
grossen  obersilurischen  Kalk-Massen  entwickeln,  erscheint  bei  uns  ein 
thoniger  Kalkstein  in  Begleitung  von  Sandstein,  den  wir  nach  der  Analo- 
gie seiner  organischen  Reste  für  devonisch  halten  müssen :  der  Kalk 
von  Vire  und  Nehou  nämlich.  Diesen  nämlichen  Kalk  findet  man  an  hun- 
dert Orten  wieder  in  Bretagne  wie  in  Normandie',  so  an  der  Rhede  von 
Sresty  zu  Gahard  bei  Rennes,  zu  Ize  bei  Vitre,  zu  Labaconniere,  am 
Schlosse  von  St.  Ouen,  zu  St.  Jean  sur  Mayenne,  zu  Argentre,  zu  St.  Ce' 
nere,  zu  Angers,  Vern,  Nehou  etc.;  —  ebenso  in  Spanien  in  der  Kanta- 
hrischen  Kette  und  in  der  Sierra  Morena.  Er  wird  charakterisirt  durch  Pha- 
cops  latifrons,  Cryphaeus  calliteles,  Tercbratula  con- 
centrica,  T.  Archiaci,  T.  subwilsoni ,  Hemithyris  Paretoi, 
Orthis  orbicularis,  O.  Eifelensis,  0.  Gervillei,  Leptaena 
Murchisoni.  Im  Übrigen  halte  ich  diese  Kalke  doch  für  etwas  älter, 
als  die  der  Eifel.  Sie  scheinen  mit  den  Sandsteinen  (14)  und  Schiefern  (i3), 
welche  sie  begleiten,  vielmehr  die  Rheinische  Grauwacke  zu  vertreten  und 
ungefähr  Dümonts  „Systemes  Rhenan  et  quarzo-schisteux  inferieur"  zu 
entsprechen:   Wirklich  liegt  der  Eifeler  Kalk  immer  über  den  Schichten 


67 

mit  Pleurodictyum  problematicum,  während  ich  vor  2  Jahren  an 
dem  Strassen-Bau  von  Nehou  den  Kalk  dieser  berühmten  Örilichkeit  un. 
zweifelhaft  unter  den  Schiefern  und  Sandsteinen  mit  diesem  charakteristi- 
schen Fossile  gesehen  habe.  Diese  SchichlungsFoIgfe  wird  auch  durch  die 
meisten  übrigen  Fossil-Arten  bestätigt,  welche  in  beiden  Gegenden  zu- 
gleich vorkommen.  Denn  zu  Nehou  begleiten  der  grosse  Homalonotus, 
Phacops  latifrons,  Terebratula  Daleidensis,  T.  Archiaci, 
T.  subwilsoni,  Orthis  laticosta  Conr,,  0.  Baylei  Vehn..  Lep- 
taena  Murchisoni  Vern.,  C  on  ula  ria  Gerv  il  lei  Verpj.  das  Pleuro- 
dictyum ebenso,  wie  in  der  Grauwack«-  am  Rheine 

Was  unsrcn  Duichschnift  dps  Surthe-Di'pts  noch  intm-ssanf  macht 
und  sonst  nirgends  in  Bretagne  gefunden  wied,  Ans  ist  die  unmiHelbaie 
Auf'agerung  des  Kohlen  Systems  auf  das  D<"vonisch<>,  <)ie  man  wundi-rx  hon 
zu  Sahle,  Ferce,  Argentre  \\.  s.  w  seh'-n  kann,  ünsei  Kohlen  Syst»Mii  g*>- 
hört  zum  unteren  Tlieile  dieser  grossen  Poimation,  welche  nämlich  in 
Russland,  zu  Trogenau,  Regnit-ilosau  u.  s.  w.  durch  gigantisclie  Choiirtcn 
und  Produkten  charakterisirt  wird. 

In  dem  Gebirgs-Durchschnitt  der  Bretagne  fehlten  also  1)  die  Kalke 
von  Grundt  am  Hara;  2)  die  rothen  Kalke  und  Schiefer  mit  Goniatiten 
und  Cardium  palmatum  von  Büdesheim,  Oberscheid  und  Brilon;  3)  die  Cy- 
pridinen-Schiefer;  sowie  4)  noch  der  grösste  Theil  der  Eif'eler  Kalke,  wel- 
cher unter  dem  Kalke  von  Grundt  liegt:  ich  sage  der  „grösste  Theil", 
denn  obwohl  ich  unsre  Schiefer  für  etwas  älter  halte  als  die  der  Eifel, 
so  könnten  sie  doch  ausser  der  Grauwacke  auch  noch  den  alleruntersten 
Theil  der  Eifel-K&lke  mit  vei treten.  Die  Lücke,  welche  mithin  zwischen 
den  Devonischen  Kalken  der  Bretagne  und  dem  sie  unmittelbar  bedeckenden 
Kohlen-Systeme  vorhanden  wäre,  verdient  um  so  mehr  Beachtung,  als  keine 
abweichende  Lagerung  zwischen  Nr.  14,  15,  16  u.  s.  w.  des  Durchschnitts 
besteht. 

Ich  habe  Herrn  Triger  zu  einer  ziemlich  beträchtlichen  Veränderung 
an  seiner  schönen  Karte  des  Sar^Ae-Depts.  veranlasst,  indem  ich  ihm 
zeigte,  dass  gewisse  Kalke,  die  er  unter  den  Devon-Schich(en  liegend 
glaubte  (zu  Juigne  bei  St.  Ouen),  noch  zum  Kohlen-Gebirge  gehören. 
Diese  oft  oolithischen  und  mit  Kiesel-Konkretionen  erfüllten  Kalksteine 
enthalten,  wie  jene  zu  Sable,  grosse  Ch  o  n  e  t  en  und  P  rod  uk  ten.  Indem 
sich  so  das  Gebiet  der  Kohlen-Formation  um  12 — 13  Stunden  erweiterte, 
sind  die  bisher  für  devonisch  gehaltenen  Anthrazite  ebenfalls  der  Forma- 
tion überliefert  worden,  in  welcher  sich  der  Brennstoff  überall  Vorzugs* 
weise  angehäuft  hat.  Diess  ist  nicht  ohne  weitres  Interesse,  indem  die 
Anthrazite  der  Loire  wahrscheinlich  gleich  alt  mit  denen  der  Sarlhe  sind, 
so  dass,  wenn  auch  sie  der  Kohlen-Formation  anheim  fallen,  das  Fran- 
zösische Devon-Gebirge,  der  allgemeineren  Regel  sich  fügend,  an  Kohlen 
eben  so  arm  erscheinen  wird,  als  das  in  England,  Russland,  in  den  Ver- 
einten Staaten  und  fast  überall,  wo  man  e»  genauer  hat  studiren  können. 
Dagegen  hoben  wir  über  der  Kohlen  Formation  der  Sarthe  und  Mayenne 
noch  die  Kohlen-Ablagerung  von  St.  Pierre  la  Cour   zwischen  Laval  und 

5  '•■' 


68 

VUre.  Während  das  Steinkohlen-Gebirge  mit  den  älteren  Formationen 
in  gleichförmiger  Lagerung  ist  und  alle  Ortsveränderungen  gemeinschaft- 
lich mit  ihm  überstanden  zu  haben  scheint,  soll  das  Kohlen-Becken  von 
St.  Pierre  la  Cour  ganz  abweichend  von  den  älteren  Schichten  gelagert 
seyn.  Aus  diesem  Grunde  hat  sich  auch  Eue  de  Beaumont  veranlasst  ge- 
sehen, das  Hebungs-System  des  Belchens  {Ballon)  zwischen  das  „Terrain 
carboniffere  und  das  „Terrain  houillier  propremcnt  dit"  zu  verlegen. 

Ich  habe  in  diesem  Friihlinge  eine  kleine  Reise  nach  Spanien  gemacht 
und  bin  so  glücklich  gewesen,  den  Gcbirgs-Bau  der  Sierra  Morena  zu  ent- 
wirren. Ich  war  ebenso  erstaunt  als  erfreut,  dort  die  grösste  Analogie 
der  Bildung  mit  der  Bretagne  zu  finden.  Das  Untersilur-System  ist  da- 
selbst durch  schwarze  Schiefer  mit  Calymene  Tristani,  Ogygia 
Buchi,  Ulaenus  crassicauda,  Cheirurus  Tournemini  und 
Phacops  vertreten.  Das  Devon-System  erscheint  in  Form  von  Kalken 
und  Sandsteinen  voll  Phacops  iatifrons,  Terebratula  reticula- 
ris, T.  conccntrica,  T.  Orbignyana,  Spirifer  Bouchardi, 
Sp.  Archiaci,  Orthis  stri  at  ula,  0.  u  mbracul  um  v  a  r.  dev  o  nica, 
Leptaena  Dutertrei,  Tentaculites  etc.,  ganz  wie  Normandie.  Das 
Kohlen-System  endlich  ist  durch  sehr  beträchtliche  Kalkstein-Massen,  Sand- 
steine und  Konglomerate  mit  Steinkohle  entwickelt.  Die  Kalksteine  sind 
im  Ganzen  arm  an  Fossilien,  enthalten  jedoch  hier  und  da  Productus 
semire  ticulat  u  s,  P  r.  Cora,  u.  a. 

KiKG  hat  endlich  einen  Band  über  das  Permische  System  Englands 
herausgegeben  mit  schönen  von  Sowerbv  gestochenen  Tafeln. 

D'Archiac  wird  zu  Anfang  Winters  den  dritten  Band  seiner  Geschichte 
der  Fortschritte  der  Geologie  erscheinen  lassen,  welcher  hauptsächlich  Alles, 
was  über  das  Nummuliten-Gebirge  geschrieben  worden,  enthalten  soll,  mit 
einem  Verzeichniss  von  etwa  1000  Arten.  Ich  hoffe,  dass  eine  so  vollstän- 
dige Zusammenstellung  die  Frage  über  das  Nummuliten-Gebirge  ihrer 
endlichen  Lösung  näher  führen  wird. 

E.  DE  Verneuil, 


Breslau,  den  21.  November  1850. 

Während  meiner  Anwesenheit  in  Leyden  im  Laufe  des  vorigen  Mo- 
nats war  es  mir  sehr  interessant,  Herrn  Dr.  Junghuhn's  persönliche  Be- 
kanntschaft zu  machen,  den  ich  eifrig  beschäftigt  fand  mit  dem  Ordnen 
seiner  botanischen  und  geognostisch-oryktognostischen  Sammlung,  so  wie 
mit  der  Zusammenstellung  seiner  Forschungen  über  Java's  natürliche 
Verhältnisse,  von  denen  ich  mir  erlaube,  Ihnen  nachstehend  eine  auszügliche 
Mittheilung  zu  machen. 

Während  seines  13jährigen  Aufenthalts  in  Ostindien  hat  Fr.  Junghumn 
sich  ausser  topographischen  Aufnahmen  vorzugsweise  mit  der  Erforschung 
der  geologischen  Struktur  von  Java  beschäftigt,  alle  Vulkane  Java-s  er- 
stiegen  und  45  dampfende  Kraterc  untersucht.   Die  letzten  4  Jahre  widmete 


69 

er  vorzugsweise  der  Unlersuchung;  der  sehr  mächtigen  neptunischen  For- 
mationen auf  Javit,  welche,  obgleich  sie  *!^"  von  der  Oberfläche  der  Insel 
einnehmen,  in  Europak&um  bekannt  sind,  —  da  wo  man  glaubt,  dass  Java 
nur  aus  einer  Aneinanderreihung  von  vulkanischen  Kegeln  bestehe. 

Die  Resultate  seiner  Untersuchungen  legte  er  in  einer  Handschrift 
nieder,  die  in  den  letzten  3  Jahren  grösstenlheils  schon  auf  Java  nieder- 
geschrieben wurde  und  den  Titel  fuhrt:  „Java:  seine  Gestalt,  Bekleidung 
und  innere  Struktur",  Diesem  Werke  zur  Seite  steht  eine  Sammlung, 
welche  zum  Theil  die  Belege  für  die  oft  überraschenden  Ergebnisse  ent- 
hält und  dem  Ryks-Museum  voor  Natuurlyke  Historie  in  Leyden  einver- 
leibt ist.  Der  geologische  Theil  dieser  Sammlung  umfasst  in  etwa  3000 
Nummern  zuerst  die  Stein-Arten  der  vulkanischen  Kegel  und  ihrer  Lava- 
Ströme,  dann  die  der  neptunischen  Formationen,  mit  ihren  vulkanischen  und 
plutonischen  Durchbrüchen  und  metamorphischen  Bildungen ,  nebst  einer 
Suite  von  50  verschiedenen  Arten  fossiler  Kohlen  und  50  Nummern  fossi- 
ler Pflanzen,  nämlich  Blatt-Abdrucke  und  versteinerte  Hölzer.  Der  zoolo- 
gisch-paläontologische Theil  der  Sammlung  mag  etwa  1000  bis  1500  Arten 
enthalten ;  Echiniten,  Korallen,  besonders  aber  Konchylien,  die  sämrotlich 
der  Tertiär-Periode  anzugehören  scheinen. 

Der  Verfasser  hat  seine  Arbeit  in  3  Abtheilungen  gebracht:  Die  erste 
Abtheilung  handelt  a)  im  ersten  Abschnitt  die  körperliche  Gestalt  der 
Inseln  Sumatra  und  Java,  die  besonders,  was  Höhen-Entwicklung  be- 
trifft, in  12  hypsometrischen  Karten  erläutert  wird.  Zwei  von  diesen 
Karten  (senkrechten  Durchschnitten)  sind  der  Länge  nach  durch  die  In- 
seln gezogen  und  10  in  verschiedenen  Gegenden  der  Quere  nach.  Das 
Verhältniss  der  vertikalen  zur  horizontalen  Skala  ist  auf  den  ersten  1  zu 
18  und  auf  der  letzten  1  zu  6.  Da  auf  diesen  Karten  alle  Berge  ihrer 
wahren  gegenseitigen  Lage  nach  orographisch  projicirt  sind,  so  geben 
sie  einen  bessren  Überblick  des  Landes  und  ein  deutlicheres  Bild  von  dessen 
wahrer  Konfiguration,  als  Horizontal-Karten  zu  thun  im  Stande  sind.  — 
b)  Der  zweite  Abschnitt  handelt  von  der  Natur-Physignomie  der  ver- 
schiedenen Regionen  der  Flora  oder  den  Abiheilungen,  welche  stufenweise 
vom  See-Strande  bis  auf  die  Gipfel  der  llooo'  hohen  Berge  aufeinander 
folgen.  Dazu  gehören  12  bis  IG  vom  Verfasser  selbst  gezeichnete  und 
kolorirte  Landschafts-Ansichten.  Er  hat  solche  ausgewählt,  die  charakte- 
ristisch für  Java  sind  und  sich  in  den  verschiedenen  Regionen  oftmals 
wiederholen,  z.B.  die  Sud-Küste  mit  ihren  Felsen-Mauern  und  Kalk-Bänken, 
Reis-Landschaften  mit  ihren  Fruchtbaum -W^äldern,  hohe  Kegel-Berge 
mit  ihren  strahlenförmigen  Rippen,  Hoch-Waldungen  in  heissem  wie 
in  kühlem  Klima,  erloschene  und  noch  thätige  Kraterc.  Im  Vordergrunde 
dieser  Landschaften  sind  die  einer  jeden  Region  eigenthümlichen  banm- 
artigen  Pflanzen  angebracht,  wodurch  wir  einen  trefflichen  Beitrag  zur 
Physiognomik  dieses  merkwürdigen  Landes  erhalten.  Eine  Abhandlung): 
über  die  geographische  Vertheilung  der  Gewächse  dient  noch  dazu,  DiesR 
mehr  zu  veranschaulichen. 

Die  zweite  Abtheiluug  handelt   von  den    Vulkanen    und  vulkanischen 


Erscheinungen,  a)  Der  erste  Abschnitt  von  den  Vulkanen  West-  und  Mittel- 
Java'«,  b)  Der  zweite  Abschnitt  von  den  Vulkanen  Ost-Jawa'*.  Alle 
Vulkane  der  Insel  werden  hinsichtlich  ihrer  Gestalt  und  ihres  geologischen 
Baues  beschrieben,  die  Geschichte  ihrer  Ausbrüche  beigefügt,  wie  auch 
Profil-Ansichten  und  Durchschnitte  von  allen  wichtigren  Kratercn,  Karten 
und  Situations-Pläne  mitgetheilt,  die  von  sorgfältiger  Aufnahme  Zeugniss 
geben.  Es  sey  erlaubt  hier  nur  einiger  zu  erwähnen :  ein  Explosions- 
Krater  im  Tertiär-Gebirge  durch  Sandstein-Schichten,  ohne  Spur  vulkani- 
scher Gesteine,  aber  mit  fortdauernder  Entwicklung  von  Wasserdampf  und 
schwefeliger  Saure;  —  Kratere,  die  nur  300  und  andre  die  über  4000'  bis 
5000'  Durchmesser,  aber  einen  vollkommen  gleichen  Bau  h»ben  und  er- 
weisbar keine  Erhebuugs-Kratere  sind;  —  alte  und  neue  Eruptions-Kegel 
in  den  grössren  Krateren,  die  einander  ringförmig  umschliessen  und,  die 
äussere  Eingmauer  mit  eingerechnet,  3-  bis  4fach  konzentrische  Kreise 
bilden,  der  kleinste  Kegel  noch  thätig  in  der  Mitte;  —  Schlamm-  und 
Wasser-Ausbrüche,  die  nur  aus  solchen  Krateren  stattfinden,  in  denen 
grosse  und  tiefe  Seen  liegen;  denn  wo  sich,  wegen  ihrer  nicht  völlig 
geschlossenen  Form  oder  wegen  der  Abwesenheit  hoher  bewaldeter 
Wände  ringsum  das  atmosphärische  Wasser  nicht  ansammeln  kann,  kom- 
men dergleichen  nicht  vor.  Ferner  wird  gedacht  der  abwechselnden,  ein- 
ander ersetzenden  Wirkung  mancher  Feuer-Berge  und  des  periodischen 
Erscheinens  und  Verschwindens  von  kochenden  See'n  in  den  sehr  tiefen 
Schlünden  ;  des  gänzlichen  Zusammenstürzens  eines  hohen  Kegel-Berges, 
dessen  letzter  Ausbruch  1587  zehntausend  Menschen  das  Leben  kostete, 
und  der  jetzt  nur  ein  Haufwerk  von  Trümmern  ist  innerhalb  eines  stehen- 
gebliebenen Theiles  (wie  Aussen-Gehänge)  von  der  Form  eines  weiten 
Halbkreises,  der  wie  ein  sogenannter  Erhebungs-Krater  aussieht  u.  s.  w.; 
merkwürdiger  Lava-Arten  und  vulkanischer  Auswürflinge,  worunter  auch 
Syenit  in  gewaltigen  Blöcken  vorkömmt;  einseitige  und  doppelte  Er- 
hebungs-Wände der  Tertiär-Formation  auf  einer  oder  2  Seiten  des  Vulkans 
und  ihr  Verhältniss  zu  diesem,  den  sie  umschliessen  und  dessen  Lava- 
Ströme  die  Bruch-Wand  berühren  und  sich  innerhalb  derselben  entweder 
KU  Plateaus  aufgestaut  oder  dieselbe  durchbrochen  haben;  heisse  Quellen 
stets  an  der  Innern  Seite  dieser  Bruchränder,  d.  h.  an  der  Grenze  der 
neptunischen  und  der  vulkanischen  Formation  u.  s.  w.  —  c)  Der  dritte  Abschnitt 
enthält  die  Aufzählung  und  Beschreibung:  l)  der  Vulkane  der  übrigen 
Inseln  des  Indischen  Archipels  (Niederländisch- Indien) ,  deren  Zahl  mit 
denen  vim  Jara  lO'i  ist;  2)  der  Gas  ausströmenden  Schlamm-Hügel; 
3)  der  Stickgroiten,  iMofetten  z  B.  des  berüchtigten  Todlenthales  »ni  Java 
und  andier,  in  denen  die  Knochen  umgi'kommner  Thiere  sich  zersetzen, 
während  die  Weichtheile  lange  erhalten  bleiben;  4)  der  naiürlichen  Feuer; 
5)  Afy  Quellen  von  Erdöl,  —  Asphalt:  6)  der  Mineral-Quellpu  auf  Java, 
wovon  der  Verfasser  60  aulzählt,  unter  ihnen  einige  sehr  Jod-reiche  Quel- 
len. Von  den  wichtigem  oder  heilkräftigem  theilt  der  Verfasser  chemische 
Analysen  mit,  die  auf  Veranstaltung  der  Reijieiung  von  den  Chemikern 
A.  Waitz  und  J.  Maibr  im  chemischen  Laboratorium  zu  Balavia  ausgeführt 


71 

wurden,  (Anhang:  Aufzählung  aller  See'n  auf  Java  und  sogenann« 
ter  schwefelsaurer  Alauu-haltiger  Bäche.)  Hieran  schliesst  sich  7)  die 
Geschichte  der  Erdbeben  des  Indischen  Archipels  vom  Jahr  1500 
an  bis  jetzt.  8)  Erhebung  von  Theilen  der  Erd-Oberfläche ,  Aufsteigen 
von  Bergen  durch  vulkanische  Kräfte ,  oder  9)  durcli  hydrostatischen 
Druck  (hierher  gehört  die  kegelförmige  Erhebung  des  Theiies  einer  Torf- 
ähnlichen Fläche  —  Ambarawa  — ,  die  in  der  Vorzeit  ein  See  war). 
10)  Erhöhung  von  Theilen  der  Erd-Oberfläche  und  Bildung  neuer  Berge 
durch  Alluvion.  11)  Herabströnien  von  Lava  bis  ins  Meer.  12)  Senkun- 
gen der  Oberfläche;  Hinabsinken  von  Erd-Theilen  unter  das  umgebende 
Niveau,  13)  Bergschlipfe  in  Folge  starker  und  anhaltender  Regen.  (Solcher 
finden  jedes  Juhr  auf  Java  viele  Statt,  sie  überschütten  oft  ganze  Dörfer 
mit  ihren  Bewohnern.)  14)  Einstürzen  von  Bergen  aus  andern  Ursachen. 
15)  Eroberungen  des  Meeres  (abnehmende  Küsten),  16)  Überströmungen 
nach  schweren  Regen ;  diese  richten  auf  Java  Jahr  aus  Jahr  ein  unge- 
heure  Verwüstungen  an  und  erhöhen  den  Boden.  17)  Sturm  und  unge- 
wöhnliche Winde  (die  ganze  Dörfer  zerstören).  19)  Hagelwetter.  i9)Krank- 
heits-Epidemie'n, 

Die  dritte  Abtheilung  handelt  von  den  neptunisch  geschichteten  Ge- 
birgs-Formationeu  auf  Java,  mit  ihren  endogenen  Gestein-Durchbrüchen, 
metamorphischcn  Bildungen  und  organischen  Resten,  und  zwar  in  zwan> 
zig  Kapiteln:  1)  Einleitung:  über  die  Erkenntniss  des  geologischen  Baues 
von  Java  und  deren  Hülfsmittel,  2)  Allgemeiner  Bestand  der  Formationen. 
(Vorherrschend  Schichten  von  Thon,  verschiedener  Arten  Mergel  wie  Kalk- 
Mergel  ,  und  mürbe  sowohl  als  sehr  harte  Sandsteine.)  3)  Mächtigkeit 
(manche  einseitige  Erhebungs-W^ändc  allein  haben  2000'  Mächtigkeit,  so 
weit  sie  über  die  Thal-Sohle  hervorragen:  ein  Schichten-Complex;  — der 
Verf.  kennt  eine  Gegend  —  im  Tjiljolang-Thate ,  wo  man  2'/,  javanische 
Paale,  d.  i,  10,800'  weit  ununterbrochen  über  die  Köpfe  von  saiger  stehen- 
den Plötzen  (abwechselnder  Sandsteine  und  Mergel)  hinschreitet,  ohne  inner- 
halb dieser  Erstreckung  irgend  eine  Störung  oder  eine  Veränderung  in 
der  senkrechten  Stellung  der  Schichten ,  ebenso  wenig  als  eine  Verände- 
rung ihres  Bestandes  wahrzunehmen.  Ein  ganzer  ungeheuer  mächtigeif 
Schichten-Complex  steht  hier  umgekelirt  auf  dem  Kopfe.  4)  Lagerung, 
Aufrichtung ,  Land-  und  Berg-Bildung.  Es  werden  zehn  verschiedene 
Arten  (feste  Typen)  der  Lagerung  und  Erhebung  des  neptuniscben  Gesteins 
auf  Java  nachgewiesen ,  wovon  die  Land-Gestaltung  dermassen  abhängt, 
dass  man  die  inneie  Struktur  jederzeit  aus  der  äusseren  Form  der  Gebirge 
zu  erkennen  vermag.  Auch  kreisförmige ,  nach  allen  Seiten  abfallende 
Erhebungen  kommen  vor:  Sandstein-Wände  von  1200'  Höhe,  mit  5  bis 
10  Engl.  Meilen  breiten  flachen  Mittelräumen,  auch  mit  einem  Zentral-Bcrgc 
in  der  Mitte,  der  aber  kein  Vulkan  ist.  5)  Alter.  —  Fossile  Thicr-  und 
Pflanzen-Welt.  Hier  werden  vorläufig  nur  die  Versteinerungen  hervor- 
gehoben ,  die  am  häufigsten  vorkommen  und  am  bezeichnendsten  sind, 
und  welche  der  Vf.  thcils  nur  der  Gattung  nach  mit  Gewissheit  bestimmen 
konnte,  theils  auch  der  Art  nach  da,  wo  die  Identität  mit  bereits  bekann- 


72 

ten  Arten  (besonders  mit  denen  der  Pariser  Eocän-Formation)  unverkennbar 
war.  Die  ganze  Zahl  der  fhierischen  Versteinerungen,  die  er  mitgebracht 
hat,  beträgt  gewiss  über  lOOO  Arten,  welche  Hr.  Haap.klots  zu  Leyden 
bearbeiten  wird ,  während  ich  die  Pflanzen-Reste  zur  Beschreibung  und 
Abbildung  übernehmen  will.  So  viel  ich  über  die  letzten  ohne  genauere 
Untersuchung  zu  urtheilen  vermag,  so  besteht  die  Kohle  aus  Dikotyledonen, 
ähnelt  wegen  ihrer  schwarzen  Farbe  und  Dichtheit  mehr  der  Braunkohle 
des  Böhmischen  Beckens,  als  der  von  Nord-Deulxchland.  Die  Blatt-Abdrücke 
erinnern  an  tropische  Quercus-Arten,  an  Weiden-artige  Blätter,  ich  .^age 
mit  Bedacht  Weiden-artige  Blätter ,  weil  ich  ,  obschon  ich  selbst  die  Gat- 
tung Salicites  früher  angenommen  habe,  doch  noch  keine  Blätter  bei 
genauerer  Vergleichung  gesehen,  welche  absolut  mit  denen  unserer  Gat- 
tung Salix  übereinstimmten.  Einige  unter  ihnen  zeigen  die  grösste  Ver- 
wandtschaft mit  den  von  Rossmässlern  aus  der  Allsattler  Braunkohlen- 
Formation  abgebildeten  Blättern:  ob  völlige  Übereinstimmung,  muss  die 
genauere  Vergleichung  lehren.  Koniferen  vermochte  ich  bis  jetzt  unter 
ihnen  nicht  zu  erkennen.  Es  geht  also  hieraus  ,  wie  auch  schon  aus  der 
vorläufigen  Beschreibung  der  thierischen  Versteinerungen  hervor,  dass  die 
Formation  eine  tertiäre  ist.  Von  Foraminiferen- Kalk  finden  sich  100' 
mächtige  Lager,  z.  B.  bei  Dudttl,  worin  die  Höhle  (gowah)  Lingomanik 
liegt.  6)  bis  9)  besondere  Glieder  der  Formation.  6)  Lager  von  Trüm- 
mer-Gesteinen. 7)  Verkieselte  Baum-Stämme.  Finden  sich  in  ungeheurer 
Menge  in  allen  Richtungen  durcheinander  geworfen,  aber  nur  in  einer 
sandig-mergeligen  Schicht  der  Formation  in  der  Residenz  Bantam,  wo 
sie  vom  Wasser  der  Bäche  ausgespult,  überall  entblösst  in  deren  Betten 
herumliegen.  Die  Javaner  und  die  Reisenden  Horner  und  Hasskarl  hiel- 
ten sie  irrig  für  versteinerte  Hölzer  der  Jetztwelt,  nämlich  des  Baumes 
Senipur  (Dilleniae  sp.  und  Colbertia  obovata).  8)  Fossile  Kohlen.  Es 
gelang  dem  Vf.  in  den  südlichen  Gegenden  Javas,  besonders  an  den  ein- 
seitigen Erhebungs-Wänden  daselbst  und  in  Bach-Klüften,  wo  das  Aus- 
gehende der  Schichten  entweder  blos  liegt  oder  doch  leichter  biosgelegt 
werden  kann,  über  hundert  verschiedene  Flötze  von  Kohlen  zu  entdecken, 
deren  Mächtigkeit  zwischen  1—8'  wechselt,  am  häufigsten  3'  beträgt,  und 
unter  denen  sich  mehre  für  die  Dampf-SchifFfahrt  brauchbare  Flötze  be- 
finden. 9)  Kalkstein  und  dessen  Höhlen.  Dieses  merkwürdige  und  wich- 
tige Glied  der  Formation  kommt  in  Bänken  von  200'  Mächtigkeit  vor, 
findet  sich  aber  nie  zwischen  anderen  Schichten  eingeschoben  (ist  nie  von 
anderen  bedeckt),  sondern  bildet  als  das  jüngste  Glied  des  Gebirges  auf 
allen  anderen  Schichten  nur  Bank  förmige,  gewöhnlich  an  allen  Seiten  steil 
abgebrochene,  wenn  auch  zuweilen  liinge  Massen.  Es  is^  ein  sehr  harter 
dichter  Kalk,  derselbe  .  woraus  die  Faru's  auf  Timor  bestehen  ,  %velche  S. 
Ml  (.tKR  (angeblich  nach  den  Bestimmungen  des  ProPs  Lkonhard^  für  Jura- 
Krilk  erklärt  haJ  (in  seiner  Beschreibung  von  Timor).  10)  Endogene  Ge- 
stein-Dun hhrüche.  Trachytüsche  ,  basaltische  Gesteine.  Wichtig  sind  die 
oft  deutlich  Gang-artigen,  ja  oft  in  die  feinsten  Zweige  getheilten  Durch- 
brüche von  Diorit,  Syenit,  Augit,  Porphyr,  Diallag-Porphyr,  quer  durch 


73 

alle  Schichten  der  Formation,  die  man  nach  ihren  organischen  Resten  doch 
immer  für  eine  der  neuesten  tertiären  halten  muss.  Zu  den  Eruptions- 
Gesteinen  gehört  auch  ein  Trachyt,  den  man  in  einer  Gegend  von  Djam,' 
fomg  Kufon,  da  wo  er  in  einer  Bach-Kluft  und  an  deren  Wänden  looo' 
weit  entblöst  ist,  ganz  allmählich  und  ohne  alle  scharfen  Grenzen  übergehen 
sieht  in  einen  prachtvollen  Porphyr  aus  einem  bläulichgrauen  Feldspath- 
Teige,  worin  eine  Menge  Zoll-grosser  vollkommen  ausgebildeter  Krystalle 
von  Quarz  (Bipyramidal-Dodckaedcr),  Glimmer  (Sseitige  Säulen),  Horn- 
blende undFeldspath  zerstreut  liegen,  stellenweise  auch  mit  Gold-haltigem 
Eisenkies.  Wo  dieser  Porphyr  bis  an  die  Oberfläche  gedrungen  ist,  bildet 
er  grosse  Kugeln,  die  schaalig  abgesondert  sind.  11)  Metamorphische 
Felsarten.  Kontakt-Phänomene.  Der  Reichthum  an  Erscheinungen  dieser 
Art  ist  es  besonders,  der  das  Studium  unserer  Formation  so  wichtig  macht. 
Während  man  da,  wo  weit  ins  Land  geflossene  Lava-Strome  jetziger  Vulkane 
mit  neptunischen  Schichten  in  Berührung  treten,  an  den  letzten  nur  sehr 
geringe  und  oft  gar  keine  Veränderungen  sieht,  sind  die  Umgebungen  der 
älteren  Gang-förmigen  Durclibrücbe  durch  die  ncpfunische  Formation  um- 
gewandelt und  oft  auf  das  Prachtvollste  verkieselt  und  krystallisirt. 
Es  sey  hier  nur  einer  der  metamorphischen  Stein-Arten  gedacht.  In  den 
Gebirgen  nördlich  von  Kebumen  sieht  man  an  den  Seiten-Wänden  des 
Look-ulo-Thales  die  Sandstein-Schirhten  von  Diorit  durchsetzt.  Während 
diese  Sandsteine  in  geringer  Entfernung  von  da  ausser  andern  Muscheln 
noch  Area  diluvii  enthalfen,  erscheinen  sie  in  der  Umgebung  des  neptu- 
nischen Gesteins  in  den  prächtigsten  Glimmerschiefer  verwandelt,  und  die 
Übergänge  sind  so  allmählich  ,  die  Glimmer-Blätter  treten  so  nach  und 
nach  auf,  die  körnige  Struktur  geht  so  langsam  über  in  die  blättrig- 
parallele  Absonderung  der  Quarz-Massen,  dass  man  in  einer  sehr  breiten 
Zone  der  Wand  (ebenso  wie  in  den  mitgebrachten  Handstücken)  zweifel- 
haft ist,  ob  man  den  Fels  Sandstein  oder  Glimmer-Schiefer  nennen  soll. 
Andere  Wände,  die  aus  verschieden-gefärbten  dünnen  Thon-Schichten  be- 
stehen, sind  in  Jaspis  verwandelt  mit  erhaltener  verschiedener  Färbung 
in  Streifen,  welche  den  Schichten  entsprechen  u.  s.  w.  12)  Metalle  und 
Metall-Erze,  z.  B.  Mangan-Erz  (Pyrolusit)  als  ein  lOö'  mächtiger  Gang, 
nach  oben  fein  verzweigt;  ferner  Thon-Eisenstein,  Schwefel-Eisen,  Magnet- 
eisen-Sand in  Lagern  bis  zu  3'  Mächtigkeit  an  der  S. -Küste  —  Gold-Staub 
im  Sande  mancher  Flüsse  nnd  Allnvial-Ebeuen.  13)  Warme  Quellen  in- 
nerhalb der  nepfunischcn  Formation.  15)  bis  20)  jetztweltliche  Bildungen. 
15)  Sandstein-Flötze  an  den  Meeres-Küsten.  Der  lose  Sand  der  Meeres- 
Küste  wird  durch  das  sehr  Kalk-haltige  Meer-Wasser  (bei  starker  Ver- 
dampfung in  der  heisscn  Luft)  fortwährend  zu  oft  sehr  harten  Schollen 
und  Schichten  verkittet.  In  der  Gegend,  wo  der  Sand  der  Küste  aus  zer- 
trümmerten Korallen  und  Muscheln  oder  in  andern  ,  wo  er  vorherrschend 
aus  Magnet-Eisen  besteht,  findet  man  die  neugebildeten,  unter  dem  Hammer 
klingenden  Flötze  vollkommen  ganz  aus  denselben  Stoffen  zusammenge- 
setzt; oft  werden  grössere  Steine  oder  ganze  Muscheln,  ja  Treib-Holz  mit 
eingeschlossen  und  selbst  Trümmer,  z.  B.  Eisen-Stückchen  von  einem  gestran- 


74 

deten  Schiffe.  16)  Land-Erhöhung  durch  vulkanische  Auswurfs  -  Stofie. 
(Eines  der  grossartigsten  Beispiele  ist  die  Ausfüllung  des  Meerbusens 
von  Modjopail.  Dieser  Ort  lag  noch  in  der  Mitte  des  13.  Jahrhunderts 
am  Meere  und  ist  jetzt  30  Engl.  Meilen  von  der  Küste  entfernt.  Er  liegt 
jetzt  an  der  Spitze  eines  Delta's  da ,  wo  die  grosse  Gabel-Theilung  des 
grossen  Flusses  von  Kediri,  Kali-Brantes,  anfängt.  Die  vom  Berge  Kulut 
ausgeworfenen  Massen  von  Sand  und  Asche  haben  das  Meiste  zur  Ausfül- 
lung beigetragen.)  17)  Land-Bildung  durch  AHuvion  süsser  Wasser  und 
jährliche  Vergrösserung  der  Nord-Küste.  Ergebnisse  vom  Bohren  artesi- 
scher Brunnen  zu  lialavia  und  Samarang.  (Das  Geschichtliche  ganz 
neuer  Alluvionen  wird  in  dem  3.  Abschnitt  der  2.  Abth.  No.  9  milgetheilt.) 
18)  Land-Bildung  durch  Erhebung,  durch  das  Aufsteigen  der  S.-Küste  aus 
dem  Meere.  Diese  fortwährende  langsame  Erhebung  der  S.-Küste  von 
Java  ist  eine  grossartige  und  wichtige  Erscheinung,  durch  viele  Thatsachen 
crwei.sbar.  Die  unter  No.  15  erwähnten  Sandstcin-Flötze  werden  dadurch 
in  platte  abgebrochene  Schollen  verwandelt,  die  sich  Absatz-  oder  Trep- 
pen-weise hintereinander  erheben.  19)  Heut-tägige  Bildungen  durch  das 
Thier-Leben,  wie  a)  Korallen-Baue,  b)  Infusorien-Lager :  Biolithe.  20)  Ge- 
stein-Umwandlungen a)  durch  vulkanische,  b)  durch  chemische,  allgemein 
verbreitete  Kräfte. 

GÖPPERT. 


Bonn,  22.  Nov.  1850. 

....  Am  14.  August  d.  J.  ist  mein  hochverehrter  alter  Freund,  Prof. 
Trogst  ^zu  Nashville  in  hohem  Alter  gestorben.  Zu  Hersogenbusch  ia 
Holland  geboren,  kam  er  ganz  im  Anfange  dieses  Jahrhundeits  nach 
Amerika",  wo  er  einige  Jahrzehnte  lang  der  einzige  Mann  gewesen,  der 
sifch  in  den  westlichen  Staaten  wissenschaftlich  mit  Geologie  und  Paläon- 
tologie beschäftigt  hat.  Von  allen  andern  Verdiensten  abgesehen,  hat  er 
die  Wissenschaft  gefordert  durch  Auffindung  vieler  reicher  Fundstätten  von 
Versteinerungen  im  Staate  Tennessee.  Seine  mit  bedeutendem  Kosten- 
Aufwande  zusammengebrachlc  Mineralien-Sammlung,  welche  auch  in  Europa 
zu  den  reichsten  und  prachtvollsten  gehören  würde,  so  wie  seine  Petre- 
fakten-Sammlung,  welche  herrliche  Sachen  aus  den  silurischen  Schichten 
wie  aus  dem  Kohlen-Kalke  von  Tennessee  enthält,  wird  vom  Staate  Ten- 
nessee wahrscheinlich  für  die  Universität  Nashville  angekauft  werden. 
Als  Privat-Mann  genoss  er  so  allgemeiner  Achtung  und  Verehrung,  dass 
bei  seinem  Tode  alle  Zeifungs-Blätter  mit  einem  Trauer-Rande  erschie- 
ucu  sind. 

F.    ROEMER. 


♦  Silliman's  Journal  meldet ,  dass  er  von  Amerika  iroch  einige  .lahre  nach  Paris 
gegangen  sey,  um  sich  unter  Hauy  mehr  auszubilden.  Seit  2'i  Jahren  bekleidet  er  die 
Professur ;  zuletzt  war  er  bekanntlich  auch  Staats-Geologe.  Br. 


75 

Frankfurt  a.  M.,  1.  Dez.  1850. 

Aus  dem  bei  Langeisheim  unweit  Goslar  zwischen  Flammen-Mergel 
und  Pläner-Kalk  (cbalk  mar!)  liegenden  Kreide-Gebilde  tbeiltc  mir  Hr. 
Berg-Assessor  Roemer  zu  Clausthal  Zähne  mit,  welche  die  grössle  Äbnlirh- 
keit  mit  Polyp tyebodon  interruptus  Ow.  besitzen  und  wiederholt 
den  Beweis  liefern  ,  dass  dieser  S.uuus  nicht  anf  die  Kreide-Formation 
Englands  beschränkt  ist.  Einer  dieser  Zähne  zeichnet  sich  dadurch  aus, 
dass  er  den  Ersatz-Zahn  konzentrisch  in  sich  beherbergt. 

Die  Braunkohle  der  Molasse  der  ÄcAfce/^«  lieferte  in  letzter  Zeit  wieder 
eine  schöne  Ausbeute  an  fossilen  Knochen,  welche  Hr.  Escher  v.  d.  Linth 
die  Güte  hatte  mir  mitzutheilen.  Die  wichligstco  Stücke  sind  folgende. 
Eine  Unterkiefer-Hälfte  von  Palaeonieryx  minor  noch  mit  den  Schnei- 
de-Zähnen von  Greit  am  Hohen  Rohnen.  Eine  neue  Fund-Grube  für 
Knochen  in  derBraunkohIc  am  Hohen  Rohnen  ist  Sparen,  welches  Überreste 
vom  Unterkiefer  eines  jungen  Rhinoceros,  wahrscheinlich  Rh.  inci- 
sivus,  so  wie  ein  noch  mit  den  Backen-Zähnen  versehenes  Unterkiefer- 
Fragment  von  Tapirus  helveticus  geliefert  hat.  Unter  den  Gegen- 
ständen aus  der  Braunkohle  von  Elgg  erkannte  ich  zwei  Unterkiefer-Hälften 
von  Titanomys  Weis  sen  a  uens  is,  einen  Unterkiefer  von  einem  Cha- 
lico  m  y  s-artigen  Nager,  dessen  Zähne  denen  des  Ch.  minutus  aus  der- 
selben Fund-Grube  nicht  ganz  entsprechen  wollen  ,  sowie  ein  Geweih- 
Fragment  von  einem  Hirsch-artigen  Thier,  das  von  denen  aus  der  EppelS' 
heimer  Ablagerung  verschieden  zu  seyn  scheint.  Ergiebiger  war  die 
Braunkohle  von  Käpfnach.  Die  Überreste  von  Cbalicomys  Jägeri 
übertrafen  auch  diessmal  wieder  alle  anderen  an  Zahl.  Bruchstücke  von 
einem  Stoss-Zahn  werden,  ungeachtet  der  beträchtlichen  Stärke  und  Grösse, 
worauf  dieselben  hinweisen,  Mastodon  angustidens  beizulegen  seyn. 
Von  Tapirus  Helveticus  fand  sich  ein  sehr  flach  gedrückter  Kopf  mit 
den  Zähnen  des  Ober-  und  Unter-Kiefers.  Von  einem  Schweins  artigen 
Thier  von  der  Grösse  des  Hy otheriuni  Meissneri  ist  der  grösste  Theil 
des  Schädels  überliefert;  dieser  ist  nicht  flach,  sondern  plattgedrückt  durch 
eine  Kraft,  die  vertikal  auf  ihn  einwirkte  und  so  stark  war,  dass  die 
gröste  Schädel-Höhe  gegenwärtig  nur  0,021  mit  den  Zähnen  beträgt.  Die 
vordersten  Backen-Zähne  fehlen.  Von  Microtherium  Renggcri,  das 
ich  im  Jahre  18S7  in  der  Molasse  von  Aarau  fand,  hat  nunmehr  auch  die 
Braunkohle  von  Käpfnach  Reste  geliefert  ,  welche  in  den  beiden  Unter- 
kiefer-Hälften mit  den  drei  hinteren  Backen-Zähnen  bestehen.  In  dieser 
Braunkohle  findet  sich  auch  der  Canidc  Amphicyon  und  zwar  in  der 
Form  von  A.  intcrmedius.  Es  liegen  davon  die  beiden  Unterkiefer- 
Hälften  vor,  die  linke  so  vollständig,  dass  die  Zahl  der  Backen-Zähne  er- 
mittelt werdt-n  kannte,  die  ich  Canis  entsprechend  fand.  Aus  dem  Ober- 
kiefer ist  die  Gegend  der  Schneide-Zähne  und  des  Eckzahns,  so  wie  die 
Gegend  mit  dem  Reiss-Zahn  und  den  beiden  Quer-Zähnen,  hinter  welchen  die 
Alveole  für  den  diesem  Genus  eigenthümlichen  Zahn  liegt,  vorhanden. 
Die  Wiederkäuer-Reste  bestehen  in  der  fast  vollständigen  rechten  Unter- 
kiefer-Hälfte von  Palacomcryx  uiedius,  in  einem  Bruchstück  aus  dcni 


T6 

Unterkiefer  von  Palacomeryx  Scheuchzeri,  in  unteren  Backen-Zähnen 
von  C er  V  US  lunatus,  dem  auch  einige  obre  Backen-Zähne  und  Knochen 
angehören  vi^erden.  Dieser  Sendung  waren  einige  Reste  aus  der  Molasse 
von  Wyla  (Tosthal)  beigefügt,  welche  in  einem  nicht  genauer  zu  bestim- 
men gewesenen  Unterkiefer  eines  Wiederkäuers  von  der  Grösse  des 
Cervus  lunatus  oder  Palaeoraeryx  Scheuchzeri  und  in  einem 
vorderen  Backen-Zahn  von  Mastodon  angustidens  bestanden.  Aus 
der  Molasse  von  Mägenwyl  lag  ferner  bei  ein  fragmentarischer  Backen- 
zahn, der  wahrscheinlich  aus  dem  Unterkiefer  desselben  Cetaccums  herrüh- 
ren wird,  von  welchem  die  Sammlung  zu  Bei'n  von  derselben  Lokalität  eine 
Oberkiefer-Hälfte  besitzt,  und  das  von  Halianassa  Colli ni  verschie- 
den ist.  Die  angedeuteten  Wirbellhier-Reste  aus  der  Braunkohle  liefern 
wiederholt  den  Beweis  von  der  nahen  Beziehung ,  worin  dieses  Gebilde 
zur  Molasse  der  Schteeitz  und  zu  den  Rheinischen  Tertiär-Gebilden  steht. 
Das  so  eben  Gesagte  erhält  von  Seiten  Deutschlands  eine  neue  Stütze 
durch  eine  Tertiär-Ablagerung  ,  welche  bei  Ausführung  des  Einschnitts 
aufgeschlossen  wurde,  den  die  Anlegung  der  Eisenbahn  nach  Stuttgart  in 
der  Nähe  von  Haslach,  1V2  Stunden  von  Ulm,  nöthig  machte.  Der  Ein- 
schnitt wurde  durch  ein  mächtiges  Lager  von  tertiärem  Süsswasser-Kalk 
40'  tief  geführt,  der  sich  reich  an  Wirbelthier-Resten  bewährte,  die  grösten- 
Iheils  in  Besitz  des  Hrn.  Finanz-Raths  Eser  gekommen  sind,  welcher  die 
Gefällligkeit  hatte,  sie  mir  zur  Untersuchung  mitzutheilen.  Das  Aussehen 
des  Gesteins  erinnert  sehr  an  das  bekannte  Tertiär-Gebilde  von  Oningen. 
Um  so  auffallender  ist  es  daher,  unter  den  Wirbelthier-Resten  von  Haslach 
auch  nicht  eine  Spezies  zu  erblicken,  welche  mit  denen  Öningens  überein- 
stimmte. Die  Konchylien  bestehen  meist  nur  in  Steinkernen ;  Pflanzen- 
Theile  sind  selten  und  geben  sich  durch  ihre  schwarze  kohlige  Beschaf- 
fenheit zu  erkennen.  Die  Wirbeltliier-Reste  sehen  aus,  wie  die  des  Rheini' 
«cÄc«  Beckens.  Die  Säugethiere  bestehen  in  Rbi  n  ocer  0  s,  wie  es  scheint 
Rh.  incisivus,  wovon  Zähne  und  ein  Unterkiefer-Fragment  vorliegen; 
Tapirus  Helveticus,  es  fanden  sich  davon  Schneide-Zähne,  Eckzähne 
und  Backen-Zähne  des  Unterkiefers;  Hyotherium  medium  und  A. 
Meissneri  nach  vereinzelten  Backen-Zähnen;  Microtherium  Reng- 
geri,  wovon  ein  plattgedrückter  Schädel  mit  fast  vollständiger  Backenzahn- 
Reihe,  mehre  vereinzelte  Backen-Zähne  des  Ober-  und  Unter-Kiefers  und 
ein  Astragalus  vorliegen;  Palacomeryx  medius  und  P.  minor:  letzte 
Spezies  ist  häufiger  als  erste,  und  es  liegen  davon  Zähne,  Fragmente  des 
Ober-  und  Unter-Kiefers  und  ein  obrer  Eckzahn  vor.  Häufig  ist  ferner 
Chalicomys  Eseri,  dessen  Reste  in  vereinzelten  Zähnen,  einem  Unter- 
kiefer-Fragment, besonders  aber  in  dem  Schädel  und  den  ziemlich  voll- 
ständigen vorderen  und  hinteren  Gliedmassen  mit  mehren  Schwanz-Wirbeln 
von  einem  und  demselben  Individuum  bestehen.  Nach  diesen  bisher  nicht 
bekannt  gewesenen  Skelett-Theilen  erscheint  es  vollkommen  gerechtfertigt, 
wenn  das  Genus  Chalicomys  in  die  Familie  der  Castoriden  verlegt 
wird.  Chalicomys  Eseri  mass  etwas  mehr  als  die  halbe  Grösse  von 
Ca  stör   Europaeus.      Ausserdem    fanden   sich  Backen-Zähne  und   eiu 


77 

Schneide-Zahn  von  einem  kleineren  Nager  derselben  oder  einer  naheste- 
henden Familie,  worüber  erst  durch  vollständigere  Reste  wird  entschieden 
werden  können.  Vor  allem  aber  zeichnet  sich  der  Tertiär-Kalk  des  Has- 
lacher Einschnitts  durch  seinen  Reichthum  an  Schildkröten  aus,  die  einer 
Trionyx  und  mehren  Emydiden  angehören.  Von  der  Trionyx  ist  der 
grösste  Theil  des  Rücken-Panzers  aufgefunden ,  dessen  Grösse  auf  jene 
herauskommt ,  welche  die  meisten  der  in  England  bekannten  fossilen 
Spezies  von  Trionyx,  deren  Owen  nicht  weniger  als  acht  unterscheidet, 
einhalten.  Eine  genauere  Vergleichung  mit  diesen  wird  dadurch  erschwert, 
dass  die  Beschaffenheit  der  Aussenscite  des  Panzers  von  Haslach  wegen 
seines  festen  Aufiiegcns  auf  dem  Gestein  sich  nicht  geniigend  erforschen 
lässt.  Die  Emydiden  werden  gröstentheils  dem  Genus  Palaeochelys 
angehören,  das  von  mir  früher  nach  einem  fast  vollständigen  Rücken-Panzer 
vom  Bussen  errichtet  wurde  (Jahrb.  1S47 ,  455) ,  und  dem  ich  auch  eine 
grössere  Schildkröte  aus  dem  Tertiär-Kalk  von  Wiesbaden  beigelegt  hatte. 
Nach  charakteristischen  Wirbel  -  Platten  zu  urtheilen  findet  sich  dieses 
Genus  ferner  in  den  Tertiär-Gebilden  von  Weissenau  und  Günz-bttrg  mit 
andern  Schildkröten  vor  und  scheint  daher  unsere  Tertiär-Gebilde  zu  be- 
zeichnen ,  während  ich  unter  den  von  Owen  und  Bell  aus  den  Tertiär- 
Gebilden  Englands  beschriebenen  Schildkröten  keine  finde,  welche  diesem 
Genus  beizulegen  wäre.  Aus  der  Ähnlichkeit  mit  Testudo,  welche  in 
den  Wirbel-Platten  liegt,  welche  jedoch  der  Art  ist,  dass  sie  sich  gleich- 
wohl einer  Verwechselung  mit  denen  des  letzten  Genus  entziehen,  so  wie 
aus  der  Verbindung  des  Rücken-Panzers  mit  dem  Bauch  Panzer  durch 
Symphysis  sollte  man  vermuthen  ,  dass  Palaeochelys  den  Aufenthalt 
auf  dem  Lande  mehr  geliebt  habe,  als  das  eigentliche  Genus  Emys. 
Zwei  kleinere  Schildkröten,  von  denen  der  Rücken-Panzer  fast  vollständig 
vorliegt,  sind  von  den  bekannten  Spezies  von  Palaeoch  elys  verschieden 
und  werden  von  mir  unter  P.  Haslachensis  und  P.  costula  begrif- 
fen. Von  einer  grösseren  Schildkröte  sind  die  noch  vereinigten  drei  vor- 
deren Wirbel-  und  Rippen-Platten  gefunden,  aus  denen  ersichtlich  ist,  dass 
auch  sie  dem  Genus  Palaeochelys  angehört;  es  lässt  sich  indess  nicht 
angeben ,  ob  diese  Reste  einer  der  beiden  zuvorgenannten  Spezies  ent- 
sprechen, oder  ob  sie  von  einer  eigenen  Spezies  herrühren.  Der  noch  grös- 
seren Schildkröten  aus  dem  Gebilde  gebricht  es  so  sehr  an  Vollständigkeit, 
dass  sich  nicht  mit  Gewissheit  angeben  lässt,  ob  sie*  ebenfalls  diesem  Ge- 
schlechte angehört  haben.  Eine  andere  Schildkröte,  von  welcher  der  hintere 
Theil  des  Rücken  -  und  Bauch-Panzers  vorliegt ,  ist  hicvon  verschieden 
und  besitzt  die  grösste  Ähnlichkeit  mit  der  von  mir  unter  Emys  Ge»s- 
neri  begriffenen  Art,  welche  in  der  Molasse  von  Aarau  mit  den 
auch  zu  Haslach  vorkommenden  Spezies  von  Mi  er  other  i  u  m  und  Pa- 
laeomeryx  gefunden  wurde,  so  dass  es  nicht  unwahrscheinlich  ist,  dass 
diese  Schildkröte  an  beiden  Orten  zugleich  vorhanden  ist.  Auch  diese  Spe- 
zies habe  ich  unter  den  von  Owen  und  Bell  aus  England  beschriebenen 
Schildkröten  nicht  erkannt.  Von  Krokodil  fand  sich  zu  Haslach,  ausser 
mehren  Zähnen,    fast   die    ganze  hintere  Hälfte  eines  ungefähr  0,2  Meter 


78 

langen  Schädels  des  von  mir  nach  Überresten  von  Weissenau  errichteten 
Crocodilus  Rahti.  Zu  Weissenau  wird  dieses  Krokodil  von  denselben 
Säugthieren  begleitet,  wie  zu  Haslach.  Dieselbe  Krokodil-Spezies  scheint 
auch  in  England  vorzukommen,  wo  sie  von  Owen  die  Benennung  Cjr. 
Hastingsiae  erhalten  hat.  Owen  beschreibt  davon  ein  Fragment  von 
einem  jüngeren  Thier  von  ungefähr  derselben  Grösse,  wie  jenes  von 
Haslach,  dann  aber  auch  einen  vollständigen  grössern  Schädel.  Croco- 
dilus Rahti  finde  ich  von  Cr.  Hastingsiae  nur  dadurch  verschieden, 
-dass,  wie  durch  ein  zweites  Schädel-Fragment  von  Haslach  bestätigt  wird, 
das  obre  Hinterhaupt-Bein  auch  auf  der  Oberseite  des  Schädels  auftritt, 
indem  es  hinten  in  das  Scheitel-ßein  winkelförmig  eingreift,  dass  der 
Schädel  in  dieser  Gegend  nicht  konkav  begrenzt  ist,  und  dass  der  hintere 
Fortsatz  des  Nasenbeins  fast  so  weit  zurückführt  als  das  vordere  Stirn- 
bein und  dadurch  dieses  Bein  verhindert,  sich  mit  seinem  Innen-Rand  dem 
Fortsatz  des  Haupt-Stirnbeins  anzulegen.  In  dem  grösseren  Fragment  von 
Haslach  lässt  sich  wenigstens  zwischen  dem  vorderen  Stirn-Bein  und  dem 
Haupt-Stirnbein  ein  Stück  von  einem  selbstständigen  Bein  erkennen,  das 
nichts  anderes  seyn  kann,  als  der  Nasenbein-Fortsalz,  es  wäre  denn,  dass 
an  dieser  Stelle  ein  überzähliger  Knochen  als  individuelle  Abweichung 
läge;  vollständigere  Schädel  müssen  hierüber  entscheiden.  Wenn  das 
Nasen-Bein  in  Crocodilus  Rahti  wirklich  so  weit  zurückführen  sollte, 
so  wäre  Diess  eine  auffallende  Erscheinung,  da  in  Cr.  Hastingsiae 
und  den  Krokodilen  überhaupt  dieses  Bein  immer  weit  früher  endigt. 
Zwischen  Cr.  Rahti  und  Cr.  Hastingsiae  besteht  übrigens  auffallende 
Ähnlichkeit  in  Betreff  der  auf  die  Symphysis  des  Unterkiefers  kommenden 
Alveolen,  so  wie  darin,  dass  der  Zwischenkiefer  wie  in  Alligator  das 
Loch  zur  Aufnahme  des  ersten  Backen-Zahns  des  Unterkiefers  beim  Schlies- 
sen  des  Rachens  nicht  besitzt.  Dass  die  fossilen  Thiere  keine  Alligatoren 
waren,  ergibt  sich  schon  aus  der  Grösse  ihrer  Schläfen-Gruben.  Ich  habe 
nun  noch  von  Haslach  eines  Frosches  zu  erwähnen,  von  dem  die  hinteren 
Gliedmassen,  das  Darmbein  und  einige  andere  Knochen  zusammen  in  einem 
Gesteins-Stück  liegen.  Dieses  Thier  war  von  der  Grösse  des  Palaeo- 
batrachus  Goldfussi  und  der  Rana  Lu  schi  t  z  ana,  von  erstem  aber 
<iurch  die  Fusswurzel-Knochen  und  von  letzter  durch  das  Darm-Bein  ver- 
schieden; ich  begreife  diesen  jedenfalls  Rana  nahestehenden  Frosch  bis 
zur  genaueren  Ermittlung  des  Genus  unter  Rana  Jägeri.  Endlich  lie- 
gen in  einem  andern  Stück  Haslacher  Gesteins  ungefähr  ein  Viertelhun- 
dert Wirbel  und  Rippen  ohne  Ordnung,  welche  unverkennbar  von  einer 
Schlange  herrühren,  die  in  die  Abtheilung  der  Colubrinen  zu  gehö- 
ren scheint. 

Über  dem  Süsswasser-Kalk  des  Haslacher  Einschnittes  liegt  ein  Dilu- 
vial-Lehm,  worin  Reste  von  Elephas  primigen  ins,  von  einer  grossen 
Cervus-Art,  vo«  Equus  und  von  Rhinoceros  tichorhinus  gefun- 
den wurden. 

In  Owen's  neuestem  Werk  über  die  fossilen  Reptilien  Englands  ist 
mir  die  Ähnlichkeit  aufgefallen ,  welche  zwischen  der  von  Bell  beschrie- 


1 


79 

benen  Einys  Comptoni  (S.  71,  t.  2),  deren  Fundort  nicht  angegeben 
wird,  und  der  von  mir  aus  der  Ablagerung  von  Oningen  beschriebenen 
Eniys  scutclla  {Oningen  S.  17,  f.  7,  f.  2)  sowohl  in  Betreff  der  Grösse 
als  auch  der  eigenthümlichen  Form  der  Wirbel-  und  Rippen-Platten  besteht. 
Ich  kann  keinen  Grund  finden,  warum  Platemys  Bowerbanki  Ow. 
(S.  66,  t.  39)  und  Eniys  laevis  Bell  (S.  70,  t.  3)  verschieden  scyn 
sollen;  die  achte  Wirbel-Platte  ist  nicht  vorhanden,  und  es  stossen  daher 
die  7.  und  8.  Rippen-Platte  jederseits  ,  letzte  vollständig,  mit  ihren  innern 
Enden  in  der  Rücken-Linie  zusammen  ;  hierin  stimmen  diese  beiden  zu 
Sheppey  gefundenen  Schildkröten  iiberein.  Dieses  Zusammenstossen  von 
Rippen-Platten,  wovon  Bell  in  seiner  Beschreibung  der  Eniys  laevis 
sagt,  dass  er  es  in  keiner  anderen  Emydide  wahrgenommen  habe,  erin- 
nert an  Emys  Camperi  Grav  aus  dem  Tertiär-Gebilde  von  Metsbroeck 
bei  Brüssel.  In  dieser  Schildkröte  sind,  wie  in  den  beiden  zuvor  genann- 
ten von  Sheppey,  nur  7  Wirbel-Platten  vorhanden,  und  die  7.  und  8.  Rippen- 
Platte  der  innern  Seite  treten  mit  der  7.  und  8.  Rippen-Platte  der  andern 
Seite  in  der  Rücken-Linie  zusammen  und  zwar  erste  auch  nur  mit  dem 
hintern  Theil,  wie  Diess  aus  dem  von  Cüvier  im  Jahr  1841  gezeichneten 
und  beschriebenen  Exemplare  (osit.  foss.  4.  edit.  p.  470,  t.  243,  f.  16) 
hervorgeht.  In  Emys  Camperi  sind  die  Wirbel-Platten  fast  noch  schmä- 
ler und  die  6.  ist  länger  als  in  den  beiden  Emydiden  von  Sheppey.  Nir- 
gends aber  ist  das  Zusammentreten  der  Rippen-Platten  der  einen  Seite 
mit  denen  der  andern  auffallender,  als  in  dem  freilich  nicht  zu  den  Emy- 
diden gehörigen  Genus  Idiochelys  aus  dem  lithographischen  Schiefer 
von  Kehlheim,  wovon  ich  2  Spezies  beschrieben  habe  (in  Münster's  Bei- 
trägen zur  Petrefaktcn-Kunde  I,  S.  59,  t.  7,  f.  1 ;  —  III,  S.  11,  t.  8,  f.  1). 
Dass  jedoch  nicht  alle  Schildkröten  des  lithographischen  Schiefers  diese 
Erscheinung  darbieten  ,  ergibt  sich  aus  einer  mir  von  Hrn.  Dr.  Redten- 
BACBER  im  Jahr  1843  mitgetheilten  Schildkröte  von  Solenhofen ,  welche 
einem  andern  Genus  angehört  und  worin  sämmtliche  Rippen-Platten  durch 
die  vollständige  Reihe  Wirbel-Platten  getrennt  erscheinen. 

Hr.  EsER  theilte  mir  auch  die  neuerlich  im  Tertiär-Thon  von  Unler- 
Kirchberg  bei  Ulm  gefundenen  Fische  mit.  Die  von  mir  über  diese  wich- 
tige Fund-Grube  bereits  gemachten  Angaben  (Jahrb.  1848,  781)  werden 
hiedurch  vervollständigt.  Die  Clupeen  machen  wieder  den  grössern  Theil 
aus  und  müssen  in  grosser  Menge  an  dieser  Stelle  begraben  liegen.  Selbst 
die  besser  erhaltenen  Exemplare  waren  nicht  geeignet ,  Aufschluss  über 
das  Genus  zu  geben,  dem  diese  Clupeen  eigentlich  angehören.  Es  rührt 
Diess  daher,  dass  bei  der  Trennung  der  Clupeen  in  verschiedene  Genera, 
womit  sich  Valekciennes  beschäftigt  hat,  hauptsächlich  die  Zähne,  so  wie 
gewisse  Theile  im  Schädel  in  Betracht  kommen,  von  denen  es  sich  handelt, 
ob  sie  mit  Zähnen  bewaffnet  oder  ob  sie  davon  frei  sind.  Bei  den  fos- 
silen Clupeen  stösst  man  hiebei  auf  grosse  Schwierigkeiten;  ihre  Zähne 
sind  so  klein,  dass  kaum  zu  erwarten  ist,  dass  sie  sich  werden  wahrneh- 
men lassen,  und  die  Theile,  welche  auf  die  Zähne  zu  untersuchen  wären, 
liegen  zum  Theil  im  Schädel    und    lassen   eine  Unterscheidung  gar  nicht 


80 

zu.  Selbst  die  Schuppen  waren  weg;en  ihrer  Zartheit  nicht  geeignet  eineii 
Anhalt  zu  bieten.  Es  ist  daher  die  allgemeinere  Benennung  Clupea 
vorerst  noch  beizubehalten.  Clupea  gracilis  war  ich  genöthigt  in  C. 
huniilis  umzuändern,  weil  ich  fand,  dass  bereits  Temminck  und  Schlegel 
erste  Benennung  einer  lebenden  Spezies  beigelegt  hatten.  Eine  zweite 
besser  erhaltene  Spezies  aus  der  Familie  der  Pleu  r  on  ek  ten  ,  welche 
sich  unter  diesen  Fischen  vorfand  ,  veranlasste  mich  ,  die  Skelette  von 
Rhombus  und  Solea  genauer  zu  studiren  ,  wobei  ich  mich  überzeugt 
habe,  dass  die  fossilen  Pleuren  ekten  von  Unterkirchberg  nicht  erstem 
Genus,  sondern  der  noch  merkwürdigeren  Solen  angehören.  Rhombus 
Kirchberganus  ist  daher  in  Solea  Kirchbergana  abzuändern;  der 
andern  Spezies  gab  ich  den  Namen  Solea  antiqua.  Von  Cyprinus 
priscus  wurden  zwei  vollständigere  Exemplare  aufgefunden,  welche 
meine  frühere  Angabe  bestätigen ,  wonach  in  dieser  Spezies  die  Afler- 
Flosse  erst  in  der  Gegend  beginnt,  wo  die  Rücken-Flosse  aufhört.  Die 
Gegend  der  vordem  Strahlen  der  Rücken-Flosse  ist  in  keinem  dieser 
Exemplare  gut  überliefert.  Nach  ihrer  Beschaffenheit  sollte  man  glauben, 
dass  in  dieser  Flosse  der  starke  gezähnelte  Strahl  nicht  vorhanden  war. 
Es  würde  alsdann  im  Genus  Cyprinus,  wie  in  Barbus,  eine  Trennung 
zu  machen  seyn  in  solche  Spezies .  welche  wie  die  lebenden  mit  dem  ge- 
zähncltcn  Rücken-Strahl  versehen  sind  ,  und  in  solche  ohne  diesen  Strahl 
in  der  Rücken-Flosse,  wie  Diess  für  die  fossilen  Spezies  den  Anschein 
hat.  Von  Gobius-artigen  Fischen  fand  sich  eine  zweite  Spezies,  welche 
ich  bis  zu  genauerer  Betimmung  des  Genus  an  dazugeeigneten  Exemplaren 
Gobius  (?)  conicus  nannte.  Die  von  diesem  Fisch  vorliegenden  Exem- 
plare sind  von  der  Bauch-Seite  eutblösst,  was  die  Ermittlung  der  Lage 
und  Beschaffenheit  der  unpaarigen  Flossen  ungemein  erschwert.  Von 
Smerdis  hat  sich  ebenfalls  noch  eine  ungeachtet  ihrer  Kleinheit  sehr 
gut  erhaltene  Spezies  aufgefunden,  die  ich  S  merdis  elongatus  nannte; 
sie  steht  S.  pygmaeus  Ag.  vom  Monte  Bolca  am  nächsten.  Ich  habe 
nun  noch  einer  neuen  Spezies  von  Leuciscus,  L.  gibbus  zu  gedenken, 
welche  zunächst  an  L.  Oeningensis  erinnert,  mit  dieser  aber  nicht 
.verwechselt  werden  kann.  Der  Thon  von  Unter- Kirchberg  beherbergt 
noch  andere  Fische,  von  denen  indess  nur  sehr  unvollständige  Überreste 
aufgefunden  wurden.  In  einer  der  nächsten  Lieferungen  der  Palaeonlo- 
graphica  werde  ich  die  Beschreibung  und  Abbildung  der  Fische  von  Unter- 
Kirchberg  geben. 

Auch  vom  Hrn.  Ober-Hüttenmeister^  Mentzel  erhielt  ich  wieder  eine 
Sendung,  welche  beweiset,  wie  reich  an  Knochen  der  Muschel-Kalk  Ober- 
Schlesiens  ist,  aber  auch  wie  eifrig  dort  gesammelt  wird.  Darunter  befand 
sich  auch  eine  Platte  von  Lagiewnik  mit  vielen  Stiel-Stücken  und  ein  paar 
geöffneten  Kelchen  von  Dadocrinus  gracilis,  welche  über  die  Selbst- 
ständigkeit des  Genus  keinen  Zweifel  aufkommen  lassen.  Die  Saurier- 
Reste  wurden  in  dem  Muschelkalk  von  Chorssoto,  Krappitz  a.  d.  Oder 
und  Petersdorf  bei  Gleiwits  in  Ober-Schlesien  gefunden  ,  zusammenhän- 
gende Skelett-Theile    aber    noch    nicht    entdeckt.    Auf  einer  Platte  liegen 


81 

Schulter-Blatt,  Ciiacoideum,  Ober-Arm,  Ober-Schenkel  und  einige  Wirbel 
von  einem  Saurus  umher,  von  dessen  Kleinheit  man  eine  Vorstelluno-  er- 
hält, wenn  ich  anführe  ,  dass  der  Ober-Arm  0,021  und  der  Ober-Schenkel 
0,027  messen.  Ein  Knochen  von  Chorzow  scheint  eine  krankhafte  Ver- 
wachsung von  zwei  Gliedern  derselben  Zehe  darzustellen.  Von  Krap- 
pila  jenseits  der  Oder,  dem  westlichsten  Vorkommen  des  OberSchlesischen 
Muschel- Kalks,  war  nur  ein  kleines  Coracoideum  so  wie  ein  Stiick  Kopro- 
lith dabei,  das  wohl  ein  Dutzend  unverdauter  Wirbel  von  einem  kleinen 
Saurus  enthielt.  Reicher  dagegen  ist  die  Ausbeute  von  Pelersdorf ,  einer 
Lokalitat,  um  die  der  Hütten-Eleve  Abt  in  Gteitcilsi  sich  besonders  ver- 
dient macht.  Der  Kalkstein  des  dicht  bei  letztem  Ort  gelegenen  Peters- 
dorfs wird  als  Zusatz  bei  der  Bereitung  des  Roheisens  im  Gleiwiläer 
Eisen-Werke  benutzt.  Von  Krinoideen  haben  sich  in  diesem  Kalke  nur 
Stiel-Glieder  gefunden,  aus  denen  das  Genus  nicht  zu  entziffern  ist.  Der 
grösste  bis  jetzt  dort  ermittelte  Saurus  ist  Nothosaurus  Münster i, 
Movou  der  Zwischen-Kiefer  vorliegt;  die  übrigen  Saurier  sind  auffallend 
klein  und  eiinnern  an  jene  von  Lagieicnik  und  Chorz^ow ,  mit  denen  sie 
theilweise  übereinstimmen  werden.  Die  Reste  bestehen  in  Wirbeln  aller 
Art,  Rippen,  Becken-Knochen,  Koronuidal-Knochen,  einem  Dutzend  Schuller- 
Blätter,  fünf  Oberarm-Knochen  und  Oberschenkel-Knochen.  Unter  den 
Fisch-Resten  von  Petersdorf  erkannte,  ich  Acrodus  acutus,  A.  Gail- 
lardoti,  Palaeobatus  angustissimus,  Hcmilopas  Mentzeli, 
und  unter  den  Schuppen  auch  solche ,  welche  starke  Wülstchen  auf  der 
Aussenseite  besitzen. 

Herm.  V.  Meyer. 


Jalii'^niig  IBSl 


Neue     Literatur. 


A.    Buche  r. 


1849. 


J.  R.  Jackson  :  Minerals  and  their  nses,  in  a  series  of  lelters  to  u  Lady 
C464pp.  ISV,  London. 

1850. 

Baylk:  Cours  de  Geologie  applique'e  aux  conslructions  (t9t  pp.  in  fol.J, 
Paris  [als  Thcil  der  ,yEcole  nationale  des  ponis-etchaussees"]. 

3.  Barraivdb:  Graplolilhes  de  Boheme:  exlrail  du  ISysleme  Silurien  du 
cenlre  de  la  Boheme,  74  pp.  4  pll.  nv.  explic.  S*^.  Prague. 

H.  Buff:  Zur  Physik  der  Erde,  Vorträge  für  Gebildete  über  den  Einfluss 
der  Schwere  und  Wärme  auf  die  Natur  der  Erde.  Braunschweig 
(521  SS.  in  kl.  8",  2  fl.  6kr.). 

G.  CoTTEAu:  Eludes  stir  les  Echinides  fossiles  du  deparlement  de  l'Yonne, 
6.  livraison.    [Wir  kennen  nur  diese  Anzeige.] 

United  States  Exploring  Expedition  during  the  Years  1S38—184Z,  under 
the  Command  of  Charlf.s  Wilkes.    New-York.  gr.  4°.  A'*h  vol. 
Geologij  by  J.  Dana.  /  vol.  4"  tcilh  an  Atlas  of  21  plates,  imp.  fol. 

Hehl:  die  Gcognostischen  Verhältnisse  Würtlembergs  (326  SS.  in  kl.  8*), 
mit  1  geogn.  Karte  von    Württemberg  in  4".   Stuttgart    [2  fl.  24  kr.J. 

A,  D'OREIG^Y :  Prodrome  de  Paldonlologie  stratigraphique  universelle  des 
Anim,aux  mollusques  et  rayonnes,  faisant  suite  au  Cours  elementaire 
de  Paleontologie  et  de  Geologie  slratigraphiqnes.  Paris.  //?",  /.  vol.  hx  et 
394pp.  [4fl.  I6kr.]  (Eine  ausführliche  Anzeige  folgt  im  nächsten  Hefte.) 

C.  Rt/TiMEYER:  über  das  Schweitzerische  Nummuliten-Terrain,  mit  beson* 
derer  Berücksichtigung  des  Gebirges  zwischen  dem  Thuner-See  und 
der  Emme  (120  SS.,  5  Karten  und  Tafeln);  Dissertation  zu  Erlan- 
gung des  Doktor-Grades.    Bern.  4". 

Hbrm.  und  Ad.  Schlagintweit:  Untersuchungen  über  die  physikalische 
Geographie  der  Alpen,  in  Beziehung  zu  den  Phänomenen  der  Glet- 
scher, zur  Geologie,  Meteorologie  und  Pflanzen-Geographie.  600  SS. 
gr.  S**,  mit  11  Tafeln,  2  Karten  und  vieleu  Holzschnitten.    Leipzig. 


S3 

Fb.  Schmidt,  jr. :  die  Gesteine  tler  Zentral-Gruppe  des  Fichlel- Gebirges 
in  ihren  Lageiungs-Vciliältnissen  und  ihrem  Vorkommen  übersichtlich 
znsammengpstellt  und  beschrieben  (39  SS.,  1  Karte,  1  Steinzcichn.). 
Nürnberg.  8^   [36  Kr.]. 

Th.  Sjmyth:  the  Vnity  of  Human  Rnces  proved  to  be  tha  Doclrine  of  Scrip- 
ture,  Reason  and  Science,  tvilh  a  Review  of  the  present  Position 
and  Theory  of  the  Professor  Agassiz  (404  pp.  12°J.   New-York. 

TuoMEr:  First  biennal  Report  on  the  Geology  of  Alabama  (ITß  ppj. 
Tuscaloosa.   S". 

1851. 

C.  Vogt:  Zoologische  Briefe.  Naturgeschichte  der  lebenden  und  unterge- 
gangenen Thiere ,  für  Lehrer,  höhere  Schulen  und  Gebildete  aller 
Stände.  [II  starke  Bünde  in  cc.  12  Lieferungen  zu  6  Bogen,  mit  etwa 
1200  in  den  Text  gedrntkten  Holzschnitten,  die  Lief,  zu  45  kr.;  im 
Jalire  185t  zu  beendigen.]  Frankfurt  uiM.  8^  Lief.  1,  2,  S.  1—192, 
Brief.   1  —  8.    Einleitung  aufwärts  bis  ans  Ende  der  „Strahlenihiere". 

[?  Miss  Somerville]  Natürliche  Geschichte  der  Schöpfung  des  Weltalls,  der 
Erde  und  der  auf  ihr  befindlichen  Organismen,  aus  dein  Englischen 
(der  Vestiges  of  the  Natural  history  of  the  Creation)  nach  der  6.  Aufl. 
übersetzt  von  C.  Vogt  (322  SS.  8"*),  mit  134  eingedruckten  Holz- 
schnitten,  Braunschweig   [3  fl.]. 

ß.     Z  e  i  t  s  c  li  r  i  f  f  e  n. 

1)  WoHi.KK  und  LiEBKJ :  Annalen  der  Chemie  und  Pharmazie, 
Heidelberg.  S«  [Jb.  1S50,  437]. 

1850,  April  —  Juni:  LXXfV,  1—3,  S.   1—363. 
Hausmann:    über  Arsenik-Saure,    Realgar    und  Auripigment:   188  —  363. 
List:  Analyse  des  Mi.sy  vom   Rammeisberg  bei  Goslar:  239. 
^  —  desgl.  des  Pikroliths  von  Reichelstein  in   Schlesien:  241. 
Horsford:  Ammoniak-Gehalt  der  Atmosphäre:  243. 

1850,  Juli  -  Sept.;  LÄXV,  1-3,  S.   1-368. 
R.  Fresenius:  Zustand,    worin  Arsen    und    Mangan  im    Sinter   des    Koch- 
brunnens zu    Wiesladen  vorkommen:  172 — 176. 


2)  Jahr  es -Bericht  des    naturwissenschaftlichen   Vereins   in 
Halle,   Berlin  8". 

II.  Jahr  1849-50,   161  SS.  1  Tfl.,  1850. 

A.    Auszug  aus  den  Sit/ungs-ProtokolIen. 
Giebel:  Organisation  und  syslemat.  Stellung  der  Ptcrodaktylcn:  1. 

—  —  Versteinerungen   in   Geschieben   um  Königsberg:  4. 

—  —  über  Acanthoteuthis  speciosa:  7. 

—  —  Insckten-PiCStc  vom    VVettiner  Steinkohlen-Gebirge:  8. 

6* 


84 

Giebel:  Entdeckung   von  Schneide-Zähnen  in  Rhinoceros  tichoihiniis :  10. 
Müller:    Pflanzen-Reste  in  den  Steinkohlen  bei  Kranichfeld:  11. 
Andrea:    über  eine  schmelzende  Substanz  in  Braunkohle:  14. 
Giebel:  über  die  Familie  der  Ammoniaden  [Ammoniten]  :   15. 

—  —  über  Scaphiten  ;    18. 

—  —  Knochen  aus  dem  Diluvium  :  20. 

—  —  übergibt  Mineralien  :  22. 

—  —   über  Ammoniten:  22. 

—  —   über  Turriliten :  42. 

—  —  L.  V.  Buch  hat  den  Mantel-Ausschnitt  bei  den  Acephalen  zuerst  ge- 

würdigt :  44. 

—  —  Knochen-Breccie  am  Surfnier-Berg  bei  Goslar:  45. 

—  —  über  das  Nummuliten-Gebirge :  47. 

B.    Aufsätze. 
C.  Giebel:  Scyphia  uvaeformis  n.  sp.:    57—60,  mit  Abbild. 
A.  Sack:  Rhodocrinites  verus  in  krystailisirtem  Flussspath:   77—80. 
C.  Giebel:    die    Braunkohlen-Formation   im    Magdeburg-Halberslädlischen: 

89—118. 
A.  Andrä:  Verzeichniss  der  im  Steinkohlen-Gebirge  von  Wetlin  unA  Lobe- 
jün  vorkommenden  Pflanzen:  118—131. 


3)  E.  Boll:     Archiv     des     Vereins     der     Freunde     der     Natur- 

Geschichte  in  Mecklenburg,  Neubrandenburg,  S°  [Jh.  18S0,  5i]. 
1850,  IV,  235  SS.,   1   Tabelle, 
Beiträge  zur  Geognosie  Mecklenburg^s :  S.   159—167. 
E.  Boll:  die  Trilobiten  Mecklenburg'' s :  159. 
J,  Virok:  Tertiäre  Lager  im  Amt  Neustadt:   160. 
E.  Boll:  Tertiäres?  Thon- Lager  bei  Goldberg:   164. 
Lisch:  Feldspath  und  Bleiglanz:   165 
E.  Boll:  Asphalt,  Graphit  und  Thallit  in  Mecklenburgischen  Gf rollen  :  166. 

4)  Bulletin  de   VAc ademie   R.  des  Sciences,  des  letfres  et  des 

beaux-ar  Is  de  B  elgique,  Brux.  8^  [Jb.  1S49,  716]. 
JS49,  XVI,  II,  731  pp.;   2  pll.,  cd.  1849. 
A.  Dümont:  Bericht  über  die  geologische  Karte  von  Belgien:  351  —  373. 
ÜNGERS  bildliche   Darstellung  der  erloschenen  Floren  und  Faunen. 
v.  Hauer:  geologische  Arbeiten  in  Ostreich:  541. 
D'Omalius  d'Halloy:  über  Dumonts  geolog,  Karte:   542  —  544. 
L.  DE  Koninck:  neue  Notitz  über  Versteinerungen  von  Spilabergen:  632  — 

643,   1  pl. 

18S0,  XVII,  i,  576  pp.,  8  pll.,  ed.  1850. 
A.  Perrey  :  Note  über  die  Erdbeben    von  1849  uud  frühere:  216 — 235. 
D'Omalius  d'Halloy  über  die  Porphyre  von  Lessines:  528—536. 


85 

5)  M emoires  couronnes  et  Mämoires  des  Savants  etrangera 
publies  par  VAcademie  R.  des  sciences,  desletlresetdes 
beaux-arts  de  Bruxelles,  Brux.  4"  [Jb.  1848.  694]. 

1848-1850,  XXIII,  1850,  pll. 

A.  Perkev:  Abhandlung  über  die  auf  der  Türkisch-Hellenischen  Halbinsel 
und  in  Syrien  wahrgenouuiienen  Erdbeben,  73  SS, 


6)  Annales  des  Mines  e\c.    d,    Paris  S**  [Jb.  1850,  607]. 

1850,  1—2,  d,  XVII,  1—2,  p.   1-460,  pl.   1  —  7. 
Jackson:  Geologie  des  Metall-Dislrikfs  am   Oberen  See:    103  —  116. 
Dklusse  :   über  den  Variolit  der  Durance:   116—132. 

Hausmann:  über  arsenige    Säure,    Realgar  und   Auripigment;    167 — 173. 
Malaguti  und   Durocher  :   über  die  Verbindung  des  Silbers  mit  den  Erzen 
und  die  Mittel  zu  seiner  Scheidung,  2.  Theil:    215  —  322. 

A.  Scacchi:    Bericht  über  den  Ausbruch  des  Vesuvs  im  Febr.  1850,    und 

Beobachtung  der  täglichen  Erscheinungen  an  ihm  seit  1840:  323 — 381. 
V.  Bouny:  über  eine  Grabung   durch    losen    Sand    in  einem    Schachte    der 
Grube  Slrepif-Bracquegniejs,   Hainaut :    407  —  460. 

7)  Jamesoin's   Edinburgh  new   Phi  losopki  ca  l   Journal,    Edinb.  8* 

[Jb.  1850,  688]. 
1850,  Nov.;  no.  98;  XLIX,  2;  p.  193-408. 
L.  Agassiz:  Beziehung  zwischen  Thieren   und  ihren   Elementen:  193  —  227. 
R.  Chambers:  aller  eiserner  Bootshaken  in  Gotcrie  gefunden:  233  —  236. 

B.  Aoib:  Ursachen  der  Änderungen  in  Isothermal-Linien  :  236  —  239. 

R.  Owen:  örtfi«cAe  eocäne  Schlangen  und  die  Schlange  der  Bibel:  239  —  242. 

Desor  und   Whitney:   über  fossile  Regentropfen:  246  —  248. 

R.  Owen:  Fossile  Krokodile  in    England:   248-250. 

J.  ÜAvy:  Inkrustation  in  Dampf-Kesseln:  250 — 253. 

A.  Bryson:  I  junge]  Knochen-Hölile  an  der  Mündung  des  A^oi-<A-E*/f  :  253  —  255. 

J.  Hogü:   Geographie  u.  Geologie  d.  Halbinsel  Aes  Sinai,  Schlu.«;s:  255 — 275. 

Verhandlungen  der  Britischen  Versammlung  zu  Edinburg,  Juli  u,   August. 

MuRcnisoN:  Aufrichtung  des  krystallinischen    untern  Theils  der    Kohlen- 
Formation  :  308— .Hl  I. 

FoRBEs:  Schichten-  u.  Organismen-Folj^e  d.  Purbecksin  Dor*ef :  311  —  313. 

Ormkrod:  Einsinken   des  entwässerten   Chat-Moses  in  Lancashire'.    313. 

BflycE:  über  das  hesmahago-  und   Douglas-  Kohlen-Revier:  313  —  314. 

R.  Chambers:  Glaciul-Erscheinungen  um  Edinburg:  330. 

H.  Miller:  gestreifte  Geschiebe  in   Blöeke-Thon  von  Cailhness:  332. 

Maclaren:  Gewisse  Boden-Furchen  in  .^r^i/igüAi/e  gleichen  Moränen:  333. 

Hopkins:   Umherstreuung  der  Gianit-Blöeke    von    Ben-Cruachan:  334. 

Longmuir:  Giünsand  und  Feuersteine  in  Aberdeenshire  :  334. 

Hitchcock:  Terrassen  in  Neu-England;  Erosion  der  Flüsse:  334. 

Becker:  über  Auffüllung  der  Fluss-Bctlen:  334. 


86 

Bryce:  Gestreifte  Flächen   in   Westmoreland :  334. 

E.  FoRBEs:  Regionenweise  Vertlieilung  der  Seethiere  um  England    und 
Schottland.  335-338. 

T.  S.  Wklls:    Klima  des  iVf7-Thales:  343-345. 

R.  A.  Smith:  Luft  und  Wasser  in  Städten:  347  —  348. 

HiTCHCocn:  Erosion  d.  Flüsse u.  gchob.  Terrassen  Neu- Englands:  348—349, 

Hrzg.  V.  Argyll :  Tertiäres  Fossilien-Lager  zwischen  Trapp  auf  Mull:  350. 

MuRCHisoN:  Skizze  einer  geologischen  Karte  Spaniens  von  Verineuil:  351. 

Nicol:  über  das  Vorgebirge  von   Cantijre  in  Argyleshire:    351    [S.  385 J. 

Harkness:  Vertreter  des  Berg-Kalkes  in  S-  u.  O.-Dmnfrieshire:  351. 

—  —  die  sog.  fossilen  Fährten   in  Bunt-Sandstein  das.:  351. 

Ramsai:  Alter  der  schwarzen  Schiefer    in  den  Menai-Strassen'  367. 

Martins:  Parallele  zwischen  den  oberflächlichen  Schichten  des  Po'»  und 
des  Schweitzer  Beckens  •  368. 

H.  Miller:  Eigen  thümlichkeiten  der  Struktur  bei  den  ältesten  Ganoiden:  368. 

Andekson:  die  fos.'iilen  Fische  des  gelben  Sandsteins  von  Dura  Den'.  368. 

Sedgwick:  Paläozoische  Gesteine  in    ^üA-Scholiland:  369. 

Nicol:  Graptolithen  in  Peeblesshire'  370. 

Harkness:       „  „    Dumfrieshire:  370. 

Barrande:       „  „    Böhmen:  370. 

E.  FoRBEs:  einige  merkwürdige  Formen  fossiler  Radiaten:  370. 

Portlock:  Eintreibung  von  Trapp  in  die  Konglomerate  zn  Tantallon  ia 
Nord-Berwick:  370. 

Mantell:  Struktur  eines  Unterkiefers  von  Jguanodon:  370. 

W.  Stevenson:  eine  Quarz-Bildung  in  Süd- Schottland:  370. 

M.  Hamilton:  über  Erdbeben  in  Süd- Amerika:  370. 

Carpenter:  Verthcilungd.Echiniden  ;  Anatomie  tertiär.  Foraminiferen  :  371. 

Mantell:  Zahn-Organe  des  Iguanodon  der  Wealden  :  371. 
J.  Nicol:  Geologie  von  S.-Canlyre,  Argt/leshire  :  385—387. 
E.  Forbes  :  Ausflug  nach  den  Hebriden :  388. 

FoBBEs:  Schichten-  u,  Organismen-Folge  im  Puibeck  v.  Dorset:  391  —  395. 
L.  Agassiz:    Embryonische    und     paläozoische    Klassifikation    der  Wirbel- 

thiere  :  395-398. 
—  —  Beleg  über  die  Richtigkeit  der  Glacial-Theorie :  398. 

8)  The  Quarterly  Journal   of  the    Geological   Society,    illu- 
strated  etc.  London.  S"  [Jb.  1850,  689]. 

1850,  Nov.,    no    S4;    VI,    4,    p.    347— 48'i,    p.  61  —  76,    pl.   17-26, 
31  —  32,  icilh   OD    tvoodc. 
A.    L  a  u  f  e  n  d  e  Verhandlungen  vom  1 3.  M  ä  r  z  —   1 9.  J  u  n  i. 

J.  W.  Dawson:  Metamorphische  und  Metall-führende  Gesteine  in   Ost-Neu- 
schottland:   347  —  364 

E.  Hopkins:  Krystallinische  Gesteine  in  den  Anden  mid  ihre  Schieferungs- 
Flächen  :  364—467. 

Steinkohlen  bei  Eraerum:  367. 


87 

R.  I.  Mcrchison:  die  Essen  heisser  Dämpfe  und  ihre  Beziehung  zu  alten 

Bruch-  und  Eruptions-Linien:  367—381,  m.   1  Tf.  u.  qo   Holzschn. 
L.  Horner:  über  Lepsius'  Entdeckung  eingehauencr  MMIöhe-Zcichen  nua 

sehr  aJter  Zeit  in  Nubien:  384. 
J.  Cleghorn:  über  den  „Till"  bei   Wich  in   Caithness:  385. 
J.  Smith:  über  die  im  „Till"  gefundenen  Konchylien  :  386. 

See-Konthylien  in  Schichten  unter  dem  Till  :  386—388. 

J.  C.  Moore:  Vorkommen  von  See-Konchylien  im  Till:    388  —  389. 
R.  Harkness:  Neuer  rother  Sandstein  im  S.-Nith-Thale-    389  —  399. 
Morris  u.  Lycett:  Pachyrisma,  fossil.   Lamellibranchier-Genus:  399  —  402. 
Tu.  W.  Fletcher:  über  die  Trilobifen  von  Dudley,  II.:  402  —  405,  Tf.  32. 
J.  EzQUEKKA  DEL  Bayo  :  Über  die  Geologie  von  Spanien-  406  —  413. 
J.  Buckman:  Fossile  Pflanzen  in  Ünter-Lias:  413  —  418,    qd  Holzschn. 
W.  Stevenson:    über   einen    Spalt   in    der    Grauwacke   Ost-Lammermuirs 

ausgefüllt  mit  alt-rothem  Sandstein-Konglomerat:  418 — 422,   1  Karte. 
A.  DE  Ziunq:  die  Schicht-Formalionen  in  den  Venetischen  Alpen:  422 — 432. 
J.  E.  Davis:  der  Kalksfein  bei  Presteign,  Süd-Wales:    432  —  439. 
C.  Darwin  :  die  Britischen  fossilen  Lepadidcn  :  439—440. 
De  LA  Condamine:  Tertiär-Schichten  und  ihre  Störungen   bei  ßlackheath: 

440—449,    OD   Holzschn. 
Ch.  H.  Weston:  Diluvial-Land  und  Thäler  um  Bath:  449  —  451. 
Hamilton:  Süsswasser-Mergel  in  den  Marschen  von  C'amfirirfi/e:  451 — 453. 
W.  Cünnington:    Durchschnitt    des   Unter-GrünsantTs    von   Seend   bei    De- 

vizes:  453-454. 
R.  C.  A.  Austen:    Alter  und    Stellung   des    Fossilien -Sandes   und   Kieses 

[Neocomicn]  zu   Farringdon:  454  —  478. 

B.  Geschenke  an  die  Gesellschaft:  479  —  482. 

C.  Übersetzungen  undNotizen. 

Osw.  Heer:  über  fossile  Ameisen  (Jb.  ^):  61—65. 

V.  MoNHEiitf."  Pseudomorphosen  von  Zink  (Jb.  »:  65  —  66. 

GÖPPERT :  fossiles  Holz  in  Sibii^ien  (Jb.  ^)-"  66  —  68. 

O.  Heer:  Geschichte  der  Insekten  (Jb.  >►):  68—76. 

Giebel:  Kohlen-Formation  zu  Ifleisdorf  im  Selke-Thal  (Jb.  >>:  76. 


11    s    z    11    g    e. 


A.  Mineralogie,    Krystallographie,  JVIineralchemie. 


P.  H.  Weibvk  und  K.  A.  Sjögren:  über  de«  Katapleiit  (Poggend. 
Ann.  LXXIX,  300  ff.).  Der  Name  bezieht  sich  auf  das  Vorkommen  des 
Minerals,  indem  es  stets  von  mehren  seltenen  Substanzen  begleitet  wird. 
Fundort  die  Insel  Lamö  (Lamanskjaer)  bei  Brevig  in  Norwegen.  Erscheint 
in  grobkörnigem  Syenit  stets  begleitet  von  Mosandrit,  Leucophan,  Zirkon, 
Agirin ,  Tritomit  u.  s.  w.  Krystall-Form  wahrscheinlich  klinorhombisch. 
Die  regelrechten  Gestalten,  nur  unvollkommen,  sind  Prismen  von  etwa  120" 
mit  einer  um  120*'  schief  aufgesetzten  basischen  Fläche;  zuweilen  zeigen 
sich  Spuren  niehrer  vertikalen  Flächen.  Theilbarkeit  vollkommen  nach  der 
basischen  Fläche;  gewöhnlich  findet  man  eine  krummschaalige  Absonde- 
rung, die  nicht  mit  der  krystallinischen  Textur  verwechselt  werden  darf. 
Bruch  splitterig.  Die  Krystall-Fläche  wenig  glänzend  bis  matt ;  Bruch- 
Fläche  matt;  Theilungs-Fläche  theils  matt,  theils  schwach  Glas-glänzend. 
Lichte  gelblichbraun.  Undurchsichtig  bis  sehr  schwach  durchscheinend. 
Härte  ungefähr  wie  Feldspath.  Eigenschwere  =  2,79—2,81.  Für  sich 
in  der  Zange  leicht  zu  vpeissem  Email  schmelzbar;  in  Borax  schwer  zu 
klarem  farblosem  Glase  auflöslich.  Kobalt-Solution  färbt  das  Mineral 
blau.  Pulverisiit  wird  es  von  ChlorwasserstofF-Säure  zersetzt  ohne  zu 
gelatiniren.  Ergebnisse  zweier  durch  Sjögren  vorgenommenen  Zerle- 
gungen : 

Kiesel-Säure      .     . 

Zirkon  Erde  .     .     . 

Thonerde       .     .     . 

Natron      .... 

Kalk-Erde      .     .     , 

Eisen-Oxydul      .     . 

Wasser      ... 

101,02 

Si  +  ^r'  S'i'  -f  6  Aq. 


46,83 

46,52 

29,8 1      . 

29,33 

0,45 

1,40 

10,83 

10,06 

3,61 

4,66 

0,63 

0,49 

8,86 

9,05 

Formel : 


Na 


101,51. 


Ca 


89 

K.  Mo^HElM:  Willemit  des  Bushachet'  Berges  bei  Stotlberg  un- 
fern Aachen  (Verliaiidl.  d.  natmliist.  Vereins  der  Preuss.  Rhein  Lande, 
V,  37).  Sedisseilige  Prismen  llieils  mit  rhomboedrisclier  Zuspitzung; 
weiss,  halbdurciisiclitig,  diirclischeinend,  auch  gelblich,  rötlilich  und  schwärz- 
lich; zuweilen  mit  weissen,  bläulichen  und  bräunliciien  Llberzügen  bedeckt 
oder  mit  dunkelbraunen  Rhomboedeiii  (heils  aus  Zinkspath  mit  Eisenoxyd- 
Hydrat  überzogen,  theils  aus  diesem  bestehende  Pseudomorphosen  nach 
Zinkspath.     Eigenschwere  ^  4,18.     Härte  =  5  —  6.     Gehalt: 

Zink-Oxyd   ....     72,91 

Eisen-Oxyd  ....       0.35 

Kieselsäure.     .     .     .     26,29 
100,00 
entsprechend  der  Formel:  Zn^   Si. 

Die  Willemit-Kiystalle  befinden  sicli  auf  dem  Busbacher  Berge  stets  in 
derbem  Willemit,  der  frei  von  Kie.sel-Zinkerz  ist.  Eigenschwere  =  4,02 
—  4,16.     Der  Gehalt  eines  röthlichen   Stückes  war: 


Zink-Oxyd   .     . 

.      .     69,06 

Eisen-Oxyd 

.      .        4,36 

Kalkerde      .     . 

.     .        0,41 

Talkerde      .     . 

0, 1 3 

Kieselsäure.     . 

.     .     26,53 

Kohlensäure     . 

.     .        0,04 

100,53. 
In  der  Nähe  der  Willcnit-Krystalle  kommt  ein  dichter  Galniei  vor,  ähnlich 
dem    besten    dichten    Galnici    vom    Altenberg,    nur    bräunlich    von    Farbe. 
Gehalt: 


Zink-Oxyd   .     .     . 

.     60,97 

Eisen-Oxyd       ,     . 

9,52 

Mangan-Oxyd  .     . 

.        0,82 

Kalkerde      .     .     . 

0,43 

Talkcide      .     .     . 

0,06 

Thonerde      .     .     . 

0,36 

Kieselsäure  . 

.      18,79 

Kohlensäure     .     . 

7,56 

Wasser    .     .     .     , 

2,76 

101,27. 
Dieser  Galmci  ist    offenbar    ein    Gemenge   von   Willemit,    Kiesel-Zinkerz, 
Zinkspath    und    andern   Sub.stanzen.     Steilenweise    zeigt    sich    das    Mine- 
ral   porös   und  umschlicsst  kleine  Krystalle  von  kohlensaurem  Blei:    auch 
Bleiglanz  findet  sich. 


Weesky:  Man  gan-I  d  ok  r  as  von  St.  ülarcell  in  Ptemoni  (Poggeisd. 
Ann.  LXXIX,  166).  Vorkommen  mit  Mangan-Epidot,  Heferoklin  und  einem 
noch  nicht  näher  untersuchten  kiischrothcn  leicht  schmelzbaren  Glimmer 
(der  kein  Lithion    enthält),    eingewachsen    in  Quarz.     Die   Krystall-Form 


90 

Imt  den  Habitus  dfs  Idokrases.  Die  wenig  ausgebildeten  Gestalten  zeigen 
die  erste  und  zweite  Säule  mit  starker  Streifung  in  der  Richtung  der 
Haupt-Axe;  nüchstdein  erscheint  das  erste  Oktaeder  ziemlich  vorherrschend. 
Meist  bildet  das  Mineral  feinkörnige,  mit  Quarz  und  Mangan-Oxydul  ver- 
wachsene Massen.  Blass  schwefelgelb;  reine  durchscheinende  Körner 
hoch  Honig-gelb.  Wird  von  Salz-Säure  sehr  wenig  angPgrifTen.  Für  sich 
und  auf  Kohlen  geschmolzen  ungefähr  eben  so  sich  verhaltend,  wie  andere 
Idokrase.  Die  dunkelbraune,  fast  schwarze  Schlacke  gibt  ein  zimmtbrau- 
nes  Pulver,  welches  durch  heisse  Schwefelsäure  leicht  zersetzt  wird.  Mit 
wenig  Soda  im  Reduktions-Feuer  auf  Kohlen  bildet  die  Substanz  eine 
schwarze  glänzende  Perle.  Grössrcr  Zusatz  von  Soda  bedingt  grössre 
Strengflussigkeit  und  gibt  der  Schlacke  eine  Metall-glänzende  Oberfläche. 
Borax-Glas  wird  schon  bei  einem  geringen  Zusätze  des  Minerals  in 
der  Oxydations-Flamme  dunkel  Amethyst-farbig.  Die  Reduktions-FIammer' 
und  ein  Zusatz  von  Zinn  erzeugt  schwache  Eisen-Reaktion.  Phosphor- 
Salz  nimmt  langsam  blaurothe  Fäibung  an. 


H.  Abich:  Soda  der  Araxes-Ebene  in  Armenien  {Bullet,  dz  VAead. 
Petersb.  VIII,  333  cet.).  Die  beste  Soda  von  diesem  Fundort  zeigt  auf 
frischem  Bruche  eine  dichte  sehr  wenig  poröse  Masse  von  dunkelgrauer 
Farbe,  von  kleinen  schwarzen  kohligen  Theilen  durchzogen,  welche  zu- 
weilen noch  die  Gestalt  von  Pflanzen-Theilen  erkennen  lassen.  Kurze 
Zeit  der  Luft  ausgesetzt  färbt  sich  die  Soda  lichtegrau  und  bedeckt  sich 
vollständig  mit  einem  feinen  Überzug  von  zerfallenem  kohlensaurem  Natron. 
Beim  Anhauchen  bemerkt  man  anfänglich  einen  schwefelig-ammoniakalischen 
Geruch,  welchem  aber  sogleich  ein  deutlicher  Geruch  nach  Blausäure  folgt; 
beim  Erhitzen  werden  beide  Wahrnehmungen  verstärkt  und,  wenn  man 
diess  bis  zum  Rothglühen  steigert,  so  erleidet  die  Soda  einen  Gewichts- 
Verlust  von  2,5  bis  3,0  Pi'oz.     Ergebniss  der  Zerlegung  : 

Kohlensaures   Natron 28,79 

Atz-Natron 6^64 

Schwefelsaures  Natron 2,33 

Chlor-Natrium -     .     .     .     14,36 

Chlor-Kalium 16,79 

Kohlensaures  Kali 14,00 

Cyan-Eisen-Kalium 1,54 

Thon-  und  Kiesel-Erde 5,68 

Wasser 5^57 

Verlust  nebst  kleinen  Mengen  von  Rhodon-Kalium,  Schwefel-Natrium 

Schwefel-Kalium  und  Spuren  von  Jod-Natrium        4,30 

100,00 
Der  aussergewöhnliche  Gehalt  an  kohlensaurem  Natron  und  der  sehr  ge- 
ringe Gehalt  an  schwefelsaurem  Natron  verleihen  der  Soda  der  Araxes- 
Ebene  eine  sehr  wichtige  technische  Bedeutung,  welche  durch  die  Leich- 
tigkeit, womit  die  rohe  Soda  jährlich  in  jeder  beliebigen  Menge  im  ganzen 


91 

Gebiet    der    Aruxes-Ebene    erzeugt    werden    kann ,    noch    bedeutend    er- 
höht wird. 


A.  Breithaitpt:  über  den  Konichulzit  (Poggend.  Ann.  LXXVII, 
139  ff.).  Gelinder  Glas-Glanz.  Mittel  zwischen  Pistazien-  und  Smaragd- 
grün. Strich  ebenso.  An  den  Kanten  durchscheinend.  Nieren-förmig  und 
in  Gang-Trümmern.  Bruch  splitterig,  in  krystallinisch- feinkörnige  Zusam- 
mensetzung übergehend.  Spröde.  Härte  =  5'/^  — S'/v  Kigenschwere 
=  4,123.  Die  dem  Stück  beiliegende  Etikette  gibt  „Hinojosa  de  Cordova 
en  Andalucia"  als  Fundort  an.  Als  Begleiter  erscheint  in  Hornstcin  über- 
gehender Quarz.     F.  VV.  Fritsche  fand  als  Gehalt: 

Kupfer-Oxyd     .     .     .     31,76 

Kalkerde      ....     21,36 

Arsen-Säure     .     .     .     30,68 

Vanadin-Säure      .     .       1,78 

Pho.sphor-Säure     .     .       8,81  ' 

Wasser 5,61 

100,00 


Delesse:  Analyse  eines  Schiefers  mit  Talkerde-Basis  von 
Villa  Rata  am  Po  {Ann.  d.  Min.  d,  ÄIV ,  78  ss.).  Das  Gestein  zeigt 
sehr  dünne  einander  parallele  und  stark  Ziikzack-förmig  gebogene  Blätter- 
Lngen,  zwischen  denen  man  mitunter  mikroskopische  Magneteiscn-Adern 
bemerkt ,  und  hin  und  wieder  vorhandene  kleine  regellos  gestaltete  Höh- 
lungen enthalten  Dolomit-Krystalle.  Farbe  grün  ins  Graue  ;  in  dünnen 
Blättern  durchscheinend.  Mit  dem  Messer  leicht  zu  schaben  und  zu  zer- 
reiben. Fett  anzufühlen.  Eigensrhwere  =  2,644.  Vor  dem  Löthrohr 
sehr  schwierig  und  nur  in  dünnen  Splittern  schmelzbar  zu  weiss-grauem 
Glase.  Lässt  in  Phosphor-Salz  ein  kleines  Kiesel-Skelett  zurück.  Wird 
durch  Säure  ziemlich  leicht  angegriffen.  Zwei  Analysen  ergaben  im  Mittel- 
Verhältniss: 

Kiesel-Erde      .     .     .     41,31 

Thonerde      ....       3,22 

Chrom-Oxyd     .     .     .      Spur 

Eisen-Protoxyd      .     .       5,54 

Mangan-Protoxyd      .     Spui" 

Talkerde      ....     37,61 

Wasser 12,06 

99,57 
und  weisen  darauf  hin,  dass  die  fragliche  Felsart  als  ein  schiefriger  Ser- 
pentin zu  betrachten  sey. 


92 

N.  J.  Beklin  :  Zerlegung  des  Tliulifs  von  der  Eisengrube 
Klodeberg  bei  ^renrfffi  (Poggend.  Ann.  LXXVUl,  414).  Derb,  im  Bruche 
splitfrjg,  rospnro(h.  Vorkommen  im  Magneteisen.  Eigenschwere  =  3,34. 
Gehalt  : 

Kieselsäure      .     .     .     40,28 

Thonerde     ....     31,84 

Eisen-Oxyd      .     .     .        1,54 

Kalk-Erde    ....     21,42 

Talk-Erde    ....       0,66 

Mangan-Oxydul    .     .        0,95 

Vanadin-Säure      .     .       0,22 

Gliih-Verlust     .     .     .        1,22 

Alkali unbestimmt 

98,23 
Hieraus  lässt  sich  die  Formel  des  Epidots  berechnen,   dessen  rothc  Varie- 
tät Thulit  genannt  worden  ist. 


V.  V.  Zepharovich  :  Pse  u  do  m  er  ph  ose  von  Wei  ss-BI  ei  erz  nach 
Bleiglanz  von  Beresotcsk  in  Sibirien  (Haipiivg.  Berichte  über  die 
Mittheil,  von  Freunden  der  Natur-Wissensch.  in  Wien,  VI,  121  ff.).  Auf 
der  Hand-Stuffe,  die  zur  Untersuchung  diente,  sieht  man  Weissblei  und 
Bleiglanz  noch  vollkommen  frisch.  Der  Bleiglanz  ist  von  Theilungs- 
Richtungen  nach  den  Hexaedor-Flärhen ,  die  sich  auch  zu  Spalten  und 
Klüften  erweitern,  durchzogen.  Es  ist  eine  derbe  Varietät  ohne  freiste- 
hende Krystalle.  Daher  erscheint  auch  das  Weissblei  pseudomorph  nach 
jenem  in  würfligen  Formen,  d.  h.  in  solchen,  die  durch  Flächen  der  Theil- 
barkeit  begrenzt  sind.  Es  sind  durch  Spalten  getrennte  Würfel,  die  das 
Ansehen  von  Krystallen  gewonnen  haben. 

Das  Weissblci  als  solches  ist  charaktcrisirt  durch  seine  Härte,  Farbe, 
Diamant-Glanz,  Durchsichtigkeit,  Bruch  u.  s.  w.  Dem  Äussern  nach  sind 
die  Würfel  entweder  von  gelblich-weisser  oder  schwarzer  Farbe,  oder  sie 
sind  theiiweise  oder  ganz  mit  einer  röthlich-braunen  Rinde  überzogen.  Die 
Oberfläche  ist  dann  im  ersten  Falle  rauh,  schimmernd  oder  Diamant-artig 
glänzend.  Aber  in  den  andern  Farben-Abänderungen  ist  sie  matt.  Der 
grösste  von  den  lichten  Diamant  artig  glänzenden  Würfeln,  dessen  Kan- 
ten 4'"  lang  sind,  zeigt  bei  näherer  Betrachtung  eine  Zusammensetzung 
aus  parallel  unter  sich  und  mit  den  Hexaeder-Flächen  liegenden  Krystallen 
des  Weissblei-Erzps.  Ein  einzelnes  Individuum,  4'"  lang  und  l'/^'''  breit, 
tritt  an  der  Oberfläche  besonders  deutlich  hervor  und  lässt  ein  Prisma  mit 
horizontaler  Streifung  erkennen.  Aber  die  Krystalle  stossen  nicht  voll- 
kommen in  einer  Ebene  zusammen;  sie  zeigen  die  der  Zwillings-Bildung 
entsprechenden  einspringenden  Winkel:  auch  sind  sie  nicht  glattflächig,  und 
so  entsteht  die  rauhe  schimmernde  Oberfläche  d(r  Würfel.  An  den  best- 
erhaltenen schwarzen  und  röthlichen  Würfeln  kann  man  den  äusseren 
röthlichbrauncn  Überzug,    dann    eine    bleigraue  Schicht    beobachten.     Im 


93 

Innern  zeigt  sich  dann  entweder  zellig  zerfressener  Bleiglanz,  drusig  mit 
sehr  kleinen  Weissbleierz-Krystallen  besetzt,  oder  schon  ein  einziges  halb- 
durchsichtiges  Diamant  -  glänzendes  Individuum  von  Weissblei  füllt  den 
Raum  aus.  Aber  oft  sieht  man  diese  Rinden  leer,  gleich  viereckigen 
Fächern,  ohne  ausfüllende  Masse.  An  einigen  Punkten,  wo  durch  Risse 
und  Spalten  Raum  geboten  war,  sind  zarte  Nadcl-förniige  Krystalle  von 
Grünblei-Erz  in  Büschel  gruppirt  abgeselzt.  Auch  Roth-Bleierz  ist  an 
solchen  Stellen  zu  finden.  Der  noch  frische  unzersetzle  Bleiglanz  tritt 
keilförmig  zwischen  die  Massen  von  umgewandeltem.  Der  Libergang  zwi- 
schen beiden  ist  stetig  gebildet.  Als  Mitiel-GIieder  tieten  die  schwarzen 
Weiosblei-Würfel  auf.  Zu  beiden  Seiten  des  frischen  Blei-Glanzes  — 
ziemlich  an  dessen  Begreuzungs-Linien  —  haben  sich  breitere  Spalten 
gebildet,  die  nun  mit  Weiss-  und  Grün-Bleierz  erfüllt  sind,  beide  zum 
Theil  individualisirf.  Vom  Weissblei  erscheint  ein  grosser  glattflächiger 
Krystall  von  der  Länge  eines  halben  Zoll,  der,  sich  zweimal  unter  rechtem 
Winkel  um  Hexaeder-Kanten  biegend,  den  Kluft-Wänden  sich  anschliesst. 
Eine  wahrscheinliche  Erklärung  des  Herganges  der  Umwandlung  dürfte 

folgende  seyn:  Wir  finden  CFb  in  den  Formen  von  Pb :  es  ist  eine  Oxy- 
dation  und  Säuerung  eingetieten,  es  bildete  sich  ein  Salz  —  also  eine 
Veränderung  in  anogener  Richtung.  Die  röthlich-brauue  Rinde  i.st  Braun- 
Eisenstein,  Fe^  H'',  auch  ein  Produkt  in  anogener  Richtung;  ebenso  das 
Giün-Bleicrz  Pb  €1  +  Pb^¥.  Auch  Rolh-Bleierz  Tb  Cr  dürfte  auf  dem- 
selben Wege  entstanden  seyn.  Zuerst  wurde  also  auf  katogenem  Wege 
Bleiglanz  in  einem  Gange  gebildet.  Nun  wurde  durch  irgend  einen  Vor- 
gang die  Grbirgs-Masse  und  der  in  ihr  eingeschlossene  Gang  aus  der 
bisheiigen  Lage  gebracht  und  in  die  Höhe  gehoben.  Eine  Folge  davon 
war,  dass  die  Gestein-Massen  aus  höherer  Temperatur  in  eine  niedrigere 
versetzt  wurden  und  daher  einer  Abkühlung  unterlagen,  die  nicht  ohne 
Rückwirkung  bleiben  konnte.  Es  erfolgte  eine  allgemeine  Zusammenzie- 
hung der  Massen,  die  in  höherer  Temperatur  auch  mehr  Raum  einnahmen 
—  es  bildeten  sich  Spalten  und  Sprünge  in  allen  Richtungen.  Dasselbe 
geschah  im  Bleiglanz-Gange.  Durch  die  neue  Lage,  in  der  sie  sich  aber 
jetzt  befand,  wurden  neue  Verhältnisse  angebahnt.  Wasser  konnte  durch 
die  Klüfte  eindringen  und  theils  durch  seine  Elemente,  theils  durch  die 
aufgelösten  Stoffe  die  neuen  Verbindungen  bewirken.  Es  wurde  zersetzt, 
sein  Sauerstoff  oxydirte  das  Blei  und,  da  es  wahrscheinlich  auch  Kohlen- 
säure enthielt,  so  waren  alle  Bedingungen  erfüllt,  um  kohlensaures  Blei- 
Oxyd  zu  bilden.  Früher  wurde  schon  die  röthliche  Rinde  von  Eisenoxyd- 
Hydrat,  welche  die  Erhaltung  der  würfeligen  Formen  bewirken  konnte, 
abgeKCtzt.  Phosphor-Säure  und  Chrom  Säure,  in  der  Auflösung  mit  enthal- 
ten, kamen  hinzu  und  verbanden  sich  mit  dem  Blei-Oxyd  zu  Grün-  und 
Roth-Bleierz.  Der  Schwefel  wurde  in  allen  Fällen  aus  seiner  früheren 
Verbindung  verdrängt  und  mit  dem  Wasser- Stoffe  als  Schwefel-Wasserstoff 
hinweggeführt.  Die  Einwirkung  durch  das  Wasser  geschah  nur  allmäh- 
lich und  erfolgte  zuerst  in  den  Spalten  zwischen  den  Bleiglanz-Würfeln; 
ein  so  grosser  Krystall,    wie    der  oben    beobachtete,    setzt    offenbar  eine 


94 

langte,  rHlnge  Periode  zu  seiner  Bildung  voraus.  Die  Spalt«*,,  in  der  er 
erscheint,  lässt  sich  auf  der  ganzen  Handstuffe,  immer  zwischen  Wurfein 
sich  hinziehend,  verfolgen.  Von  diesem  Hauptkanale,  von  welchem  aus  die 
Veränderung  erfolgte,  verzweigen  sich  durch  engere  Ri.sse  Seitenarme, 
die  bald  alle  Bleiglanz-Würfel  umschlossen  hatten;  diese  erscheinen  dann 
auch  in  den  versciiicdenen  Stadien  der  Ümwandelung,  welche  immer  von 
Aussen  nach  Innen  vorschritt. 


B.      Geologie  und  Geognosie. 

Elie  de  Be »umont :  Note  über  die  Wechsel-Beziehnngen  der 
Richtungen  der  verschiedenen  Gebirgs-Systeinc  (C'ompt.  rend. 
1850,  Sept.  9:  XXXI,  325  —  338).  Wir  können  nicht  umbin  das  Interesse 
unsrer  Leser  auf  eine  schöne  und  folgenreiche  Entdeckung  des  geist- 
reichen Vfs.  zu  lenken,  von  welcher  er  selbst  mit  ebensoviel  Genug- 
thnung  spricht,  als  ihr  sogar  von  wissenschaftlichen  Gegnern  desselben 
gezollt  wird.  Er  erstattete  der  Akademie  darüber  einen  Bericht,  welcher 
durch  Zeichnungen  und  Modelle  erläutert  war;  aber  wir  haben  nur  jenen 
Bericht  ohne  diese  Erläuterungen  vor  uns  und  bezweifeln  daher  sehr,  ob 
es  überall  gelingen  werde,  das  Wesen  jener  Entdeckung  durch  eine  Über- 
setzung oder  gar  nur  einen  Auszug  des  Berichtes  zur  klaren  Anschauung 
zu  bringen. 

•Man  kennt  jetzt  in  West-  und  Süd-Europa  20  Gebirgs-Systeme :  das 
der  Vendee,  des  Finistere ,  des  Lonffmi/nd'S,  des  Morbihaii's ,  des  Htins- 
ruc/lf'*,  der  Belchens,  des  Fore«',?,  Nord- Englands,  der  Niederlande,  des 
Rheines,  des  Thüringer  Waldes,  der  Cöte-d^or.  des  Montviso''s,  der  Pyre- 
näen, der  Tatra,  des  Sancerrois,  der  West-Alpett,  der  Haupt-Alpen  und 
des  Tenare's,  welche  nach  Alter  und  Richtung  genau  bestimmt  sind,  und 
denen  man  als  21.  System  noch  das  des  Vercor\t  beigesellen  kann,  wel- 
ches weniger  alt  als  die  untre  Kreide,  übriüens  aber  noch  nicht  genau 
bestimmt  ist.  Dükocher  hat  noch  einige  andre  in  Skandinavien  nachge- 
wiesen, mit  denen  sich  der  Vf.  noch  nicht  beschäftigen  konnte^  er  zweifelt 
aber  nicht  daran,  dass  man  in  Europa  noch  mehr  entdecken  werde.  Jedes 
dieser  Systeme  wird  auf  der  Oberfläche  der  Erdkugel  dargestellt  durch 
einen  grössten  Zirkel,  dessen  Richtung  nach  der  Weltgegend  in  irgend 
einem  Punkte  genau  in  Graden  ausgedrückt  ist.  Jeder  von  diesen  21 
grössten  Kreisen  schneidet  jeden  der  20  andern  unter  einem  besondern 
Winkel,  woraus  mithin  210  verschiedene  Winkel  entstehen,  die  der  Vf. 
genau  bestimmt  hat.  indem  er  nun  versuchte,  sie  alle  auf  ein  Papier  aufzu- 
tragen, so  dass  sie  nach  zunehmender  Weite  ihrer  Öffnung  von  9**  bis  von 
90**  aufeinander  folgten,  bemerkte  er  mit  Verwunderung,  dass  sie  eine  be- 
schränkte Anzahl  von  Gruppen  mit  fast  gleicher  Weite  bildeten,  zwischen 
welchen  dann  wieder  weite  Lücken  blieben,  so  dass  Diess  nicht  zufällig 
schien.     Schon  vor  20  Jahren   hatte  er  beobachtet,   dass   Gebirgs-Systeme 


05 

von  unglelrhem  Alter  oft  wieder  eine  fast  gleiche  Riclitung;  liaben ;  er 
nannte  die  Ersclieinunn^  „Recurri'tice  pe'riodique  des  dircctions*';  jetzt 
sah  er  sich  durch  die  neue  Erscheinung  der  Schnitt-Winkel  wieder  daran 
erinnert.  Nach  manchen  Versuchen  wurde  er  auf  folgenden  Weg  der 
Lösung;  geleitet. 

Bekanntlich  kann  man  durch  15  grösste  Kreise,  die  sich  zu  5  und  5 
an  12  Stellen  der  Oberfläche  einer  Kugel  unter  Winkeln  von  36"  schnei- 
den, diese  in  20  gleichseitige  Dreiecke  und  zugleich  12  regelmässige 
sphärische  Fiinlecke,  oder,  um  es  deutlicher  auszudrücken,  in  120  recht- 
winkelige ungleichseitige  Dreiecke  theilen,  welche  sich  paarweise  an 
Oberfläche  gleich  und  symmetrisch  sind  und  sich  beliebig  in  30  Rauten- 
Flächen,  in  20  gleichseitige  Dreiecke  und  in  12  sphärische  Fünfecke  zusam- 
men-geordnet  denken  lassen.  Da  unter  diesen  Figuren  die  letztgenannten 
nachiier  die  wichtigste  Rolle  spielen  werden,  so  nennt  der  Vf.  das  Flä- 
chen-Netz, welches  durch  jene  15  primitiven  und  eine  weitre  Anzahl  ihnen 
noch  beizugesellender  grüsster  Kreise  entsteht,  das  Pc  n  t  ago  na  1-Netz". 
Jene  15  Primiiiv-Kreise  begegnen  siih  in  den  3  Winkeln  eines  jeden  der 
120  ungleichseitigen  Dreiecke  der  Kugelfläche  unter  Winkeln  von  36", 
6o"  und  90°,  und  das  Grund -Netz  enthält  keine  andren  Winkel  als  diese 
drei  und  den  Winkel  von  72",  welcher  durch  Addition  des  ersten  zu  sich 
selbst  entsteht.  Diese  Winkel  genügen  also  noch  nicht,  um  die  manch- 
faltigen  Winkel  alle  darauf  zurückzuführen,  unter  welchen  sich  die  Ge- 
birgs-Systeme  der  Erd-Obei fläche  schneiden.  Um  sie  alle  zu  bilden,  wäre 
noch  eine  Anzahl  von  Hülfs-Kreisen  nothwendig,  welche  aber  mit  den 
Primitiv-Kreisen  doch  in  einer  gewissen  näheren  Beziehung  stehen  müss- 
ten.  B,  nahm  also  in  Betracht,  dass  jene  Primitiv-Kreise  des  Pentagonal- 
Netzes,  indem  sie  sich  unter  90"  schneiden,  „fünf  tii-rectanguläre  Systeme '■' 
bilden,  welche  mit  vollkommener  Regelmässigkeit  zusanimengeordnct  sind", 
und  dass  die  drei  Flächen  eines  jeden  dieser  Systeme  als  beziehungsweise 
parallel  zu  den  6  Fläciien  eines  Würfels  betrachtet  werden  können,  der 
seinen  Mittelpunkt  im  Mittelpunkt  der  Kugel  hat.  Er  erkannte,  dass  diese 
5  Würfel  nichts  andres  sind  als  die  5  Stellungen  eines  und  desselben 
Würfels,  welcher  sich  von  einer  beliebigen  ersten  Stellung  aus  um  l8o" 
um  jede  seiner  4  Diagonalen  drehen  würde.  Er  stellte  sich  endlich  diesen 
Würfel  in  jeder  der  5  Stellungen  als  den  Kern  eines  regelmässigen  Kry- 
stall-Systems  vor,  das  aus  Flächen  des  Oktaeders,  Rhomboidal-Dotekae- 
ders  und  aller  Pentagonal-Dodekaeder,  Trapezoeder  u.  s.  w.,  die  da.s  re- 
gelmässige KrystallSystem  in  unbegrenzter  Anzahl  enthält,  zusammenge- 
setzl  wäre.  Indem  er  sich  nun  durch  den  Mittelpunkt  der  Kugel  viele 
Ebenen  parallel  zu  den  verschiedenen  Flächen  aller  dieser  Krystall-Typen 
dachte,  erhielt  er  eine  ausserordentliche  Anzahl  gröbster  Zirkel  auf  der  Ober- 
fläche, welche  mit  vollkommener  Regelmässigkeit  zu  einander  in  der  Art 
von    Symmetrie    geordnet   sind,    welche    dein   primitiven    Pentagonal-Netz 


♦    Der  Vf.  verweist  im  Laufe  der  Abhandlung  auf  andre  Schriften,  wo  er  diesen  Am- 
druck erklärt  und  die  Wichtigkeit  solcher  Systeme  Huseinandergeset/.t  habe. 


96 

entspricht.  Die  Gesammtlicit  dieser  unendlichen  Zahl  von  Kreisen  nennt 
'er  das  vollständige  Pen  t  ag  on  a! -Ne  tz  ,  welches,  wie  vielfach  auch 
die  sich  schneidendei)  Fläclien  seyn  mögen,  den  Winkel-Raum  um  den 
Mittelpunkt  mit  grosser  Symmetrie  und  eigenthümlicher  Rcgclmässigkeit 
theilt.  Als  sich  B.  hierauf  an  die  logarithmische  Berechnung  der  hiedurch 
gebildeten  Winkel  machte,  sah  er  sogleich  die  Mehrzahl  der  in  der  Natur 
beobaciiteten  daraus  hervorgehen.  Er  begann  damit  die  Winkel  zu  be- 
rechnen, welche  mit  den  Primiliv-Krcisen  des  Netzes  oder  unter  sich  die- 
jenio-cn  Kreise  bilden,  welche  den  am  einfachsten  gestellten  Fläclien  des 
regelmässigen  Krystall-Systems  entsprechen,  dann  jene  die  sich  auf  die 
Flächen  des  Oktaeders  beziehen  (okfaedrische  Kreise),  und  endlich  diejeni- 
gen, die  dem  Rhombendodekaeder  entsprechen  (Rhombendodekaedrische 
Kreise).  Jeder  Würfel  hat  sein  Oktaeder,  mit  8  zu  2  und  2  parallelen 
Flächen,  was  mithin  4  oktaedrische  Kreise  für  jeden  der  5  Würfel  gibt. 
Im  Ganzen  aber  kommen  doch  nur  10  statt  20  oktaedrische  vor,  weil  die 
Oktaeder-Flächen  senkrecht  auf  den  Diagonalen  des  Würfels  sind  und 
daher  irgend  welche  zwei  von  den  5  Oktaederti  je  einen  ihrer  Kreise  in 
eine  gemeinschaftliche  Ebene  zusammenfallen  lassen.  Jeder  Würfel  hat 
auch  sein  Rauten-Dodekaeder  mit  12  paarweise  parallelen  Flächen,  was 
für  jeden  der  5  Würfel  6  und  also  im  Ganzen  30  verschiedene  Rauten- 
Dodekaeder-Kreise  gibt.  Diese  mit  den  10  oktaedrischen  und  15  primiti- 
ven Kreisen  zusammen  geben  schon  55  Kreise.  Die  Schnitte,  welche  diese 
55  Kreise  miteinander  machen,  haben  fast  alle  durch  die  Beobachtung  ge- 
gebenen Winkel  oder  wenigstens  diejenigen  von  ihnen  geliefert,  welche 
mehr  als  20*^— 30*'  haben,  indem  die  Beobachtung  die  kleineren  nicht  hin- 
reichend genau  liefern  kann.  Wenn  die  berechneten  Winkel  auch  nicht  ganz  voll- 
kommen mit  den  beobachteten  übereinstimmten,  so  bildeten  sie  doch  nahezu  oder 
genau  dieselben  Gruppen  wie  diese,  so  dass  sie  als  die  mittlen  Werthe 
betrachtet  werden  können,  welche  nur  wegen  Unvollkommenheit  der  Be- 
obachtung etwas  abweichen.  Sie  entsprechen  den  beobachteten  sowohl 
an  Werth  wie  in  Gruppirungs-Weisc    in  einem  merkwürdigen  Grade. 

Indessen  war  unter  den  berechneten  Winkeln  eine  gewisse  Anzahl, 
die  sich  in  der  Natur  nicht  finden  und  zum  Theil  in  die  Zwischenräume 
zwischen  den  Gruppen  mitten  hinein  fallen.  Diess  erklärt  sich  aber  leicht 
durch  folgende  Gründe.  1)  Wenn  das  theoretische  Netz  auch  vollständig 
auf  der  Erd-Oberfläche  existirte,  so  wüssten  wir  doch  noch  gar  nicht,  ob 
der  in  Betracht  genommene  Theil  von  Europa  auch  wirklich  einem  von 
den  120  rechteckig  ungleichseitigen  Dreiecken  ganz  entspreche,  welche 
durch  die  15  Frimitiv-Kreise  gebildet  werden;  selbst  wenn  es  in  3  und 
mehr  dieser  Dreiecke  hinreichte,  könnte  es  doch  vielleicht  in  keinem  von 
ihnen  z.  B.  die  Gegend  des  rechten  Winkels  decken.  2)  Kennt  man  wahr- 
scheinlich noch  gar  nicht  alle  in  jenem  Theile  von  Europa  vorhandenen 
Gebirgs-Systeme.  3)  Ist  es  nicht  bewiesen,  dass  die  Natur  wirklich  alle 
möglichen  Kreise  einer  Kategorie  ausgeführt  habe;  irgend  welche  Ur- 
sachen könnten  hindernd  geworden  seyn.  4)  Endlich  und  hauptsächlich 
scheint  eine  jede  der  beobachteten   Berstungen    der   Erd-Kruste    sich   nur 


97 

auf  die  halbe  Ausdehnung  eines  giösslen  Kreises  zu  erstrecken  (gewisser- 
massen  an  Heniiedrie  erinnernd):  es  könnte  also  wirklich  jeder  Thcil  der 
Erd-Oberfläche  nur  die  Hälfte  der  für  ihn  theoretisch  berechneten  Gebirgs- 
Systenic  und  mithin  auch  nur  einen  Theil  der  für  ihn  berechneten  Winkel 
zeigen;  und  mechanische  Gesetze  selbst  könnten  die  Ursaciie  der  Unter- 
drückung gewisser  geometrisch  beiechneten  Winkel  seyn.  Das  Nichtvor- 
komnien  eines  kleinen  Thcils  der  so  bereciineten  Winkel  würde  also  der 
vom  Vf.  aufgestellten  Erklärung  keinen  Eintrag  thun. 

Als  indessen  der  Vf.  die  theoretisch  gefundenen  55  Kreise  auf  der 
Erdoberfläche  selbst  aufzusuchen  begann,  sah  er  bald,  dass  noch  immer 
einige  beobachtete  Bcrstungs-Kreise  voiiianden  waren,  denen  keiner  der 
berechneten  entsprechen  wollte.  Er  fügte  daher  noch  mehre  Hülfs-Kreisc 
hinzu,  nämlich  zunächst  jene,  welche  einem  Pentagonal-Dodekacder  ent- 
sprechen, dessen  Flächen  mit  denen  des  Würfels  Winkel  von  8"  18'  2"  6 
bilden  und  in  dem  Gesammt-Netze  sehr  meikwürdige  Stellungen  einneh- 
men. Da  das  Pentagonal-Dodekacder  nur  in  Folge  einer  Heniiedrie 
zwölfflächig  ist,  wodurch  die  Hälfte  seiner  Flächen  unterdrückt  worden 
(so  dass  er  eigentlich  24  sich  paarweise  parallele  bcsässe),  so  mussten  für  je- 
den der  5  Würfel  auch  wirklich  12  Flächen,  im  Ganzen  also  60  Flächen 
und  deren  Kreise  noch  in  Rechnung  gezogen  werden,  was  mit  den  frü- 
heren 55  zusammen  115  Kreise  ergibt.  Die  hiernach  neu  berechneten 
Winkel  schlössen  ebenfalls  sich  noch  grösstentheils  den  früheren  Gruppen 
an:  andre  fielen  in  die  freien  Zwischenräume  zwischen  denselben;  aber 
sie  reichten  noch  immer  nicht  aus,  und  namentlich  gaben  sie  öfters  für 
den  Zweifel  Raum,  ob  man  berechtigt  sey,  die  berechneten  Winkel  trotz 
gewisser  Abweichungen  für  die  wirklichen  Stellvertreter  der  beobachteten 
zu  hallen  oder  nicht. 

Hiedurch  sah  sich  B.  genöthigt,  noch  andre  mit  jenem  Flächen- 
Systeme  in  Verbindung  zu  bringende  Kreise  zu  Hülfe  zu  nehmen  und 
ihre  Winkel  ebenfalls  zu  berechnen ,  nämlich  diejenigen  der  Kreise, 
1)  welche  einem  Pentagonal-Dodekacder  entsprechen,  dessen  eine  Fläche 
durch  eine  Kante  eines  Würfels  geht,  der  von  demjenigen  verschieden 
ist,  auf  welchen  er  sich  stützt,  und  dessen  Flächen  mit  denen  dieses  letzten 
Winkel  von  31"  43'  3"  6  bilden;  2)  welche  einem  andern  Pcntagonal-Do- 
dekaeder  entsprechen,  dessen  eine  Fläche  durch  Hie  Diagonale  eines  Wür- 
fels geht,  der  von  demjenigen  verschieden  ist,  auf  %ve!chen  er  sich  stützt 
und  dessen  Flächen  mit  denen  des  letzten  Winkel  von  20"  54'  18"  6  bil- 
den; 3)  welche  einem  Trapezocder  entsprechen,  dessen  Flächen  senkrecht 
sind  zu  jenen  des  Oktaeders  und  mit  denen  des  Würfels  Winkel  von 
7"  45'  40"  5  bilden  ;  4)  endlich  jene,  die  einem  andern  Trapezoeder  entspre- 
chen, dessen  Flächen  mit  denen  des  Würfels  Winkel  von  15°  31' 21"  bil- 
den. Auch  die  aus  diesen  Kreisen  sich  ergebenden  Winkel,  so  weit  sie 
B.  bereits  berechnet  hat,  gruppircn  sich  vorzugsweise  um  die  duich  Be- 
obachtung gefundenen. 

Da  es  aber  nun  möglich  ist,  dass  diese  Eigenschaft  den  Winkeln  auch 
noch  andrer  regelmässig  in  das  System  einzutragender  Kreise  zukommea 
Jahrgang  1851.  7 


98 

könne,  so  erkannte  B.  zuletzt  die  Nothwendigkeit,  dieselben  alle  zu  be- 
rechnen, um  zu  erfahren,  ob  sich  darunter  noch  besser  entsprechende 
würden  finden  lassen,  als  unter  den  bisherigen.  Das  ist  aber  eine  noch 
sehr  lange  Arbeit,  indem  sich  die  Zahl  der  Winkel  reissend  schnell  durch 
die  Vennehrung  der  Kreise  vervielfältigt;  sie  wird  so  gross  werden, 
dass  sich  gewiss  für  jeden  der  beobachteten  Kreise  ein  Vertreter  wird 
auffinden  lassen. 

In  der  Mineralogie  kann  man  alle  Flächen  eines  Krystalles,  wie  zu- 
sammengesetzt er  auch  seyn  mag,  durch  passend  gewählte  Abnahmen 
[Entecknngen ,  Entkantungen]  hervorbringen,  wenn  man  die  Grundform 
genau  kennt.  In  der  Geologie  würden  also  die  15  Primitiv-Kreise  des 
Pentugonal-Netzes  durch  ihre  Vereinigung  die  Piimitiv-Form  des  Netzes 
der  Gcbirgs-Systeme  vorstellen,  und  die  Hülfs-Kreise  würden  den  Abnah- 
men  entsprechen  und  die  abgeleiteten  Formen  ergeben.  Wenn  man  die  Be- 
rechnung der  Dreiecke  des  PcntngonalNetzcs  ganz  vollendet,  so  trifft 
man  oft  auf  Bogen,  deren  Ausdruck  in  Graden,  Minuten  und  Sekunden 
genau  mit  dem  gewisser  Winkel  des  Netzes  übereinstimmt,  woraus  sich  für 
diese  Bogen  eine  Bruchtheilung  in  bestimmte  Theile  ableiten  lässf,  der 
man  eine  gewisse  Analogie  mit  der  Theilung  nach  einfachen  Verhältnissen 
nicht  absprechen  kann,  welche  eine  der  wesentlichsten  Basen  der  Kry- 
stallographie  ausmacht.  Wie  zahlreich  endlich  auch  die  in  die  geologische 
Sphäre  einzuführenden  Kreise  seyn  mögen,  so  wird  nichts  leichter  seyn, 
als  die  verschiedenen  Reihen  derselben  durch  eine  ähnliche  Bezeichnungs- 
Weise  vorzustellen,  als  man  in  der  Krystallographie  und  Chemie  einge- 
führt hat,  und  jedes  Gebirgs-System  durch  eine  aus  2  —  3  Zeichen  zusam- 
mengesetzte Formel  anzudeuten. 

Ein  Theil  der  Kreise  des  Pentagonal-Netzcs  ordnet  sich  um  die  Mit- 
telpunkte und  Scheitel  der  Pentagone,  so  dass  hiedurch  eine  Art  von  „Causti- 
ques"  entsteht,  deren  Gestaltung  vielleicht  begreiflich  machen  wird,  warum 
gewisse  Berg-Ketten,  wie  die  des  Juras  und  der  Alpen,  im  Ganzen  gebogen 
sind,  obwohl  sie  aus  geradlinigen  Elementen  bestehen.  Das  Pentagonal- 
Netz  bietet  eine  grosse  Zahl  von  Punkten  dar,  wo  die  verschiedenen  Sy- 
steme sich  in  mehr  oder  weniger  grosser  Anzahl  kreutzen,  worunter  82 
eine  besondere  Aufmerksamkeit  verdienen,  wie  deren  einige  Pissis  [Jb. 
1849,  352]  auch  auf  der  Erdkugel  schon  nachgewiesen  hat.  Die  Anwen- 
dung des  Pentagonal-Netzes  auch  auf  den  Mond  würde  von  Interesse  seyn, 
wenn  er  uns  nicht  immer  die  nämliche  Seite  zukehrte  und  uns  in  dieser 
Projektion  nicht  alle.  Kreise  als  Ellipsen  erscheinen  Hesse,  wesshalb  jener 
Anwendung  weitre  Vorarbeiten  vorangehen  müssen. 

B.  zeigte  der  Akademie  einen  Erd-Globus  vor,  worauf  ein  bewegliches 
Netz  aus  20  gleichseitig  dreieckigen  Maschen,  eine  Anzahl  ebenfalls  be- 
weglicher aber  unter  sich  fest  verbundener  Primitiv-Kreise,  oktaedrische 
und  rautendodekaedrische  Hülfs-Kreise  angebracht  waren,  welche  ihrer 
geringen  Zahl  ungeachtet  bei  mehrfachen  Verschiebungen  sofort  das  Zu- 
sammentreffen der  Berechnungen  mit  den  Beobachtungen  auf  die  schla- 
gendste Weise  darthateu.    Nach  dieser   vorläufigen  Darlegung  des  Gefun- 


99 

denen  soll  die  Hanpf- Arbeit  des  Vfs.  erst  erscheinen,  wenn  er  alle  seine 
Reclinungon  beendet  liabon  wird. 

Betracblet  man  die  Re|>clinässigkeit  der  Vertlieilung  und  Richtung  der 
Gebirg;s-Systome  des  Vfs.,  wie  sie  es  walirschciiilich  ist,  als  die  Folge 
der  fortschreitenden  Abkühlung  und  Zusammonziehung  des  Inneren  der 
Erdkugel,  so  hätte  sie,  obwohl  bei  ihr  keine  Entfernung  der  sich  trennen- 
den Theiic  von  einander  eintritt,  eine  gewisse  Analogie  mit  der  Trennung 
des  Basaltes  in  3-,  4-  und  6-sei(igen  Säulen.  Das  Pentagonal-Netz  zer- 
fällt zwar  in  Fünf-  (statt  in  Sechs-)  Ecke,  weil  überhaupt  die  gewölbte 
Fläche  der  Kugel  vollstäudig  nur  in  gleichseitige  Dreiecke  und  in  Fünf- 
ecke theilbar  ist,  während  eine  Ebene  vollständig  in  Drei-,  Vier-  und 
Sechs-Ecke  aufgelöst  werden  kann,  unter  welchen  für  die  Theilung  der 
Basalt-Säulen  das  sechsseitige  Prisma  den  geringsten  ünifnug  im  Ver- 
hältniss  zum  Inhalte  besitzt.  Die  15  Kreise,  welche  die  Oberfläche  der 
Kugel  in  12  regelmässige  Fünfecke  theilcn,  besilzen  die  Eigenschaft  des 
kleinsten  Umfangs.  wodurch  sie  zu  Linien  der  leichte.Hleii  Beistung  wer- 
den. Wären  alle  Risse  in  der  Erd-Rinde  gleichz-eilig  eutslnnden.  so  wür- 
den vielleicht  nur  die  15  Primitiv-Kreise  zum  Vorscliein  gekommen  seyn. 
Da  sie  aber  nacheinander  ents  unden,  so  waren  die  Hülfs-K reise  vielleiiht 
nolhwendig  aU  Übergänge  von  einem  Piimitiv-Kreise  zum  andei  n.  Alle 
zusammen  stellen  vielleicht  ein  Klavier  dar,  worauf  die  unermüdlich  thä- 
tige  Natur,  seitdem  die  Abkühlung  der  Erd-Kugel  begoinien  hat.  eine  Ait 
sekulärer  Harmonie  aufspielt! 


C.  Prevost  :  Bemerkungen  ü  b  e  r  v  o  r  a  n  g  e  h  e  n  d  e  A  b  h  a  n  d  1  u  n  g 
(a.  a.  O.  S.  437  —  44-1).  Pr.,  welcher  bekanntlich  in  mancher  Beziehung  als 
Gegner  de  Beaumont's  auftritt,  zollt  dieser  neuen  Entdeckung  die  höchste 
Anerkennung,  um  sofort  zu  zeigen,  dass  diejenige  Ansicht  desselben,  deren 
Prüf-  und  Schluss-Stein  sie  geworden  ,  eigentlich  nichts  anderes  enthält, 
als  was  er  seit  25  Jahren  gelehrt  hat.  Nachdem  sich  L.  v.  Buch  von 
dem  Austritt  älterer  Gesteins-Massen  aus  dem  Erd-Inncren  in  heissflüssi- 
gem  Zustande  in  Skandinavien  u.  s.  w.  überzeugt  hatte,  war  man  geneigt 
die  Aufrichtung  der  Schichten  und  die  Hebung  der  Gebirge  einem  solchen 
Austiitte  zuzuschreiben.  Die  Einen  Hessen  Diess  geschehen  in  Folge  eines 
Aufwärtsstrebens  der  flüssigen  Materie  von  unten  nach  oben  gegen  die 
darüber  befindliche  schon  erstarrte  Decke,  ohne  genügenden  Grund  für  die 
Sache  selbst  zu'  haben  und  ohne  für  die  Verthcilungs- Weise  solcher  Aus- 
brüche einen  andren  Plan  angeben  zu  können,  als  nach  zufällig  zerstreuten 
Punkten  und  Linien  des  kleinsten  Widerstandes  der  Erd-Rinde.  Die  Andren 
aber  und  unter  ihnen  der  Vf.  belrachteten  nach  Deluc's  Vorgänge  die  Risse 
der  Erd-Rinde  als  Folge  von  Senkungen,  deren  genügende  Ursache  die  Zu- 
sammcnziehung  der  sich  abkühlenden  Erde  wäre,  wobei  sie  sich,  den  Ge- 
.selzen  der  Mechanik  folgend,  nach  einem  symmetrischen  Plane  verthcilen 
müssen.  Diese  letzte  Ansicht  wird  soeben  vollkommen  bestätigt  durch 
Elie  de  Beaumont's  Entdeckung,  welcher  sich  zwar  Anfangs  (18X9)  über 

7  * 


100 

die  Ursache,  welche  die  Risse  der  Erd-Rinde  und  die  Erscheinung  der 
Gebirgs-Ketten  bedingte,  nicht  aussprach;  jedoch  schon  7553  bei  der  Über- 
setzung von  De  la  Beche's  Manual  keinen  Anstand  nahm,  die  Reliefs  des 
Bodens  mit  Falten  oder  Streifen  zu  vergleichen,  welche  auf  einer  starren 
Hülle  entstehen  miissten,  die  der  inneren  erkaltenden  3Iasse  auf  ihrem  Wege 
gegen  den  Mittelpunkt  der  Kugel  folgte.  Damit  war  er  selbst  Deluc's 
Theorie  der  „AflFaisements"  gefolgt,  ohne  es  noch  ausdrücklich  zu  gestehen, 
obwohl  er  selbst  und  Andre  später  noch  oft  genug  von  „Soulevenients"  spre- 
chen; eine  Ausdrucks-Weise  die,  wenn  auch  Viele  damit  nur  die  erste 
Vorstellung  bezeichnen  wollen,  doch  eben  so  unangemessen  ist,  als  ob 
man  bei  dem  Thiere  die  Bewegung  der  Gliedmassen,  älterer  Ansicht 
gemäss,  noch  immer  fort  als  eine  Folge  des  Anschwellens  statt  der  Zu- 
sammenziehung der  Muskeln  bezeichnete,  wenn  gleich  man  die  erste  Wir- 
kungs-Weise dabei  im  Sinne  hätte.  Da  nun  in  dem  ganzen  neuesten  Auf- 
satze DE  Beauimont's  der  Ausdruck  Soulevenients  nicht  ein  einiges  Mal 
wieder  vorkommt,  sondern  durch  „Ridcs"  und  „Ridement"  ersetzt  wird,  so 
stützt  Pr.  darauf  den  im  Eingang  bezeichneten  Schluss  zu  seinen  Gunsten, 
indem  er  gleichwohl  bemerkt  ,  dass  er  seit  langer  Zeit  den  Ausdruck 
„Dislocations"  angewendet  und  empfohlen  habe,  weil  derselbe  gar  keine 
Theorie  einschliessc. 

EuE  DE  Beaumokt  erklärt  aber  in  einer  spätem  Note,  sich  im  Gebrauche 
des  Worts  Hebung  oder  Aufhebung  der  Gebirge  nicht  beirren  lassen  zu  wol- 
len. Wirmitihm.  Denn,  wenn  auch  die  Grund-Ursache  der  Gebirgs-Hebung, 
wenn  die  allgemeine  Erscheinung  eine  Zusammenziehung,  eine  Senkung 
ist,  so  bleibt  doch  die  örtliche  Folge  davon,  wie  sie  in  der  Bildung  von 
Gebirgs-Ketten  sich  ausspricht,  wenigstens  in  der  Regel  eine  Hebung. 
Ausserdem  hat  das  einfachre] deutsche  Wort  nicht  den  BeibegriflF  „von  unten 
aus",  welchen  C,  Prevost  im  Französischen  „Soulevcment"  so  sehr  betont. 


A.  d'Orbigny:  über  die  fossilen  Reste  des  Terrain  danien 
oder  T.  pisolithique  {Bull,  ijeol.  1850,  Vif,  126—128-135).  Dieses 
Gebirge,  zwischen  Kreide-  und  Tertiär-Bildung  unter  dem  Thone  des  Pariser 
Beckens  gelagert,  gehört  noch  zur  Kreide,  obwohl  Charles  d'Orbigny  durch 
falsche  Bestimmungen  von  angeblich  tertiären  Arten,  die  man  ihm  lieferte,  ge- 
täuscht das  Pisolithen-Gebirge  als  tertiär  betrachtete.  Die  vom  Vf.  selbst 
untersuchten  oder  zugelassenen  Arten  sind  von  folgenden  Fundorten: 
b      =  Beynes  {Seine-et-Oise).  or    =  Orglande  (Manche). 

d     =  Dänemark.  p     =  Port  Marly  bei  St.  Germain, 

fa   =  la  Falaise  bei  Beynes.  r     =  Royan  (Charenle  inferieure). 

fx   =  Faxöe.  s      =  Schweden. 

la    =  Laver  sine.  si   •=.  Segur  (Oise). 

me  =  Meudon.  va  =  Valognes  (Manche). 

inr  =  Monier  au  (Seine-et-Oise).         ve    =   Verlus  (Marne). 
mv  =  Monlainville( Seine- et- Marne),    vi    =  Vigny  bei  Gisors  (Oise). 
Im  Originale  sind  den  Namen  noch  kurze  Notitzen  beigegeben,  mit  deren 
Hülfe  und  der  des  Fundortes  man  die  meisten  Arten  wird  erkennen  können. 


101 


Bc  lein  iii  tella. 
mucronata  d'O.  /x,  s. 

Nautilus. 
DanicuB  Schl.  fx,  /,  s,  vi. 
Hi-bertinus  d'O.  /"a,  mr,  mv. 

Bacul  i  tes. 
Faiijasi  Lk.  rf,  fx. 

T  u  r  r  f  t  p  1 1  a. 
supracrefacea  d'O.  m. 

Nati  ca. 
supracrefacea  d'O.  fa,  m,  p. 

Tr  och  u  s. 
polypliyllus  d'O.  fa. 
Gabrielis  d'O.  fa,  vi. 

Solarium. 
Danac  d'O.  fa,  m. 

Turbo. 
Gravc.sii  d'O.  fa. 

P  I  e  u  r  0 1 0  m  n  r  i  a. 
penultima  d'O.  fa. 

Ovula. 
cre(acca  d'O.  fa,  vi. 

(fun. :  Oliva  brandaris)       . 

Voluta  Lk. 
subfusiformis  d'O.  vi. 

Mi  t  ra  Lk. 
Vigiiyensis  d'O.  vi. 
Neptuni  d'O.  fa,  r,  vi. 

Fasci  ol  aria. 
prima  d'O.  fa. 
supracrefacea  d'O.  vi. 

C  e  ri  tli  i  um. 
Carolinum  d'O.  fa. 
Gaea  d'O.  fa. 
dimorplium  d'O.  fa,  sti. 
uniplicatum  d'O.  fa,  vc,  vi,  ine. 

C.  (jiganlCHin  (Lk.)  auctorum. 
Hebcrtianum  d'O    fa"  vi. 
Urania  d'O. 

I  n  f  u  n  d  i  b  u  I  u  m  Mf. 
snpracretareuni  d'O.  p. 

Cahjplraea    trocMfonnis  auefor, 

C  a  p  u  I  u  s  Mf. 

ornatissimus  d'O.  fa,  p, 

äff".  C.  spiriroslris. 

consobriiius  d'O.  fa,  vi. 

äff.  C.  cornucopiae. 


Em  argi  uula  Lk. 
crelacea  d'O.  fa. 

Helcion  Mf. 
Hebcrtana  d'O.,  fa,  vi. 

Crassatella  Lk. 
Bellica  [?]  d'O.  m,  vi. 

Cylherea  obliqua  auctor. 
pisolithica  d'O.  m. 

Cr.  tumida  auctor. 

Ca  r  di  ta  Brug. 
Hcbertana  d'O.  m,  p,  ve. 

L  u  c  i  n  a  Brug. 
supracrefacea  d'O.  m,  p. 
Lucina  grata  auctor. 

Corbis  Cüv. 
multilamellosa  d'O.  p,  ve. 

Lttcina  conlorla  auctor. 
sublamellosa  d'O.  tn,  p,  v. 

Ca  r  d  i  um  Brug. 
pisolithicum  d'O.  m,  p. 
Dutempleanum  d'O.  m. 
C.  porulosum  auctor. 

Area  L. 
supracrefacea  d'O.  fa,  vi. 
Merope  d'O.  p. 
Gravesi  d'O.  fa,  la,  m,  p,  vi. 

Mytilus  L. 
Phaedra  d'O.  fa. 

Lima  Brug. 
Carolina  d'O.  fa,  la,  m,  p,  vi. 

S  p  0  n  d  y  I  u  s  L. 
Aonis  d'O.  ta. 

C  h  a  m  a  L. 
supracrefacea  d'O.  fa,  m. 

Ostrea  L. 
Megaera  d'O.  fa. 
canaliculafa  d'O.  fa. 

Rhynclionella  Fisch. 
incurva  d'O.  fx. 

Terebruluta  i,  Schlth. 
Danica  d'O. 

Tcrebratula  Lhw. 
incisa  Münst.  fx. 


Pyrina  DsM. 
Freuchcni  Des.  fx. 


102 


Echinolampas  Gray.  microphyllia  d'O.  fa. 
Francci  Des.  or.  P  r  i  ouas  tra  c  a  EH. 

Clypeaster  oviformis  Defr.  supracretacea  dO,  fa. 

Diadem  a  Gray.  Phyllocoenia  EH. 

Heberti  Des.  or,  va.  Oceani  d'O.  fa. 

Cidaris  Lk.  Neptuiii  d'O.  /«. 
venulosa  Des.  *.  Astraea  Lk. 

Forchliammeri  His.  la,  tn,  s.  Calypso  d'O.  fa 

„  ...                ~.        ,r\  Po  I  y  t  r  c  ina  eis  d'O. 

Eliipsos  ni  1 1 1  a  d'O.  ,,->/•■ 

,^     -      ,  supracretacea  d  U.  fa,  in. 

supracretacea  d'O.  fa,  la,  wj,  p  ve.          '  '    ' 

_,,            .       ,„  L  n  al  I  ne  1 1  a  EH. 

Meuuonensis  d  O.  m.  ,,-.    ^ 

„    ,              1      1 1  .      D  reaulans  d  U.  fa. 

Calamophyllia  Blv.  ^                      ' 

Faxöensis  d'O.  fjc. 

CaryophylUa  F.  Beck.  Hippalinms  Lx. 

Astraea  Lk.  proliferus  d'O.  f.v. 

Hebertana  d'O.  fa.  Anlhophyllum  pr.  Gf. 

Unter  diesen  66  Arten,  einsclilicsslich  deren  von  Faxöe ,  ist  keine 
mit  denen  des  Pariser  Grobkalkcs  identisch:  selbst  die  mit  solchen  ver- 
wechselten Arten  haben  keine  grosse  Ähnlichkeit  damit.  Die  Fauna  im 
Ganzen  hat  das  Au.sschen  der  Kreide  Fauna,  welcher  zudem  Belomnitella, 
Baculites  und  Rhynchonella  bis  jetzt  ausschliesslich  angehöien.  Ja,  die 
Belemnitella  mucronata  zu  Fa.vöe  nach  Lyelt,  ,  Baculites  Fau- 
jasi  zu  Mastricht,  Fusus  Neptuni  u.kI  Ostrea  canalieulata  sind 
identisch  )nit  denen  der  weissen  Kreide  (Etage  senonien).  Nautilus 
Danicus  ist  Faxöe,  f.aversint'  und  Vigny  gemein    Im  Ganzen  sind  die  Arten 

gemein  zwischen  Senonien  und   Danien     ........     4 

eigen  im  Danien 62 

nämlich  gemein  zwischen  Frankreich  und  Schweden  ....         1 

eigen  in  Schweden  (Faxöe)        '.        8 

eigen  in  Frankreich 53 

4       62 

Hebekt  füi.t  bei,  dass  das  Pisolitlien-Gcbirge  auch  zu  Ambleville,  8 
Kilometer  W.  von  Ma^ni/ in  »S'e/ne-<!f-0/*c  voi  komme.  Das  Gestein  kann  mit 
der  Säge  gesclinitien  werd»'n  und  eihärtet  an  der  Luft.  Es  wird  von  Thonen 
bedi'ckt,  Wi'lche  eine  Wasserspiegel-Ebene  bilden,  offenbar  dem  Ligniten- 
Gcbiige  angehören  und  jenes  von  Grobkalk  trennen,  so  dass  auch  hier 
(gegen  eine  frühere  Angabe  des  Vfs.),  wie  bis  jetzt  überall,  der  Grobkalk 
nicht  unmittelbar  auf  dem  Pisoliihen-Gebiige  ruhet. 

C.  J.  Anorak:  g  e  o  g  n  os  t  i  sehe  Karte  der  Umgegend  von 
Halle,  in  fol. ;  Erläuternder  Text  zur  geogn  ostischen  Karte 
von  Hal/e  (98  SS.  8°,  Halle  1S50).  Man  hat  seit  1730  bereits  mehre 
geognostische  Beschreibungen  von  Halle  und  seiner  Umgegend;  die  letzte 
der  engeren  Umgegend  speziell  gewidmete  ist  die  durch  Veltheim  von 
1S'40,  welche  auch  im  miiicialogischen  Tascheiibuche  von  1822  abgedruckt 
ist.  Der  gegenwärtigen  liegt  ein  Masstab  von  55555  der  natürlichen  Grösse 
zu  Grund,  indem  sie  sich  2— 4  Stunden  Weges  rund  um  Halle  erstreckt  und 


103 

innerhalb  dieser  Grenzen  im  Stande  ist  auch  die  kleinsten  Details  aufzu- 
nehmen. Der  Text  zerfällt  in  2  Haupt-Theilc  ,  I.  in  die  Betrachtung  der 
Oberfläche  in  orographisch-geognostischer,  hydrographischer  und  pflanzen- 
geographischer Hinsicht,  was  25  Seiten  einnimmt,  und  IL  in  die  spezielle 
Betrachtung  der  geognostischen  Verhältnisse.  Die  Gliederung  ist  1)  Por- 
phyr-Bildung (massiger,  untrer,  obrer  Porphyr,  Porcellan-Erde ,  Quarz- 
Porphyr,  Porphyr-Konglomerat);  2)  Steinkohlen-Formation  bei  Giebichen- 
slein,  Dölau  und  Brachicil's  ,  mit  ihren  Grund-Gesteinen;  3)  das  Roth- 
Liegende:  4)  die  Zechstein-Formation  (mit  dem  Sool-Brunnen);  5)  der 
Bunte  Sandstein;  6)  der  Muschelkalk;  7)  die  Braunkohlen-Formation; 
8)  das  Diluvium.  Auf  S.  94—95  folgt  ein  Anhang,  die  Diagnosen  der 
neuen  Pflanzen-Arten  aus  der  Braunkohle  enthaltend,  und  S.  96  —  98  eine 
Zusammenstellung  der  bisherigen  Literatur.  Es  sind  hier  überall  nicht 
nur  die  Gesteine  von  Ort  zu  Ort  sorgfältig  geognostisch  beschrieben,  die 
durch  Bohrungen  und  Bergwerke  erlangten  Aufschlüsse  reichlich  benützt, 
Gänge  und  atisserwesenlliche  Gemengtheiie  hervorgehoben,  sondern  auch  die 
geologischen  Verhäitnis.se  sind  mit  grosser  Aufmerksamkeit  behandelt,  die 
nachweisbare  und  miilhmasliche  Entstehungs- Weise ,  die  Zersetzung  und 
Auflösung.  Wir  können  mit  dieser  Anzeige  nicht  weiter  ins  Einzelne 
gehen,  empfehlen  jedoch  hauptsächlich  den  lehrreichen  Abschnitt  von  den 
Porphyren  der  Aufmerksamkeit  des  Lesers.  Beachtenswerth  ist  auch  ins- 
besondere noch  das  Resultat  des  Versuchs,  das  Alter  der  erwähnten  Braun- 
kohle aus  den  Pflanzen  Resten  zu  beslimmen.  Diese  sind:  A.  Hölzer. 
1)  Abietineae:  Pitoxylon  Eggensis  Hart,  in  Bot.  Zeit.  1848,  168 
(Peuce  Eggensis  With).  ;  —  2)  C  up  ressi  neae:  Taxodioxylon  Göpperti 
Hrtg.  l.  c. ;  Amyloxylon  Huttonii  Hrtg.  ;  Callitroxylon  (Taxoxylon  Göpp.) 
Aikei  Hrtg.  ,  Poroxylon  taxoides  A^DR.  ,  Calloxylon  Hartigii  Andr. 
B.  Blätter:  Junipcrites  baccifera  U^G.;  —  3)  Filices:  Pecopteris 
Stedtcnsis  Am>r.  —  4)  Palmae:  Flabeliaria  plicata  Andr.  —  5)  Cupu- 
liferac:  Qiicrcus  furcinervis  Ung.;  Qu.  cuspidata  l]^G.  —  6)  Salicineac: 
Populus  crassinervis  A^DK.  —  7)  Phyllites  reliculosus  Rossiw.,  Ph.  myr- 
taceiis  RossM  ,  Ph.  inaequalis  Andr.  ,  Ph.  saiignus  Rossm.  —  8;  Lauri- 
ncae:  Daphnogene  cinnamomifolia  Uisg.  —  9)  .Juglandeae:  Juglans 
costata  ÜNG.  —  Da  diese  Flora  am  meisten  Verwandtschaft  zeigt  mit 
der  von  Atfsaltel  und  Böhmen,  welche  Ad.  Brongniart  zuletzt  für  meio- 
cän  erklärt  hat,  so  wäre  auch  die  Haller  Formation  für  meiocän  zu 
halten,  obwohl  insbesondere  die  Menge  von  Cupressineen  auf  ein  höheres 
.•Vller  hinzuweisen  scheint. 


DELA^oüe :  Charaktere  und  Grenzen  des  untern  Devon- 
Systemes  im  Becken  Bonlogne-Weslphalen  (Bull,  ge'ol.  1850,  VII, 
363—369,  Tab.).  Der  Vf.  gibt  folgende  bildliche  Darstellung  der  altern 
Gebirge  und  Gebirgs-Syslemc  in  England,  Boulogne  und  Westphalen,  in- 
dem er  einen  nicht  glücklichen  Versuch  macht,  beide  Grenzen  der  Devon- 
Formation  höher  hinauf  zu  verlegen. 


104 


Permien         (  Niederländisches  0.  5"  N. 


_Nord-Bnglands  N.  5«  W. 


>s    Devonien 


Sihtrien 


Cumbi'ien 


.Longmynd  N.  30"  ü. 


.Morbihan 


M.ignesian-Conglomerat  u.  Sandslein, 
hristol 


\  Magnesian  Limestone 


\ 

Mouillier       {(S.  des  Forez  N.   15"  W.) 

I 

fh    Ballon  d'Alsace  W.  16"  N.   .     .     . 


Goal  measure,  Coal  S.  of  Newcastle 
Millstone  stit .   Coal  in    SW.-lrland 


„.Westmoreland-Hunsrück  0.  31"  N. 


Mount.  limest.,  Coal  N.  of  Newcastle 
Old-     /3.     Stock  ,     nicht     kalkig, 

1    grünlich 
red      r2.  St.,  kalkig   (Cornstone) ; 
j     Fische 
'Sandst.  fl.  St.  ohne  Kalkstein,  roth 


Tilestone 

Ludlovv-rocks 

Wenlock  a.  Dudley  limestone   .    . 

Caradoc-Sandstone 

Llandcilo-flags 


Greywacke  of  Longmynd 


Azoisches  G.       .  | Granite,  Gneiss  etc. 


I 


Der  Vieux  gres  rouge  (das  untere  Devon-System)  ist  von  allen  diesen 
Gesteinen  am  wenigsten  bekannt,  weil  er  arm  an  Erzen  wie  an  Verstei- 
nerungen ist.  Seine  Eisen-Erze,  Miites  rouges  (im  Gegensatze  der  Mines 
jaunes  in  kalkigen  Gebirgen),  sind  Wasser-frei,  zerreiblich,  fleckend,  in 
festen  Sdiichten  von  beharrlicher  Mächtigkeit  auf  weite  Erstreckung;  sie 
sind  gleichzeitig  entstanden  mit  dem  Sandstein  und  sind  dessen  FarbestofF. 
Das  in  gewissen  Schichten  angehäufte  Wasser-freie  Eisen-Sesquioxyd  er- 
scheint stellenweise  bauwürdig,  wie  zu  Trelon.  Das  Vieuxgresrouge- 
Gebirge  ist  jedoch  ein  wahrer  Proteus  in  seiner  Zusammensetzung  und 
erscheint  bald  als  Seiden-artiger  Schiefer  wie  Zeichen-Schiefer,  bald  als 
loser  Pudding,  wie  im  Diluviale,  oder  als  Quarzit,  als  Sandstein,  als  Thon 


105 


Gebirgs-Bildungen 


Nord  Frauk reich. 

Belg'tfit  (üumont). 

Rfieiit  Preiissen. 

Gres  bigarre  (fehlt)     .... 

Gres  stratif.  de  Stavelot,  super,  obrer   Bunt-Sandstein    von    Nie- 

deggen. 

Gres  vosgien  (fehlt)    .... 

Psephlte    d'Arlon    et    Stavelot  ,'i„,trer  Bunt-Sandsteln   von  Nie- 
inferieur.                                         |     deggen  vM  Malmedy. 

Gres  roiige  (fehlt) 


Terr.  houilller  de  Doiini  etc.  . 
Gres  lustres.  äuariites  etc. 


T.  houillier  de  Mens,  Liege  etc. 


Zechstein. 

Rothes  Todt-Liegendes. 


Kohlen-Sch.v.  ^«cften,  Stoiber// 


ftuariite,  Anipelite,Sch.  alunifere  Alaun-Schiefer, 


iCalcaire  et  houille  d'Hardighen/ 
(Pierre  bleue  de  Vieux-Conde' 
Schiste  peu  calcairc  de  Bavais  etc. 

CalcaireouDoloiiiied.Ferquesetc. 

Vieux    gre-i  rouge  d'Anor  etc. 


^  /S.  calcareux super.  d.Tournay  Kalk  von  Aachen  ,  Stolberg  etc. 
;::  iS.  quarzo  -  schisteux   super,  j'obre  Grauwacke  daselbst. 

^  1     Psammite  de  Coiidros  1 

■£(S.  calc.  iiif.;  MarbresSt.Aune.  Kifel-Kalk    m.  Fischen:    Brilon, 

"  1  I     Paffrath. 

f^^.S.    quarzo  -  schist.     inferieur  ;'Rothe  Schiefer  von  Wi*setibach, 
Pouding  de  Burnot.  Eupen  etc 


Phvllades     et    Quarzites    d'Anor 


Phyllade«  ardoises    de  Riniognes 
etc. 


Rhe- 
nan 


fArden 
nnis 


Ahrien 
LCoblenz. 


|Hunsrückien 
'Taunusien 


Gedinienj'^^P'^'''^»^' 
[  'inferieur 

Salmicn 

Rcvinien     .     .     .     . 

Devillicn 


Alte  Grauwacke  und  Schiefer  S. 
von  Rötgen. 


ältester  Thon-  und  Dach-Schiefer, 
Montjoic. 


von  Wcinhefc-,  gelber  uad  weisser  Farbe:'  ist  aber  überall  wagerccht  gelagert 
und  ohne  Versteinerungen.  Zwischen  Maubeuge  und  Binch  (bei  Rouvroy) 
enthält  or  Kupferkies  in  Bei  iilining  mit  Pflanzcn-Thcilen ,  wäiirend  an  andern 
Stellen  eine  weitere  Epigcnie  die  Kiese  in  scliwefelsaure  Erze,  in  Eiscn-Scsqui- 
oxyd  und  in  giüncs  und  blaues  Kupfer-Karbonat  umgewandelt  hat.  Aus 
jenen  Pflanzen-Tbcilen  hat  Brongniart  Sphenopteris  und  Lepidod  endr  on 
fastigiatum  oder  eine  ihr  verwandte  Art  erkannt.  Zn  Anor  S.  von  TrcVon 
liegt  ein  weisser  zcneibliclier  Sandstein  ,  der  wie  tertiär  aussieht ,  aber  unter 
'1&°  N.  geneigt  ist ,  zwisehen  den  Schichten  des  Vieux  gr^s  rougc  ganz  nahe 
bei  den  Silur-Schiefern  und  cnlhult  nach  VKRNEUir.'s  Bestimnuuig :  Spirifer 
niacro  p  tc  rus,  Leptaena  Murchisoni,  beide  devonisch,  und  zweifels- 
ohne noch  andre  Arten. 


106 

Der  Vieux  gr^s  rouge  trägt,  was  man  auch  dagegen  sagen  mag,  den 
Elfter  Kalkstein  in  gleichförmiger  Lagerung  ganz  deutlich  zu  Sötenich, 
so  wie  im  SW.  von  Vicht ,  zu  Eupen ,  Chaufontaine ,  Gii)et ,  Trelon  etc., 
bildet  im  A'^orrf-Departement  2  Bänder,  verschwindet  zu  Valpnciennes  etc  , 
wird  in  Bretagne  durch  die  Puddinge  von  Poullaouen  vertreten  ,  welche 
die  Basis  des  Dcvonien  bilden;  er  geht  nach  Schottland,  Datecarlie», 
Russland  und  bis  zum  weissen  Meere  und  dem  Ural.  Indessen  ist  aller- 
dings die  Benennung  Old-redsandstone  nicht  ganz  gleichbedeutend  mit 
Vieux  grfes  rouge ,  da  jener  in  Schottland  und  W.-England  die  ganze  De- 
von-Formation bis  an  den  Berg-Kalk  umfasst ,  dieser  nur  den  unteren 
Theil  davon  in  sich  begreift.  Denn  der  untre  Theil  des  Old-red-sandstone 
enthält  so  wenig  Kalk ,  als  der  Pudding  von  Burnot.  Der  mittle  Theil 
(Cornstone)  dagegen  ist  sehr  reich  an  Kalk  und  an  Fischen,  wie  in  Frank- 
reich, Belgien  und  der  Eifel,  Der  obre  Theil  enfspricht  dem  Psammit 
von  Condros  und  mithin  der  obern  Grauwacke  Preussens.  Die  Gestein- 
Trümmer  in  seinen  Puddingen  veranlassen  zur  Frage,  durch  welche  Ka- 
tastrophe diese  ihr  Material  gewonnen  haben  ,  eine  Frage,  welche  Eue  de 
Bbaumont  bereits  {Diel,  unieers.  d'hist.  nat,  XII,  167  ff.)  beantwortet 
hat.  Sedgwick  und  Murchison  haben  nämlich  über  dem  Ludlow-rock 
eine  Masse  rother  Platten  (Tilestone)  nachgewiesen  ,  die  man  bisher  mit 
dem  Old-red-sandstone  verbunden  hatte,  welche  aber  lauter  Obersilur- 
Versteinerungen  enthalten  und  abweichend  unter  demselben  gelagert  sind. 
Gleiches  Abweichen  der  Lagerung  sieht  man  auch  zwischen  dem  Schiefer- 
Gebirge  und  dem  Vieux  gres  rouge  von  Burnot  zu  Fumay ,  Gicet ,  Pe- 
pinsler  und  in  iXord- Europa.  Es  muss  daher  das  System  Weslmoreland- 
Hun.irück  0.  31^  N.  den  Tilestone  mit  dem  ganzen  Schiefer-Gebirge 
gehoben  haben ,  ehe  sich  der  wahre  Old-red-sandstone  mit  dem  Pudding 
von  Burnol  darüber  absetzte.  Demungeachtet  wollte  de  Beaumont  die  Grenze 
zwischen  Silur-  und  Devon-Formation  noch  nicht  definitiv  an  dieser  Stelle 
festsetzen.  Und  doch  scheint  Diess  so  natürlich  zu  seyn ,  da  schon 
d'Omamus  d'Haixov  40  Jahre  früher  hier  die  Grenze  zwischen  seinem 
Schiefer-  und  Anthrazit- Gebirge  angenommen  hatte  •'.  Aber  de  Koniinck, 
DuMONT  und  C.  F.  P»oeaier  lassen  das  Devon-Gebirge  bis  unter  den  Pud- 
ding von  Burnot  (=  Syst.  f/uarzo-schistcn.v  inferieur)  liinabreichen,  eine 
Annahme,  weiche  nur  durch  die  Auffindung  zahlreicher  Devon-Versteine- 
rungen gerechtfertigt  werden  könnte  [welches  Vorkommen  de  Koninck 
nachher  S.  370  bestätigt  zu  Bouillon,  Framont ,  Korphalie ,  Coblen's  etcl 
und  nachdem  man  sich  versichert  hätte,  nicht  die  dem  Vieux  grts  rouge 
ungehörigen  Schiefer  mit  dem  altern  Dachschiefer  zu  verwechseln,  wie 
es  oft  geschieht.  —  Noch  schwieriger  ist  vielleicht  die  obre  Grenze  der 
Devon-Formation  zu  bestimmen.    Von  jenen  Puddingen  an  wird,  einer  allmäh- 


*  E.  DE  Beaumont  fügt  bei  (S.  369),  dass  rr  die  Hebung  des  Westmoreland-Hunsriick 
in  die  Devonische  Periode,  wie  man  sie  gewölinlicli  verstelle,  liineinverlegt  Iiabe  (null, 
geol.  6,  IV ,  864);  sie  falle  unmittelbar  vor  den  Pudding  von  Burnot,  aber  narh  den 
Schichten  von  Bouillon,  Schübelhtiinmtr  und  Framont,  die  man  auch  zum  Devonien 
üU  rechnen  pflege,  welche  aber  nach  seiner  Ansicht  noch  dem  Tilestone  entsprechen. 


107 

Hell  in  Rnlie  übergehenden  Katastrophe  entsprechend,  das  Gestein-Material 
immer  feiner  bis  an  den  Millstone  hinauf.  Zeitweise  hat  Kalk  vorgeherrscht, 
und  so  ist  der  Kalkstein  der  Ei  fei  und  später  der  Kalkstein  von  Toiiniaij 
entstanden  ;  nirgends  ist  eine  wesentliche  Unterbrechung  und  Schichten- 
Störung  und  nirgends  ein  ausreichender  Grund  ,  um  dazwischen  hinein 
eine  Formations-Grcnzc  zu  legen;  dalier  der  Vf.,  wie  die  voranstehende 
Tabelle  zeigt,  die  obre  Devon-Grenze  über  dem  Berg-Kalk  in  der  Zeit 
des  Hebungs-Systemes  des  Delgeim  annimmt,  zumal  auch  die  Bergkalk- 
Versteinerungen  eben  so  sehr  abweichen  von  denen  der  Psammite  von 
Condvos  als  von  denen  des  eigentlichen  Kohlen-Gebirges.  So  hatte  es 
DuMONT  für  üelgien  sclion  seit  10  Jahren  gehalten.  Die  Organismen 
hätten  nur  langsam  gewechselt  und  gäben  daher  keine  Grenz-Zeichen  ab, 
welche  vielmehr  von  Hebungen  geliefert  werden  müssten,  wenn  sie  eine 
allgemeine  Ausdehnung  hatten.  Man  müsse  daher  wohl  Hebungen,  Gesteine 
und  Versteinerungen  zusammen  berücksichtigen. 


Felsen-Sturz  bei  Felsbevg  (Briefliche  Mittheil,  aus  Chur,  8.  Sept. 
1850,  in  öffentlichen  Blättern  enthalten).  In  der  Nacht  vom  1.  auf  den 
2.  September  wurden  die  Bewohner  von  Fehberg  unsanft  aus  dem  kaum 
begonnenen  Schlaf  aufgestöit.  Schon  zwei  Tage  zuvor  waren  von  dem 
Fuss  des  „fluiides"  und  „Hasen",  wie  man  zwei  nun  gesunkene  Köpfe 
nannte,  Steine  nach  Felsberg  hinuntergei  ollt  und  dienten  gleichsam  als 
warnende  Vorboten  einer  grossem,  bald  nachstürzenden  Masse.  Diese 
setzte  sich  in  der  Nacht  vom  Sonntag  auf  den  Montag  mit  einer  so  hefti- 
gen Gewalt  in  Bewegung,  dass  die  Luft  in  dem  nicht  sehr  weilen  Haupt- 
tlialc  und  den  angränzenden  Seiten-Tliälern  mächtig  erschüttert  wurde  und 
in  Verbindung  mit  dein  Getöse  lierabrolleiider  Felsblö<kc  viele  Bewohner 
in  Chur,  das  bekanntlich  eine  Stunde  von  dem  Dorfe  Felsherg  in  schräger 
Richtung  gegenüber  auf  dem  entgegengesetzten  Rhein-Ufer  liegt,  aus  dem 
Schlafe  weckte.  Es  war  der  Donner  Acr  herabiollenden  Felsblöcke  einem 
anhaltenden  heftigen  Kanonenfeuer  zu  vergleichen  und  so  bedeutend,  dass 
sogar  Leute,  welchen  dieses  Gelöse  ein  gewohntes  war  ,  die  Ansicht 
äusserten,  es  sey  denn  nunmehr  die  ganze  im  Weichen  begriffene  Masse 
herunter  gekommen  und  könne  das  Dorf  überschüttet  haben.  Wir  machten 
uns  daher  alsbald  auf  den  Weg  nach  Felsberg  und  vernahmen  noch  fort- 
während ein  gewaltiges  unbeschreibliches  Krachen  in  den  Spalten  des 
Felsberger  Galanda's;  das  <;anze  Thal  war  in  eine  unübersehbare  Staub- 
wolke gehüllt.  Gegen  4  Uhr  Morgens  langten  wir  in  Felsberg  an  und 
waren  nicht  wenig  überrascht,  als  wir  die  meisten  Bürger  von  Alt-  nn«l 
Neu-Felsberg  unter  freiem  Himmel  bivouakirend  antrafen.  Im  Verhältniss 
zu  dem  gewaltigen  Getöse  der  herabstürzenden  Felsen  und  der  damit  ver- 
bundenen unglaublich  heftigen  Luft-Erschütterung  war  die  Masse  der  am 
Fusse  angelangten  Felsblöcke  eher  unbedeutend  zu  nennen;  zwanzig 
giössere  und  kleinere  Slein-Massen  hatten  ihre  früher  schon  angelanp;ten 
und  von  der  gefälii  liehen  Reise  ausruhenden  Kameraden    gar  unsanft    ge* 


108 

stossen,  mitunter  zerdrückt  oder  zerbröckelt.  Mit  bloseni  Auge  konnten 
wir  eine  Veränderung  der  obren  Fels-Massen  nicht  genau  unterscheiden: 
aber  ein  gutes  Fernrohr  zeigte  nns  die  gewaltige  Lücke,  weiche  in  der 
vergangeneil  Nacht  entstanden  war.  Ganz  unbegreiflich  dünkte  uns  das 
Verhältniss  der  grossen  Felslücke  und  der  im  Thale  angelangten  wenigen 
und  nur  20  Fuss  hohen  Felsblöcke.  Doch  bekamen  wir  bald  bessere  Aus- 
kunft. Unter  Leitung  eines  wackern  Führers  stiegen  wir  an  der  jähen 
Halde  dicht  neben  der  Stelle,  wo  die  Steine  und  Blöcke  ins  Thal  her- 
untcrrollen,  bei  einem  fortwährenden  Krachen  in  den  Fels-Spalten  hinauf 
zum  Leonhards-Kopf.  Dieser  feststehende  Theil  des  Felsberger  Galanda's, 
welcher  mit  dem  Churer  eng  zusammenhängt  und  sich  von  Südwest  nach 
Nordost  zieht,  ist  dicht  westlich  an  dem  sinkenden  Ludwigs-Kopf. 

Als  wir  am  Fussc  des  Leonhards- Kopfes  angelangt  waren,  geleitete 
uns  der  Führer  auf  die  eigentliche  Schutt-Halde,  welche  baumlos  gewor- 
den ist  und  gewissermassen  als  Rinne  dient,  um  die  stürzenden  Massen 
ins  Thal  hinunter  zu  cxpediren.  Jetzt  erst  konnten  wir  die  entstandene 
Lücke  begreifen;  denn  auf  der  Halde  lag  eine  solche  Masse  von  Rasen, 
Steinen  und  Blöcken,  dass  uns  Alles  zusammen,  was  unten  am  Fusse  bei 
Felsberg  lag,  nur  der  sechste  Theil  der  hier  ruhenden  Masse  zu  seyn 
schien.  Zwei  Felsblöcke  gewahrten  wir  hier  wie  das  grösste  Haus  in 
Chur'y  sie  waren  von  Erde  und  Gerolle  festgehalten  und  werden  ohne 
einen  gewaltigen  Stoss  von  oben  nicht  herunterkommen.  Denn  —  was 
man  unten  wegen  der  zu  grossen  Entfernung  nicht  bemerken  kann,  oben 
aber  deutlich  wahrnimmt  —  ein  Absatz  in  der  Halde  selbst  hält  die  ge- 
stürzten Steine  und  Blöcke  auf;  kommen  neue  gewaltige  Massen  auf  die 
ersten,  so  müssen  sie  auch  stürzen.  Auf  unsrem  Standpunkte  konnten  wir 
die  Höhe  der  im  Sinken  begriffenen  Masse  auf  400  Fuss  schätzen  und 
uns  überzeugen,  dass  Studhr,  welcher  den  „Hund"  und  „Hasen"  auf 
500,000  Kubikfuss  taxirt  hatte,  eher  zu  wenig  als  zu  viel  angesetzt  haben 
mochte.  Wir  kletterten  nun  eine  kleine  Fels-Sciilucht  hinter  dem  Leon- 
hards-Kopfe  hinauf  und  gelangten  bald  an  den  Rand  des  Ludwigs-Kopfes, 
welcher  durch  den  Sturz  des  „Hasen"  und  „Hundes"  in  sichtbare  Bewe- 
gung gerathen  war.  Es  war  nämlich  nicht  nur  ein  grosser  Theil  des 
Fusspfadcs,  welcher  vom  Leonhards-Kopf  hinüber  auf  den  Ludwigs-Kopf 
fährte,  bereits  in  die  Schluchten  der  Fels-Spaltungen  hinuntergestürzt, 
sondern  auch  eine  nicht  unbedeutende  Senkung  des  mit  frischem  Rasen 
und  hohen  Tannen  bewachsenen  Bodens  hatte  sich  weithin  auf  einen  hal- 
ben Fuss  tief  wahrnehmbar  gemacht,  und  es  ist  meine  feste  Überzeugung, 
dass  dieses  Nachrutschen  des  lockern  Erdreichs  bedeutender  und  gefahr- 
bringender seyn  wird,  als  der  Sturz  der  festern  Kalk-Massen. 

Wir  besahen  nun  die  Spaltungen  des  Ludwigs-Kopfes,  dessen  Kalk- 
Wände  nach  allen  Seiten  hin  zerrissen  sind.  An  einer  Stelle  warfen  wir 
in  die  innere  Spalte  grosse  Steine;  sie  brauchten  15  Sekunden,  um  auf 
den  harten  Grund  zu  kommen.  Dadurch,  dass  die  ungeheure  Masse  die- 
ses Kopfes,  welche  vielleicht  zu  gering  auf  40  Millionen  Kubik-Meter  an- 
gegeben wird,  in  unzälilbarc  Abtheilungen  gespalten    ist,    ist    es  möglich, 


109 

dass  dieselben  nacli  einander  in  zeitweiligen  Unterbrechungen  ins  Thal 
herabstürzen  und  vielleicht  das  Dorf  Allfelsberg  nicht  vernichten;  ein 
wahres  Omen  aber  scheint  es  zu  seyn,  dass  bei  dem  Sturze  des  „Hasen'* 
ein  Felsbiock  den  Weg  nach  Neufelsberg  eingeschlagen  hat ;  doch  schont 
mir  Neufelsberg  ziemlich  sicher.  Gerade  als  wir  noch  die  Spalten  des 
Ludwigs- Kopfes  durchsuchten,  kamen  zwei  Männer  von  Felsberg,  um  an 
der  Mess-Stange  zu  sehen,  wie  viel  der  Ludwigs- Kopf  gewichen  seyn 
mochte.  Es  ist  nämlich  am  sinkenden  Ludwigs-Kopf  eine  eiserne  Stange 
mitten  in  einer  Spalte  zwischen  ihm  und  der  festen  Gebirgs-Massc  ange- 
bracht; diese  muss  beim  Weichen  jenem  folgen.  Da  sie  an  dem  gegen- 
überstehenden Ende  frei  in  einer  Klinke  ruht,  so  musste  sie  bei  jeder 
Bewegung  die  Linien  anzeigen,  um  wie  viel  die  Masse  gewichen  ist.  Wir 
erfuhren  hier,  dass  das  Weichen  des  Kopfes  in  der  Tiefe  weit  bedeuten- 
der sey,  als  oben  an  der  Mcss-Stange,  und  das  unaufhörliclie  Krachen, 
welches  man  auf  dem  Wege  von  Chur  schon  deutlich  vernimmt,  dröhnt 
aus  der  Tiefe.  Die  Bewohner  von  Felsberg  sind  an  die  drohende  Gefahr 
gewohnt;  erst  am  Sonntag  verlicsscu  sie  das  Dorf,  und  als  der  Sturz  in 
der  Nacht  erfolgte,  zogen  Montags  viele  wieder  in  die  alten  Wohnungen 
ein!  Möglich,  aber  nicht  wahrscheinlich  ist  es,  dass  der  Haupt-Sturz, 
welcher  bei  nassem  Wetter  bald  erfolgt,  das  Dorf  verschont;  es  wäre  je- 
denfalls eine  Vorschrift  der  Klugheit,  das  alte  Dorf  ganz  zu  verlassen  und 
in  Neufelsberg  sich  anzusiedeln,  dessen  Häuser  zwar  aufgebaut,  aber  zum 
Wohnen  im  Innern  noch  nicht  ganz  hergerichtet  sind.  Die  Felsberger 
selbst  eilen  mit  diesem  Umzüge  nicht  sonderlich.  Denn  einestheils  sind 
sie  seit  Jahren  gewöhnt,  dass  die  Felsblöcke  mit  ganz  wenigen  Ausnah- 
men, ohne  Schaden  anzurichten,  zu  Thal  kommen;  anderntheils  aber  erfolgt 
seit  längerer  Zeit  jeden  Tag  eine  kleine  Stein-Kanonade,  gleich  als  wolle 
die  ganze  Masse  sich  kngsam  und  bedächtig  in  kleinen  Häuflein  am 
Fusse  des  Berges  ansiedeln.  Diese  richtet  nun  gar  keine  Verheerung  an, 
und  während  es  oben  fortwährend  stäubt,  kracht  und  herunterrieselt,  spie- 
len sorglos  die  Felsberger  Kleinen,  unbekümmert  um  die  drohende  Ge- 
fahr, am  Fusse  des  Berges  mit  den  nämlichen  Steinen,  welche  erst  kürz- 
lich herunterstürzten.  Nur  ausnahmsweise  nehmen  sie  Reissaus,  wenn 
das  Donncrgepolter  der  tückischen  Kalkblöcke  zu  heftig  wird.  Seit  dem 
letzten  bedeutenden  Fels-Sturz  vom  1.  September  sind  am  4.,  6.  und 
7.  September  kleinere,  aber  immerhin  wahrnehmbare  Ablösungen  erfolgt. 
Sollten  übrigens  Reisende  nach  Chur  kommen,  so  möchten  wir  ihnen  ra- 
then,  sich  nicht  damit  zu  begnügen,  Felsberg  im  Thal  zu  schauen,  sondern 
hinauf  auf  den  Ludwigs-Kopf  und  in  dessen  Nähe  sich  zu  begeben.  Von 
dem  Thal  aus  bekommt  man  einen  durchaus  unrichtigen  Begriff  von  allen 
Verhältnissen;  man  ist  nicht  im  Stande,  die  obschwebende  Gefahr  zu  be- 
greifen, welche  oben  in  der  Nähe  eine  nur  zu  augenscheinliche  ist.  .Ein 
gangbarer  Weg  führt  von  Felsberg  in  zwei  Stunden  zur  Mess-Stange; 
doch  ohne  Führer  und  gut  genagelte  Schuhe  bleibt  man  besser  im  Thalci 


110 

K.  Koristka:  über  den  Ein  flu  ss  d  er  Höhe  und  der  geo- 
gn  ostischen  Beschaffenheit  des  Bodens  a  uf  d  en  Erd-M  agne- 
tismus  (Haidinger's  Berichte  über  die  Mitfheilungen  von  Freunden  der 
Natur-Wissenschaft  in  Wien.  VI,  139).  Zu  jenen  Fragen,  welche  die  Zeit 
und  Thätigkeit  der  neueren  Physiker  am  meisten  in  Ansprucli  nehmen, 
ist  wohl  auch  die  Wirkungs-Äusserung  des  tellurischen  Magnetismus  zu 
rechnen;  denn  seitdem  Hansteen  die  erste  mathematisch  begründete  Theorie 
über  den  Erd  Magnelismus  aufgestellt,  seitdem  Hcmbolpt  gezeigt  hatte, 
wie  die  Wissenschaft  ein  Netz  über  die  ganze  Erde  auswerfen  müsse, 
um  die  Äusserungen  jener  Kraft  festbannen  und  dem  Secir-Messer  ihrer 
Kritik  unterwerfen  zu  können,  seitdem  endlich  Gauss  in  seiner  „Inlensilas 
vis  magnelicae'*  den  Erd-Magnefismus  auf  ein  absolutes  Maas  zurück  ge- 
führt und  bald  darauf  auch  den  Weg  vorgezeichnet  hatte,  den  man  bei 
Erforschung  desselben  einschlagen  müsse:  seit  jenen  Zeiten  wurde  ein 
grosser  Aufwand  an  geistiger  Thätigkeit,  an  Zeit  und  Geld  zur  Lösung 
jener  Frage  verwendet.  Auf  der  ganzen  Erd-Oberfläche,  wo  nur  Euro- 
päer festen  Fuss  gefasst,  wurden  und  werden  noch  Beobachtungen  und 
Versuche  angestellt,  und  viele  derselben  gleichzeitig  zur  selben  Stunde 
und  Minute.  Im  Östreichischcn  sind  unter  andern  Arbeiten  hauptsäch- 
lich zu  erwähnen  die  Bereisungen  des  Astronomen  Kreil  und  die  auf 
des  Physikers  Doepler  Veranlassung  vom  k.  k.  Bergwesens-Ministe- 
rium allen  Berg-Ämtern  der  Monarchie  aufgetragene  Untersuchung  und 
Vergleichung  der  ältesten  vorhandenen  Gruben-Karten,  um  für  die  seku- 
läre  Änderung  der  Deklination  neue  Anhaltspunkte  zu  gewinnen. 

Alle  bisherigen  Sätze  über  Deklination,  Inklination  und  Intensität, 
die  Gesetze  ihrer  Veränderung  und  zum  Theil  auch  die  Curven  der  Iso- 
klinen,  Isogonen  und  Isodynamen  sind  empirisch  durch  jene  oben  erwähn- 
ten Beobachtungen  gefunden  worden,  und  ihre  Übereinstimmung  im  All- 
gemeinen mit  der  aus  den  Formeln  des  berühmten  Göttinger  Mathemati- 
kers berechneten  Werthen  ist  im  Wesentlichen  so  zutreffend,  dass  sie 
für  die  glänzendste  Bestätigung  seiner  Theorie  und  ihrer  Voraussetzungen 
gelten.  Allein,  hierbei  wurde  nur  die  Erscheinung  im  Grossen  aufgefasst, 
es  sollte  nur  in  allgemeinen  Umrissen  ein  Bild  von  der  Vertheilung  des 
Erd-Magnetismus  gegeben  werden;  die  kleineren  Anomalie^n  und  Abwei- 
chungen konnten  niciit  beachtet  werden,  da  es  voreilig  schien,  in  das 
Detail  der  Erscheinung  einzudringen,  bevor  noch  das  Gerippe  derselben 
festgestellt  war.  Jetzt ,  nachdem  das  Letzte  mit  einem  in  den  Natur- 
Wissenschaften  vielleicht  noch  nie  dagewesenen  Kosten-Aufwande  und  dem 
Zusammenwirken  der  Naturforscher  aller  Nationen  geschehen,  dürfte  es 
nicht  mehr  übereilt  scheinen,  auch  jene  kleinen  Ursachen  zu  studiren,  die 
möglicher,  und  nach  allem  bisher  Bekannten,  wahrscheinlicher  Weise  die 
Äusserung  der  Erd-magnetischen  Kraft  modifiziren  und  scheinbare  Un- 
regelmässigkeiten hervorbringen ,  d.  h.  die  gengnostische  Boden-Beschaf- 
fenheit und  die  verschiedene  See-Höhe  der  Erd-Oberfläche. 

Auf  diesen  Gegenstand  lenkten  zuerst  die  Aufmerksamkeit  des  Vf's. 
einige  Beobachtungen,   die  er  im    Ictztvcvflossenen  Sommer  in  der  Unige- 


111 

bung  von  Schemnitz  in  Ungarn  anstellte,  und  welche  ursprünglich  den 
Zweck  h.iben  sollten,  die  mit  einer  gewöhnlichen  Boussolc  erreichbare  Ge- 
nauigkeit in  der  Bestimmung  der  Intensität  des  tellurischen  Magnetismus 
nach  der  WEBEa'schcn  Methode  zu  untersuchen.  Es  ist  nämlich  allgemein 
bekannt,  dass  Gauss  einen  Weg  zeigt,  auf  dem  es  möglich  ist,  die  Inten- 
sität dieser  Kraft  für  jeden  Ort  absolut  d.  h.  ohne  Rücksicht  auf  irgend 
einen  andern  Ort  oder,  wie  es  früher  nach  der  HA^STEE^'schen  Methode 
nöthig  war,  auf  irgend  einen  verglichenen  Magnet-Stab  zu  bestimmen,  da- 
durch, dass  er  die  ganze  horizontale  Kraft  des  Erd-Magnetisnius  ^  T 
mit  der  Kraft  =  M  irgend  eines  Magnet-Stabes  und  zwar  mit  Hülfe  einer 
Boussole  durch  Ablenkung  ihrer  Nadel  vom  magnetischen  Meridian  ver- 
gleicht und  durch  eine  scharfsinnig  ausgeführte  mathematische  Betrach- 
tung der  Wirkungs-Weise  dieser  Kräfte  auf  einander  für  die  beiden  Aus- 
drücke-^ und  MTzwei  verschiedene  Wcrthe  findet,  wodurch  die  unbekannte 

Kraft  des  gebrauchten  Stabes  =  M  eliminirt,  die  ebenfalls  unbekannt 
horizontale  Erd-Intensität  aber  gefunden  und  durch  eine  Zahl  ausge- 
drückt werden  kann.  Eben  so  bekannt  ist,  dass  die  ganze  Beobachtung 
in  zwei  Theile  zerfällt,  nämlich  in  den  Schwingungs- Versuch  und  in  den 
Ablenkungs-Versuch. 

Der  Vf.  verschaffte  sich  nun  einen  sehr  guten  Markscheide-Compass, 
auf  dessen  Thcilung  man  bei  einiger  Übung  leicht  10  Theile  eines  Grades 
abzulesen  im  Stande  war,  und  Hess  für  den  Magnet-Stab  M  aus  Guss- 
Stahl  einen  parallelepipedischen  Stab,  welcher  103,6™"'  lang,  11,5"'"» 
breit,  la"»""  dick  war  und  dessen  Gewicht  124,471  Gramme  betrug,  anfer- 
tigen. Er  mngnetisirte  ihn  sorgfältig  durch  Doppel-Strich.  Als  Zeil-Messer 
gebrauchte  derselbe  ein  im  physikalischen  Kabinet  der  Berg-Akademie 
vorhandenes  Sekunden-Pendel,  dessen  Länge  für  die  Breite  und  See  Höhe 
von  Schemnita  er  natürlich  früher  rektifizirt  halte.  Anfangs  beschloss  der 
Verf.  nur  an  zwei  Punkten  probeweise  Versuche  zu  machen  und  wählte 
zu  beiden  Stationen  den  Garten  seiner  Wohnung  nächst  dem  WindschacMer 
Thore  und  den  sich  im  SW.  der  Stadt  erhebenden  Berg  S-zitna  und  zwar 
sein  oberstes  Plateau  zunächst  der  Gloriette.  Bei  diesen  Versuchen  ist 
es  natürlich  wünschenswerth ,  dass  sie  gleichzeitig  gemacht  werden;  da 
Avegen  Mangel  an  Apparaten  und  Beobachtern  Diess  nicht  geschehen 
konnte,  so  war  K.  genöthigt,  die  Beobachtungen  immer  in  zwei  auf  ein- 
ander folgenden  Tagen  nahe  zu  derselben  Zeit  anzustellen.  Die  in  den 
letzten  Tagen  des  Juni's  an  beiden  oben  erwähnten  Punkten  ausgeführten 
Messungen  ergaben  aber  eine  so  grosse  DilTercnz,  dass  man  dieselbe 
kaum  einem  blossen  Fehler  in  der  Beobachtung  oder  zufälligen  Anomalie'n 
zuschreiben  konnte,  indem  die  horizon!alc  Intensität  am  Ssilna  um  mehr 
als  0,3  kleiner  war,  als  die  im  Garten  gefundene;  der  Vf.  interpolirtc 
daher  zwei  neue  Beobachfungs-Punklc  in  verschiedenen  Höhen ,  um  zu 
sehen,  ob  jene  Differenz  nicht  von  diesem  Umstände  abhinge,  und  hatte 
nun  als  tiefste  Station :  die  Solide  des  vierten  Laufes  im  Sigmund-Schacht 
in  einer  See-Höhe  von  etwa  1600',  als  zweite  den  Garten  etwa  2000',  als 


112 

dritte  den  Gipfel  des  Paradies  •  Berges  etwa  280o'  und  endlich  den 
Rücken  des  S-silna  3400'  über  dem  Meere.  Die  Beobachtungen  wurden 
in  vier  aufeinander  folgenden  Tagen  (Ende  Juli)  vorgenommen;  jede  wurde 
in  kurzen  Zwischenräumen  wiederliolt,  und  die  aus  den  gefundenen  Resul- 
taten genommenen  Mittel  ergaben  folgende  horizontale  Intensität  jener 
Punkte:  Smitna  1,862,  Paradies-Berg  1,927,  Koristka's  Wohnung  2,032, 
vierter  Lauf  im  Sigmund- Schacht  2,041.  So  überraschend  nun  dieses  gleich- 
mäsige  Fortschreiton  der  Intensität  ist,  so  wäre  es  doch  melir  als  gewagt, 
wollte  man  aus  diesen  vier  Beobaclitungen  ein  Gesetz  für  die  Abnahme 
der  Intensität  in  verschiedenen  Höhen  ableiten,  da  einerseits  das  gefundene 
Resultat  von  allen  bisherigen  zu  stark  abweicht  und  daher  einer  noch- 
maligen sorgfältigen  Prüfung  bedürfen  würde,  übcrdiess  auch  die  hier 
nothigen  Inklinations-Beobachfungen  wegen  Mangel  eines  Inklinatoriums 
nicht  gemacht  werden  konnten:  andrerseits  aber  auch  lokale,  insbesondere 
geognostische  Verhältnisse  zur  Vergrösseruug  jener  Difierenz  mitgewirkt 
haben  mögen,  indem  der  ganze  Berg  S':zitna  aus  Trachyt  besteht,  die  drei 
andern  Beobachtungs-Orte  aber  im  Terrain  des  dichten  Schemnitzer  Grun- 
steins  (Diorit),  welcher  fast  durchgehend  Eisen-Glimmer  fein  eingesprengt 
enthält,  sich  befinden.  Indessen  schien  es  nicht  überflüssig,  diese  Beob- 
achtungen mitzutheilen  und  einige  Bemerkungen  hieran  zu  knüpfen. 

Über  die  Frage  der  Abhängigkeit  des  Erd-Magnetismus  von  der  geo- 
gnostischen  Boden-Beschaffenheit  und  von  der  See-Höhe  herrscht  noch  eine 
solche  Dunkelheit,  dass  der  Verf.  sich  hiedurch  veranlasst  sah,  in 
den  wichtigeren  naturwissenschaftlichen  Reise  -  Werken  und  Journalen 
nach  Beobachtungen  zu  suchen ,  die  zu  einem  befriedigenden  Resul- 
tate führen  könnten.  Es  fanden  sich  zwar  viele  einschlägige  Arbei- 
ten; die  Zusammenstellung  und  Vergleichung  ihrer  Daten  führte  aber  fast 
tiberall  auf  unbestimmte,  ja  geradezu  einander  widersprechende  Sätze.  Eine 
Haupt-Ursache  aber,  dass  alle  jene  Arbeiten  resultatlos  bleiben,  scheint 
die  zu  seyn,  dass  die  beiden  hier  angeregten  Fragen  nicht  scharf  getrennt 
und  ganz  unabhängig  von  einander  behandelt  wurden;  denn  solange  wir 
nicht  wissen  ob,  noch  weniger  aber  wie  die  Erhebung  über  dem  Meeres- 
Horizont  und  die  geognostische  Beschaffenheit  des  Bodens  die  Intensität 
niodifiziren  ,  so  lange  müssen  wir  auch  sorgfältig  bei  Untersuchung  der 
einen  Frage  eine  mögliche  Einwirkung  der  andern  vermeiden. 

Der  Vf.  geht  nun  auf  Betrachtungen  über  die  wichtigsten  Erfahrun- 
gen und  Arbeiten  von  Saussup.k  ,  A.  v.  Humboldt  ,  Gav-Lussac  ,  Biot, 
Sacharow,  Kuppfer,  Rüsseggeh  und  Krefl  ein  —  in  denen  wir  ihm  nicht 
leicht  folgen  können,  sondern  auf  die  Urschrift  verweisen  —  und  fährt 
sodann  fort:  Aus  dem  bisher  Mitgetheilten  scheint  daher  mit  ziemlicher 
Bestimmtheit  hervorzugehen,  dass  die  Intensität  in  grösseren  Höhen  mess- 
bar kleiner  wird,  als  im  Meeres-Niveau;  das  Gesetz  dieser  Abnahme  aber 
ist  bis  jetzt  noch  nicht  nachgewiesen.  Durch  Gauss  ist  zwar  die  Verthei- 
lung  des  Erd-Magnetismus  auf  der  Erd-Oberfläche  und  auch  im  Allge- 
gemeinen  der  Zusammenhang  jener  Kraft  mit  der  mittlen  Temperatur 
dieser  nachgewiesen;    allein  man  muss  sehr  wohl  unterscheiden  zwischen 


113 

mathematischer  und  physischer  Oberfläche,  worauf  Moser  zuerst  aufmerk- 
sam p;eniacht  hat.  Man  überzeugt  sicli  nämlich  auch  s<hon  a  priori  leicht 
von  jenem  Unterschiede;  denn  nimmt  man  an,  dass  die  magneti>clie  Vcr- 
theih«ng  auf  irgend  einer  Kugel  proportional  spy  dem  Sinus  der  magne- 
tischen Breite,  und  unterzieht  man  die  Wirkung  der  magnetisciien  Theilchen 
aufeinander  dem  Caicul ,  so  kommt  man  auf  einen  mathematischen  Aus- 
druck für  die  Intensitäts-Äusserung  dieser  Kraft,    der  gleich  ist  . '^, 

Cos  I 

wo  I  die  Inclination  ,    cp  die  magnetische  Breite  bedeutet  und  A  ein  Aus- 
druck   ist    von   der  Form  — -  \p*  f  (r— p)  dp,  wo  r  den  Kugel-Halbmesser 
3r3  3 

und  p  die  Entfernung  der  magnetischen  Oberfläche  vom  Mittelpunkt  der 
Erde  bedeutet.  Setzt  man  ohne  Wfiicres  in  den  End-Formc!n  r  =.  p, 
ignorirt  man  also  die  dritte  Dimension,  nämlich  die  der  Dicke  gegen  den 
Mittelpunkt  zu,  gänzlich,  so  erhält  man  falsche  Resultate,  welche  die  Anzie- 
hung der  Kugel  kleiner  ditrsteilen,  als  Diess  wirklich  der  Fall  ist.  Man 
sieht  also,  dass  schon  vermöge  der  Natur  des  Magnetismus,  nämlich  seiner 
anziehenden  und  abstossenden  Kraft,  die  Total-Kraft  desselben  in  irgend 
einer  Tiefe  ein  Maximum  sejn  und  eben  sowohl  gegen  oben  als  gegen 
unten  nach  irgend  einem  Gesetz,  wenij^stens  in  derselben  Gesteins-Art, 
werde  abnehmen  müssen.  Letztes,  nämlich  die  Abnahme  nach  unten,  ist 
schon  für  sich  klar,  da  bei  zunehmender  Tiefe  anch  die  Temperatur  zu- 
nimmt, jede  Zunahme  der  Temperatur  aber  schwächend  auf  den  Magne- 
tismus einwirkt,  daher  es  eine  Tiefe  geben  wird  ,  deren  Temperatur  jeden 
Magnetismus  vernichtet.  Was  die  Abnahme  nach  oben  betritft,  so  wird 
man  dieses  Resultat  wohl  nur  dann  ganz  rein  erhalfen,  wenn  man  den 
GAY-LussAc'schen  Versuch  wiederholend  gleichzeitig  in  einer  bestimmten 
Höhe  über  dem  Boden  und  vertikal  darunter  am  Boden  selbst  absolute 
Intensitäts- Messungen  anstellt;  denn  das  blosse  Besteigen  der  Berge  wird 
immer  je  nach  der  Configuration  des  Gebirges  verschiedene  Resultate  geben, 
und  man  wird,  wenn  man  diese  Messungen  auf  isolirten  kegelförmig  sich 
erhebenden  Berg-Spitzen  vornimnU,  eine  grössere  Abnahme  der  Intensität 
bemerken,  als  wenn  Diess  auf  einem  stark  gruppirten  Hoch-Plateau,  wenn 
auch  in  derselben  See-Höhe  stattfindet.  Immer  aber  wird  man  hierbei 
sorgfältig  eine  geognostisch  verschiedene  Oberfläche,  so  lange  ihr  Einfluss 
noch  nicht  bestimmt  ist,  vermeiden  müssen.  Man  sieht,  mit  welchen  be- 
deutenden Schwierigkeiten  es  verknüpft  ist,  bei  Erhebung  über  die  Meeres- 
Flächc  ein  allgemeines^  Gesetz  für  die  Abnahme  der  Intensität  nach- 
zuweisen. 

Was  die  zweite  Frage  be;riflFt,  nämlich  den  Einflu.ss  der  geognosti- 
schen  Verschiedenheit  des  Bodens,  so  scheint  aus  den  bisherigen  Beobach- 
tungen ebenfalls  gewiss  zu  scyn,  dass  ein  solcher  stattfinde,  obwohl  man 
über  die  Art  desselben  fast  noch  weniger  weiss,  als  über  jene  der  Höhen- 
Differenz.  Die  Ursache  davon  kommt  wohl  vorzüglich  daher,  dass  die 
Frage  nicht  präzis  gestellt  wird;  denn  bei  allen  jenen  Untersuchungen, 
die  zuletzt  auf  mathematischen  Grundsätzen  beruhen,  verhält  es  sich,  wie 
Jahrgang  1651.  S 


114 

bei  der  Mathematik  selbst.  Will  man  von  ihr  die  Auflösung  eines  Problems, 
so  niuss  man  sich  bequemen,  zuerst  die  Frage  in  ihre  Sprache  zu  über- 
setzen: sie,  die  Maschine  unsres  Verslandes,  eroreift  und  verarbeitet  die 
Frage  und  liefert  bald  ein  verständliches  Resultat  für  Jeden  ,  der  ihre 
Sprache  lesen  kann  ;  das  Resultat  wird  aber  unbrauchbar,  %venn  die  Frage 
unrichtig  oder  unbestimmt  gestellt  war.  Die  Frage  gut  zu  stellen,  ist  daher 
oft  wichtiger,  als  alles  Andere.  —  Denken  wir  uns  einmal  die  Intensität 
für  einen  Ort  gefunden  ,  sie  wäre  =  I ,  und  dieser  Ort  und  seine  ganze 
Umgebung  beständen  aus  Thonschiefer.  Wenn  man  nun  im  Stande  wäre, 
den  Thonschiefer  durchaus  in  andres  Gestein  ,  z.  B.  Basalt  umzuwandeln, 
und  eine  wiederholt  an  demselben  Punkte  vorgenommene  Messung  gäbe 
jetzt  die  Intensität  ;=  I',  so  könnte  man  nicht  sagen,  das  Verhältniss  des 

Einflussscs   dieser  Gesteine    auf  die  Intensität  sev  -,  da  ja  nicht  das  Ge- 

l 

stein  selbst  den  tellurischen  Magnetismus  hervorbringt,  sondern  nur  seine 

Kraft  mehr  oder  %venigcr  modifiziit.     Man  nuisste  also  für  jeden  Ort  eine 

mittle  Grösse  für  die  Intensität  =  K  haben,    welciic  ihm  ohne  Rücksicht 

auf  die  Art  des  Gesteins  zukommt;  und  jetzt  würde  man  erhalten  I  :=  aK 

und  P  =  a' K,  wo        das  Verhältniss  der  Einwirkung  seyn  wird,  die  von 
a' 

der  Art  des  Gesteins  allein  abhängt.  Hierauf  gestützt,  dürfte  nachfolgende 
Methode  vorzuschlagen  seyn,  um  jene  unbekannten  Coefticienfen  a  und  a' 
zu  finden.  Sind  einmal  die  isodyiiamischen  Curvcn  für  ein  Land  berech- 
net und  genaue  Spezial-Kartcn  darnach  angefertigt,  so  bestimme  man  sorg- 
fältig die  Linie  zweier  Gesteins-Gebietc ,  deren  verschiedene  Einwirkung 
man  untersuchen  will.  Zwei  Beobachter  mit  guten  Instrumenten  versehen, 
stellen  sich  am  Durchschnitts-Punkte  jener  Grenze  mit  der  nächsten  auf 
der  Karte  befindlichen  Isodynamc  auf  und  messen  die  horizontale  Intensität 
sammt  der  Inklination ;  hierauf  entfernen  sich  beide  von  einander  in  ent- 
gegengesetzter Richtung,  jedoch  so,  dass  beide  auf  derselben  Isodyname 
bleiben  und  stellen  von  Zeit  zu  Zeit  obige  Messungen  gleichzeitig  so  lange  an, 
bis  bei  jedem  Einzelnen  keine  merkbare  Änderung  in  der  Intensitäfs-Zahl 
mehr  eintritt.  Sey  nun  der  berechnete  Werth  jener  magnetischen  Curvc 
^K,  die  zuletzt  gemessenen  Intensitäten  des  einen  Beobachters  =  1,  des  andern 
=  1' ,    so    hat   man   a  K  =  I  und  a'  K  =  I' ,    woraus  die   unbekannten 

I  I' 

a    =  —  und  a  =  _  bestimmt  werden  können. 
K  K 

Zugleich  mit  diesen  Beobachtungen  müsste  eine  genaue  Untersuchung 
der  physikalischen  Eigenschaften  jener  Gesteins-Arten  parallel  laufen,  näm- 
lich nicht  bloss  Untersuchungen  auf  die  Art  und  Menge  ihrer  Bestandtheile, 
und  ob  sie  Eisen-Glimmer,  Nickel  oder  Kobalt  enthalten,  sondern  auch 
auf  ihre  Struktur,  ihren  dichten  oder  porösen  Zustand  und  insbesondere 
auf  ihre  Wärme-Kapazität  und  Wärmeleitungs-Fähigkeit. 

Die  Lösung  dieser  Frage  wäre  gewiss  wichtig  für  die  Wissenschaft; 
denn,  wenn  auch  schon  längst  die  Meinung  einiger  älterer  Physiker  wider- 
legt ist,  dass  die  geognostischc  Beschaffenheit  der  Länder  die  Krümmung 


115 

der  Tsodynanien  beslimme,  so  niuss  man  doch  zugestehen,  dass  der  allge- 
meine Lauf  derselben  bedeulentien  Modifikationen  unterworfen  seyn  kann, 
und  ni;'.n  vielleicht  mit  der  Zeit  umgekeiirt  von  der  Abweichung  der  Kurve  an 
einem  Orte  auf  die  Grösse  des  Einflusses  und  somit  auf  die  Art  des  den- 
selben veranlassenden  Gesteins,  das  man  hier  nicht  vermuthetc,  wird 
schliessen  können.  Eben  so  wichtig  wäre  eine  Beantwortung  dieser  Frage 
für  den  Markscheider,  bei  dem  die  scharfe  Bestimmung  der  Fehler-Grenzen 
seiner  Aufnahme  eine  Illusion  bleibt  ,  so  lauge  der  Einfluss  der  Felsarten 
auf  die  Magnet-Nadel  nicht  vollkommen  bekannt  ist. 


C.  Petrefakten-Kunde. 

J.  V.  Pkttko  :  Tubicaulis  von  Ilia  bei  Scheinni  tz  (tthioiyc.  gesam. 
Abhandl.  ISöO ,  III,  i,  1 63-- 169,  Tf.  20).  Tubicaulis  ist  ein  Genus 
welches,  von  Corda  in  die  Sippen  A  s  t  e  ro  ch  I  ae  n  a  bisher  mit  2,  Zygo- 
pteris  mit  1,  Selen  ochlae  na  mit  2  undTcmpskya  mit  4  Arten  zer- 
legt, die  in  ihrem  Bau  höchst  merkwürdige  Pflanzen-Familie  der  Phtho- 
r  op  te  r  iden  darstellt.  Die  9  Arten  sind  in  nur  10  Exemplaren  bekannt,  wozu 
die  neue  Spezies  (T  u  ci  c  a  u  1  is)  A  s  t  e  r  o  c  h  1  a  e  n  a  Sc  h  e  m  n  i  c  i  en  s  i  s  (mit 
1.  A.  Cottai  =  Tub.  ramosus  Cotta  und  2.  A.  anguiata  =  Tubicaulis  an- 
gulatus  Ung.  =  Anomopteiis  Schlechtcndalii  Etchw.)  von  Ilia  bei  Schein- 
nilis  in  3  abgebrochenen  Stämmen  und  mehren  unbedeutenden  Bruchstücken 
vorhanden,  einen  sehr  erwünschten  Beitrag  gibt,  der  die  innre  Sil  uktur  wie 
die  äusseren  Maas- Verhältnisse  gar  S(hön  erläuteit.  Erste  dürfen  wir 
leider  nicht  hoffen,  ohne  Abbildung  genügend  deutlich  wiederzugeben.  Die 
Stämme  waren  walzig,  '/g-  2"  dick  und  wohl  nicht  über  5"  —  6"  lang, 
innen  aus  einem  zentralen  Holz-Körper  mit  zahlreichen  regeimäsig  geord- 
neten Ästen,  darum  aus  einem  eigenthnmiicheu  Gewebe,  und  endlich  aus 
Adventiv-Wuizelii  zusammengesetzt,  w^elclie  den  Stamm  in  allen  Ri«  hfuncen 
durchziehen.  Was  aber  alles  Dieses  besond  rs  merkwürdig  ei scheinen 
läsist,  das  ist,  dass,  während  alle  andren  Tubicaulis-Arlei'  dem  Rothlie- 
genden und  Steinkohlen-Gebirge  angehören,  diese  Art  in  einem  Süsswas- 
scr-Quarz  von  nur  tertiärem  Alter  mit  Dikotyledonen-BIättern  vorkommt. 
Hinsichtlich  der  innern  Struktur  müssen  wir  auf  die  lesenswcrthe  Origi- 
nal-Schi ift  mit  ihren  Abbildungen  verweisen. 


L.  Agassiz:  na  tu  rlichc  Beziehu  nge  n  zwischen  Organisa- 
tions-Stufe  u  nd  Wo  h  n- El  e  ni  ent  der  Thierc  (Siliam.  Journ.  1850, 
b,  IX,  369—394).  I.  Die  S  t  r  a  I  e  n  I  h  i  e  re  bestehen  nur  aus  1)  den  ä(  hten 
Polypen,  2)  den  Quallen  und  3)  den  Echinodernien  ;  denn  die  Infusorien 
sind  theils  (die  Anentera)  Pflanzen  (auch  Monas  besteht   meist  aus  Algen- 

8* 


116 

Keimen),  theils  (die  Enlerodela)  Entwickhings-Zusfände  andrer  Klassen; 
die  Räderthiere  (und  die  Eingeweide-Würmer)  gehören  zu  höhren  Krei- 
sen; Vorticella  zu  den  Bryozoen  (nahe  bei  Pcdicellina);  eine  letzte 
Infusorien-Gruppe  (Bursaria,  Paramecium  c(c.)  sind  Keime  von  Süsswasser- 
Würmern,  wie  Planaria  elc.  Aus  den  Polypen  müssen  die  sog.  Hydroiden 
zu  den  Quallen,  die  Bryozoen,  wie  MtL^E  Edwards  längst  gezeigt,  zu  den 
Weirhthieren  in  die  Nähe  der  Aseidien  versetzt  werden :  es  sind  zusammen- 
gesetzte Acephalen,  wie  die  Foraminiferen  die  niedersten  Gasteropoden  sind, 
deren  Embryo-Zustand  in  beständiger  Thcilung  des  Keims  sie  darstellen. 
Die  Quallen  nehmen  die  Süsswasser-Polypen  auf;  die  Eingeweide-Wür- 
mer lassen  sich  von  den  Ringel-Wurmcrn  nicht  trennen,  wenn  sie  auch 
meistens  nicht  gegliedert  sind:  als  Parasiten  stehen  sie  aber  auf  einer  tie- 
fern Stufe  der  Organisation:  beide  gehören  zu  den  Kcrbtbieren.  —  Nach 
Entfernung  der  Cirripeden  zu  den  Krustern,  bestehen  Cuvier's  Weich- 
thiere  noch  aus  Brachiopodcn,  Acephalen  (mit  Tunicaten),  Gasteropoden, 
Pteropoden  und  Cephalopoden.  Diese  theilt  A.  so  ein  1)  Acephala,  in  sich 
begreifend  die  Bryozoa,  Tunicata,  Brachiopoda  und  Lamcllibranchiata,  welche 
zusammen  eine  aufsteigende  Reihe  bilden :  2)  Gasteropoda,  bestehend  aus 
den  Foraminiferen  (welche  die  Dottcr-Theüung  in  der  Embryo-Entwicklung 
bleibend  wiedergeben),  den  Pteropoden  (welche  durch  ihre  Flossen-An- 
hänge und  dünnen  symmetrischen  Schalen  den  Embryo-Zustand  der  hohem 
Gasteropoden  dauernd  darstellen),  und  den  ächten  Gasteropoden  (zuerst 
die  Heteropoda,  zuletzt  iiirer  Entvvicklungs-Wcise  wegen  die  Pulmonata); 
3)  Cephalopoden.  Die  vielgckanimerten  Cephalopoden  früherer  Zeiten  ver- 
halten sich  zu  den  jetzigen  grösstenthcils  ganz  nackten,  wie  die  vielzelli- 
gen knospenden  Bryozoen  zu  den  Acephalen  und  die  Foraminiferen  zu  den 
gemeinen  Gasteropoden,  oder  auch  wie  die  zusammengesetzten  und  an- 
gewachsenen Hydroiden  zu  den  Quallen  und  die  Krinoidcn  zu  den  höhern 
Echiuodermen.  —  Was  die  Kerbthiere  betrifft,  so  wird  man  wohl  die 
Ringel-  und  Binnen-Würmer  den  Krustern,  Spinnen  und  Sechsfüssern 
voransetzen  müssen,  da  sie  den  Larven-Zustand  der  höheren  Insekten  blei- 
bend darstellen.  Die  Kerbthiere  werden  dann  auch  3  Klassen  bilden:  i)  die 
verlängerten  Wärmer  mit  oft  undeutlichem  Kopf,  ohne  gegliederte  Füsse 
und  oft  undeutlich  oder  nicht  gekerbtem  Leib;  es  ist  kein  Zweifel  dass 
unter  diesen  die  parasitischen  Binnen-Würmer  tiefer  stehen,  als  die  selbst- 
ständigen Ringel- Würmer;  und  unter  diesen  würden  zuerst  kommen  die  mit 
äusseren  Kiemen,  welche  zugleich  zur  Lokomotion  dienen;  dann  jene  mit 
inneren  Kiemen  und  steifen  Borsten  zur  Bewegung,  und  zuletzt  die  mit  Luft- 
säcken zum  Athmen  (Lumbricinae);  2)  die  Kruster  mit  deutlicher  Gliederung, 
Wasser-Respiration,  eigenthümlicher  Verbindung  der  Leibes-Ringel,  Ab- 
theilung des  Körpers  in  verschiedene  Regionen.  Dahin  in  aufsteigender 
Ordnung  die  Cirripeden,  die  parasitischen  Lernäen,  die  Entomostraca  und 
die  Malacostraca,  bei  welchen  letzten  die  vordren  Ringel  meistens  inni- 
ger unter  einander  zu  einem  Ganzen  verwachsen  sind ;  3)  die  eigentlichen 
Insekten  mit  einem  in  3  Regionen  unterscheidbaren  Körper  und  Luft- 
Respiration:  nämlich  die  Myriopoden  als  permanente  Raupen,  die  Arach- 


117 

niden  mit  verwachsenem  Kopf-  und  Biiist-Thoil  als  permanente  Puppen, 
lind  die  Sechsfüsser  mit  3  deutlich  geschiedenen  Körper-Gegenden,  wovon 
eine  allen  Lokomotions-Organen  zur  Stütze  dient,  mit  cigenthümlichen 
Käii-Apparaten ,  Flüj^eln  und  ausgedehnten  Metamorphosen.  Der  gewöhn- 
lichen Ansicht  entgegen  stellt  A.  die  Saug-Insektcn  über  die  Käuer,  weil 
die  Saug-Organe  durch  Metamorphosen  aus  den  Käu-Organen  hervorgehen. 
Naih  dieser  Gestaltung  der  Klassifikation  erhalten  wir  folgendes  Bild 
der  Beziehungen  zwischen  Ürganisations-Höhe  und  Wohn-Element  der 
Thiere,  immer  in  aufsteigender  Reihenfolge,  wogegen  nämlich  3  solcher 
Elemente,  Seewasser,  Süsswasser  und  Luft  (Land)  unterschieden  werden, 
die  in  genannter  Ordnung  gewöhnlich  auch  einem  immer  höhern  Organi- 
sations-Typus  zu  entsprechen  pflegen.  Diess  ist  so  beständig,  dass,  wo 
sich  eine  Abweichung  ergibt,  gewiss  auch  ein  andres  Gesetz  zu  erkennen 
seyn  wird,  welches  diese  Abweichung  bedingt.  Solcher  Gesetze  lassen 
sich  bereits  einige  angeben.  So  1)  Unvollkommene  Thiere,  welche  ihr 
ganzes  Leben  in  1  —  2  Jahres-Fristen  vollenden,  sind  genauer  an  die  äussren 
Bedingungen  gebunden.  Höhere  sind  in  dieser  Beziehung  selbstständiger; 
die  Selbstständigkeit  ihrer  Organisation  überwiegt  auch  leichter  den  Ein- 
fluss  des  Wohn-Elements  und  lässt  sie  leichter  dessen  Grenzen  über- 
schreiten. 2)  Thier-Gruppen,  die  ihre  höchste  Entwicklung  schon  in  einer 
frühem  geologischen  Periode  gefunden,  wo  Süsswasser  und  trocknes  Land 
noch  weniger  vorhanden  waren,  und  welche  jetzt  mehr  zurücktreten,  konn- 
ten sich  damals  in  einzelnen  Formen  auch  nicht  so  leicht  bis  zur  Be- 
wohnung  von  Süsswasser  und  Luft  erheben,  als  diejenigen,  die  erst  jetzt 
ihre  höchste  Entwicklung  erreichen. 

T  h  i  e  r  -  K  r  e  i  s  e. 
(Kreiie)  (Organisations-Stufe)  (VVohu-Element) 

Ausser  den  Fischen  fast  alle  in  der  Luft. 
Meistens  in  der  Luft,  nur  2  Klassen  in  See-  und 

Süss- Wasser. 
Meistens  im  Wasser,  manche  im  Süsswasser; 

wenige  in  der  Luft. 
Alle  im  Wasser;  nur  Hydroidcn  im  Süsswasser. 

.    S  t  r  a  I  e  n  t  h  i  e  r  e. 

rWoliii-Element) 
Meer. 

Meer,  nur  die  wenigen  Hydroiden  in  Süsswasser. 
Meer. 

B.    Weich  thiere. 
Alle  im  Seewasser. 

Meist  in  Salz-,  einige  in  Süss-Wasser,  wenige  auf 
dem  Lande. 
Acephalen  I  Alle  im  Wasser,  wenige  Bryozoa  und  Muscheln 

im  Süss-Wasser. 
Hier  nehmen  also  gegen  die  Stialenthierc  verglichen  die  Süsswasser- 
Formen  sehr  zu:  Land-Formen  gesellen    sich  jetzt   erst  bei.     Vergleichen 


W  i  r  b  e  1 1  h  i  e  r  e 

IV 

K  e  r  b  t  h  i  e  r  e 

III 

W  e  i  c  h  l  h  i  e  r  e 

II 

S  t  r  a  1  e  n  t  h  i  e  r  c 

1 

A 

rrliicr-KIrissc)             (Ol 

■g.- stufe) 

Kchinodermcn 

III 

Quallen 

II 

Polypen 

I 

1 

Cephalopodcn 

lU 

Gastcropoden 

II 

118 

wir  aber  die  einzelnen  Gruppen  im  Innern  dieses  Kreises,  so  finden  wir, 
dass  die  wenigen  Bryozüen  des  Siisswassers  (wie  die  Hydroiden  bei  den 
Quallen)  nicht  die  Iiöclislen,  sondern  die  niedersten  Bryozoen  sind,  zum 
Beweise,  dass  diese  Tliiere  sich  noch  nicht  für  Erliebung  zu  einer  hohem 
Organisation  in  einem  andern  Element  eignen,  oder  dass  sie  im  Ganzen 
noch  zu  sehr  von  ihrem  Elemente  abhängig  sind.  Alle  Tunicaten  und 
Brachiopoden  sind  meerisch ;  die  Lamellibranchiaten  nur  geringentheils 
Bewohner  des  Siisswassers.  Aber  diese  Siisswasser-Bewoluier,  die  Naja- 
den,  scheinen  dem  Vf.  die  höchste  Stelle  unter  den  Lamellibranchiaten 
einzunehmen,  weil  ihr  Mantel  ringsum  offen,  der  Fuss  wie  bei  den  Ga- 
steropoden  frei  und  ihre  Siphonen  nicht,  wie  doch  selbst  bei  den  Ascidien 
verlängert,  und  die  Kiemen  höher  unter  dem  Mantel  wie  bei  den  Gastero- 
poden  gelegen  sind  (die  monomyen  Lamellibranthier  stehen  zwischen 
Brachiopoden  und  Dimyen).  Dann  gehörten  also  die  unvollkommensten 
wie  die  vollkommensten  Acephalen  dem  Siisswasser  an.  II,  Bei  den  Ga- 
steropoden  sind  alle  Foraminiferen,  Pteropoden  und  Heteropoden  meerisch; 
nur  die  höchsten  von  ihnen,  die  ächten  G.istcropoden  enthalten  Siisswasser- 
und  Land-Bewohner.  Da  nun  die  unvollkommenen  Phlebcnteraten  zu  den 
Kienien-Gasteropoden  gehören,  die  fast  alle  im  Meere  und  nur  geringen- 
theils (Paludina,  Valvata,  Ampullaria)  in  Susswasser  leben,  und  da  die 
übrigen  Sü-swusser-Bewohner  selbst  Lungen  besitzen,  so  werden  sie  sich 
zweifelsohne  in  dieser  Ordnung  an  die  voiigen  anschliesscn  ;  Piilebcntercn, 
andre  Kiemen  Gastei  opoden,  Lungen-Süs.swasserbewohner ,  Lungen-Land- 
bewoiiner.  da  diese  letzten  die  vorletzlen  zweifelsohne  noch  überragen 
durch  die  Entwicklung  der  Tentakeln,  die  Form,  Stellung  und  Entwick- 
lung der  Sinnes-Organe  u.  s.  w.  Hier  erst  heinen  also  die  ersten  Land- 
Bewohn'-r.  III.  Obwohl  aber  einige  Cephalopoden  in  der  Höhe  ihrer  Or- 
ganisation manchen  Vertehraten  nahe  stehen,  enthalten  sie  doch  weder 
Susswasser-  noch  Land-Bcwuhner,  in  Folge  der  schon  oben  angedeuteten 
Ursache:  weil  nämlich  ihre  höchste  Entwicklung  in  eine  frühere  geolo- 
gische Zeit  fällt,  wo  der  Ozean  eine  noch  weit  ausgedehntere  Herrschaft 
besas.s.  Der  Kreis  der  Weichthiere  enthält  aber  noch  keine  ganz  aus 
Land-  oder  Süsswasser-Bewohnern  zusammengesetzte  Klasse,  es  sind  mehr 
nur  einzelne  kleine  Gruppen,  die  als  solche  auftreten. 

C    K  e  r  b  t  h  i  e  r  e. 
Insekten  III  Ganz  in  der  Luft  lebend. 

Kruster  II  Ganz  im  Wasser,  meistens  im  Meere. 

Würmer  1  Parasitisch  von  den  Säften  andrer  Thiere  oder 

im  Wasser  lebend. 
Hier  gehören  zwar  2  Klassen  ganz  dem  Wasser,  aber  bei  Weitem  die 
grösste  Anzahl  der  Ordnung,  Familien  und  Arten,  in  der  dritten  Klasse 
vereinigt,  ganz  der  Luft  an.  Es  ist  eine  strengre  Scheidung  eingetreten, 
obwohl  einige  Würmer  auch  in  feuchter  Erde,  einige  Kruster  in  feuchter 
Luft,  und  wieder  einige  eigentliche  Insekten  auch  zeitweise  unter  Wasser, 
jedoch  mit  Luft-Athmung.  loben  können.  Geht  man  auf  die  Klassen  ein, 
so  sind  die  untersten  Typen  einer  jeden   Klasse    entweder    als    Parasiten 


119 

an  niulrc  'Ihiere  oder  ans  Wasser  ^ebinulen.  So  erheben  sich  bei  den 
Würmern  die  Eingeweide-Würmer,  Wasser- Würmer  und  Luft-Würmer 
übereinander.  So  die  parasitischen  und  die  selbstständigen  Kruster-  aber 
selbst  die  parasitischen  Kruster  kommen  zum  grossen  Theil  auf  Süss- 
wasser-Fisthen  vor  und  selbst  unter  den  Iiöchststehenden  Dekapoden  sind 
die  langschwäiizigen  Süsswasscr-Krebsc  unvollkommner  als  die  meerischen 
Krabben.  Doch  haben  die  Amerikanischen  Süsswasser-Kruster  {the  cratc 
fishes)  weniger  Kiemen  als  die  übrigen  Rrusfcr;  und  der  Parasitismus 
mag  manchen  Krtster  auf  einer  niedrigem  Stufe  der  Metamorphose  zu- 
rückgehalten liaben,  der  seiner  Verwandtschaft  nach  bei  selbstständiger 
Existenz  zu  einer  höheren  berufen  gewesen  wäre.  Unter  {\en  Käu-Insek- 
ten  stehen  die  Neuropteren  am  tiefsten,  durch  ihren  wurmförmigen  Kör- 
per und  ihr  Larven-Leben  mit  Kiemen  im  Wasser.  Auch  von  den  zunächst 
folgenden  Koleopteren  leben  viele  Larven  im  Wasser.  Noch  höher  stehen 
die  Orthopteren  mit  einer  weniger  ausgedehnten  Metamorphose,  die  aber 
ganz  dem  Lande  angehört.  Die  Hymenopteren  endlich  erleiden  eine  Meta- 
morphose von  sehr  ungleicher  Ausdehnung;  aber  manche  derselben  kom- 
men im  Larven-Zustande  dem  der  Schmetterlinge  nahe.  Die  Saug-Insek- 
ten  beginnen  mit  denen,  die  unreif  oder  reif  am  meisten  im  Wasser  le- 
ben [?Hemiptera]:  sie  gehen  zu  den  Diptera  über,  welche  als  Larven  noch 
oft  im  Wa.sser,  später  immer  ausschliesslich  in  der  Luft  leben:  sie 
schliessen  mit  den  Lepidopteren,  welche  ganz  auf  die  Luft  angewiesen 
.sind.  Die  Larven  der  eigentlichen  Insekten  nnd  diese  selbst,  wenn  sie 
im  Wasser  leben,  gehören  fast  nur  dem  Sü.«svvasser  an. 

Mit  diesen  Verhältnissen  stimmt  auch  das  gfologische  Auftreten  über- 
ein. Zuerst  sind  Echinodermen  vorwallend,  und  zwar  fast  lauter  Krinoi- 
den,  dann  die  Weichlhiere  häufiger,  anfangs  in  Brachiopoden  vorwaltend, 
die  Najaden  erst  in  Tertiär-Schichten  auftretend  j  die  Kiemen-Gasteropoden 
bis  zur  Tertiär-Zeit  fast  allein  vorhanden,  wo  erst  die  Lungen-Gasteropoden 
hinzukonnnen.  Endlich  unter  den  Kerblhieren  zuerst  die  Kruster  mit  lau- 
fer einförmigen  Körper-Ringeln  (Trilübiten);  —  dann  «iie  eigentlichen  Insekten 
mit  den  Skorpionen  beginnend;  von  den  geflügelten  Formen  anfangs  die 
JNeuropteren  vorwaltend,  die  Sauger  erst  in  der  Tertiärzeit  auftretend. 

D.    Wirbelthiere. 
Säugethiere  IV  Meistens  Landthiere;  die  Wale  unter  Meerwas- 

ser, die  Sirenen  und  Seehunde  ans  Meer- 
wasser gebunden  ;  die  übrigen  dem  Lande 
gehörig. 
Vögel  III  Fast  nur  dem  Lande  gehörig,  auch  die  Wasser- 

Vögel  mir  auf  dem  Wasser. 
Amphibien  II  Nicht  zur  Hälfte  aufs  Wasser  angewiesen,  sel- 

ten meerisch  (See-Schildkröten),  meist  dem 
Süsswasser  angehörig. 
Fische  1  Ganz  aufs  Wasser  beschränkt,  meist  meerisch. 

Die  hohe  Selbstständigkeit  der  Organisation  der  Wirbelthiere  über- 
ragt in  den  zwei  höchsten  Klassen  die  äusseren  Beziehungen  in  der  Weise 


120 

dass  die  Beziehung^  der  Organisation  zum  Wohn-Element  niclit  niebr  als 
so  nodivvendig  hervortritt  und  sich  eine  so  bestimmte  Abstufung  in  joner 
Beziehung  nur  in  den  untergeordneten  Abfheiiungen  zu  erkennen  gibt. 
Es  sind  daher  noch  mehr  Süss-  und  See-Wasserthiere  zwischen  diesen 
Land-Thieren  vorhanden,  als  man  nach  dem  allgemeinen  Gesetze  erwartet 
hüben  würde.  Aber  während  die  Fische  noch  ganz  fürs  Wasser  gebaut 
sind,  sind  die  3  hölieren  Klassen  ganz  fürs  Land  gebaut  und  ihre  An- 
passung fürs  Wasscrieben  ist  nur  untergeordneter  Art.  Agassiz  sucht  hier 
geirgcnflirl)  den  Satz  durchzuführen,  dass  grosse  Körper-Entwicklung  ein 
Zeichen  der  Inferiorität  in  der  Organisation  sey  *,  und  findet  eine  Stütze 
für  diese  Ansicht  auch  in  der  ausnahmsweise  [also  fürs  Gegentheil  spre- 
chenden] ansehnlichen  Grösse  der  Jugend-Zustände,  z.  B.  der  Raupe  und 
Puppe  gegenüber  dem  vollkommenen  Insekt,  weiches  durch  Häutungen, 
Einspinnung  und  Flügel-Bildung  viel  Rumpf- Masse  verliert",  er  bemerkt 
jedoch,  dass  Diess  nicht  sowohl  für  ganze  MIasscn  (Fische  gegenüber  den 
andern  Wirbelthieren) ,  als  nur  für  die  untei  geordneten  Abiheilungen 
gelle,  indem  jede  Gruppe  ihre  Normal-  oder  Mittel-Grosse  besitze  unab- 
hängig von  deu  übrigen  Gruppen.  Als  Charakter  der  Inferiorität  der 
Organisation  muss  er  aber  nach  Obigem  im  Einzelnen  öfter  auf  die  Was- 
ser- als  auf  die  Land-Thicre  fallen.  —  Die  Fische  im  Besonderen  sind 
grösserentheils  meeiisch;  die  Süsswasser-Bewohner  sind  es  mitunter  nur 
zeitweise  und  kommen  in  verschiedenen  Familien  vor;  doch  die  wenigen 
noch  lebenden  Sauroiden,  die  so  sehr  sich  den  Reptilien  nähern  (Lepi- 
dosteus  und  Platypterus,  insbesondere  aber  Lepidosiren)  sind  Süsswasser- 
Bewohner.  Auch  die  sehr  tief  stehenden  Cyclostomen  bieten  See-  und 
Süsswasser-Fische  dar;  aber  der  tiefste  von  ihnen  und  von  allen  Fischen, 
Branchiostoma,  ist  meeriseh.  Unter  den  Percoiden  sind  die  mit  2  Rücken- 
flo.ssen  vorzugsweise  Süsswasser-Bewoiincr.  Unter  den  Aalen  sind  die 
ohne  Brust-Flossen  meerisch.  Unter  den  Cycloiden  [die  tiefer  als  die 
Chenoiden  stehen,  und  doch  meistens  Süsswasser-Fische  sind]  im  Ganzen 
genommen  sind  die  unvollkommneren  Brust-  und  Kehl-Flosser  meerisch, 
die  Bauch-Flosser  vorzugsweise  in  Süsswasser  zu  Hause  u.  s.  w.  —  Bei 
den  Reptilien  sind  die  tiefst-stehenden,  die  Batrachier  zwar  mehr  ans 
Wasser  gebunden,  aber  keine  ans  Seewasser,  die  geschwänzten  mit  blei- 
benden  Kiemen  natürlich  tiefer  stehend  und  Wasser-Bewohner.  Auch  bei 
den  ungeschwänzfen  stehen  die  Frösche  mit  ihren  halben  Schwimmfüssen 
tiefer,  als  die  mehr  aufs  Trockene  verwiesene  Kröte.  Unter  den  Schlan- 
gen gibt  es  nur  wenige,  die  ans  Wasser  und  zwar  ans  Seevvasser  gebun- 


•  Ich  möchte  Das  nicht  geradezu  unterschreiben.  Ich  habe  im  Index  palaeontologicus 
grössere  Körper-Massen  bezeichnet  theiis  als  Kigenthum  grösserer  Wohn-Räume  (grosser 
Kontinente  und  grosser  Meere  den  kleinern  gegenüber),  theiis  aiszusammentreffend  in  Zeit 
und  Ort  mit  der  grössten  Entwicklung  der  Thier-Gnippen,  denen  sie  angehören.  Wo  die 
Bedinsungen  die  Formen-Entwicklung  am  meisten  begünstigen,  wird  unter  Andern  wohl 
auch  am  ehesten  die  grösste  Knr^er-Mnsse  zu  erwarten  seyn.  Im  Übrigen  möchte  ich 
nicht  den  grossen  Elephanten  unter  das  kleine  Schwein  ,  den  grossen  Orang  unter  die 
leine  Meerkatze  und  den   Löwen  unter  die  Wildkatze  stellen  !  Br. 


121 

(Jen  sind;  ihre  zusammengedrückten  Schwimm-Schwänze,  ein  Fisch-Charak- 
ter, stellt  sie  tiefer  als  die  Landbewohner,  unter  welclien  einige  sogar 
Rudimente  von  Hinterfüssen  besitzen.  Unter  den  Sauriern  möchte  es  auf- 
fallen, dass  die  höchst-stehenden,  die  Krokodile,  vorzugsweise  ans  (süsse) 
Wasser  gebunden  sind,  während  fast  alle  andern  Echsen  auf  dem  Trock- 
nen leben:  es  sind  aber  auch  keine  eigentlichen  Echsen,  sondern  Über- 
bleibsel einer  früher  seiir  entwickelten  Gruppe,  welche  durch  ihre  kon- 
kaven Wirbelkörper  und  z.  Th.  Ruderfüsse  ohne  Trennung  der  Zehen  tiefer 
als  die  jetzigen  stunden  und  im  Meere  lebten.  Auch  unter  den  Schild- 
kröten stehen  die  Meeres  Bewohner  a)it  ihren  Ruderfüsscn  gewiss  tiefer, 
als  die  Sumpf-Bewohner  mit  Schwimm  Füssen  und  diese  tiefer  als  die 
Land-Bewohner  mit  getrennten  Zehen,  was  auch  durch  andre  Verhältnisse 
der  Organisation,  namentlich  die  äusserst  eierreichen  Ovarien  der  See- 
Schildkröten  (ein  Fisch-Charakter)  bestäligt  wird.  —  Unter  den  Vögeln 
sind  die  Wasser-Vögel  von  jeher  tiefer  als  die  Land-Vögel  gestellt  wor- 
den. Ihre  Füsse  bleiben  beständig  auf  der  Embryo-Form  derselben  ste- 
hen; ihre  Flügel  sind  [oft]  schwächer,  ihre  Federn  mehr  sthuppenartig, 
ihre  Eier  zahlreicher,  ihre  Sorge  für  die  Jungen  weit  geringer,  indem 
diese  gleich  nach  dem  Ausschlüpfen  aus  dem  Eie  sich  selbst  Nahrung  su- 
chen. Etwas  höher  stehen  die  zum  Theil  ungeflügelten  Sumpf-  und  die 
Hühner-Vögel,  doch  nicht  so  hoch  als  die  Hock-Vögcl,  welche  am  meisten 
für  ihre  Jungen  besorgt  sind  und  fast  gar  nicht  im  Wasser  leben.  —  Bei 
den  Säugthieren  ist  die  unterste  Ordnung,  die  der  Wale,  ganz  ohne  Hinter- 
füsse,  vorn  mit  Flossen  und  mit  einem  Ruder-Schwanze  und  zuweilen 
einer  Rückenflosse,  auch  ganz  ins  Wasser  verwiesen,  und  zwar  ins  See- 
wasser [Inia  ist  ein  Flussthier].  Die  bisher  mit  ihnen  zusammengestellten 
Sireniden,  ebenfalls  Meeres-  und  Süsswasser-Bewohner  sind  eigentlich  nur 
die  unvollkommensten  Pachydermen ,  deren  vollkommnere  Formen  dem 
Lande  angehören  ;  denn  der  flussbewuhncndc  Hippopotamus  steht  gewiss 
wieder  tiefer  als  Rhinoceros,  Elephant  und  Pferd.  So  ist  auch  der  Was- 
scr-bewohnende  Ornifhorhynchus  gewiss  unvollkommncr  als  die  ihm  sonst 
80  nahe  stehende  Echidna,  wie  die  flossenfüssigen  Nager  tiefer  stehen, 
als  die  auf  dem  Trocknen  lebenden.  So  auch  Myogale  bei  den  In- 
scctivoren-,  so  die  Seehunde  und  Walrosse  bei  den  Raubfhieren,  und  so 
selbst  der  Eisbär  über  dem  Bären. 

Im  Ganzen  sind  die  Radialen  ausschliesslich  fürs  Wasserleben  gebaut. 
Die  Weichthiere,  obwohl  nach  einem  ganz  andren  Plane  gebildet,  eben 
so:  daher  die  Land-Bewohner  unter  ihnen  dem  trockenen  Element  nur 
wenig  angepasst  sind,  nur  leichte  Modifikationen  erfahren.  So  auch  bei 
Würmern  und  Krustern  unter  den  Kerb-Thicrcn ;  von  ihnen  zu  den  Luft- 
Insekten  i.st  kein  grösserer  Sprung,  als  bei  diesen  letzten  selbst  vom  Raupen- 
zum  ausgebildeten  Zustande.  Bei  den  Wirbcl-Thieren  ist  Diess  anders, 
Sie  sind  wesentlich  fürs  Leben  in  der  Luft  und  auf  dem  Trocknen  ge- 
baut, und  dieser  Bau  \»t  bei  einigen  von  ihnen  nur  dem  Aufenthalte  im 
Wasser  angepasst.  Denn  wenn  auch  Fische  Kiemen  statt  Lungen  besitzen, 
60  ist  bei  ihnen  doch    bloss  ein  Organ   des  Embryo-Zuslaudes   permanent 


122 

geblieben,  welches  bei  Reptilien,  Vögeln  und  Säugthieren  in  jenem  Zu- 
stande ebenfalls  vorhanden  ist,  aber  sich  nicht  weiter  entwickelt  oder 
wieder  zurücktritt  in  dem  Grade,  als  die  Lungen  sich  ausbilden,  welche 
ihrerseits  bei  den  Fisciien  bloss  als  Schwimm-Blasen  auftreten.  Denn  die 
Lungen  fehlen  den  Wirbel-losen  Thicren  ganz,  und  die  Tracheen  der 
Luft-Insekten  und  die  sogenannten  Lungen-Säcke  der  Spinnen  sind  nur  die 
modifizirten  Branchien  der  Wirbelthierc ,  wie  Ag.  schon  an  einer  andern 
Stelle  nachgewiesen  hat  *. 


P.  Merian:  über  die  Schaalthiere  im  Süss  wass  e  r  -  Kalke 
bei  Miühausen  (llasl.  Verhandl.  1846/S,  VIII,  33).  Die  Süsswasser- 
Kalke  des  Rhein-Thales  sind  offenbar  Absätze  aus  den  See'n,  welche  nach 
Abfluss  des  Tertiär-Meeres  zurückgeblieben  waren.  Sic  haben  die  grösstc 
Verbreifung  zwischen  Mülhausen  und  Altkirch;  die  dort  gefundenen  Kon- 
chylien  stehen  jedoch  denen  des  rechten  /{Äem-Ufrrs  zwischen  Kleinen- 
Kerns  und  nelUngen  näher,  als  jene  vom  Tüllinger  Berge  u.  a.  O.  näher 
bei  Basel.  Die  von  Hrn.  J.  Köchlin  bis  jetzt  gefundenen  Arten  sind: 
Pal  ud  i  n  a  ci  r  ein  na  t  a  M.,  eine  kleine  neue  Art ;  —  Me  la  nia  Es  eher! 
Brgn.,  sehr  häufig,  bei  H""»»  Länge  14  Umgänge  zählend,  von  denen  sie 
später  einen  Theil  abstösst,  so  dass  sie  bei  60"""  deren  nur  noch  10—11 
hat;  —  Helix  sp.  gross,  mit  Spuren  eines  Bandes,  gewöhnlich  platt  ge- 
drückt, mit  4*2  Umgängen  bei  25">"*  Durchmesser:  —  Helix  sp.  ziemlich 
flach,  mit  4— 4'/,  Umgängen  bei  10""»  Breite;  —  Helix  sp.,  ganz  klein, 
kegelförmig  aufgerollt,  gerippt  oder  fein  gestreift.  Alle  3  Arten  selten 
und  bis  jetzt  noch  nicht  mit  Mund-Rand  gefunden;  —  Bulimus,  Imal 
ohne  Mund  gefunden,  glatt  14™">  lang  auf  4"""  Breite:  —  Pupa,  eben- 
falls ohne  Mündung,  selten;  —  Cyclo  Stoma  Koechlinanum  Mer. 
mit  7  Windungen  18 V2"'"'  lang,  dem  C.  mumia,  C.  ferrugineum  ,  C.  Vol- 
tzanum  ähnlich,  häufig;  —  Auricula  alsatica  Mer.  mit  7  Windungen 
13'/.,nim    lang    und  6™"'  breit;    ähnlich  der  lebenden  A.  myosotis  ,  häufig; 

—  A.  protensa  Mer.  bei  10*/;^— 11  Windungen  14 ',2"'"^  '^"S  "'"^  ^  breit, 
mit  langer  ausgebreiteter  Lippe  und  einer  Rinne  auf  den  Windungen  der 
Steinkerne,  selten;  —  Limnaens  palustris  Drpd.  von  dem  lebenden 
nicht  unterscheidbar,  mit  6 — 7  Windungen  bei  34™"'  Länge,  sehr  häufig; 

—  L.  politus  bei  0  Umgängen  9^/4"""  lang  und  3"""  breit;  die  Naht 
kaum  sichtbar:  selten;  —  Limnaeus  sp.  ,  langgezogen:  —  Planorbis 
spp.  "2,  klein,  eine  mit  flachen,  die  andre  mit  zugerundeten  Umgängen:  — 
Cyclas.  nur  einmal  gefunden;  Wirbel  nicht  sehr  excentrisch  ,  der  Kern 
mit  ziemlich  starken  Falten.  Die  Gesammtheit  dieser  Arten  würde  auf 
ein  Klima  dem  jetzigen  Mittelmeerischen  entsprechend  hinweisen. 


*  Dieses  Thema  würde  sich  noch  weiter  haben  ausführen  lassen  ,  wenn  der  Vf.  aucli 
den  Aufenthalt  geflügelter  Wesen  in  der  Luft  mit  hinzugezogen  hätte,  welclier  jedoch  ,  ob- 
wohl er  kompliiirtere  Bewegung«-  und  beziehungsweise  Athniungs-Organe  voraussetzt, 
als  der  auf  der  Erd-Obertläche,  keineswegs  die  Bedingungen  einer  Gelangung  lu  den  höch- 
sten Organ isations-Slufen  in  sieh  schliesst.  Br. 


123 

J.  Barrande:  Graptolithes  de  Boheme:  extrait  du  Systeme 
Siluric7i  du  centre  de  la  Boheme  (74  pp.  ,  4  pll.  Vrague  1850,  8**). 
Obächon  (Lese  Scliiift  als  ein  Auszug  aus  dem  Systeme  siturien  bezeichnet 
wird,  so  ist  sie  doch  im  Format  von  Text  und  Tafeln  ganz  vcrsciiicden. 
Auch  ist  dieser  Thcil  des  „Systems"  noch  nicht  gedruckt  und  soll  erst 
ganz  zuletzt  gedruckt  werden,  daher  der  Vf.  sich  durch  diese  kleine  Schrift 
einstweilen  die  Prioiität  seiner  Enldeckungcn  und  Beobachtungen  zu  wahren 
strebt.  Geinitz  hat  iini  in  dieser  Arbeit  mit  Exemplaren  seiner  Sächsischen 
Arten  unterstützt  und  wird  eine  eigene  Arbeit  wohl  bald  folgen  lassen, 
wie  ein  junger  Mann  Ed.  Sukss  aus  Prag  eine  ebenfalls  über  die  Böhmi- 
schen:, von  Hall  hatte  der  Vf.  die  Beschreibung  vieler  N. -Amerikanischen 
Arten  kürzlich  erhalten.  WieBKCK,  Nu.ssoN  und  Hall,  zählt  er  die  Grap- 
tolithen  zu  den  Pennatulinen.  Sie  bestehen  aus  einer  langen  ein- 
fachen oder  doppelten  Reihe  von  Zellen,  welche  in  einer 
Ebene  (c  i  ns  ei  tig  ode  r  2  z  e  i  I  ig)  län  g  s  einer  geraden,  gebo- 
genen oder  t  h  u  r  m  f  0  r  m  i  g  -  s  p  i  r  a  I  e  n  soliden  A  x  e  befestigt 
sind,  längs  welcher  alle  zu  einer  Reihe  gehörigen  Zellen 
innerlich  k  o  m  m  u  n  i  /.  i  r  e  n  und  wovon  jede  an  ihrem  freien 
E  n  d  e  i  h  r  e  eigene  s  e  I  b  s  t  s  t  ä  n  d  i  g  e  etwas  v  e  r  e  n  g  t  e  M  ii  n  d  u  n  g 
hat.  Zuweilen  ist  jene  Axe  aufgelöst  ,  und  dann  hinterbleibt  eine  Rinne 
an  ihrer  Stelle,  die  man  für  einen  Siphon  gehalten  hat;  wenn  sie  aber 
nicht  aufgelöst  worden  ,  überragt  sie  bei  einigen  Arten  die  Zellen-Reihe 
als  ein  feiner  runder  Faden.  Bei  den  Qzciligcn  Formen  scheint  aber  diese 
Axe  an  den  2  Zeilen  hin  zusammengedrückt  und  doch  noch  aus  2  platten 
Streifen  (einer  doppelten  Sclicide-Wand)  oder  gar  aus  4  Fäden  zusammen- 
gesetzt zu  seyn.  Nur  bei  der  Sippe  Gladiolites  scheint  eine  solide  Axe 
nicht  vorhanden  zu  seyn.  Alle  Verbindungs-Öffnungen  zwischen  den  au- 
einandergrenzenden  Zellen  einer  Reihe  bilden  einen  Kanal  längs  der  Axe, 
einerseils  oder  beiderseits,  der  aber  oft  keine  eigne  Wand  erkennen  lässt 
und  daher  als  eine  blosse  Lücke  ersciieint :  doch  zeigt  sich  oft  eine  Ver- 
engung der  Zelle  über  der  Verbindungs-Üftnung,  Da  bei  Gladiolites  die 
Axe  oder  Scheide- Wand  zwischen  beiden  Zcllcn-Reüien  fehlt,  so  bleibt 
nur  ein  Kanal  erwähnter  Alt  übrig.  Diese  längs  der  ganzen  Axe  durch 
alle  Zellen  hindurch  zusammenhängende  Lücke  war  zweifelsohne  von  dem 
gemeinsamen  Thier-Körper  ausgefüllt,  aus  welchem  dann  seitwärts  die 
Knospen  entsprangen,  welchen  die  einzelnen  Zellen  entsprechen,  und  die 
von  ihm  ans  ernährt  wurden.  Meistens  stehen  sie  schief,  selten  recht- 
winkelig zur  Axe:  berühren  einander  seillich  (oben  und  unten)  im  grössten 
Theile  ihrer  Länge  ,  oder  wenig  ,  oder  gar  nicht  [Rasiriles  —  hier  muss 
sich  also  ein  wiiklicher  Verbindungs-Kanal  mit  streckenweise  eigener 
Wandung  finden.]  Die  Zellen  sind  immer  länger  als  dick,  im  Querschnitt 
rund  oder  durch  Gegendruck  viereckig,  na«  h  oben  meistens  verengt,  Ende 
hakenlöiinig  zurückgebogen.  Llnter  der  Mündung  jeder  Zelle  steht  oft 
eine  Spitze  oder  Borste,  oder  es  sind  deren  zwei  übereinander  oder 
nrbcneiiiander.  Die  Wandungen  oder  die  Decke  des  Polyps  war  ein  Häut- 
then  von  etwa  ,Vi  """"  Dicke,  glänzend,  hornartig,  wahrscheinlich  ganz  ohne 


124 

kohlensauren  Kalk,  ist  aber  nur  selten  erhalten,  zuweilen  verkiest  oder 
verkohlt,  meistens  aufgelöst;  die  Oberfläche  schief  gestreift;  die  Masse 
derselben  zusammenhängend ,  nur  bei  einer  Art  netzartig  durclibrochen. 
Die  einzeiligen  Arten  werdeu  über  20  Centim.  lang,  sind  an  einem  Ende 
spitz  und  nehmen  am  andern  bis  auf  41""  Breite  zu.  Die  zweizeiligen 
sind  wenigstens  in  Böhmen  nicht  über  40"»™  lang  (ohne  den  nackten  Theil 
der  Axe),  bis  4  und  S«*""  breit  und  1">™  dick.  Aber  jede  Art  nimmt  von 
ihrer  Spitze  an,  welche  zweifelsohne  der  zuerst  gebildete  Theil  war,  nur 
bis  auf  eine  gewisse  Breite  zu  (partie  en  croissance)  und  bleibt  dann  bis 
ans  Ende  gleichbrcit  (partie  adulte),  wie  lang  sie  auch  noch  werden  mag. 
Am  dünneren  Ende  stehen  die  Zellen  immer  weiter  auseinander  als  bei 
grössrer  Breite  und  am  aduiten  Theile,  und  der  Kanal  muss  jedenfalls  vor 
den  Knospen  oder  Zellen  dagewesen  seyn  (bei  einigen  Arten  verbinden 
sich  zwei  Axen  mit  ihren  spitzen  Enden  in  eine  gemeine  Wurzel  und 
(scheinen  damit  angewachsen  gewesen  zn  seyn).  Zuweilen  fehlen  die 
Zellen  an  einem  Theil  des  dünnen  Endes:  oft  fehlen  sie  am  dicken  Ende, 
und  die  Axe  erscheint  nackt:  Erstes  wohl  in  Folge  eines  zufälligen, 
Letztes  in  Folge  eines  regelmäsigen  Abstcrbens  eines  Theiles  ihrer  Zellen. 
(Eine  Grössen-Abnahme  der  Zellen  nach  dem  breiten  Ende  hin  kommt 
wohl  nur  scheinbar  durch  theilweise  Zersetzung  derselben  vor).  Die 
schon  erwähnten  Gabel-formigen  Arten  scheinen  mit  ihrem  (spitzen)  Stiel 
als  mit  einer  Wurzel  in  einen  andern  Körper  eingepflanzt  gewesen  zu 
seyn:  bei  den  einfachen  findet  man  ein  solches  Anzeigen  niemals.  Der 
bei  Hall  vorkommende  Fall ,  wo  eine  zweizeilige  Form  als  ein  Ast  aus 
einer  einzeiligen  entspringt  (Gr.  ramosus)  ,  mag  wohl  nur  in  einer  theil- 
wcisen  Zersetzung  der  zweizeiligen  vor  der  Einschliessung  oder  in  einer 
besonderen  Übereinanderlagerung  von  2  Exemplaien  einer  einzeiligen  Art 
im  Gesteine  seinen  Grund  haben.  Der  Vf.  theilt  hiernach  die  Familie  in 
folgende  3  Genera  ein: 

Axe  solid,  längs  jeder  Zellen-Reihe;  Zellen-Wand  undurchbrochen. 

Nachbar-Zellen  in  ihrer  Länge    mehr    oder    weniger    mit  einander    in 

Berührung Graptolithus  L, 

Zellen  einzeilig  längs  der  Axe Monoprion  B. 

Zellen  2zeilig,  an  2  cnt°egengesetzten  Seiten  der  Axe Diprion  B. 

Nachbar-Zellen  sich  nicht  berührend. 

Zellen  einzeilig  längs  der  fadenförmigen  Aze Rastritei  B. 

Zellen  zweizeilig? 
Axe  fehlt;  Zellen-Wände  netzartig  durchbrochen. 
Nachbar-Zellen  sich  berührend. 

Zellen  zweizeilig Gladiolitei  B. 

Zellen  einzeilig? 

Sollte  die  Ähnlichkeit  des  Namens  Gladiolites  mit  dem  Pflanzen-Namen 
Bedenken  erregen,  so  schlug  der  Vf.  Retiolites  dafür  vor.  Der  Verf. 
theilt  bekanntlich  das  Böhmische  Silur-Gebirge  in  ein  untres  (A — D)  und 
obres  (E— H),  und  darin  kommen  die  Graptolithen  nicht  in  kieseligen  Schich- 
ten, sondern  hauptsächlich  in  Schiefern  (D)  und  kalkigen  Gesteinen,  doch 
dann  wohl  vorzugsweise  in  Kalk-Sphäroiden,  welche  in  den  Schiefern  liegen 


193 

(£),  nächst  der  Grenze  der  2  Haupt-Abtheiluugen  vor.  Es  bezeichnen  a 
schwarze  blättrige  Schiefer,  b  sehr  Gliinmer-reiche  Schiefer,  c  gelblich- 
grauen  Schiefer,  d  abermals  Schiefer,  e  darauf  liegende  Kalksteine. 


Die  21  Arten  kommen  vor  in 


G  r  a  p  1 0  1  i  t  h  u  s 
Monoprion  "  priodon  Gein. 

Lomatoceras  pr.  ,    Br., 
Gr.  Ludensis  Mürch. 

**  Bohemiciis  B 

Rocmeii  n 

colonus  n 

tectus  « 

nuntius  n 

Halli  n 

Bccki  n 

Nilssoni  n 

Chimaera  n 

testis  n 

*  spiraiis  Gein. 
et  Gr.  couvolulus  G.  non  His. 

turriculatüs  n 

Proteus  n 

Diprion  palmeus  n 

'"?ovatus  n 

Rastrites      Linnaei  n 

fugax  n 

"*  peregrinus  « 

gemmatus  n 

G  I  a  d  i  0 1  i  t e  s '"  Geinitzianus  B. 

Gr.  foliaceus  Gein.,  non 

MüFCH. 


)  S.    T. 
38,    1, 

40,  1, 

41,  2, 

42,  2, 

44,  1, 

45,  2, 
48,   2, 

50,  3, 

51,  2, 

52,  4, 

53,  3, 

j  54,    3, 

66,  4, 

58,  4, 

59,  3, 
63,   3, 

65,  4, 

66,  4, 

67,  4, 

68,  4, 


F. 
1—14 

15  —  18 

9  —  11 

1-5 

19—20 

6-8 

12-15 

14-18 

16—17 

34—35 

19-21 

10—13 

7  — n 
12-15 
1  —  7 
8-9 
2—4 
1 
6 
5 


69,  4,   16-33 


.  bb    .  d 

bb  .  d 
bb  .  d 
bb  .   d 


Man  sieht,  dass  nur  eine  seltene  nämlich  eigentliche  Graptolilhen* 
(Monoprion-)Art  der  untern  Abtheilung  und  zwar  dem  obersten  Gliede 
(D)  desselben  eigenthümlich  ist  und  sich  in  2  Schichten  (a  und  c)  wieder- 
holt, wenn  anders  die  Reste  in  beiden  zu  einer  Art  gehören.  Dagegen 
zeigen  sich  noch  4  andere  Arten  derselben  Sippe  ebenfalls  in  D,  welche 
eigentlich  in  E  (d  und  e)  zu  Hause  sind,  und  im  ersten  tieferen  Niveau 
nur  in  gewissen  sehr  Glimmer-armen  schwarzen  Thon-Schiefern,  obwohl  zahl- 
reich ,  auftreten  ,  welche  ungefähr  in  der  Höhe  von  b  liegen  (wir  haben 
ihr  Vorkommen  daher  mit  bb  bezeichnet),  nur  eine  geringe  Flächen-Aus- 
dehnung bei  Itlotol  und  Gross-Kuchel  besitzen  ,  aus  derselben  Ma.>ise  wie 
die  Schiefer  Ed  bestehen  ,  wie  diese  mit  Trapp  wechsellagern ,  dieselben 
schwarzen  Kalk-Sphäroide  einschliessen,  dieselben  Fossil-Reste  enthalten, 
während  sie  mit  dem  sehr  Glimmer-reichen  Schiefer  Db,  dessen  Niveau  sie 
einnehmen  ,  und  überhaupt  mit  D  von  organischen  Resten  nichts  gemein 
haben;  daher  der  Vf.  die  ganze  Graptolithen-  und  Mollusken-Bevölkerung 
dieses  Schiefers  als  eine  von  einem  anderen  besonderen  Schöpfungs-Centruin 


126 

schon  früher  angekommene  Colonie  betrachtet,  die  von  einem  Boden  Be- 
sitz genommen ,  welcher  ganz  dem  von  Ed  geg^lichen ,  aber  später  noch 
einm<il  durch  einen  andern  verdrängt  worden  seye.  Unter  D  ist  in  Böh- 
men kein  Graptolith  bekannt;  in  D  ausser  der  erwähnten  Kolonie  nur 
eine  Art;  zwischen  D  abc  und  E  de  liegen  noch  ungeheure  Quarzit-Masscn, 
welche  in  obiger  Tabelle  nicht  angedeutet  sind,  so  dass  also  D  c  und  E  d 
nicht  aneinandergrenzen,  und  erst  über  diesen  Quarzilen  beginnt  in  E  das 
eigentliche  Gebiet  der  Graptolithen ,  wo  sich  2ö  von  21  Arten  auf  den 
Schiefer  beschränken  und  nur  5  von  ihnen  auch  noch  in  die  darüber  ge- 
legenen Kalke  übergehen,  sich  mithin, auf  ein  geringes  Niveau  beschrän- 
ken, das  sie,  anfangs  nur  von  einer  Lingula  begleitet,  vortreflFlich  charak- 
terisiren.  In  England  sind  diese  mächtigen  Quarzitc  nicht  vorhanden ; 
Arten  aus  der  untren  und  obren  Abtheilung  (d.  h.  unter-  und  ober-silurische) 
vermengen  sich  miteinander.  5  —  6  von  diesen  21  Arten  (die  wir  mit  einem 
*  bezeichnet  haben  ,  finden  sich  ,  nach  Vcrgleichung  der  Ton  Geinitz  ge- 
sammelten Exemplare,  in  Thonschiefern  Sachsens  Avieder,  welche  mithin 
wahrscheinlich  mit  obigen  von  gleicher,  silurischcr  Formation  sind  ;  4  andere 
damit  gefundene  Arten  sind  nicht  bestimmbar:  ein  Exemplar  fand  sich  im 
Kiesel-Schiefer  bei  Platten.  Im  Thüringer  Wald  bei  Saalfeld  hat  Richter 
Graptolithen-Schiefer  gefunden  ,  welche  in  gleichem  Niveau  mit  den  Böh- 
mischen liegen.  In  Frankreich  sind  die  Graptolithen  von  FougeroUe  bei 
Caen  seit  lange  bekannt;  ihr  geologisches  Niveau  ist  aber  noch  nicht  fest- 
gestellt. In  England  hatte  Murchison  den  Gr.  Ludensis  (Gr.  priodon)  im 
obern  Silur-Gebiete  aufwärts  bis  in  den  Lower  Ludlow  rock  (in  der  Mitte 
desselben),  den  Gr.  foliaceus  in  den  Wenlock-Scbiefern  an  dessen  Basis 
und  den  Gr.  Murchisoni  in  den  LIandeilo-Flags,  also  tief  im  unteren 
Silur-Gebiete  angegeben.  Philf.ips  und  Salter  zitiren  den  Gr.  Ludensis 
und  Gr.  pristis  mit  Gr.  Murchisoni  und  Olenus  in  den  Llandeilo-Flags  der 
Malvern  Hils.  Nach  Sedgwick  hatte  Ruthven  den  Gr.  sagiltarius  His. 
und  Gr.  latus  M'.  in  den  Skiddaw-Schiefern  noch  unter  den  Merioneth- 
shirer  Lingulen  entdeckt  als  die  bis  jetzt  ältesten  Zeugen  der  Schöpfung; 
doch  fehlen  noch  bestimmte  Nachweisungen.  In  Wales  haben  Jukes  und 
Selwyn  Graptolithen  mit  Lingula  in  der  trappischen  Gruppe  von  SnoW' 
don  (noch  unter  der  ßa/a-Gruppe  voll  Orthis)  gefunden,  was  also  ebenfalls 
zu  dem  ältesten  paläozoischen  Gebiete  Englands  gehört;  doch  fehlen  dort 
noch  solche  Durchschnitte,  durch  welche  die  älteste  Fauna  Böhmens  ein 
sichres  Niveau  damit  erhielte.  In  SO.  Schottland  hat  J.  Nicoi.  ebenfalls 
Graptolithen  entdeckt,  welche  einer  Zone  parallel  mit  und  über  den  Kalk- 
steinen von  Wrae  (==  Llandeilo-Flags)  angehörten.  In  Irland  hat  Port- 
lOCK  10  Arten  nachgewiesen,  nämlich  6  Monoprion-,  3  Diprion-  und  eine 
zweifelhafte  Art  (Gr.  scalaris),  welche  alle  in  den  Schiefern  im  obern  Theile 
des  Üntersilur-Gebietes  vorkommen.  —  In  Portugal  hat  Sharpe  die  Grap- 
tolithen in  Schiefern  und  zwar  in  Gesellschaft  von  solchen  Trilobiten  ge- 
funden, welche  die  Untersilur-Formation  bezeichnen.  In  Schiceden  kennen 
wir  7  Arten  durch  Hisinger,  alle  in  Thonschiefern,  welche  Murchison 
in    das   höchste  Niveau    des   uutersilurischen    Gebietes    verlegt,    nämlich 


127 

GiaptoHthes  s.  Pri  onotus  (Monoprion)  sagiltariiis,  convolutus,  gemi- 
niis,  (Diprion)  pristis,  foliuin,  toreliusculus:  —  Gr.  scalaris  sclieint  nur  ein 
entstellter  Gr.  sagittarius  zu  seyn.  In  liussland  kommen  2  Arten  in  der 
untern  Silur-Abtheilung'  vor:  Gr.  sagittaiius  und  Gr.  disticlius  Eichw. 
In  Nord-Amerika  liat  Hall  über  20  Arten  aufgefundon,  wovon  nur  3  Arten 
obcrsiluriscl)  sind  und  Gr.  venosus  zu  GladioHtcs  gehörig,  Diprion  aber 
nicht  vertreten  zu  seyn  scheint  (vgl.  Jb.  1850,  640);  die  jüngeren  Arten 
gehen  nur  bis  in  die  Mitte  des  oberen  Silur-Gebietes  herauf.  Im  Ganzen 
also  v/ären  die  Graptolithen  von  den  ältesten  Schichten  an  bis  in  die 
Mitte  der  oberen  Siliir-Abtheilung  (Lower  Ludlow  rock)  verbreitet.  Aber 
ihr  Haupt-Lager  scheint  nicht  überall  in  gleichem  Niveau  zu  seyn  ;  und 
das  Vorkommen  der  Böhmiachen  Kolonie'n  führt  den  Vf.  zur  Vermuthung, 
dass  dieselben  Arten,  welche  dort  verhältnissmäsig  spät  auftreten,  schon 
flüher  anderswo  existirt  haben  und  eingewandert  seyn  könnten.  Die  Grap- 
tolithen im  Ganzen  scheiden  nicht,  sondern  verbinden  mächtig  beide  Silur- 
Abtheilungen  ;  in  Böhmen  mit  Sachsen  und  in  Nord- Amerika,  wo  sie 
am  zahlreichsten  entwickelt  sind,  gehören  sie  hier  wie  fast  allerwärts 
der  untern,  und  dort  der  oberen  Abtheilung  an.  Von  den  bekannten  Arten 
kommen  etwa  4  unter-  auf  3  ober-silurische;  von  Diprion  17  :  i;  von 
Monoprion  27  :  21 ;  Rastrites  und  Gladiolites  gehören  ganz  der  obren 
Abtheilung  an.  Die  Länder,  wo  die  Graptolithen  vorzugsweise  in  der 
unteren  Abtheilung  entwickelt  sind,  liegen  Nordwest-wärts  von  Sachsen 
und  Böhmen;  von  dorther  müsstcn  also  die  Ansiedler  gekommen  seyn; 
und  damit  scheinen  verschiedene  Beobachtungen  auch  über  andre  Thier- 
Familien  und  in  andern  Schichten  im  Einklang  zu  stehen. 

Folgt  dann  die  Beschreibung  der  einzelnen  Genera  und  Arten. 


F.  Unger:  Blätter -Abd  rücke  aus  dem  S  ch  wef  el-Flö  tze 
von  Swostiotcice  in  Galizien  (Haiding,  ge.sam.  Abhandl.  1850,  III,  r, 
121  —  128,  Tf.  13,  14).  Die  Blätter,  von  Zeuschner  an  den  Vf.  eingesen- 
det, liegen  in  einem  lichlgrauen,  ziemlich  festen,  an  der  Luft  wenig  ver- 
änderlichen Mergel-Schiefer,  der  auf  zahlreichen  Kliiftchen  dichten  Schwe- 
fel führt.  Auf  den  nicht  immer  ebenen  Bruchflächen  dieses  Schiefer- 
Gesteines  liegen  die  bräunlichen  Blatt-Abdrücke  mehr  oder  weniger  scharf 
umgrenzt,  meistens  in  Folge  vorausgegangener  Zertrümmerung  und  Wieder- 
vereinigung der  Gestein-Masse  zerrissen,  andre  bei  der  Gewinnung  zer- 
theilt.  Es  sind  folgende  20  Arten,  deren  anderweitiges  Vorkommen  in 
der  letzten  Rubrike  durch  die  Anfangs-Buchstaben  ihrer  Fundorte  ange- 
deutet wird:  Altsallel,  Armissan,  Bilin,  Freyberg  in  Steyermark,  Momhach 
bei  Mainz,  Öningen,  P arschlug ,  Radobo},  Sagor ,  la  Stradelta  bei  Pavia, 
Wetterau,  ZilUngsdorf  bei  Wienerisch-Neustadt. 


128 


Familie. 

Sippe  und  Art- 

Zitatb.ÜNG. 

Fremdes  Vorkommen. 

Coniferae 

Taxites      .     .     . 

r,angsdo'rffi  Brün. 

S.  Tf.  Fg. 
122  13     1 

WZ 

Myriceae 
Betulaceae 

Myrica. 
Alnus    . 

deperdita  Uno. 
Kefersteini  U. 

123 

2 
3 

.    .     .     .   p   r    .     .      . 
b *    tv    , 

Cupuliferae 

ftuercus 

lignitum  U. 
fnrcinervis  U. 

4 
5 

p  .    .    .     . 

al 

— 

—  ; 

grandidcntata  ü. 

^ 

.       6,7 

al 

_ 

Carpinus 

macroptera  BiiGjr. 

124 

8,9 

ar  .    .  m    .    .    r     .     .     . 

Ulmaceae 
Laurineae 

Ulmiis  . 
Laurus 

parvifolia  AlB. 
Swoszowic  iana  U. 

10 
11 

.    .     .    ö  p    .     .     .     . 
.    .     .   ö 

Oleace.ie 

Glaeoides 

Fontanesia  U. 

125  1 

4    12 

.     .      .    ö 

Apocyneae 

Ebenaceae 
Acerineae 
Rliamneae 
Juglandeae 

Neritinium 
Apocynophyll 
Diospyrus . 
Acerites     . 
Ceanothus 
Juglans     . 

um 

dubium  U. 
lanceolatum  U. 
brachysepala  AlB. 
integerrimus  Viv. 
polymorphum  AlB. 
deform  is  U. 
Bilinica  U. 

126 

13 

14 

15 

16 

17,18 

19 

20 

r     .     . 

T      .      . 

.    .     .    ö 

./    .     .    .      .   st    .     . 
.    .   m  ö   .    r    .    w    . 

r    .    . 

b 

Anacardiac. 
Amygdaleae 

Es    sind 

Rhus     . 
Prunus 

[uithiii  la 

Ute 

M-  H 

Hertliae  U. 
paradisiaca  U. 
Zeuschneri  U. 

olz-Pflanzen  ,    wo 

127 
lei 

21 
22 
23 

ein  Na 

d 

.    .     .    .  p    .    .     .     . 
.    .    .    .  p    .     .     .     . 
.    .     .     .  p    .     .     .     . 

el-HoIz:    Kälzchen- 

tragende  vorwaltend;  Alles  Sippen  gemäsigter  RHmate,  obwohl  Laurineen, 
Apocyneen  und  Ebenaceen  auf  ein  etwas  wärmeres  Klima  hindeuten.  Die 
Carpinus-  und  die  Ceanothus-Art  kommen  nicht  nur  durch  ganz  Europa, 
sondern  auch  in  allen  Perioden  der  Tertiär-Zeit  vor:  andre  finden  sich 
wenigstens  in  den  2  obren  ihrer  3  Haupt-Abtheilungen  ;  nur  der  Acerites 
hat  sich  bis  jetzt  nur  auf  pleiocänen  Lagerstätten  gefunden,  daher  ihn  U. 
[so  vielen  meiocäncn  Arten  gegenüber!]  als  bezeichnend  für  das  Alter 
dieser  Schichten  ansieht  und  sie  mit  der  Subapennincn-Formation  zusam- 
menstellt. La  Slradella  ist  bekanntlich  reich  an  Gyps.  [Die  Beschrei- 
bung der  Lagerstätte  hat  Zeuschner  an  einem  andren  Orte  geliefert.] 


J.  Czjzek:  überdie  CongeriaPartschi  (Haiding.  gesam.  Abhandl, 
1850,  HI,  ij  129  —  132,  Tf.  15).  Es  ist  eine  neue  Art:  tesla  ovali,  apici- 
bus  simpliciter  arcuatis,  valvulis  crassis  convexis,  concenlrice  slriatis  haud 
schistosis,  sine  appendice  tumescente  semilunari.  Steht  in  der  Mitte  zwi- 
schen C,  subglobosa  und  C.  .spathulata,  der  sie  in  der  Jugend  mehr  ähnelt. 
Scheint  einer  etwas  tieferen  Schicht  des  Wiener  Beckens  anzugehören,  als 
worin  C.  subglobosa  gewöhnlich  vorkommt,  ist  aber  doch  öfters  auch  noch 
von  andern  Congerien  begleitet. 


lUS 


Über 

die  Gliederung  des  Süd-Baye^m  sehen  Alpen- 
Kalkes, 

von 

Herrn  Conservator  Dr.  Schafhältl. 

Hiezu   Taf.  IL 


Im  Jahrgang  iS^O  dieser  Zeitschrift  S.  5S4  hat  Hr.  Berg- 
rath  Ritter  Franz  v.  Hauer  einen  Aufsatz  über  die  Gliederung 
des  Alpen-Kalkes  der  Ost- Alpen  geschrieben,  dabei  sich  mit 
den  Ansichten  Prof.  Emmrrich's  über  die  Gliederung  des 
Bayernschen  Alpen-Kalkes  einverstanden  erklärt  und  diesen 
nur  getadelt,  dass  er  sich  in  seinen  Schluss-Folgerungen  auf 
unbegründete  fremde  Angaben  verliess.  Unter  diesen 
fremden  Angaben  meint  er  nämlich  die  meinen,  ausgespro- 
chen in  dem  Aufsatz:  „über  die  rothen  Ammoniten-Marmore 
von  Oberalm,  und  Adnct  in  Hinsicht  auf  die  rothen  Marmore 
der  Bayern  sehen  Voralpen'^  *.  Was  die  eigenen  Angaben  be- 
trifft, so  erklärt  er  S.  5S0 ,  Zeile  20  dass:  nachdem  er  und 
öüENSTEDT  über  die  Stellung  der  rothen  Alpen-Kalke  im 
geologischen  Systeme  in  Folge  der  Untersuchung  ihrer  Ver- 
steinerungen u.  s.  vv.  sich  ausgesprochen,  habe  er  es  für 
nöthig  gehalten,  meinen  irrigen  Angaben  entgegenzutreten. 
In  der  vorletzten  Zeile  derselben  Seite  bezeichnet  er  dem  Leser 
auch  die  irrigen  Angaben  näher,  indem  er  mir  zur  Last  legt : 

*     Jahrb.  1848,  S.   136. 
Jahrgang  1851.  9 


130 

„ich  werfe  wieder  alle  r o t li e n  Kalksteine  mit  C e- 
phalopodeii,  die  ich  in  den  Alpen  antraf,  in  eine 
Bildung^  zusammen". 

Wenn  sich  nun  der  freundliche  Leser  die  Mühe  nehmen 
will,  meinen  von  Hrn.  v.  Hauer  bloss  zitirten  Aufsatz  nur 
fli'ichtig  zu  durchgehen,  so  wird  er,  vielleicht  zu  seinem  Er- 
staunen, gerade  das  Gegentheil  dessen  ßnden,  was  mir  der- 
selbe zum  Vorwurf  macht.  In  meinem  erwähnten  Aufsätze 
Jahrb.  1848,  S.  144,  wo  ich  von  dem  gelbrothen  Marmor 
an  der  Bayern  sehen  Grenze  mit  dem  A  m  m  o  n  i  t  e  s  M  e  1 1  e  r- 
niclii  etc.  sprach,  habe  ich  wörtlich  erklärt:  „dieser  rothe 
Marmor  unterscheidet  sich  übrigens  sowohl  in 
Farbe  als  Dichtigkeit  vom  Ammoniten-Marmor 
zu  Adnet,  kommt  aber  nahezu  mit  dem  Lithodendron-enthalten- 
den  überein".  Dann  auf  der  nächsten  Seite  145,  Zeile  8 
sage  ich  :  „den  obigen  Untersuchungen  geniäs  finden  wir, 
dass  dieser  Marmor  mit  denjenigen  rothen  Marmoren  unserer 
Bayern  sehen  Voralpen  in  eine  Reihe  zu  stellen  sey,  welche 
den  zweiten,  hintersten  Zug  bilden". 

Ich  habe  demnach  in  demselben  Aufsätze  anstatt  alle 
Ammoniten  -  Marmore  in  eine  Bildung  zusammenzuwerfen, 
wie  ich  beschuldigt  werde,  nicht  allein  die  Marmore  von 
Adnet  S.  138,  Zeile  20,  sondern  auch,  wie  wir  so  eben  ge- 
sehen, die  Bayern  sehen  rothen  Marmore  in  zwei  Haupt  züge 
getheilt  und  diese  mit  den  zwei  Haupt-Varietäten  bei  Adnet 
in  eine  Parallele  gebracht;  denn  S.  145  Zeile  10  heisst  es: 
In  diesem  hintersten  Zug  erscheinen  von  Westen  gegen  Osten: 
die  rothe  Wand  am  rechten  Lech-V^tev^  die  rothen  Kalke 
im  Graswang-'Y\\d\e\  die  am  Laberberge  bei  Eltal'^  an  der 
Wegscheid  bei  Lenggries-^  an  der  Königsalme  bei  Tegernsee  •, 
bei  Marquarislein  und  Ruppolling, 

Zum  V  o r  d  e r  z u g e  unsrer  Bayern. 'ichen  Hochalpen  rechne 
ich  die  Marmore  von  Unterau  am  Kochelsee  mit  dem  Ammo- 
nites  fimbriatus;  von  der  Sr.haaritzhe Halme  bei  ßerchfes- 
gaden  gleichfalls  mit  dem  Ammonites  fimbriatus  aber 
auch  dem  Ammonites  radians  u.  dgl.  Dazu  habe  ich 
noch  die  Marmore  von  Aussee,  Hallstadt  und  vom  Kälbersteine 
gerechnet,  die  ich  nur  aus  Handstücken  kannte,  welche  jedoch 


131 

nach   einer   neueren    Untersuchung;    dem   hintersten   jüngeren 
Zuge  angehören. 

Ich  habe  überdiess  sogleich  Eingangs  S.  136,  Z.  6  v.  u. 
des  charakteristischen  Vorkommens  eines  rothen  Marmors 
im  Vorderzuge  Erwähnung  gethan,  indem  ich  bei  Anfüh- 
rung des  Weges  nach  den  Stein  Brüchen  von  Adnet  erzählte: 
„Ich  erkannte  sogleich  meinen  Kalk  der  Bayern' sehen  Vor- 
alpen mit  seinen  ausgeschiedenen  Streifen  und  Knollen  von 
Kalkhornstein-Masse ,  wie  ich  ihn  bei  unsern  Wetzstein- 
Schichten  (Jahrb.  1846,  S.  669)  beschrieben,  und  war  nun 
gewiss,  dass  auch  unsere  rothen  Marmore  nicht  mehr  ferne 
seyn  konnten". 

Auch  in  meinem  Aufsatze  im  Jahrbuch  1847,  S.  806, 
Zeile  I  hatte  ich  ausdrücklich  erklärt:  „Diese  rothen  Kalk- 
Schichten  zerfallen  in  drei  Haupt-Züge.  Ich  suche  sie 
durch  ihre  chemischen  Merkmale  zu  unterscheiden;  denn  sie 
enthalten  nur  an  gewissen  Stellen  Petrefakten.  Die 
zweite  Schicht  ruthen  Marmors,  sage  ich  da  wörtlich, 
spielt  etwas  ins  Violett-Dunkelbraunrothe  und  hinterlässt  mit 
Säure  behandelt  einen  licht -schmutzigbraunen  Rückstand. 
Diese  (im  Abdrucke  heisst  es  durch  einen  Satz-Fehler  dritte, 
da  würde  aber  dritte  zweimal  vorkommen)  Art  rothen  Mar- 
mors gehört  den  Wetzstein  Schiefern  an";  und  auf  der  näch- 
sten S.  807,  Z.  8  heisst  es  ferner  wörtlich:  „Es  ist  nun  die 
zweite  dieser  rothen  Schichten,  mit  welcher  der  Marmor 
von  Adnet  wahrscheinlich  identisch  ist.  Ein  Ammonites 
raricostatus  von  Adnet,  den  ich  so  eben  erhielt,  zeigt 
wenigstens  ganz  dasselbe  Verhalten.  Diese  eben  beschrie- 
bene Schicht  ist  im  Thale  des  Kochet  See  s  bei  dem  Dorfe 
Unterau  sehr  schön  entwickelt  u.  s.  w.  Sie  besteht  wieder 
ganz  aus  Ammoniten  -  Überresten  von  Am,  fimbriatus  mit 
nnbestimmbaren  ßelemniten  untermengt". 

Ich  frage  nun:  kann  man  sich  deutlicher  über  die  frag- 
liche Materie  aussprechen,  und  heisst  Diess :  Alle  rothen 
Kalke  mit  Cephalopoden  durcheinander  werfen?  Unbegreif- 
licher Weise  hat  auch  Prof.  Emmerich  diese  meine  Angabe 
ganz  übersehen  und  sich  auf  meine  Arbeit  berufend  den  jün- 
geren hinteren  Zug  unserer  rothen  Marmore  mit  dem  Marmor 

9  ' 


132 

von  Adnet  für  identisch  erklärt,  was  gerade  das  Gegentheil 
meiner  oben  zitirten  ausdrücklichen  Angabe  ist.  Ich  habe  dieses 
grosse  Missverständniss  sogleich  nach  dem  Erscheinen  des 
Aufsatzes  von  Emmerich  in  Briefen  an  meine  Freunde  z.  B. 
an  Vikar  Fraas  in  Balingen,  so  wie  in  meinem  Werke  „Geo- 
gnostische  Untersuchungen  der  Bayern  sehen  Lande^^  S.  50  letzte 
Zeile  und  S.  51  Zeile  20  berichtigt.  Ja  noch  mehr:  Emmerich 
hat  in  seinem  oben  erAvähnten  Aufsatze  den  Marmor  von 
Rupolting  mit  seinen  Planulaten,  dessen  ich  zuerst  erwähnte, 
von  dessen  Existenz  nicht  einmal  Flurl  eine  Idee  hatte,  und 
dessen  Bestehen  im  Haselberge  ich  schon  in  diesem  Jahrbuche 
1846,  S.  644,  Zeile  25  so  genau  beschrieben  habe,  über  3 
Berg-  und  Fluss-Gebiete  hinweg  weiter  nach  O.  in  das  Ge- 
biet von  Berchtesgaden  versetzt  und  sich  dabei  auf  Lill  von 
Lilienbach  berufen,  der  von  diesem  Marmor  kein  Wort  spricht 
und  auch  nicht  sprechen  konnte,  da  Kuppolfing  hinter  Traun- 
stein  sehr  weit  von  dem  Gebiete  entfernt  liegt,  welches  er 
untersucht  und  beschrieben  hat! 

Also  schon  seit  1847  hatte  ich  die  von  einander  ver- 
schiedenen Züge  rothen  Marmors  in  unserem  Bayern  sehen  Vor- 
gebirge nachgewiesen.  Nämlich  1)  den  ältesten  braunen  ins 
Violette  sich  ziehenden  mit  demAmmonites  fimbriatus, 
A.  raricortatus  etc.  welcher  dem  Lias  angehört;  2)  den  rothen 
Marmor  mit  einer  hervorragenden  Anzahl  von  Planulaten, 
Am.  polyp locus  etc.,  der  dem  mittlen  Jura  angehört; 
3)  den  Enkriniten-Marmor.  welcher  den  hintersten  Marmor-Zug 
in  unserem  Vorgebirge  bildet  und  vielleicht  tlieilweise  dem 
obern  Jura  zuzugesellen  seyn  dürfte;  und  endlich  4)  findet 
sich  noch  der  rothe  Marmor  von  Grüdten ,  von  Enzenau, 
u.  dgl.,  der  ins  Gebiet  des  Neocomien  oder  der  Kreide  zu  ver- 
setzen seyn  dürfte. 

Den  hellrothen  Marmor  in  unserem  liayern'schen  Vorderzug, 
welcher  die  sogenannten  Globiten  enthält,  möchte  ich  aus 
Gründen,  die  ich  in  meiner  oben  angeführten  Schrift  ent- 
wickelt habe ,  mit  unserem  jüngeren  Enkriniten-Marmor  in 
ein  Parallel  setzen.  Ich  weiss  wohl,  Hr.  v.  Hauer  bringt  ihn 
ins  Gebiet  des  oberen  Muschel-Kalkes;  allein  die  Lagerung 
dieser  rothen  Kalke  mit  Globiten  im  Berchtesgaden  sehen,  wo 


133 

sie  sich  an  ein  paar  Stellen  recht  gut  studiren  lässt,  wie  der 
Bau  der  im  höchsten  Stadium  der  Entwicklung^  sich  befinden- 
den Ammoniten  selbst  mit  ihren  so  reich,  zierlich  und  manch- 
faltig  zerschnittenen  Loben,  welcher  mir  mit  dem  Bau  der 
Ammoniten  des  eigentlichen  Muschelkalkes,  bei  welchen  sich 
erst  der  bestimmte  Charakter  der  Ammoniten  zu  zeigen 
beginnt  und  welche  als  Anfänge  dieser  Art  von  Cephalopoden 
mit  zerschnittenen  Loben  zu  betrachten  seyn  dürften,  im  streng- 
sten Gegensatze  zu  stehen  scheint,  veranlassen  mich  diesen 
Marmor  lieber  zu  den  jüngsten  Schöpfungen  dieses  rothen 
Kalkes  zu  rechnen,  um  so  mehr  als  ich,  wie  ich  in  meinem 
Werke  „Geognostische Untersuchung  des  Bayernschen  Landes« 
ausführlich  S.  1 11  dargethan,  neben  den  Globiten  die  wohl- 
erhaltene Te  rebrat  ula  ascia  Gir.  fand. 

Ebenso  stimmen  mehre  dieser  Globosen:  Amm.  infundi- 
bulum,  A.  bipunctulus  u.  s.  w.  nahezu  oder  ganz  mit  Spezien 
überein,  die  d'Orbignv  im  Terrain  Neocomien  beschreibt. 

Indessen  ist  es  mir  gelungen,  wie  ich  schon  in  meiner 
„Geognostischen  Untersuchung  etc."  S.  53  angedeutet,  wenn 
auch  noch  nicht  alle,  doch  viele  der  Schichten  von  St.  Cassian 
xnwxi^vem  Bayern  sehen  Vorgebirgs-Zuge  aufzufinden.  Sie  liegen 
um  die  älteren  Schichten  unseres  Bayernschen  Vorder- 
Zuges  überhaupt  gegen  den  nördlichen  Rand  dessel- 
ben, und  zwar  in  der  Nähe  des  älteren  rothen  Marmors,  den 
ich  dem  Lias  beigezählt  habe.  Als  Haupt-Fundort  bezeichne 
ich  den  Breüenstein,  das  erste  jurassische  Gebilde,  auf  wel- 
ches dann  der  Wendelslein  folgt.  Auch  am  Cramerbcrge  selbst 
In  der  INähe  von  Garnisch  habe  ich  dieselben  Schichten  we- 
nigstens theilweise  wieder  aufgefunden,  die  ihren  Petrefakten 
nach  mit  den  Schichten  im  Bernhardslhale  am  Leche  in  Tyrol 
übereinkommen. 

Dass  ausser  den  östreichischen  Geologen  wohl  wenige 
der  Übrigen  mit  Herrn  v.  Hauer  die  Globiten  zum  Muschel- 
kalke stellen  dürften,  will  ich  sogleich  durch  Autoren  dar- 
thun,  auf  welche  sich  Herr  v.  Hauer  selbst  beruft.  So  sagt 
z.  B.  QuENSTEDT  in  seiner  Schrift:  die  Cephalopoden  S.  244, 
wo  er  von  den  Globosen  spricht:  Leider  fand  man  in 
Gegenden  bekannter  Formationen    noch    keinen, 


134 

der,  mit  diesen  so  merkwürdigen  Formen  ver- 
wandt, für  die  Deutung  der  rothen  Alpenkalke 
einen  Fingerzeig  geben  könnte. 

Den  Ämmonitesinfundibulum,  welchen  d'Orbigny  sogar  dem 
Neocomien  zutlieilt,  setzt  öuenstedt  höchstens  in  den  weissen 
Jura;  ebenso  die  Kalke  mit  Monotis  salinaria  (die  Cepha- 
lopoden  S.  229,  Zeile  17),  welche  Herr  v.  Haler  gleichfalls 
in  den  oberen  Muschelkalk  verlegt. 

Dass  mehre  Globiten  auch  im  Cassianer  und  Bleiberger 
Muschel-Marmor  vorkommen,  beweist  eben  so  wenig  für  das 
Recht,  die  Globiten  Kalke  zum  Muschelkalke  stellen  zu  dür- 
fen, da  die  St.-Cassianer  Schichten  nichts  weniger  ale  eiiYe 
bestimmte  Deutung  im  System  zulassen ;  denn  d'Orbigny  hat 
unter  den  Ammoniten  des  Muschel-Marmors  Arten  des  Oxford' 
Thones  und  Kelloway-rocks  entdeckt,  und  Bronn  in  seinem 
Handbuche  einer  Geschichte  der  Natur,  111.  Band,  2.  Abtheil. 
S.  753,  Note,  erwartet  desshalb  „noch  eine  Revision  derjeni- 
gen Arten,  welche  identisch  im  Cassianer'  und  im  Cephalo- 
poden-  oder  Ammoniten-Kalk  vorkommen  sollen,  und 
sagt:  wahrscheinlich  kommen  zu  Hallstadt  und  an  andern  ge- 
nannten Orten  Schichten  verschiedenen  Alters  vor"*. 

Dass  eine  genaue  petrefaktologische  Vergleichung  bei 
Bestimmung  des  Alters  von  Schichten  uns  in  den  meisten 
Fällen  wenigstens  bis  jetzt  allein  zum  Ziel  führt,  darin 
stimme  ich  natürlich  mit  dem  Herrn  v.  Hauer  vollkommen 
überein**,  und  verkenne  seine  Leistungen  und  Bemühungen 
in  dieser  Beziehung  nicht  im  Geringsten.  Allein  nicht  jedem 
Beobachter  stehen  solche  Gelegenheiten  und  reiche  Mittel 
zu  Gebote  wie  ihm.  Ich  hatte  bei  meinen  Arbeiten  nicht  die 
Unterstützung  der  überaus  reichen  Sammlung  eines  allmäch* 
tigen  Fürsten;  nicht  die  willigen  und  eifrigen  Berg-Ämter 
und  Societäten,  die  sich's  zum  Glücke  rechneten,  dem  aus  der 
Hauptstadt  gesendeten  Geologen  ihre  Sammlungen  und  Funde 
zu  eröffnen;  ja  nicht  einmal  reiche  Fundorte,  an  welchen 

*     Diese  Äusserung  stützt  sich  jedoch  auf  eine  Mittheilun»;  F.  v.  Hauers 
selbst.  £r. 

"*     Gelehrte  Anzeigen  der  kgl.  Akademie  der  Wissenschaften  zu  Mün- 
chen, 1849,  Nro.   181,  S.  415. 


ms 

Petrefakten  hätten  gesammelt  werden  können.  An  vielen 
Stellen,  an  welchen  ich  das  Vorkommen  von  unseren  rothen 
Marmoren  beschrieb,  findet  sich  nicht  einmal  eine  Spur 
von  Petrefakten,  wie  z.  B.  zu  Tegernsee,  was  schon  v.  Buch 
bemerkt.  Dass  also  bei  Gesteinen,  in  welchen  keine  Petre- 
fakten oder  doch  nur  unbestimmbare  Trümmer  von  Petre- 
fakten vorkommen,  wie  in  unsrem  Bayernschen  Vorgebirge, 
jede  petrefaktologische  Vergleichung  unmöglich  sey,  wird 
mir  selbst  Herr  v.  Hauer  zugestehen;  und  desshalb  habe 
ich  es  für  meine  Pflicht  und  für  die  eines  jeden  Forschers 
gehalten,  da,  wo  uns  ein  Weg  zum  Ziel  zu  gelangen 
verlässt,  andre  Pfade  aufzusuchen,  die  uns  die  Wis- 
senschaft in  Aussicht  stellt.  Da,  wo  ich  also  keine 
Petrefakten  fand  und  finden  konnte,  habe  ich  das  chemische 
Reagens  in  Verbindung  mit  dem  Mikroskope  anzuwenden 
versucht,  und  dafür  glaube  ich  eher  den  Dank  jedes  Partei- 
losen anstatt  Vorwürfe  verdient  zu  haben.  Dass  ich  durch 
Verbindung  dieser  beiden  Hüifsmittel  zu  unzweideutigen 
Resultaten  gelangte,  welche  auf  keinem  anderen  bisher 
bekannten  Wege  erhalten  werden  konnten,  habe  ich  in  meinen 
„Geognostischen  Untersuchungen  etc."  unter  andern  S.  128 
dargetlian. 

Allein  selbst  da,  wo  bestimmbare  Petrefakten  in  Menge 
vorkommen,  trifft  es  sich,  dass  sie  eher  zur  Verwirrung  als 
zur  Sichtung  der  Altersfolge  der  Schichten  beitragen,  und 
davon  geben  gerade  die  Petrefakten-führenden  Schichten  un- 
serer Alpen  und  speziell  wieder  die  der  rothen  Marmore  das 
sprechendste  Zeugniss. 

Es  ist  sehr  einfach  und  leicht,  Straten  mit  dem  Ammo- 
nites  Bucklandi  dem  Lias-Kalke,  mit  Am.  Amaltheus  dem 
untren  Lias-Schiefer,  mit  Ammonites  fimbriatus  dem  Posido- 
nomyen-Schiefer,  mit  Ammonites  plypiociis  dem  Caralrag  ein- 
zureihen, allein  damit  würde  man  in  unsrcn  Voralpcn  der 
Wahrheit  sehr  oft  nicht  viel  näher  gerückt  seyn,  und  dess- 
halb habe  ich  detaillirte  Bestimmungen  dieser  Art  absichtlich 
vermieden,  weil  ich  die  Zeit  noch  nicht  für  gekommen  erachte, 
um  bei  den  aufgefundenen  Petrefakten  auf  das  wahre  Alter  der 
in  Frage  stehenden  Schichten  schliessen  zu  dürfen. 


136 

Herr  v.  Hauer  ordnet  die  Aminoniten-Schichten  von  Ad- 
net  mit  voller  Überzeugung-  dem  Lias  bei.  Allein  so  wahr- 
scheinlich richtig  die  Stellung  dieser  Schichten  nach  obiger 
Weise  ist,  so  ist  sie  doch  noch  nicht  mit  voller  Sicherheit 
anzunehmen.  Ich  will  hier  wieder  eine  Autorität,  auf  welche 
er  sich  selbst  beruft,  sprechen  lassen.  Quenstkdt  sagt  näm- 
lich in  seinem  oben  zitirten  Werke,  „Die  Cephalopoden" 
S.  261,  wo  es  von  den  Ammoniten  von  Adnet  handelt:  „Wie 
diese,  so  gibt  es  noch  eine  Menge  Formen,  die  allerdings 
mit  Lias- Ammoniten  grosse  Ähnlichkeit  zeigen,  aber 
fast  keine  ist  schlagend,  sondern  alle  haben  ein  etwas 
fremdartiges  Aussehen  und  zum  Theil  einselne  sehr  besimmt 
verschiedene  Charakter e". 

Ein  anderer  Umstand,  wodurch  sich  unser  Alpen-Gebirge 
so  sehr  von  den  übrigen  bekannten  Gebirgs-Formationen  un- 
terscheidet, ist,  wie  ich  in  meinem  schon  oft  angeführten 
Werke  (Vorrede  S.  XXIV  if. ;  dann  S.  52,  .55,  133)  weitläufi- 
ger auseinandergesetzt,  der,  dass  sich  nie  ein  für  ir- 
gend eine  Formation  oder  einen  F  o  r  m  a  t  i  o  n  s- 
Theil  charakteristisches  Petrefakt  allein  findet, 
sondern  es  kommen  stets  Petrefakten,  oft  die  entferntesten 
geologischen  Epochen  bezeichnend,   miteinander  vor. 

Diese  Thatsache,  so  ungläubig  man  sich  anfangs  in  Be- 
ziehung auf  sie  benahm,  Hess  sich  nicht  mehr  läugnen,  seit- 
dem man  1834  in  Wien  Ammoniten  des  Lias  mit  einem  wohl- 
erhalteuen  Orthoceratiten  beisammenfand,  eine  Beobach- 
tung, welche  Boue  schon  früher  gemacht  hatte:  und  so  habe 
ich  auch  wirklich  Orthoceratiten  in  unsren  rotlien  Alpen- 
Kalken  überall  da  gefunden,  wo  sich  Ammoniten  fanden, 
im  biaunrothen  Marmor  von  Adnet,  im  gelbrothen  mit  Glo- 
biten,  im  lichter  braunrothen  mit  Planulaten.  Im  gelbrothen 
mit  Globiten  fanden  sich  zugleich  die  Terebratula  ascia  und 
die  Terebratula  castanea  *.  Die  T.  concinna,  T.  ascia,  T.  pala, 
T.  antiplecta  finden  sich  im  hintersten  Neocomien-Zuge,  der 
Enkriniten  enthält. 

Man  wird  hier,  wenn  man   unser  Alpen-Gebirge  nur  auf 


"*    Geognostische  Untersuchung  der  Bayeni'schen  Lande,  S.  ILO 


137 

einem  flüchtigen  Durchzuge  untersucht   und   beurtheilt,    nicht 
gelten  sehr  leicht  getäuscht. 

Ich  war  z.  B.  überaus  erfreut,  als  ich  vor  sechs  Jahren 
zuerst  in  unsrem  rothen  Alpen-Kalke  vollkommen  erhaltene 
Exemplare  von  Ämmonites  polyplocus  fand;  denn  dadurch 
schien  die  Stellung  dieser  Schicht  im  geologischen  Systeme 
ganz  unzweideutig  bestimmt;  allein  meine  Freude  wurde  bald 
gestört,  als  ich  in  derselben  Lage  den  A.  radians  entdeckte,  mit 
Arieten,  den  A.  Murchisonae,  ja  mit  dem  A.  costatus  non 
spinatus,  dem  A.  Amaltheus  und  einem  über  4"  grossen 
Inoceramus,  die  ich  alle  in  meinem  öfters  genannten  Werke 
gezeichnet  habe.  Die  dunkleren  Kalke  enthalten  noch  über- 
diess  neben  den  Lias-  und  Jura-Petrefakten  schöne  grosse 
ausgebildete  Heterophyllen ,  von  denen  Quenstedt  *  sagt: 
dass  sie  ihre  wesentlichsten  Kennzeichen  vom 
Lias  bis  zur  Kreide-Formation  beibehalten  ha- 
ben. Ich  habe  ferner  zuerst  in  wnsren  Baj/ern sehen  \o\Si\^en 
den  ganz  gewöhnlichen  wohlerhaltenen  Am.  Amaltheus  auf- 
gefunden. In  den  nächsten  Schichten  darüber  fand  sich  schon 
der  Am.  Murchisonae  und  gleich  darauf  der  Am.  hecticus. 
Auch  die  Schichten  mit  der  sogenannten  Gervillia  t  o  r- 
tuosa  sind  noch  sehr  zweifelhaft.  Diese  Muschel  erscheint 
wirklich  verdreht  nur  im  zerdrückten  Zustande.  Wohl  er- 
halten hat  sie  mit  der  Gervillia  Hartmanni  eine  grössre  Ähn- 
lichkeit und  unterscheidet  sich  von  ihr  nur  durch  die  grössre 
Anschwellung  ihrer  Buckel.  Ich  habe  auch  sie  in  meinem 
Werke  abbilden  lassen  und  ihr  den  Namen  Gervillia  inflata 
gegeben. 

In  nicht  grosser  Entfernung  von  diesen  dunklen  Gervil- 
lien-Schichtcn  habe  ich  höher  hinauf  die  Dachstein-Bivalve 
in  unsrem  Vorgebirge  gefunden.  Ich  besitze  vollkommen 
erhaltene  Exemplare  nebst  Steinkernen,  die  uns  über  die  innere 
und  äussere  Gestalt  dieser  früher  räthselhaften  Bivalve  hin- 
reichend Aufschluss  gegeben  haben.  Diese  Dachstein-Bivalve 
ist  nämlich  ein  Megalodus,  dem  M.  cucnllatns  sehr  nahe  ste- 
hend, aber  doch  durch  ständige  Merkmale  von  ihm  verschieden. 

Die  Ccphalopodeii,  S.  263. 


138 

Auch  dieser  Megalodusfindetsich  in  meinem  oftgenaniiteii  Werke 
abgebildet,  wo  ich  ihm  den  Namen  Megalodus  scutatus  ge- 
geben habe.  Bei  Kassen  im  östreichischen  zeigt  sich  in  den 
dunkleren  Schichten  eine  Terebratel,  die  ich  in  meinem  Auf- 
satze von  1847  mit  Terebr.  tumida  verglichen  hatte.  Prof. 
Emmerich  hat  ihr  einen  neuen  Namen  gegeben.  Bei  Verglei- 
chuiig  mehrer  Individuen  hat  sich  gezeigt,  dass  die  Terebra- 
tula  wohl  mit  der  T.  Royssii  (Lev.)  de  Koninck  pl.  21, 
fg.  i  b — d  identisch  seyn  dürfte!  Von  Buch's  Beschreibung 
der  T.  tumida  passt  vollkommen  auf  unsere  Terebratula  mit 
der  Ausnahme,  dass  der  Wulst  nahe  am  Stirnrand  bei  den 
grössren  breitren  Exemplaren  nicht  durch  eine  Rinne  ge- 
spalten ist.  im  Gegentheil  erscheint  da  der  Wulst,  jedoch 
nur  bei  den  grössten  Exemplaren,  stark  gekielt.  Von  dem 
Kiele  fallen  die  Seiten  des  Wulsts  beinahe  dachförmig  ab. 
Sie  sind  dann  durch  zwei  deutliche  schwache  Kiele  begrenzt, 
und  erst  von  da  an  senkt  sich  der  Stirn-Rand  noch  tiefer 
aber  in  einem  Bogen  herab,  der  sich  auf  der  andern  Seite 
wieder  etwas  zu  den  Seiten-Kanten  erhebt.  Die  Terebratel 
ist  sehr  dickschalig  und  mit  starken  Anwachs-Riiigen  versehen. 
Die  grösste  Breite  ist  im  letzten  Dritttheile  der  Länge : 

grössere  Exemplare  kleinere  Exemplare 

Länge  45""".  Länge  SC"'"». 

Breite  49""».  Breite  ;i7j5"'n'. 

Dicke  29""".  Dicke  22"'"'. 

Wulst  ohne  Kiel  od.  Zertheilung. 
Einen  neuen  Spirifer  habe  ich  gleichfalls  abbilden 
lassen.  Die  faltige  Terebratel,  welche  ich  früher  für  Terebr, 
Wilsoni  zu  halten  geneigt  war,  kommt  bei  Untersuchung 
mehrer  wohlerhaltener  Exemplare  eher  mit  der  T.  con- 
cinna  überein,  wie  sie  Sowerbv  Taf.  83,  Fig.  8  gegeben 
hat.  Der  ümriss  der  Schale  bei  nicht  verdrückten  Exempla- 
ren bildet  eine  Ellipse,  die  sich  sehr  einem  Kreise  nähert; 
sie  hat  15  — 19  Falten  auf  der  Dorsal-Schale,  4  —  5  im  flachen 
Sinus. 

Ich  bin  nach  diesen  Petrefakten  und  der  Lagerung  ge- 
neigt, diese  Gervillien-Schichten  wenigstens  in  den  Lias  zu 
versetzen,  wenn  sie   nicht   noch   tieferen    Formationen    ange- 


139 

tiören,  z.  B.  wegen  Ostiea  placunoides  Mr.  Der  Megalodus 
scutatus  scheint  elier  noch  jünger  zu  seyn,  als  die  Schichten 
mit  Gervillia  und  Spiiifer;  wenigstens  liegt  er  in  einem  lich- 
teren dichten  Kalke  in  der  Regel  über  denselben.  Und  wie 
sich  die  Verhältnisse  in  Beziehung  auf  die  älteren  Formatio- 
nen verhalten,  so  trifft  man  sie  in  den  jüngeren. 

Ich  muss  hier  mit  aller  Bestimmtheit  einem  Irrthum  wi- 
dersprechen 5  welchen  de  Verneüil  in  Beziehung  auf  die 
Schichten  unseres  sogenannten  Kressenberges  zu  verbreiten 
angefangen  hat.  Mürchison  erzählt  uns  nämlich,  dass  sein 
Freund  de  Verneüil  ihm  versichert  habe:  die  Nummuliten 
kämen  nur  in  einem  eisenhaltigen  von  F 1  y  s  c  h  ü  b  e  r- 
lagerten  Quarz-Gestein  vor.  In  den  Flötzen,  welche 
Grünsand-  oder  Ga  u  It- Vers  tei  n  e  run  gen  enthiel- 
ten, sey  en  diese  nie  h  t  z  u  f i  n  d  e  n.  Das  ist  nun,  wie  ich  in 
meinem  oftgenannten  VV^erke  S.  62  bewiesen  habe,  nicht  der  Fall. 
Die  Nummuliten  sind  durch  alle  bis  jetzt  aufgeschlos- 
senen Schichten  des  Kr  ess  enber  ger  Bergbaues 
vert  heilt  und  kommen  mit  Exogyren,  Gryphäen,  Spondy- 
len  eben  so  wohl  vor,  als  mit  Pygorhynchus  und  Conoclypus. 
Eben  so  habe  ich  die  Gegenwart  von  Pentacrinites  cingularis, 
Aplocrinites  u.  dgl.  in  den  Kressenberger  Flötzen  schon  1S4(> 
in  meinem  ersten  Aufsatze  S.  694  angezeigt,  und  bin  seitdem 
in  den  Besitz  von  mehren  bestimmbaren  Exemplaren  gekom- 
men. Auch  Belemniten  trifft  man  in  denselben  Flötzen  au, 
die  man  für  tertiär  erklärte.  Ich  habe  in  diesen  Schichten 
den  Spondylus  spinosus,  die  Trigonia  Constantii,  die  Exogyra 
Cuuloni  (mit  beiden  Schalen  w  o  h  1  er  h  a  1 1  e  n)  gefun- 
den, lauter  ohne  allen  Zweitel  der  Kreide-Formation  ange- 
hörige  Petrefakten. 

Ebenso  muss  ich  hier  bestimmt  versichern,  dass  Mürchi- 
son's  Ausspruch:  Es  komme  in  den  Alpen  keine 
F  o  r  m  d  e  s  G  e  n  u  s  N  u  m  m  u  I  i  n  a  d'Orb.  u  n  t  e  r  d  e  r  O  b  e  r- 
fläche  der  Kreide  oder  ihrer  Äquivalente  vor  — 
womit  gegenwärtig  die  meisten  Geologen  einverstanden  sind  — 
sich  in  unsrem  Bayern! sehen  Vorgebirge  nicht  bewahrheitet. 

In  demselben  ruthen  und  grauen  sandigen  Gestein  findet 
sich  die  sehr  gut  in  beiden  Schalen  erhaltene  Gryphaea  vesicu- 


140 


laiis,  die  Terebratula  carnea  und  T.  tamariiidus,  Apiocrinites 
ellipticus,  Spondylus  spinosus  mit  zahllosen  wirklichen 
Nummulinen  ein,  ja  aus  den  Nummuliten-Hügeln  bei  Bergen 
zog  ich  einen  mit  allen  Stacheln  wohlerhaltenen  Spondy- 
lus spinosus,  nicht  den  von  Münster  an  dem  Kressenberge 
beschriebenen,  in  einen  Knäuel  von  Nummuliten  gehüllt  her- 
vor. Ich  habe  diese  Vorkommnisse  schon  in  meinem  ersten 
Aufsatze  eben  so  bestimmt  angegeben;  die  Belege  zu  diesen 
Angaben  liegen  in  meiner  Sammlung  und  im  geognostischen 
Kabinete  zur  Einsicht  bereit;  allein  bis  zu  dieser  Stunde 
scheint  mir  keine  Seele  von  allen  diesen  Angaben  Notitz 
nehmen  zu  wollen. 

Die  mit  den  in  andern  Formationen  vollkommen  über- 
einstimmenden Petrefakten,  welche  ich  zuerst  in  unsrem  Bayern'- 
schen  Alpen-Gebirge  fand  und  seit  1846  auch  bekannt  ge- 
macht habe,  dürften  etwa  unter  mehren  folgende  interessan- 
tere seyn: 

Ammonites  ßucklandi  mit  bei-  Amm.  polygyratus 
den    Rücken-Furchen ,    voll-       „       polyplocus 
ständigen    Loben     und     der  Belemnites  compressus. 


Wohn-Kammer. 

» 

paxillosus. 

A. 

raricostatus,  d'Orb. 

» 

acuarius. 

» 

Turneri. 

» 

digitalis. 

» 

costatus  spinatus. 

» 

tripartitns  brevis. 

» 

»        non  spinatus. 

» 

canaliculatus. 

» 

Amaltheus. 

» 

mucronatus. 

w 

fimbriatns. 

Spongia 

Saxonica. 

w 

radians. 

Terebrat 

ula  carnea. 

» 

annulatus. 

» 

tamarindus. 

» 

insignis  Schübl. 

Gl 

ryphaea  vesicularis. 

» 

Mnrchisonae. 

Exogyra 

Couloni. 

» 

Farkinsoni,  gigas. 

» 

conica. 

» 

hecticus. 

A| 

piocrinus  ellipticus    u.  s.  f. 

j 
1 


Durch  alle  diese  Petrefakten  sind  die  Haupt-Formatio- 
nen von  der  Übergangs-Formation  angefangen  bis  zur  Kreide 
mit  voller  Gewissheit  ausgesprochen.  Die  übrigen  von  mir 
aufgefundenen  und  aufbewahrten  Petrefakten  finden  sich  in 
meinem  Werke  angegeben  und  die  neuen  gezeichnet. 


141 


Unter  den  der  Formation  von  Sf.  Cassian   vielleicht   an- 
gehörenden Petrefakten  habe  ich  bis  jetzt  erhalten : 


Pentacrinites  propinquus. 
Lithodendron  subdichotomnin. 
Astraea  sp. 

Cyathophyllum  radiciforme. 
„  vermiculare. 

Melania  tenuis. 


Avicula  gryphaeata  Mü. 
yy        inaequiradiata  m. 
Mytilus  pygmaeus  Mü. 
Modiola  similis  Mü. 

>,        dimidiata  Mü. 
Cardita  crenata  Mü. 
„        elegans  Kl. 

Eine  zweite  nicht  zu  übersehende  Eigenthümlichkeit  un- 
seres Bayernschen  Vorgebirgs-Zuges  ist  die,  dass  sich  die 
einzelnen  Systeme  unsrer  Schichten-Folge  mehr- 
mals w  i  d  e  r  h  o  I  e  n  ,  wodurch  die  S  c  h  i  c  h  t  e  n  -  R  e  i  h  e 
in  einzelnen  P a  r t i e' n  in  Beziehung  auf  ihre  A  1- 
t  e  r  s  -  F  o  1  g  e ,  wenn  man  nicht  das  ganze  System 
z  u  s  a  m  m  e  n  f  a  s  8 1 ,  o  f  t  g  e  r  a  d  e  e  i  n  e  u  m  g  e  k  e  h  r  t  e  S  t  e  i- 
lung  erhält  und  Schichten  von  jüngerem  Alter 
unter  die  älteren  zu  liegen  kommen. 

Als  geognostische  Horizonte  dienen  uns  dabei  die  von 
mir  nachgewiesenen  zwei  Züge  rothen  Marmors,  wovon  der 
ältere  blass  blauroth  mit  einem  Strich  ins  Violette  dem  Lias 
angehört  und  sich  immer  in  Begleitung  von  Kalken  mit 
Hornstein -Ausscheidungen  zeigt. 

Der  jüngere  ist  viel  lichter  gefärbt,  in  der  Regel  voll 
von  Enkriniten -Stielgliedern  mit  Dolomiten  in  Verbindung, 
die  beinahe  die  höchsten  Punkte  unseres  Gebirgs-Zuges  bil- 
den. Diese  Dolomite  werden  oft  zu  scheinbaren  Dolomit- 
Breccien  und  zerfallen  dann  durch  Einfluss  der  Atmosphärilien 
in  Doiomit-Sand. 

Um  eine  bildliche  Darstellung  der  Schichtenfolge  in  un- 
serem Bayern  sehen  Alpen-Gebirge  zu  geben,  lege  ich  hier 
einen  Durchschnitt  durch  dasselbe  von  der  Molasse  ange- 
fangen bis  ans  Innthnl  bei,  und  zwar  von  Pnrsberg  bis  zur 
ehemaligen  Kaiser-Klause  und  zur  östreichischen  Ortschaft 
im  Landl. 

Ich  habe  mir  hiebei  nur  die  Freiheit  erlaubt,  einige 
in  parallelen  Zügen    oder  in  verschiedenen    Meridianen    fort- 


142 

laufende  Berg-Reihen  anf  eine  senkrechte  Tafel  projizirt  zn 
denken. 

Der  Raum  vom  Paraberge  bis  zum  Eckcrhogel  besteht 
aus  Molasse  mit  eingelagerten  ßraunkohlen-Fiötzen.  Die 
Braunkohle  ist  sogenannte  Pechkohle.  Vom  Rainersberge  an- 
gefangen beginnen  jene  eigenthümlichen  Sandstein-Bildungen, 
die  oft  eher  an  granitische  Bildungen  erinnern.  Die  Masse 
wird  oft  so  feinkörnig  und  dicht,  dunkel  schwarzgrün,  dass 
sie  mit  Kiesel-Schiefer  verwechselt  worden  ist  und  Murchi- 
soN  sie  sogar  für  durch  pintonische  Kräfte  verwandelten  Flysch 
gehalten  hat  (siehe  mein  angeführtes  VV^erk  S.  73).  In  den 
dazwischen  gelagerten  mergeligen  Flötzen  treten  an  gewissen 
Stellen  Fukoiden  auf,  die  ich  in  meinem  Werke  abgebildet 
habe.  Indessen  kommen  diese  Fukoiden  mit  dem  Ammonites 
Amaltheus  und  A.  Bucklandi  vor.  Die  Fukoiden  dienen  also 
als  leitendes  Petrefakt  in  iinsern  Alpen  nicht  mehr  *.  Weil 
sie  am  Reiseisberge  vorzüglich  deutlich  entwickelt  sind,  habe 
ich  sie  /{ei.ve/*6er^er-Sandsteiu-Gebilde  genannt.  Ein  Theil 
davon  gehört  vielleicht  dem  Neocomien  an.  Die  Schichten 
indessen  schliessen  sich  ohne  sichtliche  Störung,  die  von  ir- 
gend einer  Bedeutung  seyn  könnte,  an  die  Kalk-Mergel  mit 
Ammonites  Amaltheus  an,  die  durch  Schichten  mit  Ammoni- 
tes Murchisonae  und  A.  hecticus  eingeleitet  werden.  Diese 
Partie  kann  also  dem  Neocomien  nicht  mehr  angehören. 

Wir  sehen  den  braunrothen  ältesten  Marmor  zuerst 
am  Proslkogel  (fälschlich  Pruflkogel  und  sogar  Brunsthogel) 
erscheinen.  Die  Wetzstein-Bildung,  wie  wir  sie  schon  öfters 
in  unserem  Hauptzuge  z.  B.  ober  Besenbnch  am  Kochelsee  be- 
schrieben, steht  hier  wieder  an,  und  durch  ihre  Farbe  ver- 
leitet, die  von  Eisen-  und  Maugan-Oxyd  herrührt,  hat  man 
im  vergangenen  Jahrhundert  nach  Eisen-Erzen  gesucht  und 
das  Gebirge  mit  einem  leider  jetzt  verfallenen  Stollen  von 
mehr  als  100  Lachter  aufgeschlossen,  gerade  vsie  in  der 
gleichen  Formation  in  den  Wetzstein-Brüchen  von  Besen- 
bach am  Kochelsee  selbst.     Zum   zweitenmale   sehen    wir   un- 

Mehre  Fukoiden  im   Württembergischen  Lias  sind  bekanntlich  von 
einigen  jüngeren  Arten  nicht  zu  unterscheiden  (BaoNGiARx  i.  Jb.  1850,  114). 

Br. 


V      143 

Sern  rothbrannen  Marmor  am  Spitzingersee  auftreten,  und  zum 
drittenmale  im  Ostreichischen  beim  sogenannten   Landl. 

Ziehen  wir  eine  Linie  rechtwinkelig  auf  unscrn  Durch- 
schnitt oder  verfolgen  wir  das  Streichen  dieser  Schichten,  so 
treffen  wir  aegcn  Westen  mit  nnsrem  rothen  Marmor-Zu£:e 
zwischen  dem  Kreuzberghogel  im  JNorden  und  dem  Baumgar- 
tenberg in  Riedenstein  im  Süden  her  ein.  Am  Fusse  des 
letzten  liegt  bekanntlich  Tegernsee.  Dieselbe  Streichnngs- 
Linie  gegen  Osten  verfolgend,  treffen  wir  unsern  rothen  Mar- 
mor wieder  zwischen  dem  Breitenstein  und  Wendelstein  wie 
bei  Tegernsee  selbst. 

Ich  wiederhole  noch  einmal,  diese  Art  Marmor  gehört 
den  Wetzstein-Bildungen  an.  In  ihnen  findet  sich  der  Am- 
monites  raricostatus  mit  zahllosen  Aptychen ,  wovon  ich 
einen  gezeichnet  habe. 

Die  Wetzstein-Formation  gehört  den  Versteinerungen  zu- 
folge also  dem  Lias  an  und  ist  kein  Äquivalent  des  Solen- 
hofener  Schiefers,  wie  Prof.  Emmerich,  durch  das  Ansehen  die» 
ser  Schichten  verleitet,  angibt. 

Die  zweite  Art  lichteren  rothen  Marmors  treffen  wir 
zuerst  weiter  südlich  im  sogenannten  Dierenbach.  Die  Strei- 
chungs-Linie gegen  Osten  zeigt  gerade  nach  dem  hinteren  Theil 
des  Wendelsteins.  Zum  zweiten  Male  sehen  wir  denselben 
Marmor-Zug  auftreten  auf  der  Spitze  und  z.  Tb.  schon  am 
Fusse  der  Rothen  Wand  oder  vielmehr  Roth-^Wand.  Man 
trifft  ihn  gleichfalls  weiter  unten  am  Wege  nach  der  Kaiser- 
Klause  an,  wo  er  über  die  steinerne  Brücke  führt,  die  den 
Klausbach  überwölbt.  Zum  dritten  Male  finden  wir  ihn  auch 
am  Eingange  des  Todtengrabens  wieder,  wo  er  Überreste  von 
Enkriniten-Stielgliedern  enthält. 

Im  Milhlgraben  am  südlichen  Ende  des  Schtier-See's 
treffen  wir  jene  Kalk-Mergel,  welche  den  Ammonites  Buck- 
landi,  A.  Onenstedti  uud  A.  Charpentieri,  dann  den  Belem- 
nites  paxillusus  enthalten.  Dieselben  Schichten  verbreiten 
sich  westwärts  durch  das  Rottachthal,  aus  welchem  ich  zuerst 
jene  Ammoniteii  ohne  Rücken-Furchen  erhielt.  Sie  finden 
sich  wieder  gegen  Süd-Osten  am  Hochwiersing  und  stehen  in 
schönen  Wänden    im   sogenannten    Gastätter-    oder    Gstädler- 


144 

Graben  bei  Egerndorf  an,  von  wo  aus  sie  sich  ins  Thal  der 
Weissaachen  hinter  Aev Maximilians' Hätte  bei  Bergen  erstreclien 
und  gleichfalls  da  die  nämlichen  Ämmoniten  enthalten,  wie 
ich  Diess  in  meiner  ofterwähnten  Schrift  S.  89  weiter  aus- 
einandergesetzt habe. 

Schon  nach  dem  ersten  Auftreten  unseres  braunrothen 
Marmors  am  Profthogel  begegnet  uns  Dolomit,  dicht,  fleisch- 
roth,  geschichtet  mit  massigem  wechselnd,  aber  sehr  leicht 
unter  dem  Hammer  in  solche  scharfkantige  Stücke  zersprin- 
gend, wie  sich  Diess  bei  keiner  ähnlichen  dolomitischen  Bil- 
dung weiter  gegen  Süden  mehr  findet.  Auf  diesen  Dolomit 
folgt  unser  Flecken-Mergel  mit  Belemnites  paxillosus,  und 
von  da  aus  treten  wir  in  das  Reich  des  dichteren  Stink- 
Dolomits  und  des  weissen  und  grauen  Jura-Kalkes. 

Der  weisse  Jura  Kalk  ist,  wie  wir  in  unserem  Werke 
gezeigt  haben,  oolithisch  und  setzt  die  höchsten  Kuppen  un- 
seres Bayernschen  Vorgebirgs-Zuges  zusammen.  Die  tieferen 
Theile  sind  immer  Dolomite  oder  auch   Dolomit-Breccien. 

So  besteht  der  Zugspitz  sowohl  als  der  Wendelstein 
u.  A.  im  Zuge  aus  weissem  Oolith;  aber  so,  wie  der  Zug- 
spitz der  höchste  der  Bayern'schen  Voralpen  ist,  so  erstreckt 
sich  auch  gerade  von  diesem  höchsten  Punkt  der  weisse 
oolithische  Jura-Kalk  namentlich  nach  der  Süd-Seite  so  tief 
ins  Gebirge  beinahe  bis  an  den  Jura  hinan,  wie  wir  Diess  in 
keinem  andern  Theile  unseres  Gebirgs-Znges  wieder  finden; 
denn  sonst  überall  macht  der  weisse  Oolith  sehr  bald  dem 
grauen  Platz. 

Neben  den  oolithischen  Kernen,  deren  Gestalten  ich  in 
meinem  Werk  auch  gezeichnet  habe,  finden  sich  in  diesem 
Kalk  an  dem  Zugspitze  Enkriniten-Glieder  und  auf  den  übri- 
gen Höhen  das  Lith  od  end  ron  dichotomum. 

Wenn  wir  vom  Mühlgraben  aus  weiter  gegen  Süden 
wandern,  so  treffen  wir  im  nächsten  Graben  wieder  Dolo- 
mit. Die  Dürrenbach- Schneide  besteht  beinahe  ganz  bis  auf 
den  höchsten  Punkt  aus  ihm,  und  die  leichte  Zersplitterbar- 
keit  dieser  Masse  ist  Schuld,  dass  ganz  kahle  beinahe  sai- 
gere  Gesteins-Wände  anstehen,    deren    Fuss    und  Seiten    mit 


145 

stets  sich  mehr  und  mehr  zerbröckelndem  Doiomit-Schntt  be- 
deckt sind. 

Ehe  wir  die  alten  Schlackenfclder  im  Max-Josephs-Thale 
oder  der  Hachclau  erreichen,  stossen  wir  auf  weissen  Oolith; 
darauf  folgt  sogleich  Dolomit,  zuerst  massig,  dann  geschichtet, 
ja  der  ganze  Weg  gegen  Süden  bis  auf  die  höchste  Schneide, 
welche  die  Spilzingalp  trägt,  führt  über  bald  massigen  und  bald 
geschichteten  bräunlich-grauen  Stink-Dolomit.  Während  des 
ganzen  Weges  liegt  die  Brecherspifze,  der  erste  Berg  von 
einiger  Bedeutung  gegen  Süden  5103'  Par.  hoch  zur  Rechten, 
eine  lange  steile  nackte  Wand  bildend,  mit  „Iliesen<<  von 
Dolomit-Schutt  durchfurcht. 

Auf  der  Schneide  in  der  Nähe  der  Spilzing-Alme  zieht 
sich  vom  Brecherspitz  ein  sanfter  Grat  herab,  der  in  eine 
saigere  Wand  endet,  regelmässig  bor.  6  streichend,  unten 
mehr  massig  geschichtet  und  voll  von  der  Melania  t  e- 
nuis  Münster.  Wir  befinden  uns  nun  im  Gebiete  des  grauen 
Alpen-Kalkes,  der  von  hier  an  bis  ans  Ür-Gebirge  vorherr- 
schend bleibt.  Er  ist  oft  von  einem  Ader-Netze  aus  Kalk- 
spath  durchzogen  und  häufig  so  von  Bitumen  durchtränkt, 
dass  er  zum  wahren  Stink-Kalke  wird  Seine  Versteinerun- 
gen bestehen  grösstentheils  aus  dem  L  i  th  odendro  n  dicho- 
tomum  vorzüglich  da,  wo  er  in  Bänken  auftritt.  Eben  so  trifft 
man  namentlich  auf  den  Höhen  die  Terebratula  concinna, 
T.  lacunosa  und  andere,  die  ich  in  meinem  Buche  be- 
schrieben, und  wovon  die  höchsten  Spitzen  des  Gebirgs,  z.  B. 
um    Jierchtesgaden,    die  schönsten  Exemplare  liefern. 

Wenn  wir  von  der  oben  beschriebenen  Wand  nach  dem 
Spitzingersee  hinabsteigen,  der  noch  immer  32S0'  Par.  über 
der  Meeres  Fläche  liegt,  so  treffen  wir  auf  saiger  geschichtete 
etwas  mergelige  Kalke,  wechselnd  mit  massigem  Litho- 
deu  d  r  on- Kalk,  welche  Cardieu  und  Aviculen  enthalten. 

Wenn  wir  dem  Fahrwege  folgend  die  Mitte  des  Sees 
erreicht  haben,  sind  die  Gesteine  bereits  lichter  geworden, 
Hornstein-Ausscheidungen  werden  bemerkbar,  und  wir  finden 
unseren  älteren  braunen  Marmor   zum  zweiten  Male    wieder. 

Massiger  Kalk  mit  Lithodendron  folgt,  und  bei  der 
Brücke  über  den  Klausbach   tritt  der   zweite  Zug  lichtrothen 

Jahrgang  l^fil.  10 


14G 

Marmors  auf,  der  sich  von  der  rothen  Wand  oder  Rothwand 
5751'  Par.  hoch  durch  den  Klansgraben  herabzieht. 

Auch  an  die  Rothwand  lehnt  sich  in  einer  Höhe  von 
4000'  unsere  schon  öfter  beschriebene  Mergel-  und  Kalk- 
sandstein-Bildung wieder  an,  auf  die  gewiss  der  rothbraune 
Marmor  des  Vorder-Zuges  folgt,  obwohl  er  in  dieser  Höhe 
bis  jetzt  noch  nicht  aufgefunden   worden  ist. 

Etwas  weiter  gegen  Süden  in  gleicher  Linie  mit  der 
Oberhoferalme  treten  im  massigen  grauen  Kalk  jene  sonder- 
baren Gestalten  wieder  auf,  welche  uns  z.  B.  im  Kalke  der 
Berchtesgadner-Geh'wge  so  häufig  aufstcssen.  Eine  eigenthüm- 
liche  Bivalve  ohne  Schloss,  deren  zwei  Klappen  wie  die 
zwei  Schalen  des  Aptychus  latus  neben  einander  liegen  und 
mit  ihrer  oberen  Fläche  nach  oben  gekehrt  aus  der  Gesteins- 
Masse  durch  Verwitterung  hervorragend  das  Ansehen  erhal- 
ten haben  als  hätten  sich  Klauen  von  Horn-Vieh  in  der  weichen 
Kalk-Masse  abgedrückt,  wesshalb  diese  Gestalten  von  den 
Gebirgs-Bewohnern  auch  Kuhtritte  genannt  werden.  Ich 
habe  sie  gleichfalls  in  meinem  Werke  näher  beschrieben  und 
gezeichnet  als  Pholas  ungulata.  Ungeheure  Isocardien  be- 
gegnen uns  gleichfalls  in  diesem  Kalke,  deren  beiden  Buckeln 
vorzüglich  stark  und  mächtig  entwickelt  sind,  wesshalb  ich 
dieser  Form  den  Namen  Isocardia  grandicornis  ge- 
geben habe. 

Nur  etwas  weiter  gegen  Süden  stehen  geschichtete,  saiger 
einfallende,  schwarze  Stink-Dolomite  wieder  an,  wechselnd 
mit  lichtbräunlichen  Kalken    voll  von  Schalthier-Überresten. 

Nachdem  wir  endlich  uiisern  lichten  Enkriniten-Marmor 
wieder  gefunden,  beginnt  mit  dem  Anfange  des  Todtengrabens 
der  grauliche  Dolomit  neuerdings.  Die  ehemalige  sogenannte 
Kaiser-Klause  stand  in  durchschnittlich  horizontal  geschich- 
tetem bräunlich-grauem    Dolomite. 

Die  Versteinerungen,  welche  diese  am  mächtigsten  entwickel- 
ten Kalk-Massen  auszeichnen,  das  Lithodendron  dicho- 
tomum,  die  Terebratula  concinna  und  T.  lacuno&a, 
die  Isocardien,  der  Cidaris  glandiferus  und  der 
Trochus  fasciatus  nebst  dem  Apiocrinus  mespili- 
formis   bei  Abwesenheit  aller   übrigen    Petrefakten,  welche 


147 

auf  ein  grösscies  Alter  schliessen  Hessen,  machen  es  nicht  un- 
\vahr.scheiiili(  h,  dass  diese  Kalk-Massen  den  mittlen  oder  viei- 
leiclitj  jedoch  nur  theilvv^ise,  dem  untern  Jura-Kalke  beizu- 
zählen seyen,  und  ich  glaube  in  meiner  Schrift  den  Ausspruch 
nicht  mit  unrecht  gemacht  zu  haben,  dass  unsere  höchsten 
Alpen-Punkte  auch  in  geognostischer  Hinsicht  die  jüngsten 
seyen.  Durchaus  sind  die  geschieferten  dunkeln  mergeligen 
Kalk-Massen  mit  ihren  Lias-  und  vielleicht  auch  Muschel- 
kalk-Petrefakteu  und  Hoinstein- Ausscheidungen  entweder  den 
Fuss  unserer  höchsten  Kuppen  ummantelnd,  oder  dieselben 
wirklich  unterteufend,  wie  wir  Diess  z.  B.  am  Walzmann  im 
WimmbachThul  gegen  Süden  zu  deutlich  sehen  können,  wo 
ihn  jene  Schiefer  mit  ihren  Horustein-Ausscheidungen  unter- 
teufen, während  sie  sich  am  Eingange  des  Wimmbach- Thaies 
gegen  Norden  blos  an  ihn  anzulehnen  scheinen. 

Es  bilden  also  die  älteren  Formationen,  der  Lias-  und 
vielleicht  Muschel-Kalk,  bei  ihrem  ersten  Auftreten  in  unserem 
Bayernschen  Vorgebirge  gleichsam  den  Saum,  welcher  das 
Neocomien  durch  die  \q\\  mir  sogenannte  Rieselberger-Fov- 
mation  mit  dem  höheren,  mächlig  entwickelten,  mittlen  Jura- 
Gebilde  verbindet.  Bei  ihrem  zweiten  und  dritten  Auftreten 
treffen  wir  sie  uieder  in  der  Regel  am  Fasse  der  Gebirgs- 
Massen,  nur  selten  jedoch  in  eine  bedeutende  Höhe  hinauf- 
reichend, häufiger  im  Westen  als  im  Osten.  Man  sehe  z.  B. 
den  Grässhorn,  den  Slerzlabcrg  im  Vorarlbergischen,  die  Ham- 
vierbacher-Alme  am   Zugspitz  und  ähnliche  mehr. 

Diesen  Schichten  gehören  endlich,  Avie  ich  in  meinem 
Werke  umständlicher  dargethan,  auch  die  sogenannten  Grün- 
steine oder  Trapp-Gesteine  an,  von  welchen  so  häufig  Mel- 
dung gemacht  wird.  Diese  sogenannten  Trapp-Gesteine  sind 
nichts  anders  als  unsere  Kalk  Hornstein-Bildung,  von  Eisen- 
und  Mangan-Oxyd  und  -Oxydul  dunkelgrün,  braun  und  roth 
gefärbt.  si^lfiu'l  o^uf»//    -wVi  r»/' 

Auch  am  hohen  Böigen  findet  sich  nicifts  von  verwan- 
deltem Flysch,  nichts  von  Wänden  aus  Granit  oder  Gneiss 
bestehend.  Alle  abnormen  Fels-Massen  in  unserem  Gebirge 
sind  blos  Findlinge. 

Das  möchte   nun    ungefähr   die   Quintessenz   meiner  ün- 

10  * 


148 

tersuchungeii  seyn,  die  ich  mit  allem  Fleiss  und  aller  Aus- 
dauer angestellt. 

Nirgends  wird  ein  bioser  geognostischer  Durchflug,  ein 
Aufenthalt  von  ein  Paar  Tagen  weniger  fruchten,  als  in  un- 
serem Gebirge;  denn  man  kann  hundertmal  dieselbe  Richtung 
durch  unser  Gebirge  verfolgen,  und  man  wird  immer  neue 
Gegenstände  zur  Beobachtung  finden,  welche  die  Ansicht, 
die  man  bei  früherem  Besuche  dieser  Gegenden  gewonnen, 
oft  wieder  durchaus  verändern. 

„Wenn  man  ein  Profil  durch  die  Alpen  mit  den  Gebirgs- 
Durchschnitten  anderer  Länder  vergleicht,  hat  v.  Buch*  be- 
reits 1828  ausgesprochen,  so  geht  schon  aus  der  blossen 
Ansicht  hervor,  wie  die  Schwierigkeit  des  richtigen  Ordnens 
der  Schichten,  wie  sie  auf  einander  folgen,  in  so  zerstückel- 
tem und  verworfenem  Gebirge  sich  häufen  und  die  Unter- 
suchungen erschweren  müssen.  —  In  Bayern  und  Tyrol  wird 
man  fast  bei  jedem  Durchschnitt  in  Verlegenheit  gesetzt,  zu 
welcher  Formation  man  die  plötzlich  eintretenden  hohen  Do- 
lomit-Felsen rechnen  solle,  und  noch  mehr,  wenn  dann  wieder 
andere  Schichten  erscheinen,  in  welchen  die  organischen 
Reste  nicht  deutlich  genug  sind,  um  ohne  Gefahr  des  Irr- 
thums  leiten  zu  können'^  u.  s.  f. 

Denkt  man  sich  noch  dazu  alle  sanften  Abdachungen 
mit  Bäumen  oder  Almen- Weiden  bedeckt,  die  nackten  Wände 
oft  kaum  oder  auch  ganz  unersteiglich,  erinnert  man  sich  an 
die  bei  jeder  tieferen,  gründlicheren ,  ausgedehnteren  und 
andauernderen  Untersuchungen  unseres  Alpen-Gebirgs  immer 
mit  grösserer  Evidenz  sich  geltend  machende  Thatsache, 
dass  in  den  hervorragendsten  Schichten-Reihen  Petrefakten 
von  verschiedenen  geologischen  Epochen  sich  beisammen 
finden,  dass  die  Petrefakten  zu  den  ungeheuren  Gebirgs- 
Massen  dennoch  in  einem  höchst  geringen  Verhältnisse  ste- 
hen, auf  sehr  wenige  Punkte  beschränkt  und  so  von  der 
Versteinerungs-Masse  umhüllt  sind,  dass  höchstens  die  Ver- 
witterung  ihre    Umrisse    kenntlich    macht,  —    so  wird    man, 


"-■^     Einige  Bemerkungen  über  die  Alpen  in  Bayern,  Abhandl.  der  kgl. 
Akademie  der  Wissenschaften  zu  Berlin  183t,  S.  73. 


149 

weit  entfernt  die  Vorsicht  zu  tadeln,  mit  der  ich  zu  Werke 
ging,  ehe  ich  mich  kategorisch  über  die  Stellung  dieser 
Schichten  im  geologischen  Systeme  aussprach,  vielleicht 
alle  die  so  apodiktisch  hingestellten,  auf  nur  wenige  locale 
Untersuchungen  und  Thatsachen  sich  gründenden  Paralieli- 
sirungen  viel  zu  früh  und  viel  zu  gewagt  finden  *. 

*  Wenn  es  mir  erlaubt  ist,  in  diesen  so  Widerspruclis-reichen  Dis- 
kussionen meine  Ansicht  auszusprechen,  so  hat  es  nichts  Befremdendes 
(wenn  es  auch  nicht  eben  gewöhnlich  ist),  örtliche  Widerholungen  aus  gröss- 
tentheils  älteren  Faunen  und  Floren  —  doch  noch  aus  gleicher  Formation 
zu  finden.  Sie  mögen  in  den  Alpen  häufiger  scyn  als  anderwärts,  viel- 
leicht auch  einen  längern  Zeitraum  rekapituliren,  als  anderwärts.  Manche 
Petrefaklen-Besfimmungen,  die  jetzt  in  Widerspruch  mit  andern  stehen, 
wird  die  Zeit  berichtigen,  wie  sie  schon  auf  allen  Seilen  manche  berich- 
tigt hat.  Einige  Anomalie'n  gegen  anderweitige  Beobachtung,  wie  hin- 
sichtlich der  Orthoceren  schon  geschehen  ist,  werden  wir  zugeben  müs- 
sen. Endlich  bleibt  dahin  gestellt,  ob  ein  Theil  der  widersprechenden 
Erscheinungen,  wie  in  der  Schweil»  immer  unläugbarer  sich  herausstellt, 
auf  Überstürzung  der  Schichten  beruht.  Bh. 


Über 


einige  Mineralien  aus  dem  Gebiete  der 
Nasttauischen  Diabase, 


Herrn  Dr.  Fridolin  Sandberger. 


Die  vielen,  meist  anscheinend  lag^erförmig  in  der  mittlen 
und  oberen  Abtheilung  des  Rheinischen  Schichten  Systems 
im  Herzogthum  Nassau  auftretenden  Diabas-Massen  beher- 
bergen eine  nicht  unbedeutende  Anzahl  von  Mineralien,  welche 
in  ihren  Verhältnissen  zu  dem  umschliessenden  Gesteine  so- 
wohl als  unter  sich  bis  jetzt  noch  nirgends  genauer  geschil- 
dert worden  sind.  Es  erscheint  aber  eine  Darstellung  der- 
selben um  so  mehr  an  der  Zeit,  als  in  ihnen  ein  Anhalt  für 
die  innerhalb  dieser  Gesteine  vor  sich  gehenden,  zum  Theil 
höchst  interessanten  Zersetzungs-Prozesse  gegeben  ist. 

Dass  der  Nassauische  Diabas,  gleich  dem  Weslphäiischen 
und  dem  am  Harze  vorkommenden,  ans  einem  triklinischen 
Feldspathe  und  Augit-Substanz  bestehe,  ist  sicher  gestellt; 
ebenso  dass  dieser  Feldspath,  wo  er  untersucht  worden  ist, 
die  physikalischen  und  chemischen  Eigenschaften  des  Labra- 
dorits  gezeigt  hat.  Der  Augit  ist  in  den  meisten  Fällen  als 
der  Varietät  Hypersthen  zugehörig  erkennbar.  Namentlich 
zeigen  sich  die  ausgezeichnet  grobkörnigen  Diabas-Massen 
am  Scheuernberge  und  mehren  andern  Orten  bei  Weilburg, 
bei  Tringenstein,  Burg  und  Amdorf  in  der  Nähe  von  Dillen- 
burg als  krystallinisch-körnige  Verwachsungen  der  erwähnten 


151 

Fossilien,  in  welchen  sehr  häufig-  ein  dunkelgrünes  wasser- 
haltiges Eisen-Silikat   als   färbender   ßestandtheil  hinzutritt. 

Dasselbe  ist  indessen  durchaus  nicht  überall  vorhanden 
und  fehlt  z.  ß.  in  der  Varietät  vom  Schcuernberge  fast  gänz- 
lich. Diese  krystallinischen  Gesteine  gehen  gar.z  allinählich 
in  dichte,  ini  un verwitterten  Zustande  grangrüne,  in  der  Re- 
gel aber  bei  schwacher  Verwitterung  schwaiz  gefärbte  Mas- 
sen über,  welche  vorzugsweise  in  der  Gegend  von  üillenburg 
herrschend  werden.  Es  gibt  hier  eben  so  viele  Übergänge, 
als  sie  bei  der  Basalt- Reihe  vorkommen.  Der  Diabas  vom 
Geistlichen  Berge  bei  IJerborn  z.  ß.  nimmt  in  Rücksicht  auf 
die  beiden  Extreme  der  Ausbildung  des  Gesteins  eben  so  wohl 
eine  mittle  Stellung  ein,  als  der  „Anamesit"  von  Steinheim 
zwischen  dem   Dolerit  und  dem  ßasalte. 

Auch  die  Porphyr-artigen  Varietäten  fehlen  nicht  und 
sind  am  Heunslein  bei  Sechshelden  unweit  Dillenfmrg,  an  der 
Lühnberger  hätte  bei  Weilburg,  bei  Batduinstein  unweit  Diez 
und  bei   Cramberg  sehr  ausgezeichnet  vertreten. 

An  diesen  Orten  sind  Labiadorit-Krystalle,  zum  Theil 
von  beträchtlicher  Grösse,   im  Gesteine  ausgeschieden. 

Weit  seltener  dagegen  ist  Diess  mit  dem  Hypeisthen 
der  Fall.  Doch  gibt  der  Diabas  von  Grävenech  bei  Weilburg 
auch  hiefür  ein  recht  gutes  ßeispiel. 

Endlich  wäre  noch  der  Mandelsteine  zu  gedenken,  in 
welche  sich  die  dichten  und  Porphyr-artigen  Varietäten  sehr 
häufig  verlaufen;  von  den  Schalsteinen  dürfen  wir  für  unsern 
Zweck  vor  der  Hand  absehen. 

Die  Absonderungs  Formen  sind  bei  den  verschiedenen 
Varietäten  nicht  dieselben.  W'ähiend  die  dichten  Diabase 
und  die  Mandelsteine  namentlich  bei  einigermassen  vorge- 
schrittener Verwitterung  eine  ausgezeichnete  Kugelschalen- 
Struktur  bemerken  lassen,  besitzen  die  grobkörnigen  in  der 
Regel  nur  eine  unregelniässige  Theilung  in  Blöcke.  An  ganz 
wenigen  Orten,  wie  z.  B.  an  der  Burger  Capelle  wird  eine 
Absonderung  bemerkbar,  welche  das  Gestein  in  dicke  regel- 
mässige Bänke  spaltet,  wie  sie  am  Granite  so  häufig  vor- 
kommen. 

Ich    habe    geglaubt,   diese    Darstellung    der   allgemeinen 


152 

Verhältnisse  des  Nassauischen  Diabases  einer  näheren  Erör- 
terung der  in  ihm  thcils  eingewachsenen,  Iheils  auf  Klüften 
vorkommenden  Mineralien  vorausschicken  zu  müssen,  um 
mich  bei  mancherlei  speziellen  Verhältnissen  der  letzten 
hierauf  beziehen  zu  können. 

1.  Kalkspath  findet  sich  nicht  nur  auf  den  Klüf- 
ten sowohl  der  dichten  als  der  grobkörnigen  Diabase,  son- 
dern auch  in  den  Mandeln    der  Mandelsteine. 

In  der  Regel  zeigt  er  die  Formen  11%  Ry„  R,  y.^K 
oder  auch  Combinationen  R%  R,  R,  VjR,  OCR-  Meist  ist 
er  sehr  rein  weiss ;  nur  wenige  Varietäten  lassen  bereits 
eine  Zersetzung  wahrnehmen ,  weiche  dann  die  Struktur- 
Flächen  besonders  deutlich  hervortreten  lässt.  ^Namentlich 
zeigten  die  schönen  Rhomboeder  %R  aus  den  Klüften  des 
Diabases  von  TJkersdorf  bei  flerborn  eine  solche  Streifung 
oder  vielmehr  Furchung  parallel  den  Flächen  von  R;  aber 
auch  an  anderen  Orten  fehlt  sie  nicht.  Interessanter  sind 
die  Umhüllungen  wasserheller  Krystalle  der  Form  R^  von 
einer  trüben  Rinde  der  Form  GCR,  ^/-z^-)  welche  ich  am 
Tunnel  bei  Weilburg  beobachtete,  und  frei  aufsitzende  was- 
serhelle Krystalle  R  auf  der  Form  ocR,  Vi^'  ^'^  ^'^  ''^"^ 
figer  im  Paulinens tollen  bei  Dillenburg  vorkommen. 

Beide  Erscheinungen  deuten  unzweifelhaft  auf  einen 
zweiten  Absatz  von  kohlensaurem  Kalke,  aber  jedenfalls 
unter  geänderten  Verhältnissen,  auf  schon  gebildeten  Kry- 
stallen.  In  der  Regel  werden  die  älteren  Krystalle  von  dem 
späteren  Überzüge  durch  eine  dünne  Lage  von  ockerigem 
Brauneisenstein  geschieden. 

Besonders  charakteristisch  sind  für  manche  Diabase 
derbe  Kalkspathe  von  einer  eigenthümlich  eckig-grosskörni- 
gen Zusammensetzung  mit  strahliger  Struktur  der  Körner. 
Die  Diabase  von  Niederscheid  und  Uchersdorf  bei  Dillenburg 
zeigen  diese  Erscheinung  besonders  häufig. 

Es  gehen  indess  mit  dem  Kalkspathe  auch  durchgrei- 
fendere Veränderungen  vor,  welche  sich  durch  eine  Umwand- 
lung desselben  in  Brannspath  kund  thun  und  von  Aussen 
nach  Innen  erfolgen.  So  fand  ich  namentlich  auf  einer 
Kalkspath-Kluft    zwischen     dem    grobkörnigen    Diabase    und 


1^3 

dem  Cypi'itJinen-Schiefer  im  Löhnberger  Wege  hei  Weilburg 
alle  fieiaijsgebildeteii  Krystalle  R\  R  bis  zu  3'"  tief  in 
ßrauiispatli  umgewandelt;  auch  an  einigen  andei'n  Orten  der 
Gegend  von  Weilburg  war  dieselbe  Erscheinung,  wenn  gleich 
weniger  auffallend,  wahrnehmbar.  Der  Kalkspath  umschliesst 
fast  sämmtliche  übrigen  Mineralien,  welche  in  den  Diabasen 
auftreten,  und  wird  daher  bei  der  Betrachtung  dieser  noch 
öfter  zur  Sprache  kommen  mi'issen.  Dass  er  ein  einfaches 
Zersetzungs-Produkt  des  Labradorits  der  Diabasen  sey,  dürfte 
Wühl  von  Niemanden  in  Abrede  gestellt  werden.  Die  grös- 
sere Verwitterbarkeit  gerade  dieses  Gemengtheils  des  Dia- 
bases wegen  seines  Kalk-Gehaltes  macht  seine  weite  Ver- 
breitung leicht  erklärlich. 

2.  Albit.  Bis  jetzt  ist  mir  noch  kein  grobkörniger 
Diabas  bekannt  geworden,  welcher  nicht  auf  seinen  Klüften 
Albit  entweder  mit  Kalkspath  verwachsen  oder  für  sich  be- 
herbergt hätte.  Eine  regelmässige  Übereinanderlagerung 
von  Albit  und  Kalkspath  sah  ich  nirgends,  sondern  immer 
nur  eine  Verwachsung,  welche  auf  gleichzeitige  Entstehung 
schliessen  Hess.  Namentlich  zeigen  sämmtliche  Varietäten 
der  Art  aus  der  Gegend  von  Weilburg  dieses  Mineral  oft  in 
zahllosen  Trümern ,  bei  Dillenburg  vorzugsweise  die  Dia- 
base von  Amdorfj   Burg  und    Wissenbach. 

Die  schönsten,  zum  Theil  wasserhellen  Krystalle  fanden 
sich  in  dem  Löhnberger  Wege  bei  Weilbnrg  in  einer  kleinen, 
circa  1  V2  T^achter  mächtigen  Diabas-Parthie,  welche  zwischen 
Cypndinen-Schiefer  mit  vielen  Kalk-Knollen  lagert.  Sie  ver- 
breiten sich  auch  in  die  angrenzenden  Schiefer,  jedoch  so, 
dass  man  ihren  Zusammenhang  mit  den  Albit  Klüften  im 
Diabase  stets  deutlich  beobachten  kann.  Auf  Klüften  von 
dichten  Diabasen  ist  mir  der  krystallisirte  Albit  bis  jetzt  nur 
in  dem  Fahrwege  von  Kirschhof'en  nach  Gräceneck  mit  kry- 
stallisirtem  Epidot  (Pistazit)  bekannt  geworden. 

Häufig  besitzt  der  Albit  ein  zerfressenes  Ansehen  und 
Eindrücke  von  Flächen  anderer  Krystalle.  Ich  habe  in  allen 
beobachteten  Fällen  dieselben  auf  verschwundenen  Kalkspath 
zurückführen  können.  Der  Albit  findet  sich  auch  zuweilen 
neben  Labradorit    in  den  grobkörnigen  Diabasen    eingewach- 


J54 

sen,  was  mich  frühei*  zu  tler  irrthümlichen  Ansicht  veran- 
lasste, als  gehörten  diese  Gesteine  zu  dem  eigentlichen 
Diorite* 

Ich  habe  mich  später  überzeugt,  dass  der  Labradorit 
der  wesentliche  Gemengtheil,  Albit  in  dem  Diabase  selbst 
aber  nur  eine  sporadische  Erscheinung  ist.  Albit  und  Kalk- 
spath  zusammen  entsprechen  der  Zusammensetzung  des  Lab- 
radorits,  wenn  man  von  der  Kohlensäure  des  Kalkspaths 
absieht,  vollständig;  denn  der  Kalkspath  enthält  den  Kalk, 
der  Albit  Thonerde,  Natron   und  Kiesel  Säure  desselben. 

Die  Ausscheidung  von  Albit  in  krystallinischen  Massen 
ist  indess  lange  nicht  so  häufig,  als  jene  der  dichten  Varie- 
tät dieses  Minerals  im  Gemenge  mit  Quarz,  des  Adinoles, 
auf  dessen  Vorkommen  unter  ähnlichen  Verhältnissen,  wie 
im  Nassauischen,  zu  Lerbach  am  Harze  Hausmann  zuerst 
aufmerksam  gemacht  hat  **. 

Fast  überall,  wo  dichte  Diabase  in  der  Gegend  von  Dü- 
lenburg  mit  Schiefern  in  Berührung  kommen,  findet  sich  ein 
bald  schmäleres,  bald  breiteres  (bis  zu  6")  Band  von  Adinole, 
welcher  sowohl  von  Stifft  als  von  mir  für  Hornstein  gehal- 
ten und  als  Produkt  feuriger  Einwirkung  des  Diabases  auf 
den  Schiefer  angesprochen  wurde.  Eine  sorgfältige  Prüfung 
einer  ganzen  Reihe  von  Varietäten  dieser  Substanz  hat  mich 
überzeugt,  dass  sie  sämmtlich  vor  dem  Löthrohre  schmelz 
bar  sind  und  in  allen  übrigen  Eigenschaften  mit  dem  Adinole 
übereinkommen.  Das  Thal  von  Burg  nach  Erbach  zu,  sowie 
die  Gegend  von  Herborn  {Merkenbach,  Hehberg')  liefern  weisse, 
graue  und  röthliche  Varietäten  in  Menge. 

Oft  sind  auch  noch  in  weiterer  Entfernung  vom  Diabase 
die  Schiefer  erhärtet  und  wohl  auch  mit  Adinol-  oder  Horn- 
stein-Masse  duichdrungen ,  wie  z.  B.  die  Posidonomyen- 
Schiefer  vor  Erdbach  und  am    Geistlichen  Berge  bei  Herborn. 

Eine  Verwachsung  von  rothem  Adinole  mit  grünem  Horn- 
steine,  wenn  gleich  nicht  so  ausgezeichnet,  wie  bei  Lerbach, 
hat    Herr   Grandjean    zu  Merhenbach  aufgefunden**''.    Es  ist 


''     Übersicht  der  geologisdien  Vcrlialtnisse  u.  s.  w.  S.  64. 
' '•'     Über  die  Bildung  des  //«ra-Gebii  ges  S.  79. 
t>ff!f    Dieselbe  kommt  auch  am  Geistlichen  Berge  bei  Herborn  vor. 


155 

charakteristisch  für  die  dichten  Diabase,  dass  in  dem  Maasse, 
als  an  ihren  ßeriihrungs-Flächen  mit  dem  Schiefer  Adinule 
ausgeschieden  ist,  der  Kalkspath-Gehalt  derselben  zuzuneh- 
men scheint.  Diess  würde  sich  daraus  erklären,  dass  für  eine 
bestimmte  Menge  Adinole  gleichzeitig  ans  dem  Labradorit 
auch  eine  proportionale  Quantität  Kalkspath  gebildet  wird, 
der  indessen  in  dem  zersetzenden  Gesteine  zum  Theile  zurück- 
zubleiben scheint  und  so  diejenigen  Varietäten  desselben  bil- 
det, welche  mit  dem  Namen  Kalk  Diabas  bezeichnet  werden. 

;J.  Epidot  (Pistazit).  Der  Epidot  hat  sich  bis  jezt 
krystallisirt  am  schönsten  zwischen  Kirschhof'en  und  Gräven- 
eck  gefunden.  Er  besitzt  ausgezeichnete  Pistacien-grüne 
Farbe  und  ist  mit  Albit  verwachsen. 

Ausserdem  findet  sich  am  Grävenecker  Burgberge  eine 
beinahe  1'  breite  Spalte,  ebenfalls  in  dichtem  Diabas,  welche 
mit  einem  grangrünen  Gemenge  von  Epidot  und  Quarz  aus- 
gefüllt ist,  und  in  der  Gegend  von  Oberscheid,  Niederscheid 
und  Uckersdorf  kommt  er  häufiger  mit  Quarz,  zuweilen  auch 
wohl  mit  Prehnit  gemengt   in  derselben  Weise  vor. 

Die  Eisenkiesel  Schnüren,  welche  zwischen  dichten  Dia- 
basen und  Schiefern  am  Fusse  des  Scheaernberges  hei  Odersbach 
auftreten,  enthalten  ebenfalls  gelblichgrüne  Trümer  von 
Epidot,  und  selbst  in  den  in  Schalstein  übergehenden  Diabas- 
Mandelsteinen  findet  sich  derselbe  mit  Kalkspath  und  Quarz 
verwachsen  sehr  häufig.  In  dieser  Weise  kommt  er  im 
Susannenstollen  bei  Baldut'nstein,  zu  Aumenau  bei  Runkel^ 
endlich  in  dem  Weilthale  zwischen  Freienfels  und  Weilmünster 
au  vielen  Stellen  vor.  Eingewachsen  in  Diabas  selbst  hat 
sich  der  Epidot  vorzugsweise  an  der  Grenze  dieses  Gesteins 
und  des  Cypridinen-Schiefers  im  Tunnel  bei  Weilburg  gefun- 
den. Dass  der  Epidot  gleicher  Entstehung  mit  den  vorher 
erwähnten  Mineralien  sey,  leidet  keinen  Zweifel.  Eine  di- 
rekte Nachweisung  seines  Ursprungs  ist  mir  aber  bis  jetzt 
noch  nicht  gelungen. 

4.  Quarz.  Der  Quarz  ist  als  Ausscheidung  auf  Klüften 
der  Diabase  weit  seltener  als  der  Kalkspath  und  findet  sich 
nur  hin  und  wieder  in  schön  ausgebildeten  Krystallen,  wie 
z.  B.  im  Rupbachlhale   bei  Diez,    bei  Gräveneck  unweit   Weil- 


150 

hurg.  Dagegen  kommt  blauer  Cliaicedoii  in  traubigeii  Ge- 
stalten und  als  Umhüllung  von  Kalkspath-Krystallen  öfter 
auf  Klüften  des  grobkörnigen  Diabases  im  Löhnberger  Wege 
und  am  Tunnel  bei  Weilburg,  von  röthlicher  Farbe  lagen- 
weise mit  Kalkspath  abwechselnd  zu  Bicken  bei  Herborn  vor. 
Im  Gemenge  mit  Eisenoxyd  und  thonigem  Verwitterungs- 
Rückstande  findet  sich  Kiesel-Substanz  als  sogenannter  Eisen- 
opal einen  etwa  3'  mächtigen  Gang  bildend,  an  der  Haasen- 
hütle  bei  Niederscheid,  weit  häufiger  dagegen  als  Eisenkiesel 
besonders  als  Saalbaud  zwischen  Diabas  und  Rotheisen- 
Steinlagern. 

5.  Laumontit.  Keiner  von  den  im  Diabase  vorkom- 
menden Zeolithen  besitzt  eine  weitere  Verbreitung  als  der 
Laumontit.  Wenn  er  sich  auch  in  den  grobkörnigen  Dia- 
basen z.  B.  am  Tunnel  und  im  Löhnberger  Wege  bei  Weil- 
burg hin  und  wieder  theils  auf  Klüften,  theils  \on  diesen 
aus  auf  kurze  Erstreckung  auch  in  dem  Gesteine  selbst  fin- 
det, so  ist  doch  der  dichte  Diabas  mit  seineu  Mandelsteinen 
in  der  Gegend  von  Dillenburg  sein  Hauptsitz.  Der  Berg- 
Abhang  zwischen  Uckersdorf  und  der  Papiermühle,  sowie 
die  Gegend  von  Oberscheid  haben  öfter  schöne  Krystalle  ge- 
liefert, alle  der  Form  CG  O.  0  O.  angehörig.  Härte  und 
Wasser-Gehalt  des  un  zersetzten  Lanmontits  von  Dillenburg 
sind  die  gewöhnlichen;  dagegen  zeichnet  ihn  seine  fleisch- 
rothe  Farbe  und  eine  viel  grössere  Haltbarkeit  an  der  Luft 
vor  allen  übrigen  Vorkommnissen  dieses  Minerals  aus.  Er 
kommt  fast  immer  mit  Kalkspath  verwachsen,  öfter  aber 
auch  für  sich  Klüfte  von  circa  8'"  —  1"  Dicke  ausfüllend 
vor.  Ausser  der  bekannten  Zersetzung  in  kohlensauren  Kalk 
und  ein  saures  Silikat  erleidet  der  Laumontit  öfter  eine  Um- 
wandlung in  Prehnit.  Ich  habe  dieselbe  an  dem  Laumontite 
vom  Tunnel  bei  Weilburg  mehrmals  beobachtet.  Derselbe 
ist  von  mikroskopischen  Prehnit-Krystallen  überzogen  und 
bis  zu  geringer  Tiefe  ganz  in  denselben  umgewandelt;  der 
Kern  besteht  aber  noch  aus  dem  unzersetzten  Minerale. 

Endlich  ist  einer  Pseudomorphose  zu  erwähnen,  welche 
in  der  neuesten  Zeit  von  Herrn  Dr.  Bischof  in  dem  Berliner 
3Iineralien-Kabinet   an    dem   Laumontite ,    welcher   zwischen 


1.57 

Niederscheid  und  Burg  vorkommt,  entdeckt  worden  ist.  Ich 
habe  mich  überzeugt,  dass  die  besagte  Pseudomorphose  in 
ihren  physikalischen  Eigenschaften  dem  Kali-Feldspathe 
(Orthoklas)  vollkommen  entspreche  *.  Die  Krystall-Form 
war  die  oben  angegebene,  bei  den  Krystallen  von  Burg 
jedoch  weniger  deutlich,  als  bei  einer  mit  l"  langen  Indivi- 
duen bedeckten  Druse  von  Oberscheid,  welche  Herr  Mark- 
scheider Dannenberg  zu  Dillenburg  besitzt.  Eine  Umwand- 
lung des  Lanmontits  in  Prehiiit  hat  wenig  Auffallendes,  da 
hierbei  nur  der  Wasser-Gehalt  verringert  wird,  die  übrige 
Znsammensetzung  aber  ziemlich  dieselbe  bleibt;  um  so  mehr 
aber  die  im  Feldspath,  ein  wasserfreies  Silikat,  dessen  eine 
Basis,  das  Kali,  in  keinem  Bestandtheile  des  Diabases  bis 
jetzt  nachgewiesen  ist.  Falls  nicht  bei  sorgfältiger  Unter- 
suchung ein  Theil  des  Natrons  im  Labradorite  durch  Kali 
ersetzt  ist,  wären  die  anstossenden  Schiefer-Gesteine  wohl 
als  öuelle  desselben  anzusprechen. 

6.  Analzim.  Ich  habe  zuerst  im  Jahre  1845  auf  Klüf- 
ten eines  zersetzten  grobkörnigen  Diabases  im  Lühnberger 
Wege  fleischrothe  verwitterte  Trapezoeder  gefunden,  welche 
ich  nach  ihren  Löthrohr-Reaktionen  für  dieses  Mineral  halten 
musste.  Später  fand  Herr  Grandjean  wasserhelle  unzersetzte 
Krystalle  mit  Kalkspath  verwachsen  im  Diabase  bei  Nieder- 
scheid und  Haiger,  sowie  angegriffene  im  Uckersdorfer  Tliale. 
Endlich  habe  ich  dieselben  in  der  neuesten  Zeit  am  Geist- 
lichen Berge  bei  Ilerborn  in  vorzüglich  scharfer  Ausbildung 
entdeckt.  Die  hier  vorkommenden  Krystalle  sind  jedoch 
sämmtlich  in  Prehnit  umgewandelt. 

7.  Chabasit.  Dieser  Zeolith  wurde  von  Herrn  Grand- 
jean auf  Quarz,  welcher  eingewachsenen  Laumontit  enthält, 
mit  Heulandit-Krystallen  aufgewachsen  in  einer  Kluft  des 
dichten  Diabases  bei  Uchersdorf  gefunden  und  hat  sich  seit- 
dem an  keiner  weiteren  Stelle  entdecken  lassen.  Er  er- 
scheint immer  im  Grund- Rhombocder  11  krystallisirt  und  mit 


*  Haidingkk  hat  bereits  über  Pscudoinoiphosen  von  Feldspath  nach 
Laumontit,  sowie  auch  nach  Prehnit  und  Analzim  Nachricht  gegeben. 
Sitzungs-Bcrichte  der  k.  k  Akademie  der  WissenschaHen  zu  iriVn.  Heft  H, 
S.  39t   ff. 


158 

vollkommen  frischem  Glas-Glanze  und  der  ihm  eigentliümlichen 
Härte.  Er  scheint  demnach  lange  nicht  so  leicht  zersetzt 
zu  werden,  als  die  übrigen  Zeolithe. 

i:  8,  Heuland  it.  Der  Henlandit  kommt  theils  für  sich, 
(heils  mit  Kalkspath  in  den  Formen  %  R  und  00  R  2  R.  auf 
Klüften  eines  dichten  Diabas-Lagers  zwischen  dem  Neuen 
Haus  und  Burg  vor.  Meist  sind  seine  Krystalle  zu  strahli- 
gen  Kugeln  vereintgt,  seltener  frei  aufgewachsen.  An  letz 
ten  beobachtet  man  die  Combination  CCO  0  CO-  GC  O  CO. 
00  0  00.  o  O). 

Jetzt  ist  leider  der  grösste  Theil  des  Felsens,  an  wel- 
chem der  Henlandit  vorkam,  zu  Weg-Bauten  verbraucht;  und 
da  auch  bei  Niederscheid  der  Fundort  desselben  erschöpft 
ist,  so  wird  der  Henlandit  bald  zu  den  grossen  Seltenheiten 
gehören. 

An  letztem  Orte  kam  er  auf  einem  grauen,  hin  und 
wieder  mit  Kalkspath  und  Epidot  durchtrümerten  Adinole 
vor.  Die  Krystalle  waren  beträchtlich  grösser,  als  die  von 
JJchersdorf  und  duich  starken  Glanz  besonders  ausgezeich- 
net,  die  Combination  übrigens  dieselbe. 

Beide  Vorkommen  wurden  mir  im  Jahre  1847  durch 
Herrn   Grandjean  zuerst  bekannt. 

9.  Prehnit.  Der  Prehnit  ist  besonders  bei  Niederscheid 
und  Oberscheid  weiter  verbreitet  und  in  der  Regel  mit  Kalk- 
spath und  Quarz  verwachsen,  theils  in  krystallinischen  Mas- 
sen mit  hier  und  da  erkennbaren  Flächen,  öfter  aber  in  ku- 
geligen Gestalten  mit  strahliger  Struktur.  Nicht  selten  wer- 
den bei  Niederscheid  die  Salbänder  einer  Kluft  Ausfüllung 
von  spargelgrünem  Prehnit,  die  zweite  Lage  von  Kalkspath, 
die  Mitte  von  Quarz  gebildet;  Kalk-Silikat,  Kalk  Karbonat, 
Kiesel  Säure. 

In  grobkörnigen  Diabasen  habe  ich  den  Prehnit  nur  bei 
Weilburg  und  bei  Amdorf  unweit  Herborn  kennen  gelernt, 
an  beiden  Orten  ist  er  eben  so  selten,  als  er  in  den  dichten 
Diahasen  von  Oberscheid  und   Niederscheid  häufig  ist. 

10.  Ap  hr  OS  i  d  eri  t.  Ich  erwähnte  schon  oben,  dass 
lange  nicht  alle  Diabase  intensiv  grün  gefärbt  sind.  Wo 
diese  Färbung  aber  eintritt,  ist  in  der  Regel  schon  eine  Ver- 


159 

miiKleriiiio-  der  Häite  und  des  Glanzes  bei  dem  Gesteine 
wahrnehmbar.  Beim  Glühen  in  der  Glasröhre  erhält  man 
Wassei",  nnd  mit  schvvaciier  Salz-Säure  ist  es  möglich  nach 
längerem  Stehenlassen  die  grüne  Färbung  völlig  zn  entfer 
nen.  Selten  aber  zeigt  sich  das  Mineral,  welches  sie  be- 
wirkt, in  solcher  Menge  ausgeschieden,  dass  eine  mineralo- 
gische Untersuchung  desselben  vorgenommen  werden  könnte. 
Doch  ist  Diess  namentlich  in  dem  Diabase  des  Tunnels  bei 
Weilburg  möglich  gewesen,  in  welchem  sich  zuweilen  zoll 
grosse  Parthie'n  desselben  ausgeschieden  fanden,  welche 
sich  in  allen  Beziehungen  wie  Aphrosiderit  verhielten. 

Chlorit  hätte  von  Salz-Säure  nicht  zersetzt  werden 
dürfen. 

Sucht  man  die  Verändernngs  Prozesse,  welche  die  Ent- 
stehung der  beschriebenen  Mineralien  bedingen,  näher  zu 
erforschen,  so  ergibt  sich  zunächst  ein  unmittelbarer  Zusam- 
menhang zwischen  dem   Labradorit  und  den  Zeolithen, 

Nimmt  man  nämlich  mit  Gerhardt 

als  Formel  des  Labradorits  an,  so  ist  der  Laumontit  nach 
der  Formel  desselben  Chemikers  Labradorit  +  12  Atomen 
Wasser,  also  durch  einfache  Wasser-Aufuahme  aus  diesem 
entstanden,  wobei  ich  daran  erinnere,  dass  gerade  dieser 
Zeolith  am  häufigsten  vorkommt.  Die  Formeln  des  Chaba- 
sits,  Heulandits  und  Analzims,  wie  sie  von  Rammklsberg  auf- 
gestellt worden  sind,  zeigen  keinen  so  nahen  Zusammenhang 
mit  der  obigen  des  Labradoiits  und  lassen  daher  komplizir- 
tere  Zersetzungs-l'rozesse  vermuthen.  Die  Formel  des  Preh- 
nits  von  Berzelius  2  Ca-'  S*i  +  3  AI  Si  +  H'  Si  kommt 
dagegen  wieder  näher.  Die  Umwandlung  des  Laumontits  in 
ein  Silikat  von  so  geringem  Wasser  Gehalte  ist  immerhin 
merkwürdig  utid  gewinnt  durch  die  Entdeckung  der  Feld- 
spath-Pseudomorphose  noch  mehr  Bedeutung,  da  der  Prehnit 
in  vieler  Beziehung  als  Grenz-Glied  zwischen  der  Feldspath- 
und Zeolith-Reihe  betrachtet  werden  kann. 

Zwischen  Albit  und  Kalkspath  und  dem  Labradorit  habe 
ich    schon    oben    den  Zusammenhang    nachgewiesen ;  für   den 


160 

Quarz  als  allj^eme'mes  Zersetzungs-Produkt  der  Silikate 
lässt  sich  die  Entstelumgs-Art  im  speziellen  Falle  höchst 
selten  mit  Bestimmtheit  angeben. 

Für  den  Epidot,  den  ich  nach  seinem  Auftreten  mit  den 
übrigen  geschilderten  Fossilien  ebenfalls  als  ein  Zersetzungs- 
Produkt  ansehen  mnss,  lässt  sich  wohl  nur  behaupten,  dass 
er  schwerlich  dem  Labradorite,  höchst  wahrscheinlich  aber 
dem  augitischen  Bestandtheile  des  Diabases  seinen  ürspruno^ 
verdanke,  und  fiir  den  Aphrosideiit  nehme  ich  solchen  ent- 
schieden in  Anspruch. 

Hoffentlich  werden  vorstehende  Bemerliungen ,  welche 
lediglich  als  Resultat  meiner  Bemühnng;en  angesehen  werden 
sollen,  mir  eine  Erklärung  des  Zusanimenvorkommens  der 
geschilderten  Mineralien  zu  bilden,  recht  bald  durch  eine 
gründliche  chemische  Untersuchung  des  Diabases  ergänzt 
und  berichtigt  werden. 


l'iU 


über 

die  Formation  des  Gebirges ,  aus  welchem 
die  Bayern  scheu  Jod-Uiiellen  zu  Krankenheil 
bei  Tölz  (Bernhards-  und  Johann- Georgeii- 
Quelle),  zu  Heilbronn  bei  Benediktheuren 
(Adelheids- Quelle)  und  Suhbruufien  hei  Kemp- 
ten entspriugen,  und  über  den  Einfluss  der 
Formation  auf  den  Jod-Gehalt  dieser  öuellen, 

von 

Herrn  R.  H.  Rohatsch. 


Eine  lialbe  Stunde  \>estwärts  in  der  Richtung;  gegen 
Benediktheuren  zu  erhebt  sieh  ;iiif  der  Seite  des  linken  har- 
üfers  bei  Tölz  ein  Gebirgfs-Zug-,  der  in  südsiidvvestlicher 
Riciitung;  über  HShendorf,  Trauchgau,  Martinszcll ,  Ebralhs- 
hofen  gegen  den  Bodensee  fortzieht,  am  Trauchberg  und 
Zwiesel  über  4000'  Meeres-Höhe  erreicht  und  zur  Formation 
der  Kreide,  beziehungsweise  des  Grün-  und  Karpathen-Sand- 
steines  gehört,  nach  Norden  aber  von  dem  31olasse-Sand- 
stein  überlagert  wird  und  an  verschiedenen  Punkten  in  diesen 
übergeht.  Er  besteht  ans  einer  Reihe  von  Sciiichten  der  der 
Kreide-Formation  angehörigen  Sandstein-.  Kalk-  und  Mergel- 
Ablagerung,  bald  mehr  bald  minder  mächtig;,  die  sich  in 
Stunde  5'/.,  bis  7'/^  von  NNO.  nach  SSW.  erstrecken  und 
deutlich  eine  Erhebung  und  ein  Einfallen  mit  SS — 40**  von 
N.  nach  S.  zeigen.  Bedeutende  Schichten -Veruerfungen 
und  Zertrümmerungen  des  Gebirges  gehören  nicht  zu  den 
Seltenheiten,    was    übrigens    von    einer    üppigen    Vegetation 

Jalirgang   Ifejl.  J  \ 


162 

(Wäldern  und  Wiesen)  überdeckt  nnd  nur  an  einzelnen 
Stellen  durch  tiefe  Wasser-Risse  der  Wildbäche  aufgeschlos- 
sen ist.  Hier  und  dort  zei<>en  sich  auch  Abstürze  des  Gebir- 
ges, Stein  Lahnen  (Stein-Lawinen)  in  der  Volks-Sprache.  Seine 
Konfiguration  bietet  das  deutliche  Bild  eines  ehemaligen 
Meer-Ufers  mit  seinen  Bucliten ,  Baien,  RiflFen  und  Ausläu- 
fern, zu  denen  die  jetzt  davon  getrennt  erscheinenden  nie- 
deren Erhebungen  von  Heilbronn  und  Sulzberg  gehörten.  Es 
bildete  die  Grenze  des  alten  Kreide- iMeeres,  jenes  grossen 
Binnensee's,  der  einst  äa?»  Münchner  Becken  erfüllte  und  woraus 
vielleicht  der  Peüsenberg  und  Auerberg  so  wie  die  Höhen 
des  Kemptner   Waldes  als  Insel-Gruppen  hervorragten. 

Was  die  Schichten-Folge  anbelangt,  so  erscheinen  ab- 
wechselnd von  Norden  nach  Süden  grauschwarze  Sandsteine, 
die  oft  eine  überraschende  Ähnlichkeit  mit  denen  des  Grau- 
wacken-Gebildes  darbieten,  mit  Schichten  talkigen  und  durch 
kohlige  Theile  schwarzgefärbten  Mergels  mit  Pflanzen-Über- 
resten von  Lykopodien,  Fukoiden  n.s.  w.  Nach  und  nach  nimmt 
der  Sandstein  einen  chloritischen  Charakter  an  und  tritt 
z.  ß.  als  wahrer  Grünsandstein  (^Gres  vert  mit  Gryphaea 
columba  und  Turritellen)  in  den  Steinbrüchen  bei  Heilbronn 
zu  Tage,  geht  dann  in  einen  rothen  mittelkörnigen  Sandstein 
mit  Ammoniten  und  Nummuliten  und  dieser  wieder  in  einen 
rothen  nnd  gelben  Kreide-Kalk  über,  in  welchem  nicht  selten 
Partie'n  chloritischer  Kreide  (^Glauconie  crnyeuse~y  eingeschlos- 
sen sind,  und  der  nebst  Pecten  und  Ostrea  auch  zahl- 
reiche Infusorien-Überreste ,  selten  aber  Nummuliten  enthält. 
Nun  folgen  grüne,  rothe  und  schwarze  Schiefer  iBreilenbach), 
welche,  wie  jene  in  SüdTi/rol,  Vorarlberg  und  Graubimdlen, 
Fucu  s  Targionii  und  F.  ci  rci  nn  atus  einschliessend  durch 
Aufnahme  von  Glimmer  oder  Talk  den  Glimmer-  und  Talk- 
Schiefern  des  ürgebirges  oder  den  Dach-  und  Wetz-Schiefern 
desÜbergangs-Gebirgesoftso  überraschend  ähnlichsind,  dass  nur 
die  Lagerungs-  und  Petrefakten-Verhältnisse  sie  davon  trennen 
können.  Worauf  diese  Formation  ruht,  ist  noch  nirgends  er- 
mittelt worden.  Nach  Süden  ist  der  Übergang  in  Jura  und 
Lias  wahrscheinlich,  v\ährend  es  dagegen  an  andern  Punkten 
iLahnen-  und  Lech- Back)  nicht  unwahrscheinlich  ist,  dass  sie 


163 

liier  iinmittelbai'  niif  Granit -artigem  Giieiss  und  Clilorit- 
Schiefer  aufliege  ,  ungefähr  wie  im  Gebiet  der  Elbe  der 
ftuadersandsteiii  auf  dem  Gneiss,  oder  Avie  in  den  Apenninen 
der  Macigno  an  mehren  Orten  auf  Talk-  und  Chlorit- 
Schiefer  liegt. 

Aus  dieser  Formation  des  vordem  Bnyernschen  Gebirges 
entspringen  nun  an  drei  Punkten  jene  durch  ihre  therapeu- 
tischen Wirkungen  bekannten  und  auch  in  geologischer  Be- 
ziehung wichtigen  und  interessanten  Jod-Quellen,  nämlich 
der  Sulzbrunnen  bei  Kempten^  die  Adelheids- Quelle  in  Heil- 
bronn und  die  Krankenhellet'  Quellen   bei   Tölz. 

Bei  den  beiden  ersten  lassen  sicli  die  Lagerungs-  und 
Formations- Verhältnisse  des  Gebirges  nur  in  der  Umgebnng 
der  Quellen  und  nicht  unmittelbar  an  deren  Ursprungs-Orten 
beobachten,  weil  sie  in  Qnickbrunnen  gefasst  aufsteigen 
und  demnach  keine  näheie  üntersuchnng  gestatten.  Vom 
Sulzbrunnen  sind  auch  keine  geschichdichen  Notitzen  hier- 
über da,  und  von  der  Adelheids-Quelle  zu  Heilbronn  erwähnen 
zwei  ältere  Bayernsche  Naturforscher  Karl  und  Furl  nur  so 
viel,  dass  zu  ihrer  Zeit  (1792)  '.\^/^_  Lachter  tief  3  Quellen 
durch  Nagelflue  hervorbrachen,  ohne  dass  sie  jedoch  an- 
geben, ob  sie  in  chemisch-physikalischer  Beziehung  von  ein- 
ander verschieden  waren. 

Anders  verhält  sich  Dieses  in  Krankenheil.  Dort  sind  die 
Quellen  durch  Stollen-Baue  bergmännisch  aufgesucht  und 
damit  zugleich  die  Formation  aufgeschlossen  worden. 
Man  lernte  dadurch  kennen ,  dass  die  Quellen  ein  verschie- 
denes chemisch -physikalisches  Verhalten  zeigen,  was  sich 
nach  dem  Gliede  der  Formation  richtet,  dem  eine  oder  die 
andere  entspringt.  Da  diese  Baue  zum  Theil  noch  fortge- 
setzt werden  ,  so  lassen  sicIi  noch  manche  interessante  Auf- 
schliisse  in  beiderseitiger  Beziehung  hoffen  und  ist,  in  so 
lange  diese  fortdauern,  dort  selbst  für  den  Geologen  ein 
giinstiges  Feld  eröffnet,  um  Studien  über  die  Bildung  der 
äussern  Voralpen-Kette  zu  machen.  Bisher  haben  sich  auch 
hier  die  Fundamental  Sätze  der  Eihebungs-Theorie  bestätigt 
so  wie,  was  ihr  geistreicher  und  scharfsinniger  Begründer 
Kme  de  Bkal'mont  über  das  Svstem  der   östlichen  Kalk-Alpen 

11  * 


164 

sagt.  Es  sind  In  Krankenheil  drei  Stollen  vorhanden,  welche 
znni  Thell  gegen,  zum  Theil  mit  der  Streichungs  Linie  der 
Gebirgs-Sehichten  laufen  und  sich  als  ein  südlicher,  ein 
mittler  und  ein  nördlicher  bezeichnen  lassen.  Dieser  nörd- 
liche liegt  (»'  tief  unter  dem  mittlen,  läuft  anfangs  mit  dem 
Streichen,  dann  nach  und  nach  querschlägig  gegen  das  Gebirge 
und  wird  fortgesetzt ,  weil  man  damit  den  Punkt  erreichen 
will,  wo  früher  die  von  dem  Professor  Dr.  Sendtner  ent- 
deckte und  von  dem  Apotheker  Aufschläger  analysirte  mu- 
riatische  Jod-Öuelle  zu  Tage  kam  und  wegen  ihres  Salz- 
Gehaltes  begierig  von  dem  Wild  und  Alm-Vieh  aufgesucht 
wurde.  Durch  Anlegung  eines  Steinbruches  verschwand  sie 
später,  hat  sich  wahrscheinlich  tiefer  gesenkt  und  einen  Aus- 
weg dorthin  gesucht,  wo  ihr  gegenwärtig  der  Stollen  ent- 
gegen getrieben  wird.  Dieser  geht  durch  einen  bald  mehr, 
bald  minder  festen  grauen  Sandstein  mit  önader-förmiger  Ab- 
sonderung, führt  Ostrea,  Pecten,  Gryphaea,  Madre- 
pora  undMillepora  so  wie  Fu  cus- Überreste.  Es  streicht 
in  Stunde  6  —  7  und  fällt  mit  35-40*^  von  ]S.  nach  S.  In- 
zwischen liegt  hora  6  ein  fast  seigerstehendes  Flötz  eines 
granschwarzen,  fettig  anzufühlenden,  weichen  Mergels  voll 
halb  oder  ganz  verkohlter  Pflanzen-Überreste,  die  theihveise 
gut  erhalten  sich  als  den  Fukoiden  und  Lycopodien  ange- 
hörig erkennen  lassen.  Er  zerfällt  bald  an  der  Luft  und  bildet 
mit  Wasser  einen  schwarzen  Schlamm.  Im  Hochsommer, 
wenn  er  auf  der  Halde  längere  Zeit  gelegen  hatte  und  nach 
Regen-Tagen  der  Sonnen-IIitze  ausgesetzt  war,  entwickelte  sich 
in  seiner  Nähe  ein  auffallender  Jod-Geruch.  Mehre  grössere 
Partie'n  davon  wurden  desshalb  der  chemischen  Untersuchung 
unterworfen,  zeigten  einen  geringen  Gehalt  an  Kohlen-,  Salz- 
und  Schwefel-sauren  Salzen,  Eisenoxyd  und  Jod-Natrium.  Da 
man  gefunden  hat,  dass  in  den  Meer-Pflanzen  das  Jod  nicht 
blos  an  deren  Natron,  sondern  auch  an  die  organische  Sub- 
stanz selbst  gebunden  ist,  daher  durch  Wärme  und  Feuch- 
tigkeit Zersetzung  eintreten  und  Jod  frei  werden  kann,  so 
ist  es  gerade  nicht  unwahrscheinlich,  dass  auch  in  dem  Fukus- 
Mergel  von  Kranhenheil  ein  derartiger  Prozess  bei  Verwit- 
terung an  der  Luft  vor  sich  geht  und  jene  Erscheinung  erklärt. 


)65 

Sowohl  den  Sandstein  als  den  Fukus-Mergel  durchsetzen 
gaiigartlg  schmäleVe  und  breitere  Schnüre,  die  aus  kalkspa- 
thi^en  Tiümmern  (vielleicht  eines  Schaalthieres)  mit  abwech- 
selnden Knollen  einer  weichen  Brauneisenstein-artigen  Masse 
besteht,  die  Pecten  und  Terebratiila  und  einzelne  Echiniten  führt. 
Mit  Kali-  oder  Natron-Lauge  erhitzt  färbt  sie  diese  dunkel- 
braun und  gibt  sowohl  organische  Substanz  als  auch  eine 
bedeutende  Menge  Eisenoxyd  an  die  Flüssigkeit  ab,  so  dass 
dieser  Mergel  sich  leicht  und  wirksam  zu  Eisen-  und  Jod- 
haltigen Mineral-Scljlammbädern  benützen  Hesse.  —  In  jenen 
Schnüren  zeigen  sich  auch  zuweilen  Kalkspath-Drusen  und 
Klüfte,  deren  Wandungen  mit  feinen  nadeiförmigen  Krystallen 
bedeckt  sind,  die  sich  aus  Bittersalz,  Glaubersalz  und  Koch- 
salz bestehend  erwiesen.  Höchst  wahrscheinlich  verdankte  die 
erwähnte  muriatische  Quelle  diesen  theilweise  ihre  Beschaf- 
fenheit und  die  Eigenschaft  al»führend  zu  wirken,  da  sie 
durch  jene  Klüfte  sich  ihren  Weg  zu  Tage  gebahnt  haben  muss. 

Der  mittle  Stollen  hat  zur  Rechten  (im  Hangenden) 
den  Fukus  Mergel  und  zur  Linken  (im  Liegenden)  ein  so- 
gleich näher  zu  beschreibendes  Gebirg,  zwischen  beiden  aber 
ein  nach  Westen  sich  auskeilendes  Flötz  von  hellgrünem 
talkigem  Mergel  mit  Kreide-Petrefakten  und  kleinen  Schwe- 
felkies Krystallen.  Er  bildet  gegenwärtig  einen  Theil  der 
Stollen-Sohle,  und  vor  Ort,  da  wo  er  mit  dem  Fukus-Mergel 
in  Berührung  kommt,  beiludet  sich  zwischen  beiden  eine 
Spalte,  aus  der  die  Jodschwefel-Quelle  (^Bernhards- Quelle) 
aufsteigt.  Auch  beim  Eingang  in  den  Stollen  erscheint  unter 
gleichen  Verhältnissen  noch  eine  solche  Quelle  und  unter- 
halb des  Brunnen-Hauses  im  Süd-Stollen  eine  dritte.  Diese 
und  die  erste  ergiessen  ihr  Wasser  aus  Brunnen-Röhren, 
in  denen  sie  4'  und  3'  aufsteigen;  die  zweite  füllt  einen  4' 
tiefen  und  1'  weiten  Cy linder  und  fliesst  dann  aus  einer 
Röhre  desselben  ab,  indem  Gas- Blasen  aufsteigen. 

Das  Gebirge  im  Liegenden  dieses  Stollens  ,  was  man 
auch  noch  zu  Tage  beobachten  kann,  besteht  aus  einem 
rothen  Kalkstein,  den  man  mit  dem  Namen  „Rother  Kreide- 
fels" bezeichnen  könnte,  von  sehr  dichtem  feinkörnigem  Ge- 
füge, splitterigem  Bruch  und  Körner    der  Glauconie  crttycme 


166 

einschliessend  mit  Ostrea,  Pecten,  Echiiius,  Terebratula, 
Ammonites,  INiicuIa,  Trochus,  Tunilites;  ihm  folj>t  ein  bald 
fein-  bald  mittelfein-köniiger  hell-  und  dnnkel-rother  Eisen- 
sandstein (Ironsand?)  mit  denselben  Petiefakten  nnd  dann 
ein  Konglomerat  rothen  nnd  oiünen  Schiefers  mit  Bruch- 
stücken der  beiden  vorigen.  Das  Einfallen  dieses  Gebirges  — 
man  nennt  es  dort  im  Volk  die  rolhe  Wand  —  ist  unter  33** 
von  N.  nach  S.  in  Stunde  1%.  Eine  Menge  von  Kalkspath- 
Adern  durchsetzen  das  Gestein  nach  allen  Richtungen;  Klüfte 
trennen  es  zu  grossen  Blöcken,  und  mit  dem  Einfallen  zeigt 
es  eine  Platten-förmige  Absonderung.  An  dem  Stollen-Ein- 
gang zu  Tage  sieht  man  eine  Rutschöäche  mit  parallelen 
Vertiefungen  (nebeneinander  liegenden  Rinnen),  deren  Längen- 
Axe  mit  dem  Einfallen  des  Gebirges  geht. 

Schon  eine  oberflächliche  Untersuchung  lehrt,  dass  hier 
eine  Hebung  mit  bedeutender  Schichten-Störung  stattgefun- 
den hat.  Noch  mehr  aber  findet  man  es  da  bestätigt,  wo 
der  Stollen-Bau  die  Berührungs-Punkte  dieses  rothen  Kreide- 
Felsens  mit  dem  grauen  Sandstein  und  dem  grünen  Talk- 
Mergel  aufgeschlossen  hat  und  die  Verwerfungen  und  Schichten- 
Störungen  ,  die  beide  dadurch  erlitten.  Ob  auch  hier,  wie 
in  der  südlichen  Alpen  Kette,  die  Hebung  durch  den  Porphyr 
und  Melaphyr  erfolgte,  bleibt  beim  Mangel  von  anstehen- 
den vulkanischen  Gebilden  unentschieden.  Auffallend  ist  es 
aber,  dass  manche  VVildbäche  dieses  Gebirges  eine  Menge 
Geschiebe  vom  Trapp-Gebirge  zeigen,  die  mit  demjenigen,  wel- 
ches das  ungarische  Kreide-Gebirge  durchbrach,  überraschende 
Ähnlichkeit  haben,  und  dass  wieder  umgekehrt  der  sogenannte 
rothe  Marmor  von  Nessmühl  und  Dotts  identisch  mit  dem 
rothen  Kreidefels  von  Kranhenheü  ist,  wie  er  auch  dieselben 
organischen  Charaktere  trägt.  Oder  ob  die  weiter  südlich 
liegende  Gyps-Bildung  von  Schwarzenbach  eruptiv  gewirkt 
hat,  was  nach  der  Annahme  geologischer  Autoritäten,  wie 
HoFMAMN  und  CoTTA  möglich  erscheint,  dafür  ergaben  sich 
bei  sorgfältiger  Beobachtung  auch  keine  sichern  Anhalts- 
Punkte.  Genaue  geognostische  Forschungen,  von  dem  Pesther 
Becken  bis   zum  Bodensee  in  der  Breite  der  vordem  Kreide- 


167 

kalk-  und  KreiHesaiulstein- Alpen  angestellt,  dürfteil  für  die 
Erliebungs- Theorie  interessante  Resultate    liefern. 

Sechs  Schuh  von  der  Bernhards- Quelle  entfernt  und  *2' 
über  dem  Boden  entspringt  aus  einer  Kluft  des  obenbeschrie- 
benen rothen  Kreide  Felsens  eine  zweite  die  Johann- Georg en- 
oder  Jodsoda-Öuelle.  Sie  hat  einen  ganz  schwachen 
Geruch  nach  Schwefelwasserstoff-Gas  und  auch  diesen  nur 
zeiteuweise,  während  ihre  Nachbarin  ihn  konstant  und  kräftig 
entwickelt.  Auch  enthält  sie  weniger  feste  Bestandtheile,  und 
dabei  mangeln  Ihr  das  schwefelsaure  Kali  und  Natron,  das 
huminsaure  Natron,  die  kohlensaure  Magnesia,  der  phosphor- 
saure Kalk  und  das  phosphorsaure  Kisenoxyd ,  welche  sich 
in  dem  Rückstand  des  abgedampften  Wassers  der  Bernhards- 
Quelle  vorfinden. 

Aus  einer  Fortsetzung  jener  Kluft  im  gleichen  Gebilde 
entspringt  im  Süd-Stollen  20'  tiefer  als  die  Johann-Georgen- 
Quelle  eine  zweite  von  gleicher  cliemisch  physikalischer  ße- 
schaff^enheit.  Er  ist  in  dem  grünen  talkigen  Mergel  an- 
fangs qnerschlägig,  dann  scliichtenläufig  aufgefahren.  Dieser 
Mergel,  welcher  dem  rothen  Kreide- Fels  auflagert,  be- 
ziehungsweise von  ihm  durchbrochen  ist,  läuft  von  NNO.  nach 
SSW.  in  Stunde  5'/,  biso»/,  mit  35"  Einfallen  von  N.  nach  S.  und 
bildet  die  Süd  Seite  des  Gebirges.  Was  auf  ihm  lagert  und 
welches  seine  Mächtigkeit  ist,  ward  noch  nicht  ermittelt, 
wohl  aber,  dass  die  Quellen,  welche  ihm  und  dem  Kreide- 
fels an  dieser  Seite  entspringeu ,  sich  nirgends  Jod-haltig 
erweisen.  Sie  enthalten  einegeringeQuantität  von  kohlensaurem 
Kalk,  kohlensaurem  Natron.  Spuren  von  Kochsalz  und  Eisen, 
und  entwickeln  häufig  freie  Kohlensäure;  dabei  ist  ihre  Tem- 
peratur 5"  oder  um  ly^^  niedriger  als  die  der  Jod-Quellen. 
Sie  werden  von  dem  Arbeiter  Personal  als  Tiinkwasser  ge- 
braucht und  sind  überaus  erfrischend  und  belebend.  Die 
obere  hat  einen  schwach  säuerlichen  Geschmack  und  ist  unter 
die  reinen  Säuerlinge  zu  zählen,  ungefähr  wie  die  Marien- 
Quelle  zu   Marienbad  in   Böhmen. 

Der  Mangel  des  Jodes  in  den  Quellen  dieser  Seite,  das 
Vorkommen  dieser  Substanz  dagegen  sowohl  in  den  Quellen 
im  Gebiet  und  der  umnittelbaren  Nähe  des  Fu  k  us -M  e  rg  e  Is, 


168 

als  In  diesem  selbst  beweisen,  was  schon  frülier  als  Ver- 
mutluing  von  einigen  Geognosten  bei  der  Adelheids- Quelle 
ansgesprochen  wurde,  dass  die  Jod-Quellen  der  Bayern- 
sehen  Voralpen  CSulzbrunnen,  Heilbronn  und  Krankenheil}  ihren 
Jod-Gehalt  den  Fnkus-Lagern  des  Kreide  Gebirges  entnehmen, 
dem  sie  entspringen,  wobei  aber  im  Salzbrunnen  bei  Kemp- 
ten Jod-Magniiim  mit  Kochsalz,  in  der  Adelheids-Quelle  Jod- 
Natrium  mit  Kochsalz,  und  in  den  Krankenheiler  Quellen 
Jod-Natrium  mit  einfach-  und  auderthalb-kohlensaurem  Natron 
und  Schwefel  vorwalten.  Das  Schichten-Streichen  der  Flötz- 
Gebirge  der  Bayernschen  Alpen  (St.  S'/^ — 7\/,  von  NNO. 
nach  SSW.)  ist  sehr  reg:elmässig.  Das  Fukus-Flötz  Stunde 
6  fällt  in  seiner  verlängerten  Streichnngs-Linie  von  NNO. 
nach  SSW.  auf  der  Karte  des  topographischen  Bureaus  merk- 
würdiger Weise  genau  in  die  Orte  Oberheilbronn  und  Sulz- 
herg.  Schliesslich  ist  noch  zu  bemerken ,  dass  die  Kranken- 
heiler  Quellen  konstant  im  Winter  wie  Sommer  eine  1 '/o  —  2*^ 
höhere  Temperatur  wahrnehmen  lassen,  als  alle  in  der  Um- 
gebung vorkommenden  Quellen,  schon  dadurch  sich  von  ihnen 
wesentlich  unterscheiden  und  der  Vermuthung  Raum  geben, 
dass  sie  in  giösseren  Teufen,  aus  denen  sie  aufsteigen,  eine 
höhere  Temperatur  besitzen ,  als  sie  bei  ihrem  Zntagetreten 
zeigen.  Die  bis  jetzt  beni'itzten  Quellen  liefern  täglich  ein 
Wasser-Quantum  von  7S00  Bayernschen  Maassen ,  welche  24 
Pfund  und  7  Unzen  fester  Bestandtheile,  sogenanntes  Kranken- 
heiler Quellsalz  enthalten.  —  Es  werden  die  Wasser  von 
beiden  Quellen  mit  sehr  schönen  Erfolgen  in  den  Fällen,  wo 
man  Jod-Mittel  anwendet,  während  der  Kur-Zeit  zum  Trinken 
und  Baden  benützt,  ausserdem  in  Flaschen  und  Krügen  ver- 
sendet und,  was  zu  diesen  Zwecken  namentlich  im  Winter  nicht 
verbraucht  werden  kann ,  in  Pfannen  konzentrirt,  zur  Trock- 
niss  eingedampft  und  der  Rückstand  als  jenes  Qu  eil  salz 
zum  medizinischen  Gebrauch  gewonnen  und  versendet  ". 

"  Unter  den  mitübersaiulten  fossilen  Resten  haben  Mir  nur  Pecl»^n, 
Exogyra  columba?,  Spoiidyliis  und  insbesondere  Terebratula  .semi- 
globosa  zu  erkennen  vermocht,  welche  bestimmt  auf  weisse  Kreide  hin- 
deutet^ indessen  ist   deren  Vorkommen  nicht  näher    bezeichnet  gewesen. 

D.  R. 


Über 
den  Porphyr  von  Lessines  in  Belgien, 


Herrn  Professor  Delf.sse 

in  Piirif. 


Der  Feldspath,  welcher  diesen  Porphyr  zusammensetzt,  zeigt 
sich  in  Zwiliiiigs-artio;  verbundenen  zart  gestreiften  Krystal- 
len  und  gehört  dem  sechsten  Systeme  an.  Er  ist  weiss  oder 
griinlich-weiss  und  glasig  glänzend;  nur  wenn  die  Farbe  sich 
zum  Grünlichgelben  neigt,  findet  man  ihn  fettglänzend  und 
von  geringerer  Härte;  wahrscheinlich  erlitt  derselbe  Um- 
wandlungen durch  Einseihungen  und  eine  Art  Pseudomor- 
phismus;  wenn  das  Mineral  roth  erscheint,  so  beweist  Diess 
ein  Einwirken  der  Atmosphäre. 

Ich  zerlegte  die  weissen  ins  Lichtgrüne  stechenden  Kry- 
stalle  aus  einem  Handstücke  der  Brüche  von  Quenast;  sie 
lösten  sich  leicht  aus  dem  ziemlich  dunkelgrün  gefärbten 
einige  Quarz-Körner  enthaltenden  Teige.  Das  ErgebnivSS  der 
Analyse  jener  Feldspath-Krystalle  war: 

Kieselerde  ....     (53,70 

Tkonerde    ....     22,04 

Eisenoxyd   ....       0,53 

JManganoxyd     .     .     .      Spur 

Talkcrde      .     .     .    ^       1,20 

Kalkerde     ....       1,44 

Natron 6,15 

Kali 2,81 

Verlust  im  Feuer      .       1,22 
99,ö9 


170 

Der  Feldspath  dieses  Porphyrs*  ist  demnach  Oligoklas, 
lind  wie  in  allen  Gesteinen  der  Art  trifft  man  das  Mineral 
im  feldspathigen  nicht  krystallinischen  Teige  verbreitet,  in 
welchem  sich  alle  Stoffe  wiederfinden ,  die  den  Feldspath 
znsammensetzen,  jedoch  in  etwas  verschiedenem  Verhältnisse; 
ich  bezeichne  solche  mit  dem  Ansdruck  fei  d  spa  thiger 
Teig.  Die  Farbe  desselben  deutet  an,  dass  er  reicher  ist 
an  Eisenoxyd  und  an  Talkerde,  als  der  Feldspath;  und  Diess 
diirfte  wahrscheinlich  einer  Pseudomorphose  zuzuschreiben 
seyn,  wodurch  gewisse  Theile  Umwandlungen  erlitten.  In 
der  That,  betrachtet  man  die  dunkelgrünen  Parthie'n  durch 
die  Loupe,  so  erkennt  man,  dass  solche  aus  zusammengehäuf- 
ten schwärzlich-grünen  ßläftchen  bestellen,  welche  die  zwi- 
schen den  Feldspath-Krystallen  verbliebenen  Räume  so  wie 
die  vom  Gestein  umschlossenen  regellosen  Weitungen  ausklei- 
den. Jene  Blättchen  sind  mikroskopisch  ;  und  für  den  ersten 
Augenblick  ist  es  nicht  leicht  zu  bestimmen,  welchem  Mineral 
sie  angehören.  Es  gelang  mir  indessen,  einige  Decigramme 
solcher  dunkelgrünen  Blättchen  aus  dem  Porphyr  von  Quenast 
zu  entnehmen;  im  Feuer  verloren  dieselben  5,29,  und,  da  aus 
der  Betrachtung  mit  dem  Suchglase  hervorgeht,  dass  sie  nur 
mit  Feldspath  und  in  ziemlich  grosser  Quantität  gemengt  sind, 
so  ergibt  sich,  dass  ihr  Verlust  im  Feuer  merklich  bedeuten- 
der ist,  als  der  beim  vorerwähnten  mit  der  unreinen  Masse 
angestellten  Versuche,  und  dass  diese  Blättchen  folglich 
weder  Glimmer  noch  Talk  sind,  wie  viele  Geologen  an- 
nehmen. Wie  DüMONT  betrachte  ich  die  sehr  zarten  Theil- 
chen  als  eine  Chlorit-Varietät,  welche  ihrer  zuweilen  ins 
Schwarze  ziehenden  giünen  Farbe  nach  reich  an  Eisenoxyd 
seyn  muss,  und  deren  Zusammensetzung  sich  sehr  jener  des 
eisenschüssigen  Chlorits  und  des  llipidoliths  nähern  diirfte  ■**. 
Die  Art  des  Vorkommens  hat  übrigens  die  grösste  Ähn- 
lichkeit mit  jener  zweier  Chlorit  Abänderungen,  welche 
vorzüglich    entwickelt    sind    in  Blasenräumen    der  Melaphyre 


*  Das  Gestein  gehört  zu  den  ausgezeiclinetsten  seiner  Art,  wird  in 
sehr  grossem  Maasstabe  gewonnen  und  dient  ganz  besonders  als  Pflaster- 
Material  in   Belgien  und  in   Holland. 

Annales  des  Mines,  qualricme  Set\  XIF,  223. 


171 

und  gewisser  vulkanischen  Gebilde,  so  wie  in  den  kleinen 
Höhlungen  der  Protogyne  und  einiger   talkigen   Gesteine. 

du  atz  findet  sich  ziemlieii  häufig  im  Teige  des  Porphyrs. 
Drapiez'-*  beobachtet  dodekaedrische  Krystalle,  wie  im  Quarz- 
führenden Porphyr.  Indessen  enthält  unser  Porphyr  keines- 
wegs immer  önarz,  und  nach  Dcmont  ist  Solches  vorzüglich 
der  Fall  bei  der  von  ihm  zu  Hazemont  entdeckten  Varietät; 
mithin  fand  sich  bei  der  Krystallisirnng  des  Gesteins  nur 
ein  kleiner  IJberschuss  von  Kieselerde  vor  und  nicht  einmal 
in  allen  seinen  Theilen. 

Einige  Handstücke,  sowohl  die  lichten  als  die  dunkel 
und  gleichniässiger  gefärbten,  haben  zufällig  mehre  Milli- 
meter lange  ßlätichen  grüner  Hornblende   aufzuweisen. 

Wie  Solches  bei  den  meisten  Porphyren  der  Fall,  so 
enthält  auch  der  uns  beschäftigende  im  Teig  ko  hlensauren 
Kalk  eingemengt  und  Karbonate  mit  Eisen -Basis. 
Auch  Eisenkies  kommt  vor**  und  bei  Lessines  Kupfer- 
kies theils  krystallisirt,  theils  derb  in  rundlichen  Parthie'n, 
höchstens  von  Haselnuss-Grösse;  ferner  erscheint  grünes 
kohlensaures  Kupfer  auf  schmalen  Ädern  im  Porphyr, 
so  wie  eingesprengte  in  den  zersetzten  in  eine  thonartige 
Substanz   übergehenden   Abänderungen. 

Endlich  findet  man,  wie  in  den  Porphyren,  welche  einen 
Feldspath  des  sechsten  Systems  zur  Basis  haben,  Drusen- 
Räume  und  kleine  Gruppen  Quarz  führend,  der  mitunter 
rauchgrau  gefärbt  ist,  so  wie  grünen  Epidot  und  weissen 
Kalkspath.  Bei  Lessines  zeigt  sich  ausserdem  Axinit  in 
den  Varietäten  equivalenfe  und  sousdouble  von  Haüv.  Der 
Epid  ot  stellt  sich  weit  häufiger  ein,  als  Solches  im 
Allgemeinen  bei  Porphyren  der  Fall  zu  seyn  pflegt:  so  bil- 
det er  bei  Quennst  sehr  viele  einzeln  zerstreute  Nester 
theils  im  Teig,  theils  im  Feldspath.  Die  mikroskopischen 
Krystalle  des  31inerals  entwickelten  sich  mitunter  in  einen 
Oligoklas  Krystall,  welchem  die  Gestalt  verblieben,  während 


■'     Memoire    couronne   par    f  Acadanie    de     Bruxelles   T.  ilf,     Coup 
d'ueil  mimralogique  sur  le  HainauU  par  M.  Dn.iPiKX,  p.  16  et  suicanles. 
Coup  d'oeil  sur  la  ge'ologie  de  la  Belgiqiie  par  dOmaliuh  dHai^loy, 
p.  25. 


172 

er  eine  gelbliche  Farbe  und  krystalliniseh-köniiges  Gefiige 
angenommen. 

Ans  meinem  Versuche  ergab  sich,  dass  der  Porphyr 
sowohl  vor  als  nacii  der  Kalzination  die  grüne  Farbe  voll- 
kommen einbüsst,  wenn  man  denselben  dem  Einwirken  von 
Chlor- Wasserstoff-Säure  aussetzt;  mithin  ist  es  nicht  mög- 
lich, jene  grüne  Färbung  der  Hornblende  zuzuschreiben. 
Dless  ergibt  sich  auch  ausserdem  aus  dem  Vorbemerkten. 

Ich  bestimmte  bei  mehren  Handstücken  den  Verlust  im 
Feuer  und  erhielt  folgende  Resultate: 

1.  Schwärzlich-grüner  Porphyr  mit  Krystallen  von 
weisslichem  Oligoklas  und  mit  etwas  Quarz,  aus 
Belgien 1,85 

2.  Porphyr  mit  grünlichem  feldspathigem  Teig,  ent- 
hält Oligoklas  Krystalle,  Chlorit,  Quarz  und 
kleine  Epiilot-Nester,  von  Qnenast 1.97 

3.  Porphyr  mit  feldspathigem  Teig,  führt  Oligoklas- 
Krystalle,  Nester  von  Chlorit,  die  sich  als  giüne 
Flecken  zeigen,  und  ausserdem  Quarz- Körner  so 

wie  kleine  Epidot-Nester,  ebendaher     ....       2,10 

4.  Porphyr  mit  blaulichgrünem  feldspathigem  Teig 
und  grünücliweissen  Oligoklas-Krystalleu,  von 
Lessines 5,4 1 

Man  ersieht,  dass  der  Verlust  des  Porphyrs  im  Feuer 
meist  etwas  beträchtlicher  ist,  als  jener  des  Feldspathes, 
welcher  dessen  Basis  ausmacht;  und  Diess  muss  so  seyn 
wegen  der  Beimengung  von  Chlorit.  Mitunter  übertrifft  je- 
doch dieser  Verlust  den  des  Feldspathes  weit  mehr,  und  es 
erklärt  sich  Solches  durch  die  Gegenwart  von  Karbonaten. 

Ich  unternahm  auch  einen  Versuch  in  der  Absicht,  die 
Zusammensetzung  der  Gesteins-Masse  im  Mittel  zu  bestim- 
men. Es  diente  zu  diesem  Behuf  ein  von  Herrn  Dumont  im 
ersten  Steinbruche  unfern  Lessines  aufgenommenes  Handstück. 
Der  Teig  der  Felsart  zeigte  sich  dunkelgrün  und  Chlorit 
war  eingemengt;  die  grünlichweissen  Oligoklas-Krystalle 
lösten  sich  sehr  scharf  aus  der  Masse.  Ein  Gramm  der  letzten 
wurde  kalzinirt  und  zerrieben,  sodann  während  zwölf  Stun- 
den mit  Chlor-Wasserstoff-Säure    in  Digestion    erhalten,    um 


173 

(las  Verhälfniss  dessen  zu  erniilteln  ,  was  sich  auflösen 
würde.  Ich  erhielt  einen  graulichen  Riicksfand,  75%  des 
Gewichtes  betragend;  der  Quarz  des  Gesteins  war  folglich 
aufgelöst  und  der  Oligoklas ,  wie  ich  dargethan ,  theil- 
weise  ang^egriffen  worden ,  denn  die  Flüssigkeit  enthielt 
einigte  Centigramme  Alkalien.  Was  den  unlösbaren  Rückstand 
betrifft,  so  bestand  derselbe  aus  18,50  Kieselerde  und  aus 
5G,50  unvollkommen  angegriffener  Materie. 

Da  der  Oligoklas  der  Gesteine  durch  Chlor- Wasserstoff- 
Säure  angegriffen  wird,  so  ergibt  sich,  dass  die  nach  Ver- 
hähniss  der  Basen  beigemengten  Carbonate,  welche  in  jener 
Sälire  aufgelöst  worden,  sich  nicht  genau  bestimmen  lassen, 
selbst  wenn  die  Felsarten  einen  Feldspath  zur  Basis  haben,  der 
reich  an  Kieselerde  ist,  wie  Oligoklas. 

DasHaudstückdes  Porphyrs  von  Lessines  ettth\e\t  übrigens^ 

Kieselerde 57,60 

Thonerde  und  Eisen-Peroxyd     .     25,00 

Kalkerde 3,23  \  100,00 

Talkerde  und  Alkalien  .  .  .  9,92 
Wasser  und  Kohlen-Säure  .  .  4,25 
Der  Kieselerde-Gehalt  dieses  Porphyrs  ist  ziemlich  geling; 
und  namentlich  niedriger  als  jener  des  früher  zerlegten 
Oligoklases;  Diess  erklärt  sich  durch  die  Gegenwart  des  Chlo- 
rits  und  des  Karbonats;  ausserdem  enthielt  das  Handstück 
auch  keinen   Quarz. 

Man  sieht  ein,  dass  der  Gehalt  an  Eisenoxyd,  an  Talk- 
«nd  Kalk-Erde  so  wie  der  Verlust  durch  Kalzination  grösser 
seyn  müsse,  als  beim  Feldspath,  während  jener  der  Alkalien 
sich  im  Gegentheil  geringer  darstellt. 

Obwohl  der  Porphyr  Belgiens  Quarz  führt,  so  ist  den- 
noch dessen  Kieselerde  Gehalt  merkbar  geringer,  als  der  des 
eigentlichen  Quarz-führenden  Porpiiyrs,  bei  welchem  der- 
selbe nicht  unter  70y„  beträgt;  übrigens  hat  er  Oligfoklas- 
ßasis,  und  man  findet  darin  keinen  Orthoklas^  welcher 
dagegen  der  in  letzter  Felsart  vorherrschende  Feldspath 
ist;  mithin  weichen  beide  Gesteine  durch  ein  sehr  bedeuten- 
des mineralogisches  Merkmal  von  einander  ab. 


B  r  i  e  f  w  e  c  li  s  e  I. 


Rlittheilungen    an    den    Gelieimenrath    v.    Leokhard 

gerichtet. 

Slocffholm,  den   12.  Novrmber   1850. 

Meinen  innigsten  Dank  für  die  Aufnahme  der  kleinen  Abhandlung 
von  den  Mariekor  in  Ihrem  Journale.  Meine  Abhandlung  liber  Ttinaherg, 
die  ich  mir  am  Ende  vorigen  .lahres  die  Freiheit  nahm  Ihnen  zu  senden, 
hoffe  ich  sey  Ihnen  schon  zugekommen.  Es  war  das  ganze  Jahr  meine 
Ab<<icht,  eine  deutsche  Übersetzung  davon  für  das  Jaiirbuch  selbst  zu 
machen,  bislicr  ist  niii-  aber  keine  Zeit  dazu  übriggeblieben;  darumhabe 
ich  in  diesen  Tagen  den  Herrn  Doktor  CKKPi.m  in  Greif'stvalde  mit  der 
Übersetzung  beauftragt,  welcher  schon  mehre  Jahre  hindurch  einigen  mei- 
ner Landsleute  mit  ähnlichen  Aufträgen  zur  Hand  gegangen  ist.  Von 
ihm  werden  Sie  also  die  deutsche  Übersetzung  in  \1anuscript  nebst  zu- 
gehörigen Tafeln  erhalten,  für  welches  alles  ich  mit  Zuversicht  auf  Ihr 
gütiges  Versprechen  wage,  meine  Bitte  um  einen  Platz  dafür  in  dem 
Jahrbuche  zu  erneuern  ". 

Nach  Beendigung  einiger  cliemischcn  Untersuchungen  hoffe  ich  bald 
auch  mit  der  geognostischen  Beschreibung  des  />annemora  -  Grubenfeldes 
fertig  zu  werden.  Vielleicht  erlauben  Sie  mir  dafür  einen  Platz  in  dem 
Jahrbuche  in  Anspruch  nehmen  zu  dürfen. 

Der  lebhafte  Antheil,  d(-n  Sie  an  Allem,  was  die  geologische  Ge- 
schichte und  Entwicklung  unserer  Erde  anbetrifft,  nehmen,  ist  so  allge- 
mein anerkannt,  dass  ich  midi  erdreiste  Ihnen  einige  Worte  über  einen 
damit  nahe  verwandten  Gegenstand  zu  schreiben  Während  einer  vor 
einigen  Jalircn  vorgenommenen  Exkursion  in  den  Scheeren  war  meine 
Aufmerksamkeit  besonders  auf  die  wohlbekannte  Frage  von  der  Empor- 
hebung Skinidinaviens  über  das  Meeres  Niveau  geriihtet.  Sie  wissen, 
dass  eine  Menge  von  Zeichen    schon  seit  lange    her  in  den  Klippen  längs 

*  Der  allzngrosse  Cmfan:;  dieses  an  wichtigen  geologischen  Beobachtungen  überaus 
reichen  Aufsatzes  hat  uns  leider  nicht  erlaubt,  ihn  ins  Jahrbuch  aufzunehmen;  die  Ver- 
lagshandlung liat  jedoch  die  Gefälligkeit  gehabt,  da  wir  dieselben  unsern  Lesern  nicht 
glaubten  vorenthalten  zu  dürfen,  in  einem  Extra-Hefte  abzudrucken,  das  wir  Ihrer  beson- 
dern Auflnerksnmkeit  empfehlen.  D.  R. 


175 

misei'pv  KiisJen  eingehaiioii  worden  sind,  in  der  Absicht  das  Dnseyn  des 
Pliänomens  an  den  Tag  zu  legen.  Bei  einem  Besiiclie  aber  an  irgend 
einem  von  diesen  Punkten  siebt  man  bald  ein,  dass  die  Anspiiiche  an 
Zuverlässigkeit,  die  man  in  Bezug  auf  Hebung  oder  Senkung  sowohl  im 
Allgemeinen  als  in  den  Details  des  Phänomens  auf  ein  solches  Zeichen 
machen  kann  und  niuss,  keineswegs  befriedigt  werden  können.  Die  Ur- 
sache davon  liegt  in  der  Unbestimmtheit  des  Ausgangs-Punkles  selbst, 
wohin  die  Beobachtungen  referirt  werden  müssen,  und  dieser  Ausgangs- 
punkt ist  hier  die  mittle  Hohe  des  Wasserstandes.  Ein  jeder,  der  eine 
solche  Beobachtung  maciit,  hält  sich  gewöhnlich  nicht  mehr  als  einige 
Stunden  an  Ort  und  Stelle  auf  und  kann  also  die  richtige  Mittelhöhe 
des  Meeres  weder  selbst  kennen,  noch  durcii  einen  längeren  Aufenthalt 
kennen  lernen.  Er  muss  sich  hierin  nach  den  Angaben  der  anwohnen- 
den Fischer  richten,  die  möglicherweise  von  der  Wahrheit  abweichen  und 
sehr  oft  auf  mehre  Zoll,  ja  sogar  auf  eine  halbe  Elle  von  einander  ver- 
schieden seyn  können.  Wenn  dazu  noch  die  keineswegs  unwahrscheinliche 
Möglichkeit  kömmt,  dass  das  Zeichen,  wovon  die  Frage,  unter  eben  so 
ungünstigen  Verhältnissen  hat  eingehauen  werden  können,  so  wird  die 
Unsicherheit  der  anzustellenden  Beobachtungen  dadurch  keineswegs  vermin- 
dert. So  ist  es  z.  B.  mir  auf  der  eben  erwähnten  Reise  mehrmals  ge- 
schehen, dass  die  Beobachtungen  thcils  ein  Stillstehen,  theils  sogar  auch 
einmal  eine  Senkung  des  Landes  anzeigten,  und  doch  sind  die  Beobach- 
tungen in  geographischen  Breiten  nördlich  von  Sloc/iholm  angestellt  wor- 
den. Obgleich  meines  Theils  sehr  geneigt  das  ganze  Phänomen  in  Zu- 
sammenhang mit  den  sehr  oft  in  verschiedenen  G<  genden  Schwedens  ver- 
spürten Erdsfüssen  zu  setzen  und  als  von  einer  Ruiizelung  der  Erdkruste 
herrührend  anzusehen,  wovon  an  zwei  von  einander  weit  entfernten  Punk- 
ten eine  Hebung,  an  einem  zwischen  diesen  liegenden  Punkte  aber  eine 
Senkung  entstehen  kann,  glaube  ich  doch,  dass  wir  keineswegs  mit  der 
bisherigen  Unsicherheit  uns  begnügen  können,  sondern  dass  die  Wissen- 
schaft erfordert,  dass  diese  so  sehr  wichtige  Frage  in  ihren  kleinsten  De- 
tails so  genau  wie  möglich  entwickelt  werde. 

Freilich  wissen  wir,  dass  eine  iS'iveau-Veränderung  an  den  Küsten 
Schwedens  vor  sich  geht,  in  den  nördlichen  Theilen  des  Landes  durch 
eine  Hebung,  im  Süden  aber  sich  durch  eine  Senkung  kund  gebend. 
Wie  gross  aber  diese  Hebung  oder  Senkung  an  einem  gewissen 
Punktu  und  für  eine  bestimmte  Zeit  ii.t  ?  —  Ob  sie  gleichförmig  wächst 
oder  verschieden  in  verschiedenen  Zeiträumen  ist?  —  Ob  dieselbe  an  ge- 
wissen dazwischenliegenden  Punkten  in  einem  geringeren  Grade  bemerk- 
bar oder  >  irlleicht  ganz  und  gar  unmerklich  ist?  —  Ob  sie  an  einer  und 
derselben  Stelle  während  einer  gewissen  Zeit  aufhören  kann  ,  um  wäh' 
rend  einer  andern  wieder  in  Wirksamkeit  zu  treten  :  —  dieses  Alles  ist 
uns  noch  übrig  zu  erforschen. 

Um  den  Nachkommen  eine  Mösüchkcit  zu  bereiten,  diese  Fragen, 
welche  sich  dem  Nachdenken  von  selbst  darstellen,  zu  lösen,  nahm  ich 
mir  schon  im  Herbste  1847  die  Freiheit,  einen  Vorschlag  in  der  Akademie 


176 

der  Wissenschaften  zu  maclicn,  welcher  die  Anordnung  jäiirlicher  und 
täglicher  Beobachtungen  über  den  Stand  des  Meeres  an  verschiedenen 
Punkten  der  Küsten  beabsichtigte.  Weil  die  Leuchttlu'irme,  wo  sich  das 
ganze  Jahr  hindurch  ein  Personal  aufliält,  von  welcliem  man  eine  hin- 
längliche Genauigkeit  im  Beobachten  durfte  hoffen  können,  für  diesen 
Zweck  vorzugsweise  passend  gehalten  wurden,  sind  auch  sechzehn  solche 
Stationen  ausgewählt  worden,  wo  ähnliche  Beobachtungen  angestellt  wer- 
den sollen.  Durch  die  Dazwischenkunft  der  Akademie  der  Wissenschaf- 
ten und  die  Mitwirkung  des  Chefs  des  Lootsen-Wesens  sind  die  Beob- 
achtungen schon  an  12  dergleichen  Stationen  in  Gang  gesetzt  worden. 
Mit  den  vier  übrigen  wird  man  hoffentlich  im  Laufe  des  kommenden 
Jahres  fertig  werden.  Nachdem  also  eine  zusammenhängende  Kette  sol- 
cher Beobachtungen  von  Haparanda  herab  ,  Yslad  vorbei  bis  nach  Ström- 
stad  angeordnet  worden  ist ,  hofTe  ich,  dass  sowohl  der  absolute  Werth 
der  Hebung  oder  Senkung  an  einem  bestimmten  Punkte,  als  auch  das 
relative  Verliältniss  zwischen  den  Niveau-Veränderungen  der  verschiedenen 
Punkte  nach  einer  Reihe  von  Jahren  durch  Vorgleichung  der  jährlichen 
Mittelzahlen  mit  einander  werden  so  genau  und  zuverlässig  wie  möglich 
berechnet  werden  können. 

Im  Zusammenhange  mit  den  Beobachtungen  über  den  Wasser-Stand 
sind  auch  an  allen  diesen  erwähnten  Stationen  ähnliche  über  die  Ver- 
hältnisse des  Barometers,  Tiiermometers  und  Hygrometers  wie  über  die 
Richtung  und  die  Kraft  der  Winde  angeordnet  worden. 

Es  ist  angegeben  und  behauptet  worden,  dass  die  Hebung  derjenigen 
Punkte  an  der  östlichen  Küste  Schwedens,  deien  etwaige  Lage  der  geo- 
graphischen Breite  Slockhohns  entspricht,  in  einem  Jahi hunderte  4  Fuss 
betragen  soll,  während  den  nördlichsten  am  lloliniachen  Meerbusen  ge- 
legenen Landstrichen  eine  noch  grössere  Hebung  zuerkannt  worden  ist. 
Jch  fürchte  jedoch,  dass  man  sich  hierbei  ziemlich  weit  von  der  Wahrheit 
entfernt  hat.  Was  Stockholm  insbesondere  anbetrifft,  so  dürfte  die  folgende 
Thafsache  andeuten,  dass  die  dortige  Hebung  beinahe  gleich  Null  sey. 

.Schon  lange  hafte  ich  die  Bemerkung  gemacht,  dass,  wenn  die  Ostsee 
einen  ungewöhnlich  hohen  Stand,  d.  i.  ungefähr  2  Fuss  über  dem  gevröhn- 
lichen  Medium  erreicht  hafte,  auch  das  Wasser  über  den  Boden  des  Kel- 
lers in  demjenigen  Hause  an  der  sogenannten  Skeppsbron''',  wo  ich  ge- 
genwärtig wohne,  zu  steigen  anfing.  Dieses  Haus  ist  im  Anfange  des 
siebenzchnten  Jahihuiidcrts  eibaut  worden,  es  ist  also  über  200  Jahre 
alt.  Bruncbona  und  Hällström  nehmen  die  Hebung  bei  Saiidhamn  *'''  in 
50  Jahren  zu  2  Fuss,  folglich  in  200  Jahren  zu  8  Fuss  an.  Weil  aber 
Sandhamn  in  derselben  geogiaphischen  Breite  ungef.ihr  wie  Stockholm 
liegt,  dürfte  es  auch  erlaubt  seyn ,  die  Hebung  bei  Stockholm  eben  so 
gross  zu   erwarten.     Nehmen    wir  jedoch    an.    dass    nur    der   vierte    Theil 


*  Skeppsbrnn  (die  Schiffbrückf)  bildet  einen  grösseren  offenen  PInlz  an  dem  Hafen 
Stncihnlmt ,  vvelclitr  einen  eiiischliessenden  Busen  der  Ostsee  ausmaclit.  Alle  Häuser 
sind  da  auf  Pfählen  gebaut. 

**  Sandhamn   iht   ein  J^ootsenplatz  am  liinlaufo  nach  Stockholm. 


177 

(lioser  Giössc  die  Hebung  bei  Stockholm  repräsenlire ,  d.  i.  2  Fuss  auf 
200  Jalnc.  Eine  natiii liehe  Folgerung  davon  wäre  alsdaini,  dassder  Keller- 
Boden  zu  Zeiten  der  Griuuliing  dasselbe  Niveau  wie  der  mittle  Wassersland 
im  Hafen  geliabt  habe,  und  dass,  sobald  dieser  mittle  Stand  noch  so 
wenig  überschritten  wurde,  der  Kellerboden  vom  Wasser  bedeckt  werden 
niusste.  Es  ist  wohl  doch  zu  vermuthen,  dass  der  Gründer  diese  Unge- 
Jegcnheit  habe  vermeiden  wollen  und  desshalb  wahrscheinlich  den  Boden 
des  Kellers  im  Anfang  hoch  genug  gelegt  habe ,  um  wenigstens  von 
den  kleineren  Schwankungen  des  Wasser-Standes  unabhängig  zu  seyn. 

Insofern  diese  Vermuthung  richtig  wäre,  würde  man  auch  daraus  fol- 
gern können,  dass,  wenn  in  den  letzten  200  Jahren  eine  Hebung  bei 
Slockholm  wirklich  stattgefunden  hat,  sie  doch  sehr  unbedeutend  gewesen 
ist  und  keineswegs  diejenige  Grösse  erreicht  haben  kann,  die  man  vorher 
angenommen  hat. 

Beobachtungen  über  die  Veränderungen  des  Wasser-Standes  sowohl  des 
Mälar-Sees  als  auch  der  Ostsee  sind  an  der  hiesigen  Schleuse  zwischen 
den  eben  erwähnten  Gewässern  täglich  seit  deren  Gründung  angestellt 
worden.  Obgleich  es  sich  den  berechneten  Mittelhöhen  dieser  Beobach- 
tungen gemäss  zeigt,  dass  die  Hebung  hier  zu  Stockholm  in  100  Jahren 
beinahe  ein  Fuss  gewesen  ist  (also  in  jedem  Falle  viel  weniger  als  das 
vorher  angegebene  Maass),  so  dürfte  man  jedoch  dieses  Resultat  nicht  als 
ganz  zuverlässig  betrachten  können,  weil  die  Journale  anzeigen,  dass  ein- 
mal eine  Verrückung  der  Maass-Stäbe  stattgefunden  habe,  ohne  dass  man 
sich  die  Grösse  der  Verrückung  gemerkt  hat.  Um  der  künftigen  Entschei- 
dung der  Frage  willen  habe  ich  desswegen  1847  ein  Zeichen  in  einen 
schroffen  Felsen  am  Ufer  der  im  Hufen  gelegenen  Kastellholmen  (Cifadel- 
len-Insel)  einhauen  lassen.  Dabei  ist  auf  die,  nach  den  Beobachtungen 
der  letzten  50  Jahre,  berechnete  Mittelhöiic  gehörige  Rücksicht  genommen. 

Axel  Eedmann. 


Wiesbaden,  22.  November  1850. 
Tertiäre  Bildungen  vom  Alter  des  Mainiser  Beckens  zeigen  sich  immer 
weiter  in  Deutschland  verbreitet.  Dass  die  Westerwälder  und  Nieder' 
rheinische  Braunkohlen-Bildung,  nirht  minder  auch  die  des  Vogels- Gebirgs 
hierher  gehöre,  lässt  sich  leicht  aus  den  fossilen  Konchylien  und  Pflanzen 
derselben  nachweisen.  Für  die  Wirbelthiere  ist  schon  länger  von  Herrn 
v.  MbYER  der  Beweis  geliefert.  Aber  aucii  die  Braunkohlen-Bildungen 
von  Miesbach  in  Oberbayein  enthalten  die  Cyrena  subarata  Bromv, 
Cerithium  mar  ga  li  tace  u  m  und  andere  charakteristische  Formen  des 
Itlain^-er  Beckens.  Die  Wirbelthiere  der  Molasse  der  Schtceilts  stimmen 
mit  denen  der  letzten  Ablagerung  ebenfalls  überein,  und  für  Nord-Böhmen 
liefert  die  schöne  Arbeit  der  Herrn  v.  Meyer  und  Reuss  (Palaeonto- 
graphica  II,  1)  wieder  dasselbe  Resultat.  Das  Main-zer  Becken  ist  also 
ebensowohl  Typus  einer  ganzen  Reihe  solcher  Ablagerungen,  wie  das 
Londoner  für  die  alt-tertiären  Thone  der  Baltischen  Ebene. 

F.  Sandberger. 

.liihrgiuig  1851.  12 


178 

'  Freiberg.  8.  Dezember  1850. 

Sie  erhalten  hiermit,  als  Beitrag  für  Ihr  Jahrbuch,  eine  Ski/ze  von 
dem  Haupt-Inhalte  des  vor  Kurzem  erschienenen  dritten  Heftes  der  Gäa 
Norvegica  *.  Möge  dieselbe  zum  nähern  Studium  eines  Werkes  anregen, 
welches  so  umfassende  und  lehrreiche  Beobachtungen  über  das  Norwegische 
Ur-  und  Übergangs-Gebirge  enthält.  Wenn  es  ausgemacl)t  ist,  dass  vor- 
zugsweise diese  ältesten  Gebilde  die  Spuren  eines  ehemals  so  mächtig 
wirkenden  Chemismus  an  sich  tragen ,  den  wir  trotz  aller  Theorie'n  noch 
immer  nicht  zu  durchschauen  vermögen,  so  ergibt  es  sich  eo  ipso,  dass 
es  von  allen  Ländern  besonders  Xorwegen  ist,  wo  wir  den  Schlüssel  zu 
diesem  chemischen  Rathsel  zu  suchen  haben.  Auf  einem  Areale  von  bei- 
nahe 6000  Quadrat-Meilen  (die  noch  grössere  Land- Fläche  SchiceJens  un- 
berücksichtigt gelassen)  sind  jene  beiden  Formationen  unsern  Blicken 
so  gut  wie  völlig  blosgelegt.  Neuere  Formationen  ,  wenn  sie  wirk- 
lich ehemals  vorhanden  waren,  sind  hierselbst,  ausser  den  geringen  Schutt- 
und  Erd-Bedeckungen  in  den  Thälern  und  an  einigen  Knsten-Sfrir.hen, 
nicht  mehr  zu  finden.  Eine  gewaltige  Geröll-Fluth  hat  Alles  leichter  Zer- 
störbare entfernt  und  die  harte  Fels  Oberfläche  abgescheuert;  bei  welcher 
Arbeit  sich  zugleich  auch  Gletscher  betheiligt  haben  mögen.  Eine  theils 
allmählich  und  theils  plötzlich  wirkende  Hebung  hat  fast  die  ganze  Fels- 
Nasse  Noricegens  zu  einem  3000  — 4000  F.  hohen  Plateau  gemacht,  in  welches 
die  zahlreichen  Fluss-Thäler  und  Fjorde  nach  allen  Richtungen  tief  ein- 
schneiden. Was  wir  in  vielen  anderen  Ländern  mülisam  zwischen  und 
unter  den  Schichten  neuerer  Formationen  aufsuchen  müssen,  liegt  also  in 
Nortcegen  als  eine  fast  gänzlich  unverhüllte,  hoch  über  das  Meer  geho- 
bene Felsmasse  vor  uns,  als  eine  Felsmasse,  deren  rauhe  Oberfläche  uns 
die  Natur  gewissermassen  angeschlilFen  und  polirt  und  deren  Inneres  sie 
uns  durch  jene  spalfenförmigen  Einschnitte  zugänglich  gemacht  hat.  Ein 
günstigeres  Terrain  zur  Beobachtung  kann  sich  der  geognostische  For- 
scher wohl  nicht  leicht  wünschen.  Nur  wer  ungenügsam  ist,  könnte 
darüber  murren,  dass  ein  so  interessantes  Land,  dessen  Felsen  einen  der 
grössten  geologischen  Schätze  verschliessen,  zum  Theil  innerhalb  der  un- 
freundlichen Polar-Zone  liegt;  dass  es  der  liebe  Gott  nicht  um  ein  Paar 
Hundert  Meilen  südlicher  gelegt  hat,  wo  sich  Wein-Gelände  in  seinen 
Thälern  hinziehen  und  Laubholz-Waldungen,  statt  des  tristen  Nadelholzes, 
seine  Berg-Abhänge  bedecken  würden.  Solchenfalls  wäre  allerdings  das 
Reisen  und  Geognosiren  in  diesem  Lande  ein  bequemeres  geworden,  und 
man  würde  bei  einem  Glase  Norwegischen  Weins  (z.  B.  Tellemarkener 
Ausbruch)  sehr  behaglich  an  Ort  und  Stelle  über  die  geologischen  Räthsel 
nachdenken  können.  Vielleicht  sind  aber  gerade  in  der  nördlichen  Lage 
Norwegens  einige  der  bedingenden  Ursachen  enthalten,  welche  diesem 
Lande  einen  so  abnormen  Habitus  gegeben  haben.  Jedenfalls  wurde  da- 
durch die  äusserst  spärliche  Vertheilung  einer  Vegetations-Decke  veran- 
lasst, die  an  vielen  Stellen  so  dünn  ist,  dass  jeder  umstürzende  Baum  ein 


*    Wird  in  einem  folgenden  Hefte  ihre  Stelle  finden.  D.  R. 


179 

Loci)  darin  macht.  Hier  bat  es  der  Geog^nost  niclit  nüthig,  nadi  dem  ver- 
zweifelten Mittel  zu  o^reifcn,  die  Gesteins-Grenzen  ans  den  Ackersteinen 
zu  bestimmen;  er  braucht  höchstens  nur  —  wie  ein  junges  feuriges  Ross 
—  zu  stampfen  und  zu  scharren,   um  festen  Felsgrund  zu  finden. 

Wie  eifiig  man  sich  aber  auch  an  ein  Studium  der  Gäa  machen 
möge:  ein  vollkommener  Ersatz  für  das  Selbstsehen  kann  dadurch, 
wie  überhaupt  durch  jegliche  Copie  der  Natur,  nicht  gegeben  werden. 
Ein  grosser  Theil  der  wissenschaftlichen  Streitigkeiten  rührt  von  der 
Verschiedenheit  der  von  den  Partheien  dabei  zu  Grunde  gelegton  Erfah- 
rungen her.  Hauptsächlich  nur  auf  dem  S  e  Ib  s  t  g  es  e  h  en  e  n,  nicht  aber 
auf  dem  bloss  Gelesenen  oder  Gehörten  —  geschweige  denn  auf  dem 
Gedachten  oder  Gelräumtcn !  —  sollte  man  naturwissenschaftliche  Theoric'ii 
bauen.  Keine  ßesclireibung  ist  so  genau  und  vollständig,  dass  sie  nicht 
mancherlei  Lucken  und  nachgiebige  Stellen  enthielte,  zwischen  denen  sich 
die  Hypothese  recht  bequem  und  genuithlich  einnisten  kann.  Die  Ver- 
nachlässigung der  in  der  Natur  gegebenen  Verhältnisse  ist  ein  Übel, 
welches,  auch  nach  dem  glücklichen  Absterben  der  sogenannten  Natur- 
Philosophie  ,  leider  immer  noch  nicht  ausgerottet  ist.  Gegen  die  a-priori- 
und  ex-machina- Theorien  lässt  sich  auf  literarischem  Wege  nur  mit  sehr 
lästigem  Zcil-Aufwande  ankämpfen.  Wenn  doch  die  Urheber  deiselben 
etwas  weniger  gelehrt  und  grübelnd,  aber  um  so  mehr  beobachtend  und 
überlegend  seyn  wollten!  — 

Von  diesen  sehr  allgemeinen  Betrachtungen  komme  ich  sprungweise 
auf  einen  höchst  speziellen  Gegenstand,  bei  welchem  es  sich  nicht  um 
einen  Zuwachs  der  Wissenschaft,  sondern  um  den  Verlust  einiger  Mine- 
ralien handelt.  Als  ich  nämlich  im  Sommer  des  Jahres  184T  Ckrisliania 
verliess,  um  wieder  auf  deutschen  Boden  zurückzukehren,  hatte  ich  den 
grössten  Theil  meiner  zahlreichen  Mineralien-Sammlung  bereits  zuvor  mit 
Schiffs-Gelegenheit  nach  Deutschland  gesendet.  Nur  die  Elite  meiner 
mineralogischen  Schätze  behielt  ich  bei  mir,  um  ihres  Besitzes  um  so 
sicherer  zu  seyn.  Darunter  befand  sich  nun  auch  ein  Kästchen,  in  wel- 
chem enthalten  waren:  1)  eine  grosse  Suite  von  Malakon-Krystallen  von 
Hitteröe;  2)  zahlreiche  Krystalle  und  Krystall-Bruchstücke  von  Poly- 
kras  (unter  anderen  ein  Krystall  von  etwa  Ys"  Länge,  ^/j,"  Breite  und 
'V  Dicke);  3)  verschiedene  Stücke  von  Gadulinit,  zum  Theil  mit  Kry- 
stall-Flächeii :  4)  mehre  sehr  schön  ausgebildete  Krystalle  von  Ytter- 
spafh  (Phosphor-saurer  Yltererde^,  theils  aufgewachsen,  iheils  lose;  die 
Basis  der  QuadratOktaeder  ungefähr  von  Vir."  Seite;  5)  Krystall-Brucb- 
.stiicke  von  Wöhlerit;  6)  ausgesuchte,  vorzugsweise  reine  Stückchen  von 
Eukulit;  7)  ein  in  Quarz  eingewachsener,  ziemlich  gut  ausgebildeter 
Krystall  von  Tess  er  a  1-K  i  e  s  (Co  As^)  von  etwa '' 4"  Durchmesser.  Ausser- 
dem mag  noch  manches  andere  Mineral  im  Kästchen  enthalten  gewesen 
seyn,  worüber  mein  Gedächtniss  keine  gen;iueie  Angaben  mehr  zu  machen 
vermag.  Dieses  Schatz-Kästiein  oder  Sanctuariinn  mineralojiicum,  weh  hcs 
ich  auf  meiner  Reise  von  Christiania  über  Hamburg  und  lierlin  nach 
Freiberg  zu  bringen  gedachte,    ist  mir  unterwegs   auf  eine  ziemlich    rälh- 

12  * 


180 

seihafte  Weise  abhanden  gekommen.  Meine  Hoffnung,  zufällig'  einmal 
auf  einige  meiner  verlorenen  alten  Bekannten  zu  stossen,  ist  bisher  nicht 
in  Erfüllung  gegangen;  vielleicht  hilft  mir's,  wenn  ich  mein  Missgeschick 
veröffentliche  und  jeden  Mineralogen,  welcher  seine  mineralogischen  Kin- 
der wahrhaft  lieb  hat,  inständigst  ersuche,  ein  wachsames  Auge  auf  vaga- 
bondirende  Mineralien  der  steckbrieflich  angegebenen  Art  zu  haben.  Be- 
sonders auf  Malakon,  Polykras  und  Ytterspath  ist  hierbei  zu  vigi- 
liren  da  diese  Mineralien  (mit  Ausnahme  des  Tank'schen  Ytterspathes), 
so  viel  ich  weiss,  nur  von  mir  auf  Hilleröen  gesammelt  und  unter  das 
mineralogische  Publikum  gebracht  worden  sind.  Kaum  einem  Zweifel 
dürfte  es  unterworfen  seyn,  dass  jener  Tess  cral  kie  s-Krysf  all  in  Be- 
treff seiner  Grösse  ein  Unicum  ist.  Im  schlimmsten  Falle  muss  ich  mich 
mit  dem  Schicksale  so  manclier  Reisenden  trösten  und  kann  mich  immer 
noch  glücklich  schätzen  im  Vergleich  mit  meinem  Freunde  Naumann,  der 
bekanntlich  alle  seine  in  Norwegen  gesammelten  Mineralien  bei  der  Heim- 
sendung  durch  Schiffbruch  einbüsste. 

Schliesslich  mögen  hier  noch  einige  Zeilen  über  ein  Paar  Behauptun- 
gen des  Herrn  Studiosus  Weieye  Platz  tinden,  Im  siebenten  Hefte  dieses 
Jahrbuchs,  1849,  S.  781  beklagt  sich  derselbe  darüber,  dass  ich  —  wie 
er  aus  Berzeijüs'  Jahres-Bericht,  Jahrg.  26,  S.  374  entnimmt  —  an  Ber- 
zELius  gemeldet  habe:  der  Euxenit  (welcher  fiüher  nur  zu  Jblster  in 
Bergeiis- Stift  angetroffen  wurden  sey  von  mir  auch  bei  Arendal  gefunden 
worden,  während  doch  dieser  Fund  von  ihm  (Weibyk)  gemacht  worden 
sey.  Ollgleich  ich  von  dem  erwähnten  Briefe  an  Berzelius  (in  welchem 
ich  demselben  unter  Anderem  eine  nähere  Untersuchung  des  Euxenits  mit- 
theiltc)  keine  Copie  besitze,  so  erinnere  ich  mich  doch  so  viel  mit  Gewiss- 
heit, dass  darin  durchaus  nicht  von  einem  durch  mich  geschehenen  Fin- 
den jenes  Minerals  die  Rede  war.  In  Betreff  dieses  unbedeutenden  Um- 
standes  hat  sich  Berzelius  in  seiner  darüber  im  Jahres-Berichte  gegebe- 
nen Mitlheilung  geirrt,  wie  auch  aus  meinem  Aufsätze  in  Pogg.  Ann, 
Bd.  72,  S.  566  und  567  zu  ersehen  ist.  —  Ausserdem  soll  ich  Herrn 
Weibyc  noch  ein  anderes  minerulogisches  Leid  angeth.-tn  haben,  bei  wel- 
chem es  sich  auch  wieder  um  ein  Fi  n  d  e  n  ,  zugleich  aber  auch  um  die 
Taufe  eines  Minerals  handelt.  Die  Sache  verhält  sich  aber  nicht  so,  wie 
Herr  Weibye  auf  S.  783  (1.  c.)  erzählt,  sondern  folgendermassc  n.  Als  ich 
mich  im  Jahre  1842  bei  einer  Bereisung  der  Süd-Küste  Norwegens  mehre 
Tage  in  Arendal  aufhielt,  begleitete  mich  Herr  Studiosus  Weibye  von 
Arendal  auf  einigen  Exkursionen  in  die  Umgegend,  unter  anderen  auch 
nach  Buöe,  woselbst  ich  besonders  die  bekannten  Feldspath-Brüche  zu 
sehen  wünschte.  Ganz  ohne  irgend  ein  A  uf  merk  sam  ma  ch  en 
oder  sonstiges  Zuthun  von  Herrn  Weibye  fand  ich  hier  an  dem 
oberen  Theile  einer  Gesteins- Wand  ein  etwa  faustgrosses  Stück  eines 
Minerals  eingewachsen,  von  dem  ich  sogleich  vermuthete,  dass  es  eine 
bis  dahin  nicht  bekannte  Species  sey  (Nyt  Mag.  for  Naturvid.  Bd.  4, 
S.  155,  so  wie  dieses  Jahrb.  1843,  S.  661).  Das  Resultat  einer  näheren 
Prüfung,  wodurch  ich  meine   Vermuthung   bestätigt    fand,    theilte   ich   den 


181 

bei  der  Skandinavischen  Naturforscher- Versammlung  zu  Christiania  (1844) 
anwesenden  Minoralogen  mit  und  erfuhr  bei  dieser  Gelegenheit ,  dass  die 
von  mir  untersuchte  und  mit  dem  Namen  Yttrotitanit  belegte  Spezies 
idcntisth  sey  mit  einem  von  meinem  Freunde  A.  Ef.dmann  untersuchten 
Minerale,  dessen  Beschreibung  und  Analyse  derselbe  aber  bis  dahin  nicht 
veröffenilicht  hatte  (Pogg.  Ann,  Bd.  63,  S.  459  —  462).  —  Sehr  muss  ich 
um  Enlsciiuldigung  bitten,  dass  ich  Ihnen  eine  so  uninteressante  Sache 
mittheile ,  bei  welcher  es  sich  von  allen  zur  Geschichte  eines  Minerals 
gehörigen  Momenten  nur  um  die  sehr  untergeordneten  Akte  des  Findcns 
und  Namengebens  handelt. 

Th.  Scheerer. 


Preiberg ,  24.  Dezember  1850. 

In  einer  kleinen  Schrift  über  den  inneren  Bau  der  Gebirge,  die 
jetzt  bei  Engei.hardt  in  Freibevg  erscheint,  habe  ich  gleichsam  eine  Phy- 
siologie der  Gebirge  versucht,  indem  ich  die  verschiedenen  Phasen  ihrer 
Bildung  und  Zerstörung  nachweise.  Die  Haupt-Resultate,  zu  welchen  ich 
gelangte,  sind  folgende: 

1)  Die  Gebirge  sind  nicht  plötzlich  entstanden,  sondern  nach  und 
nach,  zuweilen  in  sehr  langen  Zeiträumen  gebildet  worden. 

2)  Für  ihre  Lage  und  Richtung  sind  noch  keine  allgemeinen  Gesetze 
zuverlässig  erkannt. 

3)  Alle  wahren  Gebirge  sind  Folgen  erhebender,  vulkanischer  (pluto- 
iiisther)  Thätigkeit. 

4)  Die  meisten  aber  sind  in  ihrer  gegenwärtigen  Gestalt  zugleich 
das  Resultat  späterer  Zerstörungen  (Abschwemmungen)  sehr  ungleichen 
Grades. 

5)  Die  Gebirgs-Erhebungen  sind  als  lokale  von  den  kontinentalen 
Erhebungen  grosser  Landstriche  zu  unterscheiden  ,  welche  letzten  zuwei- 
len blose  Anschwellungen  seyn  mögen,  ohne  dass  Eruptiv-Gesteine  einen 
lokalen  Ausweg  fanden. 

6)  Die  Horizontal-Formen  der  Gebirge  entsprechen  einigermaasseii 
der  Gruppirung  der  Vulkane,  die  Massen-Gebirge  den  Central-Vulkanen 
(Vulkan-Gruppen),  die  Ketten-Gebirge  den  Reihen- Vulkanen  (Vulkan- 
Reihen). 

7)  Ich  unterscheide  hauptsächlich  drei  Arten  der  Entstehung  von 
Gebirgen  und  sehr  viele  Kombinations-Formen ,  Entwicklung*-  und  Zer- 
störungs-Stadien derselben. 

Die  drei  Enistehungs-Arten  sind: 

a)  Durch  Ausfluss  und  oberflächliche  Anhäufung  von  Eruptiv-Gcstei- 
nen,  —   vulkanische  Gebirge. 

b)  Durch  Erhebung  vorhandener  fester  Erdkrusten-Thcile,  veranlasst 
durch  darunter  empor  dringende  Eruptiv-Gesteine,  —  plutonische 
Gebirge. 


182 

f 

c)   durch  Seitendruck,    und  in  Folge   davon  Fältelung    der    vorhandenen 
festen  Erdkruste. 

8)  Mehre  dieser  Entstehungs-Arten  kommen  aber  zuweilen  in  einem 
Gebirge  mit  einander  kombinirt  vor. 

9)  Die  durch  Erbebung  vorhandener  fester  Erdkrusten-Theile,  durch 
darunter  empor  dringende  Eruptiv-Massen  entstandenen  Gebirge  zeigen 
die  grösste  Manchfaltigkeit  der  Zerstörnngs-Stadien,  wodurch  sie  in  Fal- 
ten-Gebirge, Krystallinische  Schiefer-Gebirge,  Central- 
mass en -Gebirge  oberen,  mittlen  und  unteren  Querschnit- 
tes zerfallen. 

10)  Es  sind  jedoch  die  Falten  Gebirge  dieser  Art  nicht  immer  von 
den  nur  durch  Seitendruck  entstandenen  unterscheidbar. 

11)  Von  besonderer  Wichtigkeit  bei  Beurtheilung  des  relativen  Alters 
der  Gebirge  ist  ausser  der  von  E.  de  Beaumont  eingeführten  Unterschei- 
dung gehobener  und  nicht  gehobener  Schichten  auch  die  Nachweisung 
der  Gebirgs-Ketten  als  Ablagerungs-Scheiden  für  bestimmte  Perio- 
den, erkennbar  aus  der  Ungleichheit  der  Flötz-FormatioDs-Reihen  auf  zwei 
oder  mehren  Seiten. 

12)  Es  unterscheiden  sich  die  vulkanischen  von  den  plutonischen,  im 
Erd-lnnern  fest  gewordenen  Gebirgs  -  Arten  sowohl  durch  die  Formen 
ihres  Auftretens,  als  durch  ihre  mineralogische  Natur.  Die  einen  bilden 
oberflächliche,  die  anderen  unterirdische  Eruptions-Kegel.  Der  Quer- 
schnitt der  letzten  stellt  z.B.  die  so  häufigen  sogenannten  Granit-Ellip- 
soiden  dar.  Beide  aber  füllen  auch  engere  Zerspaltungen  aus  ,  in  denen 
sie  dann  meist  etwas  anders  auskrystallisirt  sind,  als  in  den  grossen 
Haupt-Massen. 

B.    COTTA. 


Mittheilangen  an  Professor  Bronn  gerichtet. 

Neapel,  6.  Dezember  1850  •". 

Der  politischen  Umwälzungen  ungeachtet  arbeite  ich  fleissig  auf  die 
Herausgabe  meiner  Fauna  des  Königreichs  Neapel  los.  Die  Unterbrechung 
der  Beschäftigungen  an  der  Universität  gestattet  mir  mich  in  meinem  klei- 
nen Landhause  am  Fusse  der  Camaldolenser-IUause  ganz  meinen  Lieb- 
lings-Studien zu  widmen.  Gerade  jetzt  habe  ich  die  Herausgabe  der 
„Paia  eo  n  t  ologi  a"  begonnen,  wovon  bereits  der  erste  Theil  erschienen, 
der  zweite  unter  der  Presse  ist.  Die  fossilen  Fische  in  diesem  äusser- 
sten  Theile  Italiens  sind  viel  bedeutender,  als  die  Arbeiten  von  Agassiz 
glauben  lassen,  indem  er  nur  3  Arten  aus  2  Sippen  bekannt  gemacht  hat. 
Der  erste  Theil  meiner   Paläontologie    enthält    aber    bereits  41  Arten    aus 

♦    Durch  gütige  Vermittlung  des  Herrn  Dr.  E.  Rüppell  in  Franhfurt  uns  zugekommen. 

D.  Red. 


i8;j 


25  Gcsclilechtern.  Ein  drilfer  Besuch  des  Berges  von  Pielrarojä  nach 
vollendetem  Drucke  dieses  Theiics  hat  mir  noch  eine  reichliche  Ausbeute 
geliefert.  Darunter  ist  ein  Bclonostomus,  den  ich  B.  crassirostris 
nenne,  um  ihn  von  B.  Miinsteri  Ag.  zu  unterscheiden.  Das  Exemplar  ist 
vortrefflich  erhalten  und  22"  langt  ausserdem  habe  ich  einen  Schädel 
der  nämlichen  Art,  welcher  mir  Gelegenheit  gab,  die  Charaktere  der  Sippe 
genau  zu  untersuchen.  Ferner  erhielt  ich  eine  Art  meines  Geschlechts 
B  I  e  n  n  i  o  ui  oeus  in  einem  sehr  interessanten  und  so  wohl  erhaltenen 
Exemplare,  dass  es  nichts  zu  wünschen  übrig  lässt;  ich  konnte  das  ganze 
Zahn-System  sorgfällig  daran  untersuchen.  Auch  haben  sich  noch  Bruch- 
stücke von  Lepidotus  minor  gefunden  nebst  einigen  Pycnodonten, 
insbesondere  das  Gebiss,  welches  Agassiz  PycnodusMantelli  benennt. 
Meine  frühere  Ansicht,  dass  einige  derselben  ein  besonderes  Genus  bilden 
niüssten,  welchem  ich  den  Namen  Glossodus  zugedacht  habe,  ist  durch 
neue  Thafsachen  unterstützt  worden.  Alles  Diess  wird  ausführlich  im 
zweiten  Theile  meiner  Paläontologie  erörtert  werden.  Folgendes  ist  dem- 
nach der  Inhalt  der  „Ittiologia  fossile  del  Regno  di  Napoli  pel  Prof.  di 
Zoologia  O.  G.  Costa"-. 


1.  Pycnodus  rhombus  Ac.;  ca. 

2.  „  Achill is  C;  p. 

3.  „  grandis  C;  p  *. 

4.  Glossodus  anguslatus  C. ;  p  *. 

5.  Notagogus  Pentiandi  Ag.  ;  ca,  p. 

6.  „  latissimus  Ag.  ;  ca. 

7.  „  erythrolepis  C;   ca. 

8.  „  minor  C. ;  ca. 

9.  Pholidophorus  Stabianus  C. ;    ca. 

10.  Rhynchocodes  Scacchii  C. ;  ca. 

11.  Blenniomoeus  longicauda  C.  ;  ca, 

12.  „  brevicauda  C. ;   ca. 
la.              „  major  C.  j  pi  *. 

14.  Lepidotus  acutirostris  C. ;  gi. 

15.  „  notopterus  Ag.  ;  gi. 

16.  „  oblongus  Ag.  ;  pi. 

17.  „  Maximiliani  Ag.  ;  pi. 

18.  „  gigas  Ao.;  gi. 

19.  „  minor  Ag.  ;  pi  '*. 

20.  Semionotus  curtulus  C. ;   gi. 

21.  Megastoma  Apenninum  C. ;   pi. 

22.  Surginites  pygmacus  C. ;  pi. 

23.  Histiurus  elalus  C. ;  pi. 

24.  Beryx  radians  Ag.  ;  l. 

25.  Chirolepis  ...   ? ;  l. 


26.  Bclonostomus  crassirostris  C. ;  pr'. 

27.  „  giacilis  C. ;  pt*. 

28.  Palaeoniscus  .  .  .  ?tgi. 

29.  Sphaerodus  annularis  Ac. ;  ce,  l. 

30.  „  cinctus  Ag.  ;  ce. 

31.  „  gigas  Ag.;  nia. 

32.  Sauropsidium  laevissimum  C./  pi. 

33.  Carcharodon  mcgalodon  Ag.  ;  l. 


31. 
35. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 


auriculatus  Ag. :  l''. 
subauritus  .4g.;  i*. 
productus  Ag.  ;  l*. 
rectidens  Ag.;   i  *. 
latissimus  C. ;  l'\ 
tumidissimus  C. ;  i". 
Interamniae  C. ;  gr. 


41.  Galeocerdus  reclus  C. ;  l. 
42  „  minor  Ag.;  /. 

43.  Sphyrna  prisca  Ag.:  l. 

44.  Hermipristis  serra  Ag.;  /. 

45.  Otodus  Salentinus  C. ;  l. 

46.  Oxyrrhina  xyphodon  Ag.  ;  l. 

47.  „  hastalis  Ag.  ;  /. 

48.  „  leptodon  Ag.  ;  ce.  l. 

49.  „  Zippei  Ac;    ce. 

50.  Corax  falcatus  Ag.  ;  ce. 


*    ca  =   Castellamare ;  ce   =    Ctrisann 
sasso  (Vllalia;   l  -   Leue;   m  -   Mitjflla;    pi  -    Pitt  rar  ojä 
bereichnetcn  Arten  erscheinen  im  zweiten  Tlieilc. 


CO   =    Conenxa;  gi   =    Hiffoni ;  gr  =    fJrait- 
Dic   mit  einem  Stern  (•) 


^  184 

51.  Lamna  dubia  Ac;  ce.  55.  Odontaspis  elegans  Ac;  ce. 

52.  „        contortidens  Ac;  ce,  l.       56.  Myliobates   Apenniiius  C;    .  . 

53.  „        rapliiodon  Ag,;  ce  57.  Hclodus  .  .  .  ?:  ce,  co'-. 

54.  (Splien.)  longidens  Ag.  ;  ce,  l. 

Die  neuen  Genera  cliarakterisire  ich  auf  folgende  Weise: 

Glossodus:  Lingua  et  Palati  pars  posterior  utraque  armata  den- 
tium  Seriebus  5  longitudinalibus ;  Dentes  omnes  complanati,  laeves,  forma 
varii. 

Rhynch  ocod  es :  Rostrum  superius  extremitale  tiimidum.  Pinnae 
dorsales  2  disjunctae  et  dissimiles;  analis  remota  cum  prima  dorsali  na- 
tura conveniens.  Squamae  dilatatae,  margine  laterali  altero  elevato.  Den- 
tes acuti  et   adunci. 

Blenniomoeus:  Dentes  grossi  conici  acuti  subadunci  in  ossibus 
mandibulari  et  intermaxiilari ;  minores  in  ramo  mandibulari  et  arcu  maxillari 
interins  disposili;  molares  interni  minuti  bcmispbaerici  nigri.  Pinnae: 
dorsalis  longa  triloba;  pectorales  longitudine  et  latitudine  mediocres ;  vent- 
rales parvi  et  lobo  dorsali  medio  oppositae  ;  caudalis  subaequalis  parum 
emarginata. 

Sauro  psi  di  u  m  :  Dentes  minuti  in  maxillis  et  fauce.  Pinnae:  dor- 
salis parva  parvis  ventralibus  opposita;  pectorales  raediocres  :  analis  vc- 
motissima;  caudalis  furcata  et  basi  utrinque  fulcro  valido  armata.  Columna 
vertebris  numerosis.     Squamae  ovales,  subtilissime  concentrice  striatae. 

Megastoma:  Os  amplissimum  regionem  ocularem  excedens.  Ossa  in- 
termaxillaria  extcnsa.  Dentes  conici,  grossi  pauci  in  utraque  maxilla. 
Pinnae:  dorsalis...  ventralibus  opposita;  analis  parva  valde  remota;  cau- 
dalis furcata  subaequiloba,  lobis  brevibus  extus  fulcris  multis  validis. 

Histiurus:  Caput  breve,  altissimum  crista  cephalica.  Pinnae:  cauda- 
lis amplissima  longa  et  delicata;  dorsalis  angusta  et  ventralibus  mediocri- 
bus  opposita ;  pectorales  minulae.  Abdomen  cariuatum  et  scutis  osseis  mag- 
nis  vestitum.     Dentes  parvi  in  margine  maxillae  interno.     Sceletum  molle. 

Sarginites:  Maxillae  dentibus  aliquantum  conicis  obtusis  subincurvis 
parum  numerosis  armatae.  Pinnae:  dorsalis  ventralibus  opposita:  analis 
nulla ;  caudalis  basi  ossibus  2  longis  extremitatc  radios  pinnae  veros 
gerentibus. 

Von  meiner  Fauna  des  Königreichs  Neapel  sind  auch  die  „Geometrae" 
und  von  den  triraeren  Coleopteren  die  Coccinelleu  und  Endomychi  erschie- 
nen; es  ist  mein  Sohn  Achilles,  dem  ich  die  Coleopteren  und  Hemipte- 
ren  übertragen  habe.     Andere  Theile  werden  bald  folgen. 

A.   G.  Costa. 


185 

Heidelberg,  27.  Januar  1851. 

Der  Beryll  gehört  bekanntlich  zu  den  IMineralien,  welche  sehr  selten 
in  den  Gang-Graniten  der  Gegend  von  Heidelberg  getroffen  werden.  Im 
Winter  1848 — 49  kamen  an  einer  durch  Einsturz  entblössten  Fels-Wand  in 
der  Nähe  der  Hirschgasse  (auf  dem  rechten  Neckar-Ufer)  in  einem  grob- 
körnigen Glimmer-armen  Granit  mehre  Berylle  vor  ,  in  Quarz  oder  in 
Feldspath  eingewachsen.  Ich  war  so  glücklich  in  den  Besitz  einer  Anzahl 
von  Krystallcn  zu  gelangen,  unter  denen  einer  von  ziemlicher  Grösse. 
Manche  der  Beryll-Krystalle  zeigen  eine  dunkle  röthliche  Farbe  und  eine 
rauhe  zerfressene  Obei fläche;  man  glaubt  auf  den  ersten  Blick  Finit  zu 
sehen.  Andere  sind  frisch  und  von  den  bekannten  Bayern'schen  Beryllen 
nicht  zu  unterscheiden.  Auf  meinen  Wunsch  hatte  Hr.  Dr.  Boristräger  die 
Güte,  eine  chemische  Untersuchung  eines  vvohlausgebildeten  frischen  Kry- 
stalls  vorzunehmen  im  Vergleich  mit  dem  von  Thomson  untersuchten  Si- 
birischen Beryll,  welchem  er  am  nächsten  steht: 

Heidellierg,  Bokktu.  Sibirien,  Thoms. 
Kieselerde  .  .  .  66,90  .  .  .  66,858 
Thonerde  .  .  .  18,15  .  .  .  18,406 
Beryllerde  .  .  .  12,20  .  .  .  12,536 
Eisenoxyd  .  .  .  2,95  .  .  .  2,002 
100, 2ir  99,802 

Es  stimmt  diese  Analyse  etwas  weniger  gut  mit  den  durch  Berzeuos 
und  C.  Gmeun  zerlegten  Beryllen  von  Brodbo  und  von  Limoges.  Bei  der 
Vergleichung  der  Analysen  fand  ich  keine  des  Berylls  von  Zwiesel  in 
Bayern.  Dr.  Bqrnträgf.r,  welchen  ich  mit  Material  von  dem  genannten 
Orte  versah,  ist  eben  mit  einer  chemischen  Untersuchung  beschäftigt. 

G.  Leonuaro. 


Neue     Literatur. 


A.    Buche  r. 


1850. 


Fr.  Dixon  :  the  Geology  and  Fossils  of  the  Tertiart/  and  Cretaceous  For- 
mations of  Sussex.     London,  4°  [37  fl.  48  kr.]- 

A.  d'Orbigny  :  Paleonlologie  Franpaise  ;  Terrains  crelaces  [Jb.  1860,  4361; 
livr.  CLiii  — ex,  cont.  Tome  IV,  p.  201  —  328,  pl.  595  —  599  et  (Zoo- 
phytes,  Vol.  V)  600-626. 

—  —    Paleonlologie   Fran^aise  •■,    Terrains  jurassiques    [Jb.  1850,    436], 

liv.  Lix— Lxn,  cont.  Tome  /,    p.  569  —  632,    pl.  233  —  234  et  (G.istero- 
podes  Vol.  II)  235  —  248. 

—  —  Prodrome  de  Paleonlologie  stratigraphique  universelle  des  Animuux 

Mollusques  et  Rayonnes  [Jb.  1851,  82],  //,  Vol.  428  pp.  12". 
G.  und  Fr.  Sandberüer:  systematische  Beschreibung  und  Abbildung  der 
Versteinerungen  des  lifieinischen  Schichlen-Systemes  in  Nassau;  mit 
einer  kurzgefassten  Geognosie  dieses  Gebietes.  Wiesbaden,  gr.  4" 
[Jb.  1850,  205].  II.  Lief.  Bog.  6-9,  Tf.  6-8,  11  —  12,  Ccphalopoda 
(im  Texte  8  Goniatites-Arten,  auf  den  Tafeln  24  Goniatites,  3  Bactrites, 
2  Gyroccras,  1  Nautilus). 

1851. 

G.  Leonhard:  Geognostische  Übersichts-Karte  von  Spanien  von  Ezqubrra 
DEL  BayOj  erläutert  etc.    29  S.  8",   1  Karte,  Sfuttg.  [36  kr.] 

ß.     Zeitschriften. 

1)  W.  DuNKER  u.  H.  V.  Meyer:  P  a  1  aeo  n  t  ogra  phica,  Beiträge  zur 
Naturgeschichte  der  Vorivelt,  Cassel  4^  [Mi.  1849,  462.  Die 
noch  rückständigen  Hefte  zu  Band  II  und  III  werden  nun  demnächst 
erscheinen]. 


187 

///,  /,  1850,  S.  1-67,  Tf.  1-10. 
F.  A.   RoKMER  :    Beiträjfc    zur    gcolofrisclicii    Keniidiiss    des    N.W.   Hara- 
Gebirgs:   S.   1-67,  Tf.  l-lO. 


2)  Verhandlungen  der  K.  Leopold. -Carolinisclien  Akademie 

der  Naturforsclier,  Breslau  und  Bonn  4*^  [Jb.    1848,  693]. 

Vol.  XXn,    Pars  n  {XIV,  ii),    S.  i-xcvi,    367—965,    Tf.  39—72, 
hgg.    1850. 
CG.  Carus:  das  Kopf-Skeiett  des  Zeuglodon  Hydrarclios  zum  ersten  Male 
nach  einem  voltständigen  Exemplare  beschrieben  und  abgebildet:  369 
bis  390,  Tf.  39a,  39b. 
A.  A.  BERTHor.D:    über   einen   fossilen  Elenn-Sciiädcl    mit   monströsen  Ge- 
weihen: 429—438,  Tf.  46. 

F.  Krauss:  über  einige  Petrefakten  aus  der  untern  Kreide  des  iCa/j-Landes: 

439—161,  Tf.  47  —  50. 
K.  G.  Stbiszel:    zwei   Beiträge   zur  Kenntniss  der    fossilen  Palmen:    465 
bis  508,  Tf,  51  —  53. 

G.  Jäger:    Übersicht  der  fossilen  Säugetbiere,  weiche  in    Württemberg  in 

verschiedenen  Formationen  aufgefunden   worden  sind    und  nähere  Be- 
schreibung und  Abbildung  einzelner:   765  —  934,  Tf.  68 — 92. 

E.  F.  Glockcr:    einige   neue   fossile  Thier- Formen    aus  dem  Gebiete  des 

üTarpa/Aen-Sandsteins :  935-916,  Tf.  73. 

3)  Abhandlungen    der   K.    Gesellschaft    der   W^is  s  en  s  ch  af  te  n 

zu  Göttingen.    Physikalische  Klasse,  Göllingen  4*^  \_3h.  1848, 
796]. 
IV,  1848-60,  274  SS.,  hgg.  1850. 

F.  Wöhler:  über  das  Titan:   199  —  212. 

J.  F.  L.  Hausmann:  Beiträge  zur  metallurgischen  Krystall-Kunde:  221-274. 


4)  Bulletin  de  la  classe  phystco-mathemattque  de  V Acade'tnie 
imp.  des  sciences  de  St,  Petersburg,  Petersb.  4^  [3h.  1830,  438]. 

Nr.  186—192;  1850,  Avril  27 -Aout  3;   VIII,  18-24;  p.  273-383. 

Middendorff:  über  die  Wahrscheinlichkeit,  dass  die  Jura -Meere  mehr 
Magnesia  als  unsere  jetzigen  enthalten   haben:  328  —  331. 

Abich:  über  die  Soda  der  Araxes-Ebene  in  Armenien:  333  —  336. 

W.  Struvk:  Resultate  aus  G.  Fuss',  Sawitsch's  und  Sabler's  Geodäti- 
schen Operationen  in  den  Kaukasischen  Provinzen  1836  und  1837  : 
337-368. 

5)  Bulletin  de  la  Socie te  geologique  de  France,  Paris  8**  [J»hrb. 

1850,  331].     1849,  b,   VI,  737-748  (Register). 


188 

6)  U  Institut,  I^  Sect.,  Sciences  mathemaliques,  fhysiques 
et   naturelles  ,    Paris  4<*   [J.  1850,  844]. 

XVIII«  annee,  1850,  Sept.  18— Nov.  27;  no.  87S—882,  p. 297  — 384. 

Larrey  und  Petit:  Weg  einer  Feuer-Kugel:  298. 

D'HoMBREs  FiRMAS  :  Kuochcn- Hülile  von  Duret  bei  Alais  Gard:  301. 

Berliner  Akademie  :  Staub  mit  mikroskopischen  Organismen  :   302. 

C.  Pbevost  :    Theorie  der  Hebungen  und  Senkungen  der  Erd-Kruste  :  305. 

Hausmann:  Dokumente  zur  Geschichte  der  Krystallographie  ^  308. 

Mantell  :  liber  den  Pelorosaurus  von  Tilgate-Forest^  Z\0. 

Pasteur  :    Beziehungen    zwischen  Krystail-Form ,    Zusammensetzung    und 

Drehungs-Polarisation  :  313. 
C.  Prbvost:  geologische  Aufstellungen:  314—315,  322  —  324. 
BoiiRDALouE  :  Niveau  des  Rothen  und  Mittel-Meeres:  315. 
Elie  de  Be*umont  :  über  die  geologischen  Theorie'n  :   322. 
Britische  Versammlung  zur  Beförderung  d.  Wissenschaff,  1850  zu  Edinburg. 
J.  Tr^DALL    und    H.  Knoblauch  :    niagueto  -  optische    Eigenschaften    der 

Krystalle  :  325. 
Gassiot  :  Veränderung  des  Diamants  durch  die  Voltaische  Säule:  327. 
L.  Px.AYFAiR  :   Verdunstung  mineralischer  Hydrale  :   328. 
J.  Davy  :  Inkrustation  der  Dampf-Kessel  :  340. 

Voelcker:  Verhällniss  der  Phosphorsäure  in  einigen  Wassern:  341. 
E.  Forbes  :    Schichten-  und  Organismen-Folge    im  Purbeck-Gebilde  von 

Dorsetshire  :  342. 
MüRCHisoN  :    Dislokation    zwischen    unterer  und  oberer  Kohlen  -  Forma- 
tion :  342. 
Collen  :  Goldgruben  im  und  Canalisation  des  Isthmus  von  Darien:  342. 
R.  Chambers:    Gletscher  -  Erscheinungen    um    Edinburg    und    im    Allge- 
meinen: 343. 
H.  Miller:  Polirte  Geschiebe  in  Tertiär-Schichten:  343. 
W.  Hopkins:  Zerstreute  Granit-Blocke  von  Ben  Cruachan:  343. 
J.  Bryce:  Gestreifte  Flächen  bei  den   WestmorelandSeehi :  343. 
Diskussionen  über  grstreifte  Flächen:  344. 

Mallet:  Instrument,  die  Undulationen  der  Erde  zu  messen:  350. 
Martins:  sechs  Klimate  in   Frankreich:  348. 
Wells:  Klima  im  Nil-Thal:  349  u.  s.  w, 
^Martins  :    Vulkanische   Gesteine    von    Commentray   und  Verwandlung   der 

Steinkohle  in  Coke:  354. 
A.  d'Orbigny:    Natur    der  Medien,    worin  die  Thiere  in  geologischer  Zeit 

lebten  :  354  —  355. 
Pasteur  :    Beziehungen    zwischen  Krystall-Form ,    Zusammensetzung   und 

optischen  Eigenschaften  der  Körper:  355  —  358. 
Hollard:  über  die  Ganoiden. 
Britische  Versammlung  etc.  (s.  o.) 

Hitchcock:  Erosion  durch  Flüsse:  366. 

—  —  über  Fluss  Terrassen  in  Neu-England:  366. 


180 

SiJDGWiCK,  Chambers,  Porti.ock,  Nicol,  Stricki.and  ilcsgl.  366. 

Beckek:  Ansteigen  d.FItissbettcn;  ehemaliges  Binnenmeer  beüf/««««:  366. 

Hrzg-.  V.  Argylk:  Fossilien-Scliiclit  unter  Basalt  auf  Mull:   367. 

E.  DE  Verneuil:  geologische   Karte  von  Spanien:  367. 

Nicol:  Geologie  des  Süd-Endes  von  Canlyre  in  Argyleshire  ;  368. 
Collomb:  Zeit  der  Glelsciier  in  Wü{z\-Europa:  370. 
Britische  Versammlung  etc.  (s.  o.) 

R.  Harkness:  Vertreter  des  Berg-Kalks  in  S.-  u.  O.-Dumfrieshire:  374. 

—    —   Zweifüsser-Fährten  im  Neu-rothen  Sandstein  daselbst:   37'1. 

Ramsay:  Stellung  der  schwarzen  Schiefer  in  der  Menai-Strasse;  374. 

MARTI^s  u.  Gastaldi:    oberflächliche  Bildungen  im  Po-Thal  und  in  der 
Schweilz:  374. 

R.  Aüsten:  neuer  Wechsel   drs  Meeres-Spiegels :  371. 

Oldham:  Gruben-Temperatur  in  Irland:  374. 

P.  B.   Brodie:  Unteroolith  bei   Granlham:  374. 

H.  Miller:  eigenthiimliche  Struktur  der  ältesten  Ganuiden :  374. 

Sedgwick:  paläozoische  Gesteine  in  Süd-Schollland:  374. 

Murcuison:  über  Barrande's  vVrbeitcn  über  Böhmen:  375. 

Anderson:  fossile  Fische  aus  dem  gelben  Sandstein  von  Dura  Den:  375. 

E.  FoRBEs:  fossile  Radiaten:  375. 

Parlatore:  fossile  Pflanzen  im  Verrucano  unter  Oxford-Kalk:  375. 

Strachey:   Karte  vom   Himalaya  und  der  Ebene  von  Thibet:  375. 

E.  FüRBES :    Regionenweise  Verthcilung  brilischer  Seethiere:    375  —  376. 
C.   Prevost:  Neuheit  des  Erscheinens  der  Gletscher:  379  —  380. 
Matteucci  :  elektrisches  Leitungs-Vermügeu  der  Erde:   380. 
ßrilische  Versammlung  u.  s.  w.  (s.  o.) 

Hamilton:  Erdbeben   in  Südamerika:  381. 

Rosk:   Molybdän   auf  Mull:  38Z. 

Cabpentek:  eoeäne  Ricsen-Furaminiferrn :  383. 


7)    The    Annais    and    Magazine    of  Natural    Hislory,    second 

ser.  [b]  London  S"  [J.  1850,  441]. 

1S50,  Juli-Dec.  b,    VI,  1-6;    p.    1—504;   pl.   1  —  17. 
T.  A.  Jones:    Pleistocäne   Enlomostraca    zu    Neu-bury,    Clopford,    Claclon 

und  Grays:  '25  —  29,  7l. 
Über  D.  T.  Ansted's  „Geology":  48—50. 
Ad.  Bhongniart:  chronologische  Darstellung  der  Vegetations-Perioden  und 

Floren  -  Folge    auf    der  Erd- Oberfläche    (mit  Aufzählung    der  Arten): 

73-85,    192  —  203:   348  —  370. 
Mantkll:    Struktur  von  Belemniics    und  Bdemnoteulhis-,    über  Pelorosau- 

rus;   117-128—129. 
L.  Agassiz:  Beziehungen  zwischen  Thieren  u.  Lebens-EIementcn :  153  — 179. 
R.  Harkness:  Stellung  der  Fuyslapfen  im  Bunt-Sandstein  v    Harkness :  203. 
W.  Jardine:  Bemerkungen  dazu:  208 — 209. 
Anzeige  von  „Outhines  of  British  Geoloyy":  211. 


190 

Mürchison:  Barp.a>de\s  iioue  Klassifikation  der  Tiilobitcn:  228. 

P.  B.  Brodie:  Sicizzc  fler  Geologie  um  Granlham,  Lincolnshire,  und   Ver- 

g'ieichung  der  Stonesfielder  Schiefer:  256  —  266. 
Fn.  M'Cor:  neue  Genera  und  Arien  silurischer  Radialen:  270  —  290. 
H.  E.  Strickland:  NaciiträgÜches  über  den  Dudu  u.  seine  Verwandten:  290, 
Fr.  M'Coy  :  ßesclireibung  dreier  neuen  devonischen  Zoopliyten:  377  —  379. 
Mantell;  neuer  Vogel  aus  Ncu-Seeland:  398. 
J.  LycETT :  tabellarische  Übersicht  der  fossilen  Konchylien  aus  der  mittein 

Abtheihing  des  Unterooliths  in   Glotice.stershire:  401—424. 
R,  Harkness  :  dreizehigr- Fuss-Spuren  im  Bunt-Sandslein  zu  Weston-Point, 

Cheshire:  440-142. 
E.  FoRBEs:  Cardiaster  n.  g.  aus  der  Rreidej  Holaster  nachstehend:  442 — 444. 
W.  Clark:  über  Conovuliden,  Tornalelliden  und  Pyraniidclliden :  444—464. 
Fr.   M'Coy:  einige  neue  silurische  Radialen:  474 — 477. 


8)  ß.  SiLLiMAN  /et  II  a.  DA^A  :  the  American  Journal  o  f  Science 
and  Arts,  b,  Neic-Haven  S**  L-Jb.  ISoO,  443  etc.]. 

1850,  Juli— Sept.;  h,  no.  28-30;  X,  1-3;  pp.   1—476. 

Auszug  aus  D.  D.  Owen's  geologischem  Bericht  über  den  Chippewa- 
Landbezirk  in  lf7.ycon.sin  und  einem  Theil  von  Iowa  von  1847:   1  — 12. 

Fr.  Alger:  Rutil-enthaltende  Quarz  Krystalle  aus  Vermont  und  die  Erschei- 
nungen daran:    1'2— 19. 

Ch.  WiTTLESEY :  natürliche  Tci  rasscn  und  Hügelzüge  am  Ene-See:  31 — 39. 

L.  W.  Meech:  Berechnung  der  täüilichrn  Sonnen -WUime  an  der  Erd- 
oberfläche, und  sekuläre  Änderung  derselben:  49  —  56. 

J.  Wvman  :  FoFsüe  Knochen  bei  Memphis,  Tenn. :  56-65,  2  Holzschn. 

C.  T.  JACKso^ :  Geologische  Struktur  von  lieweenaw-Point:  65  —  77. 

R.  Crossley:  Analyse  des  Algerits:   7  7. 

C.  T.  Jackson:  über  das  Tellur- Wisnuilh    Virginicns:   78 — 80. 

H.  WuRTz:  vermuthliclie  neue  Mineral-Art:  80  —  83. 

Agassiz:  erratische  Erscheinungen  am  oberen  See:   83  —  101. 

Miszellen:  Tiilobilcn  in  J.  S.  Taylor's  Sammlung :  1 13;  —  J.  D.  Dana  : 
Bemerkungen  über  die  Glimmer-Familien:  114  —  119:  über  Spodunien: 
119;  —  J.  D.  Whitney:  über  VV'asser  freien  Prehnit:  121 ;  —  J.  D. 
Dana:  neue  Kryslall  Form  von  Staurotid;  dessen  Isomorphismus  mit 
Andaiusil  und  Topas:  121;  —  Teschemaciier  :  Platin  ans  Ca/j/orniVn: 
121;  —  C.  ü.  Shkpard:  über  Meteoriten:  127  —  129;  —  Morris:  Fonds 
für  Geologie  im  Dlississippi  (5000  Doli,  jährl.) :  133;  —  C.  T.  Jackson: 
Analyse  von  Wassern  aus  heissen  Quellen  in  der  Gegend  des  grossen 
Sal-z  See^s:  134;  —  JaCiison:  Zinn  in  Graphit  -  Schiefern  :  134;  — 
Desor:  über  die  fossilen  Regen -Tropfen :  135;  —  J.  D.  Dana's  Sy- 
stem of  Miner alogy:  138—143  [\g\.  ih.  1850,  596] ;  —  über  Ansted's 
„Geology",  1850:  144  —  145;   —   Index  pal aeonlolog'icus:   145 — 146. 

A.  Güyot:  Gegensatz  zwischen  natürlicher  Beschaffenheit  und  Hülfsquelien 
der  alten  und  der  neuen  Welt:  161  —  174. 


191 

J.  Wyman  :  WirbeUhier-Reste  zu  Richmond  in   Virglnien:  228  —  235. 

J.  D.  Dana:  vulkanischer  Ausbruch  auf  Hawaii;  235 — 245. 

(Dana):  niinpralogischc  Notizen  (eine  Nachlese  aus  den  mtue&ten  Europai- 
schen Journalen  zu  Dana's  Mineralogie):  245  —  255. 

Mineralogische  und  geologische  Mi  szellen:  C.  Hartwkll  und 
E.  Hitchcock:  neuer  Fundort  von  Spoduinen  zu  Novtcich  in  Mas».: 
264;  —  Lyell:  Alter  der  Numnniliten-Formation  :  265;  —  L.  v.  Buch: 
Grenzen  der  Kreide-Formation:  268  —  272;  —  Carpentkr  :  Struktur 
von  Numnnilina:  275;  —  J.  W.  Bailf.y  :  Infusorien-Schicht  in  Flo- 
rida: 282- 

H.  WuRTz:  Verwendbarkeit  des  Neu-Jerseijer  Griinsands  zu  Potasche- 
Gewinnung  :  326—330. 

0.  P.   HuEBAKD  :  Rutil  und  Chlorit  in  Quarz:  350—352. 

W.  P.  Blake:  krystallisirtes  Chromoxyd  im  Ofen  einer  Chrom -Fabrik : 
352  —  354. 

J.  L.  Smith:  Geologie  und  Mineralogie  des  Smirgels  in  Kleinasien: 
354—370. 

G    J.  Brush:  über  amerikanischen  Spodumen:  370  —  372. 

B.  SrLLiMAN  jr. :  optische  Untersuchung  amerikanischer  Glimmer:  372  —  383. 

W.  J.  Craw;    Analyse  des  Phlogopils   aus   St.-Lawrence-Co. ,  N.Y.:   383. 

Miszellen:  Tynuall  und  Knoblauch:  magnetisch-optische  Eigenschaften 
der  Krystalle:  393;  —  Gassiot:  Form,  welche  der  Diamant  unter  der 
Voltaischen  Säule  annimmt:  404;  —  R.  A.  Smith:  Luft  und  Wasser 
in  Städten:  41 1;  —  Voelcker:  Phosphorsäure- Gehalt  in  manchen 
Wassern:  412;  —  Craw:  angeblicher  Slaurofid  von  Nortcich:  414. 


9)    Proceedings    of   Ihe    Atnerica7i    Association    for    the    Ad- 
vancement  of  Science,  S°  [Jb.  1S50,  611]. 

III<i  meeling  held  at  Chareston,  S.-C.f  Iflarch.   iSSO  (216  pp.  8**)*. 

M.  Tuomey:  paläozoische  Felsarten  Alubama's, 

R.  W.  GiBBES  :  über  das  fossile  Pferd. 

F.  S.  Holmes:  Bemerkungen  dazu.     Die  Eocän-Mergel  Siid  Carolina' s  ent- 
halten nur  Cetaceen-Reste. 

R.  W.  GiBBi:s:  liber  den   nördliclien  Elephaiiten  und  Mastodon  angustidens. 

—    —   Fossile  Arten,  wclciie  mehren  Formationen  gemein  sind. 

\j.  AoASsiz  und  Tuomey  :  deren  sind  sehr  wenige. 

Tuomey:   fossiles  Reptil  aus  dem  Genus   Leiodon. 

M.  F.  Maury:  Strömungen  im  allanlischen  Ozean. 

F.  DE  PouRTALES :   Vcrlheilung   lebender  Foraminiferen   an  der  Küste  Neu- 
Jerseys. 

Tl'omey:  über  die  angebliche  Senkung  der  Küste  Süd- Carolina' s. 


<•    Wir  können  den  Inhalt  nur  nach  Sillima.v's  Joiirnnl  kuri  bezeichnen. 


192 

C.  U.    Shepard:    3    neue    amerikanische    Meteoriten;    geographisclie   Ver- 
breitung der  Meteoriten. 
E,  Ravenel:  Katalo»  lebender  und  fossiler  Echinodermen  in  Süd- Carolina. 
TüOMEv:  Kreide-Forni.ition  und  artesische  Brunnen  in  Alabama. 
J.  Holmes  :  Geologie  vom  Ashtey  River,  Süd- Carolina. 
L.  Agassiz  :  Bemerkungen  dazu;   Menge  fossiler  Säugethicr-Arten  daselbst. 

/F"'  meeting  held  at  New-Haven,  1S50,  Aug. 

H.  D.  RooERs:  Stellung  und  Charakter  der  Reptilien-Fährten  in  der  rothen 
Kohlenschiefer-Formalion  von  OslPeunsijlvanien. 

—  —    die    Kohlen  -  Formation    der    Vereinten    Staaten    und    insbesondere 

Pennsylvaniens. 

—  —   Beziehungen  von  Salz-Niederschlägen  zum  Klima. 

—  und  W.  B.  Roger's    Zersetzung    von  F'elsarten    und  Mineralien    durch 

kohlensaures  Wasser. 

C.  T.  Jackson:  tertiäre  Fossilien  von  Marshfield. 

—  —  alte  „Püt-hoics"  im  Gesteine. 

L.  Agassiz:  das  Genus  Amia,  ein  wahrer  Vertreter  der  alten  Coelacanthi. 
L.  Agassiz:  Alter  der  metamorphischen  Gesteine  in  Ost- Massachusetts. 

—  —  neuer  Typus  von  Fis<  h-Schuppen. 

R.  N.  Mantell:  Vermuthliches  Aller  dt-r  Moa-Knochenschicht  in  Neuseeland 

—  —  Iguanodon-Unleikiefer   mit  Zähnen. 

C.  B.  Adams  :  Höhen-Wechsel  in  Nordamerika  während  der  Drift-Periode. 
E.   G.  Squier:  Vulkane  Zentral- Am frika^s;  Geographie  von  Nicaragua. 
W.  R.  .Johnson:    über    die  Guld -Formation    in  Dlanjland,    Virginien   und 
Neu-Carolina. 

—  —  Kohlen-Formatinn  in  Zentral-Nord-Carolina. 
J.  Robb:  Drilt-Streifung  in  Neu-Bniungchtveig. 

T.  S.  Hüint:  über  das  Takonische  System. 

—  —  Vorkommen  von   Magnesit  in  Bezug  zu  Serpentin. 
Fr.  B.  Hough:  zylindiisciie  Struktur  im  Potsdam-Sandstein, 

J.  Hall:  Geologie  von  Mackinac,  Sl.-Josephs-I.'tlands  und  der  Nord-Küste 

des  Michigan- Sec^s, 
J.    P.    Lesleit  :    die    Sindfluth    und     die    ethnographische    Verbreitung    der 

Menschen- Rassen. 
B.  Silmman  jr. :  optischer  Charakter  des  amerikanischen  Glimmers. 

—  —   Ursache  spliäroidaler  Bildungen  in  Sediment-Gesteinen. 

G.    C.    Schaffer:    Koniferen  -  Holz    aus    Devon -Sc'.iichten    von    Leltanon, 

Marion- Co.,  Ky. 
Ch.  U.  Shepard:  se<hs  neue  Mineral-Arten. 

—  —  fremde  Meteoiiten  und  ein  am  Lin-Co.-Fatl,  Miss,  am  7.  Febr.  1847 

gefundener  grosser  Stein. 

—  —  Notizen  über  amerikanische  Mineralien. 


103 

H.  WüRTz:   Analyse  des  Nelken-Skapolilhs  von  Bolton. 

—  —  Nutzbarkeit  des  Neu-Jerfteyer  Grünsands  auf  Polasche. 

—  —  Troostit  von  Neu-Jersey. 

T.  S.  Hunt:    Vorkommen   von  Ilmenit   und  Chrom -Eisen  in    Canada  und 
Catifornien  zusammen  mit  Gold. 

—  —  über  Boden- Analysen. 

—  —  Entdeckung;  von  Phosphor-Säure. 

—  —  ein  Fundort  von  Asphalt  und  dessen  Ursprung. 

W.  P.  Blake:  künstliche   Krystalle  von  Chrom-Sesquioxyd  (€r). 

A.  A.  Haves:    über  den  angenommenen  Ammoniak-Gehalt  der  Atmosphäre. 

C.  T.  Jackson  :  Allanit  von  Franklin,  N.-J. 

Wismuth-  und  Gold-Tellur. 

—  —   Analyse  der  rolheu  Mergel  von  Springfield,  Mass. 

—  —  Zirkon,  Sodalit,  Cancrinit  etc.  von  Litckfield,  Me. 
E.  N.  HoRSFORn:   Ammoniak-Gehalt  der  Luft. 

W.  J.  Craw  :  Analyse  von  Phlogopit  in  St.-Lawrenee-Co.,  N.Y. 

G.  J.  Brush:  über  amerikanischen  Spodumen. 

ß.  SiLLiMAN  jr. :  über  zwei  amerikanische  Meteor-Eisen. 

0.  P.  Hubbard:  Rutil  in  Quarz  u.  a.  Mineralien. 


lo)   Proceedings  o  f  the  Boston  Socie  t y  of  Natural  His  tory, 
Boston  S°. 

1849,  Nov.  Dec.j  p.  193-208. 

Whitney  u.  Desor:  wahrscheinlicher  Ursprung  der  fossilen  Regentropfen:  200. 
Desor:  die  Land-Dünen  am  oberen  See:  206. 

1830,  Jan.,  p.  209  —  240. 
J.  Warren:  über  einen  jungen  Mastodon. 
L.  Agassiz:  Ähnlichkeit  zwischen  Mastodon  und  Manati. 
Whitnev  :  Übersicht  über  das  Regierungs-Land  am  oberen  See. 
C.  T.  Jackson:    Kalamit   von  Bridgewaler ;    Salz    vom    Grossen  Salzsee', 

kohlensaures  Natron  vom  Salaeratus  Lake;  Zinn  in  Graphit-Schiefern 

von   Vermont. 

1850,  Febr.  p.  241  —  250. 

Alger:  verhältnissmässiger  Werlh  des  amerikanischen  Sandsteins:  242. 
Desor:  Beziehungen  von  Alluvial  und  Drift  am  Mississippi:  243. 
R.  Ckossley  :  Analyse,  und  C.  T.  Jackson  :  Beschreibung  des  Vermiculits  :  247. 
H.  D.  Rogers:  Ursprung  des  Grüusands  von  New-Jersey. 

1830,  März,  p.  251  — 271, 
Über  Grünsand:  257. 

Desor:  Hai-Zähne  aus  Kalkstein  von  Keokuk,  Iowa:  259. 
H.  D.  Rogers:   Entstehung  der  Salz-See'n. 
F.  Alcer:  Gold-Krystalle  aus  Californien. 

1850,  April,  p.  272  flF.  (nichts). 

Jalii'KAng  1851.  13 


II    s    z    u    g    e. 


A.  Mineralogie,    Krystallographie,  Mineralcliemie. 

W.  Haidinger:  Bericht  über  ci  e  n  Dopplerit  (Sitzungs-Berichle 
der   Wien.  Akad.  d.  Wissensch.  1849,  Nov.). 

Herr  Bergralli  Doppler  hat  in  einer  Denkschrift  (Sitzungs-Bericht 
vom  19.  Nov.  1849)  auf  die  wichtigsten  Verhältnisse  dieser  neuen  Substanz 
hingewiesen,  welcher  H.  den  obigen  Namen  gibt;  es  bleibt  daher  vor- 
züglich die  Stellung  der  einzelnen  Angaben  in  die  Form  der  gewöhnlichen 
mineralogischen  Beschreibungen  übrig.  Einiges  kann  noch  vervollständigt, 
Anderes  erst  später  an   Ort    und  Stelle   des  Vorkommens    erhoben  werden. 

1,  Form.  Amorph.  Bruch,  gross-muschelig,  ganz  ähnlich  dem  der  schön- 
sten Abänderungen  der  Kohlen  aus  dem  nordwestlichen  Böhmen,  z.  B.  von 
Grünlas  bei  Elbogen ,  oder  gewisser  Arten  von  Glanzkohle  oder  Pech- 
kohle. —  Ganz  dünne  Blättchen  mit  Canada-Balsam  zwischen  Glas-Platten 
gekittet  zeigen  bei  starker  Vcrgrösserung  feine  Fasern  organischen  Ur- 
sprungs. Im  polarisirten  Lichte,  unter  dem  Mikroskop-Tischchen  ein  Nichol'- 
sches  Prismas  eingeführt,  und  über  dem  Ocular  das  Bild  durch  eine  dichro- 
skopische  Loupe  betrachtet,  erscheint  keine  Spur  von  Krystall-Gefüge. 

2.  Masse.  Glanz  ungeachtet  der  dunkeln  Farbe  doch  mehr  Glas- 
ais Fett-artig.  Farbe  bräunlichschwarz.  Strich  dunkel  -  holzbraun.  Mit 
dem  Messer  abgeschnittene  keilförmige  Blättchen  an  den  Kanten  mit  schöner 
röthlichbrauner  Farbe  durchscheinend.  —  Aggregation  Gallert-artig.  Voll- 
kommen elastisch,  ganz  ähnlich  dem  Cautschuk.  Bei  angewandtem  stai- 
keren  Drucke  spaltet  sich  das  Stück  und  zeigt,  auseinandergerissen,  oft 
die  schönsten  blumig-blätterigen  Zeichnungen  In  seinem  muscheligen  Bruche. 
Wenn  auf  gewissen  Bruch  -  Flächen  zuerst  faserige  Abwechslungen  er- 
schienen, zogen  sich  dieselben  nach  einiger  Zeit  ganz  glatt,  und  Diess 
selbst  unter  dem  Mikroskope.  —  Härte  =  0,5,  weit  geringer  als  Talk  J 
letzter  schneidet  tief  in  die  Flächen  ein,  während  die  weiche  Kante  des 
Dopp4erits  sich  auf  der  zarten  Theihings- Fläche  des  Talks  glatt  streicht. 
Gewicht  =  1,089.  —  Beinahe  geruchlos;  H.  glaubte  an  einigen  Stücken 
beim  Entzweibrechen  selbst  einige  Ähnlichkeit  mit  dem  CaulschukGeruch 
wahrzunehmen.      Geschmacklos.    —     Geschmeidig;    man    kann    mit    einem 


195 

scharfen  Messer  ganz  dünne  Blättchen  abschälen,  die  aber  doch  nicht  mehr, 
wie  es  bei'm  Wachse  ist,  zusaiuniengeknetet  werden  können.  —  An  freier 
Luft  ist  der  Dopplcrit  einer  Veränderung-  unterworfen,  durch  die  er  zu 
einem  kleinen  Volumen  zusammcnsclnvindet  und  in  kleine  stark  glänzende 
Stückchen  zerfällt.  Schneller  erfolf^t  Diess  nocii  in  der  Wärme,  etwa  auf 
einem  Ofen.  Das  Wasser  kann  durch  mechanische  Mittel  weggeschafft, 
ausgepresst  werden,  und  zwar  beginnt  die  Wirkung-  schon  bei  geringem 
Druck  unter  einer  Presse,  wenn  das  Stück  in  einen  Leinen-Lappen  gewickelt 
war.  Bis  zu  welchem  Punkt  die  Entwässerung  getrieben  werden  kann, 
uuiss  noch  durch  Versuche  ausgcmitfclt  werden. 

Der  zurückbleibende  Körper  hat  folgende  Eigenschaften :  Amorph. 
Bruch  voilkomnicn  niusclielig.  —  Starker  Glanz,  der  sich  in  den  Diamant- 
artigen neigt.  Farbe  sammtschwarz.  Strich  schwärzlichbraun,  etwas  glän- 
zend. Undurchsichtig-,  nur  in  ganz  dünnen  Splittern  etwas  —  röthlich- 
braun  —  durchscheinend.  —  Etwas  spröde.  Härte  =  2,0  bis  2,5.  Die  scharfen 
Ecken  sclineiden  in  die  Theilungs  -  Flächen  von  Steinsalz  ein,  aber  die 
starkglänzenden  Bruch-Flächen  werden  von  Kalkspat!)  sehr  stark  geritzt. 
Gewicht  =  1,466. 

Der  Dopplerit  besteht  wesentlich  aus  Wasser  und  Torf-Materie  nebst 
einem  kleinen  Verhältniss  erdiger  Bestandlheile.  --  „Im  Wasserbade  bei 
lOO**  getrocknet,  gab  der  Dopplerit,  nachdem  ei  schon  einen  Tag  hindurch 
im  erwärmten  Zimmer  gelegen  hatte,  o,C5  Wasser,  schrumpfte  dabei  be- 
deutend zusammen,  wurde  hart  und  glänzend.  Beim  Verbrennen  veibreitet 
sich  ein  dem  Torfe  ähnlicher  Geruch  ;  der  Rückstand  ist  gelblichweiss  und 
betrug  0,065 :  ein  anderer  Versuch  gab  0,070.  —  Kleine  Stücke  im  ver- 
schlossenen Tiegel  geglüht  sinteiten  zusammen  und  zeigten  einen  grauen 
Cokes-ähblichen  Bruch.  AufHeitz-  oder  Brenn-Kraft  untersucht  und  nach 
Bgrthier  mit  Bleiglätte  geschmolzen,  betrug  diese  3525  Wärme-Einheiten. 
—  Nach  der  For.cHHAiviivii:rv"schen  Methode  mit  basischem  Chlor-Blei  ge- 
schmolzen, gaben  zwei  Versuche  beinahe  übereinstimmend  3698  Wärme- 
Einheiten,  oder  im  Verglcicli  mit  reiner  Kohle  duich  den  Biuch  7^2"  aus- 
gedrückt. Die  Masse  war  im  Wasser-Bade  voiher  wiederholt  getrocknet 
worden.  Obwohl  die  Masse,  nass  oder  trocken,  in  Stücken  eine  dunkel- 
schwarze  Farbe  besass ,  so  war  das  Pulver  doch  nur  braun  gefärbt.  In 
Alkohol  und  Äther  ist  dasselbe  unlöslich  :  dagegen  löslich  in  Atz-Kali.  Die 
Masse  verbrennt  nicht  mit  Flamme,  sondern  verglimmt  nur  allmählich." 

Die  systcmatisciie  Stellung  des  Dopi)lei  its  als  Mineral-Spezies  erheischt 
eine  nähere  Betrachtung.  Eine  solche  entbehrt  natürlich,  wie  Hai/y  unter 
Andern  bei  Gelegenheit  des  Gagates  sehr  treffend  ausgedrückt  hat,  jener 
Piäzision,  die  sich  bei  den  eigentlichen  mineralogischen  Spezies  darbietet, 
„Man  hat  es  mit  Wesen  von  vegetabilischem  Uisprnng  zu  thun,  welche 
die  Botanik  als  ihrer  Organisation  verlustig  verwirft  und  der  Minera- 
logie abgetreten,  die  sie  durch  eine  Art  von  Toleranz  freundlichst  auf- 
genommen hat"  (Traile ,  Sf^'  ed.,  IV,  473).  Ungeachtet  der  Veränder- 
lichkeit seines  Zustande«  bildet  der  Dopplerit  einen  solchen  Gegensatz  mit 
allen  andern  Körpern,  dass  man  nicht  umhin  kann,  ihn  für  sich  als  eineu 

13  ■' 


190 

derjenigen  festen  Punkte  liinzustellon,  die  man  mit  eigenen  Namen  be^ 
zeichnen  muss.  —  Nach  den  von  Doppler  mitgetheilten  und  den  von 
A.  LÖWE  angestellten  Untorsucliiingcn  stimmt  der  Dopplerit  mit  dem  Torf, 
in  dessen  Lagern  er  vorkommt,  in  Bezug  auf  die  Materie  gänzlich  überein; 
dieselben  Erscheinungen  des  Geruchs  beim  Verbrennen,  dieselben  in  der 
Einwirkung  von  Reagenfien,  ausgenommen,  dass  er  von  organischer  Struk- 
tur nur  mehr  die  feinsten  Überbleibsel  zeigt.  Einige  der  eingesandten 
Stucke  des  Dopplerits  enthalten  Druchstücke  von  unverändertem  Torf,  zum 
Theil  mit  Blatt-Resten,  welche  C.  v.  Ettingshausen  mit  volh  r  Sicherheit  als 
dem  Phragmites  communis,  dem  gewöhnlichen  Schilf-Rohr  angehörig, 
bestimmen  konnte,  und  mit  kleinen  Wurzel-Fasern;  ja  es  ist  wahrschein- 
lich, dass  eben  die  Masse  mit  ihrem  vollkommen  muscheligen  Bruch  ein- 
zelne Stellen  des  Torf-Lagers  einnimmt,  in  welche  sie  auf  Trennungen  in 
der  sonst  zusammenhängenden  Torf-Masse  gelangen  konnte,  nachdem  sie 
durch  eine  während  der  Torf-Bildung  eingetretene  Zerkleinerung  die  Spuren 
organischer  Bildung  beinahe  gänzlich  verlor.  Aber  nun  ist  sie  gebildet 
und  stellt  fortan  den  A  u  sgan  gs  -  P  un  k  t  vor  zu  einer  Reihe 
von  Veränderungen,  für  den  uns  bisher  nur  Hypothesen  geboten  waren. 
Längst  kennen  die  Mineralogen  und  Geologen  die  Reihen  von  Bil- 
dungen mit  Holz-Struktur  vom  frischgefällten  Holze  an  durch  die  Stämme 
aus  Torf-Mooren,  die  hellen  und  dunkelbraunen  Lignite,  die  festen  glän- 
zenden Braunkohlen  bis  in  den  Anthrazit.  Eben  so  die  mit  Torf-Struktur 
erscheinenden,  mehr  und  weniger  veränderten  Brunkohlen,  Schwarzkohlen, 
bis  wieder  in  den  Anthrazit.  Aber  es  fehlte  der  Ankniipfungs -Punkt  an 
die  Zustände  der  gegenwärtigen  Periode  für  die  Caunel-Kohle,  für  einige 
der  sog.  Moor- Kohlen,  diejenigen  nämlich  mit  vollkommen  muscheligem 
Bruch  und  starkem  Glanz  von  Grünlas  bei  Elbogen  und  andern  Orten  des 
"N.W.- Böhmens,  von  denen  wir  nun  ohne  Zweifel  annehmen  dürfen,  dass 
sie  sich  in  dem  Zustande  von  Dopplerit  befunden  haben.  Einen  etwa  dem 
Anthrazit  entsprechenden  Zustand  finden  wir  in  dem  Gagat ,  Jayet  von 
HAÜr,  in  den  älteren  mineralogischen  Werken  wohlbekannt,  in  den  neuen  nur 
als  Synonym  der  Pechkohle  übrig  geblieben  oder  gänzlich  verschwunden,  wie 
in  MoHs'  Anfangsgründen  von  Zippe  oder  in  meinem  Handbuche!  Aber  Haijy's 
Jayet  ist  selbst  vielleicht  etwas  dem  Rückstande  des  Dopplerits  durch 
Austrocknung  Analoges,  wenn  er  den  Geruch  beim  Verbrennen  als  scharf 
(äcre,  sauer?:  Vauqceun  fand  eine  „niclit  näher  bestimmte"  Säure  im 
Jayet,  von  der  Haüy  voraussetzt,  sie  sey  das  Acide  pyro-ligneux  gewesen) 
oder  als  zuweilen  aromatisch  beschreibt.  Fundorte  für  Gagat  gibt  Haüy 
nicht  an;  was  man  in  den  Sammlungen  findet,  i.st  oft  nichts  anderes,  als 
wirkliche  Steinkohle,  zum  Theil  mit  und  zum  Theil  ohne  Holz-Stiuktur.  In 
England  wiid  sowohl  die  Canncl- Kohle,  als  auch  der  eigentliche  Gagat  — 
Jet  —  zu  Ornament.) len  Gegenständen  verarbeitet.  Der  letzte  kommt  bei 
Whilliy  in  Yorkxhire  in  Thon  in  einzelnen  Stütken  vor;  nach  Ali.ain's 
Phillip.s  (S.  293)  besitzt  er  Hdl/.-Textur ,  nach  Alger's  Phif-mps  (S.  592) 
biennt  er  mit  bituminösem  Gerüche,  wäre  also  von  Haijy's  Jayet  ver- 
.«chieden. 


197 

Erst  neuerlich  (Jahrb.  tS49,  526)  hat  Nokgcebath  di«  ganze  antike 
und  neuere  Geschichte  des  Gagats  zusammeng^estellt.  Auch  sein  Gȧ;at, 
in  der  Bedeutung,  wie  ihn  Agricola  genommen,  ist  „eine  mit  Erd-Harz 
(Pitumen)  sehr  reichlich  durchdrungene  Braunkohle"  —  mit  oder  ohne  Holz- 
Textur,  also  verschieden  von  dem  Jayet  Haciy's. 

Ist  nun  difse  schöne  Substanz  des  D"pp!erits  auch  technis'h  auwend- 
bar  zu  machen?  Oder  kommt  sie  in  so  grosser  Menge  vnr,  doss  die 
Frage  nach  einer  solchen  Anwendung  drinj^end  wird?  Als  Bi  enn-Matrrial 
wurde  eine  Pressung  vorangehen  müssen,  die  vielhiclit  grosso  Kosten 
verursachte;  denn  trocknen  kann  man  sie  nicht  in  dem  gewöhnli<hcn  Zu- 
stande, ohne  dass  sie  in  ganz  kleine  Stückchen  zerfällt.  Jedenfills  wird 
man  sie  nun  nicht  mehr  aus  den  Augen  verlieren,  während  sie  vorher  ganz 
unbeachtet  geblieben  war. 


Chatin:  Jod  in  den  Süss  was  ser-Pflanzen  (Erdm.  u.  March. 
Journ.  1830,  L,  27.3—286).  Jod  findet  sich  in  allen  Pflanzen  des  süssen 
Wassers,  mehr  in  solchen  grosser  luftbewegter  Teiche,  als  kleiner  stehen- 
der Sümpfe ,  mehr  in  denen  der  Flüsse  und  Bäche,  als  in  den  ersten,  mehr 
in  solchen  Pflanzen,  welche  ganz,  als  in  solchen,  die  nur  mit  der  Wurzel  im 
Wasser  stehen;  es  fehlt  in  derselben  Pflanzen -Art,  wenn  sie  sich  ganz 
ausserhalb  des  Wassers  entwickelt;  und  es  ist  gleichviel,  in  welche  na- 
türliche Pflanzen  -  Familie  die  Pflanze  gehört.  Es  ist  als  lösliches  Jodür 
im  Safte  vorhanden.  Es  kömmt  also  überall  in  der  Erd  -  Oberfläche  vor, 
und  es  bedarf  nur  des  Wassers,  um  es  aufzulösen  und  der  Pflanze  zuzu- 
führen;  das  bewegte  Wasser  kann  Diess  besser,  als  das  stehende;  Gletscher- 
Wasser  aber  hat  keine  Gelegenheit  dazu;  daher  vielleicht  die  skrophulösen 
Krankheiten,  Kröpfe  etc.  in  Gletscher-Gegenden;  daher  die  Wirksamkeit 
von  Kresse,  Wasser  -  Fenchel  und  Bachbunge  als  Mittel  gegen  Skorbut, 
Skropheln,  Phthisis  und  als  Blutreinigungs -Mittel ;  daher  die  grössere 
Wirksamkeit  der  an  Bächen,  als  der  in  Sümpfen  gewachsenen  Pflanzen. 
[Vgl.  S.  161  flF.] 


C.  ZwcKEN  und  C.  Rammelsber«;:  über  das  Arsenik-Silber  vom 
Wrtr«  (PoGGEND.  Ann.  d.  Phys.  LXXVII,  262  ff.).  Auf  den  Gruben  Sam- 
son,  Neufang  und  Abendrölhe  zu  St.- Andreasberg  bricht  man  das  Arsenik- 
Silber,  welches  Werner  zuerst  nach  dem  Vorkommen  von  Casaglia  bei 
Quadalcanal  in  Spanien  bestimmt  hat.  Das  Erz  von  der  Grube  Samson 
zeigt  folgende  Merkmale:  Zinnweiss,  läuft  leicht  an.  Derb  klein;  Nieren- 
förmig,  auch  dendritisch  in  Kalkspath  eingewachsen,  oder  in  kleinen  zylin- 
drischen Ästen,  welche  ziemlich  glatt  sind,  unter  der  Loupe  aber  mit  Kry- 
stall-Anfängen  bedeckt  erscheinen.  Auch  in  Kalkspath  finden  sich  Nieren- 
förmige  Parthic'n ,  ganz  mit  unbestimmbaren  Tafel  -  artigen  Krystallen 
bekleidet.  Bruch  uneben,  feinkörnig,  ins  Blätterige.  Sclialig  abgesondert. 
Strich  schwarz.  Härte  =  3,5.  Eigenschwerc  =  7,473.  In  offener  Röhre 
gibt  das  Mineral    ein    weisses    und    ein    schwarzes  Sublimat   und   starken 


198 

Arsenik-Geruch.  Auf  Kohle  verhält  es  sich  ebenso,  schmilzt  aber  nicht. 
Mit  Natron  erhält  man  Silber-weissc  Metall -Körner.  Wird  von  Salpetersäure 
lebhaft  angegrifl'en.     Die  Analyse  ergab  : 

Schwefel      ....       0,85 

Arsenik 49,10 

Antimon 15,46 

Silber 8,88 

Eisen 24,60  

98,89^ 
Die  physikalischen  Eigenschaften  des  Erzes  berechtigen  durchaus  nicht, 
dasselbe  für  ein  Gemenge  zu  halten. 


Sheridan  Musphatt:  Löthrohr-Rcaktionen  von  Baryt,  Stron- 
tian  u.  .s.  w.  (Wokhl.  h.  Lieb.  Ann.  d.  Chem.  LXXII,  118  ff.).  Der  Vf. 
Stellte  neuerdings  verschiedene  Versuche  an  in  der  Absicht,  genügende 
Löthrohr-Reaktionen  in.  Beziehung  auf  Strontian  und  dessen  Salze  zu  er- 
halten. R.  Kane  bemerkt  in  der  2.  Auflage  seiner  y,Elemenls  of  Chemislri/\ 
dass  Strontian  von  Baryt  durch  eine  stark  karmoisinrotiie  Färbung  der 
Flamme  unterschieden  wird.  Kaustischer  Strontian  ,  nasserfrei  oder  als 
Hydrat,  zeigt  nicht  die  geringste  charakteristische  Wirkung  auf  die  Flamme; 
nur  die  im  Wasser  löslichen  Salze  färben  die  Flanmie  schön  karmoisin- 
roth.  Schwefelsaurer,  phosphorsaurer  oder  kohlensaurer  Strontian  färben 
unter  keinen  Umständen  die  Flammen  -  Spitze.  Selbst  trockenes  Chlor- 
Strontium  theilt  der  Flamme  keine  karminrotlie  Farbe  mit;  befeuchtet  man 
es  aber  mit  Wasser  und  bringt  es  nun  an  die  Flammen-Spitze,  so  durch- 
dringt die  ganze  Flamme  eine  intensiv  karminrothe  Färbung,  welche  nach 
Verdampfung  des  Wassers  wieder  verschwindet.  Kaustischer  Baryt  gibt 
der  Flamme  eine  gelbliche  Färbung.  Ghlor-Bürium,  salpetersaurer  und  be- 
sonders essigsaurer  Baryt  färben  die  ganze  Flamme  schön  zeisiggrün  u.  s.w. 


N.  J.  Berlin  :  Analyse  des  Sodaliths  von  der  Insel  Lamö  b  e  1 
Brewig  in  Norwegen  (Poggend.  Ann.  d.  Phys.  LXXVIII,  413).  Vor- 
kommen in  Nieren-  oder  Knollen-förmigeu  Massen  in  Elaeolith.  Gehalt  nach 
V.  BoRC  : 

Kieselsäure 38,86 

Thonerde 30,82 

Natron 22,03 

Kali 0,51 

Kalkerde 1.21 

Talkerde  . 0,44 

Zinn,  Mangan, Wolfram-  u. Molybdän-Säure  Spuren 

Chlor unbestimmt 

93,87. 


190 

Damour:  Zcrit'gung  eines  „Trapps"  von  der  Eski  fjor  dB  \i  cht 
an  der  Ost-Rüste  Inlands  (BuUet.  ge'ot.  b,  VII,  86).  Das  Gestein,  aus 
einer  Schlucht  entnommen,  wo  die  Lagerstätte  des  „Doppelspalhes"  zu 
finden,  ist  dicht,  scliwarz,  blättert  sich  nach  der  Art  gewisser  Schiefer 
ritzt  Glas  und  wirkt  auf  den  Magnet.  Eigenschwerc  =  -2,638.  Schmilzt 
vor  dem  Lölhrohr,  jedoch  nur  an  den  Kanten  und  ziemlich  schwierig.  Gibt, 
im  Kolben  erhitzt,  etwas  Was.ser  und  wird  durch  Chlor-Wasserstoffsäure 
theilweise  zersetzt  und  entfärbt,  mit  Hinterlassung  eines  grauen  Rück- 
standes.    Gehalt : 

Kieselerde 64,28 

Titansäurc 0,80 

Thonerde 12,25 

Eisen-Oxydul 11,43 

Kalkerde 3,19 

Talkerde 0,45 

N.itron 4,76 

Kali 1,27 

Wasser 1,09 

99,52 


E.  G.  Sqüire  und  E.  H.  Davis:  Verwendung  des  Silbers  in 
ältester  Zeit  (Ancienl  monumenls  of  Ihe  Mississippi  Valley.  Was- 
hington 1S47).  Silber  ist  selten  in  Grab -Hügeln  und  nur  in  Form 
von  Zierrathen,  als  Kügelchen  und  Knöpfe  an  Hals  -  Bändern  und  Ohr- 
Gehängen.  In  einem  Grab -Hügel  am  linken  Ufer  des  Miami-River  ent- 
deckte man  einen  kupfernen  Schild  mit  eingelegtem  Silber.  Mehre  Male 
wurden  auch  kupferne  Knöpfe  gefunden,  mit  dünn  geschlagenem  Silber 
belegt. 


C.  Blondeat:  natürliche  Quellen  von  Schwefelsäure  {Mo- 
niteur  industriel,  1849,  Nr.  1390).  Im  Kohlen  -  Gebirge  von  Aveyron, 
nahe  beim  Dorfe  Cransac ,  findet  sich  ein  Hügel,  als  „brennender  Berg" 
bezeichnet.  In  diesem  Hügel  entstehen  von  Zeit  zu  Zeit  Spalten,  aus  denen 
Wasser-  und  saure  Dämpfe  strömen,  und  an  deren  Rand  die  Hitze  uner- 
träglich ist.  Sandstein  und  Schiefer  zeigen  sich  stellenweise  auffallend 
umgewandelt.  Der  in  Folge  zersetzender  Wirkungen  nach  und  nach  unter- 
grabene Boden  sinkt  mehr  und  mehr  ein,  es  entstehen  umgekehrt  Kegel- 
förmige Schluchten,  aus  denen  Säulen  von  Dämpfen  mitunter  zu  bedeu- 
tender Höhe  emporsteigen.  An  solchen  Stellen  erscheint  der  Boden  mit 
Schwefel  und  Salmiak  beschlagen,  mit  Vitriol- Rinde  bekleidet.  Die  Ur- 
sachen dieser  Erscheinungen  sind  augenfällig.  Die  Temperatur-Erhöhung 
ist  zu  Zeiten  so  bedeutend,  dass  die  Kohlen  -  Schichten  an  der  Oberfläche 
in  Brand  gerathcn.  Die  Ausblühungeii  auf  dem  „brennenden  Berge"  wer- 
den weiss  befunden,  stark  sauer,  röthen  blaues  Lakmus-Papicr  und  ziehen 
Feuchtigkeit  aus  der  Luft  an.     Eine  Analyse  ergab  : 


200 

Kali-Alaun 24,25 

Schwefelsaure  Thonerde 53,51 

„              Bittererde 3,47 

Schwefelsaures  Mangan 1,35 

„               Eisen 10,29 

Freie  Schwefelsäure       7,33 


100,00 


Krug  von  Nidda:  Vorkommen  des  Horn-Bleierzes  und  des 
Wciss-Bleierzes  in  der  Krystall-Form  des  ersten  in  Ober- 
Schlesien  (Geol.  Zeitschrift  //,  126  ff.).  Auf  der  Galmei-Grube  Elisabeth 
erregten  cigenthiimliche  quadratische  Säulen  und  Pyramiden  eines  hellocker- 
und  stroh-gelben  erdigen  Minerals  Aufmerksamkeit,  welche  in  grosser  An- 
zahl in  einem  magern  mergeligen  Thon  zerstreut  lagen,  der  das  weisse 
Galmei- Lager  bedeckt.  Die  Schwere  des  Minerals  und  sein  Vorkommen 
im  sogenannten  „Dachletten",  der  sehr  häutig  VVeiss-Bleierz  und  Bleierde 
in  feinen  Schnüren  und  in  kleinen  unregelmässigen  Körnern  enthält,  er- 
weckte die  Vermuthung,  die  sich  bei  einer  einfachen  chemischen  Unter- 
suchung bestätigte,  dass  das  Mineral  kohlensaures  Bleioxyd  sey.  —  Es 
sind  Pseudomorphosen ;  denn  den  Flächen  fehlt  der  Glanz  des  Weiss-Blei- 
erzesj  die  Flächen  zeigen  sich  häufig  rauh  und  uneben;  der  Parallelismus 
derselben  und  der  Kanten  ist  oft  gestört:  im  Innern  vermisst  man  jede 
Spaltbarkeit  und  krystallinische  Struktur;  der  Bruch  wird  uneben  und  erdig 
gefunden  und  das  Mineral  vollkommen  undurchsichtig.  In  der  Mitte  eini- 
ger jener  Krystalle  erscheint  aber  ein  Kern  einer  durchscheinenden  Sub- 
stanz, rauchgrau,  hellglänzend,  die  aus  der  undurchsichtigen  hellocker- 
gelben und  erdigen  Hülle  deutlich  hervortritt.  Die  chemische  Untersuchung 
solcher  Krystalle  ergibt  einen  merklichen  Chlor-Gehalt.  Schon  dieser  Um- 
stand deutet  an,  dass  das  ursprüngliche  Mineral  Hörn  -  Bleierz  gewesen 
seyn  müsse,  dessen  Krystallisation  die  quadratische  war.  Der  Kern  ist  bei 
solchen  Krystallen  in  der  Umwandlung,  die  von  aussen  nach  innen  vorgc- 
schrittten,  offenbar  gegen  die  äussere  Rinde  zurückgeblieben.  Endlich  fand 
sich,  um  jeden  Zweifel  zu  beseitigen,  auf  derselben  Lagerstätte  Horn-Bleierz 
in  unverändertem  Zustande. 

Seitdem  die  Aufmerksamkeit  auf  das  Vorkommen  von  Pseudomorphosen 
der  Bleierze  in  Oberschlesien  gerichtet  ist,  hat  man  dieselben  noch  auf 
einigen  andern  Galmci-Gruben  ,  namentlich  auf  der  Secerin- Grube,  unter 
ganz  analogen  Verhältnissen  getroffen.  An  mehren  Orten  sind  Krystalle 
der  Art  so  häufig,  dass  der  Abbau  des  „Dachlettens",  worin  sie  vor- 
kommen, sich  lohnt. 

Das  reine  unveränderte  Hornblei  von  der  Elisabeth-Grube  hat  voll- 
kommen blätterige  Struktur  nach  drei  rechtwinkelig  auf  einander  stehenden 
Flächen-Richtungen;  zwei  dieser  Spaltungs-Flächen  entsprechen  den  Seiten- 
Flächen,  die  dritte  der  End-Fiäche  einer  quadratischen  Säule.  Bruch  musche- 
lig.    Härte  zwischen  Gyps  und  Kalkspath.  Farbe  rauchgrau,  stellenweise 


201 

ins  unrein  Weingelbe  sich  verlaufend.    Theils  Glas-,  thrils  Fett-glänzend; 
hell  durchsichtig.     Gehalt : 

Chlor-Blei 50,450 

Kohlensaures  Bleioxyd     .     .     .     49,440 

Silber 0,005 

99,895 

Die  Krystall -Gestalten  der  oft  sehr  zierlichen  Pseudomorphosen  be- 
stehen aus  quadratischen  Säulen,  aus  mehren  quadratischen  Oktaedern  mit 
verschiedenem  Verhältniss  der  Hauptaxe  zu  beiden  Grundaxen,  aus  Kom- 
bination der  Säule  und  der  verschiedenen  stumpfen  und  spitzen  Oktaeder, 
und  aus  Kombination  der  ersten  und  zweiten  quadratischen  Säule,  woraus 
achttlärhif^e  Säulen  entstehen  ;  auch  kommen  Zuschiirfungen  der  Seiten- 
Kanten  der  ersten  quadratischen  Säule  vor.  —  Die  Krystalle,  in  der  Grösse 
wechselnd  von  kleinen  spitzen  Nadeln  und  kurzen  Säulchen  bis  zur  Länge 
von  3"  und  einer  Stärke  von  ^^4" ,  erscheinen  häufig  nach  allen  Seiten 
vollkommen  ausgebildet  und  liegen  meist  unregelmässig,  zuweilen  auch 
Stern-fÖrmig  gruppirt  in  Leiten.  Ferner  findet  man  nicht  selten  zwei  oder 
mehre  Individuen  unter  spitzen  und  stumpfen  Winkeln  sich  durchkreutzend. 
Der  Parallcli>mus  der  Flächen  und  Linien  an  den  „After-Krystallen",  na- 
mentlich an  grossem,  erscheint  häufig  gestört,  und  der  Querschnitt  der 
Säulen  und  Pyramiden  bildet  oft  ein  Trapezoid,  wo  ein  stumpfer  und  ein 
scharfer  Winkel  einander  gegenüberstehen,  während  beide  anderen  Winkel 
einander  gleich  und  rechte  oder  ebenfalls  verschoben  sind.  Häufig  zeigen 
sich  die  Fläclien  gewunden  und  windflügelig.  Diese  Hegellosigkeiten  der 
Formen  sind  nicht  ursprünglich  :  sie  sciieinen  während  der  Veränderung  der 
ihemischen  Zusammensetzung  des  Minerals,  vielleicht  durch  ungleichen 
Druck  des  einschliessenden  Thones  und  durch  eine  Beweglichkeit  der 
Atome  während  der  Metan)orphose  entstanden  zu  seyn.  Je  kleiner  die 
Krystalle,  um  desto  besser  ist  der  Parallelismus  erhalten.  Die  End-Flächen 
der  Säulen  zeigen  hin  und  wieder  ähnliche  Trichter-förmige  Vertiefungen, 
wie  solche  so  häufig  bei  Kochsalz-Krystallen  voi kommen. 

Auf  der  Seuerm-Galmeigrube  ist  der  umgebende  Thon  verkieselt,  eine 
sehr  harte  Hornsteiu-artige  Masse,  worin  die  pseudomorphischen  Bleierdc- 
Krystalle  legellos,  theils  auch  Stern- förmig  gruppirt  liegen.  Hier  zeigt 
sich  oft  auch  eine  zweite  Metamorphose  des  Hörn- Bleierzes  und  zwar  in 
Bleiglanz.  Ein  Korn  dieses  Erzes  bildet  zuweilen  den  Mittelpunkt  der 
Stern-förmigen  Gruppirung,  oder  Bleiglanz  -  Blättchen  schieben  sich  auf 
der  Grenze  zwischen  den  Bleierde -Krystallen  und  den  Hornstein  -  Massen 
ein,  oder  der  Bieiglanz  dringt  auch  tiefer  in  die  Bleierde-Krystalle.  Hier 
ist  der  Bleiglanz  nicht  die  ursprüngliche  Bildung;  er  ist  ohne  Zweifel 
durch  Umwandlung  entweder  des  ursprünglichen  Horn-Bleierzes,  vielleicht 
auch  der  sekundären  Bleierde  entstanden,  ein  Schlüssel  zur  Erklärung 
drr  Bildungs-Weise  manches  BIciglanz-Vorkommens. 

Der  Umwandlungs  -  Prozess  des  Horn-Bleierzes  in  Weiss-Bleierz  ist 
leicht  zu  erklären,  wenn  man  annimmt,  dass  ein  kohlensauies  Salz,  z.  B. 
die  viel  verbreitete,  in  jedem  Quellwasser  vorhandene  kohlensaure  Kalkerde 


..c^^ 


»02 

in  wässeriger  Lösung-  zum  Horn-Bleierz  tritt.   Der  gegenseitige  Austausch- 
Prozess  wäre  folgender: 

Horn-Bleierz 

Chlor-     (    Chlor       +  Blei  |    -(-  kohlensaures  Bleioxyd    1 

=  ßleioxyd       i  t    kohlen- 

Calcium   (   Calcium  -|-  Sauerstoff    )  \  >      saures 

~~ ,,  7r^  ,     '"    —  '    I    »r  I  I       ••       I  %    Bleioxyd 

Kalkerde  -\-  Kohlensaure  ?  %  ^ 

kohlensaure  Kalkerde. 
Aus  Horn-Bleierz   und   kohlensaurer  Kalkerde    bildete   sich  Chlor-Cal- 
cium,    das    in    wässeriger    Lösung    fortgeführt    würde,    und   kohlensaures 
Bleioxyd,  welches  in  den  Gestalten  des  Horn-Bleierzes  zurückblieb. 


G.  C.  Wittstein  :  chemische  Untersuchung  des  Steinmarkes 
von  Munden  (Buchn.  Repert.  für  Pharmazie,  c,  V,  317  ff).  In  der  Nähe 
von  Münden  im  Hannoverischen  befinden  sich  zwei  Sandstein  -  Bruche, 
einer  unweit  des  Dorfes  Volkmarshausen,  der  andere  über  dem  waldigen 
Ufer  der  Werra.  In  beiden  Brüchen  kommt  zwischen  den  Klüften  der 
gewaltigen  Sandsfein  •  Massen  ziemlich  reichlich  Steinmark  vor  als  grau- 
lichweisse,  weiche,  plastische  Masse.  Getrocknet,  im  festen  Zustande, 
zeigt  sich  das  Mineral  weiss  wie  Kreide,  fühlt  sich  milde  und  fettig 
und  hängt  der  feuchten  Lippe  an.  Eigenschwere  im  gepulverten  Zustande 
=  2,722.  Vor  dem  Löthrohr  in  der  Platin-Zange  unschmelzbar,  wird 
bedeutend  fester  und  zerfällt  nicht   mehr   im  Wasser  wie  früher.     Gehalt: 

Kieselerde    ....     61,20 

Thonerde      ....     20,00 

Eisenoxyd     ....        7,80 

Kalkerde      ....        1,80 

Talkcide       ....       0,24 

Kali 2,02 

Schwefelsäure .     .     .       0,41 

Wasser 6,30 

99,77 
Formel  :    2  [(AU  O3,  Fe^  O3)  +  3  Si  O3)]  +  3  HO, 
d.  h.   gewässerte    neutrale    kieselsaure   Thonerde,    worin    ein    Antheil    der 
Thonerde  durch  Eisenoxyd  vertreten  ist.    —  Höchst  wahrscheinlich  ist  das 
Steinmark  durch  Zersetzung  des  Kali-Feldspaths  entstanden. 


Mineral- Reich  Süd-Australiens.  Eine  Anzahl  Kolonisten  hat  sich 
vereinigt,  um  unter  der  Firma  „Adelaide  mineraloglcal  Society  and  Mining 
Company"  das  Mineralreich  Süd- Australiens  zu  untersuchen.  Schon  die 
ersten,  auf  dem  durch  die  Gesellschaft  vorläufig  ciworbenen  Gebiete  von 
dreizehnhundert   Acker   bei  Ittount  Craford    angestellten  Arbeiten  lieferten 


203 

grossartige  Resultate.  Zwanzig  eiöfFnele  Gruben  brachten  einen  Reich- 
tliuni  von  Edelsteinen  und  von  <-indei  n  zum  Schleifen  geeigneten  Mineralien: 
Beryll,  Smaragd,  Topase,  Opale  aller  Farben,  Granaten,  ßergkrystaile, 
schwarzen  ,  brauneu  ,  blauen  und  rothen  Turmalin  ,  Karneole  ,  viele 
Abänderungen  von  Jaspis,  Clialccdon,  Achat,  Epidot,  Euklas,  Jansenit 
(eine  neu  cnideckle,  blau  schillernde  Steinart),  Smirgel  u.  s.  w.  Die  Lei- 
tung ist  dem  bekannten  Johann  Menge  iibertiagen  (Öffentliche  Blätter). 


L.  A.  Büchner  jun.  :  chemische  Untersuchung  der  Edel- 
soole  von  Htichenhntl  in  Ober-Üayern  (A.  Bichn.  Repcrt.  f.  Pharmacie, 
c,  F/j  30  ff.).  Eine  Menge  von  Salz-Quellen  entspringen  unfern  Reichen- 
halt ;  die  reichste,  zugleich  die  beständigste,  wird  als  Edelsoole  und 
Edel  quelle  bezeichnet.  Sic  tritt,  und  zwar  in  einer  Menge  von  2,5 
Kubikfuss  während  einer  Minute,  aus  grobkörnigem  Konglomerat  hervor 
und  sammelt  sich,  siebenundvierzig  Fuss  unter  Tag,  in  einem  aus  Dolomit 
bestehenden  Becken,  wo  ihre  Temperatur,  nach  den  zu  verschiedenen  Zeiten 
und  bei  verschiedener  Luft-Wärme  durch  Mach  in  Reichenball  angestellten 
Beobachtungen,  zwischen  11  und  13"  Reaumur  wechselt.  Der  Edel- 
Quelle  folgen  an  Gehalt;  Die  Kart -Theodor- Quelle,  die  Mitterkelle  und 
der  Platlenfluss.    In  1000  Theilcn  der  Edelsoole   wurden   gefunden: 

Tlieile 

Chlor-Natrium 224,363 

„     -Ammonium 0,0'25 

„     -Magnesium 1,802 

Brom-Magnesium 0,030 

Schwefelsaures  Natron     ....         2,000 

„  Kali 0,612 

Schwefelsaurer  Kalk 4,165 

Kohlensaurer  Kalk  ....  .         0,010 

Kohlensaure  Magnesia      ....         Spur 
Eisenoxyd 


0,008 

Thonerde 

Kieselerde 0,011 

Organische  Substanz Spur 

233,026 

Dazu  noch  freie  Kohlensäure  in  geringer,  nicht  näher  bestimmter  Menge, 


Hermann:  über  die  natürlichen  Talke rde-Silikate  (Ehdm. 
u.  March.  Journ.  XLVI,  236).  Diese  Veibindungcn  sind  besonders  in 
slöchiometrischer  Hinsicht  interess.int.  Sie  bilden  nämlich  die  entwickelteste 
Reihe  von  Silikaten  und  lehren  desshalb  am  besten  die  Proportionen  kennen, 
in  welchen  sich  die  Kieselerde  mit  einatomigen  Basen,  und  diese  Silikate 
mit  Wasser  verbinden  können.  Die  bisher  bekannten  natürlichen  Talk- 
Silikate  sind  folgende : 


204 

1.  Chrysolith  =  R'  Si; 

2.  Villarsit  =  'ift»  Si  +  ft; 

3.  Marmolith  =  A*  S"i»  +  4H ; 

a.  derber; 

b.  blätteriger; 

4.  Serpentin  =  R^  Si»  +  2H; 

a.  kryslallisirter  (Schillerspafh?); 

b.  schief i'iger; 

c.  derber; 

d.  asbestarti^er ; 

aa.  Chrysolitli; 

bb.  Amianth ; 

cc.  Asbest  (zum  Theil); 

dd.  Mefaxit  (Kühn); 

5.  Deweylith  =  R»  Si'  +  30  ; 
Hydrophit  (Svanberg)  ; 

6.  Gymnit  =  K*  Si^  +  eAj 

7.  Monradit  =  4A   Si  +  Ö; 

8.  PJkrosmin  =  2^1   Si  +  ft> 

9.  Pikrophyll  =  3R  Si  +  2H; 
(Aphrodit); 

10.  Korolith  (K^jn^)  =  2R  Si  +  3Ö; 

11.  Deraiantin  =  R   Si  +  2Ö; 

12.  Nephrit  (Schafhäutl)  =  .^  1   Si' 

13.  Talk  =  R"  Si^; 

14.  Speckstein  =  R*  S>; 

15.  Hydrosteatit  =i  A*  Si«  +  2H ; 

16.  Spadait  =  A*  Si"  +  40; 

17.  Hampshiiit  =  R*  Si"  +  6H  ; 

18.  Meerschaum  =  A.»  Si'  +  4Ö. 


ÜLKx :  Brongniartin  oder  Glaube  rit  aus  dem  südlichen 
Peru  (WoEHL.  u.  Lire.  Annal.  LXX,  51  ff.).  Findet  sich  in  Krystallen 
eingebettet  in  knolligen  Massen  einer  „Tiza"  genannten  Substanz,  welche 
der  Verf.  als  borsaure  Verbindung  erkannte.  Nach  Fp.aiskenheim  weichen 
die  Krystalle,  deren  Grösse  l  — l'/oZoll  beträgt,  von  jenen  des  früher  be- 
kannten Brongniartins  in  den  Winkeln  ab ,  jedoch  nur  um  Minuten ; 
auch  ist  die  Ausbildung  etwas  verschieden.  Bald  zeigen  sich  jene 
Krystalle  unversehrt  und  wasserhell,  bald  weiss  und  aufgeblättert,  ihre 
Zwischenräume  mit  der  oben  erwähnten  Substanz  erfüllt.  Eigenschwere 
=  2,64.  Spröde;  Härte  =  2,5  —  3,0.  Das  Verhalten  im  Kolben  und  vor 
dem  Löthrobr  wie  bei  dem  Spam.vcAc/i  Brongniarti«.    Eine  Analyse  ergab: 


205 

Kalk 19,6 

Natron 21,9 

Schwefelsäure  ....     55,0 

Borsäure 3,5 

100,00 
Formel:  IS'a  S  +  Ca  S. 

Der  Borax  -  Gehalt    rührt    ohne  Zweifel    von    einer    Beimengung^   des 
Minerals  her,  in  welches  die  Brongniartin-Krystalie  eingebettet  sind. 


B.      Geologie  und  Geognosie. 

H.  Abich:  Höh  en-Best  i  mm  u  ngen  in  Dagestan  und  in  einigen 
transkaukasischen  Provinzen  (PoGGEnfD.  Ann.  d.  Phys.  LXXVl,  149  ff.). 
Dagestan  wird  in  SW.  wie  durch  eine  unerstcigliche  Mauer  vom  Haupt- 
kamm des  Kaukasus  begrenzt,  der  hier  kaum  irgendwo  einen  Übergang 
unter  10,OöO  F.  Meereshöhe  gestattet.  In  W.  trennt  sich  davon  das  hohe 
Andische  Gebirge,  in  0.  gegen  Derbenl  und  den  Kaspi-See  hin  die  nicht 
weniger  erhabene  Anuich'sche  Wasserscheide.  Beide  Gebirgs-Reihen  ver- 
binden sich  nordwäits  in  einem  Bogen  und  lassen  nur  noch  eine  zwölf 
Fuss  breite  Kluft  frei,  durch  welche  der  Soulack  alle  Wasser  der  Um- 
gegend dem  liaspisdien  Meere  zuführt.  Die  östliche  oder  AnuicWsche  Kette 
besteht  ganz  aus  den  untern  Schichten  der  Kreide  -  Formation,  dem  in 
Süd-Europa  so  sehr  entwickelten  Ncocomien  (Hils-Thon  in  Nord- Deutschland, 
Lower  Greensand  der  Engländer)  und  zwar  vom  Auslauf  des  Soulack,  499 
Par.  F.  hoch,  bis  naiiean  9000  F.  Höhe  auf  dem  Tschounoum.  Das  Andes- 
Gebirge  dagegen  und  ein  grosser  Theil  des  Innern  von  Dagestan  ist  aus 
Thonschicfer  zusammengesetzt.  Kryslallinischc  Gesteine  sah  man  in  keiner 
jeuer  Ketten,  am  wenigsten  Granit,  der  überhaupt  in  der  Kaukasus-Keihe 
selten  erscheint. 

I.  Höhen  auf  der  Kette  der  AnuicKschen  Wasser  -  Scheide,  vom  er- 
habensten Passe  am  Arachundag  abwärts  gegen  NW.  bis  zur  Soulack- 
Enge  iu  Pariser  Füssen. 

1.  Hauptpass  von  Schirag  nach  Chosreek  unterhalb  Kockmadag. 
Schiefer.     Streichen  h.  'l^/^  —  Z 8166'. 

2.  T) er  Tschan koundag,  Kalk-Plateau,  22  Werst  weiter  gegen  NW.       9018'. 

3.  Der  Pass  unterhalb  Tschounou ,  zwischen  Tandidorf  und 
Courgha.     Sandstein.     Streichen  h.  3V4 6666'. 

4.  Rand  des  Erhebungs- Thaies  oder  Kraters  von  Charickaila, 
Kalk-Plateau 7665'. 

5.  Pass  unterhalb  Charickailfi,  zwischen  dem  Gebiete  von  Akou- 
scha  und  dem  Thale  Gergela  chaddi  jenseits  der  Wasser- 
Scheide.  Thonig-kalkige  Mergel-Geoden  mit  vielen  Verstei- 
nerungen        5447'. 


206 

6.  Pass-Höhe  des  niedrigen  Kreide- Zuges  bei  Utlu-aja.  Nied- 
rigste Stelle  des  Wasser-Tlieilers 4847'. 

7.  Höhe  des  Jukitau,  des  äussersten  nordwestlichen  Theiies  der 
Anuich'schen  Wasser  -  Scheide.  Kreide  mit  Galeriten  und 
Spatangcn,  h.  3.  Bei  der  Festung  Gschtrarsi  h.  1,  bei  Te- 
mirchanshura  h.  872 5905'. 

II.  Höhen  im  Innern    des  Dagestanisvhen  Ring-Gebirges  und  auf  den 
äussersten  Abhängen  desselben. 

1.  Stadt  und  Festung  Kurmick 4758'. 

2.  Grosser  Ort  Chosreck  höher  hinauf  im  Koysu-Thale      .     .     .  6534'. 

3.  Obrer  Theil  von  Akouscha 4399'. 

4.  Dorf  Ulluaja 4833'. 

5.  Höhe  des  Tourtschidag 7497'. 

6.  Höhe  des  Tschounoum 9018'. 

7.  Pass-Höhe  von  Kttmusch  nach  Akouscha 7183'. 

8.  Zweiter  Pass  über  den  Kohlen-Sandstein 6642'. 

9.  Engpass  im  dritten  Querzuge  bei  Choppa 5140^. 

10.  Jenseits  der  Wasser  -  Scheide ,    auf   dem  Woge    nach  Chura, 

Dorf  Uitira 3740'. 

11.  Grosse  Ebene:  Boden   eines  Thaies  Pakas;   Dirkan      .     .     .  3685'. 

12.  Dorf  Agit  am  Abhänge  der  Wasser-Scheide  Gergebit    .     .     .  4505'. 

13.  Erster  Pass  des  Hawjidara :  Kreide 4920'. 

14.  Zweite  Stufe  des  grossen  Erhebungs-Ringes 4667'. 

15.  Thal-Boden  des   Hateji        3867'. 

16.  Dorf  Dfangoului 2067'. 

17.  Sandstein-Hügel  Karaun  Täppä 2470'. 

18.  Stadt  Temir  Schan  Schura 1502'. 

19.  Festung  Tscherkai  am  Sotilack 756'. 

20.  Höhe  des  Gudum  baschi  Kammes 3157'. 

III.  Höhen  am  SchagdagSystem. 

1.  Gipfel  des  Schagdag  (Schachdug?) 1309l'_ 

2.  Kaukasus-Vass  nach  Kuskaschin 10464'. 

3.  Das  höchste  Doif,  Kurusch 7920'. 

4.  Dorf  Kinalughi 6690'. 

5.  Die  ewigen  Feuer 7834'. 

6.  Pass-Höhe  zwischen  Kurusch  und  Schagdysa-Thal  ....  9768'. 

7.  Pass-Höhe  zwischen  Kinalughi  und  Schagdysa-Thal      .     .     .  9036'. 

8.  Höhe  der  Tertiär-Schichten  am  Schagdag 6906'. 

9.  Höhe  der  Stadt  Cuba 1874'. 

10.  Höhe  von  Kurach 4396'. 

11.  Höhe  der  Festung  Schirach 7051'. 

Der  Schagdag,    höher    als    der    Pic  von  Teneriffa,    liegt    im  SW.  der 

Stadt  Cuba,  im  S.  von  Derbent  und  vom  S«mur-Fluss,  und  scheint  bei 
Weitem  der  erhabenste  Berg  vom  ganzen  östlichen  Theile  des  Kaukasus ; 
dennoch  gehört  er  nicht   zum  Haupt- Kamm   dieses  Gebirges,    sondern  zu 


207 

einer  im  N.  vorliegenden  Neben-Kelte.  Es  ist  dieselbe  Kette  von  untern 
Kreide-Schichten,  welche  Abich  in  Dagestan  durch  die  Anuich'sche  Wasser- 
Sihcide  so  genau  verfolgte.  Er  fand  auf  dem  Gipfel  des  Schngdag  Ostrca 
di  I  u  viana  und  O.  an  g  u  losa  in  weissem  feinkörnigem  Dolomit,  und  in  tiefern 
Schichten  T  e  r  e  b  r  a  t  u  I ;»  n  ii  c  i  f  o  r  m  i  s  und  T.  b  i  p  1  i  c  a  t  a  a  n  g  u  s  t  a,  beide 
so  ausgezeichnet  für  denNeocomien.  Im  W.  vom  Schagdag,  nicht  weit  entfernt, 
liegt  der  Tschalbuz-dag,  nur  wenig  niedriger.  Hier  sah  A.  eine  ganze  Neri- 
necn-Schicht  in  rolhem  Kalkstein,  der  völlig  gleich  wie  hier  am  Unters- 
berge bei  Salzburg  getroffen  wird.  Noch  bestimmter  als  gegen  NW.  zieht 
sich  diese  Kalk  -  Kette  vom  Tschalbu%dag  weg  über  den  Schagdag,  wohl 
30  Werst  gegen  SW.  herunter  bis  nahe  zum  Kaspisdien  Meere.  Wie 
in  Dagestan  wendet  der  Schagdag  seine  mächtigen  Steil-Abstürze  dem  Schie- 
fer-Gebirge des  Kauhasus  zu;  die  Aullagerung  des  Kalksteines  auf  dem 
Schiefer  ist  deutlich  zu  sehen.  Neu  ist  hier  die  Entdeckung  bedeutender 
Tertiär-Schichten  am  Nord-Abhange  des  Schagdag  in  einer  Höhe  von  6738 
Par,  Fuss  über  dem  Meere.  Diese  Schichten  sind  aus  ganz  unveränderten 
Schalen  einer  Mactra  zusammengesetzt,  die  eben  so  bei  Tarki  vorkommen, 
in  geringer  Hohe  über  dem  Meere,  und  deren  Ahnlichen  noch  im  Kaspischen 
Meere  leben.  So  neu  ist  die  Erhebung  des  Schagdag.  Zwischen  diesem 
Berge  und  dem  Haupt-Kamm  zieht  sich  ein  Längen-Thal  hin,  in  welchem 
das  Dorf  Kinalughi  liegt,  6690  F.  hoch.  Unweit  davon,  in  einem  Quer- 
Thale,  befinden  .«iich  die  bedeutenden  Quellen  desselben  Kohlen-Wasserstoff- 
Gases,  wie  bei  Baku,  7834  F.  hoch,  welche  das  so  wenig  bekannte  ewige 
Feuer  des  Schagdag  unterhalten.  Das  Gas  tritt  hier  unmittelbar  aus 
Klüften  des  mit  Schiefern  wechselnde»  Sandsteines,  aus  einer  antiklinalen 
Spalte.  Dicht  neben  den  Feuern,  die  nie  durch  meteorische  Ereignisse 
erstickt  werden,  sah  A.  ein  üppiges  Gersten-Feld,  vielleicht  den  höchsten 
Frucht-Bau  auf  dem  südöstlichen  Theile  des  nördlichen  Kaukasus-Gehänges. 
Sehr  bcmerkenswerth  ist,  dass  eine  Linie  von  den  ewigen  Feuern  gegen 
SO.  in  60  Werst  Entfernung  die  heissen  Quellen  von  Kunakent  (SQjS"  R.) 
trifft  und  in  175  Werst  die  unerschöpflichen  Naphtha -Ausströmungen  von 
Apsckeron  ,  so  « ie  die  Gas-Quelle  des  ewigen  Feuers  von  Cyragani,  Im 
NW.  von  Tschaibus  liegen  auf  derselben  thermischen  Linie  die  40**  R. 
heissen  Quellen  von  Akli.  —  Innerhalb  des  weiten  Gebietes,  welches  der 
Gesichts-Kreis  vom  Schagdag  umfasst,  fand  der  Vf.  an  keiner  Stelle  ein 
krystallinisches  Gestein  anstehen;  Porphyr-  und  „Grünstein -"  Gerolle 
kommen  hin  und  wieder  im  Fluss-Bette  des  Soiilack  vor.  —  Die  Naphtha- 
Quellen  von  Apschcron  bei  Baku  treten  aus  einem  Sand-Schiefer,  jenem 
ganz  gleich,  der  unter  dem  Schagdag  sich  fortzieht.  Der  Recipient  der 
Naphtha  liegt  daher  in  sehr  alten  Formationen.  Dass  diese  Quellen  ther- 
mische sind,  beweiset  ihre  Temperatur;  die  natürliche  Boden-Waime  der 
Halb-Insel  ist  l'i°,6  R. ;  braune  Naphtha  aus  60—90  Fuss  tiefen  Brunnen 
hat   13**,6  R. 

IV.    Höhen  in  Ghilan,  Persien.  Pnr.  Fuss. 

1.  Höherer  Pass  auf  dem  Wege  von  Lenkoran  nach  Ardebil     .       6G49'. 

2.  Zweiler  Pass  über  die  Karassou-Ehene- 6403'. 


208 

3.  Dorf  Mistan  auf  dem  Grunde   des  Erhebung«  •  Thaies  zwi- 
schen beiden  Pässen 5399'. 

4.  Dorf  Achmas ,  am  Ufer  des  Karassou  auf  der  ^rrfe6i7-Hoch- 

ebenc 4011'« 

5.  Stadt  Ardebil 4235'. 

6.  Höchste  Stelle  am  Gehänge  des  Sabalan,  von  Abich  erreicht. 
Ataschgar.     Weg  nach  Tabris 5551'. 

7.  Auf  dem  Rande  des  Rund-Thales  von  Astaru,  Pass  des  We- 
ges von  Ardebil  zum  Meere 5115'. 

Beim  Dorfe  Sarein,  am  SO. -Abhänge  des  Sabalan,  in  5051  F.  Höhe, 
verräth  das  Phänomen  der  hrissen  Quellen  vorzugsvpeise  die  Nähe  der 
Vulkanität.  Sie  treten  am  ganzen  Umkreise  des  Sabalan  (über  Ardebil)  mit 
einer  Intensität  hervor,  wie  A.  Solches  in  Trans -Kaukasien  nirgends  sah. 
Die  Temperatur  der  Quellen  von  Sarein  ist  zwischen  37"  und  35"  R.  Ganze 
Bäche  heissen  Wassers  entslrömen  dem  Boden  und  den  Abhängen  eines 
flachen  in  Trachyt-Koiiglomerat  eingesenkten  Thaies.  Sie  vereinigen  sich 
zu  einem  kleinen  Flusse,  der  zahlreiche  iMühlen  treibt  und  nach  '2  Werst 
Entfernung  noch  eine  Wärme  von  25"  R.  besitzt.  Das  Wasser  wurde  unter 
heftiger  Entwickelung  von  kohlensaurem  und  von  Stick-Gas  emporgetrie- 
ben. In  einem  der  Teiche  sah  A.  die  wohl  bis  zu  einem  Viertel -Fuss 
aufbrausenden  Gas  -  Entwicklungen  mehre  Male  die  Hälfte  der  Teich- 
Oberfläche  von  75  F.  Länge  und  65  F.  Breite  einnehmen.  Wichtig  ist 
der  Zusammenhang  zwischen  diesen  Quellen  und  den  Erdbeben,  welche 
in  wirklich  periodischer  Wiederkehr  das  ArdebiPsche  Hochland  heimsuchen. 
Im  Oktober  1848  zwang  ein  undulatorisches  ,  eine  ganze  Stunde  lang  an- 
haltendes Erdbeben  alle  Bewohner  von  Ardebil,  die  Stadt  zu  verlassen. 
Die  Wärme  der  Quellen  stieg  dabei  so  bedeutend,  dass  der  Eintritt 
in  die  Becken  völlig  gehindert  war.  Diese  Erhöhung  der  Quellen-Tempe- 
ratur  dauerte  einen  Monat,  bis  allmählich  der  ursprüngliche  Zustand  sieh 
wiederherstellte.  Von  Sarein  zählt  man,  aufwärts  gegen  NW.,  längs  dem 
Fuss  des  Sabalans  —  eines  Berges,  der  sich  mit  den  ausdrucksvollsten  Formen 
eines  Erhebungs-Kraters,  dem  Ararat  gleich,  aus  der  Ardebil^schen  Hoch- 
Ebene  erhebt  —  auf  einer  Erstreckung  von  etwa  50  Werst  noch  fünf 
Quellen,  welche  denen  von  Sarein  kaum  etwas  nachgeben. 


A COSTA:  über  den  Vulkan  von  Zamba  (Vlnstit.  1849,  Nr.  828, 
p.  362).  Das  Kap  von  Galera -de- Zaniba  erstreckte  sich  vormals  in  das 
Meer  hinaus  ohne  Unterbrechung  bis  zur  Insel  Enea,  in  welcher  dasselbe 
endigte.  Von  der  Küste  konnte  man  3 — 4  Stunden  weit  vordringen  und 
sah  nun  einen  nackten  konischen  Hügel,  einen  wahren  Vulkan  in  einen 
Krater  ausgehend,  dem  Gase  entströmten  mit  solcher  Heftigkeit,  dass  Holz- 
Stücke  und  Bretter,  welche  man  liineinwarf,  hoch  aufwärts  geschleudert 
wurden.  Von  Zeit  zu  Zeit  stiess  der  Vulkan  auch  Rauch  aus.  Vor  unge- 
fähr zehn  Jahren,  nach  einer  Eruption,  welche  Flammen  wahrnehmen  Hess, 


209 

scnk(e  sich  der  Boden  nach  und  nach,  und  die  Halb -Insel  Galera-de- 
Zamba  wurde  zu  einem  Eilande.  Nun  vermochten  Fahrzeuge  von  la  Ma- 
dalena  auszulaufen  und  Carthagena  zu  erreichen  durch  die  Öffnung,  welche 
in  Folge  des  Verschwindens  des  Vulkans  entstanden  war,  und  in  der  das 
Senkblei  eine  Meeres-Tiefe  von  8 — 10  Metern  angab.  So  verhielt  sich  der 
Stand  der  Dinge  im  Anfang  des  Oktober- Monates  1848,  als  man  Sonn- 
abend den  7.  Oktober,  gegen  2  Uhr  Nachmittags,  ein  Getöse  vernahm, 
das  sehr  schnell  stärker  und  stärker  wurde,  und  mit  einem  Maie  erhob 
sich  aus  dem  Meere  an  der  Stelle  des  alten  Vulkans  eine  Feuer-Garbe, 
die,  einem  gewaltigen  Brande  gleich,  beinahe  die  ganze  Provinz  Cartha- 
gena und  einen  Theil  jener  von  Santa  Martha  erleuchtete.  Von  Aschen- 
Regen  wurde  während  dieses  Ausbruches,  der  jedoch  mit  allmählich  ab- 
nehmender Heftigkeit  mehre  Tage  anhielt ,  nichts  wahrgenommen.  Auch 
verspürte  man  keine  Boden-Hebung.  Auf  den  nachbarlichen  Küsten  offen- 
barte sich  die  vulkanische  Thätigkeit  nur  durch  zahlreiche  Luft-Löcher,  die 
stets  Ströme  von  Gas  ausstossen,  gleich  jenen  von  Turbaco,  welche  Hcm- 
Bor.DT  schilderte.  Alle  diese  kleinen  Kegel  —  man  zählt  deren  um  den 
untermeerischen  Vulkan  von  Zamba  über  50  auf  einem  Landstrich  von  10 
Stunden  —  sind  Kratere  von  mit  Salz  bcladenem  Thon  gebildet  und  erfüllt 
mit  Wasser,  dessen  Temperatur  die  gewöhnliche;  aus  dem  Wasser  bricht 
das  Gas  hervor.  —  Einige  Tage  nach  der  Eruption  bemerkte  man,  genau 
an  der  Stelle  des  alten  Vulkans ,  eine  mit  Sand  bedeckte  Insel.  Niemand 
wagte  dem  unheimlichen  Eilande  zu  nahen ,  und  einige  Wochen  später 
senkte  sich  dasselbe  wieder. 


Ausbruch  des  Vestw^s  im  Jahre  1850.  Den  5.  Februar  Abends, 
nach  anderthalbjähriger  vollkommener  Ruhe,  entstiegen  dem  Krater  Rauch 
und  Flammen ,  die  sich  zu  grosser  Höhe  erhoben.  Zugleich  fanden  bei 
fortwährendem  Brausen  häufige  Entladungen  statt.  Den  6.  ergoss  sich 
ein  Lava-Strom  über  die  östliche  Seite  des  Berges,  und  in  der  folgenden 
Nitcht  verspürten  alle  Einwohner  der  umliegenden  Ortschaften,  wie  auch 
des  Quartiers  Sla.  Lucia  in  Neapel  den  9.  heftige  Erdstösse.  Ein  neuer 
Krater  öffnete  sich  und  spie  einen  wilden  und  feurigen  Lava- Strom  nach 
Ottajano,  der  langsam  durch  die  Ebene  fliessend  Alles  auf  seinem  Wege 
verwüstete.  Der  Feuer-Strom  war  ungefähr  6  Meilen  lang  und  nicht  we- 
niger als  20'  hoch.  Glücklicher  Weise  ist  er  in  eine  weniger  bevölkerte 
Gegend  gedrungen;  dennoch  beklagt  man  den  Verlust  von  54  Landhäusern, 
der  Villa  Carsimona  und  der  Kirche  San  Feiice.  Die  Geschwindigkeit  des 
Flusses  in  der  Ebene  ist  per  Stunde  auf  360  neapolitanische  Palmen  be- 
rechnet. Das  verwüstete  Land,  meistens  dem  Fürsten  von  Ottajano  gehö- 
rend, umfasst  40  Jucharten  von  Pinien,  Weinbergen  und  Saatland  und  wird 
in  Geld-Wcrth  auf  45,000  Francs  angeschlagen.  In  den  angrenzenden 
Dörfern  fand  ein  allgemeines  Flüchten  statt;  es  war  ein  Anblick  zum  Er- 
barmen, wie  der  Lava-Fluss  unter  dem  allgemeinen  Gejammer  das  herrliche 
Jahrgang  1851.  14 


210 

Land  wegfrass,  das  nun  aus  einem  blühenden  Frucht-Boden  plötzlich  zur 
lOOjährigen  Wüste  geworden  ist.  Die  Landleute  konnten  den  Gedanken 
nicht  fassen,  ohne  zu  weinen.  Ein  Bauer,  der  die  Gluth  auf  sein  Haus 
sich  herwäizen  sah.  konnte  kaum  aus  der  Thiire  herausgebracht  werden. 
Die  Kirche  San  Feiice  war  voll  Betender,  als  die  Lava  heranrückte;  in 
Eile  musste  Alles  fliehen,  und  umsonst  bot  der  Pfarrer  10  Piaster  dem 
Muthigen,  der  die  Gloken  zu  retten  suchte:  Kirche,  Thurm  und  Glocken 
waren  in  wenigen  Minuten  gebrochen  und  begraben.  Da  mehre  Neu- 
gierige von  fallenden  Steinen  verwundet,  ein  amerikanischer  Marine- 
Oflicier  getödtet  und  einem  jungen  Deutschen  beide  Beine  weggeschlagen 
wurden,  so  hat  die  Regierung  Wachen  zur  Abhaltung  von  Unvorsichtigen 
aufgestellt. 

Es  soll  diese  Eruption  heftiger  gewesen  seyn,  als  jene  von  1S39, 
1834  und  selbst  stärker  wie  die  von  1822.  Der  kleine  Kegel  ist  gänz- 
lich verschwunden  und  der  grosse  in  zwei  Hälften  gespalten  (Zeitungs- 
Nachrichl). 


H.  VON  Dechkn:  die  Bildung  der  Gänge  (Verhandl.  d.  naturhist. 
Vereins  der  Preuss.  Rheinlande.  VII,  161  flP.).  Es  gibt  kaum  einen  Gegen- 
stand in  der  Geognosie,  welcher  in  gleichem  Maasse  das  Interesse  der 
Wissenschaft  und  der  Praxis  in  Anspruch  nimmt,  als  die  Erz-Gänge. 
Sic  liefern  einen  grossen  Thcil  der  verschiedenartigsten  Metalle,  welche 
wir  benutzen  ,  unmittelbar  oder  miltelbar  in  den  Metall-führenden  Anhäu- 
fungen von  Bruchstücken  (Zinnerz,  Gold,  Platin).  Wissenschaftlich  ist 
von  besonderer  Bedeutung;  das  eigenthüailiche  Zusammen  vorkommen  einer 
grossen  Menge  von  Mineralien  auf  Erz-Gängen;  das  Verhalten  gewisser 
dieser  Mineralien  gegen  einander,  welche  beinahe  unzertrennlich  erschei- 
nen; ihr  Verhälfniss  zu  den  Stoffen,  die  in  den  Exhalalionen  der  Vulkane 
bekannt  sind  und  zu  denjenigen,  welche  die  Mineral-Quellen  an  die  Ober- 
fläche bringen.  Praktisch  entwickelt  sich  die  Wichtigkeit  aus  dem  Zu- 
sammenhange, in  dem  die  nutzbaren  Metalle  in  diesen  Räumen  mit  anderen 
Mineralien  stehen,  aus  der  Wahrscheinlichkeit  jene  zu  finden,  wo  diese 
vorhanden  sind,  und  sie  bis  zu  geringeren  oder  grösseren  Tiefen  ins 
Innere  der  Erd-Rinde  zu  verfolgen. 

An  der  Oberfläche  ist  nur  selten  Gelegenheit,  Beobachtungen  über 
die  Erz-Gänge  zu  machen.  Bei  weitem  die  meisten  sind  mit  Abraum  und 
Dammerde  so  bedeckt,  dass  sie  nur  durch  künstliche  Entblössungen  auf- 
gefunden worden  sind.  Wenn  nicht  der  Nutzen  der  Metalle  Veranlassung 
gegeben  hätte,  sie  in  dem  Innern  der  Erde  aufzusuchen  und  zu  verfolgen, 
so  würden  wir  sehr  wenig  von  ihnen  wissen. 

Ist  aber  überhaupt  die  Beobachtung  geognostischer  Thatsachen  an  der 
Erd-Oberfläche  schon  mit  besonderen  Schwierigkeiten  verbunden,  denen 
die  späte  und  langsame  Entwickelung  der  Geognosie  als  Wissenschaft 
zugeschrieben  werden  muss,  so  sind  die  Beobachtungen  noch  ungleich 
schwieriger   zu    sammeln    und    in    den    nothwendigen   Zusammenhang    zu 


211 

brinp;en  ,  wenn  sie  auf  diejenigen  Bäume  beschränkt  werden,  welche  der 
Eerj^bau  im  Innern  der  Erde  herstellt.  Die  uesenflichsle  Schwierigkeit 
besteht  hier  darin,  dass  immer  nur  sehr  kleine  Theile  gleickzeitig  beob- 
achtet werden  können,  dass  die  Räume  immer  nur  eine  gewisse  Zeit  hin- 
durch zugänglich  bleiben,  und  dass  Dasjenige,  auf  dessen  Beobachtung  es 
ankommt,  nach  und  nach  zerstört  wird  und  gänzlich  verschwindet.  Viele 
früher  gemachte  Beobachtungen  können  nicht  wiederholt  und  berichtigt, 
nicht  mit  neueren  verglichen  und  damit  in  Einklang  gebracht  werden.  In 
diesen  Schwierigkeiten  ist  der  Grund  zu  suchen,  dass  die  Kenntniss  der 
Erz-Gänge  erst  spät  zu  Schlüssen  über  ihre  Bildungs-Weise  geführt 
hat  und  dass  hierüber  immer  noch  ein  Schleier  ruht,  den  die  Forschung 
gänzlich  hinwegzuräumen  vergeblich  bemüht  gewesen  ist. 

Der  Gang-Bergbau  ist  in  Deutschland,  besonders  im  sächsischen  Erz- 
Gebirge  und  am  Harse,  schon  seit  sehr  langer  Zeit  in  grosser  Ausdehnung 
betrieben  und  wissenschaftlich  entwickelt  worden.  Es  kann  daher  nicht 
auffallen,  wenn  wir  eine  Reihe  von  vaterländischen  Forschern  zu  nennen 
im  Stande  sind,  die  sich  grosse  Verdienste  um  die  Kenntniss  der  Erz- 
Gänge  erworben  haben,  wie:  v.  Trecra,  v.  Charpentier,  Werner,  Joh. 
Chr.  Lebrecht  Schmidt,  Freiesleben,  v.  Weissenbach,  v.  Beust,  denen 
noch  viele  Namen  anzureihen  leicht  seyn  würde.  Aber  ganz  besonders 
darf  nicht  übergangen  werden  G.  Bischof  ,  dessen  ausgedehnte  Unter- 
suchungen über  die  Bildungs-Weise  so  vieler  auf  den  Gängen  vorkom- 
menden Mineralien  ein  helleres  Licht  über  diesen  Gegenstand  verbreitet 
haben,  als  seit  langer  Zeit  die  Arbeiten  aller  anderen  Geologen.  —  Von 
ausländischen  Forschern  wollen  wir  bei  diesem  Gegenstande  nur  allein 
Ei.iE  DE  Beaümont  nennen,  der  mit  grossem  Scliarfsinn  und  der  ihm  ei- 
genthümlichen  Kombinations -Gabe  denselben  auf  eine  höchst  geistreiche 
Weise  behandelt  hat. 

Schon  seit  langer  Zeit  finden  wir  die  Unterscheidung  von  Erz-Gängen 
und  Gestein-Gängen.  Beide  haben  nur  in  ihrer  allgemeinsten  äusse- 
ren räumlichen  Erscheinung  einige  Ähnlichkeit  mit  einander.  Die  Mineral- 
Zusammensetzung  ihres  Inhaltes,  die  Anordnung,  Zusammenfügung  ihrer 
Theile,  die  Form  ihrer  Absonderungen  und  ihre  Bildungs-Weise  sind  ganz 
von  einander  verschieden. 

Die  Gestein-Gänge  sind  mit  Mineral-Massen,  mit  Gebirgsarten 
erfüllt,  welche  aus  einigen  sehr  vielfach  verbreiteten  Silikaten  bestehen, 
und  zwar  in  solcher  Form  und  Verbindung,  wie  sie  auch  sonst  in  grösserer 
Ausdehnung  und  Verbreitung  an  der  Erd-Oberfläche  auftreten.  Sie  be- 
stehen aus  Granit,  Syenit,  Feldspath-Porphyr,  Gabbro,  Melaphyr,  Dolerit, 
Basalt.  Es  möchte  wohl  kaum  eine  Gebirgsart  aus  der  Abtheilung  der 
massig  kryslallinischen  Silikat-Gesteine  vorhanden  seyn,  welche  nicht  schon 
einmal  irgendwo  als  Ausfüllung  eines  Gestein-Ganges  aufgefunden  worden 
wäre.  Bei  der  gänzlichen  Übereinstimmung  von  Melaphyr,  Dolerit  und 
Basalt,  welche  wesentlich  aus  basischen  Silikaten  bestehen  und  keine  freie 
Kieselsäure  entiialten,  mit  den  Laven  der  noch  thätigen  Vulkane  findet 
diese  Libereinstimmung  auch    zwischen   Melaphyr-,  Dolerit-   und  Basalt* 

14  * 


212 

Gängen  mit  denjenigen  Gängen  statt,  welche  gegenwärtig  noch  in  dem 
Bereiche  der  thätigen  Vulkane  mit  geschmolzenen  Gestein  -  Massen,  mit 
Lava  erfüllt  werden. 

Abgesehen  von  allen  sonstigen  Gründen  ist  hieraus  allein  schon  die 
Ansicht  als  gerechtfertigt  anzunehmen,  welche  diesen  mit  Melaphyr,  Do- 
lerit  und  Basalt  erfüllten  Gestein -Gängen  dieselbe  Bildungs- Weise,  wie 
den  gegenwärtig  noch  entstehenden  Lava -Gängen  zuschreibt.  Hiernach 
sind  also  diese  Massen  aus  dem  Innern  der  Erde  im  geschmolzenen  Zu- 
stande in  Spalten-Räume  der  Erd-Rinde  eingedrungen  und  durch  Ab- 
kühlung zu  einem  körnig- krystallinischen  Gemenge  mehrer  Silikate  darin 
erstarrt.  Wiewohl  die  Ansicht  eine  sehr  allgemein  verbreitete  ist,  dass 
alle  Gestein-Gänge  auf  diese  Weise,  wie  Lava  entstanden  sind,  so  will 
ich  dieselbe  hier  nur  ausdrücklich  für  diejenigen  in  Anspruch  nehmen,  für 
welche  die  Analogie  so  nahe  liegt,  dass  sie  für  einen  vollständigen  Be- 
weis  angenommen  werden  kann,  und  für  welche  wohl  von  keiner  Seite 
her  ein  Widerspruch  erhoben  werden  möchte. 

Diejenigen  Gestein -Gänge,  welche  mit  Massen  erfüllt  sind,  deren 
Beslandlheile  ausser  neutralen  Silikaten  freie  Kieselsäure  nachweisen,  wie 
Granit,  Syenit,  Quarz- Porphyr,  mögen  hier  einstweilen  noch  ausgeschlossen 
und  einer  späteren  Betrachtung  aufbewahrt  bleiben.  —  Bald  nachdem  die 
Überzeugung  von  der  vulkanischen  oder  plutonischen  Entstehung  der  Ge- 
stein-Gänge eine  allgemeinere  Verbreitung  in  der  Wissenschaft  erlangt 
hatte,  fand  auch  die  Ansicht  Eingang,  dass  den  Erz-Gängen  eine  ähnliche 
Entstehung  zuzuschreiben  .«.ey.  Dieselbe  hat  indessen  fortdauernd  Wider- 
spruch und  zwar  von  sehr  bewährten  Kennern  der  Erz-Gänge  erfahren, 
indem  eine  Menge  der  Erscheinungen,  welche  sie  ganz  gewöhnlich  dar- 
bieten,  nicht  wohl  damit  in   Einklang  gebracht  werden  konnten. 

Auf  den  am  häufigsten  vorkommenden  Erz-Gängen  sind  die  verschie- 
densten Mineral  -  Substanzen  nach  und  nach  in  einer  Weise  abgelagert 
worden,  wie  Absätze  aus  Mineral-Quellen  auch  gegenwärtig  unter  unsern 
Augen  in  künstlichen  und  natürlichen  Kanälen  Lagen-weise  nach  und  nach 
gebildet  werden.  Diese  Mineral-Substanzen  gehören  sehr  häufig  zu  den- 
jenigen, welche  wir  noch  gegenwärtig  aus  wässerigen  und  sehr  ver- 
dünnten Auflösungen  in  den  stanen  Zustand  übergehen  sehen. 

Die  Form  der  Zusammensetzung  sowohl  als  die  BeschalFeniieit  der 
Substanzen  spricht  in  sehr  vielen  Fällen  ganz  unbedingt  dagegen,  dass 
die  Ausfüllungs  -  Masse  der  Erz-Gänge  in  einem  geschmolzenen  Zustande 
in  dieselbe  eingedrungen  und  darin  erstarrt  scy.  In  dieser  Beziehung 
findet  eine  sehr  grosse  Ähnlichkeit  zwischen  den  Erz -Gängen  und  den 
Mandeln  in  den  Mandel-Steinen  statt.  Bei  diesen  ist  es  aber  bis  zur  Evi- 
denz bewiesen,  dass  die  Ausfüllungs-Massen  nicht  in  einem  geschmolzenen 
Zustand  in  diese  rund  um  von  der  Gebirgsart  eingeschlossenen  Räume 
gelangt,  sondern  dass  sie  nur  nacli  und  nach,  zum  Theil  in  überaus  feinen 
Lagen  aus  wässerigen,  die  Gebirgs-Masse  durchdringenden  Flüssigkeiten 
abgesetzt  worden  sind. 

Wenn  aber  auch  hiernach  angenommen  wird,  dass  die  Massen,  welche 


213 

die  Erx-Gänge  erfüllen,  in  wässeriger  Auflösung  in  dieselben  gelangt  sind, 
so  ist  damit  die  Frage  keineswegs  entschieden  ,  woher  denn  die  Sub- 
stanzen,  welche  sich  darin  finden,  ursprünglich  gekommen  sind.  Es  ist 
damit  immer  noch  vereinbar,  dass  diese  Substanzen  aus  den  Tiefen  der 
Erde  gekommen  sind.  Auf  diese  Weise  wurden,  selbst  bei  dieser  Ansicht, 
viele  Metalle  und  andere  auf  den  Erz-Gängen  vorkommende  Substanzen 
in  einem  nothwendigen  und  wesentlichen  Zusammenhang  mit  vulkanischen 
oder  plutonischen  Erscheinungen,  mit  den  Gestein -Gängen  und  den  kry- 
stallinischen  Silikat  -  Gesteinen  stehen  und  als  ursprüngliche  Produkte  der 
Reaktion  des  Erd-Innern  gegen  die  erstarrte  Erd  Rinde  betrachtet  werden 
können. 

Es  ist  eine  allgemeine  Erscheinung,  dass  die  Thätigkeit  der  Vulkane 
nur  in  bestimmten  und  zwar  kurzen  Perioden,  in  einem  Zustande,  der 
nicht  ihr  gewöhnlicher  ist,  geschmolzene  Silikate,  Laven,  an  die  Ober- 
fläche treibt  und  Spalten  in  der  Erd-Rinde  ihrer  näheren  Umgebungen 
damit  erfüllt,  Gestein-Gänge  bildet.  In  sehr  viel  längeren  Perioden,  einer 
grösseren  Ruhe,  in  dem  gewöhnlichen  Zustande,  stossen  die  Vulkane 
Dämpfe,  ganz  besonders  Wasser- Dämpfe  mit  manchfachen  Substanzen 
beladen  aus,  welche  durch  grössere  und  kleinere  Spalten  an  die  Oberfläche 
gelangen,  ganze  Gebirgs -Massen  durchdrinscn  und  verändern.  Diese 
Thätigkeit ,  welche  anh.'iltend  an  derselben  Stelle  ausgeübt  die  Solfataren 
bildet,  ist  oft  unmittelbar  nach  dem  Ergüsse  der  Laven,  nach  einem  Aus- 
bruche des  Vulkans  am  lebha.''testen  erregt  und  nimmt  dann  während  eines 
langen  Zeitraums  nach  und  nach  an  Stärke  ab. 

Kohlensänre-Exhalationen  und  Mineral  -  Quellen  sind  dann  die  letzten 
Äusserungen  dieser  Thätigkeit  in  der  Nähe  längst  erloschener  Vulkane. 
In  dieses  Gebiet  vulkanischer  Thätigkeit  ,  iit  welchem  Wasserdämpt'c  und 
Wasser  die  Rolle  des  allgemeinen  Auflösungs-Mittels  und  des  Verbreiters 
der  verschiedensten  Stoffe  übernehmen  ,  möchte  auch  wohl  die  Ausfüllung 
der  gewöhnlichen  Erz-Gänge  zu  verweisen  seyn.  Es  ist  die  Nachwirkung 
der  Eruptions-Thätigkcit,  welche  Melaphyr  in  Massen  und  Gängen  an  die 
Oberfläche  getrieben  hat,  eine  Wirkung,  in  manchen  Beziehungen  ähnlich 
derjeni2;en  in  den  Solfataren.  Aber  indem  die  Analogie  der  Erscheinungen 
in  der  einen  Richtung  hin  verfolgt  wird,  so  wird  auch  an  wesentliche 
Unterschiede  in  andern  Richtungen  zu  erinnern  seyn.  Weder  die  er- 
loschenen, noch  die  jetzt  thätigen  Vulkane  stehen  mit  Erz-Gängen  in  nähern 
Beziehungen.  Die  Bildung  der  Erz-Gänge  gehört  einem  früheren  Zu.>itande 
der  Entwicklung  der  Erd-Rinde  an,  nicht  dem  gegenwärtigen.  Wenn 
also  die  Bildung  derselben  mit  der  Wirkung  in  den  Solfataren  verglichen 
wird,  so  müssen  noch  andere  Bedingungen  hinzugetreten  seyn,  welche 
jetzt  fehlen  und  dadurch  die  noch  fortgehende  Bildung  von  Erz -Gängen 
verhindern.  Es  entstehen  noch  jetzt  Gestein  -  Gänge,  die  denen  früherer 
Epochen  sehr  ähnlich  sind,  nach  Form  und  Inhalt;  aber  von  noch  gegen- 
wärtig entstehenden  Erz-Gängen  ist  Nichts  bekannt. 

Wie  wichtig  auch  für  die  Entwickelung  der  Wissenschaft  der  Versuch 
gewesen  ist,    alle  Erscheinungen,    welche  die  bekannte  Erd-Rinde  bis  in 


214 

ihren  ältesten  Monumenten  daYbietet,  auf  Wirkungen  zurückzuführen,  die 
noch  gegenwärtig  thätig  sind  (existing  caiises  Lyell),  so  niuss  doch 
nothwendiger  Weise  auf  die  fortschreitende  Ausbildung  der  Erd- Rinde, 
auf  das  sich  in  den  grossen  Perioden  verändernde  Verhältniss  der  Erd- 
Rinde  zum  Erd -Innern  Rücksicht  genommen,  die  verschiedene  Wirkung 
der  unabänderlichen  physikalischen  und  chemischen  Gesetze  unter  ver- 
schiedenen Bedingungen  beachtet  werden.  Ja,  es  ist  gerade  eins  der  letzten 
und  äussersten  Ziele  der  Wissenschaft,  aus  den  Monumenten  der  Ver- 
gangenheit diese  verschiedenen  Bedingungen  aufzusuchen  und  festzustellen. 

Auf  diese  Weise  ist  es  eine  der  glücklichsten  Auffassungen  eines 
thatsächlichen  Verhältnisses,  wenn  L.  v.  Buch  in  seiner  geistvollen  Ent- 
wickelung  der  Verhältnisse  des  Melaphyrs  denselben  den  Metall- 
Bringer  nennt.  Dadurch  wird  am  vollkommensten  das  Verhältniss  be- 
zeichnet ,  in  dem  gewisse  krystallinische  Silikat  -  Gesteine  mit  ihren 
Gestein-Gängen  zu  den  Erz-Gängen  stehen.  So  finden  sich  Massen  und 
Ellipsoiden  dieser  Gebirgs-Arten  von  einer  Erz-führenden  Zone,  von  einem 
Ringe  umgeben,  in  dem  oft  die  Erz-Vorkommnisse  durch  alle  Stufenfolgen 
räumlicher  Entwickelung  hindurch  von  regelrechten  Gängen  und  Lagern 
bis  zu  den  vielgestalteten  Verzweigungen,  Durchdringungen  und  Nieren 
sich  einstellen. 

Die  Zuleitung  eines  ansehnlichen  Theiles  des  Inhaltes  der  Erz-Gänge 
aus  dem  Sitze  plutonischer  Thätigkeit,  als  Folge-Wirkung  yon  Ausbrüchen 
krystallinischer  Silikat-Gesteine  in  ähnlichem  Zustande  wie  uer  der  Solfa- 
taren,  kann  hiernach  völlig  zugegeben  weiden,  ohne  dabei  die  Auflösung 
und  Zuführung  mancher  in  der  erstarrten  Erd-Rinde  bereits  vorhandenen 
StoflFe  zu  diesen  Haupt-Kanälen  auszuschliessen.  Die  manchfaltige  Ent- 
wickelung der  räumlichen  Verhältnisse  der  Erz -Vorkommnisse  als  gang- 
förmige Stöcke,  als  Stockwerke,  Putzen,  Nieren,  als  lagerförmige  Stöcke, 
Lager,  als  netzförmige  Verzweigungen  und  Durchdringung  im  einge- 
sprengten Zustande  wird  dabei  in  ihrer  gleichförmigen  Entstehung  mit 
den  Erz-Gängen  erkannt. 

Die  räumlichen  Verhältnisse  der  Gänge  als  Spalten  in  vorhandenen 
festen  Gebirgs-Massen  und  Schichten  haben  der  Erklärung  eben  so  grosse 
Schwieligkeiten  entgegengesetzt,  als  die  Bildungs-Weise  ihrer  Ausfüllungs- 
Masscn.  An  einigen  ist  die  Spalten  -  Natur  mit  einer  Verschiebung  der 
beiden  dadurch  getrennten  Gebirgs-Theile  und  gewöhnlich  mit  einer  Sen- 
kung der  im  Hangenden  der  Spalte  gelegenen  Gebirgs-Massen  so  deutlich 
und  bestimmt  erkennbar,  dass  auf  diese  Voraussetzung  begründet  ausführ- 
liche theoretische  Entwickelungen  bis  zu  praktischen  Regeln  gegeben  wor- 
den sind.  An  anderen  ist  dagegen  die  Spalten-Natur  des  Raumes  so  wenig 
erkennbar,  dass  sehr  gediegene  Forscher  (wie  HAUSMAN^)  einige  der  wich- 
tigsten Erz-Gänge  als  Ausscheidungen  in  geschlossenen  Räumen,  gleichsam 
als  grosse  Mandeln  und  Drusen  betrachtet  haben. 

Die  manchfaltigcn  Formen  der  Erz-Gänge  in  der  Theilung  der  ver- 
schiedenen Trume,  im  Ausfeilen,  im  Schleppen,  Schaaren  ,  Durchsetzen, 
Abschneiden  unter  einander  und  mit  Letten-Gängen  und  Klüften,  im  Verun- 


215 

cdela  führen  nothwendig  darauf  hin.  dass  ein  Gev/ebe  von  Spalten,  Klüften, 
Absonderungen  vorhanden  war,  in  welchem  die  Zufuhrung  der  Erze  geschah, 
dass  die  Formen  dieser  vorhandenen  Offnungen  eben  so  wie  die  Beschaf- 
fenheit der  Seiten- Wände  des  umgebenden  Gesteins  einen  wesentlichen 
Einfluss  auf  die  Ablagerung  der  Erze  und  der  Gang-Arten  ausgeübt  haben. 

"lu  den  Umgebungen  von  vulkanischen  eben  so  wie  von  plutonischen 
Ausbrüchen  müssen  Zerreissungen,  Spaltungen  der  festen  Erd-Rinde  noth- 
wendig  vorkommen,  welche  mit  den  bereits  vorhandenen  Klüften  und  Ab- 
sonderungen (bei  geschichteten  Gebirgs-Massen  auch  mit  den  Ablösungen 
der  Schichten)  den  Stoffen  einen  Ausweg  und  Raum  zur  Ablagerung  dar- 
bieten, welche  sich  an  diesen  Punkten  Solfataren-artig  entwickeln.  Aber 
nicht  alle  diese  Spaltungen  werden  gleichmässig  durchdrungen  und  erfüllt. 
Der  Zustand  der  Solfataren  ändert  sich  nach  und  nach,  verschiedene  Stoffe 
bezeichnen  die  einzelnen  Perioden  grösserer  oder  geringerer  Thätigkeit. 
Sic  ersetzen  einander  entweder  langsam,  bis  einzelne  ganz  verschwinden, 
oder  sie  wechseln  plötzlich  nach  den  Ausbrüchen.  Daher  finden  sich  öfter 
sehr  verschiedene  Stoffe  in  denselben  Spalten  -  Räumen ,  die  lange  Zeiten 
hindurch  als  Kanal  dienten  ,  bisweilen  mit  deutlicher  Unterscheidung  ge- 
wis.ser  auf  einander  folgenden  Zeit-Perioden.  So  sind  auch  einzelne  StoflFe 
auf  einigen  Spalten  abgelagert,  die  auf  andern  ganz  fehlen,  während  diese 
in  andern  Perioden  verschiedene  Stoffe  aufgenommen  haben  und  in  dem 
ganzen  Bezirke  der  Th.itigkeit  eine  so  enge  Verbindung  der  Stoffe  vor- 
banden  ist,    dass  bestimmte  Gruppen  nicht  unf erschienen  werden  können. 

Die  Miinclil'altigkeit  der  Substanzen,  welche  den  Inhalt  der  gewöhn- 
lichen Erz-Gänge  bilden  (von  den  vorhandenen  59  Elementen  sind  in  den- 
selben 43  vorhanden)  ist  bei  weitem  grösser,  als  derjenigen,  welche  bisher 
in  den  Mineral-Quellen  und  in  den  Exlialationen  der  Vulkane  nachgewiesen 
sind.  Aber  von  allen  den  Elementen,  welche  bisher  in  den  Mineral- 
Quellen,  wenn  auch  nur  in  sehr  geringer  Menge,  oder  in  den  Exhalationen 
der  Vulkane  aufgefunden  worden  sind,  gibt  es  nur  eines,  das  den  Erz- 
Gängen  mangelt,  nämlich  Stickstoff.  Seine  Abwesenheit  in  diesen 
Räumen  kann  aber  nicht  auffallen,  weil  er  keine  stabile,  der  auflösenden 
Kraft  des  Wassers  widerstehende  Verbindungen  eingeht. 

Diese  Übereinstimmung  verdient  um  so  mehr  Beachtung,  je  weiter 
sich  eine  andere  Reihe  von  Erscheinungen  durch  die  Zahl  der  darin  auf- 
tretenden Stoffe  von  diesen  unterscheidet. 

Wenn  sich  auch  in  gewissen  Bezirken  unter  den  gewöhnlichen  Erz- 
Gängen  einige  Gruppen  unterscheiden  lassen,  so  ist  doch  im  Allgemeinen 
die  Abweichung  aller  Verhältnisse  in  Bezus  auf  die  darin  vorkommenden 
Mineralien  und  auf  den  Zusammenhang  mit  bestimmten  Gcbirgsarten  nicht 
so  bedeutend,  um  eine  durchgreifende  Unterscheidung  festzuhalten. 

Von  allen  diesen  Erz-Vorkommnissen  weichen  jedoch  gewisse  Lager- 
stätten von  Zinnerz  ab.  Sie  zeichnen  sich  ganz  besonders  durch  ihren 
innigen  Zusammenhang  mit  dem  Granit  aus,  einer  Gebirgs-Art,  die  vor 
allen  durch  ihren  Rcichthum  an  Quarz  (Kieselsäure)  ausgezeichnet  ist.  — 
Es  ist  wahr,    dass    auch    hier    ein    ganz   scharfer  Abschnitt  zwischen  den 


216 

gewöhnlichen  Erz-Gängen  und  den  Zinnstein-Gängen  nicht  stattfindet,  dass 
in  Freiberg  und  in  Annaberg,  in  Cormcall  und  Devonshire  Gänge  vor- 
kommen, auf  denen  Ziiinstein  mit  Kupfer-  und  Blei-Erzen  zusammen  bricht. 
Aber  auf  diesen  Gängen  fehlen  viele  von  denjenigen  Mineralien,  welche 
auf  den  anderen  Lagerstätten  gewöhnliche  Begleiter  des  Zinnsteins  sind. 
Selbst  in  diesen  Fällen  wird  in  Cormvall  und  Devonshire  der  Zusammen- 
hang zwischen  Granit  und  Zinnstein  recht  deutlich,  indem  diese  Gänge 
öfter  den  Zinnstein  enthalten,  wo  sie  den  Granit  durchschneiden,  und 
derselbe  um  so  seltener  wird  und  den  Kupfer-Erzen  Raum  macht,  je  mehr 
die  Gänge  sich  im  Schiefer  vom  Granit  entfernen.  Wenn  sich  der  Granit, 
oder  überhaupt  die  krysfallinischen  mit  ihm  durch  überschüssige  Kiesel- 
säure verwandten  Gesteine  durch  die  grosse  Menge  von  Mineralien 
und  von  Stoffen  wesentlich  von  den  Laven ,  den  vulkanischen  und  den 
ihnen  ähnlichen  plutonischen  Gesteinen  unterscheiden,  in  deren  Zusammen- 
setzung nur  eine  beschränkte  Anzahl  von  Elementen  (15)  nachgewiesen 
ist,  so  liegt  in  diesem  Verhältnisse  eine  besonders  beachlenswerthe  Überein- 
stimmung zwischen  dem  Granit  und  den  Zinnstein  -  Lagerstätten.  Diese 
haben  eine  noch  etwas  grössere  Anzahl  von  Elementen  (-18),  als  die  ge- 
wöhnlichen Erz -Gänge  aufzuweisen.  Im  Granit  und  in  den  damit  ver- 
wandten Gebirgsarten  ist  nun  allein  Ein  und  zwar  überhaupt  sehr  seltener 
Stoflf  nachgewiesen,  welcher  bisher  auf  den  Zinnerz -Lagerstätten  unbe- 
kannt geblieben  ist  (Thor),  übrigens  enthalten  dieselben  10  Elemente 
(Litbion,  Yttrium,  Zirconium,  Cerium ,  Lanthan,  Didymium,  Tantal,  Nio- 
bium, Pelopium,  Wolfram)  gleichzeitig  mit  dem  Granit,  welche  auf  den 
gewöhnlichen  Erz-Gängen  fehlen.  Wie  wesentlich  sich  durch  diesen  Zu- 
sammenhang der  Granit  mit  den  Zinnerz-Lagerstätten  auf  der  einen  Seite 
von  den  vulkanischen  und  plutonischen  Gesteinen  mit  den  gewöhnlichen 
Erz-Gängen  auf  der  andern  Seite  unterscheidet,  ergibt  sich  ganz  besonders 
aus  der  einfachen  Zusammensetzung  jener  Gesteine,  welche  eben  nur  die 
überhaupt  am  verbreitetsten  Stoffe  enthalten.  Mit  dem  Aufhören  der  Granit- 
Bildung  ist  eine  gewisse  Anzahl  von  Stoffen  aus  dem  Bereiche  der  bil- 
denden Thätigkeit  der  Erd-Rinde  verschwunden,  welche  weder  in  die 
Laven-bildende  Wirkung  der  Vulkane,  noch  in  die  der  Solfataren  hinein- 
gezogen wird.  Diese  Stoffe  finden  sich  nur  an  wenigen  Punkten  und,  wo 
sie  vorkommen,  immer  nur  in  geringer  Menge.  —  Die  dem  Granit  fehlen- 
den Elemente  der  Zinnerz-Lagerstätten  (Barium,  Nickel,  Cadmium,  Vana- 
dium, Tellur,  Antimon,  Selen)  kommen  sämmtlich  auch  auf  den  gewöhn- 
lichen Erz-Gängen  vor  und  zeigen,  durch  welche  Verbindungen  diese  ihren 
grossen  Reichthum  an  Stoffen  erhalten  haben. 

Wenn  übrigens  bemerkt  wird,  dass  einige  Stoffe ,  welche  zu  den  sel- 
tenen gehören  (wie  Palladium  in  Selen-Palladium  zu  Tilkerode,  Molybdän 
in  Gelb-Bleierz)  und  sich  gleichzeitig  im  Granit  und  in  den  Zinnstein- 
lidgerstatten  finden ,  auf  den  gewöhnlichen  Erz  -  Gängen  in  anderen 
Verbindungen  als  in  diesen  letzten  auftreten,  dass  die  den  letzten  eigen- 
tbümlichen  Stoffe  nicht  als  zufällige  und  sich  leicht  absondernde  Besfand- 
theile    auftreten,    sondern    in   sehr  komplizirten  Verbindungen    mit  vielen 


217 

anderen  Stoffenzu  elgenthümliclien  Mineral-Spezies  vereint  darin  zerstreut 
sind,  so  tritt  auch  darin  die  Unforsclieidung  der  gewöhnlidicn  Erz-Gänge 
von  den  Zinnstein  -  Lagerstätten  auf  das  Bestimmteste  hervor.  Bei  der 
Verbindung,  welche  zwischen  diesen  letzten  und  dem  Granit  stattfindet, 
ist  jedoch  nicht  unbeachtet  zu  lassen,  dass  die  grosse  Zahl  von  Körpern, 
welche  überhaupt  als  im  Granit  vorkommend  iuigefiiiirt  werden,  keines- 
wegs gleiciiformig  in  allem  und  jedem  Granite  verbreitet  ist.  Im  Gegen- 
theil,  es  gibt  sehr  ausgedclinte  Granit-Massen,  dieser  überall  an  der  Erd- 
oberfläche so  sehr  verbreitctfu  Gebirgsart,  welchen  die  Erscheinung 
dieser  vielen  und  seltenen  Körper  fremd  ist. 

Sie  sind  vielmehr  auf  gewisse  eigentliümliche  Partic'n  von  Granit 
beschränkt,  welche  sich  dadurch  in  Verbindung  mit  den  Zinnerz-Lager- 
stätten als  etwas  Besonderes,  der  Granit  -  Bildung  im  Allgemeinen  später 
Hinzugetretenes  auszeichnen.  Es  dürfte  hiernach  wohl  verstattet  seyn, 
die  Zinnerz-Lagerstätten  für  eine  ähnliche  Nachwirkung  der  Granit-Bildung 
zu  nehmen,  wie  sie  die  gewöhnlichen  Erz-Gänge  in  Bezug  auf  die  Me- 
laphyr- Ausbrüche  darstellen,   eine  Nachwirkung  wie  die  der  Solfataren. 

Auch  durch  diese  Betrachtung  möchte  sich  ergeben,  worauf  bereits 
oben  hingewiesen  wurde,  dass  die  allgemeinen  unabänderlichen  Gesetze 
unter  den  verschiedenen  Bedingungen  der  ErdrindenEntwickelung  auch 
verschiedene  Wirkungen  hervorbringen;  so  folgen  die  Zinnerz  -  Lager- 
stätten auf  die  Bildung  der  Granite,  die  gewöhnlichen  Eiz-Gänge  auf  die 
Erhebung  der  Melaphyre,  die  Solfataren  auf  den  Ausbruch  der  Vulkane. 

Bei  der  Unterscheidung,  die  zwischen  den  gewöhnlichen  Erz-Gängen 
und  den  Zinnerz-Lagerstätten  gemacht  wird,  leuchtet  jedoch  schon  aus  dem 
Vorhergehenden  ein,  dass  auch  für  diese  letzten  die  Wirkung  des  Wassers 
und  der  Wasser-Dämpfe  als  eine  nothwendige  und  wesentliche  in  Anspruch 
genonnncn  wird,  und  dass  auch  bei  ihnen  das  Eindringen  des  Inhalts  nach 
Art  der  Laven  gänzlich  ausgeschlossen  werden  muss.  Aus  der  Beschaffen- 
heit sowohl  als  aus  der  Form  vieler  Mineralien  auf  den  gewöhnlichen 
Erz-Gängrn  ist  mit  völliger  Sicherheit  die  Bildung  auf  nassem  Wege 
nachzuweisen.  Viele  dieser  Mineralien  finden  sich  aber  auch  in  grosser 
Menge  auf  den  Zinnerz  -  Lagerstätten.  Hier  eine  andere  Bildungs-Weisc 
für  sie  anzunehmen,  liegt  gar  kein   Grund  vor. 

Ganz  besonders  ist  die  Bildung  des  Quarzes  (so  wie  auch  der  übrigen 
Kiesel  -  Mineralien,  als  Amethyst,  Achat,  Chalcedon  u,  s.  w.)  ,  wie  in  den 
Mandeln  der  Mandelsteine,  in  den  Adern,  Trumen,  Ausscheidungen, 
Verzweigungen  ,  Klüften  im  Thonschiefer  und  Sandstein  ,  eben  so  in  den 
gewöhnlichen  Erz-Gängen  aus  wässerigen  Niederschlägen  als  ganz  ent- 
schieden anzunehmen.  Der  Quarz  ist  aber  einer  der  gemeinsten  Begleiter 
der  Zinnerz-Lagerstätten.  So  ist  in  Altenberg  die  Verkicselung  des  Neben- 
gesteins der  Zinnerz- Gange  selbst  bis  auf  die  allerfeinsten  Klüfte  sehr 
auffallend  und  allgemein.  Der  Porphyr  und  der  Gneiss  neben  den  Gängen 
geht  dadurch  bis  in  Hornstein  über,  der  Granit  in  Greisen,  ein  körniges 
Gestein  von  Quarz  und  Glimmer  mit  eingesprengtem  Zinnerz.  Dem  Greisen 
ähnlich    ist    das  Gestein ,    welches   die    Zinnstein  -  Trume    des    Stockwerks 


218 

zu  Geijer  und  die  im  Granit  aufsetzenden  Zinnstein  -Gange  bei  Johann- 
georyenstadt  unmittelbar  begleitet.  Die  Verkieselung  des  Neben-Gesteins 
der  Trumchen  in  dem  Stockwerke  von  Carclaze  in  CorniDall  ist  eben 
so  auffallend.  Die  Durchdringung  einer  Gebirgsart  durch  Kiesel-Substanz 
kann  nur  allein  auf  nassem  Wege  gedacht  werden  mit  derselben  Sicher- 
heit und  Bestimmtheit,  wie  die  Vcrkieselutig  von  Ausfcr-Schaalen ,  welche 
L.  V.  Buch  mit  den  deutlichsten  Abbildungen  so  vortrefflich  kennen  ge- 
lehrt hat.  —  Dass  das  in  diesem  Quarze  eingeschlossene  Zinnerz  noth- 
wendig  dieselbe  Bildungs- Weise  mit  demselben  Iheile,  bedarf  keines  Be- 
weises, und  es  wird  um  so  leichter,  ihm  dieselbe  zuzugestehen,  als  das 
Zinn  zn  den  in  den  Mineral-Quellen  nachgewiesenen  Elementen  gehört. 

Die  Analogie  in  der  Bildungs-Weise  der  gewöhnlichen  Erz-Gänge  und 
der  Zinnerz-Lagerstätten:  der  Übergang,  welcher  eben  zwischen  beiden 
durch  das  Zusaniinenvorkommen  von  Kupfer  und  Bleierzen  mit  Zinnerz 
auf  denselben  Gang-Räumen  vermittelt  angeführt  worden  ist,  hindert  nicht, 
dass  beide  sich  in  ihrer  Aligemeinheit  durch  die  in  ihnen  vorherrschenden 
Verbindungen  der  Stoffe  unterscheiden.  Die  gewöhnlichen  Erz -Gänge, 
deren  Typus  das  Auftreten  des  Schwefelbleies  (Blciglanz)  bildet,  enthalten 
vorzugsweise  als  die  ursprünglichen  (primären)  Verbindungen  Sulphurete 
und  Karbonate  (Eisenspath  ,  kohlensaures  Eisenoxydul).  Die  Zinnerz- 
Lager.stäften  dagegen ,  wie  es  der  Typus  derselben ,  das  Zinnerz  (Zinn- 
oxyd) ausdrückt,  werden  besonders  durch  das  Vorkommen  von  Metall- 
Oxyden  ausgezeichnet.  Die  Sulphurete  sind  nicht  in  diesem  Zustande  in 
die  Gang-Räume  gelangt;  denn  sie  selbst  sind  in  Wasser  unlöslich  oder 
gehören  mindestens  zu  deif  am  allerwenigsten  löslichen  Körpern.  Dieser 
Umstand  hat  wohl  sehr  lange  Zeit  hindurch  eine  der  grössten  Schwierig- 
keiten dargeboten,  die  Bildung  der  Gung-Ausfüllung  in  ihrer  wahren  Be- 
deutung zu  erkennen.  Sie  sind  in  diese  Räume  als  leiclit  lösliche  Sulphate 
und  Karbonate  gelangt  und  darin  durch  Reduktion  und  Zersetzung  als 
unlösliche  Substanzen  niedergeschlagen  worden. 

Auf  den  Bleiglanz-Lagerstätlcn  (den  gewöhnlichen  Erz-Gangen)  kommen 
wasserhaltende  Silikate  (Zcolithe)  nur  selten  (wie  zu  Andreasberg:  Cha- 
basie,  Analcim,  Harmotom  ,  Datolith  ,  Prehnit)  vor,  während  dieselben  in 
einer  analogen  Reihen  -  Folge  in  den  Mandeln ,  Adern  und  Trumen 
in  den  Melaphyren  und  Basalten  zu  Hause  sind  und  wasserfreie  Silikate 
auf  diesen  Erz-Gängen  zu  den  allerseltensten  Vorkommnissen  gehören. 
Ganz  besondere,  von  den  gewöhnlichen  abweichende  Verhältnisse  möchten 
beinahe  da  vermuthet  werden ,  wo  sie  auftreten.  Dagegen  sind  wasser- 
freie Silikate  auf  den  Zinnerz  -  Lagerstätten  sehr  häufig,  und  noch  mehr 
gehört  zu  ihnen  die  grosse  Zahl  der  in  den  damit  verbundenen  Graniten 
auftretenden  seltenen  Mineralien. 

Es  bleibt  nun  noch  eine  kleine  Familie  von  Erzen  übrig,  welche  sich 
in  ihrem  Vorkommen  von  den  gewöhnlichen  Erz-Güngen,  eben  so  wie  von 
den  Zinnerz-Lagerstätten  absondert.  Dieselbe  steht  in  einer  nahen  Be- 
ziehung zu  dem  Serpentin,  einem  krystallinischen  Silikat-Gesteine,  welches 
sich  durch  basische  Verbindungen   an    die  Melaphyre  (Laven)   anschliesst, 


219 

• 

aber  durch  einen  bedeutenden  Wasser- Gehalt  davon  unterscheidet.  Die 
Erze  dieser  Familie  sind  kaum  auf  eigentlichen  Gang^-Räumen  versammelt 
auf«;efunden  worden  :  sie  linden  sich  gewöhnlich  in  kleineren  und 
grösseren  Körnern  und  Partie'n  unmittelbar  im  Gebirgs  -  Gestein  ein- 
gesprenü;t.  Sie  kommen  kaum  in  irg;rnil  einem  anderen  Zustande  als  in 
dem  gediegenen  vor,  was  wesentlich  in  ihrer  geringen  Neigung  sich  zu 
oxydiren  ,  in  ihrer  leichten  Reduzirbarkeit  und  in  der  Schwierigkeit  mit 
anderen  Stoffen  feste  Verbindungen  einzugehen  beruht.  Den  Kern  dieser 
Familie  bildet  das  Platin;  mit  demselben  verbunden  zeigt  sich  Palladium, 
Rhodium,  Ruthenium,  Iridium  ,  Osmium.  Diese  sechs  Körper  kommen  an 
der  Erd-Oberfläche  kaum  in  irgend  einer  anderen  Verbindung  und  unter 
anderen  Verhältnissen  vor,  nur  in  wenigen  Distrikten  und  in  geringe» 
Mengen.  In  einem  eigenthiimlichen  Verhältnisse  zu  diesen  Körpern  steht 
das  Gold.  Dieselben  finden  sich  nur  in  solchen  Distrikten,  wo  Gold  in 
einer  sie  weit  übertreffenden  Menge  vorhanden  ist.  Aber  sie  folgen  dem 
Golde  nicht  in  seiner  überaus  grossen  und  weiten  Verbreitung,  freilich 
in  einem  überaus  vcrlheilten  Znstande.  Es  gibt  kaum  Silber,  welches 
nicht  einen  geringen  Antheil  von  Gold  besässe.  Viele  in  Gebirgs-Gestein 
eingesprengte  Eisenkiese  (Schwefeleisen),  Arsenik  und  Arseniknl- Kiese 
(Schwefel-  uud  Arsenik-Eisen,  Arsenik-Eisen)  enthalten  überaus  geringe  An- 
theile  von  Gold.  Quarz-Gänge  enthalten  gediegen  Gold  in  einem  höchst 
fein  zcrtheilten  Zustande  und  in  sehr  geringer  Menge.  Das  Gold  gehört 
in  weiter  Verbreitung,  wenn  auch  in  höchst  untergeordneter  Menge  den 
gewöhnlichen  Erz-Gängen  einerseiLs  an,  während  es  gleichsam  als  der 
Träger  und  die  Grundl.ige  dfs  Platin  und  seiner  beständigen  Begleiter 
andererseits  auftritt. 

Das  Platin  findet  sich  eingesprengt  in  einem  Grünstein-Gangc  in  der 
Provinz  C/ioco  in  Neu-Granad'i,  in  Serpentin  im  Ural.  In  ähnlichen  Ver- 
hältnissen im  Serpentin  wie  das  Platin  findet  sich  Chroni-Eisensfein  ,  ge- 
diegen Kupfer,  gediegen  Silber  (grosse  Mengen  am  Lake  superior  bei 
Kewcnah  poinf ,  auf  Kings-Island).  Aber  Kupfer,  Silber  sind  weit  häu- 
figer mit  allen  übrigen  Metallen  in  den  gewöhnlichen  Erz-Gängen  der 
erzführenden  Zonen  zu  finden. 

Es  scheint  hiernach  wohl,  dass  manche  Stoffe  auf  verschiedene  Weise 
durch  plutonische  Ausbrüche  in  die  bereits  erstarrte  Erd-Rindc  gebracht 
worden  sind.  Das  Platin  mit  seinen  beständigen  Begleitern  ist  durch 
Laven-Wirkung  allein  heraufgebracht  worden,  Kupfer  und  Silber  durch 
Laven-  und  durch  Solfataren  -  Wirkung.  Die  Beschränktheit  des  Platin- 
Vorkommens  beruht  auf  seinen  chemischen  Eigenschaften,  welche  es  an 
seinem  ursprünglichen  Sitze  gebannt  hielten,  während  Schwefelblei  und 
Schwclelzink  ,  immer  und  immer  wieder  aufgelöst  von  einem  Sitze  zum 
andern  getrieben,   dadurch    eine  so  allgemeine  Verbreitung  erlangt  haben. 

Wie  oft  nun  auch  Lava -Ergüsse  an  einem  Herde  der  Thätigkeit  auf 
einander  folgen  mögen,  in  wie  sehr  entlegene  Zeiten  daher  die  Bildung 
von  Lava-Gängen  in  einem  und  demselben  Bezirke  auch  fallen  mag,  so  ist 
doch  jeder  derselben  als  das  Produkt  einer  kurz  vorübergehenden  Wirkung, 


220 

eines  Ergusses  anzusehen.  Sollte  auch  ein  zweiter  Lava-Gang  unmittel- 
bar neben  einem  anderen  entstehen,  so  wurden  sie  doch  nie  einer  werden, 
es  würden  immer  zwei  verschiedene  bleiben. 

Gerade  entge<?engese(zt  weisen  alle  Erscheinungen  darauf  hin,  dass 
die  gewöhnlichen  Erz-Gänge  eben  so  wie  die  Zinnerz -Lagerstätten  nicht 
das  Produkt  einer  einmaligen,  schnell  vorübergehenden  Thätigkeit  sind, 
sondern  dass  sehr  manchfaltige,  vielleicht  durch  längere  Perioden  der 
Ruhe  getrennte  Wirkungen  in  ihnen  erkennbar  sind.  Wenn  eine  ursprüng- 
liche Zuleitung  einer  grossen  Anzahl  von  Stoffen  aus  sehr  tiefliegenden 
Herden  bei  denselben  gewiss  ist,  so  haben  viele  andere  jetzt  mit  ihnen 
in  diesen  Räumen  verbundenen  Stoffe  viele  auf  einander  folgende  Phasen 
der  Ablagerung  durchlaufen,  bevor  sie  dort  eine  Ruhestätte  gefunden  haben. 

Die  Frage  der  Verbindung  der  Gänge  mit  den  ursprünglichen  Sitzen 
der  Metalle  ist  aber  eine  von  denjenigen,  welche  die  Praxis  am  allermei- 
sten beschäftigen.  Dieselbe  wird  hiernach  gewiss  nicht  in  dem  Sinne 
bejahend  beantwortet  werden  können  ,  dass  überall  die  Gänge  mit  einer 
konzentrirten  Erz -Führung  bis  zu  diesen  Herden  hinabführen.  Diese 
Fälle  liegen  in  dem  Gebiete  der  Möglichkeit,  sie  gehören  aber  eben  nicht 
zu  den  wahrscheinlicheren.  Die  Frage  wird  immer  nur  nach  dem  Maase 
örtliche^  Erfahrung  mit  grosser  Vorsicht  nach  beiden  Richtungen  beant- 
M'orlet  werden  dürfen,  um  für  die  Praxis  entweder  keine  Hoffnungen  zu 
erregen,  welche  zu  bodenlosen  Unternehmungen  führen,  oder  von  Ver- 
suchen abzuhalten,  in  deren  Ausführung  gerade  die  Erhaltung  grosser  und 
alter  Anlagen  beruht. 


BuNSEN :  über  den  Einfluss  des  Druckes  auf  die  chemische 
Natur  der  plutonischen  Gesteine  {Berlin.  Monatsber.  1850.,  465 
bis  459).  Eine  Arbeit  über  den  innern  Zusammenhang  der  vulkanischen 
Erscheinungen  Islands  hat  dem  Vf.  zur  Erörterung  der  Frage  Veranlassung 
gegeben:  ob  und  in  wie  weit  dem  Drucke  ein  Einfluss  auf  die  Bildung 
und  Natur  der  plutonischen  Gesteine  beizumessen  ist. 

Eine  grössere  Zahl  sorgfältig  ausgeführter  Analysen  der  charakteri- 
stischen, nicht  •  metamorphischen  Gebirgsarten  Islands  hat  zu  dem  uner- 
warteten Resultate  geführt,  dass  die  ursprünglichen  Gesteine  dieses  und 
wahrscheinlich  auch  des  Armenischen  Vulkanen-Systems  aus  gesonderten  oder 
kombinirten  Ergüssen  nur  zweier,  von  der  speziellen  Situation  der  jetzigen 
Vulkane  unabhängiger  Herde  abgeleitet  werden  können.  Der  eine  dieser 
Herde  hat  die  trachytischen  ,  der  andere  die  pyroxenischen  Gesteine  ge- 
liefert, während  aus  beiden  in  Gemeinschaft  eine  Reihe  von  Mittel-Gliedern 
hervorgegangen  ist ,  die  man  nicht  unpassend  unter  dem  Namen  der 
trachito-pyroxenischen  zusammenfassen  könnte.  Dieses  Ergebniss  findet  in 
der  chemischen  Konstitution  der  Gesteine  eine  direkte  Begründung;  denn 
die  rein  trachytischen  einerseits  und  die  rein  pyroxenischen  andererseits 
zeigen,  so  weit  sie  als  Repräsentanten  allgemein  verbreiteter  Gebirgs- 
Bildungen  gelten  können,  eine  gleichbleibende,  nur  hier  und  da  durch  leicht 


221 

nachweisbare  (lokale  Ursachen  g;estürtc  Durchschnitts- Zuslainm  en- 
setzung,  wie  verschieden  auch  immer  ihre  Lagerung,  ihr  Alter  und 
ihre  petrographische  oder  mineralogische  Natur  seyn  mag.  Man  findet 
darunter  oft  nicht  die  entfernteste  Ähnlichkeit  darbietende  Gebilde,  die 
demungeachtet ,  wenn  man  sie  im  Ganzen ,  uhne  Rücksicht  auf  die  darin 
vorkommenden  Genieng -Theile  anaiysirt.  eine  gleich  zusammenges(tzte 
Silikat-Masse  darstellen,  w  eiche  sich  in  der  Natur  bald  zu  glasigen  FlüfseO) 
bald  zu  steinartigen  Bildungen,  bald  zu  Aggregaten  verschiedener  bestimmt 
gesonderter  Fossilien  gestaltet  hat.  Das  konstante  Saucrsloff-Verhältniss 
der  Kieselerde  und  der  Basen  verhält  »ich  in  diesen  rein  trachytischen 
Gesteinen  wie  3:0,58  und  in  den  rein  pyroxenischen  nahe  wie  3  r  2.  Zwi- 
schen diesem  sauern  und  basischen  Extreme  liegen  die  trachito-pyroxeni- 
schcn  Gebirgsarten  in  der  Mitte.  Sie  sind  ihrer  Zusammensetzung  nach 
durch  das  Mischungs-Verhältniss  jener  extremen  Glieder  bestimmt,  und 
diese  Zusammensetzung  lässt  sich  durch  Rechnung  annähernd  voraus- 
bestimmen,  wenn  nur  einer  der  Gestein  -  Bestandlhcile,  am  besten  die 
Kieselerde,  in  Prozenten  gegeben  ist.  Es  lässt  sich  aus  diesem  Ergebniss, 
dessen  speziellere  Begründung  hier  zu  weit  führen  würde,  der  Schluss 
ziehen,  dass  sich  ein  und  dasselbe  Silikat-Gemenge  qualitativ  und  quan- 
titativ gleicher  Zusammensetzung-  zu  Gebirgsarten  von  ganz  verschiede- 
ner mineralogischer  Beschaffenheit  bei  dem  Erstarren  gruppiren  kann. 
Die  petrographische  Verschiedenheit  in  den  Gebirgs-Bildungen  setzt  daher 
nicht  immer  eine  entsprechende  Verschiedenheit  in  der  chemischen  Kon- 
stitution der  feuerfliissigen  .Silikat-Lösung  voraus,  welche  diese  Bildungen 
veranlasste,  vielmehr  müssen  dabei  noch  andere  Einflüsse  mitgewirkt  ha- 
ben. Es  bietet  sich  daher  sehr  natürlich  die  Frage  dar,  ob  die  Ungeheuern 
Druck-Kräfte,  welche  die  feuerflüssigen  Gesteine  in  Bewegung  setzen  und 
ihrer  ganzen  Masse  nach  zusammenpressen,  unter  diese  Einflüsse  zu  zählen 
sind.  Diese  Frage  wird  unbedingt  bejaht  werden  müssen,  wenn  sich  der 
Beweis  führen  lässt,  dass  die  Erstarrungs-Temperalur  der  Körper,  gleich 
wie  deren  Koch-Punkt,  als  eine  Funktion  des  auf  ihnen  lastenden  Druckes 
betrachtet  werden  muss. 

B.  hat  es  versucht,  die  Frage  auf  dem  Wege  des  Versuches  zu  ent- 
scheiden. Es  wurde  zu  diesem  Zweck  ein  sehr  dickwandiges,  ungefähr 
fusslanges  Glas-Rohr  von  Strolihalms-dickem  Lumen  an  dem  dicken  Ende 
zu  einer  feinen,  15—20  Zoll  langen,  am  andern  zu  einer  l'/o  Zoll  langen 
etwas  weiteren  Haar-Röhre  ausgezogen,  das  längere  Haar-Rohr  darauf  mit 
Hülfe  eines  daran  gelegten  Spiegel-Maassstabes  kalibrirt,  und  das  kürzere 
80  umgebogen,  dass  es,  dem  untern  Theile  der  Glas-Röhre  parallel,  auf- 
wärts stand.  Der  getrocknete,  zuvor  erhitzte  Apparat  wurde  nun  durch 
Aussaugen  mit  ausgekochtem  Quecksilber  völlig  gefüllt,  und  das  lange 
Capillar-Rohr  oben  zugeschmolzen.  Nach  dem  Erkalten  ist  es  leicht,  durch 
gelindes  Erwärmen  eine  kleine  Menge  Quecksilber  aus  dem  untern  auf- 
wärts gebogenen  Röln  chen  auszutreiben  und  dafür ,  indem  man  wieder 
abkühlt,  eine  kleine  Menge  der  zu  prüfenden  geschmolzenen  Substanz 
eintreten   zu   lassen.     Hat    mau    darauf  auch  dieses  untere  Haar-Röhrcbea 


222 

mit  dem  Löflirolir  verschlossen,  so  öffnet  man  das  obere  wieder  und  er- 
wärmt den  Apparat  ungefähr  1**«  bis  2"«  über  den  Schmelz- Punkt  der 
darin  befindlichen  Substanz^  wobei  ein  Theil  des  Quecksilbers  aus  der 
offenen  Spitze  ausfliesst.  Ist  endlich  nach  dem  abermaligen  Abkühlen  der 
Stand  des  Quecksilbers  in  der  Kapillar- Röhre  nebst  Thermometer-  und 
Barometer-Stand  notirt  und  darauf  die  Spitze  durch  eine  feine  Löthrohr- 
Flamme  abermals  geschlossen ,  so  kann  man  zu  dem  Versuche  selbst 
schreiten.  Man  befestigt  zu  diesem  Zweck  zwei  solcher  Apparate  von 
ganz  gleicher  Form  und  Füllung,  den  einen  mit  offener,  den  andern  mit 
geschlossener  oberer  Kapillar-Röhre  ,  sammt  einem  empfindlichen  Thermo- 
meter dergestalt  auf  ein  kleines  Brett ,  dass  die  beiden  mit  der  zu  prü- 
fenden Substanz  gefüllten  Röhrchen  dicht  neben  der  Thermometer-Kugel 
stehen,  und  senkt  den  Apparat  zunächst  nur  so  weit,  als  diese  Röhrchen 
reichen,  in  Wasser,  dessen  Temperatur  einige  Grade  über  dem  Schmelz- 
Punkt  der  Substanz  liegt.  Sieht  man,  dass  die  Erstarrung  gleichzeitig  in 
beiden  Röhrchen  genau  bei  derselben  Temperatur  erfolgt,  so  wiederholt 
man  den  Versuch,  nur  mit  dem  Unterschiede,  dass  der  Apparat  tiefer  in 
das  durch  Umrühren  stets  gleichmässig  warm  erhaltene  Medium  eingesenkt 
wird.  Es  erzeugt  sich  dadurch  in  Folge  der  Ausdehnung  des  Quecksilbers 
im  verschlossenen  Instrument  ein  Druck,  welcher  an  der  Zusammen- 
pressung  der  Luft  im  Kapiliar-Rohr  leicht  gemessen  und  durch  Einsenken 
oder  Emporzichen  des  Instruments  aus  der  Erwärmungs- Flüssigkeit  be- 
liebig gesteigert  oder  vermindert  werden  kann.  Der  Druck  in  dem  offenen 
Instrumente  bleibt  dagegen  während  der  ganzen  Dauer  der  Erwärmung 
unverändert  derselbe.  Die  Temperatur-Differenz,  um  welche  die  Substanz 
im  verschlossenen  Instrumente  eher  erstarrt,  als  im  offenen,  gibt  die 
Schmelzpunkts-Erhöhung  für  den  beobachteten  Druck, 

Ein  mit  Walrath  angestellter  Versuch  gab  folgendes  Resultat : 

Druck  in  Atmosphären.  Erstarriings-Punkt  in  Centesimal-Graden. 

1  47°  7C 

29  48    3 


96 

49 

7 

141 

50 

5 

156 

- 

50 

9. 

Der« 

selbe 

Versuch 

mit  Parafin 

wiedei 

■holt 

gab: 

Druck. 

Erstarrungs-Punkt. 

1 

U^ 

3C 

85 

48 

9 

100 

49 

9. 

Das  Verhältniss  der  beobachteten  Temperatur  lässt  sich  bis  auf  o"  1  c 
verbürgen ,  die  beobachteten  Druck-Kräfte  dagegen  können  um  einige 
Atmosphären  ungenau  seyn  ,  da  das  Kapillar-Manometer  bei  diesen  Mes- 
sungen sehr  kurz  und  auf  die  kleine  im  Hohlraum  desselben  durch  den 
vermehrten  Druck  bewirkte  Volumen-Vergrösserung  noch  keine  Rücksicht 
genommen  war. 


223 

Man  kann  die  Verrückung  des  Schmelz-Punktes  mit  diesem  kleinen 
Instrumente  auf  eine  noch  anschaulichere  Weise  sichtbar  machen.  Taucht 
man  dasselbe  nämlich  nur  mit  der  unteren  Spitze  in  Wasser  von  einer 
Temperatur,  die  l"  bis  3"  über  dem  Schmelz-Punkt  der  zu  prüfenden  Sub- 
stanz liegt,  so  schmilzt  dieselbe  im  offenen  wie  im  geschlossenen  Instru- 
mente, weil  in  beiden  der  Druck  gleich  ist,  senkt  man  darauf  den  Appaiat 
ganz  in  das  erwärmende  Medium  ein,  so  erstarrt  die  Substanz  durch  den 
nun  eintretenden  Druck  im  geschlossenen  Instrumente  wieder,  während 
sie  im  offenen  unverändert  flüssig  bleibt. 

Obgleich  das  physikalische  Gesetz  der  Abhängigkeit  des  Schmelz- 
Punktes  vom  Druck  aus  diesen  wenigen  vorläufigen  Versuchen  nicht 
einmal  annähernd  ersichtlich  ist,  so  lässt  sich  doch  daraus  so  viel  mit 
Bestimmtheit  abnehmen,  dass  ein  Körper  bei  Druck-Differenzen  von  kaum 
100  Atmosphären  seinen  Schmelz-Punkt  um  mehre  Ccntei.imal-Grade  än- 
dern kann.  Hält  man  nun  die  schon  nicht  weniger  als  400 — 500  Atmo- 
sphären betragende  Pressung,  welche  ungefähr  zur  Sprengung  der  3  Milli- 
meter dicken  Wandung  einer  2  Millimeter  weiten  Glasröhre  erfordert  wird, 
mit  jener  gewaltigen  Druck-Kraft  zusammen,  welche  die  Feste  ganzer 
Kotincnte  erschüttert  oder  emporhebt  und  sich  in  Meilen-langen  Lava- 
Strömen  und  Aschen-Strahlen  an  den  Vulkanen  Bahn  bricht,  so  wird  man 
die  Überzeugung  nicht  abweisen  können,  dass  solche  Kräfte  sich  nur 
nacli  Tausenden  von  Atmosphären  schätzen  lassen.  Dann  aber  müssen 
auch  nothwcndig  die  solchen  Druck- Einwirkungen  ausgesetzten  feuer- 
flüssigen Gesteine  je  nach  dem  Wechsel  des  Drucks  ihre  Erstarrungs- 
Temperatur  um  Hundertc  von  Graden  ändern  können.  Man  begreift  daher 
leicht,  dass  Feldspath,  Glimmer,  Hornblende,  Augit,  Olivin  u.  s.  w.,  welche 
uDicr  einem  bestimmten  Druck  bei  einer  gewissen  Temperatur  aus  dem 
silikatischen  Lösungs-Mittel  erstarren,  unter  verändertem  Druck  bei  ganz 
anderen  Temperaturen  auskrystallisiren  werden.  Und  wenn  die  Ver- 
rückung des  Schmelz-Punktes,  wie  es  obige  Versuche  bereits  andeuten, 
bei  verschiedenen  Körpern  für  gleiciie  Differenzen  eine  verschiedene  ist, 
so  wird  sich  unter  Umständen  selbst  die  Reihen-Folge  der  Ausscheidungen, 
ja  CS  werden  sich  diese  Ausscheidungen  selbst  ihrer  chemischen  Konsti- 
tution nach  durch  den  blossen  Druck  ändern  können. 

Man  wird  es  daher  als  ausgemacht  betrachten  dürfen,  dass  der  Druck 
auf  das  Festwerden  der  plutonischen  Gebirge  und  auf  die  chemische  Kon- 
stitution der  darin  auftretenden  Gcmeng-Theile  einen  grossen,  vielleicht 
noch  grösseren  Einfluss  ausgeübt  hat,  als  selbst  die  Verhältnisse  der 
Abkühlung. 


Fr.  A.  Roeivier:  Beiträge  zur  geologischen  Kenntniss  des 
NW.  //ara-Gei)irges  (Dunk.  u.  Mey.  Paläonfogr.  1SS0,  III,  1  —  67, 
Th.  1  — 10).  Diese  wichtige  Abhandlung  füllt  das  ganze  erste  Heft  des 
III.  Bandes  der  Palaeontographica.  Ihr  zu  Grunde  liegt  eine  geognoslische 
Übersichts-Karte  vom  NW.  Theile  des  Hartes,  worauf  wir  Granit,  Diabas, 


224 

und  dann  von  Schicht-Gesteinen:  i)  ältere  Grauwackc;  2)  Calceola-Schie- 
fer;  3)  Wissenbacher  oder  Orlhoceren-Schiefer;  4)  S(rino;ocephalen-Kalk  •, 
5)  Goniatiten-Kalk;  6)  Iberger  Kalk;  7)  Cypridina-Schiefer;  8)  jüngere 
Grauwacke  und  Posidonomyen-Schiefer;  9)  Zechstein;  10)  Trias;  1 1)  Jura; 
12)  Kreide  eingetragen  flnden,  deren  Verbreitungs-Weise  sich  indessen 
eben  nur  mit  Hülfe  dieser  Karle  deutlich  machen  lässt,  daher  wir  hier  darauf 
verzichten  müssen.  Der  Vf.  hat  diese  Karte  zusammengestellt  aus  einer 
geologischen  Aufnahme  des  Har'ses  auf  vielen  grösseren  Blättern ,  in 
welche  sich  seine  Zuhörer  getheilt  hatten.  Eine  grössere,  ganz  neue  Karte 
derselben  Gegend,  auf  genauen  Messungen  beruhend ,  soll  noch  im  Laufe 
dieses  Winters  kolorirt  und  ausgegeben  werden. 

Der  Vf.  durchgeht  nun  die  vorhin  mit  1-8  bezeichneten  Gesteine  der  Reihe 
nach,  charaklerisirt  sie,  zählt  ihre  jetzt  sehr  zahlreich  vorliegenden  Versteine- 
rungen auf  und  bildet  die  neuen  oder  bisher  nur  mangelhaft  dargestellt  ge- 
wesenen Arten  ab,  wozu  H.  v.  Meyer  die  Bearbeitung  der  Squaliden-Reste  aus 
den  Posidonouiyen-Schiefern  übernommen  hat,  und  lässt  in  einem  Anhange  den 
Brachiopoden-Kaik  folgen,  der  sich  im  Kloslerholz-e  bei  Ilseburg  findet  und 
jetzt  in  seinem  früher  angegebenen  Alter  als  o  b  e  rsi  lurisch  durch  zahl- 
reiche Versteinerungen  bestätigt  wird,  aber  wahrscheinlich  auch  gleich- 
zeilig  ist  mit  am  nördlichen  War«- Rande  vorkommenden  Gesteinen  und 
mit  „Ur-Thonschiefer"  bei  Andreasberg,  mit  dem  Kalke  an  der  Scheeren- 
stiege  bei'm  Mägdesprung  und  den  Schichten  im  Tännen-Thale  bei  Öhren- 
feld. Den  Schluss  machen  „Versteinerungen  von  Elbingerode",  aus  eisen- 
schüssigen, mit  Diabasen  verbundenen  Sci)ichten  des  Buchenberges  und 
Hartenberges,  welche  auch  noch  dem  Stringocephalen-Kalke  anzugehören 
scheinen,  und  einige  Bemerkungen  über  die  Übersichts-Karte.  Es  ist  uns 
unmöglich,  dem  Vf.  in  alles  Detail  .seiner  geologischen  und  paläontologi- 
schen Charakteristik  dieser  einzelnen  Gesteine  zu  folgen;  zum  Theile  sind 
sie  auch  den  Namen  nach  schon  hinreichend  bekannt.  Wir  kehren  daher 
zu  einem  im  Anfange  stehenden  Nachwort  des  Vfs.  zurück. 

Derselbe  hat  nämlich  im  Herbste  d.  J.  1850  die  Ei  fei,  Corneli- Münster  y 
das  Maas-Thal  und  Couvin  im  SW.  Belgien  besucht,  um  dort  die  Ver- 
hältnisse zunächst  verwandter  Gesteine  zu  studiren,  und  stellt  hiernach 
folgende  schliessüche  Ansicht  auf. 

I.  Der  B  ra  ch  i  0  p  öden- Kalk  im  Kloslerholze  ist  obersilurisch, 
was  zwar  db  Vekneuil  widerspricht;  doch  scheint  seine  Sammlung  we- 
nigstens keine  devonischen  Arten  zu  enthalten,  die  darin  ebenfalls  vor- 
kämen. 

II.  Das  Deutsche,  Belgische  und  Französische  Devon-Gebirge  scheint 
aus  folgenden  Gliedern  zu  bestehen. 

1)  Spirif  er  e  n-Sandst  eine  (ältere  oder  fiAeini«cAe  Grauwacke, 
Grauwacke-Sandstein)  mit  Pleurodictyum ,  Ctenocrinus ,  Spirifer  macro- 
pterus  etc.  [Die  Schichten  mit  Leptaena  Murchisoni  in  den  Ardennen  bil- 
den wahrscheinlich  eine  ältere  Unterabtheilung]. 

2)  Calceola-Schiefer,  an  der  Belgischen  Grenze  mehr  als  im 
Hans  entwickelt:   zuerst  dunkle  Kalke  mit  Kriuoideu   und  Cyathophyllen ; 


225 

dann  gelbliche  Schiefer,  worin  unten  Caiceola,  mitten  Phacops  latifrons 
lind  oben  Atrypa  gale.ita  vorherrschen,  iibcrdiess  Calainopora  Gothlandica, 
Cystiphyllum,  Pleurdictyum  etc.  häufig  sind. 

3)  Orthoccren-  oder  Wi  ssettbacher  Schiefer:  charakterisirt 
durch  Isocardia  Humboldti,  Euomphplus  retronsus,  Goniatites  subnautilinus, 
Bactrites,  auch  noch  Phacops  latifrons. 

4)  S  t  ri  ngocep  halen  -  Kai  k,  in  der  Ei  fei  merkbar  dolomitisch, 
sonst  oft  eisenschüssig ,  in  Diabasen  eingelagert  und  charakterisirt  durch 
Calamopora  polymorpha  var.  ramosa  .  die  Auloporen,  viele  Cyathophyllen, 
Stringocephalus,  Uncitcs,  Megalodon  etc. 

5)  Receptaculiten-Schiefer,  gelbgrau,  unten  mehrfach  mit 
dünnen  knaurigen  Kalk-Schichten  wechsellagernd  und  hier  den  Recepta- 
culites  Neptuni  führend,  mit  Spirifer  Verneuili,  der  grösseren  Form  von  Tere- 
bratula  prisca  etc. 

6)  Die  Iberger  Kalke  liegen  bei  CoMum  300'  mächtig  deutlich  auf 
vorigen,  ohne  die  bei  4  genannten  Versteinerungen,  aber  mit  Columnaria 
basaltiformis,  Astraea  ananas,  Spirifer  bifidus,  Bactrites  etc. 

7)  Goniatiten-Schiefer  folgen  ebenfalls  bei  Couvin  deutlich  auf 
letzte.  Bisweilen  wechseln  sie  mit  wenig  mächtigen  Kalk-Lagern  oder 
sind  auch  wohl  durch  schwarze  kohlige  Schiefer  und  Kalke  oder  eisen- 
schüssige Kalke  vertreten:  reich  an  vielerlei  Goniatiten  mit  Bactrites, 
Cardium  palmatum,  Tentaculites  tenuicinctus  etc. 

8)  Cypridinen- Schiefer  mit  Cypridina  serrato-striata,  Phacops 
cryptophthalmus  (schon  in  7),  Posidonomya  venusta  und  den  untergeord- 
neten Ciymenien-Kalken:  bei  Couvin  vielleicht  vertreten  durch  einen  Theil 
der  dort  anstehenden  dunklen  Goniatiten-Schiefer,  worin  die  Cypridina 
ebenfalls  vorkommt. 

9)  A  may  -  S  ch  i  ef  er  mit  Pecten  lineatus,  Avicula  Damnoniensis, 
Productus  subaculeatus  und  vielen  andern  Muscheln :  mächtige  Glimmer- 
reiche  Schiefer,  welche  im  ^afl*-Thalc  im  Liegenden  des  Kohlen-Kalkes, 
so  wie  bei  Marienbottrg  und  Philippeville  vorkommen,  in  Deutschland  aber 
zu  fehlen  scheinen  (die  Chemung  Gruppe  N.- Amerika^ s). 

10)  Alter  rother  Sandstein:  mächtige  rolhc  Sandsteine  und 
Schiefer,  bisweilen  Kalk-halfig,  von  organischen  Resten  fast  nur  Fische 
(Holoptychus)  führend,  bis  jetzt  nur  in  Russland,  Schottland  und  N.-Ame- 
rika  beobachtet. 

III.  Von  den  Devon-Bildungen  dürften  nun  zu  trennen  und  schon  zur 
folgenden  Formation  zu  rechnen  seyn  : 

a)  feinkörnige  Glimm  er- reiche  Sandsteine,  zuweilen  mit 
Kalk-Nieren  und  Productus; 

b)  der  Kohlen- Kalk  mit  seinen  grossen  und  zahlreichen  Productus« 
Arten ; 

c)  die  P  0  s  i  d  0  n  0  m  y  e  n  -  S  c  h  i  e  f  c  r  und  damit  wechsellagernde 
jüngere  Grauwacke,  welche  man  nach  einer  Mittheilung  v.  Dechen's 
in  Überlagerung  der  vorigen  sieht  zu  Limbeck,  nördlich  von  Newiges 
bei  Düsseldorf;  wodurch  bestätigt  wird,  was  namentlich  die  Pflanzen  und 

Jahrgang  1851.  15 


226 

Goniatiten  dieser  Bildung  längst  vermuthen  licssen.  Sie  scheint  auf 
Deutschland  und  England  beschränkt  zu  seyn  und  den  Rhein  nicht  zu 
überschreiten,  wenn  nicht  etiva  die  Alaun-Schiefer  von  Chokier  mit  ihren 
Goniatiten  dazu  gehören  ; 

d)  der  Flötz-leere  Sandstein  (Miilstone-grit)  ;  ist  vielleicht  nur 
ein  Äquivalent  der  jüngeren  Grauwacke; 

e)  die  Kohlen-Lager,  Sandstein,  Schiefer  und  untergeordneten  Kalke, 
mit  Kohlen-Bänken  wechsellagernd,  am  östlichen  Hanse. 

Die  vom  Vf.  nach  Beobachtungen  zu  C'ouvin  aufgestellte  devonische 
Schichten-Folge  verwirft  indessen  Dümont  auf  das  Bestimmteste,  indem 
er  behauptet,  dass  der  Iberger  Kalk  mit  dem  Stringocephaien-Kalke  iden- 
tisch und  jener  übergestürzt  sey ,  und  dass  er  selbst  Caiceola  sandalina 
mit  Phacops  latifrons  auch  in  den  Goniatiten-  und  Receptaculiten-Schiefern 
gesammelt  habe,  worin  jedoch  R.  irgend  eine  Täuschung  vermuthet. 

In  der  Eingangs  angegebenen  Reihen-Folge  müssten  also  Iberger  und 
Goniatiten-Kaik  mit  einander  umgetauscht  werden. 

Wir  hoffen,  dass  diese  schöne  und  für  Deutschland  so  wichtige  Arbeit 
auch  einzeln,  aus  der  Heften-Reihc  der  Palacontographica  ausgeschieden, 
abgegeben  werde ,  wo  sie  gewiss  viele  Freunde  finden  wird,  und  können 
nicht  umhin,  bei  dieser  Veranlassung  die  ausgezeichneten  Fortschritte  her- 
vorzuheben, welche  die  der  Verlagshandlung  (Tu.  Fischer)  gehörige  litho- 
graphische Anstalt  seit  Beginn  dieser  Hefte  gemacht  hat.  Nicht  nur  die 
Karte  ist  in  Lithographie  und  Kolorirung  vortrefflich  ausgeführt,  sondern 
auch  die  Lithographie'n  der  Versteinerungen  gehören  zu  den  besten  Lei- 
stungen dieses  Faches,  die  wir  kennen,  und  es  dürfte  manchem  Leser 
willkommen  seyn,  davon  Notiz  zu  nehmen,  indem  es  an  Gelegenheit, 
naturhistorische  Gegenstände  in  Stein-Zeichnungen  gut  ausführen  zu  lassen, 
leider  noch  immer  sehr  mangelt. 


G.  A.  Maivtell:  Notiz  über  die  Dinornis-  u.  a,  Vogel  Reste, 
Konchylien,  Korallen  und  Fels-Arten,  welche  sein  Sohn 
Walter  Mantell  neuerlich  auf  der  Mittel-Insel  Neuseeland'S  ge- 
sammelt, nebst  Bemerkungen  über  die  nördliche  Insel  (Geo- 
log. Quartj.  1860,  VI,  319  —  344,  pl.  28,  29).  Die  Sammlung  rührt  her 
von  einer  flüchtigen  Geschäfts-Reise  längs  der  einspringenden  Ost-Küste 
von  Banks'  Halbinsel  bis  gegen  Cape  Saunders.  Mit  Ausnahme  jener 
Halbinsel  ist  die  Küste  mehr  oder  weniger  niedrig,  doch  Land-einwärts 
hoch  ansteigend,  daher  von  kleinen  aber  reissenden  Strömen  durchschnitten. 
Wie  die  nördliche,  so  scheint  auch  die  südliche  Insel  aus  einer  Grundlage 
von  metamorphischen  Schiefern  und  ThonSchiefer  mit  Dykes  von  Grün- 
stein, dichtem  und  Mandelstcin-artigem  Basalt,  eingetriebenen  Massen  von 
Obsidian ,  blasiger  und  trarhytischcr  Lava  u.  a.  Feuer- Erzeugnissen  zu 
bestehen.  Auch  Hornblende-  und  Porphyr-Gesteine,  Gneiss  und  Serpentin 
kommen  vor.     Granit  ist  nicht  beobachtet  worden. 

Die  hohen  Berg-Ketten  aus  metamorphischen  Schief er-Gestei» 


227 

nen,  welche  die  mittle  Insel  von  Cloudy-Bay  in  NO.-  bis  gegen  da5s 
SW.-Ende  der  Insel  300—400  engl.  Meilen  weit  durchziehen  und  mit  ihren 
Spitzen  in  die  Region  des  ewigen  Schnee's  hinoiiiragen  —  daher  sie  Cook 
die  „siidh'chen  Alpen"  genannt  hat,  —  werden  längs  ihrer  Seiten  begleitet 
yon  vulkanischen  Gries-Stcinen  und  an  ihrem  Fusse  von  Alluvial-Ablage- 
rtiiigeu  bedeckt,  welche  offenbar  aus  dem  Zerfall  der  Trachyte  und  erdigen 
Laven  so  wie  auch  härterer  und  älterer  Gesteine  herrühren.  Mau  kennt 
weder  thätige  Vulkane  noch  erloschene  Kratere;  doch  ist  das  Innere  noch 
zu  wenig  untersucht.  An  einigen  Punkten  der  von  iVI.  bereisten  Ost-Küste 
sieht  man  zwischen  Morakura  und  Kakauntti  I.  Schichten  zu  Tage  gehen,  die 
durch  ihre  organischen  Reste  dar  Europäischen  Kreide  ähnlich  sind.  II.  Bei 
Onekakara  überlagert  sie  ein  pleistocäner  Thon  voll  Konchylien- Arten, 
wie  sie  im  nahen  Meere  noch  leben.  Und  dieser  wird  seinerseits  von 
Alluvial-Kies,  Sand,  Konglomerat  und  Lehm  bedeckt,  welche  von  der 
Ost-Seite  der  Zcnlral-Kette  an  bis  zur  See-Küste  weite  Ebenen  bilden.  — 
An  der  westlichen  Küste  der  nördlichen  Insel  erscheinen  blaue  thonige 
Schichten  mit  ähnlichen  Fossil-Arten  zu  Wanganui,  Waingongoro  u.  s.  w., 
welche  sich,  wie  auf  erster,  nur  wenige  bis  höchstens  20  Fuss  hoch  über 
das  Meer  erheben,  und  wahrscheinlich  haben  beide  einstens  unter  sich 
Zusammenhang  gehabt.  Das  Land  hat  sich  aber,  seit  das  Stille  Meer  von 
seiner  jetzigen  Bevölkerung  belebt  ist,  gehoben,  was  daraus  sowohl  als 
aus  horizontalen  Niedersciilägen  von  Treibholz  längs  der  Küste,  aus  50' 
hoch  ansteigenden  Terrassen  von  Trapp -Blöcken  und  aus  alten  Gestade- 
Linien  hoch  über  dem  höchsten  Fluth  -  Stande  des  Meeres  hervorgeht.  — 
III.  Eine  Infusorien-E  rd  e  auf  beiden  Inseln  beweist,  dass  durch  jene  niede- 
ren Organismen  ein  ähnlicher  Bildungs-Prozess  wie  bei  uns  gleichzeitig  auch 
bei  den  Antipoden  stattgefunden  hat;  doch  gesellen  sich  dort  den  bekannten 
Formen  auch  solche  von  Pflanzen  und  Thieren  bei,  welche  man  noch 
nicht  im  lebenden  Zustande  kennt.  IV.  Endlich  liegt  eine  Schicht  mit 
Moa- Knochen  zu  Waikouaiti  in  der  Bucht  zwischen  Banks^  Halbinsel 
und  Cap  Saunders,  in  der  Nähe  dieses  letzten,  auf  dem  blauen  tertiären 
Thonc  wie  zu  Waingongoro  auf  der  Nord-Insel.  Geologisch  neu  ist  sie 
doch  sehr  alt  in  Bezug  zur  Menschen-Geschichte  und  scheint  eine  ehe- 
malige dichte  Bevölkerung  des  Landes  durch  grosse  Vögel  verschiedener 
Alt  anzudeuten.  Ihre  Knochen  sind  mitunter  von  wundervoller  Erhaltung, 
reich  an  organischer  Materie,  wie  in  N. -Amerika  die  Knochen  der  Masto- 
don-Gcrippc  zu  seyn  pflegen,  die  bis  0,27  Thier-Materie  enthalten  und 
daher  wohl  neuer  als  der  eigentliche  Mammont  sind.  Aus  der  einstigen  Menge 
dieser  Vögel ,  aus  ihrer  Grösse  und  Stärke  möchte  man  schliessen ,  dass 
sie  nicht  auf  unser  verhältnissmässig  kleines  Neuseeland  beschränkt  ge- 
wesen scyen  ,  sondern  einem  grosseren  versunkenen  Weltlheile  angehört 
haben,  dessen  Spitzen  jetzt  noch  als  Inseln  aus  der  Südsee  hervorragen. 
Und  kaum  möchte  zu  bezweifeln  seyn,  dass  auch  Dinornis  und  Palapteryx, 
gleich  dem  Dudu  und  Solitär  von  Mauritius  und  dem  Riesengeweih-Hirsch 
in  Irland  von  Menschen  ausgerottet  worden  sind ,  nachdem  geologische 
Ereignisse  sie  einmal  in  engere  Verbrcituugs-G reuzen  eingeschlossen  hatten. 

15  * 


228 


Manteil's  200  —  300  Sfiick  Mineralien  zählende  Sammlung^  von  der 
mittein  Insel  bietet  an  Mineralien  und  Gerollen  noch  schwefelsauren  Baryt, 
dichten  Zeolith;  Granaten,  Varietäten  von  Chaicedon,  Achat,  Quarz,  Jaspis, 
Halb-Opal  und  On3'x  dar.  Zinn-  und  Kupfer-Erze  fehlen;  aber  es  gibt 
Thone,  welche  mit  Eisen  als  Oxyd,  Kies  und  Phosphat  reif  h  beladen  sind. 
Titaneisen  oder  Menakanit  bildet  mit  Augit  -  Krystallen  ausgedehnte 
Sand-Schichten  bei  New-Plymouth  auf  der  N.-Insel,  und  in  diesen  Schich- 
ten kommen  an  der  Mündung  des  Waingongoro  die  schon  früher  von 
Mantbljl  eingesendeten  Moa-Knocheu  vor.  Auch  findet  sich  ein  feines 
weisses  Gestein,  Meerschaum -ähnlich  und  aus  kohlensaurer  Talk-Erde 
bestehend.  An  mehren  Stellen  lagert  auch  Braunkohle,  welche  an  einem 
Punkte  im  Innern  in  Brand  gerathen  zu  seyn  scheint. 

I.  Der  Kalkstein  von  Otolara  oder  Moroktira  ist  geschichtet, 
äusserlich  der  Korullinen- Kreide  von  Faxöe  ähnlich  und  ihr  auch  durch 
«eine  fossilen  Reste  verwandt.  Sein  Kalk-Zäment  besteht  hauptsächlich 
aus  Foraniiniferen-Theilen  von  denselben  Formen,  welche  auch  in  Eng- 
lischer Kreide  vorherrschen,  und  wie  diese  oft  noch  die  weichen  Körper- 
Theile  enthaltend.  Doch  weiss  G.  Mantell  nicht  zu  entscheiden,  ob  dieses 
Gestein  der  Danien-  oder  der  Eocän- Periode  angehört.  Folgende  Reste 
hat  er  mit  Morris',  Rekve's  ,  Wilmamson's  und  Jones'  Hülfe  bestimmt, 
(r  bedeutet  anderweitiges  Vorkommen  in  Grünsand,  r  in  weisser  Kreide, 
t,   u,  w  =  tertiär,  z  =  lebend. 


Squalus-Zähne  (nach  W.  Mantei.l). 
Lamna-Zahu  329,1 28, (.1 


?Belemnites-Bruchstück. 
Terebratula,  gross  und  glatt. 

„        GualteriMoRR.329,,2S,  2,  3. 

(ähnlich  T.  subplicala). 
Pollicipes,  einem  aus  d. Kreide änhiich. 
Cidaris,  Täfelchen  und  Stacheln. 
Eschara  *;>.  329,25,8 

Ceriopora  Ototara  n.sp.  329, 28,  i  — 7. 
(ähnlich  C.  disticha  Gr.). 

„       sp.  330,28,9—11. 

(ähnlich  C.  diadema  Gf.). 
Manon  sp.  parva         330, 28, 12  —  14. 


Bairdia  subdeltoidca  Mü.  sp.  (t,  t,  x). 
Cythereis  interrupta  Bosquet  (J^). 


Cythereis  gibba  Roem.  sp.  (t). 
„        galtina  Jon.  (r). 


Rosalina  laevigafaEB.(inKreideSt«7.). 

„        Beccarii  L.  sp.  (iv,  z). 

„     ähnl.Cristellaria  propinqua  Rss. 
Textalaria  n.  sp.  330,29,1. 

„  elongataJoN.  (f).  330,2i>,2. 

„  globosa  Eb.  (f). 

„  articulata  Ee.  (f)  330, 29, 3. 

Globigerina  sp. 
Nodosaria  limbata  d'O.  (f). 
Cristellaria  rotulata  Lk.  Sp.  (f). 
Dentalina  sp. 
Polymorphina  sp. 
Bulimina  spp.  2 — 3. 
Rosalina  Lorneiana  d'O.  (f). 


II.  Pleistocäner  blauer  Thon  von  Onekakara ,  merkwürdig 
durcli  koloss-ile  bis  5'  dicke  Septarien,  die  ausgewaschen  am  Ufer  umher- 
liegen;  enthält  nur  Reste  von  noch  lebenden  Arten,  meist  sehr  schön 
erbalten. 


229 


Avis  (Knochen). 


Mytilus  =  lebende  Art. 
Eschara  gp. 


331,  tS,  8. 


?Spi'rolini(es. 

Coscinodiscus  sp.  (wie  in  Jütland). 

Actinocyclus  *p. 

Alcyonium-  oder  Gorgonia-Rcste. 

Spongia-Nadeln. 


INucuia, 

Limopsis. 

Tunitella  rosea  Quoy.  33\, i8, 16— 17.  PeclunculuR 
Struthiolaria  stmniinea    Sow.    (SippejArca. 

diesem  Land  eigen).  IPecten. 

Triton  Spengleri  Lk.  OsJrea 

Fiisus  australis  Quer. 

„      nodosus  Martyn  sp. 
Pyrula. 
?^atica. 
Ancillaria  australis  Süvv.  (noch  nicht 

lebend  bekannt). 
Calyptraea. 
Dcntalium,  feingestreift,  331,  28,   16 

(desgl.). 
Cardium. 

Der  blaue  Tlion  von  Wanganui  auf  der  nördlichen  Insel  ist  schon 
früher  beschrieben   worden.     Er    enthält  ebenfalls  nur  Organismen -Reste 
lebender  Arten  in  sicli  und  ist  mit  dem  vorigen  (II)  von  gleichem  Alter. 
Fusus  nodosus  Quor.  Venericardia  Quoyi  Lk. 

Murex  Zealandicus  QroY.  Pecten  asperrimus  Lk. 

Venus  mesodesma  Gray. 

III.  Infusorien-Erde  von  Taranaki  Längs  der  Küsten  der  nörd- 
lichen Insel  bei  NetcPlymoulh  sieht  man  niedere  Hügel  von  kieselig-kalki- 
gem Sande  von  licht  rehbrauner  Farbe,  der  stellenweise  zu  zerreiblichen 
Massen  gebunden  ist.  Er  besteht  grösstenthcils  aus  kieseligen  Diatoma- 
ceen-Gliedern,  wovon  hier  nur  folgende  aufgeführt  werden. 

Bacillaria. 

Eunotia  ocellata  Eb. 
Pyxidicula  s.   Podosira      332,  29,  11. 
Coscinodiscus. 
?  Meloseira. 

Polycystina: 
z.  Th.  Formen  wie  auf  Barbados, 
332,  89,  10. 


Diatom  aceae. 
Stauroneis  ZealandicaM.H.332.,8.9,4,5. 
Surrirella.9^.ähnl.S.bifrons332,55,6,7. 
Navicuia  libriic  Eb.  («). 
Pinnularia  sp.  (  [z]  in  der  Themse) 
332,  S9,  8. 
Cocconema  sp.  ähnl.C.cymbiformeEB. 
Actinocyclus  sp.  332,  29,  9. 

I  n  f  u  s  0  r  i  e  n  -  E  r  d  c  vom  WaihoraSee  auf  der  Ost-Küste  der  Mittel- 
Insel  bei  Batiks^  Halbinsel.  Sie  sieht  weiss  und  wie  Magnesia  aus  und 
enthält  die  gewöhnlichen  Süsswasser-Diatomaceen  :  Gallionella,  Bacillaria, 
Gomphoncma,  Micrasterins,  Synedra,  Meloseira  ähnlich  M.  varians,  Cos- 
mariuin  margaritaccum,  Rimularia  viridis. 

IV.  Die  Sciiichten  mit  V  og  e  I  •  K  n  o  c  h  e  n.  Waltek  Mantell 
hatte  i.  J.  IS47  eine  Sammlung  von  700  —  800  solcher  Knochen  von  Wain- 
gongoro  auf  der  nördlichen  Insel  eingesendet,  welche  hauptsächlich  den 
kleineren  Arten  Dinornis  didiformis,  D.  curtus,  Aptornis  otidiformis,  mit 
D.  casuarinns  und  nur  geringen  Theils  dem  D.  giganteus  angehörten.    Die 


•230 

jetzige  Sendung  enthält  abermals  500  Knochen-Stücke,  von  welchen  200 
aus  den  Menakanit-Sandschichten  der  nördlichen,  die  andern  von  der  mittein 
Insel  herrühren,  25—30  Hunden  und  Phoken  ,  die  übrigen  Vögeln  ange- 
hören. Sie  rühren  von  Waikovaiti  in  der  Bucht  an  der  Ost-Küste  her, 
wo  auch  Mackkllar  und  Pearcy  Eari.  gesammelt  hatten.  Auf  der  Nord- 
Insel  hat  man  seitdem  einige  grosse,  mit  Stalaktiten  ausgekleidete  Höhlen 
gefunden,  175  engt.  Meilen  Land-einwärts  von  der  Waingonporo-SchicUt, 
und  in  den  Stalagmiten  am  Boden  auch  Knochen  von  Dinornis  u.  a.  Thieren 
eingeschlossen  gefunden,  wovon  jedoch  nichts  in  dieser  Sendung  enthalten 
ist,  welche  vielmehr  wieder  ganz  von  Waingongoro  stammt  und  unter 
Andrem  ein  vollständiges  Tarsomefatarsal-Bein  von  Aptornis,  einen  Schädel 
und  einige  Oberkiefer  von  Palapteryx,  Schädel  von  Notornis  und  Knochen 
mehrer  noch  unbekannter  Genera  darbietet.  -^  Die  Lagerstätte  von  Wai- 
kouaiti  ist  ein  altes  Moor  an  der  Mündung  des  genannten  Flusses  im 
äusseren  Winkel,  den  dessen  Halbinsel-förmige  Barre  mit  dem  Lande  macht, 
hauptsächlich  aus  Resten  von  Phormiuni  tenax,  der  Neuseeländischen  ¥\achs- 
Pflanze,  bestehet,  von  einer  Halbinsel-förmig  ins  Meer  auslaufenden  Sand- 
Schicht  bedeckt  und  nur  zur  Ebbe-Zeit  über  dem  Wasser  zugänglich  ist. 
Nach  dem  Lande  zu  ist  die  Grenze  dieses  Lagers  durch  Vegetation  ver- 
deckt, doch  wahrscheinlich  nicht  weit  ausgedehnt.  Das  Flachs- Moor  ist 
im  frischen  und  feuchten  Zustande  sehr  übelriechend,  getrocknet  aber  ge- 
ruchlos. Die  darin  liegenden  Knochen  sind  meistens  umbrabraun ,  von 
fester  Textur  und  oft  nnt  erhaltenem  Periuslenm.  Federn  und  Eier  sind 
gesucht,  aber  nicht  gefunden  worden.  Das  Meer  droht  das  ganze  Lager 
bald  hinwegzuspühlen ;  indessen  veranlassen  die  hohen  Preise,  welche  für 
die  besseren  Knochen-Reste  bezahlt  werden,  die  Eingeborenen  (Maoris 
genannt)  sowohl  als  die  Wal-Fänger,  die  Stelle  (leissig  nach  Knochen  zu 
durchforschen  im  Verhältnisse  als  das  Meer  sie  entblösst,  wobei  die  ersten 
freilich  bei  gewaltsamem  Herausziehen  auch  viel  Werthvolles  zerstören. 
Besonders  fleissig  erfolgen  die  Nachforschungen  von  einem  ganz  in  der 
Nähe  stehenden  (?  Missions-)  Hause  aus.  Ein  äusserst  merkwürdiger  Fund, 
den  ein  Wal-Fänger  gemacht,  besteht  in  einem  Paare  noch  aufrecht  und 
eine  Elle  weit  aus  einander  im  Moore  stehender  Moa-Füsse,  auf  die  wir 
später  zurückkommen  werden.  —  Andere  reiche  Fund-Stellen  von  Moa- 
Gebeinen  sind  auf  der  Mittel-Insel  nicht  bekannt  geworden ;  doch  kommen 
einzelne  Bruchstücke  da  und  dort  im  Untcrboden  der  Insel  vor.  Nament- 
lich sind  dergleichen  gefunden  worden  auf  der  Sand-Spitze  an  der  Mün- 
dung des  MoUneux-  (jetzt  Cleuther -)  Flusses,  50  engl.  Meilen  aufwärts 
von  Otago  im  NO.  von  der  Kaihiku-Keüe;  dann  15  Meilen  Land-einwärts 
davon  auf  dem  100'  hohen  Ifloa-Berg,  und  nach  der  Sage  der  Eingcbornen 
soll  jene  Kette  einst  vom  Moa  bewohnt  gewesen  seyn. 

Wegen  der  zoologischen  Mittheilungen  des  Vfs.  über  die  eingesandten 
Knochen-Reste  verweisen  wir  auf  die  Auszüge  unter  der  Rubrik  Petre- 
fakten-Kuude. 


231 

A.  V.  MoRLOT :  Andeutungen  über  die  gcologischcnVerhält- 
nisse  des  südlichsten  T heiles  von  Untersteyer  (Haiding.  Bericht. 
1849,  VI,  159-  J69).  In  dem  früheren  Aufsätze  (Jb.  1850,  712)  war 
von  der  Gegend  südlich  von  Cilli,  die  dem  Vf.  damals  noch  ziemlich 
unbekannt  war,  wenig  die  Rede:  seither  hat  er  sie  nach  zwei  Richtungen 
durchstiichen. 

(jbcrga  n  gs  -  Geh  i  I  ge  oder  wenigstens  Schiefer,  die  älter  sind, 
als  der  Alpen-Kalk,  treten  wohl  auf,  aber  nicht  so  ausgedehnt,  als  man 
glaubte,  indem  die  hieher  gerechneten  Gesteine,  die  gleich  bei  Cilli  vor- 
beistreichen, wie  gezeigt  werden  soll,  nicht  dazu  gehören.  Die  rolhen, 
sandigen  Schiefer  hingegen,  welche  an  der  Sau  bei  Schaunapetsch  ziemlich 
mächtig  auftreten,  dann  ein  rother  Sandstein,  den  Pahtsch  ganz  nahe  im 
Westen  von  Ifttirkl-Tüffer  beobachtete,  werden  wohl  zu  den  bekannten 
rothen  Schiefern  der  Alpen  gehören.  Weiter  südwestlicli,  bei  Lillatf  in 
Krain,  nehmen  die  Grauwacke-artigen  Schiefer  eine  grössere  Entwicke- 
lung  und  führen  an  a»anchcn  Punkten  ßleiglaiiz-Gänge,  auf  welche  Bergbau 
getrieben  wird.  Edelsbach,  östlich  von  Montprei.f ,  steht  auf  sonderbaren 
grünen  Schiefern,  die  vielleicht  hieher  gehören,  wenn  sie  nicht  etwa 
eocän  sind. 

Alpen -Kalk,  noch  immer  so  genannt,  weil  man  ihm  seinen  wahren 
Formations-Nanien  besonders  hier,  wo  gar  keine  Versteinerungen  bekannt 
sind,  nicht  zu  geben  weiss,  bildet  einen  von  O.  nach  W.  streichenden 
Zug,  der  sich  aber  nicht  so  regelmässig  darstellt,  wie  der  nördlich  ihm 
ziemlich  parallele  von  Gotiobit«.  Man  hat  es  südlich  von  Cilli  mit  der 
Fortsetzung  der  kärni /misch  -  krainischen  Kalk  -  Kette  zu  thun  ,  die  im 
Sult-Litcher  Gebirg  noch  8000'  hoch,  plötzlich  jäh  abbricht  und  nun  in 
verhältnissmässig  unbedeutenden  Rücken  nach  Kroatien  fortlauft.  Dieser 
von  der  Sann,  längs  welcher  die  Eisenbahn  nach  Laibach  führt,  quer 
durchschnittene  Kalk-Zug  scheint  doppelt  zu  scyn.  Ohne  von  dem  Kalk 
ganz  nahe  südöstlich  von  Cilli  zu  sprechen,  welcher  mehr  eine  isolirte 
Parthic  vorstellt,  durchschneidet  ihn  die  Eisenbahn,  von  N.  nach  S.  schrei- 
tend, oberhalb  Markt  -Till]  ev ,  und  dann  wieder  in  bedeutenderer  Breite 
zwischen  Bad  •  Tu  ff  er  und  Steinbrücke.  Es  wäre  nicht  unmöglich,  dass 
man  es  hier  mit  den  zwei  Gliedern  des  Alpen-Kalks  zu  thun  hätte,  welche 
sieh  weiter  westlich  bis  nach  Raibel,  wo  dieses  Verhällniss  besonders 
deutlich  ist,  durch  eine  oft  sehr  mächtige  Zwischenlage  von  Schiefern 
trennen.  Der  Kalk  ist  häutig  doloaiitisch,  be.>ionders  zwischen  Bad-Tüffer 
und  Sieinbriicke ,  wo  man  fast  lauter  Dolomit  ei  blickt  j  er  ist  hier  mei- 
stens sehr  bröckelig,  nur  zuweilen  drüsig,  lichtgrau,  auch  weiss,  und  es 
finden  sich  häutig  in  ihm  ausgezeiclmet  schöne  Rutsch  -  Flächen  ,  wo 
das  Gestein  oft  die  feinste  Politur  besitzt,  und  von  denen  aus  es  zu- 
gleich  auf  mehre  Zolle  bis  zu  ein  Paar  Fuss  einen  eigenthünilichen 
Breccien-arligen  Charakter  angenommen  hat,  so  dass  man  glauben  könnte 
ein  Konglomerat  zu  sehen.  Diess  tritt  besonders  auf  den  polirten  Flächen 
staik  hervor;  man  sieht  da,  wie  die  dunklen  ,  übrigens  ziemlich  kleinen 
Brücken    von    einer    helleren   Grundmasse    eingeschlossen   sind;    beide  er- 


232 

weisen  sich  jedoch  bei  der  Salzsäure  -  Probe  als  Dolomit.  Auf  den 
Rutsch -Flächen  ist  zuweilen  eine  nur  stark  Papier-dicke  Lage  von  Gyps 
ausgeschieden.  Sonderbar  ist  auch  noch  der  Umstand,  dass  zuweilen  das 
Gestein  auf  den  übrigens  höckerigen  und  ganz  unebenen  Klüften,  welche 
senkrecht  auf  der  Rutsch  •  Fläche  stehen,  wie  mit  einem  Email  über- 
zogen ist. 

Die  Eocän -F  or  mation,  deren  sonderbare  Verhältnisse  nordlich  von 
Ct7/t  in  dem  angeführten  Aufsatze  schon  besprochen  wurden,  zeigt  eine 
Wiederholung  derselben  Erscheinungen  hier  im  Süden. 

Die  hügelige  Gegend  OSO.  von  Cilli  scheint  derjenigen  in  NW.  gegen 
Wöllan  zu  entsprechen;  man  hat  hier  dieselben  \yunderlichen  Trachyt- 
artigen  Gesteine,  auch  mit  Eisenerzen,  oft  plötzlich  mit  den  gewöhnlichen 
Schiefern  und  Sandsteinen  abwechselnd.  In  den  letzten  hat  man  SO.  von 
Sl.'Georgen  bei  Trallna  die  eocänen  Kohlen  erschürft;  sie  zeigen  sich 
aber  ganz  unregelmässig  in  zerdrückten  verschobenen  Parthie'n.  Nur 
einige  hundert  Schritt  weiter  nach  Süden  in  derselben  Schlucht  finden  sich 
alte  Baue  oder  wahrscheinlich  nur  Schürfe  auf  ein  Erz,  welches  nach 
den  herumliegenden  Stücken  zu  urtheilcn  bloss  Schwefelkies  enthält  und 
im  veränderten  eocänen  Gestein  auftritt.  Der  Ruden%a  •  Berg  ('2169'  über 
dem  Meer)  bei  Windisch-Landsherg  ist  ein  Kalk-Rücken,  an  den  sich  am 
S.-Abhang  die  eocänen  Schiefer  ziemlich  steil  geneigt  anlehnen,  gerade 
wie  es  das  Profil  am  Gonobilxer-Berg  zeigt ;  man  hat  hier  bei  Windisch- 
Landsberg  auch  dieselben  Gesteine:  sandig-mergelige  Schiefer,  aber  so 
viel  bekannt  ohne  Kohle  an  ihrer  untern  Grenze,  hingegen  ebenfalls  mit 
Eisen-Erzen,  die  bei  Olimie  abgebaut  werden.  Es  sind  unreine  dichte 
Braun-Erze,  welche  wie  die  Schiefer,  von  denen  sie  nicht  zu  trennen  sind, 
streichen  und  sich  durchaus  an  die  Nähe  der  Gebirgs-Oberfläche  halten. 
Der  einzige  zur  Beobachtung  günstige  Punkt,  wo  die  Oberfläche  Stein- 
bruch-massig ordentlich  entblüsst  war,  seilte  die  Verhältnisse  so  dar,  als 
wenn  die  hier  senkrecht  stehenden  Schiefer  auf  1 — 2  Klafter  Mächtigkeit 
zu  Eisen-Erz  würden,  welches  dann  innerhalb  dieser  Zone  an  einzelnen 
Punkten  noch  reiner  und  derber  ausgeschieden  wäre. 

Insofern  herrscht  also  ein  bedeutender  Unterschied  zwischen  diesem 
Vorkommen  und  dem  schon  früher  bescliriebcnen  des  Späth  -  Eisensteines 
in  den  eocänen  Schiefern  nördlich  von  Cilli. 

Bei  St.'Rtiperti ,  SO.  von  Cilli  und  genau  W.  von  Windisch- Lands- 
berg,  wird  ein  Eisen-Erz  gewonnen  ,  welches  nach  seiner  Struktur  schon 
in  blossen  Hand -Stücken  als  zerbröckelter  (breccialed)  und  in  Braun- 
Eisenstein  umgewandelter  Schiefer  zu  erkennen  ist;  es  kommt  dort  eben- 
falls im  Gebiet  der  veränderten  eocänen  Schiefer  vor.  Bei  dem  Braun- 
kohlen-Werk Hraslnig  SO.  von  Trifail  sieht  man  wieder  steil  an  den  Kalk 
gelehnt  ein  schmales  Band  von  eocänen  Schiefern;  es  liegen  hier  an  der 
Oberfläche  ziemlich  viele  Fund-Stuffen  von  Braun-Eisenstein  herum.  Den 
Berg-Abhang  unmittelbar  südlich  bei  Cilli  bilden  wunderbare  Gesteine, 
die  allem  Anscheine  nach  zu  den  eocänen  Schiefern  gehören,  obschon  sie 
die  verschiedensten  Varietäten  zeigen.    Am  rechten  Sann-Vfer,  unmittelbar 


23;{ 

oberhalb  der  »Ken  Fahr-Brücke  nach  Steinbrücke  bei  dem  sog.  Kapaun' 
Hof  ist  für  die  Eisenbahn -Bauten  ein  grosser,  e(wa  200  Schritt  langer 
Steinbruch  eröffnet  worden.  Das  Gestein  ist  auf  dieser  ganzen  Länge 
ununterbrochen  entblösst  und  i>enau  Zoll  für  Zoll  zu  beobachten.  Am 
westlichen  End-Punkt  .sieht  man  die  gewöhnlichen  kaum  ein  wenig  ver- 
änderten dunkeln  dichten  thonigen  Eocän  -  Schiefer  ziemlich  horizontal 
gelagert;  von  hier  aus  kann  man  im  Streichen,  in  der  Fortsetzung  der- 
selben Schichten  ,  ihren  allmählichen  Übergang  durch  die  vollkommensten 
Zwisclienstufen  mit  den  verschiedensten  Neben- Varietäten  und  Neben- 
Reihen  in  jene  Masse  beobachten  ,  welche  den  östlichen  Theil  des  Stein- 
bruchs bildet  und  bisher  Hornstein-Porphyr  genannt  wurde,  weil  sie  Feuer 
schlägt,  sehr  spröde  und  ganz  massig,  dabei  vvcisslich  und  nach  allen 
Richtungen  klüftig  ist.  Diese  Erscheinungen  der  Veränderung  und  des 
Übergange.s  treten  innerhalb  so  geringer  Räume  auf,  dass  sie  sich  in 
einzelnen  Stuften,  wenn  diese  sorgfältig  ausgewählt  sind,  darstellen  lassen 
und  man  so  ihren  ganzen  Verlauf  in  einer  in  Gra«  niedergelegten  Reihe 
^  on  31  Hand-Stücken  aus  diesem  einzigen  Steinbruch  deutlich  sehen  kann, 
wobei  zu  bemerken  ist,  dass  je  zwei  auf  einander  folgende  Varietäten 
gewöhnlich  auch  in  einem  und  demselben  Stück  vereinigt  sind.  So  zeigt 
z.  B.  eine  Stufte  da.s  Verschwimmen  einer  noch  deutlich  schiefrigen 
dunkleren  Masse  in  eine  hellere  gefleckte  und  ganz  massige,  welche  einige 
Ähnlichkeit  mit  Trachyt  hat,  obschun  wirklieh  ausgeschiedene  Krystallc 
nicht  auftreten.  Man  hätte  hier  also  ähnliche  Verhältnisse,  wie  sie  Keil- 
HAV  aus  Norwegen  aber  im  Grossen  beschreibt,  und  aus  denen  er  schliesst, 
dass  der  dort  auftretende  Porphyr  nicht  eruptiv  seyn  könne,  sondern  dass 
man  es  nur  mit  den  Resullaten  einer  räthselhaften  Metamorphose  des 
Schiefers  zu  thun  habe.  Dass  sich  dieselben  Schlüsse  bei  der  Betrach- 
tung des  Steinbruches  von  CilU  dem  Geiste  aufdrängen  ,  ist  wohl  natür- 
lich; nur  dürfte  man  hiei',  gerade  weil  die  Erscheinung  mehr  in  Miniatur 
auftritt,  also  leichter  zu  übersehen  und  in  ihren  kleinsten  Einzelheiten  zu 
erfassen  ist,  eher  auf  die  Lösung  des  Pvälhsels  kommen.  In  dem  Eingangs 
angeführten  Aufsatze  war  schon  eine  Andeutung  enthalten,  welche  hier 
eine  Bestätigung  in  der  Thatsache  findet ,  dass  das  Gestein  häufig  von 
Breccien-artig  sich  kreutzcnden,  zuweilen  bedeutend  starken  Schnüren  und 
Adern  von  Braunspath  durchzogen  ist,  und  dass  dieser  in  der  Art  seines 
Auftretens  sich  als  eine  Aus.scheidung  aus  der  Grund -Masse  beurkundet. 
Bedenkt  man  nun  noch,  dass  diese  eocänen  Schiefer  bei  vorwaltendem 
Thon-Gehalt  doch  öfters  so  Kalk-reich  sind,  dass  sie  nsif  Säure  ziemlich 
.stark  aufbrau.^ien  ,  so  liegt  es  ziemlich  nahe  zu  vermuthen  ,  dass  dieselben 
Bittersalz-halligen  Mineral-Wasser  ,  welche  den  Kalk  zu  Dolomit  umwan- 
delten,  die  Ursache  der  Veränderung  der  eocänen  Schiefer  waren. 

Zur  befriedigenden  Darstellung  dieser  Verhältnisse  gehörten  aber  eine 
Menge  von  Zeichnungen  der  sorgfällig  gesammelten  Hand-Stücke,  die 
wieder  zu  dem  Zweck  eigens  zugerichtet  werden  müssten,  dann  verschie- 
dene chemische  Untei  suchungen,  übeihaupt  eine  eigene  Monographie  des 
merkwürdigen  Steinbruches.  —  Am  linken  Äann-Ufer  befindet  sich  bei  der 


234 

Mühle,  am  Fusse  des  Kalvarien  •  Berges  von  Cilli ,  im  Streichen  der  so 
eben  besprochenen  Schichten  ein  zweiter  Steinbruch  auf  dieselben  Schiefer, 
die  hier  den  Übergang  in  eine  dunkelgrüne  harte ,  aber  noch  einiger- 
niaassen  schiefrige  Masse  zeigen,  welche  dem  Grünstein  ziemlich  ähnlich 
sieht,  viele  kleine  Mandeln  von  Kalkspath  enthält  und  daher  auch  Mandel- 
stein genannt  worden  ist.  Nur  ein  Paar  Hundert  Schritte  weiter  steht  das 
Wirthshaus  zum  Posthorn,  wo  eine  noch  auffallendere  Varietät  derselben 
Gesteine  gebrociien  wird.  Die  Masse  ist  hell,  weisslich  und  sieht  in  ihren 
gröber  gefleckten  Parlhic'n  mehr  wie  Trachyt  aus;  betrachtet  man  sie 
aber  alsdann  genauer,  so  wird  man  gewahr,  dass  die  weissen  fleckenden 
Einschlüsse  ja  nicht  etwa  Feldspath-Krj  stalle  sind  ,  wovon  sich  nichts 
zeigt,  sondern  dass  sie  die  kleinen  noch  schiefrigen  Trümmer  eines  sehr 
veränderten,  speckig  und  weisslich  gewordenen  Schiefers  darstellen,  wo- 
von die  noch  weiter  gediehene  Umwandlung  die  schieferungslose  sie  ein- 
schliessende  Grundmasse  gebildet  hat. 

Ein  neu  beobachtetes  Vorkommen  aus  der  nördlicheren,  schon  früher 
besprochenen  Gegend  verdient  hier  angeführt  zu  werden.  An  der  Strasse 
von  PöUschack  nach  Rohitsch,  gleich  nachdem  man  den  Kalk-Rücken 
durchschnitten  hat,  steht  im  Gebiet  der  daran  gelehnten  cocänen  Schiefer 
ein  Bruch  auf  ein  dunkelgrünes  ganz  massiges  und  hartes  Gestein,  wel- 
ches man  Grünstein  zu  nennen  geneigt  wäre,  in  welchem  aber  sehr  kleine, 
doch  deutliche  Muscheln  (Nucula?  und  Cardium)  enthalten  sind. 

eis  hicher  war  die  Rede  von  den  cocänen  Schiefern,  welche  nach 
dem  Profil  bei  Gottobil%  und  räch  demjenigen  von  Radoboj  (Berichte  VF, 
58)  das  untere  Glied  der  Eocän-Formation  in  diesen  Gegenden  bilden ; 
das  obere  Glied  davon,  welches  in  Radoboj  einen  wie  Leitha-Kalk  aus- 
sehenden Grobkalk  bildet,  findet  sieh  mit  ganz  ähnlichem  Chnrakter  S. 
von  Citli.  Das  Schloss  Monlf)reis  steht  auf  dem  sehr  markirten,  von  O. 
nach  VV.  laufenden  Kamm  der  hicher  gehörenden,  nach  S.  steil  abge- 
brochenen und  mit  30  — 40*^  nach  N.  fallenden  Kalk-Schichten;  bei  St.-Veit 
(0.  von  MoiUpreis)  fand  sich  eine  Auster  darin  ,  und  noch  etwas  weiter 
0.,  auf  dem  Weg  von  Edelsbach  nach  Bislerma  Spuren  von  Nummuliten. 
An  der  Eisenbahn-Station  bei  Markl-Tüffer  sieht  man  mit  50 — 60**  S.  fallende 
Schichten  eines  Kalkes,  der  wahrscheinlich  hieher  gehört;  er  hat  die  Textur 
von  Korallen-Kalk,  enthält  Spuren  von  Versteinerungen,  namentlich  von 
grossen  Pekten  ,  und  zeigt  mitten  in  der  graulich-weissen  Grund-Masse 
sonderbare  blaue  Flecken.  Im  Liegenden  ist  eine  Schicht  mit  Einschlüssen 
von  Porphyr,  wenn  es  nicht  wieder  etwas  Metamorphisches  ist.  Partsch 
hat  gleich  oberhalb  am   Berg- Abhang  rothen  Sandstein  gefunden. 

Bei  Hleinbrücke  und  dann  von  hier  weiter  W.  gegen  Sagor  findet  sich 
in  grosser  Menge  ein  sog.  Koralien-Kalk,  der  zu  den  Eisenbahn-Bauten 
stark  verwendet,  dem  Nummuliten-Kalk  des  Karstes  schon  sehr  ähnlich 
wird.  Eine  Viertelstunde  unterhalb  Trifail  am  rechten  Thal-Gehänge 
finden  sich  einige  Korallen  und  undeutliche  Versteinerungen  in  seinen 
mürberen  Schichten ;  bei  Schloss  Gallenegg ,  noch  weiter  W.  wnd  schon 
in  Krain,  enthalten  dieselben  Schichten  eine  grosse  gefaltete  Teiebratel. 


235 

Diese  eocänen  Kaikc  sind  bei  ihrer  ojrossen  Ähnlichkeit  mit  dem 
Leitha-Kalk  bisher  für  meiociin  oehaltcn  woiden;  hei  dem  llnistande,  dass 
sie  nur  noih  weni»  Versteineriuiöcn  ^;eliefert  haben  ,  sind  es  einstweilen 
ihre  Lagerungs-Verhällnisse,  welclie  ihie  Trennung  von  der  Meiocän-For- 
niation  rechtfertigen,  indem  sie  sich  fast  immer,  und  zwar  ziemlich  steil, 
gewöhnlich  unter  45"  geneigt  zeigen,  uahiend  die  lueiocäne  Molasse  eben 
so  häutig  an  ihrem  Fuss  horizontal  und  ihnen  also  abweichend  aufgelagert 
erscheint  ,  überhaupt  in  diesen  Gegenden ,  s«  viel  bis  jetzt  bekannt, 
nirgends  gehoben  und  aufgerichtet  ist.  Diese  abweichende  Lagerung 
lässt  sich  wie  bei  Radoboj  und  bei  Gonobit-i  eben  so  an  vielen  Stellen  S. 
von  am,  wie  bei  Monlpreis,  Markt-Tuffer,  Hraslnig  und  Islaak  nachweisen 
und  liefert  ein  praktisches  Mittel  zur  Unterscheidung  der  Eocän  -  und 
Meiocän-Formation .  welclie,  wie  bekannt,  dunh  die  dazwischenfallende 
Hauptalpen-Hebung  so  scliarf  getrennt  sind. 

Die  Meiocän-Formation  tritt  auf  als  gewöhnliche  sandige,  auch 
lehmige  Mulnsse,  und  lindet  sich  hier  in  diesem  niedern  Gebirge  fast 
tiberall  in  allen  Mulden-artigen  Vertiefungen.  Sie  fuhrt  häutig  Braun- 
kohle, welche  in  dem  langen  und  ganz  schmalen  Strich,  der  von  O.  nach 
W.,  von  Tiiffer  über  Gotiz-e,  Hraslnig,  Trifail,  Satfor  gegen  Islaak  streicht, 
eine  grosse  Mächtigkeit  erlangt.  Im  Kohlen-Werk  Hrastmg  z.  B.  beträgt 
sie  im  Mittel  4ö',  wobei  aber  zehn  2"  dicke  Zwischenschichten  von  Feuer- 
festem Thon  mit  eingerechnet  sind.  Das  Werk  selbst  liegt  bei  440'  über 
der  nur  I  Stunde  weiter  S.  vorbeifliessenden  Sau  und  gegen  600'  tiefer 
als  der  höchste  Punkt,  welchen  die  Braunkolilen-Formation  etwas  weiter 
().  auf  dem  Sattel  mit  dem  nächsten  Qucr-Thal  erreicht,  und  der  also  bei 
lOOo'  über  der  Sau  zu  liegen  kommt.  Man  ersieht  daran,  dass  die  ge- 
genwärtigen tietsten  Thal-Einschnitte,  \\\c  derjenige  der  San,  wo  keine 
Molasse  vorkommt  ,  nicht  immer  mit  den  trüberen  meiocänen  Thal-Wegen 
übereinstimmen  und  diese  oft  auf  der  Seite  in  einer  giösseren  Hohe  lassen. 

Ein  noch  auftallenderes  Beispiel  derselben  Art  beobachtet  man  am 
N. -Abhang  des  Bachers;  hier  sieht  man  einen  langen  schmalen,  aber  un- 
unterbrochenen Streifen  von  Molasse,  der  sich  von  Stildenhofen  über  üt. 
Anlon ,  Reifnig,  St.  Lorenaeu  nach  Schloss  Faal  zieht,  in  Reifnig  eine 
Höhe  von  gegen  lOOO'  über  dci  bei  2  Stunden  weiter  nördlich  vorbei 
fliessenden  Drau  erreicht  und  einen  ehemaligen  Verbiudungs-Fjord  zwi- 
schen dem  meiocänen  Meere  in  liärnlhen  und  in  Untersteijer  bildete.  Es 
war  .iber  nicht  der  einzige:  denn  eine  zweite  solche  Verbindung  muss 
diis  damals  schon  eben  so  tief  wie  heule  ausgeschnittene  Thal  von  Win- 
dinchgralz-  nach  Unter- Drauburg  hergestellt  haben,  da  man  bei  St.  Johann 
am  Gehänge  fast  in  der  Thal-Sohle  Molasse  tindct.  Ein  dritter  höher  ge- 
legener Verbindungs-Arm  scheint  endlich  von  M'indischgrals  W.  über 
Kötlulach  und  Prävali  gegen  lileiburg  bestanden  zu  haben.  Von  Misling 
zieht  sich  ein  ebenfalls  Fjord-ähnlich  gelegener  ganz  schmaler  Streifen 
Molasse  über  Weilenstein  nach  GonobH% ,  von  wo  aus  man  also  stets 
einem  schmalen,  oft  nur  ein  paar  Hundert  Klafter  bieitcn  Molasse-Band  nach- 
gehend über  Windischyratfs  nach  Unter-Drauburg,  dann  das  ganze  Lavant' 


236 

Thal  hinauf  über  Obdach  nach  Weisskirchen ,  und  dann  dem  itfur- Thal 
nach  bis  Brück,  und  von  da  das  iJfwra-Thal  entlang  bis  gegen  den  Söm- 
inering  gelangend  eine  merkwürdig  regelmässige  lange  Kurve  beschreibt, 
welclje  eine   tiefere  Bedeutung  haben  niuss. 

Das  Hangende  der  Braunkohle  bilden  in  Hrastnig  bituminöse  Mergel 
mit  Spuren  von  Blätter-Abdriicken  und  Muscheln.  Bei  Trifail  sind  die 
Wirkungen  alter  Kohlen-Brände  sehr  häufig  und  ausgezeichnet ,  beiläufig 
20  Klafter  tief  greifend.  Hier  ist  sonderbarer  Weise  der  weifer  westlich 
von  Sagor  gegen  Islaak  zu  wieder  fortsetzende  Molasse-Streifen  durch 
einen  Kalk-  und  Dolomit-Bücken  der  Quere  nach  ganz  unterbrochen.  Bei 
Jslaak  sind  Pflanzen-Abdrucke  in  Menge  vorgekommen;  wo,  Das  wusste 
aber  Niemand  mehr  anzugeben. 

Wenn  auch,  wie  schon  gesagt,  in  den  besprochenen  Gegenden  die 
Molasse  ihren  gewöhnlichen  sandig-mergeligen,  nun  Versteinerungs-armen 
Charakter  besitzt,  so  mnss  sie  doch  in  dem  SO.  Zipfel  von  Steyermark 
in  der  Gegend  von  Hörberg  und  dann  auch  bei  Lichtenwald  mehr  Leitha- 
kalk-artig und  reich  an  Versteinerungen  seyn,  unter  denen  sich  ein  schöner 
Pecfen  latissimus  befindet. 

Wie  bereits  erwähnt ,  liegen  die  Schichten  der  Meiocän-Formation 
überall  regelmässig  horizontal,  ohne  Spur  von  Störung  durch  Hebung, 
höchstens  durch  Verrutschung  in  gewissen  Lokalitäten,  wie  z.  B.  in  Hrastnig 
und  dann  zwischen  Misling  und  Weitenslein  aufgerichtet.  Eine  wahr- 
scheinlich ebenfalls  nur  scheinbare  sonderbare  Ausnahme  sieht  man  bei 
Pöllschiich  an  dem  Winkel  der  nach  W.  sich  biegenden  Eisenbahn,  wo 
man  an  dem  durch  den  Bahn-Bau  entblösstcn  12'  bis  20'  hohen  Abhang 
folgendes  wagrechte  Profil  von  S.  nach  N.  beobachten  kann: 

1.  Sandstein  und  Konglomerat,  wenig  fest,  mindestens  lo'; 

2.  Gerolle,  ohne  hervorstechende  gelbliche  Färbung,  wie  bei  den  ter- 
tiären Geschieben  so  gewöhnlich;  die  Längs-Axe  der  einzelnen  Ge- 
rolle, wo  eine  solche  hervortritt,  ziemlich  senkrecht  und  der  Schich- 
tung parallel,   15' ; 

3.  Gelber  Sand,  6'; 

4.  Gerolle,  deutlich  kugelig,  im  Meere  abgerollt,  5': 

5.  Gelber  Sand,  21'; 

6.  Sandstein,  eine  regelmässige  Schicht  übrigens  getrennter  Knauern,  1^'; 

7.  Grauer  Sand,  9'; 

8.  Gelber  Sand,   12'; 

9.  Grauer  Sand,  mit  2  einige  Zoll  mächtigen  Lagen  von  Sandstein- 
Knauern.   18' ; 

10.  Gelber  Sand,  18'; 

11.  Grauer  fester  Sand,  mit  einer  dünnen  Schicht  Nr.  12,  wo  nebst 
Turritellen  besonders  viele  Pinnen  vorkommen;  sie  lassen  sich  nicht 
gut  aus  der  ziemlich  festen  Grund-Masse  herauslösen  und  liegen  mit 
ihrer  Längs-Axe  sonkreckt,  parallel  der  Schichtung,  18'; 

13.  Gelber  Sand,  6'; 

14.  Grauer  Sand,  auf  18'  entblösst,  aber  vielleicht  noch  weiter  gegen 
N.  fortsetzend. 


237 

Die  Gesammt-Mäclitigkeit  der  entblösslen  Schichten  würde  also  156' 
betragen,  wobei  das  Liegende  wahrscheinlich  der  südlichere  Tbeil  ist. 

Zu  bemerken  ist  noch,  dass  dieser  Punkt  die  Grenze  des  weithin  aus- 
gebreiteten tertiären  Hügel-Landes  bildet,  und  dass  er  nur  durch  das  von 
Alluvium  ausgefüllte  Thal  der  Drann  von  der  S.  vorbeistreichenden  älteren 
Gebirgs-Kelte  des  3096'  hohen  Wotscfi  getrennt  ist.  Die  Folgerung,  dass 
die  meiocänen  Schichten  hier  mit  der  Wotsch  -  Keile  mitgehoben  worden 
seycn,  ist  übrigens  unzulässig,  da  ihre  horizontale  ungestörte  Auflagerung 
auf  den  steil  aufgerichteten  Formationen  jener  Kette  bisher  überall  beob- 
achtet wurde,  wo  sie  unmittelbar  an  einander  anstossen.  Man  hat  es 
hier  wohl  nur  mit  einer  lokalen  Erscheinung  zu  thun ,  die  wahrscheinlich 
mit  den  eigentlichen  Gebirgs-Hebungen  keine  Gemeinschaft  besitzt. 

Plutonische  Gebilde  sind  nach  den  Angaben  von  Berg-Beamten 
auf  W.  Haidingkr's  geologischer  Karte  der  Monarchie  S.  von  Cilli  einge- 
tragen worden  ;  der  Vf.  hat  aber  weder  dort ,  noch  überhaupt  in  ganz, 
Untevjileyer  S.  von  der  Draxi^  mit  Ausnahme  Aea  Bacher-Gebirges ,  etwas 
gesehen,  das  er  für  plutonisch  halten  könnte;  sämmtlicher  sog.  Hornstein- 
Porphyr  scheint  bloss  umgewandelter  Schiefer  zu  seyn;  nur  bei  Markt 
Tü/fer  wäre  es  nicht  unmöglich,  dass  ein  wenig  ächter  Porphyr  anstehend 
gefunden  würde. 


Ehkenberg:  Tinte-Regen  in  Irland  (Berlin.  Monatsber.  IS 49, 
200—201).  Am  14.  April  d.  J.  fiel  in  Irland  auf  einer  Fläche  von  400  bis 
700  Engt.  Quadrat-Meilen  ein  schwarzer,  Tinte-artiger  Regen,  worüber 
Prof.  Barkhr  an  die  Dubliner  Wissenschafts- Gesellschaft  berichtet  hat. 
Eine  ausserordentliche  Finsterniss,  Hagel-Sturm  und  Blitze  ohne  Donner 
begleiteten  die  Erscheinung.  Barker  fand  durch  chemische  Zerlegung  im 
Regen  einen  starken  Gehalt  von  Kohlenstoff  und  schrieb  desshalb  die 
Färbung  einer  Russ-Massc  zu.  Ehrenberg  erhielt  nun  ebenfalls  eine  Probe 
dieses  Regens  und  fand  durcii  mikroskopische  Zerlegung  :  l)  dass  die 
schwarze  Färbung  von  einer  Beimischung  verrotteter  Pflanzen-Theile  her- 
rühre; 2)  dass  die  Mischung  ausser  vielen  verbrennlichen  auch  viele  un- 
verbrennliche  Thier-  und  Pflanzen-Theile  enthalte,  wobei  kieselschaalige 
Polygastrica  und  kalkschaalige  Kreide-Thierchen;  3)  dass  nun  sehr  viele 
lebende  (nach-erzeugfc)  Thierchen  die  nun  freilich  schon  über  2  Monate 
erhaltene  Flüssigkeit  erfüllen.  Es  scheint  demnach  diese  schwarze  Masse 
angesehen  werden  zu  müssen  als  ein  durch  langes  Herumziehen  schon 
verrotteter  und  zersetzter  Passat-Staub  oder  Blutregen-StofT. 


Ehbenberg  :  über  eine  weit  ausgedehnte  Fels-Bildung 
aus  kies  eise  h  aaligen  Polycystinen  auf  den  Nicobaren-Inaeln 
(Berlin.  Monatsber.  1850,  476  —  478).  Bisher  hatte  nur  Barbados  Poly- 
cystinen -  Gesteine  geliefert.  Die  Nicobaren  liegen  damit  in  ungefähr 
gleicher    Breite,    aber    in    0»t '    (statt    West-)    Indien.      Sie    bestehen 


238 

ans  syenitischem  und  Serpenfin-artigcm  Porphyr-  oder  Gabbro-Geslein  ohne 
vulkanische  Auswurf-Stoffe  als  Kern,  an  welchen  sich  bis  zu  2000'  Höhe 
hinauf  Thonc,  Merg-el,  Kalkhaltige  Sandsteine,  die  reich  an  Polycystinen 
sind  und  deren  dem  Vf.  bereits  100  Arten  geliefert  haben,  welche  z.  Th.  mit 
den  300  Arten  von  Barbados  identisch  sind.  Insbesondere  sind  die  Inseln 
Car-Nicobar  und  Comarta  dadurch  ausgezeichnet,  und  auf  letzter  ist  ein 
300'  hoher  Berg  vorhanden,  der  in  seiner  ganzen  Höhe  Polycystinen- 
Thone  trägt.  Ein  dort  und  an  anderen  Stellen  vorhandener  lichter  Meer- 
schaum-artiger Thon  und  Schiefer  (Tripel ,  Polir-Schiefer)  bestehen  fast 
ganz  daraus  im  Gemenge  mit  vielen  Spongoiithen.  Diese  Thoue  im  All- 
gemeinen werden  von  Braunkohlen  -  haltigcn  Ablagerungen  so  wie  von 
syenitisclien  Gerüllen  durchzogen. 


R.  I.  Mur.CHisoN :  Steinkohle-Fossilien  zwischen  den  kry- 
stallin ischen  Gesteinen  des  Fore^  und  Hebungs-Linie 
zwischen  dem  untern  und  obern  Theile  der  Steinkohlen- 
Formation  (Brif.  Assoc.'^  James.  Jourti.  1850,  XLIX,  308  —  311).  M. 
hat  schon  vor  einiger  Zeit  Krinoiden-Reste  gefunden  in  einem  harten  und 
eigenthi'imlichen  Sandsteine  an  den  Ufern  des  Sichon,  einem  Neben-Flusse 
des  AUier  in  der  krystallinischen  Kette  des  Forez-\  bei  einem  zweiten 
Besuche  entdeckte  er  nun  auch  ein-  und  zwei-schaalige  Konchylien,  Trilo- 
biten  und  Korallen,  worunter  sich  eine  Leptaena  oder  Chonites  von  silu- 
rischer Form,  ein  Productus  fimbriatus  oder  diesem  sehr  nahe  verwandt 
eine  Cypricardia,  nahestehend  dem  Permischen  Pleurophorus  costatus  KiNC, 
und  das  Trilobiten-Genus  Phillipsia  näher  bestimmen  liessen  ,  welches 
letzte  mit  dem  Productus  auf  den  untern  Theil  der  Steinkohlen-Formation, 
hinweiset,  während  in  der  geologischen  Karte  von  Frankreich  diese  Ge- 
steine als  alte  krystallinischc  Übergangs-Gesteine  eingetragen  sind,  mit 
welchen  oder  den  uotersilurischen  sie  auch  lithologisch  am  meisten  Ähn- 
lichkeit haben.  Es  sind  im  Ganzen  Schiefer,  porphyrische  Griessteine  u. 
dgl.,  durchdrungen  von  verschiedenen  Porphyren,  in  welchen  die  frantsö- 
sischen  Geologen  nie  ein  Petrefakt  entdeckt  hatten.  —  Vom  Kastei  von 
Busset  an  dem  Sichon  hinauf  fand  M.  das  sandige  und  schieferige  Gebirge 
in  der  Weise  durch  Ausbrüche  eines  oft  Granit  -  artigen  Porphyrs  meta- 
raorphosirt  und  verworfen,  dass  Niciits  im  Stande  war,  die  gewölinlichen 
unteren  Glieder  der  Kohlen-Formation,  des  Devon-  oder  Silui'-Systems 
in  ihnen  zu  verrathen.  In  den  Schiefern  von  Bussel  liessen  sich  nur 
2  dünne  Streifen  eines  harten ,  schieferigen  und  etwas  krystallinischen 
Kalksteines  entdecken.  Auf  einem  Ausfluge  nach  Thiers  boten  sich  die- 
selben Erscheinungen  in  einem  viel  grösseren  Maassstabe  dar.  Hochauf- 
steigende Massen  eines  duukelgrauen  und  röthlichen  Quarz-Porphyrs  mit 
Adern  von  Quarz,  der  zuweilen  fast  zu  Granit  wird,  haben  die  zer- 
trümmerten Schiefer  und  Griessteine  (Grits)  in  allen  Richtungen  durch- 
setzt und  stellenweise  die  Grauwacken  und  Schiefer  in  krystallinischc 
Hornblende-Schiefer,  die  Griessteine  in  Quarzfels  umgewandelt.    Es  liegt 


239 

also- der  obere  Theil  des  Kohlen-Systems,  die  in  Zentr&l- Frankreich  liiii 
und  wieder  vorkommende  Steinkohle  selbst  abweichend  auf  diesem  meta- 
morphosirten  und  aufgerichteten  untern  Theile  des  Systems.  Auch  v.  Ver- 
NEuiL  hat  schon  lange  wahrgenommen,  dass  die  Berg-Kette  von  Regny 
bei  Roanne,  welche  parallel  zum  Forez  und  von  sehr  ähnlicher  Zusammen- 
setzung ist,  ihrer  Producti  u.  a,  Fossilien  wegen  unabvveislich  zur  Berg- 
kalk- oder  obern  Gruppe  des  Steinkohlen-Systems  gehöre.  Diese  That- 
sachen  nun  so  wie  das  Vorkommen  vieler  ächten  Steinkohlen-Productus  zu 
Sable  in  Bretagne,  wo  diese  Gesteine  ebenfalls  ungleichförmig  über  dem 
Steinkohlen-Gebirge  ruhen,  haben  auch  Elie  de  Bkauiviont  veranlasst,  seine 
frühere  Ansicht,  dass  diese  ungleichförmig  aufeinander  liegenden  Schichten 
verschiedenen  natürlichen  Gruppen  angehören,  zu  verlassen.  Dazu  kommt 
endlich  die  schon  ältere  gemeinsame  Beobachtung  von  Murchisonu.Sedgwick, 
dass  bei  Jlof  der  ächte  Kohlen-Kalkstein  mit  Produkten  gleichförmig  mit 
dem  darunter  liegenden  Devon-  und  Silur-Systeme  aufgerichtet  worden 
ist,  während  in  dem  nahen  Böhmen  die  Steinkohle  selbst  horizontal  blieb. 
Auf  diese  Tiiatsachen  in  Frankreich  und  Deutschland  gestützt,  hat  nun 
Elie  de  Beaumont  ein  neues  Hebungs- System  angenommen.  Da  aber 
dasselbe  in  manchen  Gegenden  von  England,  Schottland  und  Irland  keine 
Wirkungen  wahrnehmen  lässt.  so  findet  M.  hiedurch  eine  bisher  vertretene 
Behauptung  abermals  bestätigt,  dass  alle  Dislokationen  vergleichungsweise 
nur  lokale  Erscheinungen  sind. 


C.  Petrefakten-Kunde. 

A.  D'OßBiGNif:  P rodrome  de  Paleont ologie  atratigraphique 
universelle  des  Animaux  Mollusques  et  Rayonnes  {Paris  12", 
I,  vol.,  Lx  et  394  pp.).  Dreimal  haben  wir  uns  nach  Paris  gewendet, 
um  dieses  Buch  endlich  zu  erhalten,  welches  schon  zuvor  anderwärts 
in  Deutschland  verschickt  worden  war.  Erst  am  Schlüsse  des  Jahres  1S50 
ist  es  uns  zugekommen.  Der  erste  Band  besteht  aus  LX  SS.  Einleitung 
und  ungefähr  der  Hälfte  des  eigentlichen  Textes,  dessen  zweite  Hälfte 
mit  alphabetischem  Picgister  der  nächste  Band  bringen  und  welchem  dann 
jährlich  ein  Supplement  folgen  soll.  Den  Text  S.  1—394  finden  wir  in 
folgende  Abschnitte  geflieilt:  I.  Terrains  jtaleoaoiques:  i)  Etage  silurien,  a) 
inferieur,  b)  (superieur  oder)  Murchisonien,  2)  Devonien,  3)  Carboniferien, 
4)  Perraien  ;  —  II.  Terrains  Iriasiqties :  5)  Conchylien,  6)  Salifericn  (mit 
St.  Cassian)  :  —  HI.  Terrains  jurassiqties  :  7)  Sinemurien,  8)  Liasien, 
9)  Toarcien,  10)  Bajocien,  II)  Bathonien  ,  12)  CaUovien,  13)  Oxfordien. 
Jeder  dieser  Abschnitte  zerfällt  nun  wieder  in  etwa  folgende  Unterab- 
thcilungen:  Mollusques  Cephalopodes,  Gasteropodes,  Ptcropodes,  Lamelli- 
branchcs  (Orthoconques  sinupalleales  et  integropalleales,  Pleuroconques), 
Brachiopodcs  ,  Bryozoaires :  —  Rayonnes  Echinodermes  (Asteroides,  Cri- 
noides  etc.),  Zoophytes.    Pflanzen,  Kerb-  und  VVirbel-Thicre  sind  aus  dem 


240 

Buche  ausgeschlossen,  in  welchem  man  sie  nach  der  Tendenz  des  Werkes 
und  dem  Anfange  des  Titels  erwartet  haben  würde.  Jede  Unterabtheilung 
bringt  hierauf  die  systematische  Aufzählung  aller  Genera  und  Arten,  die 
letzten  mit  Nummern  versehen,  mit  dem  Namen  des  Autors,  der  die  Art 
mit  derselben  Benennung  zuerst  in  das  Genus  versetzt  hat,  des  Jahres,  des 
Werkes  mit  Seitenzahl,  Tafel  und  Figur,  der  wichtigeren  Synonyme,  des  Lan- 
des und  Fund-Ortes,  Alles  ohne  Unterbrechung  der  Zeilen.  Das  Werk  enthält 
so  viele  neue  Genera  und  Arten,  welche  mitunter  mit  kurzen  Worten  über  ihren 
Charakter  begleitet  sind,  so  viele  neue  Versetzungen  von  Arten  aus  einem 
Genus  ins  andere  und  so  viele  Umtaufungen,  dass  wenige  Seiten  sind, 
wo  man  nicht  wenigstens  lOmal  den  Namen  „d'Orb."  hinter  den  syste- 
matischen liest.  Jene  Arten,  die  sich  in  des  Vfs.  Sammlung  befinden,  sind 
mit  einem  (*)  bezeichnet.  Diese  Menge  neuer  Sippen-  und  Arten-Namen, 
die  manchfaltige  Scheidung  oder  Wiedervereinigung  verschiedener  Spezies, 
hauptsächlich  aber  die  grösser^  Vollständigkeit  in  der  Aufzählung  Franz-ösi' 
scher  Arten  und  Fund-Orle,  die  genauere  Scheidung  nach  den  Formationen 
daselbst  machen  das  Buch  jedem  Paläontologen  unentbehrlich,  obwohl  es 
überall  nur  mit  der  äussersten  Vorsicht  zu  benützen  ist.  —  Die  oben  genannten 
Formationen  enthalten:  1)426  und  418,  2)  1198,3)1047,4)91,5)107,6)733, 
7)  173,  8)  270,  9)  287,  10)  582.  11)  326,  12)  346,  13)  392,  zusammen  fast 
6400  Arten,  also  etwa  800  weniger  als  unser  Index,  welcher  Unterschied 
jedoch  bei  den  vielen  neuen  und  aus  einigen  uns  unzugänglich  gewesenen 
Werken,  woraus  der  Prodrome  geschöpft,  nicht  allein  von  einer  Aus- 
lassung anderer  guten  Arten,  sundern  auch  von  der  einer  beträchtlichen 
Anzahl  zweifelhafter  Arten  des  Index  herrührt.  Das  Manuscript  war  1847 
vollendet,  daher  allen  neuen  Namen  mit  „d'Orb."  auch  die  Jahres-Zahl  1847 
beigesetzt  worden  ist,  pour  prendre  dale ,  obwohl  es  wegen  Ungunst  der 
Zeiten  erst  1850  im  Druck  erscheinen  konnte.  Es  war  vollendet,  als  d'O. 
den  Index  (1848  —  1849)  erhielt,  nach  welchem  er  indessen  keine  Verände- 
rungen mehr  vorgenommen  zu  haben  versichert,  damit  jedes  von  beiden 
Werken  unabhängig  vom  anderen  auftrete.  Wenn  aber  d'O.  an  diese 
Nachricht  in  11  §§.  eine  6  Seiten  lange  Parallele  zwischen  Prodrome  und 
Index  reihet,  damit  jener  diesem  zur  Folie  dienen  solle,  so  sehen  wir  uns  den 
Besitzern  des  Index  gegenüber  genöthigt,  ihm  zu  antworten,  dass  der  Index 
nicht  mehr  aus  sich  machen,  aber  auch  nicht  uuwerther  erscheinen  will, 
als  er  ist,  nicht  weiter  greift,  als  er  sieht,  die  Wahrheit  höher  hält,  als 
den  Nimbus,  die  Wissenschaft  nicht  unter  einer  Fluth  vordatirter  neuer 
Namen  begräbt,  ihr  mit  Tausenden  von  Objekt-losen  Benennungen  keinen 
Keil  ins  Fleisch  treiben  will,  dass  endlich  die  von  ihm  dem  Index  ge- 
machten Vorwürfe  theils  auf  einseitiger  Auffassung,  theils  auf  Entstellung 
beruhen  oder  theils  durchaus  unwahr  sind.  Diess  setzt  uns  daher  in  die 
Nothwendigkeit,  dieser  Anzeige  des  Prodrome  eine  kritische  Beurtheilung 
der  Folie  des  Index  folgen  zu  lassen,  der  wir  in  Anerkennung  der  unend- 
lichen Schwierigkeiten  jener  Arbeit  und  des  manchfaltigen  Nützlichen,  das 
sie,  wie  alle  Arbeiten  d'O's.,  immerhin  enthält,  uns  ausserdem  gerne  ent- 
schlagen  haben    würden.     Am  Index    werden    zu  Gunsten    des  Prodrome 


241 

folgende  Ausstfrllungcn  »;cmufli(:  1)  tauge  die  alphabetische  Ordnung  der 
Zusammenstellung  nicht,  indem  hicdurch  alle  zoologischen  und  geologischen 
Resultate  derselben  aus  dem  Gesichte  verschwinden ;  2)  die  „Erudition", 
obwohl  zweifelsohne  die  stärkste  Seite  desselben,  sey  mangelhaft,  da 
Werke,  wie  M'Cüy's  Synopsis  1843  und  Hall's  beide  Schriften  über  New- 
York  von  1843  und  1847  dafür  nicht  benutzt  seyen;  3)  es  seyen  über 
den  Formen-Ähnlichkeiten  der  Arten  die  geologischen  Alters-Untersthiede 
zu  sehr  zurückgesetzt  ,  statt  diese  voranzustellen ,  und  daher  ungleiche 
Arten  verschiedener  Formationen  vereinigt  worden  ;  4)  die  Charaktere  der 
Genera  seyen  nicht  genug  berücksichtigt  und  ihnen  Arten  zugethcilt  wor- 
den, die  ihnen  nicht  angehören,  daher  manche  Sippen  (wie  Ampuilaria, 
Melania ,  Buccinum  etc.)  eine  zu  grosse  geologische  Ausdehnung  durch 
Formationen  hindurch  erlangt  hätten,  die  ihnen  nicht  zustehe;  5)  auch 
seyen  die  Arten  oft  hinsichtlich  ihres  Alters  unrichtig  bezeichnet,  indem 
das  Alter  entweder  nur  nach  willkürlich  hervorgehobenen,  oder  nach  allen 
Autoren  zugleich  eingetragen  worden  sey;  6)  wo  die  Namen  geändert 
worden,  habe  man  nicht  genug  auf  die  Priorität  und  auf  die  schon  ausser- 
halb der  Paläontologie  vergebenen  Benennungen  geachtet;  7)  die  Zitate 
der  Autoren-Namen  und  Bücher-Titel  seyen  zu  kurz.  In  Summa  „der  Index 
ist  bis  daher  das  beste  und  vollständigste  Werk  über  diesen  Gegenstand, 
eine  reiche  Zusammentragung  von  grosser  Wichtigkeit  ihrer  Details,  kann 
aber  in  sehr  vielen  Fällen  erst  dann  zur  genauen  Belehrung  dienen,  wenn 
er  in  den  oben  genannten  Beziehungen  umgestaltet  worden  seyn  wird" 
nacii  dem  .Muster  des  Prodrome.  —  Hierauf  habeh  wir  nun  vor  allem 
Anderen  zu  erwidern,  dass  beide  Werke  keineswegs  ein  gleiches  Ziel 
haben,  ihre  Wege  nicht  gleichweit  gehen,  und  dass  es  kein  Vorwurf  für  eines 
derselben  ist,  wenn  es  sein,  aber  nicht  des  Andern  Ziel  erreicht  hat,  son- 
dern nur,  wenn  es  sich  selbst  eine  unangemessene  Aufgabe  gestellt  hätte. 
Welches  die  Veranlassung  und  der  Zweck  des  Index  gewesen  sey,  ist  im 
Vorwort  desselben  genau  angegeben;  auch  die  Angriffe  sind  dort  voraus- 
gesagt, die  er  zu  erleiden  haben  wird.  Es  sollte  eine  vollständige 
systematische  Aufzählung  aller  bis  jetzt  bekannten  Organismen  (nicht  bloss 
Radiaten  und  Mollusken)  und  ihrer  Namen  mitHinsicht  auf  ihre  geologische  so- 
wohl als  geographische  Verbieitung  nach  allen  vorliegenden  Materialien  und 
dem  augenblicklichen  Standpunkte  der  Wissenschaft  gegeben,  folglich  auch  die 
an  sich  oder  in  Bezug  auf  ihr  Genus  unsicheren  Arten  und  geologischen 
Zitate  nicht  übergangen,  sondern  mit  dem  Ausdrucke  dieser  Unsicherheit 
ebenfalls  aufgenommen  werden,  soferne  sie  nämlich  in  der  Literatur  nicht 
bereits  beiichtigt  gewesen  oder  uns  selbst  sie  zu  berichtigen  räthlich  oder 
möglich  gewesen  wäre.  Eben  hiedurch  sollte  zur  wiederholten  Prüfung  und 
endlichen  Berichtigung  aufgefordert  werden;  zu  welchem  Ende  wir  denn 
auch  die  Literatui'  so  vollständig  durchgehen  mussten,  als  unsere  eigene  und 
erreichbare  in-  und  aus-wär(ige  Bibliotheken  (von  denen  wir  uns  Werke 
kommen  Hessen)  es  gestatteten.  Jede  Art,  jedes  Synonym ,  jedes  geologi- 
sche Vorkommen  berichtigen  und  defuiitiv  feststellen  zu  wollen,  haben 
wir  für  etwas  die  Zeit  und  die  Kräfte  des  Einzelnen  weit  ubersteigendea 
Jaliigniig  tH5|.  16 


M2 

gehalten  und  desshalb  vorcr.st  mehr  die  überall  vorhandenen  Aufgaben 
für  Alle  hervorheben,  als  unmittelbar  selbst  schliesslich  lösen  wollen. 
Daher  unser  Buch  ebrn  auch  kein  System,  selbst  kein  „Prodiomus"  eines 
solchen,  sondern  nur  ein  „Index"  des  vorhandenen  Materials  genannt 
worden  ist.  Aus  demselben  Grunde  schien  uns  die  Einführung  neuer, 
richtig  ausgevpähllcr  Namen  ebenfalls  Sache  künftiger  Monographie'n 
und  nicht  des  Index  zu  seyn;  daher  wir  soIc)ie,  etwa  von  den  Pflanzen- 
Thieren  ab,  fast  gänzlich  vermieden  haben.  Für  die  gebrauchten  Namen, 
Formationen  und  Fund-Orte  sind  bis  auf  wenige  Ausnahmen  die  Autoren, 
die  wir  nennen,  verantwortlich;  die  Quelle  unserer  Angaben  wird  man 
mittelst  der  im  IVomenclafor  aufgenommenen  Zitate  überall  finden.  Hypothesen 
und  kühne  GriflFe  haben  wir  gänzlich  bei  Seite  gelassen.  Indem  wir  somit  auf 
die  Ehre  der  Autorschaft  in  so  vielen  Fällen  verziihteten,  wo  es  leicht  war 
sie  zu  gewinnen,  müssen  wir  auch  die  Anschuldigung  zurückweisen,  daas 
wir  das  Unrichtige  nicht  mit  neuen  Namen  verbessert  haben,  und  leben 
noch  jetzt  der  Überzeugung,  wohl  daran  gethan  zu  haben.  Wir  haben  zwar 
aus  dieser  nicht  berichtigten  Zusnmmensteüung  aligemeine  wissenschaft- 
liche Resultate  gezogen,  jedoch  immer  selbst  hinweisend  darauf,  dass  wohl 
gegen  '/s  bloss  nomineller  Arten  darin  enthalten  seyn  möge  und  dass  eine 
gute  Anzahl  Arten  zweifelsohne  in  zu  vielen  und  unrichtigen  Formationen 
zitirt  sey;  dass  desshnlb  jene  Resultate,  obwohl  in  Zahlen  gefasst,  nicht 
als  mathematisch  genaue  Ausdrucke  zu  betrachten,  aber  im  Ganzen  immer- 
hin richtig  seyn  würden.  —  Anders  bei  d'Okbigny.  Alle  diese  Be- 
denklichkeiten ,  das  Misstrauen  in  die  eigene  Kraft,  das  Bestreben  auch 
divergirende  Angaben  gewissenhaft  milzuregistriren  bis  zur  künftigen 
Lösung  lagen  ihm  ferne;  nach  seiner  Sprache  möchte  man  glauben,  dass 
er  die  Überzeugung  habe  und  erwecken  violle,  dem  Leser  den  Vorläufer 
(Prodrome)  eines  von  Art  zu  Art  in  jeder  Hinsicht  schon  gründlich  durch- 
gearbeiteten Werkes  vorzulegen;  er  nimmt  jedenfalls  die  Überzeugung  in 
Anspruch,  dass  derselbe  wenigstens  die  Fehler  vermieden  habe,  welche  dem 
Index  zum  Vorwurfe  gemacht  worden  sind.  Doch  gehen  wir  zu  deren  Beant- 
wortung über.  —  Zu  1):  Es  ist  eben  so  unwalw  als  unbegreiflich,  wie 
d'O.  behaupten  kann,  unsere  Übersicht  sey  in  alphabetischer  Ordnung 
redigirt;  Diess  ist  nur  beim  Nomenciator  der  Fall,  wo  diese  Ordnung  ge- 
wiss auch  die  zweckmässigste  war;  der  tabellarische  Enumerator  dagegen 
ist  systematisch  und  zwar  so  eingerichtet,  dass  die  zoologischen  und  geo- 
logischen Resultate  dabei  sogar  besser  in  die  Augen  springen,  als  im 
Prodrome.  —  Zu  2):  Wir  haben  allerdings  nicht  alle  Werke  benützen 
können,  und  was  die  angeführten  drei  anbelangt,  welche  nie  in  Deutsch- 
land versendet  worden,  so  ist  uns  das  von  M'Coy  erst  kurz  vor  Abschluss 
des  Manuskripts  bekannt  geworden  und  nicht  mehr  herbeizuschaffen  ge- 
wesen; das  erste  von  Hall  {1843)  war  uns  unerreichbar,  sein  Inhalt  ist 
aber  doch  grösstentheils  mittelbar  benützt  worden;  das  zweite  hat  uns 
Hr.  Hall  selbst  gleich  bei  seinem  Erscheinen  zugesendet:  da  war  aber 
der  Druck  des  Index  dem  Ende  nahe.  Wir  haben  gewissenhaft  verar- 
beitet,   was  uns   erreichbar  gewesen,    und  wenn  wir  nicht  alle  Schriften 


243 

bpniitzeii  konnten,  so  liabcn  wir  wem'o^stons  ein  volls(än(l)o;es  Vcrzcicliniss 
aller  7.U  benutzenden  bis  zum  Jabr  1S47  (Nomencl.  S.  xxii  — lvii)  gegeben 
n»i(l  beigenierkt  (das.  S.  lvij)  ,  welclie  davon  und  wie  weit  wir  solche 
Iiabcn  verarbeiten  können,  um  den  Leser  rasch  in  den  Stand  zu  setzen  zu 
sehen,  was  er  im  Falle  einer  günstigeren  Lage  etwa  noch  zu  ergänzen 
h;ibe.  Das  war  oHcn  und  in  Betracht  der  Verhältnisse  genügend.  Im 
Prodrome  suclun  wir  dagegen  bis  jetzt  vergeblicii  nach  dem  einen  oder 
nach  dem  andern  dieser  Verzeichnisse;  er  iiberiäs.st  uns,  miibsaui  zu  er- 
mitteln oder  zu  erratben,  welche  Quellen  von  ihm  zur  Benützung  gezogen 
worden  sind.  Ja,  wir  finden  auf  diesem  Wege,  dass  viele  keineswegs 
durch  ilne  Neuheit  noch  unerreichbare,  und  darunter  selbst  in  der  Biblio- 
thek der  Sociele  geologiqtie  und  des  Conseils  des  mlnes  vorhandene  Werke  von 
demselben  grossentbeils  unbeachtet  geblieben  sind,  die  wohl  niancheAusbeule 
gegeben  hatten,  wie  das  Jahrbuch,  die  Lethaca  (obwohl  das  erste  für  Nerinca, 
die  zweite  in  der  „Paleontologie  Frangaise,  Terrains  jurassiqucs"  benutzt.'), 
Queisstedt's  „Gebii  ge  Würtlembergs",  das  der  Formations-Bestimraungen  hal- 
ber so  wichtig  ist,  u.s.  w.  Würde  d'O.  z.  B.,  wenn  er  Blumeneach's  Specimen 
archaeologiae  gekannt  hätte,  dessen  Asterites  scutellatus  aus  dem  Muschelkalk 
zu  Pterocoma  pinnata  aus  den  Solenhofener  Schiefern  versetzt  und  diese  in  Pt. 
sculellata  d'Orb.  umgetauft  haben?  und  hätte  er  diesen  Fehler  nicht  aus 
zehn  anderen  Büchern  berichtigen  können,  wenn  er  sie  hätte  benützen 
wollen?  —  Zu  3) :  Es  ist  ein  alter  Streit-Punkt,  ob  einerlei  Art  in  ver- 
schiedenen Formationen  voi komme  oder  nicht,  und  was  in  diesem  Falle 
unter  Formation  zu  verstehen  sey.  Obwohl  sich  der  Vf.  des  Prodrome 
bei  vielen  Veranlassungen,  unter  Berufung  auf  das  immer  gleiche  Resultat 
seiner  15jährigen  Studien  in  2  Welttheilen ,  verneinend  daiüber  ausge- 
sprochen bat  und  noch  ausspricht,  hat  er  doch  u.  A.  das  Vorkommen  spe- 
zitisch in  keiner  Weise  unterscheidbaier  Formen  von  2  —  3  Foraminiferen- 
Artenje  in  der  Kreide,  in  2 —  3  Abtbeilungen  des  Tertiär-Gebirges  und  lebend 
im  Mittelmeere  schon  vor  vielen  Jahren  zugestanden  (vgl.  Jb.  1S42,  369; 
Enum.  766  — 769),  und  jetzt  finden  wir  eine  Menge  von  Arten  von  ihm  selbst 
nach  eigenen  Exemplaren  in  je  2  —  3  seiner  Terrains  jurassiques  ohne  oder 
mit  lJbersprint;ung  eines  dazwischen  gelegenen,  trotz  zahlreicher  Aus- 
scheidungen [z.  B.  den  Pecten  lens  im  Callovien,  Oxfordien  und  Corallien, 
und  die  Lima  proboscidea  sogar  in  4  derselben  (Nr.  10 — 13)]  aufgeführt. 
Wo  bleibt  niux  das  immer  gleiche  Picsultat  löjäbriger  Studien  ?  Die  Frage 
ist  somit  in  thesi  von  ihm  selbst  und  zwar  zu  unsern  Gunsten  bcantwor- 
wortet;  über  einzelne  Fälle  zu  streiten,  würde  hier  zu  Nichts  helfen;  in- 
dessen folgen  wir  dabei  dem  Grundsätze,  dass  wir  Formen,  die  wir  spe- 
zifisch zu  entscheiden  nicht  im  Stande  sind,  unter  einem  Art-Namen  verei- 
nigt lassen,  mögen  sie  nun  auch  aus  noch  so  verschiedenen  Formutionen 
herstammen,  und  d'O  wird  uns  nicht  beweisen  können,  dass  wir  damit 
im  Unrecht  sind.  Welche  Hypothese  sich  Jeder  dazu  mache,  ist  Sache 
des  Einzelnen  und  kömmt  hier  nicht  in  Betracht.  n'O.  gibt  uns  zwar  die 
Lehre,  dass  der  Historiker  seine  Münzen  weder  nach  der  Ähnlichkeit  des 
Metalls  noch  nach  der  darauf  geprägter  Bilder,  sondern  nach  dem  Datum 

16  * 


244 

ordne,  und  so  komme  es  aiicli  in  der  Geologie  bei  dem  Ordnen  und  Be- 
stimmen melir  auf  das  Alter  als  auf  das  Aussehen  der  Fossilien  an.  Gut  denn ! 
Wenn  nun  der  Historiker  zwei  in  Metall,  Form  und  Grösse  gleiche  Münzen 
aus  verschiedenen  Zeilen,  jede  mit  einem  Löwen  ausgeprägt  fände,  ebenfalls 
einen  dem  andern  gleich,  so  würde  er  nicht  die  eine  zur  Unterscheidung  eine 
Tiger-Münze,  er  würde  beide  Löwen-Münzen  nennen,  doch  mit  Beifügung 
der  Jahrszahl.  Wie  gar  in  Fällen ,  wo  das  Aller  nicht  aus  einer  bei- 
geprägten Jahres  -  Zahl  erhellte  ?  Wenn  aber  d'O.  überhaupt  (wie  es 
ja  im  Prodrome  sehr  oft  geschieht)  das  Vorkommen  einer  Art  in  2  —  3 
successiven  Formationen  zugibt,  welches  sind  die  Grenzen,  wo  man  es 
nicht  mehr  zugeben  darf?  Was  ist  eine  Formation?  Welche  ist  in  dieser 
Beziehung  bevorrechtet?  Wir  wiederholen:  die  Gründe  zur  Vereinigung 
der  Individuen  in  eine  Art  müssen  innere  und  sichtliche  seyn  :  dann  mag 
Jeder  das  Recht  behaupten,  seine  Hypothesen  daran  zu  knüpfen.  Im  Übrigen 
beneiden  wir  den  Vf.  niclit  um  das  Wohlgefallen  und  die  Leichtigkeit, 
womit  er  neue  Arten  und  Genera  hinstellt;  es  genüge  als  Beleg,  dass  er 
aus  der  allbekannten  Stromatopora  polymorpha  p.  109  allein  i  Genera  mit 
9  Arten  aufstellt;  dass  für  die  ohnehin  so  schwierig  zu  charakterisirenden 
Spongien  die  neueren  Genera  mit  ungenügender  Definition  Dutzend-weise 
erscheinen  und  die  noch  nicht  beendigte  Monographie  der  Polyparien  von 
MiLNF.  Edwabds  und  Haimk  einen  Nachtrag  vieler  Sippen  mit  eben  so 
ungenügender  Charakteristik  erhält.  —  Zu  6):  Wir  haben  schon  bemerkt, 
dass  wir  grundsätzlich  jede  Veranlassung  vermieden,  neue  Namen  zu 
machen.  Wir  haben  desshalb  Arten,  die  in  ein  neues  Genus  versetzt 
werden  müssen,  aus  diesem  Grunde  oft  noch  beim  alten  gelassen  und  uns 
beschränkt,  dort  ihre  unsichere  Stellung  anzudeuten  oder  die  Sippe  zu 
nennen,  wohin  sie  gehören;  wir  haben  5  Arten  mit  dem  Namen  Terebratula 
Buchii  eingeschrieben,  ohne  einmal  denselben  zu  ändern;  wir  haben  Arten, 
welche  einen  unhaltbaren  Namen  besitzen,  gleichwohl  noch  unter  diesena 
aufgeführt,  wenn  ein  hallbarer  nicht  schon  vorhanden  war:  wir  haben 
vielleicht  den  schlechtesten  oder  den  neuesten  Art -Namen  beibehalten, 
wenn  ein  besserer  oder  wenn  der  älteste  uns  gezwungen  hätte,  die  Art  in 
ein  unrichtiges  Genus  zu  versetzen;  wir  haben  diess  Alles  so  gehalten  in  der 
Überzeugung,  dass  derartige  Änderungen  ohne  Noth  nur  bei  monographischer 
Bearbeitung  vorgenommen  werden  sollten.  Für  unsern  Zweck  genügte  es, 
alle  jene  Arien  und  Namen  mit  ihrem  Datum  vollständig  zur  Kenntnissnahme 
neben  einander  gestellt  zu  haben.  Wenn  uns  Hr.  d'O.  vorwirft,  ausser- 
halb der  Paläontologie  schon  verbrauchte  Namen  in  Anwendung  gebracht 
zu  haben,  so  dürfte  demnach  dieser  Fehler  wohl  nicht  allzuoft  vorgekommen 
seyn;  und  um  ihn  ganz  zu  vermeiden,  hätte  es  ja  nur  jener  Sub-Erudition 
bedurft,  die  noch  so  wenig  Anwendung  gefunden,  dass  man  nicht  leicht  in 
Gefahr  ist,  einen  doppellen  Namen  zu  machen,  und  womit  denn  auch  der 
Vf.  sich  in  den  meisten  Fällen  zu  helfen  pflegt,  indem  er  dem  bereits 
dubleten  Art-Namen  die  Sylbe  „sub"  voran  und  „d'Orb.  1847"  nachsetzt. 
So  sehen  wir  z.  B.  auf  S.  87  drei  Pecten-Arfen  hinter  einander  in  P.  sub- 
duplicatus,  F.  subglobus  und  P.  subobsoletus  umgetauft.     Wie   oft  er  in- 


245 

dessen  pleichwolil  mit  seinen  Versuchen  nach  einer  bessern  Einreihung  bis- 
heriger Spezies  in  richtigere  Genera  unglücklich  gewesen,  kann  man  schon 
aus  der  gründlichen  Würdigung  Deshayes'  in  seinem  Tratte  de  Conchijliologie 
ersehen.  Welchen  Dank  ist  uns  Hr.  d'O.  schuldig,  dass  wir  ihm  dieses  Feld 
für  ein  tausendmaliges  „d'Of.b.  1847"  oft  gelassen  haben!  Aber  gleich- 
zeitig müssen  wir  protestiren  gegen  die  tausendfältig  vorkommende  Dati- 
rung  der  hier  zum  ersten  Mal  aufgestellten  o'ORBiGNv'schen  Benennungen  auf 
das  Jahr  1847,  da  nach  allem  Fug  und  bisherigem  Brauch  das  Recht  der 
Priorität  über  das  Jahr  1850.  der  Publikation  des  Prodrome,  nicht  zurück- 
geht, selbst  dann,  wenn  die  Art  sicher  zu  ermitteln  ist;  ausserdem  bestellt  es 
gar  nicht !  Wie  will  Diess  gerade  Hr.  d'Orb.  verantworten,  der  ja  selbst  aus 
strengen  Prioritäts-Grundsätzen  Hunderte  von  bereits  eingeführton  Namen 
verworfen  hat  *.  Schon  vor  uns  hat  es  Davidson  (1850  in  Ann.  nathi.st. 
r/,  445)  als  unstatthaften  Missbrauch,  als  Ungerechtigkeit,  als  Henimniss  für 
die  Wissenschaft  erklärt,  durch  ein  solches  Hinausschreiben  von  Namen  ohne 
Definition  oder  mit  bloss  4 — 5  definirenden  Worten  von  der  Priorität  Besitz  er- 
greifen und  j'de  Konkurrenz  für  immer  ausschliessen  zu  wollen.  Zu  den 
nomenklatorischen  Grundsätzen  des  Vfs.  gehört  es  ferner,  gegen  den  seit 
LiwwE  eingeführten  Gebrauch,  fort  und  fort  alle  Namen  aus  Zeiten,  wo  der 
Begriff  von  Genus  und  Spezies,  wo  die  binäre  Nomenklatur  noch  gar  nicht 
exisliite.  wieder  aufzusuchen  und  in  neuen  Verbindungen  ins  System  einzu- 
führen. So  wird  Crenaster  Lhwyd  1699  statt  Asteria  Ag.  1836,  weil  der  ältere 
X.l^K  diesen  Namen  schon  1733  in  einer  andern  längst  vergessenen  Bedeu- 
tung, nämlich  wie  N/iRDol834  seine  Sfellonia,  gebraucht,  wieder  hervorgeholt 
und  hiedurch  Gelegenheit  gefunden,  alle  Arten  zweier  Genera  nn't  einem 
„d'Orb."  hinlenan  umzutaufen.  Welche  Berechtigung  liegt  in  dem  Umstände, 
dass  HoFKR  1*60  die  Trochiten  des  wohlbekannten  Pentacrinus  subteres 
„zylindrisch"  genannt  hat,  jetzt  diese  Art  ganz  umzutaufen  in  P.  cylindricus? 
Im  Gegensätze  damit  finden  wir  S.  317  Pelagia  (clypeata)  Lmx.  ISSt  mit 
dem  Synonym  Defrancia  Roem.  1840  (3  Verstösse  in  1  Zeile)  beibehalten, 
obwohl  schon  1825  ich  (nicht  Roemer)  den  lelzten  Namen  statt  des  i.  J. 
1809  von  Peron  an  Quallen  vergebenen  Pelagia  vorgeschlagen  und  an- 
gewendet habe.  Aus  diesen  wenigen  Belegen  statt  so  vieler,  die  wir  bei- 
bringen könnten,  möge  der  Leser  entscheiden,  wer  besser  gethan  hat. 
—  Zu  4):  Es  erklärt  sich  aus  dem  vorher  bezeichneten  Grundsalze,  warum 
die  oben  genannten  Genera  Melania,  Ampullaria,  Buccinum  etc.  in  unserer 
Zusammenstellung  ihre  wirklichen  geologischen  Grenzen  zu  überschreiten 
scheinen.  Und  doch  haben  wir  selbst  S.  386  die  meerischen  Melanien  als 
„Sprcies  spuriae"  von  den  Süsswasser-bewohnenden  S.  428,  wie  S.375  die  niee- 
risehen  Ampullarien  von  den  ächten  S.  432  gänzlich  getrennt,  während  bei 
Buccinum  u.  a.  Si|)pen  die  Zweifel  an  der  richtigen  Bestimmung  der  Arten, 
die  ein  {gewisses  geologisches  Gebiet  überschreiten   und  nach  Abbildungen 

•  Kr  entscliuldigt  es  zwar  damit,  dass  das  Manuskript  seit  1847  ^tini  Drucke  fcrli:; 
gelegen  und  später  ülierliaupt  niclits  mehr  daran  geändert  worden  sey.  Indessen  ist  aucb 
Diess  nicht  richtig  ;  denn  er  hat  noch  die  Arten  aus  den  Memoiref  de  In  Hociele  L'nne'entie 
du  Calvados  von  1818  nachgetragen!  Jene  Änderung  des  Jahrgangs  1847  wäre  aber  /^u- 
tors  rilicht  gewesen,  uni  nicht  mit  jeder  Zeile  den  Leser  in  Irrtlium  /.ii  führen  ! 


246 

und  Besclireibungen  genügend  beurtlieilt    werden    konnten,    l.i.i.fig   genug 
ausgedrückt   sind.      Wir    häflen    Diess    freilich    norli    viel    öfter   Ibun,    wir 
hätten    alle  diese  Arten  gleich  mit  vollständigen  Namen  in   iiire  definitiven 
Stellen    einreihen    können,    wenn    nns    nicht    einerseits    der    schon    mehr- 
erwähnte Grundsatz,    anderseits   aber    oft  die   ünvollkommenheit  oder  Un- 
sicherheit   unserer    Kenntniss    des    Objektrs    zurückgehalten    hätte.      Oder 
sollten     wir,     gleich    d'O.  ,     schon    nach     dem    geologischen     Voikommen 
und  ohne,  verlässige  Kenntniss  der  waiiren  grnerisrhen  Mei  kmalc  zur  Ein- 
reihung der  Arten  in  andere  Genera  schreiten  ?  wie  er  (S.  239)  Deithyris  oslio- 
lata  und  D.  microptera  Ziet..  nur  weil  sie  Zikten  im  Lias  zitirte,  in  sein 
Genus  Spiriferiua  (das  sich  durch  eine  poröse  Schaale  von  Spirifer  unter- 
scheidet) als  Spiriferina  ostiolata  d'Orb.   1847    und  Spiriferiua  microptera 
h'Orb.   1817   versetzt.     Hat  er  die  Poren   von   Paris  aus  bis  Stuttgart  ge- 
sehen?    Nein:    Zietün    hatte   sich    im  Fund-Oite  geirrt,    wie  er  selbst  in 
seinem  Werke  S.  99   und    zwar    in    Französischer    Sprache    angibt;    jene 
Arten  stammen    aus  Devon-    und   Kohlen-Kalk,    es    sind    ächte  Spiriferen 
ohne  Poren,  es  sind  der  ächte  aus  jenen  Formationen  allbekannte  Spirifer 
ostiolafüs  und  Sp.  micropterus!     Das  hrisst  doch  wohl  Paläontologie  ma- 
chen! Welche  Verlässigkeit  dürfen  wir  hiernach  im  Übrigen  erwarten?  — 
Zu  5):  Die  Bemerkung,  welche  d'O.   hiei'   macht,  kann   nur  die  Beschuldi- 
gung entweder  nachlässiger  Unvollständigkeit  oder  willkührli«  her  Fälschung 
in  der  Angabe  des  geologischen  Vorkommens  der  Arten  ausdrücken   sollen  : 
zu  Beiden!  dürfte  es  ihm    wohl  nicht   leicht   gelingen,    den  Beweis   beizu- 
bringen.    Wir    haben    allerdings    zu    jeder  Art   entweder   nur   einen  Theil 
der  geologisch-verschiedenen  Fund-Orte  (Formationen)  nach  andern  Autoren 
zitirt  —    dann    nämlich,    wenn    wir    st^lbst  den  andern  Theil  derselben  zu 
berichtigen  uns  im  Stande  geglaubt  haben:    oder    alle  —   da  nämlich,  wo 
wir  zu    einer  Berichtigung   keinen  Beweis    hatten,    obwohl    wir   vielleicht 
allen  Grund  zum  Misstrauen  besassen,  und  wir  glauben,  dass  die  Sache  so 
in  Ordnung  ist.     Wie    aber   hält   es   Hr.  d'O.,    der   uns    desshalb    tadelt? 
Wird  ein  geologisches  Vorkommen   in  einer  Formation  ziiirt,    die  ihm  un- 
bequem, so  lässt  er  lieber  ganz  weg,  Avas  eben  mit  seiner  eigenen  Beob- 
achtung   oder    der    einer    andern   Autorität    nicht    im  Einklang   ist.     Diese 
Fälle  sind  im  Prodrome  nicht  selten;  so  trennt  er  z.  ß.  die  Ostrea  Marshi, 
im  weiteren  Sinne  genommen,    in  2  Arten,    wovon    die    eine    als  0.  sub- 
crenata  (Ostrea  crenata  Gf.,  und  Ziet.  t.  47,  f.  3)  in   Frankreich  und  Eng- 
land nur  im  Unteroolift»,    die  andere  (0.  Marsbi  Gf.  u.  Ziet.  t.  46,  f.   O 
ebendaselbst   nur   in  Kellowayrock  und  Oxford- Gebilde    vorkommen    .soll, 
was  ihm    sofort  genügt    um    aller  gegeniheiligen  Angaben  deutscher  Geo- 
logen und  Paläontologen,  die  er  zitii  t,  ungeachtet  die  deutschen  unzweifel- 
haft abweichenden  Fnnd-Orte  der  letzten  ebenfalls  unter  den  Kellowayrock  zu 
stellen.  Eben  so  bei  Ostrea  cosfata  und  O.  Knorri,  die  er  nacli  den  Formationen 
trennt,  obwohl   Fro.mherz  sie  beide  bei  Geisingen  in  einer  Schicht  anführt 
und    sie   auch    an    andern  Orten    die   von  d'O.    beliebte  Grenze   nicht  ein- 
halten.    So    verschwindet    allerdings    eine    grosse    Menge    der    in    unscin 
Tabellen  eingetragenen   doppelten  oder  dreifachen  geologischen  Vorkomm- 


St7 

nisse  auf  sehr  einfaclie  Weise  und  ohne  Wideiiegimg.  Dabei  geuiesst 
d'O.  (He  Bequemiiclikpit,  uns  zwar  z.  B.  im  Oolitheii  -  Gebirge  7  ver- 
schiedene Foimatioiien  in  einer  Reihe  aufKuführen,  aber  oliue  die  Grenzen 
der  einzelnen  näher  zn  bezeichnen;  wir  wissen  daher  mir,  dass  z.  B.  das 
Liasien  da  anfängt,  wo  das  Sineniurien  aufhört,  und  da  aufhört,  wo  das 
Toarcien  anfängt.  Er  mag  sich  an  gewissen  Örtliclikeiten  auch  die  Gren- 
zen ganz  gut  gezogen  haben  ;  für  andere  wird  aber  die  Formation  ledig- 
lich nach  der  Versteinerung  bestinin)t,  d.  h.  für  diese  wieder  dasselbe  Vor- 
kommen wie  an  dem  Normal-Orte  angenommen!  So  dreht  man  sich  im 
Ringe  und  schneidet  die  Entscheidung  ab,  statt  alles  verschiedenartige 
Vorkommen  sorgfältig  zu  prüfen,  oder,  wo  man  es  nicht  kann,  wenigstens 
gewissenhaft  zu  überliefern!  —  Zu  7):  W^as  die  zu  grosse  Kürze  unserer 
Zitate  anbelangt,  so  dürfte  sie  im  Interesse  der  Raum-  und  Kosten-Er- 
sparniss  wohl  begründet  und,  da  wir  S.  lxviii  —  lxxxiv  des  Nomen- 
clators  eine  alphabclisehe  Zusammenstellung  derselben  und  Verweisung 
anf  die  ihnen  entsprechenden  vollständigen  Namen,  Bücher  -  Titel  und 
Jahreszahlen  geben,  wohl  ohne  wesentliche  Schwierigkeit  seyn.  Es  hat  uns 
daher  auch  die  jedesmalige  Wiederiiolung  der  Jahreszahl  nicht  nöthig  ge- 
schienen, ausser  wo  sie  zur  Begründung  einer  Namen-Priorität  eben  dienen 
sollte,  und  bei  den  Genera.  Während  trotz  dieses  Vorwurfes  des  Vfs.  gewiss 
nur  Wenige  sind,  die  z,  ß.  in  seinem  „Eucrinus  penlactinus  Bronn. 
Chelocrinus  ideni  Mever  1837.  Isocrinus  p.  262,  pl.  16,  fig.  8.  Allem." 
in  dem  Worte  „Isocrinus"  bloss  das  Zitat  der  MEVEa'schen  Abhandlung 
über  dieses  Genus  erkennen  und  noch  weniger  Rath  wissen  weiden,  wo 
sie  solche  finden,  sind  andere  Zitate  zwar  genügender  als  dieses,  aber 
doch  nicht  in  höherem  Grade  als  die  unseren  mit  ihrer  Verweisung  auf 
die  vollständigen  Titel.     Hier  einige  zum  Vergleiche: 

I  RoE.  Hiii-^  31,  t.  8,  f.  13. 

«  Roemer  Haringebirges  p.  31,  pl.  8,  fig.  13. 

\  RoE.   lihein.  80,  f.  2,  f.  7. 

\  Roemer   1844  Das  Rhein.  Vberg,  p.  80,  pl.  2,  fig.  7. 

\  AV.  361,  f.  33,   f.  1. 

I  d'Arch.  et  Vern.  1842,  Trans.  Gcol.  Soc.  VI,  p.  361,  pl.  33,  fig.  1. 
Mi;.  Beitr.  IV,   122,  t.  13,  f.  10. 

Münster  1841,  Beitra.  zur  Pctref.  4,  p.  122,  t.  13,  fig.  10, 
Kli.  Ost.  158,  t.   10,  f.  11  =  li. 

Klipstein   1844  Beitr.  p.  158,  pl.  10,  fig.  11,  Sl.-Cassian. 
Da  sich  schon  dieses  letzte  Zitat  auf  S.  179—210  nicht  weniger  als  700mal  in 
gleicher  Weise  wiederholt  und  die  Zitate  überhaupt   '/o  des  ganzen  Textes 
ausmachen,  so  ist  der  Raum-Gewinn  wohl  nennenswerth. 

Wir  würden  mit  Freuden  alle  Berichtigungen ,  Verbcsserungen  und 
Zusätze  aufgenommen  haben,  welche  der  Verf.  zu  unserem  Index  hätte 
machen  wollen,  und  wozu  es  ja  nun,  4  Jahre  nach  geschlossenem  Manu- 
skripte, uns  selbst  wahrlich  an  Stoff  nicht  fehlt;  wir  würden  es  mit  Dank 
annehmen,  wenn  er  festere  Charaktere  der  Genera  und  Arten,  richtigere 
Eintragung   der    letzten  in    die    ersten,    eine    genauere  Synonymic,    eine 


248 

bericlitigte  Nacliweisung  des  geologischen  Vorkommens  slad  Iiiiger  An- 
gaben  des  Index  darüber  geboten  hätte,  da  es  uns  überall  lediglich  nicht 
um  uns,  sondern  um  die  Wissenschaft  zu  thun  ist,  der  wir  dienen:  allein 
leider  finden  wir  selbst  das,  was  wirklich  besser  scyn  mag,  in  dem  Pro- 
drome meistens  nur  unvollständig  oder  gar  nicht  begründet;  leider  finden 
wir  wieder  so  viele  unhaltbare  neue  Bastard-Namen,  und  ausser  dem  alten 
gänzlichen  Ungeschick  in  Handhabung  der  Griechischen  und  Lateinischen 
Sprache  eine  so  völlige  Unkenntniss  der  Englischen  und  Deutschen,  dass 
unser  Vertrauen,  sehr  viel  Bleibendes  und  Brauchbares  zu  finden,  gewaltig 
herabgeslimmt  worden  ist.  Wir  haben  nämlich  die  Überzeugung  gewonnen, 
dass  n'O.  ausser  Stande  ist,  auch  nur  die  einfachste  Englische  oder 
Deutsche  Diagnose  oder  gar  Beschreibung  zu  lesen  und  sich  ihrer  bei  Ver- 
gleichung  der  Arten,  bei  Sonderung  der  Synonyme  u.  s.  w.  zu  bedienen, 
so  dass  alle  Zitate  in  ausländischer  Sprache  geschriebener  Werke  lediglich 
und  allein  auf  der  Ansicht  der  Figuren  und  allenfalls,  wo  ihm  Das  gelingt, 
noch  auf  der  Ausmittelung  der  Formationen  beruhen,  welche  aber  dann 
auch  leicht  zu  Fehlschlüssen  führt.  So  ist  die  ganze  x\'u:\\\  -  französische 
und  etwa  -lateinische  Literatur  für  ihn  verloren,  und  selbst  die  Abbildungen, 
ohne  den  Text,  sind  oft  schädlicher  als  nutzlich  für  ihn.  Es  ist  leicht  zu 
bemessen,  von  welchem  Einfluss  eine  solche  Unfähigkeit  und  Unbekannt- 
schaft bei  Benützung  der  fremdländischen  Literatur  insbesondeie  auf  die 
Bestimmung  der  Priorität  der  Namen  seyn  muss,  auf  die  sich  der  Vf.  so 
viel  zu  Gute  thut,  indem  er  sich  bei  mehren  Gelegenheilen  rühmt,  viele 
Tausende  von  Namen  auch  der  lebenden  Tbier-Arten  gesammelt  zu  haben,' 
um  alle  Prioritäten  beachten  zu  können;  und  so  haben  wir  in  der  That 
eine  Menge  von  Namen  gefunden,  die  eben  so  schnell  wieder  aufgegeben 
werden  müssen ,  als  sie  geschaffen  worden  sind.  Eben  so  geht  es  mit 
Bestimmung  fremdländischer  Formalionen.  Ist  es  zu  wundern  ,  wenn 
Gcrvillia  Hartmanni  Goldf.  und  die  damit  identische  und  von  gleichem 
Fnnd-Ort  und  aus  gleicher  Formalion  stammende  G.  aviculoides  Ziet. 
als  „G.  Zieteni  d'Orb.  1847",  beide  dem  Verf.  selbst  nur  aus  Deutsch' 
land  bekannt,  die  erste  p.  256  aus  dem  „Toarcien",  die  zweite  aus  dem 
„Bajocien"  zitirt  werden  I  —  wenn  Nerita  sulcona  und  N.  cancellata  Zieten, 
beide  im  Coralrag  von  Naltheim  beisammenliegend  und  dem  Vf.  nur  aus 
deutschen  Abbildungen  in  Württemberg  bekannt,  jene  als  Neritopsis  sub- 
cancellata  d'O.  im  Muschelkalk,  diese  auf  einer  Seite  (II,  7)  zweimal  als 
Nerita  costellata  Münst.,  Gf.  und  als  (was  sie  niclit  ist)  Neritopsis  sulcosa 
angeführt  wird;  —  wenn  die  Trigonia  navis  und  deren  treue  Begleiterin,  die 
Nucula  Hausmanni,  jene  in  das  Liasien,  diese  in  das  Toarcien  verwiesen 
wird:— wenn  in  dem  RoEMER'schen  Werke  die  Kohlen-Bildung  der  Wealden- 
Formalion  mit  dem  Unterlias-Sandstein  verwechselt  und  nun  bloss  aus 
diesem  Grunde  auch  in  dem  gutm  Unio  subporrectus  von  Rehburg  [als  „Unio 
subporatus  von  Benburg"]  sogleich  eine  Cardinia,  und  zwar  die  Caidinia  con- 
cinna  des  Unterlias  selbst  erkannt  wird,  so  dass,  wenn  wir  alle  Fehler 
zusammenfassen,  die  nur  hinsichtlich  dieses  einen  Zitates  auf  die  Ansicht 
ihrer  Zeichnung  hin  begangen  worden,  wir  folgenden  Gegensatz  bekommen: 


249 

Unio  subporatus  aus  Sinemuricn  von  Benburg  ist  Cardini'a  concinna  (d'O.). 
Uiiiosubporrecfus  .jus  Hasfinss-Sandstein  v.ÄgAftwrji  bleibt  Unio  subporrcctus. 

Was  ist  leicbtiT  aus  einer  natiirhistorischen  Schrift  in  fremder  Sprache 
herauszufinden,  als  der  Fun<l-Ort  des  beschriebenen  Gegenstandes?  Und 
doch  begegnen  wir  in  dieser  Hinsicht  dem  Unglaublichen,  indem  der  Pro- 
drome (S.  63,  74,  81,  104,  378,  385  u.  a.)  uns  als  deutsche  Fund -Orte 
von  Petrefaklen  aufzählt ;  „Herrn,  Oberberpralh,  Oberbergmeister,  Freunde, 
Gehäusen,  Grafen,  Münster  en  Darulh ,  Schwäbischen,  Banks-Ilhein,  Un- 
fern [statt  Exler  unfern  Rinteln]  u.  dergl.  m.  Aus  Englischen  Schriften 
finden  wir  (S.  105,  383)  die  „Falls  of  Ohio"  mit  „Failles  de  l' Ohio"  über- 
setzt und  „Switaerland  in  England"  zilirt.  Es  macht  uns  wahrlich  keine 
Freude,  mit  solchen  Rügen  aufzutreten  oder  das  Material  dazu  zusammen- 
zustellen. Was  wir  hier  mittheilen,  ist  dasErgebniss  des  Durchblätterns  und 
Gebrauchs  von  wenigen  Stunden,  womit  wir  diese  Arbeit  abgeschlossen  haben. 
Bei  blossen  Druck-Fehlern,  die  reichlich  sind,  wollen  wir  nicht  verweilen. 

Diess  also  ist  endlich  auch  die  Autorität,  auf  welche  allein  sich  Hr. 
DE  KoMNCK  bei  der  Brüsseler  Akademie  in  Bezug  auf  den  Index  berufen 
konnte,  als  er  von  derselben  am  6.  April  v.J.  aufgefordert  wurde,  die  dem  Index 
in  2  Noten  gemachten  Vorwürfe  [Jb.  1849,  235,  Note]  zu  rechtfertigen.  Hin- 
sichtlich des  einen  entschuldigte  er  sich  mit  der  Lebhaftigkeit  seines  Aus- 
drucks, hinsichtlich  des  andern  nannte  er  d'Orbignv'n  als  Gewährs-Mann 
{Bullet,  de  VAcad.  de  Belgique  XVH,  332) ;  —  was  freilich  um  so  wunder- 
barer ,  als  hinsichtlich  eines  altern  Angriffs,  welchen  de  Koninck  desshalb 
auf  uns  gemaclit  (Jb.  1847,  876),  weil  wir  nicht  denselben  Autor  eines 
jeden  Art-Namens  durch  alle  Genera  hindurch,  in  welche  dieser  übertra- 
gen werden  mag,  wiederholten,  sondern  in  jedem  Genus  denjenigen  Autor 
dazu  nennen,  welcher  den  Art-Namen  zuerst  in  dieses  Genus  übertr.igen 
hat,  d'O,  sich  geradezu  gegen  de  Koninck  ausspricht  und  überall  nach  unse- 
rem Grundsatze  verfährt. 

Beim  Abdruck  dieser  Anzeige  erhalten  wir  das  zweite  Bändchen,  428 
Seiten  stark,  welches  indessen  nur  den  Schluss  der  Terrains  jurassiques 
mit  Corallien,  Kinimeridgien  und  Porllandien,  —  die  Terrains  cretaces  mit 
Neocomicn  (inferieur  und  supörieur),  Aptien,  Albien,  Cenomanien  ,  Turo- 
nien,  Scnonien  und  Danien  ,  und  endlich  von  den  Terrains  tertiaires-  das 
Suessonien  oder  Nummulitique  und  das  Parisien  inferieur  und  supcrieur 
enthält,  daher  ein  drittes  Bändchen  erst  den  Schlnss  und  das  Register 
bringen  wird.  Wir  vermeiden  es  gerne,  auf  eine  Kritik  auch  dieses  Bänd- 
chens einzugehen,  aus  dem   wir  oben  nur  ein  Zitat  noch  entlehnt  haben. 


G,  A.  MANTEi.r.:  über  eine  neue  Sendung  Moa-Knochen  aus 
Neuseeland.  Sic  stammt  theils  von  der  nördichen  (200),  meistens  aber 
(300  Stück)  von  der  mitlehi  Insel  und  zwar  von  dem  Fund-Orte  Wai- 
kouaiti,  wo  sich  die  Knochen  unter  den  S.  227  und  229  schon  bescluicbeiien 
Verhältnissen  gefunden  haben.  Sie  geliöreu  Dinurni.s,  Aptornis,  Palaptcryx, 
Aptcryx,  dem  Rallen  -  Geschlecht  Notornis,  dem  Nacht-Papageyen  Nestor. 


250 

einer  Wasserhuhn-Sippe  Brachypteryx;  einer  Pinguin-Sippe  ^ptenodytes 
und  einem  Albatros,  vielleicht  Diomcdea  chlororhynchus ,  aber  auch  (20 
bis  30  Sliitk  davon)  einigen  Hunde-  und  Seehunde-Arten  an,  zuniTheile  ohne 
Zweifel  von  noch  dort  lebenden  Arten.  Die  3  Säugethiere  finden  sich  an 
beiden  Orten.  Die  Vogel-Reste  sind  8  Schädel  und  Kinnladen,  8  Pauken- 
beine, 90  Wirbel,  II  Becken,  17  Schenkelbeine,  17  Tibiä,  10  Fibula,  23 
Tarsometatarsal-Beine,  90  IVIittel-Phalangen ,  40  Krallen-Phalangen,  dann 
verschiedene  Rippen-,  Brustbein-  und  Becken-Fragmente.  Entsprechen  die 
Reste  von  der  nördlichen  Insel  hauptsächlich  den  kleineren  Moa-Arten 
(S.  229),  so  stammen  die  der  mittein  Insel  (von  welchen  nunmehr  noch  allein 
die  Rede  seyn  wird)  grossentheils  von  den  riesigen  Spezies  ab,  von  Di- 
nornis  giganteus,  Palapteryx  ingens  mit  D.  struthioides,  D.  dromioides, 
D.  casuariiuis  und  D.  crassus. 

Der  Kopf  einer  Tibia  hat  2l"  Engl.  Umfang;  ein  Femur  16"  Länge 
und  S'V  Umfang  in  der  Mitte;  Wirbel-  und  Eeckcn-Stiicke  sind  zum 
Theil  von  entsprechender  Grösse:  ein  Tarsonietatarsal-Bein  ist  18"  lang. 
Einige  Knochen  dieser  nämlichen  riesigen  Art  rühren  jedoch  von  jungen 
Individuen  her.  Zwar  ist  kein  Schädel  vorhanden,  der  für  den  D.  gi- 
ganteus gross  genug  wäre,  aber  ein  Os  tympanicum  f.  quadratum,  das 
den  Unterkiefer  an  den  Schädel  anlenkt,  deutet,  ein  gleiches  VeihäKniss 
wie  beim  Strausse  angenommen,  auf  einen  14—16"  langen  Schädel  hin. 
Es  ist  indessen  Hoffnung  vorhanden,  noch   einen   solchen  zu  finden. 

Der  merkwürdjoste  Fund  besteht  in  ein  Paar  Füssen  des  D.  robustus, 
welche  ein  Wal-Fänger  noch  aufrecht  stehend,  1  Elle  weit  auseinander  und 
mit  je  3  wagrechten  Vorderzelien  in  der  moorigen  Moa-Schicht  von  Wai- 
kouaili  entdeckt  und  mit  sorgfältiger  Beobachtung  der  zusammengehörenden 
Theile  ausgelöst  hat,  so  dass  man  sie  wieder  vollständig  zusammensetzen 
kann,  und  wovon  wir  die  Längen-Masse  hier  mittheilen  : 
Tarsomefafarsal-Bein  :  lang  17",  dick  oben  4"  %'",  mitten  2"6"',  unten  6"3"' 
Zehen:     I.  mit  3  Phal.  lang  4"  9"'  -  l"  9"'  -3"o"' 

IL     „    4        „  „      4"3"'  -  2"6"'  -  1"9'"  -  3"    4"' 

„       HL     „    5        „  „       3"2"'-   1"9"'  -  1"0"'  -  0"ll"'-  2"6"', 

so  dass  die  3  Zeiicn  einzeln  genommen  9"6"',  ll"6"'[?J  und9"4'"  Länge 
haben.  Im  Boden  waren  sie  noch  etwa  \"  länger,  und  die  Fuss-Sohle 
niass  längs  der  Milteizehe  13",  die  Breite  von  der  Spitze  der  innern  zu 
der  der  äussern  Zehe  15 '/o"-  Die  Gelenk -Knorpel  und  Bekleidung  der 
Knochen  jener  ersten  Ausmessung  hinzugerechnet,  würden  die  Länge  auf 
16",  die  Breite  der  Fährte  auf  17 — 18"  steigern.  Nach  den  von  Owen 
angenommenen  Proportionen  müsste  die  zu  jenem  Tarsometatarsal -Bein 
gehörige  Tibia  2'  9"  und  der  Femur  HVo"  l«ng  seyn  und  die  ganze 
Höhe  des  lebenden  Vogels  auf  10'  steigen.  Aber  die  grösstcn  der  vor- 
handenen Metatarsale  und  Tibiä  entsprechen  einer  noch  grösseren  Art, 
wohl  von  11  —  12'  Höhe,  was  das  Maass  des  grössten  Strausses  um  Yg  über- 
steigt. Owen  selbst  hat  bekanntlich  die  Höhe  seiner  Arten  so  geschätzt: 
Palapteryx  ingens  zu  9';  Dinornis  struthioides  T  (wie  ein  massiger  Strauss); 
D.  dromioides  5'  und  D.  didiformis  4'.    Die  Fährten  der  grössten  Dinornis- 


251 

Arten  müssen  die  g;rÜ8sten  Fährten  im  Sandsteine  des  Connecticul-Thalcs 
noch  überti'üfJ'en  haben. 

Unter  den  Phalan^en-Knoclien  sind  einige  flarher  und  kurzer  als  die 
obigen  und  denen  des  Emu 's  etwas  älinli(  h.  An  einigen  eisten  Phalangen 
der  Miltelzehe  ist  das  Grund-Gelenke  so  ungleich  getheilt  wie  beim  Strauss, 
.so  dass  es  wahiseheiniich  wiid,  dass  neben  dem  4zeliigen  Apteryx  und 
Palapteryx  und  dem  Szehigen  Rieben-JMoa  auch  izehige  Vögel  gleichzeitig 
auf  Neuseeland  gelebt  haben. 

Von  Eiern  hat  M.  nur  noch  einige  Schaalen-Stücke  von  Waingongoro 
erhalten,  wobei  eines  von  4"  Länge  und  2"  Breite.  Die  Skulpturen  ihrer 
Überflaclie  deuten  auf  3  Arten  hin,  und  obwohl  sie  mit  keinem  verglichenen 
Eie  einer  lebenden  Vogel-Art  übereinstimmen,  so  konunen  sie  doch  am 
meisten  auf  die  Eier  des  Emu's  heraus.  Einige  Schaalen-Slücke,  selber 
gebrannt,  sind  in  den  in  der  friiiieren  Mittheilung  erwähnten  Feucr-Ilaufcn 
(Haufen  von  angebranntem  Holz,  wie  auf  einer  Feuer-Stelle)  mit  gerüsteten 
Knochen  von  Hunden,  Moa's  und  Menschen  zusammen  gefunden  und  daher 
die  Eier  selbst  im  frischen  Zustande  zweifelsohne  zur  Zubereitung  als 
Nahrung  in  das  Feuer  gelegt  worden,  so  dass  sich  hiedurch  als  Thatsache 
herausstellte,  dass  Ur  Bewohner  (und  Hunde)  bereits  zur  Zeit  der  Moa's 
auf  Neuseeland  existirten  und   Menschen-Fresser  waren. 

Eben  so  wichtig  ist  die  ausser  allen  Zweifel  erhobene  Beobachtung, 
dass  Knochen  des  jetzigen  Apteryx  austraÜs  mit  denen  des  Dinornis  und 
Palapteryx  zusammengefunden  worden  sind,  so  dass  auch  dieser  Vogel 
schon  ein  Zeitgenosse  der  ausgestorbenen  Sippen  gewesen  ist. 

Ein  Albatros  (vielleicht  unseie  jetzige  Diomedea  chlororhynclia),  einige 
Pinguine  (bekanntlich  auch  ungeflügeK),  Brachypteryx,  Notornis  und  Nestor 
ergänzten  die  Vogel-Fauna  jener  Zeit.  Ob  der  Hund,  das  einzige  Land- 
Säugethier,  dessen  Knochen  damit  vorkommen,  der  Haus-Hund  oder  eine 
andere  Art  gewesen,  ist  niciit  ausgemittelt. 


Fn.  A.  Q  üENSTEDT  :  die  M  a  s  t  o  d  o  n  s  a  u  r  i  e  r  im  g  r  ii  n  c  n  K  e  u  p  c  r- 
Sandsteine  Würtlembergs  sind  Ba  t  r  ach  ier  (34  .SS.,  4  lith.  Tfln. 
gr.  4°.  Tübingen  1850).  Die  Beobachtungen  sind  hauptsächlich  an  treff- 
lich erhaltenen  Schädeln  des  Mas  t  o  d  on  s  au  r  n  s  robustus  Qu.  (Capi- 
tosaurus  r.  Mey.)  aus  dem  Schilf  -  Sandsteine  der  Feuerbacher  Haide  bei 
Stuttgart  gemacht,  von  wo  die  Tübingener  Sammlung  sciion  seit  10  Jahren 
2  Schädel  und  viele  Glieder  besitzt,  welche  in  dem  PmeNinger  -  Meyek'- 
schen  Werke  nicht  benützt  worden  sind.  Wir  können  aber  aus  dieser 
sorgfältigen  Arbeit  um  so  schwieriger  einen  zusammenhängenden  Auszug 
geben,  als  es  sich  in  den  Beschreibungen  um  eine  beständige  Vergleichung 
der  MEYER'.schen  und  BuRiviEisTEf.'schen  Ansichten  und  Deutungen  handelt, 
und  müssen  uns  beschränken,  das  Wesentlichste  herauszuheben.  Das  Wich- 
tigste bleibt  der  Schädel,  und  hieran  ist  vor  Allem  die  geschlossene,  ab- 
lösbare Schil  der- Decke  auf  dem  Obcrschädcl  und  das  darunter 
liegende    eigentliche  Knochen-Gerüste    zu    unterscheiden.     I.  Erste  ist  «us 


252 

13  Platlen-Paareii  zusammengesetzt,  die  sich  durch  rundlichere  (weniger 
strählige)  Eindrücke  und  sehr  komplizirt  zackige  Nähte  auszeichnen.  Auch 
die  eigenthümlichen ,  über  den  ganzen  Kopf  fortlaufenden  Furchen-Ein- 
drücke, welche  BuRMErsTER  so  schön  hervorgehoben,  fehlen  nicht.  Jene 
Platten  zeigen  am  meisten  Analogie  in  der  lebenden  Schöpfung  mit  denen 
der  Krokodile,  obwohl  sie  hier  im  Einzelnen  andere  Formen  annehmen. 
Aber  vorne  stehen  statt  eines  zwei  weit  getrennte  Nasenlöcher;  und 
hinten  tritt  statt  der  Schläfen-Gruben,  welche  beim  Krokodil  durch  eine 
Knochen-Brücke  getheilt  einen  obren  und  einen  untren  Ausgang  haben, 
hier  aber  von  oben  her  ganz  bedeckt  sind,  wegen  Flachheit  des  Schädels 
der  Eingang  des  Ohres,  welcher  beim  Krokodil  oben  vom  Zitzenbein  und 
unten  vom  Paukenbein  rings  umgrenzt  ist,  von  den  Neben-Seiten  nach  der 
hintern  Ecke  der  Ober-Seite  herauf.  So  erscheint  diese,  das  unpaare  Scheitel- 
Loch  mitgerechnet,  doch  noch  von  7  Löchern  durchbrochen.  Für  die 
Schläfen-Grube  aber  kann  jenes  Ohrloch  (das  selbst  bei  andern  Keuper- 
Labyrinthodonten  nur  durch  eine  Spalte  ersetzt  und  hier  zum  ersten  Male 
nachgewiesen  ist)  nicht  gehalten  werden,  da  es  nach  hinten  mündet  und 
vorne  der  Eingang  zur  Schläfen-Grube  fest  verschlossen  ist;  bei  den 
Fröschen  hat  es  eine  gleiche  Lage.  IL  Das  knöcherne  Schädel- 
Gerüste.  Überhaupt  ist  auch  diese  im  Übrigen  vollkommene  Ge- 
schlossenheit ties  Schädels  nach  hinten  ein  Charakter,  der  unter  den 
Reptilien  ausser  bei  den  Cheloniern  nur  noch  bei  den  Fröschen  zu  finden, 
obwohl  ihr  Schädel  mehr  verkürzt  ist.  Die  2  Gaumenlöcher  nehmen  davon 
"/,„  Länge  und  je  ■*/,2  Breite  ein;  die  Keil-  und  Flügel-Beine  sind  wie 
bei  den  Fröschen  mehr  als  sonstwo  entwickelt ;  der  zweifache  Hinterhaupt- 
Condylus  steht  ganz  den  Batrachiern  zu,  und  auch  die  kleinen  Knochen 
zeigen  viele  Verwandtschafts-Bezichungen  mit  den  Fröschen,  namentlich 
im  gänzlichen  Mangel  des  Thränen-Beins,  wenn  auch  die  ümpanzerung 
ein  fremdartiger  Charakter  ist.  III.  Der  Unterkiefer  scheint  wie  bei 
den  Fröschen  nur  aus  3  Knochen-Stücken  zu  bestehen,  obwohl  Burmgister 
zu  andern  Resultaten  kommt.  IV.  Der  Bau  der  Zähne  mit  ihren  mäandri- 
nischen  Schmelz-Falten  ist  zwar  den  Batrachiern,  aber  auch  den  übrigen 
Reptilien  fremd.  Sie  sind  mit  der  Basis  und  der  Aussenseite  angewachsen 
und  wie  bei  den  Fischen  als  blosse  Auswüchse  der  Kiefer-Knochen  anzu- 
sehen, in  deren  Röhren-Textur  man  auf  der  Knochen-Substanz  ebenfalls  schon 
einen  Überzug  der  Zäment-artigcn  Substanz  erkennt,  welche  jene  Falten 
bildet,  die  bis  an  die  obere  Zahn-Hälfte  oder  den  eigentlichen  Zahn  hinauf- 
ziehen, wo  dann  erst  der  gewöhnliche  Bau  der  Reptilien-Zähne  beginnt. 
Es  fragt  sich,  ob  bei  genauer  mikroskopischer  Untersuchung  nicht  etwas 
Ahnliches  bei  den  Fröschen  zu  entdecken  wäre?  Die  Anzahl  der  Zähne 
ist  wie  bei  den  Fröschen  etwas  unsicher,  weil  da,  wo  ein  Zahn  zwischen 
zwei  andern  abfällt,  ein  neuer  naciifolgt,  welcher  nun  in  dem  Verhältnisse 
kleiner  bleibt,  als  die  zuwachsenden  Nachbarn  den  Zwischenraum  beengen. 
Für  das  angeführte  Thier  glaubt  indessen  der  Verf.  500  Zähne  annehmen 
zu  können,  von  welchen  freilich  jederzeit  '^  nur  als  Lücken  angedeutet  und 
nur  400  gegenwärtig  sind.    Sie  vertheilen  sich  in  folgender  Art  jedcrseits: 


253 

Oben:    iiussere  Reihe    im    OI>er  -    und    /wisclien  -  Kieferbein    vor   und    hinter   dem 

Fangzahn  bei  16  Lücken 95 

Fangzäline  3 

innere  Reihe  des  Vomers,  bis  zum  hintern  Fang^ahne  vorwärts  (Vonier-Reihe)    60 
von  diesem  bis  zum  1.  Fan^zahn  (Clioanen- Reihe)    20 

Unten  (Unterliiefer-Reihe,  zweifelsohne  mit  1  Fangzahn)         71 

?49. 
V.  Aber  nicht  allein  der  Schädel,  sondern  der  ganze  Körper  ist  mit 
{jr  u  SS  e  n  Schildern  bedeckt  g^e  w  esen,  die  man  zwar  noch  niciit  alle 
zusammenzufügen  weiss,  welche  aber  theils  symmetrische  sind  und  der  obern 
oder  untern  Mittellinie  entsprechen  und  theils  unsymmetrisch  an  die  Seiten 
geJiören  ;  aussen  sind  sie  glänzend  und  strahlig,  inwendig  matt  und  eben, 
im  Innern  poröser  als  an  der  Oberfläche  und  desshalb  leicht  spaltbar.  VI.  Von 
sonstigen  Knochen  kennt  der  Vf.  ein  zweifelhaftes  Schulterblatt; 
Wirbel,  welche  vorne  mehr  als  hinten  konkav  und  oben  in  eigcnthiimlichcr 
Weise  verktimmert  sind;  während  man  dagegen  von  Rippen  noch  nichts 
Sicheres  kennt.  Aber  Koprolithen  sind  häufig.  —  Die  Annahme  des  Genus 
Ciipitüsaurus  scheint  dem  Vf.  unnöthig. 

Das  Thier  im  Alannschiefer  von  Gaildorf  weicht  in  manchtacher  Be- 
ziehung ab;  es  ist  weniger  gross  und  hat,  wie  alle  älteren  Mastodonsaurier, 
statt  des  weiten  Ohrloches  oben  nur  einen  seitlich  gelegenen  Spalt. 


Fr.  M'Coy:  über  einige  neue  silurische  Mollusken  (Ann. 
Mag.  nathist.  1851,  VII,  45  —  63).  Es  ist  zu  bedauern,  dass  der  Verf. 
seine  massenhaften  Veröffentlichungen  noch  immer  ohne  Abbildungen  fort- 
setzt, wo  sie  mehr  stören  als  nützen.    Er  charakterisirt  hier  1  Poterioceras, 

1  Phragnioceras,  1  Cycloceras,  1  Orlhoceras,  1  Bellerophon,  3  Holopella 
n.,  1  Lilorina,    1  Loxonema,   1  Turbo,  3  Trochus,   1  Cucullaea,   1  Tellinites, 

2  Area  ,  'i  Dolabra  ,  3  Anodontopsis  n. ,  1  Clidophorus  ,  1  Tellinomya, 
1  Sanguinolite.«,  '2  Leptodomus,  2  Modiolopsis ,  l  Ambonychia,  I  Avicula 
und  5  Flerinea-Arten.  Ein  Theil  dieser  Genera  ist  von  ihm  selbst  schon 
in  früheren  Schiiften  aufgestellt  worden  ;  2  erscheinen  hier  zum  ersten 
Male,  nämlich: 

Holupella:  Testa  spiralis,  elongata,  gracilis,  anfractibus  nunierosis 
sensim  crescentibus ,  subarcuato-siriatis ;  apertura  circularis  peritiemale 
integro  ;  basis  rotundata  umbilico  minuto  aut  nullo.  Bisher  mit  Turritella 
verwechselt:  jedoch  davon  verschieden  durch  die  vollständig  geschlossene 
kreisförmige  Mund-Einfassung  (Peritrema),  wodurch  die  Sippe  sich  Scalaria 
nähert.  Von  Chemnitzia  weicht  sie  ab  durch  ein  kleineres  Gewinde  und 
die  nicht  verlängerte  Mündung. 

Anodontopsis  (=  Microdon?  Conr.,  nicht  MEIGE^,  Agassiz)  :  Testa 
aequivalvis,  inaequilatera,  compressa  ,  rotuudato  -  quadrata  aut  subtrigona; 
postice  rutundata  aut  oblique  truncata,  antice  paullum  contracta;  Umbones 
parvi  prominuli  antemediani;  Linea  cardinalis  testa  brevior,  poslice  utrin- 
que  area  angusta  dentali  aut  cartilaginali  valvae  dextiae  duplici;  antice 
simili  breviorc;   Impressiones  musculares   antica   simplex,   ovata,    postica 


254 


bievior  et  obsoletior;  Lanuna  claviciilaris  tiniboncm  infrr  et  impressioneni 
anticam,  mulei  suico  retlflita^  Impressio  pallialis  infegra  ;  Superficies  laevis 
aut  concentriee  striata.  Interdiini  dens  cardinalis  uiiicus  parvus  sub  unibüne. 
Unterscheidet  sicli  von  Anodonla  durch  mindere  Grösse  und  die  BeschafTen- 
heit  der  Muskel-Eindnuke)  von  Modiolopsis  durch  die  Form  der  einander 
mehr  gleichenden  2  Muskel-Eindrücke  und  den  Manfjel  eines  Djssus-Aus- 
schnitts;  von  Scliizodus  oder  Myophorin  [?]  ,  womit  King  sie  verwechselt 
zu  haben  scheine  des  Leislen-Eindnu  ks  wegen  durch  die  lange,  schmale, 
hintere  Schloss-Piatte.  Dag^je^jen  kann  man  sie  als  Subgenns  von  Cli- 
(lophorus  betrachten,  wovon  sie  sich  nur  duiih  ihie  küizere  und  breilere, 
schief  Axt-förmi-^e  Gestalt,  vorragendere  Buckeln  und  schwächeren  Leisten- 
Eindruck  unterscheidet. 


JtFFf'..  Wvman:  über  W  i  r  b  el  t  h  i  e  r- R  es  t  e  von  Richmond'in 
Virginien  (Silmm.  Journ.  1830,  b,  X,  228  —  235  mit  9  Holzschn.).  Sie 
stammen  aus  den  Teitiär-Schichten,  worauf  Richmond  steht,  dem  „Medial- 
pliocene"  Conrad's  ,  dem  Miocene  der  beiden  Rogers  und  Lyell's.  Sie 
ruhen  an  einigen  Stellen  deutlich  auf  Eocän-Schichten  und  enthalten 
Lager  von  Kiesel-Tliiercben,  etwas  IJgnit ,  Treibholz  von  Teredo  durch- 
bohrt, Früchte  des  Hickory-Baumes  u.  a.,  nach  oben  einige  Pectines.  Die 
meisten  organischen  Reste  abci'  in  und  um  Richmond  bestehen  aus  Knochen 
von  Meere.s-Säugethiercn  und  Fischen. 

I.  Phoca:  Schüdel-Tlieile,  Wirbel,  Sacrum,  Rippen,  Fibula,  welche 
indessen  grossenlheils  wohl  manche  Subgenera  und  Spezies  auszuschliessen, 
aber  doch  nicht  eine  genügende  Bestimmung  zu  voranlassen  geeignet  sind 
(Fg.   l  ein  Wirbel,  Fg.  2,  3  eine  Fibula). 

n.  Phocodon  Ao.  (=Zenglodon  etc.;  Agassiz  arbeitet  an  einem 
Werke  über  dieses  Genus):  ein  Zahn  (Fg.  1)  und  ein  Felsbein  [wäre  also 
hier  von  jüngerem  Alter,  als  sonst  in   Amerika?  vgl.  Lamna] 

III.  Delphinus:  4  Wirbel,  ein  Unterkiefer-Stück  mit  Zähnen  (Fg. 
5  —  7)  auf  der  sehr  verlängerten  Symphyse. 

IV.  Cetacea  (eigentliche):  Knochen,  welche  in  Grösse  denen  der 
grössten  lebenden   Wale  entsprechen. 

V.  Crocodilus:    kegelförmige  Zähne  (Fg.  8)  von  zweierlei  Gestalt. 

VI.  Lamna    compressa  Ag.  jaus  Brunnen   von  Richmond.    Da  Güibks 

„  acuminata     „    fdieselben  Arten  in  Eocän-Schichten  Sürf- 

„  crassidens    „    iCarolinu's  gefunden,  so   rühren  sie  wohl 

„  elegans         „     Jauch   zu   Richmond  aus  solchen    her. 

Otodus  appendicu  latus  Ao-lCa  rch  a  r  o  d  o  n  angustidens  Ag. 
„         lineatns.  iGaleocerdo  contortus  Gjbb, 

„         obliquus  An.  i  „  Egertoni  Ag. 

„         lanceolatus.  Sphyrna  lata  Ag. 

Oxyrhina  hastalis  Ag. 


„  xiphodon  Ag. 

Hemipristis  serra  Ag. 


Glyphis  subulata  Gibb. 
Notidanus  primigenius,  selten. 
Myliobatis,  n.  Lamna  am  zahlreichst. 


235 

Phyllodus  M.  sp.:  Gaumen-Zähne,  mit  keiner  der  6  Arien  hri 
Agassiz  (aus  Londüii-Thon)  ganz  übereinslimmend.     Fg.  91). 

Pogonias:  Phai  yngial-Zäline ,  mitunter  von  ansehnliclier  Grösse. 
Dann  Wirbel  von  Scomberoiden  u.  a.  Fische:  Koprolitlien  bis  von  ö'/j" 
Länge  und  3"  Dicke  mit  dem  Eindruck  einer  Spiral-Kl.ippe  im  Gedärm. 


Th.  W.  Fi-ETCHEB  :  über  die  Trilobiten  von  Dudley  (Geol, 
Quartj.  1850,  VI,  235—239,  aöä— 405,  pl.  27,  27*,  32).  Man  hatte  das 
Genus  Liciias  bis  jetzt  in  England  ni(ht  beachtet.  Der  Vf.  bcsciireibt 
mehre  thcils  neue  Arten  des  Silur-Gebiro-es  und  gibt  manche  auf  die 
CIiar;ikteristik  der  Sippe   .sich  beziehende  Notizen. 

1.  L.  Bucklandi  Fi-  (Trilobite  de  Dudley  Bf.ogn.  Cnisf.  pl.  'l,  f.  9; 
Peltura  Bucklandi  Mii.ne-Edw.  Cruat.  III,  345,  pl.  34,  f .  1 1 ;  Arges  Angli- 
cus  Büifa. ;  Fi.etch.  235,  pl.  27,   f.   1  —  5,  pl.  27*,   f,   1). 

2.  L    hirsulus   Fl.   236,   pl.   27,   f.   6,   7,   pl.   27^   f.   2. 

3.  L.  Grayi  Fl.  237,  pl.  27,  f.  8,  pl.  27',  f.  3  (Geol.  Surv.  //,  i, 
f.  8  Kopf). 

4.  L.  Salteri  Fl.  237,  pl.  27,  f.  9,  pl.   27'^  f.   4, 

5.  L.  ßarrandei   Fl.  238,  pl.   27,  f.   10,   pl.   27*,  f.   5. 

Da  der  Vf.  keine  Diagnosen  gibt,  so  müssen  wir  auf  die  Mitlheilung 
der  Arten-Charaktere  verzichten. 

Die  zueile  Abhandlung  ist  dem  Genus  Cybele  Lov.  gewidmet,  wo- 
von 2  Arten  zu  Dudley  vorkommen,  nämlich: 

Cybele  punctata  403,  pl.  32,  f.  1  —  5  ( Enfomostracites  punctatu.s 
VVahlb.  ,  Calymene  variolaris  Al.  Ergn.  t.  1 ,  f.  3a,  excl.  reliq.  ;  Caly- 
mene  punctata  Dalm.  Pal.  47,  1.  2,  f.  a  — g;  Murcm.  Sil.  pl.  23,  f.  8;  Asaphus 
tuberculatus  Buckl.  Biidgew.  Treat.  pl.  46,  f.  C>>. 

Cybele  variolaris  404,  pl.  32,  f.  6—10  (Calymene  variolaris  Al. 
Ergn.  t.  1,  f.  3b;  Mi'rch.  Sil  655,  t.  14,  f.  l;  Phacops  vaiiolaris  Emmr. 
Tiil.   /,  20,  4). 


Über  den  Moa  (Ann.  nathisl.  /S5/,  »7/,  77— 7S).  Bei  einei' wissen- 
schaftlichen Ver.samnilung  zu  Sidney  wurde  die  Mciiuing  auf^gesprochen, 
dass  der  Moa  auf  Neuseeland  noch  lebe,  und  der  Sidn/y  Mornig  Herald 
und  das  New-Zealand- IHagaaine  in  ihrer  zweiten  Nummer  berichten  Fol- 
gende.':. Der  erste  sagt :  Ganz  nahe  bei  der  Norfolk- Itiset  liegt  das  kleine 
Philipp- Inselchi'n,  worauf  früher  eine  besondere  Papageycn-Art  in  grosser 
Anzahl  lebte,  der  „Leicester  Parrol",  welcher  nun  au.sgestoi  ben  ist.  Ein 
Hr.  HoLROYD  glaubt,  dass  der  Moa  auf  der  dünn  bevölkerten  südlichen 
Insel  von  Neuseeland  noch  lebe;  er  hat  von  Eingebornen  sagen  hören, 
dass  sie  ihn  vor  25  Jahren  noch  gesehen  haben.  —  Im  zweiten  B'atte 
wird  von  einem  P«cv.  R.  Taylor  gemeldet:  ein  Hr.  Mi:niAiu.,  welcher  der 
Regierung  als  Dolmetscher  bei  den  Eingebornen  dient,  sah  in  der  zweiten 
Hälfte  des  Jahres  1833  noch  das  Fleisch   eines  Moa  im  M olyneux-Hafen ; 


25Ö 

spiitpr  Fedcru  desselbon,  welclic  Einji^ebornc  in  den  Haaren  trugen:  schwarz 
oder  dunkel  mit  Purpur-farbcneni  Rande,  die  Kiele  wie  an  Albatros-Federn, 
aber  grüber;  autb  einen  Knie-dicken  Lauf-Knochen  noch  mit  dem  Fleisch 
daran,  welcher  ihm  vom  Boden  auf  i"  über  die  Hüften  reichte.  Die  Skla- 
ven aus  dem  Innern  versichern,  dass  er  dort  noch  jetzt  lebe.  Ein  Ein- 
geborner  erzählte,  einen  todten  Moa  gefunden  zu  haben.  Ein  Mann  Na- 
mens Geokce  Pauley,  der  nun  in  FoveauxSlrait  lebt,  erzählte  ihm  (Taylor'iv), 
dass  er  einen  solchen  monströsen  Vogel  in  der  Nähe  eines  See's  im 
Innern  gesehen  habe,  der  aufrecht  stehend  '10'  hoch  war:  beide  seyen  sie 
vor  einander  davon  gelaufen.  Seine  Fährten  hatte  er  schon  früher  am 
TajVi-Flusse  u.  a,  wahrgenommen. 


G.  Mantkll:  neuer  Vogel  aus  Neuseeland  (Ann.  mag.  nathist. 
1830,  VI,  398).  In  Neuseeland  gab  es  ehedem  häufig  einen  Vogel,  den 
die  Eingebornen  Mo  ho  und  Täkehe  nannten,  jedoch  für  ausgestorben 
hielten,  da  seit  Jahren  kein  Exemplar  mehr  davon  aufzutreiben  war.  Jetzt 
hat  M.'s  Sohn  ein  solches  nach  England  eingeschickt.  Er  gehört  zur 
Wasserhühner-Familie,  ist  2'  hoch,  dunkel  Purpur-farben  mit  rothen  Füssen 
und  Schnabel  (wie  Porphyrio).  Er  war  von  Hunden  gefangen  worden, 
nachdem  man  seine  Spur  in  Schnee  beobachtet,  hinter  dem  Reaolnlion- 
Eiland  am  SW.  Ende  der  mittlen  Insel  Neuseelands.  Es  ist  derselbe 
Vogel,  dessen  fossile  Reste  Walter  Manteil  mit  Dinornis-Resten  aus  der 
Knochen-Schicht  von  Waingongoro  überschickt  und  R.  Owen  sodann  unter 
dem  Namen  Notornis  Mantelli  beschrieben  hatte  (Zool.  Transact. ///; 
Jb.  "249,  251).  Es  ist  vielleicht  der  letzte  seines  Geschlechts,  da  wilde  Hunde 
und  Katzen  dieser  Thier-Art  sehr  nachstellen.  Mit  ihm  kam  auch  ein 
Apteryx  Oweni  an,  gleichfalls  eine  im  Erlöschen  begriffene  Art  aus 
diesem  Lande. 


Cii.  Bonaparte:  das  N  euseeländische  Voge  1- G  es  chl  echt  No- 
tornis, wovon  Owen  einige  fossile  Knochen  unter  denen  des  Dinoruis 
gefunden  ,  lebt  noch ,  gehört  zu  den  Ralliden ,  steht  Tribonyx  näher  als 
Braohypteryx,  womit  ihn  Owen  verglichen;  doch  kennt  man  sein  Brust- 
bein nicht.  Er  ist  wie  Strigops,  Nestor  hypopolius  u.  a.  dem  Erlöschen 
nahe  (Compt.  rend.  tSSO,  ÄXXl,  770). 


Nu  ssoN  hatte  die  fossilen  Ochsen -Reste  und  insbesondere  die 
des  Bisons  abermals  zum  Gegenstand  einer  Abhandlung  gemacht.  Die 
Ann.  a.  Magaz.  nathist.  1849,  IV,  415—424  bringen  davon  eine  Englische 
Übersetzung  mit  Holzschnitten. 


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Keilhau's*  Gaea  Norvegica, 

drittes  Heft, 

seinem  Haupt-Inhalte  nach  skizzirt  und  mit  einigen  Zusätzen 

versehen 

von 

Herrn  Prof.  Dr.  Th.  Schbeher. 

in  Freiberg. 


Hiezu  Taf.  III. 


Das  kiirzlich  erschienene  3.  Heft  der  Gaea  Norvegica 
hiingt  uns  drei  neue  Beiträge  zur  näheren  Kcnntniss  des 
Norwegischen  FeisBodews.  1)  iiber  den  Bau  der  Felsen- 
Masse  Norwegens  (Fortsetzung  und  Schluss  von  Heft  2, 
S.  312),  von  Keilhau.  2)  Zweite  S  a  ni  in  l  u  n  g  v  o  n  Höhen- 
Messungen  in  Norwegen,  von  A.  Vibe,  Ingenieur-Capitän. 
3)  Übersicht  der  Orographie  Norwegens,  von  Prof.  P. 

A.    MUNCH. 

In  der  ersten  dieser  Arbeiten,  welcher  wir  vorzugsweise 
unsere  Aufmerksamkeit  zuwenden  werden,  gibt  uns  Kkilhau 
eine  Darstellung  der  geognostischen  Verhältnisse  des  südli- 
chen Norwegens,  so  weit  sich  Diess  von  einem  so  ausgedehn- 
ten —  über  400  Quadrat-Meilen  grossen  —  Landstriche  durch 
die  bis  jetzt  vorhandenen  Beobachtungen  erreichen  lässt.  Der 
bei  weitem  grössere  Theil  dieser  Beobachtungen  rührt  von 
Keilhau  selbst  her.  Demnächst  haben  v.  Buch  und  Naumann 
durch    ihre    Reisen    in    Norwegen  wichtige    Beiträge    hierzu 

"     Über  die  11  ersten  Heflc  von  Kbilhau's  Gaea  Norvegica  vgl.  Jahrb. 
1838,  672,  184t,  724,  t84S,  97.  D.  R. 

Jahrgang  1851.  17 


258 

geliefert,  und  endlich  sind  fi'ir  die  Kenntniss  einzelner  Gegen- 
den vverthvolle  Data  von  Langberg  cjetzigem  Mi'inznieister 
zu  Kongsberfß,  Sinding  (Bergmeister  zu  Drontheim),  Suhrland 
(kürzlich  als  Hüttenmeister  zu  Kongsberg  gestorben),  Hörbye, 
dem  verstorbenen  Prof.  Esmark  und  einigen  Anderen  gegeben 
worden.  Wenn  ich  in  dem  Folgenden  einen  Versuch  wage, 
eine  Skizze  von  Keilhau's  umfassender  Darstellung  zu  ent- 
werfen ,  so  verzichte  ich  im  Voraus  auf  das  vollkommene 
Gelingen  dieses  Versuches.  Die  sehr  beträchtliche  Anzahl 
geognostischer  Beobachtungen ,  welche  Keilhau  bereits  in 
einen  verhältuissmässig  kleinen  Raum  (auf  etwa  120  Seiten) 
zusammengedrängt  hat,  gewissermassen  zu  einem  Focus  zu 
konzentriren,  ist  um  so  weniger  möglich,  als  so  manche  Reihe 
derselben  durchaus  kein  Ausziehen  eines  Kern-Resultates  zu- 
lässt,  sondern,  solange  uns  die  enträthselnde  Theorie  fehlt, 
eben  nur  als  Reihe  von  Beobachtungen  aufgefasst 
werden  darf.  Es  ist  aber  auch  keineswegs  meine  Absicht, 
von  dem  Inhalte  einer  Arbeit,  aus  welcher  —  da  Alles  in 
derselben  mehr  oder  weniger  wesentlich  ist  —  nichts  Unwe- 
sentliches weggelassen  werden  kann ,  mit  wenigen  dreiste» 
Strichen  ein  völlig  ähnliches  Bild  zu  entwerfen,  sondern  viel- 
mehr nur  eine  Übersicht  davon  zu  geben,  welche,  indem  sie 
den  inneren  Reichthum  an  wichtigen  Thatsachen  durchblicken 
lässt,  zu  einem  genauen  Studium  des  Originals  anregt. 

Keilhau  theilt  den  Fels-Boden  des  südlichen  —  südlich 
yo\x\  Saiten- unA  Beter-Fjord  gelegenen  —  Norwegens  (s.  Gaea 
norveg.  Heft  II,  Taf,  0)  in  mehre  Gebiete  und  Distrikte  ein, 
welche  nicht  alle  verschiedenen  Formationen  oder  Formations- 
Gliedern  entsprechen,  sondern  zum  Theil  gleiche  oder  doch 
ähnliche  Gebilde  in  verschiedenen  Gegenden  darstellen.  Wir 
wollen  diese  naturgemäse  Eintheilung  auch  für  unsere  Skizze 
beibehalten,  die  in  dem  Folgenden  aus  der  KEiLHAu'schen 
Arbeit  hauptsächlich  dasjenige  aushebt,  welches  der  zwän- 
genden Form  eines  Auszuges  nicht  zu  viel  Widerstand 
leistet. 

Gneiss-  Gebiet. 

Das  mächtige  Gebiet  des  Gneisses  (Ur-Gneisses),  welches 
die   grössere  Hälfte    des   ganzen   in   Betrachtung  stehenden 


259 

Fels-Bodens  ausmacht,  also  ein  Areal  von  mehr  als  2000 
Quadrat-Meilen  einnimmt,  hat  Keilhau  in  4  Abtheilungen  ge- 
bracht, was  nicht  allein  durch  die  Situation,  sondern  mehr 
oder  weniger  auch  durch  gewisse  Eigenthümlichkeiten  des 
Gneisses  dieser  Distrikte  motivirt  erscheint.  In  solcher  Be- 
ziehung werden  uns  folgende  Gneiss-Distrikte  im  si'idlichen 
Norwegen  der  Reihe  nach  vorgeführt: 

A)  Nördlicher  Gneiss-Distrikt  zwischen  Salienfjord  und 
Trodhjem&fjord  (8)  *. 

B)  Westlicher  Gneiss-Distrikt  (9). 

C)  Südlicher  und  südwestlicher  Gneiss-Distrikt  (10). 

D)  Südöstlicher  Gneiss-Distrikt  (11). 

Den  Gneiss-Distrikt  8,  dessen  schon  im  2.  Hefte  der 
Gaea  (S.  296— 9s  und  309  —  11)  gedacht  wurde,  als  von  den 
daran  grenzenden  Glimmerschiefer-  und  Granitgneiss-Land- 
strichen  der  Nord-Lande  die  Rede  war,  schildert  uns  Keilhau 
durch  Mittheilung  verschiedener  Lokal-Verhältnisse  und  ge- 
langt sodann  zu  einigen  allgemeinen  Resultaten,  von  denen 
wir  Folgendes  entlehnen.  Der  Gneiss  dieses  Distriktes 
stellt  sich  theils  als  vollkommen  ,,charakteristisclier  Gneiss'' 
theils  als  „Hornblende-Gneiss"  dar;  häufig  aber  findet  ersieh 
auch  mit  einem  anderen  Habitus,  als  dem  gewöhnlichen  ür- 
Gneiss  eigenthümlich  zu  seyn  scheint  [s.  Zusatz  I  **],  beson- 
ders ist  er  oft  Glimmerschiefer-artig.  Nächst  den  eigentlichen 
Gneiss-Bildungen  ist  der  meist  sehr  krystallinische  Glim- 
merschiefer das  wichiigstc  Zusammensetzungs-Glied  in 
diesem  Distrikte,  in  welchem  ausserdem  Hornblende- 
Schiefer,  Granit  und  Marmor  als  wesentliche  Glieder 
auftreten;  seltner  kommen  Quarzit  und  Topfst  ein  vor. 
Der  Granit  ist  nicht  selten  Gneiss-artig  und  ordnet  sich  sol- 
chenfalls vollkommen  regelmässig  in  das  herrschende  Schich- 
ten-System ein.  Abweichend  hiervon  verhält  sich  derselbe 
z.  B.  in  dem  Gallhanimer ,  einem  Berge  am  Beierfjord,  wo- 
selbst   ein   mächtiges   Kalk-Feld    auftritt    (man   sehe  Heft  II, 


'     Die    beigefügten    Zaiileii    entsprechen    den     numerirtcn    Distrikten 
der  KEiLHAu'scIien  geognostischcn  Karte  zum  3.  Hefte  der  Gaea. 
'•■'"     Die  Zusätze  findet  man  am  Schlüsse  dieses  Aufsalzes. 

17* 


260 

Taf.  6 ,  die  blau  angelegte  Strecke  am  Beierfjord) ,  von 
welchem  einige  Details  von  besonderem  Interesse  für  uns 
seyn  dürften.  An  der  Grenze  dieses  Kalk-Feldes  selbst  be- 
merkt man  zuerst  einen  Wechsel  der  Schichten  und  Lager- 
Massen  des  Gnelsses  und  Kalksteins ;  weiterhin  wird  die 
erste  Gebirgsart  auf  grosse  Strecken  beinahe  gänzlich  ver- 
drängt. Aber  statt  derselben  treten  an  vielen  Stellen  und 
namentlich  in  dem  steilen  Segel fjeld ,  östlich  am  Innern  des 
Fjords,  Massen  von  granitischer  INatur  oder  jedenfalls  Feld- 
spath-Konkretionen  auf,  welche  Massen  nur  selten  sich  der 
Form  von  Lagern  nähern,  oft  aber  Klumpen  oder  auch  Gänge 
und  Adern  darstellen.  Marmor  und  Granit  des  Segelfjelds 
setzen  noch  auf  dem  westlichen  Fluss-Üfer  fort  und  bilden 
die  ersten  Absätze  des  4000'  hohen  Berges  Hüilinden.  Die 
Granit-Partie'n  sind  hier  noch  häufiger  in  dem  Kalke;  sie 
sind  zugleich  mehr  Gueiss-artig  und  nehmen  oft  die  Form 
regelmäsiger  Lager  an.  Höher  oben  am  Berge  wird  der 
Marmor  noch  mehr  zurückgedrängt  und  kommt  bloss  noch 
untergeordnet,  zuletzt  nur  noch  in  Lagen  von  einigen  Zol- 
len Mächtigkeit  in  einem  harten  Gneiss-artigen  Schiefer  vor, 
welcher  hier  und  weiter  aufwärts  bis  auf  die  Spitze  des  Hoi- 
tinden  das  herrschende  Gestein  ist.  Auf  der  halben  Höhe 
des  Berges  verschwindet  der  Marmor  gänzlich.  Aber  die- 
selbe granitische  Bildung,  welche  unten  und  auf  Segelfjeld 
vorkommt,  tritt  jetzt  in  dem  Schiefer  auf,  theils  in  sehr 
regelmäsigen  Lagern,  theils  als  isolirte  Knollen  und  Klumpen, 
theils  in  einer  Menge  von  Gängen,  welche  grosse  Partie'n  des 
Gebirges  wie  ein  dichtes  Netzwerk  durchschwärmen.  Eines 
solchen  Verhältnisses  ungeachtet  zeigt  sich  dieses  granitische 
Gestein  wenigstens  an  einer  Stelle  Gneiss-artig,  nämlich  auf 
einem  kleinen,  etwa  3000'  über  dem  Meere  liegenden  Plateau, 
wo  es,  in  grosser  Mächtigkeit  auftretend,  eine  schöne  kry- 
stallinische  Entwicklung  besitzt ,  indem  grosse  Orthoklas- 
Individuen  Porphyr-artig  in  der  G  n  ei ss-artigen  Haupt-Masse 
liegen;  ein  Typus,  welchen  man  in  Norwegen  oft  von  dem  in 
grossen  Strecken  auftretenden  Gneisse  dargestellt  sieht,  den 
man  aber  nicht  als  Modifikation  einer  untergeordneten  Granit- 
Formation    erwartet.    —    Der   Marmor    oder   überhaupt   die 


261 

Kalkstein  -  ßildui)g;eii  komtnen  in  dem  nördlichen  Gneiss- 
Distrikte  häufiger  und  mächtiger  vor,  als  in  irgend  einem 
andern  Gneiss-Distrikte  Norwegens.  Ausser  den  beiden  be« 
deutendsten  Marmor-Feldern,  am  Beierfjord  und  östlich  vom 
Ranenfjord  (welches  letzte  man  Heft  111,  Taf.  7  angegeben 
findet.)  treten  Zonen  von  krystallinischem  Kalkstein  an  vielen 
anderen  Stellen  zwischen  den  Schichten  des  Gneisses  auf. 
Durch  diesen  Umstand,  ferner  durch  das  häufige  Auftreten 
des  Glimmerschiefers  und  dadurch,  dass  das  Fallen  der  Schich- 
ten an  mehren  Stellen  nur  gering  ist,  erhält  der  ganze  Di- 
strikt viel  Ähnlichkeit  mit  den  angrenzenden  ,  auf  der  Karte 
(Heft  II,  Taf.  (»)  mit  den  Zahlen  6  bezeichneten  Glimmer- 
schiefer-Strecken. Doch  ist  zu  bemerken,  dass  jenes  schwache 
Fallen  hier  nicht  normal  ist;  denn  häufiger  wird  steiles  Ein- 
schiessen angetroffen,  und  auch  senkrechte  Schichten-Stellung 
ist  keineswegs  selten. 

Der  Gneiss-Distrikt  9  bildet  die  Fortsetzung  des 
Distrikts  8  nach  SW.  und  S.  Derselbe  schliesst  auch  die 
in  geognostischer  Hinsicht  so  interessante  Gegend  von  Bergen 
ein,  deren  nähere  Kenntniss  wir  besonders  Naumanns  For- 
schungen verdanken.  Es  erscheint  zweckmässiger,  dass  wir 
dieser  vorzugsweise  durchforschten  Gegend  ausschliesslich 
unsere  Aufmerksamkeit  zuwenden,  als  zu  versuchen,  einen 
Überblick  der  gesammten  Beobachtungen  innerhalb  des  gan- 
zen Distriktes  zu  gewinnen ,  was  vor  der  Hand  doch  nur 
mangelhaft  ausfallen  könnte.  In  der  Umgegend  von  Bergen 
—  sowohl  das  Festland  als  die  Inseln,  im  Ganzen  ein  Areal 
von  ungefähr  50  Quadrat-Meilen  in  sich  begreifend  —  wird 
das  Gneiss-Gebiet  durch  folgende  Gebirgsarten  konstituirt. 
1)  Gneiss,  in  zahlreichen  Varietäten,  anscheinend  jedoch 
nicht  verschieden  von  jenen ,  die  man  in  den  grossen  Nor^ 
wegischen  Gneiss-Terrains  zu  treffen  pflegt.  2)  Glimmer- 
Schiefer,  tlieils  charakteristisch,  theils  in  Gneiss  und  Horn- 
blende-Schiefer übergehend :  auch  Thonschiefer-artig  kommt 
er  vor.  3)  Clilori  t-Sch  i  ef  er,  aus  vielem  Chlorit  und  weni- 
gem Feldspath  bestehend,  hier  und  da  mit  Hornblende-Fasern 
durch  webt.  4)  Hornblende-Schiefer,  ausser  in  Glimmer- 
schiefer auch  In  einen  dichten  Grünstein  übergehend.    5)  Hörn- 


202 

blende- Gesteine  von  vielen  anderen  Arten,  darunter 
einige  von  Naumann  als  körnigöasriger,  andre  als  schiefriger 
Grünstein  bezeichnet;  einige  nähern  sich  dem  Aphanit,  andre 
erscheinen  als  sehr  grobkörniger  Grünstein  oder  Hornblende- 
Granit  u.  s.  w.  Die  körnigen  nnd  schiefrigen  Grünsteine  sind 
oft  auf  das  Innigste  verflochten  ,  nnd  die  Varietäten  von  fei- 
nem und  grobem  Korn  findet  man  häufig  wie  mit  einander 
gemengt.  Wo  Grünsteine  mit  körniger  und  schiefriger  Struk- 
tur zusammen  vorkommen,  sind  sie  jedoch  zuweilen  auch  auf 
das  Bestimmteste  von  einander  getrennt,  wovon  ein  merk- 
würdiges, kräftig  gegen  die  eruptive  Entstehung  solcher  Mas- 
sen zeugendes  Beispiel  westlich  bei  Trangereid  beobachtet 
wurde:  hier  umschliessen  die  ganz  körnigen  Massen  theils 
die  schiefrigen ,  theils  werden  sie  von  ihnen  umschlossen, 
wobei  die  letzten  ihren  gegenseitigen  Parallelismus  ebenso 
bewahren,  als  ob  sie  „das  ganze  Terrain  in  stetig  fortstrei- 
chenden Schichten  erfüllten".  An  einer  Stelle  zeigte  sich  ein 
Grünstein  mit  Parallel-Struktur  in  mächtige  Bänke  abgetheilt, 
der  Struktur- Ebene  widersinnig  fallend.  6)  Eeldspath- 
G  est  ein.  So  nennt  Naumann  eine  Bildung,  die  er  auf  fol- 
gende Weise  beschreibt.  Schneeweisser  Feldspath  von  höchst 
feinkörniger,  fast  in  das  Dichte  versinkender,  selten  von 
grobkörniger  Zusammensetzung  ist  mit  parallelen  flammigen 
Flasern  von  rabenschwarzer  feinkörniger  Hornblende  so  durch- 
webt, dass  sehr  ausgezeichnete  Parallel  -  Struktur  hervor- 
tritt. Oft  erkennt  man  ausserdem  fast  verschwindende  silber- 
weisse  Glimmer- Schüppchen  in  der  feldspathigen  Masse, 
wodurch  diese  an  sich  schon  eine  Anlage  zu  schiefriger 
Struktur  erhält.  Da  der  Feldspath  gegen  die  eingemengte 
Hornblende  sehr  vorwaltend  ist .  so  erhält  das  Gestein  auf 
dem  Bruche  meist  ein  geflammtes  oder  gestreiftes  Ansehen. 
Hyazinthrother  Granat  ist  hier  und  da  in  Körnern  eingestreut, 
nicht  selten  zu  derben  Massen  konzentrirt .  und  dann  von 
grobkörnigem  Schillerspath  durchzogen  oder  umhüllt,  so  dass 
letzter  den  ersten  wie  einen  Kern  einschliesst ;  zuweilen  fin- 
det das  Umgekehrte  Statt :  Schillerspath  bildet  den  Kern  und 
Granat  die  Schaale.  Eine  andere ,  weniger  ausgezeichnete 
Varietät  wird    von    grunlichweissem,    ziemlich   grobkörnigem 


263 

Feldspath  gebildet,  welcher  kleine  Massen  Schillerspath  ent- 
hält, die  gemäss  dem  Paiailelismus  des  Gesteins  plattgedrückt 
und  mit  Granat  nmgeben  sind.  7)  W  eisss  tein -artiges 
Gestein.  Sehr  feinkörniger  graulichweisser  Feldspath  ist 
mit  wenigem  feinkörnigem  weissem  Quarz  zu  einer  Masse 
verbunden,  welche  durch  feine  und  kleine  Hornblende-Nadeln 
zu  sehr  deutlicher  Parallel  Struktur  gelangt,  und  ausserdem 
häufig  bintrothe  Granaten  von  fast  verschwindender  Grösse 
eingesprengt  enthält.  S)  Marmor,  beim  Hofe  Hop  zwei 
Lager  oder  stockförmige  Massen  im  Glimmerschiefer  bildend. 
—  Naumann  hat  mit  grossem  Recht  die  ausserordentliche 
Wandelbarkeit  der  hier  vorkommenden  Typen  hervorgehoben. 
Innerhalb  kleiner  Räume,  sagt  er.  zeigt  (zumal  wo  Glimmer- 
haltige  und  Hornblende-haltige  Gebilde  alterniren)  eine  und 
dieselbe  spezifische  Zusammensetzung  einen  so  schnell  und 
häufig  wechselnden  Habitus,  dass  man  sich  hier  bald  daran 
gewöhnt,  das  Gleichartige  nur  in  der  spezifischen  Identität 
der  Gemengtheile,  keineswegs  in  der  VV^eise  der  Verbindung 
oder  in  einem  bestimmten  Quantitäts- Verhältnisse  derselben 
zu  suchen.  Die  Differenzen  des  Körnigen,  Flasrigen,  Schiefri- 
gen  verlieren  hier  allen  VVerth,  und  Hornblende- Granit,  Horn- 
hlende-Gneiss  und  Hornblende-Schiefer  sind  schlechterdings 
nichts  mehr  als  Varietäten  eines  und  desselben  Typus  (Reise 
I,  S.  ISS)  [Zusatz  II].  —  Der  Schichten-Verlauf  in  diesem 
grossartigen  Systeme  verschiedener  Parallel-Massen  ist,  wie 
Naumann  gezeigt  hat,  seinem  Streichen  nach  im  Allgemeinen 
ein  parabolischer  (oder  hyperbolischer)  zu  nennen,  mit  einem 
meist  nach  aussen,  zuweilen  aber  auch  nach  innen  gerichte- 
ten Einschiessen,  Was  zu  fächerförmiger  Schichten-Stellung 
Veranlassung  gibt.  An  einigen  Orten  zeigte  sich  die  Schich- 
tung auf  grössere  oder  kleinere  Strecken  bis  zur  völligen 
Regellosigkeit  verwirrt  (gewunden);  auch  fand  Naumann  an 
einer  Stelle  zwei  Gruppen  von  Parallel-Massen,  welche  unter 
abweichender  Lage  ihrer  respektiven  Parallel-Ebenen  zusam- 
menstiessen ;  ungewiss  bleibt  jedoch ,  ob  darin  ein  Beispiel 
abweichender  Zusammenlagerung  zweier  verschiedener  Schich- 
ten-Systeme gegeben  ist. 

Dem  Distrikte    9    sind    zwei  Partie'n    von    Gneiss  Granit 


264 

auf  dem  Hardanger-  und  Hallingdals-fjeld  (9,  a)  untergeordnet, 
welche  hier  auf  der  Mitte  eines  breiten  Gebirgs-Rückens 
auftreten.  Obgleich  die  Beobachtungen  ,  welche  bisher  über 
dieses  Vorkommen  angestellt  wurden,  zu  einer  genauen  Dar- 
stellung desselben  unzureichend  sind  ,  so  geben  uns  doch 
folgende  Bemerkungen  Keilhau's  hierüber  bereits  wichtige 
Fingerzeige,  öuer  über  das  Thal  von  Veigaaen  setzt  das 
Gueissgranit-Feld  mit  einer  Breite  von  2—3  geogr.  Meilen, 
hier  überall  aus  einem  charakteristischen  ,  im  Ganzen  grob- 
körnigen, rothen  Granit  bestehend.  Südöstlich  von  Maurset, 
wo  das  Feld  sich  wenigstens  5  3Ieilen  ausbreitet,  ist  sein 
herrschendes  Gestein  von  einer  mehr  variablen  Beschaffenheit, 
wohl  am  öftesten  gleich  jenem  Granit,  aber  auch  nicht  selten 
grau  und  kleinkörnig,  so  wie  theilweise  Gneiss-artig  und  am 
weitesten  gegen  SO.  auch  syenitisch.  Bei  Maurset  sieht  man 
den  Granit  zuerst  in  dünnen  Lagen  zwischen  dem  zu  Abthei- 
lung 9  gehörigen  Gneiss;  dann  wechseln  die  Rollen  so,  dass 
der  Granit  das  herrschende  Gestein  wird  und  der  Gneiss  in 
ihm  nur  in  schmalen  Schichten  vorhanden  ist.  Diese  Schich- 
ten schiessen  sehr  steil  gegen  W.  ein  und  streichen  in  h. 
12 — 1 ,  haben  also  gerade  dieselbe  Stellung,  wie  die  Paral- 
lel-Massen  auf  der  ganzen  Strecke  bis  zum  Eidfjord-  Vand 
und  zeigen  auf  das  Deutlichste,  dass  durch  das  Auftreten 
dieses  mächtigen  Granits  keine  Veränderung  im  Streichen  und 
Fallen  bewirkt  ist.  Auch  ist  zu  beachten,  dass  man  hier  an 
vielen  Punkten  die  vollständigsten  petrographischen  Über- 
gänge von  dem  gegen  SW.  ausgebreiteten  Granite  in  den 
nordwärts  anstehenden  Gneiss  findet.  Erst  weiter  gegen  SO., 
mehr  im  Innern  des  granitischen  Feldes,  wurden  verwickei- 
tere Verhältnisse  bemerkt:  der  Granit  schwärmt  zum  Thell 
gangförmig  in  dem  auch  hier  hervortretenden  Gneiss  und 
Hornblende- Schiefer  umher,  und  die  geschichteten  Massen 
fallen  sehr  verschieden. 

In  dem  Gneiss- Distrikte  10  lassen  sich  hauptsäch- 
lich folgende  theils  wesentliche  und  theils  untergeordnete  Bau- 
Elemente  unterscheiden.  1)  Gneiss,  in  allen  gewöhnlichen 
bereits  zuvor  erwähnten  Varietäten.  Am  häufigsten  ist  der 
Hornblende-Gneiss,    demnächst  vielleicht  der  in  Granit  über- 


265 

gehende;  an  vielen  Orten  trifft  man  auch  die  Povpliyr-artige 
Varietät,  worin  nämlich  ansehnlich  grosse  linsenförmige  Feld- 
spath-Knoten  in  einer  feinschiefrigen  Hanpt- Masse  liegen, 
eine  Modifikation,  welche  immer  von  Hornblende  frei  zu  sejMi 
scheint  [Zusatz  III].  An  mehren  Orten  dieses  Distriktes 
stellt  der  Gneiss  Fall  Bänder  dar,  wie  namentlich  bei  Kongs- 
berg ,  Skjärdalen ,  Oppen  u.  s.  w.  2)  Granit,  meist  mehr 
oder  weniger  Gneiss  artig,  in  welchem  Falle  sich  seine  Mas- 
sen immer  ganz  regelmässig  in  das  am  Orte  vorhandene 
Schicht-System  einordnen,  Ist  er  ohne  alle  Spur  von  Gneiss- 
Textur,  so  pflegen  seine  Massen  von  der  Lager-Form  abzu- 
weichen. Bei  Norcfjeld  sah  Keilhau  eine  im  Ganzen  etwas 
Gneiss-artige  und  Lager-förmige  Granit-Masse  an  einer  Stelle 
ganz  allmählich  in  vollkommnen  Granit  übergehen,  dann  aber 
in  ganz  ununterbrochenem  Zusammenhang  sogleich 
als  Gang  transversal  in  das  Nebengestein  eintreten.  3)  Schief- 
rige  Ho  r  nble  n  d  e  -  Gebil  d  e,  alle  Übergangs-Stufen  zwi- 
schen dem  an  Hornblende  reichen  Hornblende  Gneiss  und 
schiefrigen  Amphibolit  umfassend  :  nächst  dem  Glimmer- 
Gneisse  in  diesem  Distrikte  am  häufigsten.  Mächtige  Zonen 
derselben  treten  z.  B.  bei  Arendal  auf,  woselbst  die  bekann- 
ten Magneteisenstein-Fundstätten  vorzugsweise  an  diese  Ge- 
steine gebunden  erscheinen.  Wo  die  Textur  weniger  Gneiss- 
artig ist  und  sich  dagegen  der  des  Granites  nähert,  bilden 
sie  nicht  so  weit  fortgesetzte  Schichten  und  Zonen ,  pflegen 
dann  aber  nach  dem  Streichen  ausgezogene  Nuclei  darzu- 
stellen, deren  harte  Massen  man  oft  über  die  gewöhnliche 
Oberfläche  emporragen  und  so  mehre  bekannte  Berg-Kuppen 
bilden  sieht ,  wie  z.  B.  den  Jonshnuden  bei  Kongsbery  und 
den  Fagerlieknalten  südöstlich  in  Nedenäs.  4)  Hornblen- 
de-Gebilde mit  Granit-Textur;  granitoidischer  Amphi- 
bolit, Diorit,  Grünstein.  Merkwürdig  ist,  dass  dieselben, 
wenn  auch  hinsichtlich  ihier  Textur  dem  Granite  so  nahe 
stehend,  niemals  die  bei  vielen  Granit-Massen  vorkommen- 
den Gang-förmigen  Ausläufer  zeigen.  Die  Contonren  einzel- 
ner Massen  dieser  Gebilde  bewahren  mit  den  angrenzenden 
Schichten  stets  eine  solche  Conformität ,  dass  selbst  stock- 
förmige  Massen  als  vollkonimne  Nuclei  erscheinen.     5)  Gl  im- 


266 

mer schiefer,  Schichten-  und  Zonen-weise.  6)  Quarz, 
meist  als  körniges  Quarz-Gestein ,  Lager  und  Zonen  bildend. 
7)  Tal  kschi ef er- Gebilde,  znm  Theil  Topfstein  oder  dem- 
selben ähnlich.  Nicht  sehr  häufig.  Eine  mächtige  Zone  dieser 
Gebilde  am  südlichen  Ende  des  Randsfjords  scheint  in  der  Rich- 
tung ihres  Streichens  in  Gneiss  und  Glimmerschiefer  über- 
zugehen. 8)  Marmor.  Lager- weise;  sparsam.  9)  Ser- 
pentin. Namentlich  bei  Skärdalen,  W.  am  Tyrifjord  ein 
so  ansehnliches  Feld  einnehmend  ,  dass  er  hier  Erwähnung 
verdient.  (Von  den  Serpentin- Vorkommnissen,  geringerer  Aus- 
dehnung ist  hier  ferner  das  in  mancher  Beziehung  sehr  in- 
teressante von  Snarum  zu  nennen.)  10)  Breccien?  Im 
Einang-Fjeld  in  Sätersdalen  traf  Naumann  (Reise  I ,  S.  89) 
eine  merkwürdige  Verbindung  zwischen  Granit  und  Gneiss, 
deren  wirkliche  Breccien-Natur  er  jedoch  bezweifelt.  Voll- 
kommen scharfkantige  Gneiss-Bruchstücke  durch  ein  Gneiss- 
artiges Bindemittel  verbunden  wurden  von  Keilhau  in  der 
Gegend  von  Kongsberg  beobachtet.  Die  ganze  Breccien- 
Masse  schien  dem  dortigen  Gneisse  regelmässig  eingeschich- 
tet zu  seyn  [Zusatz  IV]. 

Der  Gn  eiss-Distrik t  11  wird  vorzugsweise  durch  die 
beim  vorigen  Distrikte  unter  1 — .5  angeführten  Gebirgsarten, 
also  Gneiss.  G  r  a  n  i  t,  s  c  h  i  e  f  r  i  g  e  H  o  r  n  b  1  e  n  d  e-G  e  b  i  1  d  e, 
granitische  Hornblende-Gebilde  und  Glimmerschie- 
fer konstituirt.  Als  lokale  Bildungen  treten  Topfstein 
und  eil  lori  t  -  Sc  hi  efer  ,  ferner  Gab  b  ro  -  Bil  d  un  ge  n 
(zwischen  Herland  und  Trögslad)  und  ein  eigenthümliches 
Anthop  hy  llit-Gestein  auf  (Romkollen  hei  As  kirn).  Der 
Anthophyllit  erscheint  hier  zum  Theil  wie  gewöhnliche  Horn- 
blende gleichmässig  vertheilt  im  Gneisse ;  besonders  aber  ist 
er  in  Kugeln  ausgeschieden,  von  der  Grösse  einer  Wallnuss 
und  darüber,  welche  so  dicht  beisammen  in  einer  Masse  ge- 
wöhnlichen grauen  Gneisses  liegen,  dass  letzter  dadurch  seine 
Parallel -Struktur  verliert.  In  Betreff  der  Varietäten  des 
eigentlichen  Gneisses  ist  noch  zu  bemerken,  dass  in  Trysild 
eine  beinahe  ganz  in  Chlorlt-Schiefer  übergehende  Modifika- 
tion vorkommt.  Ferner  finden  sich  hier  so  wie  in  der  Ge- 
gend von  Fredrihshald  Gneiss  -  Arten  ,    worin    die  Schiefer- 


267 

Struktur  mehr  oder  wenig;er  fehlt,  indem  die  ßestandtheile  ent- 
weder ganz  ineinander  fliessen  und  einen  Eurit,  einen  Petro- 
NÜex  bilden  oder,  indem  in  einer  solchen  Haupt-Masse  noch 
einzelne  Feldspath-Krystaile  vorhanden  sind  ,  einen  Porphyr 
darstellen.  Der  Granit  nimmt  sonohl  im  südlichsten  als  im 
nördlichsten  Theile  dieses  Distriktes  sehr  bedeutende  Strecken 
ein.  Ein  grosser  Theil  des  Kirchspiels  von  Id  gehört  zu 
einem  Granit-Feld  ,  das  sich  zu  beiden  Seiten  des  Idefjords 
ausbreitet  und  wahrscheinlich  mit  der  Granit-Strecke  zusam- 
menhängt, welche  schon  Hausmann  und  v.  Buch  aut  dem 
Wege  von  Hugdat  nach  Svinesund  beobachteten.  Dasselbe 
dürfte  ausserdem  die  grosse  Insel-Gruppe  der  Hvalüer  in  sich 
fassen.  Wenigstens  an  einigen  seiner  Grenz-Punkte  gegen 
den  umgebenden  Gneiss  finden  die  vollkommensten  Übergänge 
in  diesen  Statt.  Ein  anderes  Granit-Feld  von  derselben  Be- 
schaffenheit breitet  sich  in  Onsüe ,  einem  Theil  von  Raade, 
Thune  und  Shjeberg  ans. 

Bei  einem  Rückblick  auf  die  4  Gneiss  Distrikte, 
welche  wir  so  eben  betrachtet  haben,  stellen  sich  hauptsäch- 
lich folgende  allgemeine  Resultate  heraus.  Was  die  Schich- 
ten-Stellung betrifft,  so  ist  steiles  bis  senkrechtes  Eln- 
schiessen  das  normale  oder  docli  jedenfalls  das  entschieden 
dominircnde  Verhältniss.  Wo  Schichten-Systeme  mit  verschie- 
denen Fall- Winkeln  an  einander  grenzen,  wird  —  mit  äus- 
serst wenigen  Ausnahmen  —  der  Übergang  durch  Fächer- 
förmige Gruppirung  der  Schichten  vermittelt.  Der  Schich- 
ten-Verlauf (dem  Streichen  nach)  ist  oftmals  auf  grosse 
Strecken  ein  annähernd  geradliniger,  häufig  aber  auch  ein 
gebogener  und  mitunter  ein  stark  und  mehrfach  gekrümmter, 
welcher  letzte  dann  manchmal  im  Grossen  in  dieselben  mäandri- 
schen Windungen  ausartet,  wie  man  sie  nicht  selten  im 
Kleinen  an  einzelnen  Gneiss  -  Stücken  beobachtet.  Hieraus 
ergibt  sich ,  dass  das  Streichen  der  Schichten  weniger  deut- 
lich von  einem  einfachen  Gesetze  beherrscht  wird,  als  das 
Fallen  derselben.  Gleichwohl  ist  es  Thatsache,  dass  ein  mehr 
oder  weniger  nordsüdliches  Streichen  innerhalb  grosser  Strecken 
unsres  Gneiss-Gebietes  durchaus  die  Oberhand  behauptet ,  ja 
dass  es  in  einigen  Landes-Theilen  mit  schärfster  Ausprägung 


♦268 

auftritt.  Aber  auch  nicht  an  Abweichungen  hiervon  fehlt  es; 
und  darunter  treten  so  bedeutende  hervor,  dass  in  einigen 
Gegenden  ostwestliches  Streichen  herrschend  wird.  Ganz 
dieselbe  Schicht-Struktur  in  Bezug  auf  Fallen  und  Streichen 
besitzen  ,  nach  allen  darüber  vorhandenen  Beobachtungen, 
die  gesammten  Gneiss-Gebiete  von  Schweden,  Finnmarken  und 
Finnland.  „Und  so  liegt  denn  vor  uns  ausgebreitet",  sagt 
Keilhau,  „ein  Areal  von  vielen  Tausend  Öuadrat-Meilen,  das 
nur  an  wenigen  Stellen  andere,  als  steil  nach  der  Tiefe  hinab- 
gehende Schichten  zeigt;  in  vielen  und  grossen,  ja  wir  kön- 
nen vielleicht  annehmen,  in  den  meisten  und  grössten  Stücken 
dieses  Areals  sehen  wir  diese  steilen  Schichten  irgend  einem  Ge- 
setze eines  regelmäsigen  Laufes  folgen  ;  wir  finden  sie  zehn, 
zwanzig,  ja  zum  Theil  noch  viel  mehr  Meilen  nach  denselben 
Linien  fortstreichend,  und  es  scheint  uns,  dass  da,  wo  neue 
Streichungs-Felder  anfangen  ,  es  doch  noch  immer  dieselben 
Parallel-Massen  sind,  die  wir  vorher  betrachteten,  die  sich 
aber  nun  einer  andern  Streichungs-Regel  unterworfen  haben." 
[Zusatz  V.]  —  Wenn  allgemeine  Regeln  über  den  Bau  der 
Gneiss- Schichten  nicht  ohne  Mühe  gesucht  und  gleichwohl 
nicht  ohne  Klauseln  aufgestellt  werden  konnten,  so  gelangen 
wir  in  Betreff  des  Bau-Materials  um  so  leichter  und  ent- 
schiedener zu  einem  Resultate;  aber  freilich  zu  einem  nega- 
tiven. Eine  bestimmte  Aufeinanderfolge  der  den  Gneiss  kon- 
stituirenden  Gebirgsarten  existirt  nicht;  eine  jede  derselben 
zeigt  sich,  bei  den  Schichten-Reihen  verschiedener  Orte  bald 
im  Liegenden,  bald  im  Hangenden  und  bald  in  der  Mitte  dieser 
Reihen.  Zugleich  finden  nicht  bloss  Gesteins-Übergänge  von 
Schicht  zu  Schicht,  sondern  zuweilen  unverkennbar  auch  in 
der  Richtung  des  Streichens  Statt.  —  Die  Granitc  und  ande- 
ren ungeschicliteten  Gebilde,  welche  an  nicht  wenigen  Orten 
und  mitunter  in  sehr  beträchtlichen  Massen  in  dem  grossen 
Gneiss-Gebiete  vorkommen,  sind  in  vielen  Fällen  auf's  Innigste 
mit  den  geschichteten  Gebilden  vereinigt  theils  durch  petro- 
graphische  Übergänge  und  theils  durch  besondere  Raum-Ver- 
hältnisse. Weder  eine  gewisse  regelmässige  Vertheilung  der 
nngeschichteten  Gebilde  innerhalb  der  geschichteten ,  noch 
eine    deutlich    hervortretende  Einwirkung   der  ersten  auf  die 


269 

letzten  hinsichtlich  des  Fallens  und  Streichens  hat  sich  bis 
jetzt  in  unserem  Gebiete  nachweisen  lassen;  und  es  nnter- 
liegt  kaum  noch  einem  Zweifel,  dass  diese  wie  die  vorge- 
dachten allgemeinen  Verhältnisse  nicht  bloss  fiir  den  Norwe- 
gischen  Gneiss,  sondern  überhaupt  für  die  ganze  ausgedehnte 
Gneiss-Formation  des  Europäischen  Nordens  Gültigkeit  haben. 
Sowohl  durch  Situation  als  durch  geognostischen  Charak- 
ter schliesst  sich  an  das  eben  betrachtete  Gneiss-Gebiet  das 
Norit-Territorium  \ on  Ekersund  (12).  So  kann  man  ein 
etwa  20  Quadrat- Meilen  grosses  Gebiet  ungeschichteter  kry- 
stallinisch-körniger  Labrador-Gesteine  bezeichnen,  wel- 
ches die  Umgegend  der  Stadt  Ekersund  (westlich  vom  Cap 
Lindesnäs)  einnimmt.  Durch  Hinzutreten  von  Diallag  und 
Hyperstlien  bilden  diese  Gesteine  an  mehren  Orten  einen  nor- 
malen, meist  jedoch  einen  an  seinen  augitischen  ßestandthei- 
len  armen  Gabbro.  Erster  scheint  in  dem  nördliclien  Theile 
des  Territoriums  mit  Serpentin  im  Zusammenhang  zu  stehen. 
Als  ein  fast  charakteristischer  Bestandtheil  des  Norit  dürfte 
das  Titan -Eisen  zu  betrachten  seyn  ,  theils  in  mikrosko- 
pisch feineu  Theilchen  der  Labrador-Masse  beigemengt,  theils 
in  Krystallen,  krystallinischen  Körnern  und  Partien  ausgeschie- 
den, theils  auch  zu  grösseren  Massen  konzentrirt.  Zwischen 
Norit  und  Gneiss  finden  zum  Theil  allmäiiliche  petrographische 
Übergänge  Statt,  oder  es  zeigt  sich,  durch  manchfache  Wech- 
sellagerung dieser  an  ihren  Grenzen  mehr  oder  weniger 
modifizirten  Gesteine,  eine  Verkettung  derselben,  wie  sie 
so  oft  zwischen  Granit  und  Gneiss  wahrgenommen  wird 
[Zusatz  VI].  Man  sehe  meinen  Aufsatz  über  den  Norit  im 
U.  Hefte  der  Gaea,  S.  313—340. 

Gebiet  der  Übergangs-Forniation. 
Trotz  meines  Vorsatzes,  nur  mit  wenigen  Umrissen  zu 
skizziren ,  habe  ich  mich  durch  die  lebhaft  redenden  That- 
sachen  in  dem  anscheinend  so  todten  und  einförmigen  Gneiss- 
Gebiete  zu  einigen  Details  verleiten  lassen,  welche  die  Gren- 
zen einer  Skizze  überschreiten  und  den  vorliegenden  Aufsatz, 
wenn  in  dieser  Weise  fortgefahren  würde,  leicht  zu  einer 
ihm  anfangs  nicht  zugedachten  Tendenz  und  Ausdehnung 
bringen  könnten.     Ich  muss  mich  daher,  zur  möglichen  Com- 


270 

pensation  des  bereits  Zuvielgegebenen ,  im  Nachfolgenden 
einer  um  so  strengeren  Kürze  befleissigen ;  ein  Verfahren, 
bei  welchem  allerdings  die  Gesetze  des  Gleichgewichtes  nicht 
respektirt  werden. 

Wir  wollen  dieser  nolhwendigen  Kürze  halber  das 
Gebiet  der  Übergangs- Formation  im  südlichen  Norwegen  unter 
folgenden  Abschnitten  betrachten. 

A)  Christianiaa  Übergangs-Territorium  (1.3). 

ß)  Norwegens  Antheil  an  dem  zentralen  Übergangs-Ter- 
ritorium Skandinaviens  (14,  14a  und  15). 

C)  Goustafjeld  TevvMov'wxm  (IG). 

D)  Sandstein-  und  Konglomerat-Territorien  (17a,  b,  e, 
d  und  IS). 

Obgleich  Chrlslianias  Übergangs -Territorium  sowohl 
durch  das  Auftreten  von  Versteinerungen  in  demselben  ,  als 
durch  seine  ganze  geognostische  Stellung  von  allen  hier 
behandelten  Formationen  sich  am  weitesten  vom  ür-Gneisse 
entfernt,  so  beginnt  Keilhau  gleichwohl  die  Reihe  der  Über- 
gangs-Gebilde gerade  mit  diesem  Territorium  ,  und  zwar  aus 
dem  guten  Grunde,  weil  es  (die  Sandstein-  und  Konglomerat- 
Territorien  abgerechnet)  die  Formation  allein  ist,  welche  mit 
vollkommenster  Gewissheit  als  eine  vom  Gneisse  wesentlich 
verschiedene  betrachtet  werden  darf,  während  die  unter  dem 
Zentral-Übergangs-Territorium  und  Goustnfjeld-levvMov'nim  be- 
griffenen Gebilde  zum  Theil  dem  Gneisse  so  nahe  verwandt 
und  innig  verbunden  auftreten ,  dass  hier  scharfe  Grenz- 
Linien  unmöglich  werden. 

Chrisliania's  Übergang  s-T  e  r  r i  t  o  r  i  u  m  (1 3)  ist  bereits 
im  I.  Hefte  der  Gaea  Gegenstand  einer  ausführlichen  Beschrei- 
bung gewesen,  auf  welche  Keilhau  verweist.  Zugleich  aber 
sieht  sich  derselbe  veranlasst,  gegen  die  Behauptung  Mua- 
chison's  zu  protestiren:  dass  Granit,  Porphyr,  Grünstein  u.  s.  vv. 
nicht  bloss  Dislokationen  und  geringere  Veränderungen  der 
Silur-Straten  bewirkt,  sondern  dass  sie  dieselben  in  gewissen 
Fällen  gänzlich  metamorphosirt  haben.  Ein  instruktives  Bei- 
spiel hiefür  glaubt  Murchison  in  der  INähe  von  Christiania 
(hei  Bugten)  beobachtet  zu  haben.  Hier  soll  Alaun  -  Schiefer 
durch    den    Kontakt    mit   Grünstein    in    ein    krystallinisches 


271 

Schiefer-Gestein  umg^ewaiidelt  worden  seyn,  welches  von  dem 
benachbarten  Gneisse  nicht  leicht  zu  unterscheiden  ist.  Keil- 
hau erklärt  diese  Beobachtung  für  eine  durchaus  irrthüm- 
liche  [Zusatz  VII]. 

Norwegens  Antheil  an  dem  zentralen  Ubergang-s- 
Territorium  Skandinaviens  (14).  Die  Benennung^  ,,zentra> 
les  Übergangs-Territoriuin  Skandinaviens*^^  hat  Keilhau  provi- 
sorisch für  ein  Gebiet  petrographisch  sehr  verschiedenartiger, 
genetisch  aber  anscheinend  eng  mit  einander  verbundener 
Felsarten  gewählt ,  welches  einen  sehr  beträchtlichen  Theil 
der  inneren  Landstrecken  Skandinaviens  einnimmt.  Dass 
dasselbe  eine  besondere  Abtheilung  in  der  Formations-Reihe 
der  Halbinsel  ausmache,  hält  Keilhau  nicht  für  zweifelhaft; 
wogegen  ihm  das  Passende  des  gewählten  Namens  nicht  aus- 
gemacht erscheint,  da  es  von  einem  grossen,  ja  von  dem 
grössten  Theile  dieses  Gebietes  vor  der  Hand  ungewiss  bleibt,  ob 
derselbe  wirklich  als  ein  Ü  bergan gs-Xerritorium  aufgefasst 
werden  darf.  Mit  völliger  Sicherheit  ist  der  südliche,  dem 
Christiania-TenMov'wxm  ganz  nahe  gelegene  Theil  desselben 
(auf  der  KEiLHAu'schen  Karte  violett  illuminirt )  als  der 
Übergangs-Periode  angehörig  zu  betrachten ,  wofür  sowohl 
die  hier  auftretenden  Versteinerungen  als  auch  andre  Ver- 
hältnisse sprechen.  Alle  übrigen  Theile  des  grossen  Gebietes 
14  scheinen  durchaus  Versteinerungs-leer  zu  seyn  und  stel- 
len sich  auch  in  petrographischer  Hinsicht  als  ein  verschie- 
denartiges Gebilde  heraus.  Von  den  Gründen,  welche  Keil- 
haü'n  nichts  desto  weniger  zu  einer  solchen  Vereinigung  an- 
scheinend heterogener  Gruppen  bewogen  haben,  wird  sogleich 
die  Rede  seyn. 

Wir  wollen  uns  nun  zur  Betrachtung  der  Versteine- 
rungs -losen  Abtheilung  des  mit  14  bezeichneten  Ge- 
bietes wenden.  Einen  Begriff  von  der  komplizirten  Zusam- 
mensetzung dieser  Abtheilung  erhält  man,  wenn  man  erfährt, 
dass  darin  als  mehr  oder  weniger  wesentliche  Konstituenten  fol- 
gende geschichtete  Gesteine  auftreten  rGrauwacke,  Konglo- 
rn  e  r  a  t-a  r  t  i  g  e  r  S  a  n  d  s  t  e  i  n,  S  a  n  d  s  t  e  i  n-a  r  t  i  g e  s  ö  u  a  r  z- 
Gestein,  Grauwacken-Schiefer,  Kalkstein,  Alaun- 
Schiefer,    Thon-Schiefer,    sogenannter    Ür-Thon- 


272 

schiefer  (Dach-,  Wetz- und  Kiesel-Schiefer),  Quarz- 
Schiefer,  Glimmer-Schiefer,  Chlori  t  Schiefer,Talk- 
Schiefer,  Hornblende- Schief  er  und  Gneiss.  Auch 
an  ungeschichteten  Gesteinen  fehlt  es  in  diesem  Territorium 
nicht;  ja  dieselben  kommen  in  ihm  sogar  vorzngsweise  häußg 
vor.  S  y  e  n  i  t  i  s  c  h  e ,  G  r  ii  n  s  t  e  i  n  -  a  r  t  i  g  e  ,  g  r  a  n  i  t  i  s  c  h  e 
und  Porphyr-Gebilde  finden  sich  an  vielen  Orten  und  er- 
langen mitunter  eine  beträchtliche  Ausdehnung.  Im  nördli- 
chen Guldbrundsdalen  treffen  wir  das  bedeutendste  dieser 
krystallinischen  Felder.  Zwischen  61^  und  62"  IN.  Br.  und 
25 Yo"  und  26 Yj*'  O.  Länge  nimmt  es  ein  Areal  von  25—30 
Quadrat- Meilen  ein  und  besteht  hauptsächlich  aus  syeniti- 
schen Gesteinen ,  welche  jedoch  zum  Theil  eine  gewisse 
Parallel-Struktur  zeigen  und  mit  wirklich  geschichteten  Ge- 
steinen innig  verbunden  sind.  Dieser  Bezirk  eigenthümlicher 
krystallinisclier  Gebilde  umfasst  die  grossartigste  Gebirgs- 
Gruppe  Norwegens  (und  iiberhaupt  des  ganzen  Nordens),  aus 
welcher  sich  die  Berg -Spitzen  Skagstöltind  bis  zu  7800' 
und    Ymesfje/d  bis  zu  8200'  erheben  [Zusatz  VIII]. 

Am  Schlüsse  der  Darstellung  dieses  interessanten  Ter- 
ritoriums spricht  sich  Keilhau  näher  über  die  Gründe  aus, 
welche  ihn  veranlasst  haben,  dasselbe  nicht  allein  vom  Gneiss- 
Gebiete  zu  trennen,  sondern  auch  es  als  zum  U  bergan  gs- 
Territorium  gehörig  zu  betrachten.  Wir  wollen  von  diesen 
Gründen  in  Kürze  folgende  ausheben :  a)  den  schon  er- 
wähnten Übergang  der  Versteinerung-führenden  x\.btheilung  in 
die  Versteinerungs  lose ,  b)  das  Auftreten  von  Gebirgsarten, 
welche,  obgleich  ohne  Versteinerungen,  doch  ganz  unzweifel- 
haft für  Übergangs-Gebilde  gelten  müssen,  wie  Grauwacke 
und  Alaun-Schiefer.  Andere  Gesteine,  wie  namentlich  gewisse 
dunkelfarbige  Kalksteine,  sind  diesen  zwar  nicht  mit  Sicher- 
heit beizuzählen,  deuten  aber  doch  auf  ihre  Entstehung  in 
der  Übergangs-Zeit  hin.  c)  In  einem  Theile  (dem  südlichen) 
des  Territoriums  sind  die  mehr  oder  weniger  horizontalen 
Schichten  desselben  dem  steil  geschichteten  Gneisse  übergrei- 
fend aufgelagert.  Allerdings  aber  stellt  sich  in  anderen 
Theilen  (dem  westlichen  und  nördlichen)  die  merkwürdige 
Thatsache  heraus,  dass  hier,  mit  sehr  wenigen  Ausnahmen, 


273 

ein  solches  Verhältniss  nicht  stattfindet,  sondern  dass  gleich- 
förmige Zusammenlagerungen  des  Gneisses  mit  jenen  andern 
IJbergangsSchichten  ,  so  wie  vollkommene  petrographische 
Übergänge  hier  zur  Norm  gehören.  An  einem  Orte  kam  es 
vor,  dass  die  Schichten  der  Ürgneiss-Gruppe  ihren  Platz  nicht 
im  Liegenden,  sondern  im  Hangenden  der  gesammten  Lagen- 
Folge  hatten.  Ferner  verdient  es  bei  dieser  Gelegenheit  an- 
gefiihrt  zu  werden,  dass  Krilhau  ausdrücklich  bemerkt:  der 
in  diesem  Übergangs-Territorium  auftretende  Gneiss  sey  dem 
eigentlichen  Lr-Gneisse  niemals  zum  Verwechseln  ähnlich. 

Wenn  auch  nicht  genau  dieselbe,  so  doch  jedenfalls  eine 
analoge  geognostische  Stellung  wie  das  Gebiet  14  dürften 
Haarsteigens  Schiefer-Feld  (14a)  und  die  halbkrystal- 
linischen  Schiefer  der  West-Küste  (15)  in  der  For- 
mationen-Reihe erhalten.  Das  Nähere  hierüber  möge  man  aus 
der  Original-Abhandlung  ersehen. 

Goustafjeld -Territorium  (16)  (Na r>  vnn's  Numme- 
dals  und  Tellemarkens  Quarz  -  Formation).  Mit  wenigen 
Worten  einen  klaren  Überblick  über  die  wesentlichsten  Ver- 
hältnisse dieses  räthselvollen  Gliedes  der  Norwegischen  Fel- 
sen-31asse  zu  geben,  dürfte  eine  mehr  als  schwierige  Auf- 
gabe seyu.  Wenn  es  schon  von  mehren  der  vorhergehenden 
Formationen  und  Formations-Gliedern  galt,  dass  eine  sehr 
naturgetreue  Auffassung  ihrer  Verhältnisse  nur  durch  eine 
Reihe  genauer,  durch  keine  Theorie  gefärbter  Detail  Schilde- 
rungen entworfen  w  erden  kann ,  so  gilt  Diess  von  dem  in 
Rede  stehenden  Formations-Gliede  in  ganz  besonderem  Grade, 
Wenn  ich  mich  nichts  destovveniger  an  eine  Skizzirung  des- 
selben wage,  so  liegt  die  Befürchtung  nahe,  dass  mein  Bild 
nur  aus  einer  gewissen  Ferne  gesehen  werden  darf,  um  seine 
Ähnlichkeit  nicht  zu  verlieren. 

Das  wichtigste  und  meist -verbreitete  Gestein  des  unge- 
fähr 120  Öuadrat-Meilen  grossen  Territoriums  ist  der  mehr 
oder  weniger  als  selbstständige  Gebirgsart  auftretende  Quarz, 
Quarzit.  Er  bildet  grosse  Partien  dieses  Territoriums  und, 
um  mich  so  auszudrücken,  webt  sich  in  andere  Partie'n  des- 
selben ein.  Um  einen  richtigen  Begriff  von  dem  verschieden- 
artigen   Charakter    zu    erlangen ,    welchen    diese    Gebirgsart 

Julirgang  ISäl.  18 


274 

innerhalb  jenes  Beziikes  an  sich  trägst,  mögen  die  am  häu- 
figsten vorkommenden  Varietäten  derselben  hier  Erwähnung; 
finden.  Der  öuarzit  stellt  sich  dar:  1)  körnig-  abgeson- 
dert, Glas-glänzend  5  von  bedeutender  Durchsichtigkeit  und 
weisser  bis  graulichweisser  Farbe.  2)  F ei  n  k  ö r  n i g  abge- 
sondert, Fett-glänzend  j  von  rosenrother  bis  fleischrother 
Farbe.  Eine  ausgezeichnet  schöne  Varietät  dieses  Quarzits 
enthält  zwischen  den  rothen  Körnern  hier  und  da  andere  von 
blauem  Milch-Quarz.  3)  Dicht  und  splittrig,  schwach 
durchscheinend  bis  undurchsichtig,  von  grauer,  weisser  und 
röthlich weisser  Farbe.  An  diesen  eigentlichen  öuarzit,  Quarz- 
Schiefer,  der  in  bei  Weitem  überwiegender  Häufigkeit  ange- 
troffen wird,  schliessen  sich  Jaspis-ähnliche,  Hornstein-artige 
und  Kieselschiefer -artige  Gebilde  an.  Unter  den  unreinen 
Varietäten  des  Quarzits  sind  besonders  die  Talk-haltigen, 
die  Feldspath-gemengten  und  die  Hornblende-führenden  zu 
unterscheiden. 

Aus  so  beschaffenen  Quarziten  entwickeln  sich,  wie  z.  B. 
am  Goustafjeld  (einem  COOO'  hohen  Berge  in  Tellemarken, 
nach  welchem  das  ganze  Territorium  benannt  ist)  Gebilde 
von  Glimmerschiefer  und  Gneiss.  Dieser  Gneiss  aber 
ist  in  der  Regel  spezifisch  verschieden  vom  gewöhnlichen 
Ur-Gneisse;  mit  ihm  im  engsten  Verbände  stehen  Granit- 
und  Porphyr-artige  Bildungen.  Unter  letzten  treten 
Hornstein-Porpbyre  auf.  —  Keilhau  gedenkt  hier  eines  merk- 
würdigen Struktur-Verhältnisses  in  Gneiss-Massen,  welche  zu 
dieser  Gruppe  gehören.  Am  Mandöla-Elv  in  Sillejord  trifft  man 
mächtige,  zwischen  andern  Schiefern  vollkommen  gleichför- 
mig liegende  Parallel-Massen  des  Gneiss-Gebildes,  in  welchen 
die  feinen  Glimmer-Blätter  so  gereiht  sind,  dass  sie  ein  Strei- 
chen und  Fallen  von  50<^  O.  6yg  geben,  während  die  Lager 
und  Schichten  im  Grossen  60*^  gegen  S.  syg  einschiessen. 
Ein  ähnliches  Verhältniss  scheint  ferner  etwas  westwärts  von 
Souland  in  Teilemarken  stattzufinden,  wo  die  kleinen  Glimmer- 
Partie'n  im  Gneisse  in  einer  Richtung  liegen  ,  welche  sehr 
von  derjenigen  abweicht,  die  in  dieser  Gegend  als  Stellungs- 
Regel  der  grossen  Parallel-Massen  anzunehmen  ist. 

Zwischen  den  vielfach  mit  einander  wechselnden  Quarzit-, 


275 

Gliminersclnefer-  und  Giieiss-Gebilden  treten  Hornblende- 
Schiefer,  Talk-Schiefer,  Chlori  t  Schiefer  und  Thon- 
Schiefer  (sogenannter  t!  r-Th  onschi  ef  er)  als  mehr  oder 
weniger  vereinzelte  Lagen  und  Schichten  auf. 

Eine  wichtige  Rolle  bei  nicht  wenigen  dieser  Gebilde 
spielt  der  Talk,  welcher  nicht  allein  in  vielen  Quarz-Gestei- 
nen und  Kalkschiefer-artigen  Modifikationen  des  Glimmer- 
Schiefers,  sondern  auch,  durch  untergeordnete  Einlagerungen, 
im  Gneisse  enthalten  ist.  Im  grossen  Felde  am  Gousta,  wo 
eine  granitische  Struktur  nicht  ungewöhnlich  ist,  sieht  man 
durch  Auftreten  des  Talkes  eine  Art  von  Protogyn  dar- 
gestellt. —  Besonders  im  westlichen  Theile  des  Territoriums 
(in  Laurdal  und  Aloe),  sagt  Keilhau,  wird  ein  nicht  wenig 
verbreitetes  Gestein  angetroffen,  von  dem  man  behaupten  kann, 
dass  es  auf  einmal  die  drei  Formations-Glieder:  öuarz,  Talk- 
Schiefer  und  Thon-Schiefer  in  sich  begreift,  indem  es  ganz 
als  ein  Gemenge  von  diesen  zu  betrachten  ist.  Dasselbe  stellt 
gern  eine  äusserst  feinkörnige  Masse  dar ,  zeigt  auch  mit- 
unter eine  Art  Griffei-förmiger  Struktur  im  Grossen,  welche 
an  die  Stelle  der  eigentlichen  Schiefer-Struktur  tritt. 

An  diese  so  verschiedenartigen,  anscheinend  aber  gene- 
tisch und  geognostisch  eng  mit  einander  verbundenen  Gesteine 
reiht  sich  endlich  noch  eine  Gruppe  ganz  eigenthümlicher 
Bildungen ,  von  denen  Keilhau  (S.  430)  Folgendes  bemerkt. 
Eine  Art  höchst  merkwürdiger  Massen ,  über  deren  wahre 
Natur  es  schwer  ist  ein  Urthell  zu  fällen,  die  aber  bis  auf 
Weiteres  unter  dem  Namen  von  Konglomerat-  und  -Grau- 
wacken-Gebild  en  passiren  mögen,  eine  Art  Massen,  die 
bereits  früher  als  sparsam  hier  und  da  in  Nonvegen  vorkom- 
mend erwähnt  wurden,  scheinen  in  diesem  Territorium  recht 
zu  Hause  zu  seyii.  Der  öuarz ,  die  Talk-,  Chlorit-  und 
Thonschlefer-Gebilde  wie  auch  der  Glimmer-Schiefer  schlies- 
sen  nämlich  hier  nicht  selten  Schichten  oder  Partie'n  ein,  in 
welchen  diese  Gesteine  entweder  selbst  die  Form  von 
Konglomeraten  annehmen  oder  durch  mehr  fremdartige  Ge- 
bilde jener  problematischen  Art  verdrängt  erscheinen.  Auch 
die  Hornstein-Gebilde,  ja  sogar  die  Hornblende-Schiefer  sind 
diesem  merkwürdigen  für  die  6rOM*^fl/)e/rf-Formation  so  überaus 

18  •> 


276 

charakteristischen  Verhältnisse  untervAorfen;  obschon  selbst 
der  Ür-Gneiss  nicht  ganz  frei  davon  ist,  stellenweise  in  einer 
Form  aufzutreten,  welche  einen  sekundären  Ursprung  des 
Gesteins  affektirt.  —  Einige  ansgehobene  Beispiele  werden 
diese  Gebilde  näher  bezeichnen.  In  gewissen  Gegenden  von 
Sülejord  ist  der  sehr  reine  und  krystallinische  blaulichgraue 
Quarz  in  einer  ziemlich  weiten  Ausdehnung  ungeschichtet 
und  nicht  eigentlich  Quarz-Schiefer  zu  nennen.  Mitten  in 
dessen  mächtigen  Massen  sind  grosse,  unbestimmt  begrenzte 
Partie'n  davon  mehr  oder  weniger  dicht  mit  kleinen  ganz 
abgerundeten  Kiesel -Stücken  der  verschiedensten  Farben- 
Abstufungen  erfüllt;  weisse,  rothe  und  dunkelgraue,  theils 
rein,  theils  Jaspis-artig,  theils  Hornstein-artig,  alle  aber  — 
sogar  diejenigen,  welche  dem  umgebenden  Quarz  am  meisten 
gleichen  —  scharf  von  diesem  abgesondert  und  folglich  ganz 
wie  eingekittete  Nüsse  und  Körner  aussehend.  Dass  diese 
Partie'n  keineswegs  als  besondere  Lager  geordnet  sind,  son- 
dern unter  einer  unregelmässigen  Ausdehnung  in  das  bier 
ganz  massive  und  überdiess  völlig  krystallinische  Quarz-Feld 
verfliessen  ,  ist  wohl  auch  als  ein  Umstand  anzusehen,  der 
keine  Meinung  von  dem  mechanischen  Ursprung  dieser  Gebilde 
begünstigt.  —  An  einer  anderen  Lokalität  bestehen  die  voll- 
kommenen Geschiebe-förmigen  Konkretionen  des  Konglomerat- 
Gebildes,  die  von  Haselnuss-  bis  Kopf-Grösse  vorkommen, 
hauptsächlich  aus  demselben  graulichweissen  splittiigen  Quarz, 
welcher  die  Schichten  in  dem  ganzen  Felde  ringsumher  bil- 
det. —  Bei  einem  Konglomerate  zwischen  Guldnäs  und  Berge 
ist  die  verbindende  Masse,  welche  (da  die  Geschiebe-ähnli- 
chen Körper  sehr  dicht  an  einander  liegen)  nur  in  geringer 
Menge  vorhanden  ist,  Thonschiefer- artig  und  gewiss  als 
analog  mit  den  schwachen  Thonschiefer-Aussonderungen  an- 
zusehen, welche  an  anderen  Punkten  dieser  Gegend  als  regel- 
mässige Lagen  zwischen  den  dichten  Quarz-Schichten  liegen. 
—  Gebilde  dieser  Gruppe,  welche  dem  Quarz  und  dem  Glim- 
mer-Schiefer zugleich  angehören,  werden  in  ansehnlicher 
Ausdehnung  nordwestlich  vom  Sülejords-Vand  angetroffen. 
An  mehren  Stellen,  wo  das  Quarz-Gestein  hier,  an  der 
Grenze  des  Ur-Territoriums,  den  Glimmer-Schiefer  zu 


277 

verdrängen  anfängt,  trifft  man  beide  Gebilde  gewissennassen 
in  denselben  Schichten  oder  Lagen  —  nämlich  den  Quarz 
als  lange,  Finger-dicke,  an  den  Enden  abgerundete  Zylinder, 
oder  als  langgezogene  Mandeln  oder  endlich  als  Geschiebe- 
ähnliche Nüsse  und  den  Glimmerschiefer  als  Bindemittel  aller 
dieser  Massen.  —  Sehr  häufig  ist  das  schiefrige  ßindemittel 
solcher  Konkretionen  Talk-haltig,  und  überhaupt  scheint  der 
Talk  in  einer  gewissen  intimen  Verbindung  zu  diesen  pro- 
blematischen Gebilden  zu  stehen.  Diess  dürfte  eine  Ursache 
davon  seyn,  dass  dieselben  bisher  nirgends  im  Territorium 
häufiger  angetroffen  worden  sind,  als  auf  dem  Wege  zwischen 
Berge  in  Brunkeberg  und  Qvaie  in  fföidalsmoe,  wo  das  For- 
mations-Glied des  Quarzes  mit  andern  Gebilden,  namentlich 
aber  mit  denen  des  Talkes,  gleichsam  koufundirt  ist.  Hier 
kommen  auch  nicht  bloss  Quarze,  sondern  zugleich  Feldspath- 
artige  und  sogar  Gneiss- ähnliche  Massen  in  jenen  mehr 
oder  weniger  Geschiebe-ähnlichen  Formen  vor.  O.  von  ffol- 
vig ,  gegen  Vaae  in  Westfjorddalen  hinab,  traf  Keilhau  als 
Schicht  in  einem  Talk-haltigen  Schiefer  eine  Konglomerat- 
ähnliche Bildung,  deren  Einschlüsse  theils  aus  Quarz,  theils 
aus  Schiefer-Mandeln  bestanden,  letzte  von  anscheineud  ganz 
gleicher  Masse  w\e  das  Talkschiefer- artige  Bindemittel 
[Zusatz  IX]. 

Ausser  den  vorerwähnten,  mit  den  geschichteten  Gestei- 
nen eng  verbundenen  ungeschichteten  kry  stall  in i- 
schen  Gebirgsarten  treten  innerhalb  dieses  Territoriums, 
besonders  in  der  Cow-y^a-Gegend,  derartige  Gebilde  von  einer 
selbstständigeren  und  mächtigeren  Entwickelung  auf.  Diess 
sind  hauptsächlich  Grünsteine,  Diorite  und  gewisse 
Granite.  Ein  sehr  bedeutendes  Grünstein-Feld  dieser  Art 
befindet  sich  oberhalb  des  Bandag-  Vands.  Es  hat  eine  Breite 
von  mehr  als  '2  Meilen  und  bildet  in  der  Umgegend  von 
A/oe-Kirche  gegen  2500'  hohe  wild  zerrissene  Felsen.  In 
welchem  Zusammenhange  diese  Grünsteine  mit  denen  stehen, 
welche  so  vielfach  in  Wechs^llagerung  mit  Quarziten  und 
anderen  geschichteten  Gesteinen  des  Territoriums  vorkommen, 
ist  schwierig  zu  bestimmen.  So  viel  ist  gewiss,  dass  unzwei- 
felhafte  Gang -Bildungen    von    Grünsteinen    hier    an    mehren 


278 

Orten  vorkommen,  aber  doch  im  Ganzen  zu  selten,  um  daraus 
einen  Seliluss  auf  alle  Grünstein-Massen  dieses  Gebietes  zu 
ziehen.  Was  den  Granit  betrifft ,  so  kommt  ein  Theil  des- 
selben unmittelbar  an  der  Ürgneiss-Grenze  vor;  ob  wir  diesen 
zu  unserer  Formation  rechnen  diirfen ,  lässt  sich  einstweilen 
nicht  entscheiden. 

Die  Schichtungs-V  erhältnisse  der  gesammten  ge- 
schichteten Gesteine  des  Territoriums  sind  nicht  der  Art,  dass 
man  sie  als  von  einer  durchgreifenden  Regel  abhängig  be- 
trachten könnte.  In  der  Richtung  des  Streichens  ist  der 
Schichten -Verlauf  oftmals  ein  bogenförmiger,  mitunter  ein 
wellenförmig  oder  ganz  unregelmässig  geschwungener;  wäh- 
rend die  von  Söhligkeit  bis  zu  grösster  Steilheit  ansteigenden 
Schichten  in  der  Richtung  des  Fallens  sich  theils  Fächer- 
förmig, theils  verkehrt  Fächer-förmig  an  einander  legen. 


Das  G'ow^/fl^Wrf-Territorium  ist  rings  vom  Urgneiss-Ge- 
biete  umgeben.  Zwischen  beiden  Formationen  haben  die  Beob- 
achtungen im  Allgemeinen  folgende  Verhältnisse  ergeben. 
Wenn  sich  auch  stellenweise  Andeutungen  fiiulen,  dass  ein- 
zelne Schichten  des  ersten  dem  steil  geschichteten  Gneisse 
übergreifend  aufgelagert  seyn  mögen ,  so  muss  es  doch  als 
Norm  gelten :  dass  der  Urgneiss  sowohl  in  der  Rich- 
tung des  Fallens  als  des  Streichens  die  vollkom- 
mensten, sich  mitunter  auf  Meilen- langen  Strecken 
entwickelnden  Übergänge  in  den  Q  u  a  r  z  i  t  und 
die  demselben  untergeordneten  G  e  s  t  e  i  n  -  A  r  t  e  n 
bildet.  Ferner  scheint  es  an  einigen  Orten  vorzukommen 
(wie  z.  B.  am  Brummen- See  in  Stallingdat),  dass  Quarz-Zonen 
dieses  Territoriums  bis  weit  in  den  Urgneiss  fortsetzen  und 
hier  als  Einlagerung  erscheinen.  Hieraus  muss  der  Schluss 
gezogen  werden,  dass  die  Goustafjeld  Formation ,  wenn  auch 
durch  manche  charakteristische  Eigenthümlichkeiten  vom  Ur- 
gneisse  verschieden,  dennoch  in  naher  genetischer  Verbindung 
mit  demselben  steht  und  sich  in  gewisser  Beziehung  ganz  mit 
dem  Territorium  5  in  Westfinnmarhen  (Gaea  //,  S.  277),  mit 
grossen  Abschnitten  des  zentralen  Übergangs  -  Territoriums 
(14)  so  wie  mehr  oder  weniger  auch  mit  den  besonders  aus 


«79 

halb-krystallinischen  Schiefern    bestehenden  Terrains    an    der 
VV^-Küste  Norwegens  (15)  zusammengrnppirt. 

Um  nun,  nach  manchfachen  Abschweifungen,  dem  Schlüsse 
dieses  Auszuges  mit  grösserer  Beschleunigung  entgegen- 
zueilen, wollen  wir  die  Sandstein-  und  Konglomerat- 
Territorien  (17a,  b,  c,  d  und  18),  welche  ohnehin  für  den 
Chemiker  sterile  Felder  sind,  hier  unbetrachtet  lassen;  was 
die  Geognosten  vom  Fach  gewiss  nicht  abhalten  wird ,  sich 
näher  mit  denselben  bekannt  zu  machen  und  besonders  — 
wiewohl  wahrscheinlich  vergebens  —  nach  Versteinerungen 
in  ihnen  zu  suchen. 


Ausser  der  KEiLHAu'schen  Arbeit  befinden  sich  im  dritten 
Hefte  der  Gaea,  wie  bereits  oben  angeführt,  noch  zwei  andere 
Aufsätze.  In  einer  Sammlung  von  Höhen -Messu  ngen 
in  Norwegen'''  hat  Kapitän  Vibe  durch  geordnete  Zusammen- 
stellung von  mehr  als  2000  hypsometrischen  Bestimmungen 
wichtige  Elemente  zur  näheren  Kenntniss  der  Oberflächen- 
Gestalt  Norwegens  geliefert.  Zugleich  ist  es  ein  Beweis  für 
das  lebhaft  erregte  Interesse  der  Norweger  an  derartigen 
Beobachtungen,  dass  jene  beträchtliche  Anzahl  derselben  inner- 
halb der  vier  letzten  Dezennien  angestellt  worden  ist.  Auch 
zur  Bestimmung  der  Schnee-Linie  und  der  wichtigsten  Vege- 
tations-Grenzen unter  verschiedenen  Breite-Graden  des  Landes 
wurden  wertlivolle  Data  gesammelt.  —  Was  endlich  den 
letzten  Aufsatz,  Professor  Munch's  Übersicht  der  Oro- 
graphie  Norwegens^  betrifft,  so  gibt  uns  derselbe  in  schar- 
fen Umrissen  ein  sehr  anschauliches  Bild  von  dem  bisher  viel- 
fach verkannten  Habitus  des  Skandinavischen  Fels  -  Kolosses. 
Während  noch  jetzt  die  traditionelle  Vorstellung  eine  sehr 
verbreitete  ist.  dass  eine  mächtige  Gebirgs -Kette  —  die 
sog.  Kjölen  —  sich  wie  ein  Rückgrat  durch  die  Skandinavi- 
sche Halbinsel  zieht,   sehen    wir  den  nordischen  Fels-Riesen 


'^     Die    erste  Abtheilung    derselben    ist   im    zweiten  Hefte   der  Gaea 
enthalten. 


280 

plötzlich  dieses  Rückgrates  beraubt.  Dadurch  sinkt  aber  der 
Riese  keineswegs  zusammen,  sondern  nimmt,  als  massiges 
Fels-Gebilde,  eine  noch  mehr  imponirende  Haltung  an.  Nor- 
wegen stellt  sich  uns,  im  Ganzen  und  Allgemeinen  betrachtet, 
als  ein  3000  —  4000  Fuss  hohes,  vielfach  von  Fjorden  und 
engen  Thälern  zerrissenes  Fels- Plateau  dar*,  welches  au 
der  W.-Kiiste  schroff  aus  dem  Meere  emporsteigt,  nach  O. 
und  SO.  aber  —  in  den  ausgedehnten  Landstrecken  Schtoe- 
^ens  —  sich  als  schwach  geneigte  Ebene  allmählich  bis  zum 
Meeres-Niveau  verflacht.  Als  „Kjölen^^  könnte  man  sich  höch- 
stens die  Linie  denken,  welche  als  Kante  zwischen  dem  Nor- 
wegischen Plateau  und  der  Schwedischen  schiefen  Ebene  hin- 
läuft. Es  ist  jedoch  kaum  nöthig  zu  bemerken,  dass  man  in 
der  Natur  vergebens  nach  einer  solchen  Linie  suchen  wiirde. 
Die  ungefähr  auf  der  Grenze  zwischen  Nurwegen  und  Schwe- 
den vorhandene  Wasserscheide  entspricht  keinem  Gebirgs-Zuge, 
sondern  die  Richtungen  des  Fluss- Laufes  werden  gegen  O. 
durch  die  allmähliche  Abdachung,  gegen  W.  aber  durch  die 
in  das  Norwegische  Hoch-Plateau  tief  einschneidenden  Thäler 
bedingt.  Die  gewaltigen  „Ä)o7e«"  verdunsten  also  zu  einem 
ISebelbilde  der  Phantasie-reichen  Sage.  Gibt  es  denn  aber, 
wenn  auch  nicht  gerade  auf  jener  Grenze ,  so  doch  in  Nor- 
wegen selbst,  Fels-Gebilde,  die  den  Charakter  von  Gebirgs- 
Ketten  oder  Gebirgs-Zügen  au  sich  tragen?  Um  Diess  gehörig 
zu  beantworten ,  müsste  man  Norwegen  gewissermaasen  erst 
in  gleiches  Niveau  mit  anderen  Ländern  bringen;  man  müsste 
das  ganze  Land  etwa  3000  Fuss  tiefer  legen,  so  dass  die 
mittle  Oberfläche  jenes  Plateaus  ungefähr  mit  dem  Meeres- 
spiegel koinzidirte.  Denken  wir  uns  Diess  ausgeführt,  so 
werden  allerdings  noch  verschiedene  Landes-Theile  über  dem 
Wasser  hervorragen,  ja  sich  stellenweise  noch  bis  zu  Höhen  von 
4000— 5000  F.  erheben,  aber  von  eigentlichen  Gebirgs-K  etten 
würden  sich  auch  jetzt  kaum  Andeutungen  finden  lassen. 

Eine  richtige  Idee  von  der  Beschaffenheit  dieses  gewaltigen  Fels- 
Plateau's  erhält  man,  wenn  man  erfährt,  dass  von  den  beinahe  6000  Quadrat- 
Meilen  Norwegens  nur  etwa  60  Quadrat-Meilen  auf  den  gesammten  flachen 
Boden  der  Thäler  und  Fjrule  kommen! 


281 

Das  dritte  Heft  der  Gaea  Norvegica  bildet  den  Schluss 
eines  Bandes,  in  welciiem  nns  durcli  die  Darstellung  des 
Felsen-Baues,  so  wie  der  hypsometrischen  und  orographischen 
Verhältnisse  Norwegens  ein  überaus  lehrreiches  Bild  des  Felsen- 
Innern  und  Felsen- Äussern  dieses  Landes  gegeben  wird.  Dass 
ein  derartiges  Bild  eines  fast  6000  Quadrat-Meilen  grossen 
Landstückes  ein  in  allen  seinen  Theilen  detaillirtes  sey,  wird 
Niemand  beanspruchen,  der  berücksichtigt,  dass  es  grossen- 
theils  der  Fleiss  eines  Forschers  ist,  dem  wir  dasselbe  ver- 
danken. Keilhau's  zahlreiche  Beobachtungen  bilden  eine  sichere 
und  ausgedehnte  Basis  für  spätere  Detail  -  Forschungen  in 
diesem  Gebiete.  Der  Eingang  in  die  Norwegischen  Felsen  ist 
erbrochen;  es  war  Diess  eine  mühseelige  und  zum  Theil  selbst 
undankbare  Arbeit.  Leichter  wird  es  seyn,  von  den  vorhan- 
denen Forschungen  geleitet,  die  Entdeckungen  der  Vorgänger 
zu  erweitern  und  zu  spezialisiren.  Möge  Diess  der  Zukunft 
vorbehaltene  Geschäft  nicht  im  Sinne  und  Dienste  irgend  einer 
Theorie,  sondern  mit  der  VVissbegier  unpartheiischer  Forschung 
ausgeführt  werden  ! 


Einige    Zusätze. 

Zusatz  I.  Den  „charakteristischen  Gneiss<<, 
wie  er  gewöhnlich  als  älteste  Gebirgsart  in  Norwegen  vor- 
kommt, beschreibt  Keilhau  (Gäa  II,  S.  251)  folgendermaaseu. 
Die  Masse  desselben  besteht  aus  weissem  oder  röthlich- 
vveissem  Feldspath  (Orthoklas),  grauem  Quarz  und  schwarzem 
Glimmer:  der  Feldspath  und  Quarz  körnig  mit  einander  ver- 
bunden und  die  Glimmer  Blätter  reihenweise  dazwischen  an- 
geordnet, so  dass  die  Struktur  mehr  eine  abwechselnde  Ver- 
bindung von  körniger  und  schiefriger  wird,  als  eine  gleich- 
massig  schiefrige  unter  ganz  gleicher  Vertheilung  der  drei 
Bestandtheile.  Hiednrcb  entsteht  ein  charakteristisches  ge> 
streiftes  Aussehen,  bald  mit  breiteren  und  dichter  zusam- 
menliegenden Bändern  zwischen  den  hellgrauen,  bald  mit 
denselben  Streifen  schmäler  und  weiter  von  einander,  je  nach 
dem  häufigeren  oder  sparsameren  Vorkommen  des  Glimmers, 


282 

In  allen  Fällen  hängen  die  verschiedenen  Bänder  sehr  fest 
zusammen,  und  es  findet  keine  solche  Diskontinuität  zwischen 
ihnen  statt  wie  bei  gewöhnlicher  Schichten-Absonderung,  indem 
die  Masse  in  der  Richtung  der  Bänder  nur  in  so  weit  eine 
leichtere  Spaltbarkeit  besitzt,  als  Diess  aus  dem  Übergewichte 
des  Glimmers  in  gewissen  Lagen  folgt.  Die  einzelnen 
Feldspath-,  Quarz-  und  Glimmer -Individuen  sind  in  diesem 
Gneisse  meist  ziemlich  klein ,  so  dass  sich  die  Masse  selten 
dem  Grobkörnigen  nähert.  —  In  dem  „Hornblende-Gneiss", 
einer  zuerst  von  Naumann  unterschiedenen,  ebenfalls  sehr 
häutig  auftretenden  Gneiss-Art,  sind  die  Glimmer-Pailletten  mit 
kleinen  Hornblende-Tafeln  oder  doch  mit  langkörnigen,  nach 
der  grössten  Axe  einander  annähernd  parallelen  Hornblende- 
Individuen  vertauscht.  Im  Ganzen  ist  er  körnig  -  streifig  ; 
entweder  —  wenn  die  Struktur  geradschieferig  —  parallele, 
oft  ausgezeichnet  schnurgerade,  graulich-weisse  oder  schwarze 
Bänder  zeigend,  oder,  wenn  die  Struktur  wellenförmig  schief- 
rig  und  gewunden  ist,  schwarze  Flammen  zwischen  der  üb- 
rigen lichten  aus  Quarz  und  Feldspath  bestehenden  Masse 
enthaltend. 

Diese  beiden  Gneiss-Typen  sind  so  zu  sagen  die  Stamm- 
Eltern  einer  überaus  zahlreichen  Nachkommenschaft  von  Varie- 
täten. Verschiedenheiten  in  der  relativen  Quantität  der  Ge- 
mengtheile,  in  ihrer  Grnppiruiig,  Farbe,  Körnigkeit  u.  s.  w. 
lassen  bereits  aus  jeder  einzelnen  dieser  Typen  viele  Modi- 
fikationen hervorgehen,  deren  Anzahl  aber  durch  gewisse 
Kombinationen  der  Glimmer  -  Gneisse  mit  den  Hornblende- 
Gneissen  noch  beträchtlich  gesteigert  wird.  Auch  treten  in 
mehren  Gegenden  Gneisse  auf,  welche,  indem  sie  mehr  oder 
weniger  Glimmer-  und  Hornblende- leer  sind,  fast  nur  aus 
einem  feinkörnigen  Gemenge  von  Feldspath  und  Quarz  be- 
stehen, nichts  desto  weniger  aber  Gneiss- Struktur  besitzen. 
Diese  wird  durch  eine  theils  im  Grossen,  theils  im  Kleinen 
ausgeprägte  Streifung  angedeutet,  deren  Ursache  entweder 
in  verschiedener  Vertheilung  des  Quarzes  und  Feldspathes, 
oder  in  verschiedener  Färbung  des  letzten,  oder  auch  in  Spu- 
ren eingemengter  Hornblende-  und  Glimmer  Substanz  zu  suchen 
ist.   Berücksichtigt  man  nun  ferner  die  mancherlei  Übergänge 


283 

des  Giieisses  in  Glimmer-Schiefer,  Hornblende-Schiefer,  Talk- 
Schiefer,  Chlorit-Schiefer,  Qn.'irz-Schiefer,  so  wie  in  Granit, 
Syenit,  Diorit,  Gabbro,  Grünstein  niid  Porphyr,  und  lässt  man 
hiebei  auch  nicht  die  vielen  accessorisch  auftretenden  Ge- 
mengtiieile  (Granat,  Magneteisen,  Eisenglanz,  Pistazit  u.  s.  w.) 
ausser  Acht,  so  erhält  man  eili  fast  zahlloses  Heer  von  Varie- 
täten und  gelangt  zu  der  Überzeugung,  dass  der  Norwegische 
Gneiss  als  ein  wahrer  Proteus  unter  den  Gesteinen  zu  be- 
trachten ist. 

Zusatz  II.  Die  vielfache  Abwechslung  verschiedener 
Gebirgsarten  innerhalb  verhältnissmässig  kleiner  Räume,  wie 
sie  Naumann  in  der  Umgegend  von  Bergen  beobachtete,  zeigt 
sich  auch  in  so  vielen  anderen  Gegenden  Norwegens^  dass  sie 
fast  als  ein  charakteristischer  Zug  der  Norwegischen  Urgneiss- 
und  Urschiefer-Gebilde  angesehen  werden  kann.  Als  ein  Bei- 
spiel unter  vielen  will  ich  nur  die  Kongsberger  Gegend  er- 
wähnen, und  \on  dieser  das  Grubenfeld  der  Kongens -Gvuhe 
herausheben.  Hier  bilden  Glimmer- Schiefer ,  Hornblende- 
Schiefer,  Chlorit-Schiefer  und  Quarz  -  Schiefer  —  alle  senk- 
recht fallend  und  hör.  12  streichend  —  abwechselnde  Schichten 
mit  einauder.  Diese  Wechsellagerung  wiederholt  sich  in  so 
kleinen  Zwischenräumen,  dass  sich  innerhalb  einer  Strecke 
von  40  Lachtern  (senkrecht  auf  das  Streichen,  also  in  OW.) 
nicht  weniger  als  26  verschiedene  Lagen  beobachten  Hessen, 
wobei  nicht  einmal  beiücksichtigt  ist,  dass  Übergänge  jener 
Gesteine  in  einander  mitunter  als  Zwischenlagen  auftreten. 
Die  mächtigste  dieser  lagerförmigen  Zonen,  eine  Hornblende- 
schiefer-Zone,  besitzt  eine  Breite  von  etwa  12  Lachtern; 
unter  den  anderen  Zonen  finden  Abstufungen  in  der  Breite 
statt,  welche  bis  auf  weniger  als  eine  Elle  herabgehen.  Nach 
\\.  hin  werden  die  alternirenden  Lagen  ganz  besonders 
schmal,  so  dass  hier  19  derselben  auf  l.'i  Lachter  kommen  *. 
—  Einen  im  kleinsten  Maasstabe  ausgeprägten  Zonen- Wechsel 
erblicken  wir  in  dem    so    häufig   in  Norwegen  vorkommenden 


Die  genaue  Anf^abe  dieser  Details,  begleitet  von  einer  instruittiven 
GesteinsSiiite ,  verdanke,  icli  einem  meiner  ehemaligen  Zuhörer  auf  der 
Chrisdanienser  Universität. 


284 

gestreiften,  geflammten,  geäderten  und  m  a  r  m  o- 
rirten  Gneisse,  über  dessen  Vorkommen  in  den  Gegen- 
den von  Sheen,  Brevig ,  Jrendal,  Christiansand^  Fredestrand, 
Flekhefjord  n.  s.  \v.  ich  mich  bereits  in  einem  früheren  Auf- 
satze ausgesprochen  liabe  *. 

Zusatz  III.  Eine  ganz  eigenthümliche  Porphyr-Struktur 
des  Gneisses  traf  ich  zwischen  den  Küsten-Städten  Mandat 
und  Flekhefjord.  Wo  der  Weg  hier,  kurz  bevor  man  den 
Feddefjord  passirt,  seinen  Kulminations-Punkt  erreicht,  sieht 
man  einen  söhlig  geschichteten  Gneiss  mit  eingewachsenen 
weissen  Orthoklas  Krystallen  von  beträchtlicher  Grösse.  Alle 
sind  mehr  oder  weniger  gut  ausgebildet,  und  nicht  wenige 
derselben  erreichen  eine  Länge  von  3 — 4  Zoll  und  eine  Breite 
von  1— *2  Zoll.  Die  längsten  Achsen  dieser  Krystalle  liegen 
alle  der  Schichtungs-Ebene  und  anscheinend  auch  unter  sich 
parallel;  oder  vielmehr  die  Schichtung  dieses  Gneiss-artigen 
Gesteins  wird  durch  die  parallele  Lage  der  Feldspath-Kry- 
stalle  meist  in  die  Augen  fallend. 

Zusatz  IV.  Auf  einer  im  J.  1844  ausgeführten  Reise 
durch  Tellemarhen  und  Sätersdalen  hatte  ich  Gelegenheit,  das 
von  Naumann  beschriebene  interessante  Vorkommen  am  Einank» 
fjeld  in  Augenschein  zu  nehmen.  In  meinem  damals  geführten 
Reise-Tagebuche  habe  ich  darüber  Folgendes  aufgezeichnnet. 

Die  gegen  2000  Fuss  hohen,  senkrechten  Felswände  des 
Einankfjeld  geben  ein  grossartiges  Bild  von  der  mechanischen 
Gewalt ,  welche  hier  einst  destruirend  auf  die  Schichten  des 
Gneisses  gewirkt  hat.  Obgleich  die  Felswände  zum  Theil  mit 
Moos  und  einem  schwarzen  (aus  dem  herunterrieselnden 
Wasser  abgesetzten)  Überzuge  bedeckt  sind,  so  lässt  sich 
doch  an  den  höher  liegenden  Theilen  derselben  —  besonders 
da,  wo  das  Einankfjeld  nach  Fladeland  umbiegt  —  deutlich 
genug  wahrnehmen,  dass  grosse  Bruchstücke  und  mächtige 
Schollen  des  Gneisses  vom  Granite  umschlossen  sind.  Noch 
deutlicher  aber,  als  in  einem  so  beträchtlichen  Höhen-Abstande, 
sieht  man  diess  Verhältniss  in  den  zahllosen  niedergestürzten 


Nyt  Magatsin   for  Naturvidenskaberne  Ban.l  4,  S.  126.    —    Dieses 
Jahrbuch  1843,  S.  631. 


285 

Felsblöcken ,  die  den  Fuss  des  Einankfjeld  umgeben,  und 
zwischen  welchen  sich  der  Weg  nach  Fiudeland  hindurch- 
schlängelt. Auf  den  frisch  erhaltenen  Bruchflächen  solcher 
Blöcke,  von  denen  einige  über  100,000  Kub.-F.  gross  sind, 
erblickt  man  im  Granite  zahlreiche  Gneiss- Bruchstücke,  deren 
Konturen  um  so  schärfer  hervortreten,  als  der  Gneiss  (theils 
Hornblende-,  theils  Glimmer-Gneiss)  eine  sehr  dunkle,  der 
aus  weissem  Feldspath ,  licht-grauem  Quarz  und  wenigem 
schwarzen  Glimmer  bestehende  Granit  dagegen  eine  sehr  lichte, 
oft  beinahe  vollkommen  weisse  Farbe  besitzt.  In  Fig.  la  ist 
beispielsweise  eine  Gruppe  von  Gneiss-Bruchstücken  abge- 
bildet, welche  nebst  vielen  anderen  in  einem  40 — 50  F.  hohen 
Granit-Blocke  zu  sehen  sind.  Die  Schicht-Struktur  der  ver- 
schiedenen Gneiss-Bruchstücke,  wie  sie  sich  auf  der  ziemlich 
ebenen  Bruchfläche  des  Blockes  zeigt,  ist  durch  die  Schraffi- 
rung  angedeutet;  a,  a,  a  sind  Parthie'n  von  Pistazit,  welche 
es  sehr  wahrscheinlich  machen,  dass  die  Bruchstücke  A,  A,  A 
ehemals  ein  zusammenhängendes  Ganzes  bildeten.  Ausser 
solchen  mehr  oder  weniger  scharfkantigen  Gneiss-Stücken 
gewahrt  man  im  Einankfjeld  und  den  herabgestürzten  Blöcken 
auch  nocli  viele  von  Granit  umschlossene  Gneiss- Parthie'n, 
deren  Konturen  das  Ansehen  haben ,  als  wenn  der  Gneiss 
theilweise  vom  Granit  erweicht  worden  wäre.  Auch  er- 
scheint der  Gneiss  mitunter  ganz  zerblättert  und  zerflasert, 
so  dass  der  Granit  sich  überall  zwischen  seine  zerrissenen 
und  verbogenen  Schicht-Blätter  drängt.  In  Fig.  Ib  ist  Diess, 
so  weit  möglich,  durch  eine  Abbildung  verdeutlicht. 

Das  Phänomen  der  mechanischen  Destruktion  und  Dis- 
lokation der  Gneiss-Schichten  j  welches  wir  so  unverkennbar 
im  Einankfjeld  erblicken,  zeigt  sich  in  diesen  Gegenden  nicht 
als  eine  bloss  lokale  Abnormität,  sondern  scheint  in  beträcht- 
licher Ausdehnung  aufzutreten.  Dieselben  Kräfte,  deren  einst- 
malige Wirkungen  uns  in  jenen  Felswänden  unmittelbar  vor 
Augen  gelegt  werden,  dürften  nämlich  auch  die  Ursachen 
einer  grossen  Unregelmässigkeit  seyn,  welche  man  hier  auf 
Meilen-langen  Strecken  in  dem  Fallen  und  Streichen  der 
Gneiss-Schichten  ausgeprägt  findet.  Folgende  Thatsacheu 
machen  Diess  wahrscheinlich. 


286 

Auf  den  etwa  10  Meilen  Weg-es  von  Bandalslien  (am 
S.-Üfer  des  Bandals-Vand,  Lmirdnl  gegenüber)  über  Moland 
und  das  Gebirgs- Plateau  des  Slrömsheien  nach  dem  Hofe 
Stramme  in  Sätersdalen  (F«//e  Kirchspiel)  fand  ich  das  Strei- 
chen der  steil  bis  senkrecht  stehenden  Gneiss-Schichten  mit 
geringen  Ausnahmen  hör.  10  —  hör.  12.  Die  hieselbst  auf- 
tretenden, mitunter  sehr  ausgedehnten  Granit-Parthie'n  lassen 
keinen  merkbaren  Einfluss  auf  diese  Schichtungs-Regel  wahr- 
nehmen; sie  erscheinen  meistens  nicht  als  eine  dem  Gneisse 
fremdartige  Masse,  sondern  gewissermaasen  nur  als  ein  Gneiss 
mit  mehr  oder  weniger  ausgelöschter  Schicht-Struktur.  Wir 
haben  also  hier  die  vollkommenste  Ausprägung  eines  in  der 
Norwegischen  ür- Formation  so  häufig  vorkommenden,  man 
kann  wohl  sagen  normalen  Verhältnisses.  Ein  ganz  anderes 
Verhältniss  dagegen  hat  man  zu  beobachten  Gelegenheit,  wenn 
man  in  das  Sätersdal  hinabsteigt  und  den  Thalgrund  desselben 
vom  Einanhfjeld  im  N.  bis  abwärts  nach  Reiersdal  gegen  S. 
verfolgt,  eine  Weg-Strecke  von  ungefähr  1.5  Meilen.  Von 
Einanhfjeld  bis  ein  Stück  unterhalb  F«//^-Kirche  (etwa  1^/2 
Meilen)  sieht  man  mächtige  Massen  eines  grobkörnigen  Gra- 
nites hervortreten,  durchaus  verschieden  von  den  vorerwähn- 
ten, im  ürgneisse  heimischen  Graniten.  Allem  Anscheine  nach 
bildet  derselbe  mehre  der  umliegenden  höheren  Berge,  die 
sich  zum  Theil  durch  eine  gewölbt  kegelförmige  Gestalt  aus- 
zeichnen und  an  ihren  abschüssigen  Wänden  eine  sehr  im 
Grossen  entwickelte  schaalige  Absonderung  der  Granit-Massen 
zur  Schau  tragen.  Fig.  2  gibt  einen  ungefähren  Begriff  von 
der  Gestalt  eines  solchen  Berges.  S.  von  Fa//e-Kirche,  auf 
dem  ganzen  13  —  14  M.  langen  W^ege  bis  nach  Reiersdal  er- 
blickt man  Gneiss  und  Granit  so  zu  sagen  im  fortwährenden 
Kampfe  mit  einander.  Wo  der  Granit  die  Oberhand  gewinnt, 
findet  man  in  der  Nähe  seiner  Grenzen  häufig  dasselbe  Phä- 
nomen wie  am  Einanhfjeld,  wenn  auch  in  einer  weniger  gross- 
artigen Weise;  Gneiss-Bruchstücke,  deren  Schicht-Struktur  in 
ganz  verschiedenen  Richtungen  läuft,  sind  vom  Granit  um- 
schlossen. Behält  dagegen  der  Gneiss  die  Herrschaft,  so  zeigt 
er  sieh  an  vielen  Stellen  von  Granit-Gängen  durchsetzt  und 
sein  Streichen  und  Fallen  ist  grossen  und  oft  plötzlich  eintreten- 


287 

j^en  Veränderungen  unterworfen,  so  dass  es  kaum  eine  Stunde 
des  Kompasses  gibt,  nach  welcher  nicht  einzelne  dieser  Gneiss- 
Parthie'n  streichen.  Einige  genauere  Angaben  über  diese 
Sehichtungs  Verhältnisse  habe  ich  früher  in  einem  Aufsatze 
im  Nt/t  Magazin  for  Naturvidenskaberne  (Bd.  4,  S.  405)  mit- 
getheilt.  Von  Reiersdal  S.  bis  Christiansand  (ungefähr  5  M.) 
trifft  man  nur  noch  wenige  Spuren  dieses  Kampfes.  Bereits 
noch  ehe  man  nach  Reiersdal  kommt  —  etwa  auf  der  Mitte 
des  Weges  zwischen  diesem  Hofe  und  Kile  —  hört  der  in 
dieser  Gegend  wieder  herrschend  gewordene  Granit  mit  ein- 
geschlossenen Gneiss-Parthie'n  auf.  Es  tritt  nun  wellig  und 
/.iemlich  söhlig  geschichteter  Gneiss  hervor,  zuerst  mit  zahl- 
reichen, der  Schichtung  parallelen  Granit-Adern,  später  ohne 
dieselben,  Eine  Parthie  dieses  Gneisses  hatte  ein  Streichen 
von  hör.  ll'Vg  und  fiel  45°  O.  Bei  einem  Häusler -Platze 
CKjerran'),  dicht  vor  Reiersdal,  bedeckt  eine  10 — 20  F.  mäch- 
tige Granit-Platte  den  hör.  11%  streichenden,  schwach  nach 
O.  fallenden  Gneiss,  Weiter  nach  Christiansand  wird  der 
abnorm  auftretende  Granit  immer  seltener,  und  das  normale 
Verhältniss  zwischen  dem  nun  feinkörnig  werdenden  Granit 
und  dem  vorherrschenden  Gneiss  stellt  sich  wieder  ein. 

In  Folge  aller  dieser  Thatsachen  glaube  ich  annehmen 
zu  dürfen,  dass  das  gegen  oO  M.  lange  Sätersdal  (von  Chri- 
stiansand bis  Sesnut,  Stauglefjeld^  mit  seinem  mittlen  Theile 
einen  Landstrich  von  beträchtlicher  Ausdehnung  durchschnei- 
det, in  welchem  die  Schichten  des  Gneisses  vielfach  von 
Granit-Massen  durchbrochen  und  dislozirt  worden  sind  *. 

Dass  ein  derartiges  Verhältniss  zwischen  Granit  und  Gneiss 
—  wenigstens  in  dem  Grade  der  Ausdehnung   und  des  deut- 


*  Die  mitgctheillen  Beobachtungen,  deren  Unzulänglichkeit  und  Un- 
vollkommenheit  ich  nicht  verkenne,  wurden  auf  einer  Reise  gesammelt, 
deren  Hauptzweck  die  nähere  Untersuchung  verschiedener  Kupfererz-Fund- 
stäUen  in  Teilemarken  und  Sätersdalen  war.  Dennoch  würde  ich  Gele- 
genheit gefunden  haben,  ausführlichere  Bcobai  ht'ungen  in  einem  so  interes- 
santen Distrikte  anzustellen,  wenn  die  Witterung  im  Sommer  des  J.  1844 
nicht  eine  so  überaus  ungünstige  gewesen  wäre.  Innerhalb  der  4  Wochen 
meiner  Reise  waren  nur  wenige  Tage,  an  denen  es  nicht  wahrhaft  Sünd- 
fluth-artig  reguete. 


288 

liehen  Hervortretens  wie  in  Sütersdalen  —  keineswegs  a»^ 
ein  in  Norwegen  häufig  vorkommendes  zu  betrachten  ist, 
mi'issen  wir  aus  der  Gesammtheit  der  im  Urgebiete  dieses 
Landes  bisher  angestellten  Beobachtungen  schliessen.  Einzelne 
Granit-Gänge  verschiedener  Mächtigkeit  werden  zwar  an  vielen 
Orten  im  Gneisse  angetroffen ,  ohne  aber  eine  erhebliche 
Wirkung  auf  dessen  Schichtungs- Verhältnisse  zu  äussern. 
Ungleich  seltener  schliesst  der  Granit  Gneiss- Bruchstücke 
ein.  Ausser  in  Sütersdalen,  woselbst  in  dieser  Beziehung  eine 
grosse  Ausnahme  stattfindet,  habe  ich  nur  an  folgenden  we- 
nigen anderen  Orten  ein  solches  Vorkommniss  beobachtet. 

1)  Bei  den  Kupfer-Gruben  am  Ströms-See  (^Strömsfjord^ 
auf  dem  Strömsheien  (ungefähr  ein  Paar  Meilen  O.  vom  Hofe 
Stramme  in  Sütersdalen'),  und  zwar  in  der  Nähe  der  Grube 
Gamle  Shjürp,  Hier  sieht  man  zungenförmige  Ausläufer  von 
Gneiss  mit  querüber  gehender  Schichtung,  so  wie  grössere 
isolirte  Gneiss-Parthie'n  im  Granit.  Eine  merkbare  Störung 
des  herrschenden  Streichens  und  Fallens  der  Gneiss-Schichten 
lässt  sich  aber  selbst  in  den  anscheinend  isolirten  Massen 
nicht  wahrnehmen.  Zum  Theil  mag  üiess  daher  rühren,  dass 
der  Granit  in  dieser  Gegend,  welche  auf  dem  Gebirgs-Plateau 
der  O.  Thalwand  Sütersdalens  liegt,  nur  untergeordnet  auf- 
tritt. Er  bildet  zahlreiche  und  weit  fortsetzende  Gänge  von 
einem  Fuss  bis  zu  mehren  Lachtern  Mächtigkeit,  welche  ge- 
wisserraaasen  als  Vorboten  der  mächtigen  Granit-Massen  in 
Sütersdalen  zu  betrachten  sind.  Vielleicht  dürfte  daher  dieses 
Terrain  nicht  von  dem  in  Sütersdalen  zu  trennen ,  oder  doch 
als  ein  mit  diesem  zusammenhängendes  anzusehen  seyn.  — 
Das  hier  gewonnene  Kupfererz ,  hauptsächlich  Kupferglanz, 
bildet  einen  accessorischen  Gemengtheil  einiger  dieser  Granit- 
Gänge.  Als  eine  sonderbare  Thatsache  hat  es  sich  hiebei 
herausgestellt,  dass  es  vorzugsweise  nur  in  den  schmälsten 
derselben  angetroffen  wird. 

2)  Bei  »SnorMWÄ  Kobalt-Werk  in  »S'warMOT^-Kirchspiel,  Annex 
von  A/orfMffiÄ-Kirchspiel.  Zahlreiche  Bruchstücke  eines  Gneiss- 
artigen Gesteins  kommen  in  granitischen  Massen  vor,  welche 
gangförmig  im  Gneisse  aufsetzen. 

3)  Auf  der  kleinen  Insel  Kokken  bei  Krageröe.    In  einer 


289 

lagerfönnig:en  Granit-Masse  findet  man  dicht  an  der  Gneiss- 
Grenze  Brnclistücke  des  letzten  Gesteins  eingeschlossen.  In 
der  Umgegend  von  Krngerüc  sind  Granit-Gänge,  zum  Theil 
von  bedeutender  Mächtigkeit,  so  nie  lagerförmige  Granit- 
Parthie'n  sehr  häufig.  Sowohl  erste  als  letzte  bilden  voll- 
kommen scharfe  Grenzen  gegen  den  Giieiss  und  zeigen  sich 
als  demselben  fremdartige  Gebilde. 

Ungefähr  1  y^  M.  von  C/iiistiania,  auf  dem  Wege  nach 
Drontheim  (ein  paar  Hundert  Schritte  vor  Hjelms  Lähke'),  ge- 
wahrt man  links  an  der  Strasse  einige  Gneiss-Bruciistiicke 
im   Granit. 

Wenn  man  es,  trotz  des  im  Ganzen  nur  seltenen  Vor- 
kommens solcher  Fälle,  dennoch  festhalten  will,  dass  die  im 
Norwegischen  Gneisse  auftretenden  Granite  zum  grossen  Theil 
eine  eruptive  Entstehung  haben,  so  ist  man  wenigstens  ge- 
nöthigt  anzunehmen,  dass  das  Hervordringen  derselben  unter 
Umständen  geschah,  welche  die  Bildung  scharfkantiger  ßruch- 
stiicke  und  scharfer  Grenzen  wenig  begünstigten.  V^erschie- 
dene  Temperatur  des  Granites  und  mehr  oder  weniger  weit 
vorgeschrittene  Erhärtung-  des  Gneisses  würden  alsdann  wich- 
tige Momente  hiebei  abgehen.  Sehr  vorsichtig  und  behutsam 
müsste  man  aber  dennoch  zu  Werke  gehen  ,  um  die  Gneiss- 
Schichten  nicht  in  zu  grosse  Unordnung  zu   bringen! 

Znsatz  V.  Die  Schicht-Struktur  des  über  Tausende 
von  Quadrat-Meilen  ausgedehnten  nordischen  Gneiss-Gebietes 
scheint  mir  darauf  hinzudeuten ,  dass  dieselbe  nicht  das  Re- 
sultat einer  mechanischen  Anordnung,  sondern  eines  chemi- 
schen, oder  eigentlich  chemisch-physikalischen  Prozesses  ist. 
Bereits  im  Jahre  1840  habe  ich  meine  Ansichten  hierüber  in 
einem  Aufsatze  in  Karsten's  Archiv  *  näher  entwickelt.  Später 
haben  sich  dieselben  z..ar  in  einigen  Punkten  modifizirt,  sind 
aber  doch,  nach  einem  im  Ganzen  zwölfjährigen  Aufenthalte 
in  Norwegen  und  nach  mehrfachen  Reisen  innerhalb  der  Ur- 


Es   hat    mich  sehr  erfreut  und  in  meiner  Meinung:    besfiirkf,    dass 
mein  verrhrler  Freund  Naumann  in  einem  beim  Weriver  Feste  in  Freibcrg 
•rehallenen  Vortrage  seine  Hinneij^ung  zu  derartigen  Ansichten  aussprach. 
Jahrgang  I8j|.  19 


290 

gebh'gs-Territorien  daselbst,  im  Weseiitliclieii  keinen  grossen 
Veränderungen  unterworfen  gewesen  *. 

Zusatz  VI.  So  weit  ich  Gelegenheit  hatte,  das  Norit- 
Territorium  von  Flehhefjord  kennen  zu  lernen ,  kann  ich  es 
nicht  für  wahrscheinlich  halten,  dass  es  eine  wesentlich  andere 
Rolle  in  der  Ürgneiss-Formation  spielt,  als  die  einer  mächti- 
gen quarz  losen  Zone,  in  welcher,  eben  wegen  dieses 
Mangels  an  Kieselerde,  anstatt  des  gewöhnlichen  Feldspathes 
(Orthoklases)  Labrador  auftritt.  Solche  Phänomene  wie  am 
Einanhfjeld  konnte  ich  wenigstens  in  der  Umgegend  von 
Flehhefjord  so  wie  auf  JnabelÖe  nirgends  beobachten.  Gleich- 
wohl mag  Diess  einer  eruptiven  Entstehung  nicht  ganz  den 
Weg    abschneiden   (man  sehe  den  Schluss  des  Zusatzes  IV). 

Zusatz  VII.  Eine  Umwandlung  des  Alaun-Schiefers  in 
Gneiss  anzunehmen  und,  wie  Murchison  gethan  hat,  dieselbe 
der  Einwirkung  des  Grünsteins  zuzuschreiben,  dürfte  wohl 
ein  zweifacher  Irrthum  seyn.  Ich  habe  den  Grenzen  zwischen 
den  Versteinerung-führenden  Schiefern  und  dem  Granite  im 
C/im^i«nia -Territorium  früher  eifrig  nachgespürt  und  zwar 
ganz  im  Sinne  eines  entschiedenen  Plutonisten ,  habe  dabei 
die  oftmals  sehr  ausgezeichnete  und  weit  verbreitete  Meta- 
morphose der  Schiefer  an  der  Granit  Grenze  beobachtet  und 
sogar  hier  und  da  Bruckstücke  und  grössere  Parthie'n  der 
Schiefer  im  Granit,  so  wie  Granit-Gänge  in  den  Schiefern  ge- 
funden :  allein  selbst  diejenigen  unter  diesen  Schiefern,  deren 
Metamorphose  bis  zur  Glimmer  ßildung  vorgeschritten  war, 
zeigten  sich  immer  noch  weit  davon  entfernt,  einen  wirklichen 
Gneiss  oder  ein  dem  Urgneisse  ähnliches  Gebilde  darzustellen. 
Wenn  es  nun  dem  Granit  nicht  gelingt,  Gneiss  ans  den  Chri 
stianenser  Schiefern  zu  machen,  so  vermag  es  der  Grünstein 
sicherlich  noch  weit  weniger.  Dieser  spielt  in  seinem  haupt- 
sächlich nur  gangförmigen  Auftreten,  im  Vergleich  zum  Gra- 
nite, eine  so  untergeordnete  Rolle  im  CAm^^öma-Territoriura 
und  zeigt  gewöhnlich  eine  so  geringe  Einwirkung  auf  die 
angrenzenden  Schiefer,  dass  derselbe  in  der  gedachten  Bezie- 
hung fast    zur    vollständigen  Bedeutungslosigkeit  herabsinkt. 


Über  die  Bildiings-Gesetze  des  Gneisses,  I.  c.    Bd.  16. 


291 

Zusatz  Vlll.  Die  scliiclitartige  Struktur  der  syeniti* 
sehen  Gesteine  im  Distrikte  von  Skagstöttind  und  Ymesfjeld 
iJotunfjeld^  scheint  sich  selbst  auf  die  hier  vorkommenden 
Gang-Gebilde  auszudehnen.  An  der  Einmündung  des  Mjelha- 
Elv  in  den  Bygdin-See  (in  einem  3500  Fuss  hoch  gelegenen 
Thal-Grunde  am  Fusse  des  Ymesfjeld^  setzt  ein  ziemlich  mäch- 
tiger, hauptsächlich  aus  einer  krystaliinischen  Feldspath-Masse 
bestehender  Gang  auf,  welcher  Allanit  (Orthit)  in  beträcht- 
licher Menge  eingesprengt  enthält.  In  diesem  Gange  ist  eine 
gewisse  veihenfömiige  oder  vielmehr  plattenförmige  Anord- 
nung parallel  den  Saalbändern  nicht  zu  verkennen.  Dicht  bei 
letzten  ist  die  Feldspath-Masse  feinkörnig  und  von  abwech- 
selnden röthlichen  und  weissen  Streifen  durchzogen.  Nach 
der  Mitte  zu,  wo  der  Feldspath  grobkörniger  wird,  zeigen 
sich  die  Allanit-Körner  eingesprengt  und  deuten  durch  ihre 
Anordnung  und  Gestalt  ebenfalls  auf  eine  solche  Parallel- 
Struktur  hin. 

Zusatz  IX.  Was  mir  auf  einer  Reise  durch  Teilemar- 
ken von  diesen  Konglomerat-Gebilden  zu  Gesicht  gekommen 
ist,  kann  ich  durchaus  nicht  ft'ir  wirkliche  Konglomerate  hal- 
ten. In  den  Kirchspielen  von  Hvidesöe  und  Höidalsmoe  lässt 
sich  die  Entstehung  solcher  Pseu  d  o- Konglomerate  gewisser- 
maasen  stufenweise  verfolgen.  Au  vielen  Stellen  sieht  man 
hier  den  Quarzit  von  nahe  an  einander  liegenden  parallelen 
Glimmer-Lagen  durchzogen.  Letzte  ßnden  sich  an  anderen 
Stellen  oft  wellenförmig  gekrümmt,  wie  Fig.  3  zeigt.  An 
noch  anderen  Orten  nimmt  diese  Art  der  Krümmung  in  dem 
Grade  zu,  dass  einzelne  Quarzit-Stücke  isolirt  erscheinen,  wie 
Fig.  4  angibt.  Auf  der  höchsten  Stufe  der  Ausbildung  tritt 
diess  Phänomen  in  einer  Gestalt  auf,  wie  es  durch  Fig.  5 
skizzirt  wird.  Hier  bildet  der  Quarzit  isolirt  erscheinende, 
länglich-runde  Massen.  Diess  findet  auf  einer  die  Schicht- 
Ebene  senkrecht  durchschneidenden  Fläche  statt;  auf  der 
Schicht-Ebene  selbst  aber  erhält  man  ein  noch  täuschen- 
deres Bild  eines  Kongloujerates  (s.  Fig.  6),  denn  hier  zeigen 
sich  die  einzelnen  Quarzit-Linsen  mehr  oder  weniger  rund.  — 
Bei  Ormbrükke  in  Höidalsmoe  fand  ich  ein  derartiges  Gebilde, 
welches    auf   seinen  Schicht-Flächen    alle    Kennzeichen  eines 

19* 


292 

Konglomerates  an  sich  trug  nncl  nm  so  mehr  für  ein  solches 
angesehen  werden  konnte,  als  die  konglomerirten  rundlichen 
Stücke  theils  aus  Quarz,  theils  aus  einer  dichten  Feldspath- 
artigen  Masse  bestanden.  Auf  einer  Bruchfläche  dieses  Ge- 
steins, welches  dessen  Schicht-Ebene  ungefähr  senkrecht  durch- 
schnitt, erkannte  ich  jedoch  auch  in  diesem  Falle  ein  Pseudo- 
Konglomerat, indem  die  Konturen  der  konglomerirten  Stücke 
die  in  Fig.  7  angegebene  Beschaffenheit  besassen.  —  Dass 
bei  der  Bildung  dieser  Pseudo-Konglomerate  chemische  Kräfte 
thätig  gewesen  sind,  wird  wohl  Niemand  in  Zweifel  ziehen; 
ob  aber  nicht,  wenigstens  bis  zu  einem  gewissen  Grade, 
auch  mechanische  Ursachen  dabei  mitwirkend  waren,  dürfte 
vor  der  Hand  schwer  zu  entscheiden  seyn. 


Bemerkungen  über  die  Wirkungen  der  Ero- 
sion in  den  Alpen, 

von 

Herrn    Adolph   Schlagintweit. 


(Im  Auszuge  aiifgeUieilt  aus  den  „Untersuchungen  über  Hie  physikalische 
Geographie  der  Al/jen  von  Hkrm.  und  Ad.  Schlagintweit".  Leip-z-ig, 
J.  A.  Barth   1850) 


Die  stetig:e  Kraft  der  Erosion  hat  sich  in  allen  Thälern 
und  in  allen  Gebirgsarten  der  Jlpen  vielfach  geäussert.  Ich 
werde  versuchen,  auf  die  Grösse  und  die  Bedingungen  dieser 
Wasser-Wirkungen  etwas  näher  einzugehen,  um  so  mehr,  da 
ich  bei  einigen  Untersuchungen  über  die  Thal-Bildung  *  zu 
zeigen  mich  bemühte,  dass  die  letzte  in  den  Jipen  nicht  ein 
blosses  Werk  der  Erosion  seyn  könne. 

Im  Kalke,  wo  mit  der  mechanischen  Gewalt  des  Stosses 
die  grosse  auflösende  Kraft  Kohlensäure -haltigen  Wassers 
vereinigt  wirkt,  sind  die  Erosionen  besonders  häufig  und 
manchfaltig  in  ihren  Formen.  So  graben  sich  oft  kleine  Bäche, 
welche  über  stark  geneigte  Abhänge  herabrieseln,  ein  tiefes 
Bette,  und  es  ist  zuweilen  schwer,  den  Wasserfaden  zviischen 
den  bemoosten  Blöcken  zu  erkennen.  Es  entstehen  lange, 
rundliche  Rinnen,  weite  schaalenförmige  Becken,  welche  z.  ß. 
in  dem  Marmor  des  Untersberges  so  schöne  und  merkwürdige 
Formen  annehmen.    Auch  die  atmosphärischen  Niederschläge 

*     Vgl.  PoGGKisD.  Ann.  Bd.  LXXXF,  S.  177—213. 


204 

Tvirken  vielfach  verändernd  auf  die  Gestein -Oberfläclie  ein 
und  tragen  besonders  zur  Zertrümmerung  der  Felsen  und  zur 
Erd-Bildung  wesentlich  bei. 

Weit  bedeutender  sind  die  Erosionen  grövsserer  Wasser- 
Massen.  Sie  äussern  sich  vor  Allem  dadurch,  dass  die  Bäche 
sich  in  dem  festen  Gesteine  tiefe  Rinnen  graben.  Die  Grösse 
der  Erosion  ist  bei  gleicher  Zeit-Dauer  und  gleichen  Gestein- 
Arten  von  der  Wasser-Masse  und  ihrer  Geschwindigkeit  ab- 
hängig; auch  die  Suspensionen  wirken  fördernd  auf  dieselbe 
ein.  Es  entstehen  dadurch,  besonders  bei  den  Bächen  der 
Hochalpen ,  wo  das  Gefälle  meist  noch  sehr  bedeutend  ist, 
ungemein  regelmässige  und  tief  eingeschnittene  Bach-Rinnen. 
Das  Wasser  ist  dann  zwischen  vertikalen  Wänden  einge- 
schlossen und  unsern  Blicken  fast  gänzlich  entzogen.  Die 
Breite  der  Rinne  ist  dieselbe  wie  jene  des  Baches:  die  Tiefe 
beträgt  sehr  oft  auf  grösseren  Strecken  zwischen  40  und  75 
Fuss.  Jede  etwas  bedeutende  und  anhaltende  Änderung  der 
Neigung  bringt  merkliche  Unterschiede  der  Tiefe  hervor.  Bei 
den  grossen  Unregelmässigkeiten  in  dem  Stande  der  Alpen" 
Bäche  und  den  plötzlichen  Entleerungen  grösserer  Wasser- 
Massen  sind  diese  Rinnen  auch  von  praktischer  Bedeutung. 
Ihre  Ränder  dienen  zahlreichen  kleinen  Brücken  zum  Stütz- 
Punkte,  welche  so  vor  den  Zerstörungen  geschützt  sind. 

In  den  unteren  Theilen  der  Thäler  und  in  den  weiten 
Becken  werden  diese  Erosionen  weit  geringer  oder  verschwin- 
den fast  gänzlich,  da  wegen  der  abnehmenden  Neigung  die 
Flüsse  eine  Masse  von  Suspensionen  und  Gerolle  absetzen, 
welche  die  Einwirkung  des  Wassers  auf  das  unterliegende 
Gestein  verhindern. 

In  den  Thal-Engen,  welche  zwei  Becken  verbinden,  er- 
langen diese  Bach-Rinnen  die  grösste  Entwickelung,  weil  die 
Neigung  hier  weit  bedeutender  ist  und  die  Wasser- Masse 
enger  zusammengedrängt  wird.  Hier  tritt  auch  zuweilen  der 
Fall  ein,  dass  grössere  Unebenheiten  der  Thal-Sohle  und  her- 
vorstehende Fels-Massen  durchnagt  werden  mussten,  welche 
eine  theilweise  Aufstauung  des  Wassers  bewirkt  hatten.  Solche 
Stellen  werden  in  den  Alpen  mit  dem  INamen  „Klamm<<  be- 
zeichnet.  Man  übertrug  jedoch  zuweilen  diesen  Ausdruck  auf 


295 

die  Thal-Enge  überhaupt  und  veiknüpfle  damit  den  Begriff, 
dass  der  ganze  Verbindungs-Weg  zwischen  zwei  Becken  nur 
die  Folge  einer  solchen  Erosion  sey,  welche  der  Ausfluss  des 
obern  See's  in  den  untern  bewirkt  hätte.  Ich  führte  schon 
in  der  oben  erwähnten  Abhandlung  die  Charaktere  dieser 
Thal-Engen  an,  welche  von  den  vertikalen  parallel-wandigen 
Einschnitten  der  Flüsse  in  Plateau-artig  ausgebreitete  Gebirgs- 
Massen  so  gänzlich  abweichen.  Ein  wichtiges  Moment,  wel- 
ches wir  hier  ebenfalls  berücksichtigen  müssen,  ist  die  unge- 
meine relative  Höhe  der  Berg-Massen  zu  beiden  Seiten,  welche 
in  solchen  Thal-Engen  oft  4000-5000  F.  beträgt*.  Man  kann 
hier  oft  noch  an  den  Wänden  die  Spuren  der  Erosion  ver- 
folgen ;  z,  ß.  sehr  ausgezeichnet  in  der  Klamm  bei  Leni  am 
Ausgange  des  Gasteiner  Thaies,  in  jener  bei  Golltng ,  im 
Sö/aacÄ-Thale  **  und  an  anderen  Punkten.  In  vielen  Fällen 
befanden  sich  hinter  solchen  Klammen  grössere  Wasser-An- 
sammlungen während  langer  Perioden.  In  dem  Längen-Thal 
der  Salzach  im  Pinzgnu  lävsst  sich  Dieses  sehr  schön  erkennen 
an  den  grossen  Geröll-Massen,  welche  während  der  früheren 
See  Bildung  sich  in  zahlreichen  Schichten  ablagerten;  sie 
wurden  durch  den  jetzigen  Lauf  der  Salzach  in  mehren  Pro- 
61en  entblösst.  Auch  Saussure  und  Ebkl  *'*  führen  mehre 
ähnliche  Beispiele  an.  In  allen  diesen  Fällen  wurden  jedoch 
die  Wasser- Wirkungen  nie  an  den  obersten  Rändern  der 
Thal- Wände  beobachtet,  sondern  stets  nur  bis  zu  einer  Höhe 
von  mehren  Hundert  Fuss  über  der  Thal-Sohle.  Ein  solcher 
Damm  genügte  vollkommen ,  um  sehr  bedeutende  Seen  auf- 
zustauen; eine  vollständige  Entfernung  der  Gestein-Massen 
in  der  ganzen  Thal-Enge  durch  die  Erosion  oder  durch  den 
Druck  der  Wasser  Massen  ist  jedoch  in  jeder  Beziehung 
äusserst  unwahrscheinlich. 

*  Wenn  die  Thal-Sohle  selbst  schon  3000  F.  hoch  Hegen  würde,  so 
niüsste  man  doch  noch  die  angegebenen  Zahlen  erhalten  bei  einer  Kamni- 
und  Gipfel-Höhe  von  7000  und  8000  F.:  diese  befragt  aber  sehr  oft  noch 
1000—2000  F.  mehr. 

"*  Vergl.  L.  V,  Buch's  geognoslischc  Beobachtungen  auf  Reisen  in 
DeutscMand  u.  s.  w.,   Bd.  I,  S.  195  und  235. 

'""^'     Über  den  Bau  der  Erde  im  Atpen-G eh'tige.    2  Bände.    1804. 


296 

Um  die  Grösse  der  Erosion  zu  erklären,  welclie  ir.an  in 
einzelnen  Klammen  beobachtet,  genügt  es,  an  die  grosse  Nei- 
gung der  Soiile  und  an  das  Zusammendrängen  der  Wasser- 
Massen  zu  erinnern.  Auch  sind  die  vielen  Wasserfälle  zu 
beriicksichtigen,  welche  sicli  hier  bei  der  unregelmässigen 
Neigung  bilden  mussten.  Noch  jetzt  bemerkt  man  bei  allen 
herabstürzenden  Wasser-Massen  eine  weit  stärkere  Erosion, 
welche  sich  durch  die  Bildung  tiefer  Schluchten  an  ihrem 
Ende  und  durch  das  bekannte  Zurückschreiten  der  Wasser- 
Fälle  geltend  macht  *. 

Auf  die  Schnelligkeit  der  Afpen-B'Ache  hat  ihr  bedeuten- 
des Gefälle  einen  grossen  Einfluss;  in  den  oberen  Theilen 
nimmt  dabei  die  Neigung  stets  zu.     Während  : 

die  Donau  auf  1000  Fuss  einen  Fall  von  0,2  Fuss, 
der  Rhein      „        „         „         „  „       „     0,3      „ 

die  Isar        „        „         „         „  „        „     1,3      „  hat**, 

zeigen  die  Flüsse  der  Querthäler  sehr  häufig  im  Mittel  auf 
1000  F.  einen  Fall  von  16—25  Fuss.  Ich  darf  mir  erlauben, 
aus  unseren  Beobachtungen  über  die  Schnelligkeit  einiger 
Bäche  und  Flüsse  in  den  Alpen  speziell  anzuführen,  dass  ihre 
Geschwindigkeit  bei  Weitem  nicht  in  demselben  Maase  grösser 
ist,  in  welchem  ihre  Neigung  jene  der  erstgenannten  Ströme 
übertrifft.  Es  ist  Diess  analog  jener  Erscheinung,  dass  alle 
Flüsse  nahe  an  ihrem  Ursprünge  eine  verhältnissmässig  ge- 
ringe Schnelligkeit  haben,  obgleich  gerade  dort  die  Neigung 
am  grössten  ist.  Die  Ursache  davon  liegt  in  der  weit  klei- 
neren Wasser-Masse.  Es  wird  dadurch  der  Einfluss  der  Rei- 
bung vergrössert  und  die  Kraft  der  Strömung  oft  an  Steinen 
und  Baumstämmen  u.  s.  w'.  gebrochen,  während  bei  tieferem 
Wasser  Hindernisse  von  denselben  Dimensionen  nur  die  un- 
teren Theile,  aber  keineswegs  die  ganze  Masse  auf  ähnliche 
Weise  aufzuhalten  vermögen.  Gegen  das  Ende  grösserer 
Flüsse,  wo  die  Neigung  abnimmt,  vermindert  sich  auch  die 
Schnelligkeit  mehr  oder  weniger.  Das  Maximum  derSchnellig- 


*     Ich  erinnere  an  die  schönen  Untersuchungen  von  Lyell  über  den 
Niagara-Fall.     Principles  of  Geology.  3<f  edit.   Vol.  I,  S.  291   ff. 
*'■     Nach  Walthek's  topischer  Geographie  von  Bayern  1844. 


297 

keit  liegt  nicht  selten  weder  am  Anfange  noch  am  Ende, 
sondern  an  einer  allerdings  nicht  scharf  zu  hestimmenden 
Grenze,  bei  welcher  die  Neigung  noch  sehr  bedeutend  ist, 
aber  auch  die  Wasser-Masse  bereits  eine  hinlängliche  Mäch- 
tigkeit erlangt  hat.  Diese  Erscheinung ,  welche  sich  auch 
bei  grossen  Strömen,  z.  B.  beim  Rheine  wiederholt,  zeigt  sich 
in  den  von  uns  beobachteten  Flüssen  der  (iuer-Thäler  ziem- 
lich deutlich.  Eine  plötzliche  Beschleunigung  tritt  in  der 
Regel  bei  dem  Einmünden  eines  neuen  Seiten-Zuflusses  ein, 
weil  dieser  mit  seiner  eigenen  Geschv\indigkeit  die  Bewegung 
unterstützt  und  vorzüglich,  weil  jetzt  die  vermehrte  Wasser- 
Masse  die  Hindernisse  des  Bettes  leichter  überwindet. 

Die  erlangte  Geschwindigkeit  macht,  dass  das  Wasser 
gleich  einer  stossenden  Kraft  auf  alle  Körper  wirkt,  die  ihm 
entgegenstehen;  Dieses  wird  dadurch  erleichtert,  dass  alle  im 
Wasser  eingetauchten  Körper  an  Gewicht  verlieren  und  da- 
durch  weit  leichter  beweglich  werden  *.  Das  Rinnsal  eines 
jeden  Baches  bedeckt  sich  auf  diese  Weise  am  Boden  mit 
einer  Menge  theils  kantiger  und  theils  schon  abgerundeter 
Massen,  welche  in  langen  Perioden  von  den  öuellen  zu  den 
Mündungen  der  Flüsse  wandern. 

Einer  Schnelligkeit  von  3  Fuss  in  der  Sekunde  vermögen 
nach  DüBUAT  '^"  noch  eckige  Steine  von  der  Grösse  eines  Eies, 
einer  solchen  von  2  Fuss  noch  Geschiebe  von  1  Zoll  Durchmesser 
zu  widerstehen.  Die  Schnelligkeit  der  ^//?e/j  Bäche  übertrifft 
in  den  meisten  Fällen  bedeutend  die  hier  geforderten  Grössen, 
was  auf  die  grosse  bewegende  Kraft  derselben  hinweist. 

Eine  bedeutende  Menge  fein  zerriebenen  Gesteins  eilt  in 
der  Form  von  Suspensionen  den  grösseren  Fragmenten  weit 
voraus.  Die  Suspensionen  theilen  stellenweise  fast  die  ganze 
Schnelligkeit  des  Stromes,  sinken  dann  zu  Boden  und  werden 
später  wieder  zu  neuer  Bewegung  aufgerüttelt.  Diese  klei- 
nen Körper  sind  es  auch,  durch  welche  dem  Strome  das  Be 
naeeu    der  Ufer    besonders   erleichtert  wird,     Sie  treffen  mit 


*     Steine    vcriicirn    im    All^nnciiicn    zwiscln-n    0,25    und    0,3    ihres 
Gcwiclilcs. 

In  SxuDiir.'si  pliysik,  Geogrupiiic  und  üeologic,  Bil.  I,  S.  108. 


298 

der  erlangten  Schnelligkeit  die  Felsen  und  reiben  sie  weit 
mehr  ab,  als  es  das  Wasser  allein  zu  thun  vermöchte  *.  Sie 
erlangen  nicht  selten  eine  Gewalt,  welche  jene  weit  über- 
trifft, die  wir  aus  den  oben  angeführten  Bewegungs-Grössen 
der  Flüsse  erwarten  dürften.  Diese  Zahlen  sind  Mittelwerthe 
für  die  Masse  des  Flusses  im  Ganzen ,  während  solche  Sus- 
pensionen über  viele  kleine  Wasserfälle  und  Unregelmässig- 
keiten des  Flussbettes  herabstürzen,  wodurch  sie  an  einzelnen 
Stellen  eine  weit  grössere  Geschwindigkeit  und  Kraft  erlangen. 
Es  ist  Dieses  sehr  zu  berücksichtigen,  wenn  die  grosse  ero- 
dirende  Macht  der  Jlpen-FVnsse  mit  jener  von  tiefer  liegen- 
den Strömen  verglichen  werden  soll ,  wo  partielle  Unregel- 
mässigkeiten des  Gefälles  nicht  mehr  vorhanden  sind. 

Die  Menge  der  Suspensionen  ist  in  den  einzelnen  Jahres- 
zeiten sehr  verschieden  und  durch  heftige  Regen-  oder  Schnee- 
Fälle  wird  sie  stets  bedeutend  vermehrt.  Charakteristisch  ist 
die  grössere  Menge  derselben  in  Gletscher-Bächen.  Es  wird 
dieses  dadurch  veranlasst,  dass  das  Wasser,  welches  an  der 
Oberfläche  des  Eises  durch  Schmelzen  entsteht,  auf  dem  Bo- 
den des  Gletschers  kein  bestimmtes  Rinnsal  hat.  Eine  grosse 
Zahl  von  überall  vertheilten  kleiuen  Bächen,  vermag  so  eine 
Masse  von  fein  zerriebenem  Gesteine  zwischen  dem  Eise  und 
seiner  Unterlage  herauszufordern.  Durch  die  Reibung  des 
Eises  und  des  darunter  befindlichen  Sandes  mit  den  Unter- 
lagen wird  stets  wieder  neues  Material  für  die  Bäche  her- 
vorgebracht. Die  Masse  der  Suspensionen  in  der  Aar,  nahe 
an  ihrem  Ausflusse  aus  dem  Gletscher,  beträgt  nach  Dollfuss 
in  einem  Kubik- Meter  142  Grammen  "*.  im  Gegensatze  zu 
den  Strömen  und  Bächen  in  kleineren  Gebirgen  oder  in  Ebenen 
sind  alle  Gewässer  der  Alpen  durch  ihre  grossen  Mengen  von 
Suspensionen   ausgezeichnet.     Lyell  ***  zeigte ,    dass  gerade 


*  Man  vergleiche  auch  Al.  Brongniart  über  die  Wiikung  des  bf- 
wegten  Wassers  auf  die  Gestalt  der  Eid-Oberfläche.  Dictionnaire  des 
Sciences  naturelles,  T.XIV.  Slrassbourg  1819,  und  in  Cuvier's  Umwäl- 
zungen der  Erd-Rinde,  bearbeitet  von   Noeggerath  1880,  Bd.  II,  S.  48. 

**  Martins  on  the  colour  of  the  water:  in  Jameson  new  philosophi- 
eal  Journal.  1847,   Vol.  XLIII,  S.  87. 

*"*     Principles  of  gcology,  3^  ed.,   Vol.  I,  S.  360. 


2<.)9 

diese  letzten  für  die  Bildung  von  Ablagerungen  auf  dem  Boden 
stehender  Gewässer  in  weiteren  Distanzen  von  dem  Ursprünge 
der  Flüsse  sehr  wichtig  sind. 

Ausser  den  Suspensionen  trifft  man  in  jedem  Wasser 
verschiedene  feste  Bestandtheile,  die  es  aufgelöst  enthält.  Sie 
sind  sowohl  quantitativ  als  qu.ilitativ  in  den  verschiedenen 
Flüssen  sehr  abweichend  und  hängen  mit  der  allgemeinen 
geognostischen  Beschaffenheit  der  Gebirge  wesentlich  zu- 
sammen. Ich  erhielt  für  die  Masse  der  Auflösungen  an  meh- 
ren Punkten  folgende  Resultate,  denen  zur  Vergleichung 
einige  Untersuchungen  von  Pagenstecher  und  Schübler  bei- 
gefügt wurden  *. 


Bezeichnung  der  Flüsse  und  Quellen. 

Höhe 
Par.  Fuss. 

Rückstand 

aus  10000 

Theilen  nach 

sorgfältigem 

Eindampfen. 

Wasser  der  MöU  bei  Heiligenblut       

3844 

0,8007 

Wasser  der  Oele  bei   Vent 

5791 

0,6701 

Quelle  der  tsar  am  Haller  Anger 

5726 

2,8810 

aus  Kalk  fliessend;  Temperatur  3.4*^  C. 

Quelle  der  Drau  bei   Innichen 

4198 

6,8140 

aus  Kalk  entspringend;  Temperatur  6,3°  C;  sie 

setzt  bald  nach  ihrem  Ursprünge  sehr  viel  Kalk- 

Tuff  ab. 

Pagenstecher  *"■'  fand : 

2,21274 
1,71127 

Wasser  des  Rheins  bei  Basel 

ScHiJBLER  *'•"*   fand   in    den  Flüssen  der  schteäbi- 

schen  Alp : 

in  dem  Neckar 

3  R/kohlen- 
>$aureii 
1,5\  Kalk. 

in  der  Aminer       

.     .     . 

Die  Gletscher-Wässer  zeigen  sich  im  Hochgebirge  weit 
ärmer  an  festen  ßestandtheilen,  als  der  Rhein  und  die  Aar, 
weil  bei  den  ersten  durch  die  grossen  Quantitäten  von  ge- 
schmolzenem Eise    die   Auflösung   bedeutend    verdünnt  wird. 


*     Die  Suspensionen    wurden    vor    dem   Eindampfen    durch  Filfriren 
sorgfältig  entfernt. 

"'     Bischof's  Wärmelehre  18S7,  S.  124. 
*'''*     In  Kastner's  Archiv   V. 


aoo 


Die  gi'össten  Quantitäten  erhält  man  an  Quellen  und  Flüssen 
im  Kalk-Gebii'ge. 

Eine  quantitative  Untersuchung  zweier  Bäche  in  den 
Hochalpeu  schien  mir  bei  dem  innigen  Zusammenhang  der 
festen  ßestandtheile  des  Wassers  mit  der  geognostischen  Be- 
schaffenheit des  Fluss  Gebietes  nicht  ohne  Interesse.  Das 
Wasser  wurde  an  den  ausgewählten  Orten  auf  Porzellan- 
Schaalen  mit  aller  Vorsicht  eingedampft,  der  Rückstand  von 
den  Schaalen  abgelöst  und  abgespült  und  in  Gläsern  sorg- 
fältig verpackt.  Die  Analyse  wurde  in  dem  Laboratorium  von 
Prof.   Pettenkofer  in  München  ausgeführt. 

Quantitative    Analyse: 


1)  der  Moll  bei  Heiligenblut. 
Eingedampft  37800  Grm.  Wasser. 


Kolileiisaure  Kalkerde  . 
Kühlensaure  Magnesia 

Kieselerde 

Chlorkalium 
Chlornatriuni 
Eisenoxyd  .... 

Mangan       

Thonerde  .... 
Schwefelsaure  Salze 
Saud,  Suspensionen 


0,3182 
0,1334 
0,2719 

0,0330 

0,0363 
0,1221 
Spuren 
Spuren 
0,0733 


0,9882 


2)  der  Oetz  bei   Venl. 
Eingedampft  29000  Grm.  Wasser. 


Kohlensaurer  Kalk 
Kohlensaure  Magnesia 
Kieselerde      .... 
Chlorkalium 
Chlornatiium 
Eisenoxyd       .     .     . 
Mangan     .... 
Thonerde       .... 
Schwefelsaure  Salze 
Sand,  Suspensionen 


0,13044 
0,00144 
0,25170 

0,01256 

0,37728 
Spuren 
Spuren 

0.24888 


1,02230 


Obwohl  beide  Flüsse  in  den  Zügen  der  krystallinischen 
Schiefer  entspringen  und  in  der  Masse  der  Auflösungen  sich 
ziemlich  ähnlich  sind,  ergeben  doch  die  Analysen  bedeutende 
Differenzen  der  einzelnen  Bestandtheile.  Es  ist  Dieses  beson- 
ders bei  der  kohlensauren  Kalkerde  und  der  kohlen- 
sauren Magnesia  der  Fall.  Die  grösseren  Mengen  der- 
selben in  der  ersten  Analyse  sind  durch  die  Vertheilung  des 
kohlensauren  Kalkes  in  fast  allen  Felsarten  des  oberen  Möfl- 
Gebietes  bedingt. 

Eine  nähere  Untersuchung  der  Zusammensetzung  und 
der  Lagerungs-Verhältnisse  dieser  Gesteine  zeigte,  dass  hier 
in  dem  Haupt-Kamme  der  Tauern-Kette  Kalk-Glimmerschiefer 
mit  einzelnen  Kalk-Lagen,  Talkschiefer,  Chloritschlefer  und 
Serpentin  in  grossen  Massen    auftreten.     Im   Oetz-'D^dAe  hin- 


3«l 

gegen  herrscht  wahrer  Glimmerschiefer  vor  mit  etwas  Gneiss 
und  Hornblende-Gesteinen,  und  es  erscheinen  nur  einige  selir 
vereinzelte  Kalk -Parthie'n.  In  dem  Wasser  dieser  Alpen- 
Gruppe  ist  mehr  Eiseiioxyd  enthalten,  welches  sich  schon  in 
den  Produkten  der  Verwitterung  bemerkbar  macht.  Der 
grössere  Kalk-Gehalt  in  dem  Wasser  und  in  der  Erd-Krume 
des  A/ö//- Gebietes  ist  auch  von  Eintluss  auf  den  Charakter 
der  Vegetation  und  das  Auftreten  mancher  Pflanzen,  welche 
in  den  Ziigen  der  krystallinischen  Schiefer  der  Alpen  ge- 
wöhnlich fehlen. 

Plötzliche  Entleerung  grösserer  Wasser- 
Massen.  Die  Wirkungen  des  Wassers  in  den  Alpen-TUi^levn 
äussern  sich  nicht  nur  durch  die  stetige  Erosion  der  Flüsse; 
auch  jene  Erscheinungen  sind  hier  von  Wichtigkeit,  welche 
durch  plötzlich  eintretende  grössere  Wasser-Massen  hervor- 
gerufen werden.  Ausser  durch  Überschwemmungen  bei  langem 
und  heftigem  liegen,  oder  dem  Schmelzen  des  Schuee's  können 
hohe  Fluthen  in  den  Alpen  auch  durch  die  Entleerung  von 
Gletscher-See'n  veranlasst  werden,  welche  an  verschiedenen 
Stellen  sich  befinden.  Ich  hatte  Gelegenheit,  diese  Erschei- 
nungen im  Oefz-TUale  in  ausgedehntem  Maasstabe  zu  beob- 
achten,  wo  während  mehrer  Jahre  solche  plötzliche  Pluthen 
eintraten,  welche  in  ihrem  Verlaufe  und  in  ihren  Wirkungen 
von  den  Bewohnern  ängstlich  verfolgt  wurden.  Ich  werde 
hier  zuerst  eine  Darstellung  der  Verhältnisse  in  diesem  Thale 
mittheilen. 

Im  Jahre  1844,  als  der  Vernagt 'G\etschev  bei  seinen 
grossen  und  auffallenden  Oscillationen  *  abermals  bedeutend 
sich  ausdehnte,  entstand  eine  Sperrung  des  Roffier-T hales 
und  eine  Aufstauung  des  Baches,  welcher  aus  dem  Hintereis- 
und  Hochj()ch-(Meisc\\ev  herabkömmt.  Als  die  Wasser-Masse 
des  See's  zu  mächtig  geworden  war,  verschaffte  sie  sich  einen 
gewaltsamen  Ausweg;  das  erste  Mal  wurde  der  Eis-Damm 
fast  völlig  weggedrückt,  später  wichen  nur  die  untern  Eis- 
Massen    und    verschafften    so    in    einer   weiten  Höhlung  dem 


Vcrgl.  Unters,  üb.  A.  pliysikal.  Geog.  d.  Alpen,  S.  140. 


Wasser  einen  Durchgang;.    Der  Abfluss  war  stets  sehr  rasch 
und  die  Verheerungen  nie  gross. 

Das  See-Becken  selbst  war  im  Jahre  1847  und  1848  zur 
Zeit  unsers  Aufenthaltes  entleert.  Die  Länge  des  See's  war 
3725  P.  F.  =  1210  Meter,  seine  grösste  Tiefe  in  der  Nähe  des 
Gletschers  262,6  P.  F.  =  85,3  Meter.  Die  letzte  wurde  durch 
barometrische  Messungen  an  der  tiefsten  Stelle  des  entleer- 
ten See-Beckens  und  an  der  Linie  des  höchsten  Nivean's  an 
dem  oberen  Ende  des  See's  gefunden.  Im  Jahre  }848  war 
seine  Tiefe  noch  um  14  Fuss  grösser,  indem  er  sich  damals 
in  gerader  Richtung  bis  zum  A^iw/erm"  Gletscher  und  an  dem 
linken  Ufer  bis  zu  einem  kleinen  Ziegen-Stalle  erstreckte,  wel- 
cher zur  Rofner-Hütte  gehört.  Die  Menge  seines  Wassers 
berechnete  ich,  nachdem  der  räumliche  Inhalt  seines  Beckens 
durch  wiederholte  Messungen  mit  dem  Prismen-Porrhometer 
untersucht  worden,  zu  230  Millionen  Kubik-Fuss.  In  dem  See- 
Becken  zeigten  sich  noch  zahlreiche  Spuren  von  den  Wir- 
kungen der  früheren  Wasser-Ansammlung.  Wegen  der  be- 
deutenden Neigung  der  Abhänge  an  den  beiden  Seiten  konnten 
sich  nur  in  einem  schmalen  Striche  in  der  Mitte  des  Thaies 
Gerolle  und  Geschiebe  ablagern ;  sie  erreichten  oft  50 — 80 
Fuss,  waren  sehr  schön  geschichtet  und  mit  Sand-Lagen  unter- 
mischt. Im  Jahre  1848  hatte  sie  das  Wasser  wieder  theil- 
weise  durchnagt  und  bedeutende  Mengen  derselben  durch 
das  weite  Gletscher-Thor  in  tiefere  Regionen  geführt.  Aber 
fast  überall  verbreitet  war  eine  dicke  Schicht  von  fein  ge- 
schlemmtem  gelbem  und  grauem  Letten,  welcher  zuweilen 
nach  einigen  Monaten  ziemlich  erhärtet  war.  Ausserdem 
machte  sich  eine  ungemeine  Verwitterung  und  Zertrümmerung' 
des  anstehenden  Glimmer-Schiefers  bemerkbar.  Er  war  überall 
in  eine  Masse  von  eckigen  Fragmenten  zerspalten  ,  und  die 
tiefe  Rinne,  welche  sich  die  Oetz  früher  in  den  Felsen  ge- 
graben hatte,  war  dadurch  theilweise  zerstört  worden.  Wir 
müssen  berücksicktigen ,  dass  diese  See-Aufstauungen  schon 
bei  den  Oscillations-Perioden  des  Vernagi  in  früheren  Jahr- 
hunderten sich  öfter  wiederholt  hatten.  Dabei  hat  das  Wasser, 
welches  als  Schmelzungs  Produkt  des  Gletscher- Eises  ur- 
sprünglich sehr  arm  an  festen  Bestandtheilen  war,  eine  grosse 


303 

zersetzende  und  auslaugende  Wirkung  auf  das  Gestein ;  und 
da  das  Niveau  des  See's  abwechselnd  bedeutend  steigt  oder 
fällt,  so  wird  dadurch  stets  wieder  von  Neuem  eine  bedeu- 
tende Gestein-Schicht  mit  Wasser  durchtränkt  und  dann  beim 
Gefrieren  des  letzten  rasch  zertrümmert. 

Auch  der  Gurgler-See  (('»859  F.  über  dem  Meere)  entsteht 
auf  ganz  ähnliche  Weise  zwischen  zwei  Gletschern  in  dem 
Thale  gleichen  Namens  in  der  Oetz-Thaler  Gruppe.  Seine 
Dimensionen  sind  ebenfalls  nicht  unbedeutend.  Die  Länge 
schwankt  zwischen  3000  und  4000  F.  und  die  grösste  Höhe 
seines  Wasser-Spiegels  steigt  bis  zu  1.50  und  200  F.  über  das 
gewöhnliche  Niveau.  Gewöhnlich  fliesst  die  grösste  Wasser- 
Menge  in  den  Monaten  Juni  und  Juli  ab  ,  jedoch  nicht  sehr 
plötzlich.  Die  grosse  Tiefe  dieses  und  des  Vernagt -See  8 
dürfte  auffallen;  sie  entsteht  durch  die  bedeutende  Neigung 
des  Bodens  und  liegt  nicht  wie  bei  andern  See'n  und  Becken 
in  der  Mitte,  sondern  unmittelbar  am  untern  Ende,  wie  bei 
Wasser,  welches  hinter  einer  Schleusse  aufgestaut  ist.  Ein 
anderer  Gletscher  -  See  am  rechten  Ufer  des  Pasterzen- 
Gletschers,  ,,im  grünen  Thore<<  hatte  1846  2000  F.  Länge  auf 
1000  F.  Breite;  1848  nur  700  F.  Länge  und  450  F.  Breite, 
Die  Tiefe  konnte,  da  er  beide  Male  mit  Wasser  gefüllt  war, 
nicht  bestimmt  werden.  Das  Wasser  läuft  zuweilen  gänzlich 
unter  dem  Gletscher  ab.  Ähnliche  bekannte  See'n  von  be- 
deutendem Umfange  sind  der  Moril-See  am  ^/e/«cA-Gletscher 
und  der  MatmarkSee  im  Saas-Thale ,  welchen  der  Allelein- 
Gletscher  absperrt.  Es  fanden  ebenfalls  zuweilen  plötzliche 
Entleerungen  ihrer  grossen  Wasser-Massen  statt. 

Die  Heftigkeit  eines  Ausbruches  hängt  mit  der  Öffnung 
zusammen,  welche  der  Druck  der  Wasser-Massen  im  Glet- 
scher hervorzubringen  vermag.  Zerklüftungen  des  Eises  und 
viele  ähnliche  Neben-Ümstände  niodifiziren  ebenfalls  die  Art 
des  Ausbruches.  Besonders  plötzlich  war  die  Entleerung  des 
Yernugt-Sees  im  Sommer  1848.  Es  dürfte  nicht  ohne  Interesse 
seyn ,  einige  Einzelnheiten  darüber  als  Typus  dieser  Er- 
scheinungen mitzutheilen ,  um  so  mehr ,  da  der  Verlauf 
der  Fluthen  auf  meine  Bitte  sorgfältig  notirt  wurde.  Einige 
Monate   später    hatte   ich  Gelegenheit,    die  Wirkungen    der- 


304 

selben  fast  noch  ganz  unverändert  das  g;anze  Thal  entlang- 
zu  verfolgen. 

Am  12.  Juni  1818  Nachts  11  Uhr  wurde  ein  lauteres 
Murmeln  des  Glelscher-Baches  in  7?«/'e«  bemerkt;  das  Niveau 
schien  zu  steigen  ;  aber  erst  am  folgenden  Tage,  am  13.  Juni 
Morgens  zwischen  6  und  7  üiir,  wuchs  die  Wasser-Menge 
plötzlich  ungemein  schnell  und  erhielt  sich  nur  eine  halbe 
Stunde  auf  dem  Maximum  der  Höhe.  Diese  Schnelligkeit 
des  Laufes,  verbunden  mit  einer  so  bedeutenden  Wasser- 
Masse,  brachte  die  überraschendsten  Wirkungen  hervor.  Der 
Strom  führte  bedeutende  Mengen  von  Schlamm,  Sand,  Felsen- 
und  Eis  Trümmern  mit  sich  fort.  Sein  Lauf  war  von  einem 
ununterbrochenen  Donner  begleitet;  die  Wogen  wurden  an 
die  Felsen  geschleudert  und  machten  Bogen  von  10 — 15  F. 
Höhe.  Die  Tiefe  war  nach  der  Thal-Bildung  sehr  verschieden; 
an  einer  sehr  passenden  Stelle  bei  Vent  fanden  wir  noch  die  deut- 
lichen höchsten  Spuren  des  Wassers  24  F.  über  dem  gewöhn- 
lichen Niveau  bei  einer  mittlen  Breite  von  60  F.,  so  dass 
von  hier  bis  zur  Thal-Weite  bei  Zwieselstein  der  Querschnitt 
des  Baches  bei  etwas  wechselnder  Breite  oder  Tiefe  im  Mittel 
1440  Öuadrat-Fuss  betragen  mochte.  Bei  jeder  kleinen  Er- 
weiterung des  Rinnsales  wurde  natürlich  auch  das  Wasser 
breiter  und  dadurch  die  Schnelligkeit  bedeutend  vermindert. 
Noch  mehr  war  Diess  in  den  grossen  Thal-Becken  der  Fall, 
welche  gleich  Schleussen  das  Wasser  zurückhalten  und  nur 
sehr  allmählich  durch  eine  verhältnissmässig  kleine  Öffnung 
wieder  entlassen.  Daher  zeigte  sich  in  den  tieferen  Theilen 
eine  längere  Dauer  des  hohen  Wasserstandes.  Während  sich 
aus  den  früher  mitgetheilten  Beobachtungen  über  die  Schnellig- 
keit der  Oetz  ableiten  lässt,  dass  ein  schwimmender  Körper, 
ohne  aufgehalten  zu  seyn,  vom  Vernagt  bis  in  den  Inn  un- 
gefähr 7 — 8  Stunden  zubringen  würde,  hatte  sich  das  Wasser 
des  See's  erst  nach  35  bis  40  Stunden  völlig  in  den  Inn 
ergossen. 

Ich  versuche  den  Gang  der  Fluthen  tabellarisch  zu- 
sammenzustellen. In  der  zweiten  Spalte  ist  der  Zeitpunkt 
angegeben,  in  welchem  die  grössten  Wasser-Massen  an  den 
Orten  der  Beobachtung  anlangten,  eben  so  wie  die  Dauer  dieses 


305 

Maximums.  Diese  Angaben  sind  wohl  ziemlich  zuverlässig-, 
da  das  Getöse  des  Baches  iiherall  die  Bewohner  schon  mehre 
Stunden  vorher  zur  änosflichen  Beobachtung  herbeigelockt 
hatte;  für  mich  war  gerade  dieses  Maximum  von  Interesse, 
da  es  wohl  der  sicherste  Anhaltepunkt  zur  Beurtheilung  der 
Schnelligkeit  ist.  Die  nächste  Spalte  enthält  die  Zeit,  in 
welcher  das  Wasser  auf  das  ursprüngliche  Niveau  zurück- 
gesunken war.  Der  Abstand  dieser  Periode  von  dem  Maxi- 
nium  ist  verschieden  je  nach  den  Erweiterungen  des  Thaies, 
welche  das  Wasser  antraf.  Dadurch  entstand  auch  die  be- 
deutende Verzögerung  in  dem  Fortschreiten  der  grössten 
Wasser-Massen.  Die  beiden  nächsten  Spalten  machen  Dieses 
noch  deutlicher.  In  der  einen  (A)  ist  die  Zeit  mitgetheilt,  welche 
das  Maximum  der  Fluth  brauchte,  um  von  der  Ausbruch- 
Stelle  amVernagt  bis  zu  dem  Orte  der  Beobachtung  zu  gelangen*; 
in  der  zweiten  (B)  ist  die  Zeit  berechnet,  welche  bei  gewöhn- 
lichem Wasserstande  ein  schwimmendes  Holz  von  der  Aus- 
bruch-Stelle an  bedurft  hätte.  Es  sind  diese  Angaben,  denen 
meine  Beobachtungen  der  Wasser-Schnelligkeiten  zu  Grunde 
liegen,  zwar  der  Natur  der  Sache  nach  nur  sehr  approxima- 
tiv; sie  genügen  jedoch,  um  den  bedeutend  langsameren  Gang 
der  höchsten   Fluthen  deutlich  hervortreten  zu  lassen. 


Ort 
derBeobachtung. 


Eintritt  u.  Dauer  d.  Maximums, 
Tag.     I  Stunden. 


Wiedereintritt  des 
frülieren  Niveau's 
Tas.  Stunde. 


Vent 

1  S.Juni 

Ueitigenkreus 

13.    „ 

Ztcieselslein . 

13.  „ 

Sölden  .... 

13.   „ 

Hüben    .... 

13.   „ 

Umhauten  .  . 

14.  „    ! 

Oet» 

14.  „     1 

6 -6h  30' rt  m. 
7_  7I1  45'a.  ni. 
8  — 9h  rt.  m. 

3  —  6''  p.  m. 
6— 8h  p.m. 

4  —  7''  a.m. 


13  Juni 
13.  „ 
13.  „ 
13.  „ 

13.  „ 

14.  .. 


a.  tn. 


8''  a.  u 

XO^a.m.  '2'" 

7h  p.m.  9h 

lOh  p.m.  12** 

loh  a.m.  22h 

gh  p.m.  26h 


oh  30 
Ih 


oh  50' 
lh40' 
2h  30' 
2h  45' 
4h  0' 
•.h  25' 
6h  51' 


8h  a.  m.— 4h  p.m.|  14. 

Die  Abwechselung  der  Becken  und  Thal- Engen  ist  auf 
die  Wirkungen  dieser  grossen  Fluthen  ebenfalls  von  we- 
sentlichem Einfluvss.  In  den  letzten  belädt  sich  die  Fluth  stets 
von  Neuem  mit  Sand    und  Gerolle,    welche   sich    in  den  fol- 


"     £«  wurden  zur  Vergleirliung  jene  Stunden  benutzt,   ivelclie  in  der 
zweiten  Spalte  al.s  der  Eintritt  des  Maximums  bezeichnet  sind. 
J.tlirgan.i:  1851.  20 


306 

genden  Erweiterungen  ablagern.  Es  wird  auf  diese  Weise 
eine  Gestein-Masse  bewegt,  welche  den  Inhalt  des  See's 
viel  mal  übertrifft.  Jedoch  gelangen  solche  Geschiebe  nicht 
von  der  Ausbruch-Stelle  bis  zum  unteren  Ende  des  Thaies; 
sie  werden  stets  nur  kurze  Strecken  transportirt.  Bloss  feine 
Suspensionen  gelangen  bis  in  den  Jnn,  indem  selbst  der  Sand 
schon  in  einzelnen  Becken  in  grossen  Massen  abgesetzt  wird. 

Zu  den  unmittelbaren  Zerstörungen  des  Wassers  in  der 
Sohle  des  Thaies  gesellen  sich  noch  zahlreiche  Erd-Brüche 
und  Stein-Fälle,  welche  an  den  Abhängen  der  Berge  stattfin- 
den und  nach  übereinstimmenden  Angaben  stets  in  Verbin- 
dung mit  solchen  See-Entleerungen  auftreten.  Sie  hängen 
mit  den  Erschütterungen  zusammen,  welche  durch  die  Wasser- 
Massen  und  vorzüglich  durch  das  stete  Anprallen  der  mitge- 
führten Steine  bewirkt  werden.  Die  Stösse  sind  so  heftig, 
dass  sie  in  den  Pfarr- Häusern  von  Vent  und  Heilig enkreuz, 
welche  auf  festem  Felsen  und  letztes  sogar  mehre  Hundert 
Fuss  über  dem  Wasser-Spiegel  liegen ,  sich  immer  sehr  be- 
merkbar machen  und  ein  lebhaftes  Klirren  der  Fenster  be- 
wirken. Solche  plötzliche  Entleerungen  grosser  Wasser- 
Massen  verändern  daher  in  der  Konfiguration  der  Thal-Sohle 
mehr,  als  Jahre-lange  Erosionen  eines  Baches  im  gewöhn- 
lichen Zustande  *. 

In  den  Alpen  ist  diese  Erscheinung  nicht  sehr  selten;  ich 
erinnere  vor  Allem  an  die  bekannten  Fluthen  im  Bagne-Thal. 
Sie  entstanden  nach  den  Beobachtungen  von  Escher**  durch 
das  Abbrechen  sekundärer  Gletscher  im  Jahre  1818;  die 
plötzlich  entleerte  Wasser-Masse  betrug  530  Millionen  Kubik- 
Fmss.     Die  Schnelligkeit  war: 

Vom  Ausbruche  bis  Chahle  33  F.  in  der  Sekunde;  dabei 
war  das  Wasser  in  dem  engen  Thale  enorm  hoch  aufgestaut. 


*  Ausführlichere  Untersuchungen  dieser  iind  ähnlicher  Wirkungen 
des  Wassers,  vorzüglich  in  technischer  Beziehung,  sind  initgetheilt  in 
SuRREL  etudes  sur  les  lorrents  des  hautes  Alpes,  Paris  1841.  Fromm- 
herz, die  Diiuvial-Gebilde  des  Schwarzwaldes,  enthält  ebenfalls  zahlreiche 
Daten ,  welche  mit  den  Erscheinungen  in  den  Alpen  verglichen  werden 
können. 

''"'     Gilbert'»  Ännalen  der  Physik,  Bd.  LX,  S.  331  u.  355  etc. 


ao7 

Die  Schnelligkeit  der  grossen  Alpen-Flüsse ,  z.  B,  der  Linth 
beträgt  nach  Kscher  12  F.  ,|'f  n^,    .,:r 

Von  Chahle  bis  Martinach  18  F.  in  der  Sekunde. 

Mit  der  Rhone  vereint  von  Murtinach  bis  St.-Morit&  11 
bis  12  F.  in  der  Sekunde. 

Von  Sl.-MorUz  bis  in  den  Genfer-See  (»  F.  in  der  Sekunde, 

Die  Veränderungen  in  der  Thal-Sohle ,  welche  diese 
Wasser-Masse  hervorrief,  waren  überraschend,  da  das  Längen- 
Thal  der  Rhone  überall  mit  leicht  beweglichen  Gerollen  er- 
füllt ist. 

Auch  durch  grosse  Lawinen,  durch  das  plötzliche  Ab- 
brechen sekundärer  Gletscher  und  durch  Erdstürze  werden 
ähnliche  Aufstauungen  und  Ausbrüche  veranlasst.  Zur  letz- 
ten Kategorie  gehört  der  frühere  See  im  Passeier- Thale  bei 
Rabenstein^  über  welchen  man  von  Walcher  *  einige  histori- 
sche Daten  besitzt.  In  einem  kleinen  Becken  hatte  sich  der 
Passeier-  Wildsee  gesammelt.  Das  Gestein  ist  ein  talkiger 
Glimmer-Schiefer,  welcher  zahlreiche  Verwitterungs-Produkte 
liefert.  Da  zu  gleicher  Zeit  das  Thal  weiter  nach  abwärts 
eine  enge  und  lange  Schlucht  bildet,  so  konnten  grössere 
Erdfälle  dasselbe  schliessen  und  eine  Aufstauung  des  Baches 
bewirken.  Es  erfolgten  mehre  gewaltsame  Durchbrechungen 
des  Dammes ,  welche  bei  der  grossen  Trümmer -Bildung  in 
der  folgenden  Thal-Enge  für  die  tieferen  Theile  bei  St.-Leon- 
hard  und  Meran  sehr  verheerend  wurden.  Seit  dem  letzten 
Ausbruche  im  vorigen  Jahrhundert  ist  der  See  entleert,  und 
wir  fanden  das  Bette  desselben  wieder  grossentheils  mit 
Vegetation  bedeckt**. 

Eine  Vermehrung  der  Erosion  und  des  Geröll-Transportes 
findet  auch  bei  der  Vergrösserung  der  Wasser-Masse  statt, 
welche  in  allen  ^/pen-Flüssen  durch  das  Schmelzen  des  Schnees 
und    starke    Regengüsse    in   so    bedeutendem  Maase    eintritt. 


*     Nachrichtfn  über  die  Eis-Gebirge  TiroVs  1774. 
""^     Ein    ganz   ähnlicher   See- Durchbruch    fand    in    bedeutender    Aus- 
dehnung im  Jahre  iZIS  bei  Bourg  (TOisans  im  Dauphine  statt,    wodurch 
die  unteren  Thiiler  und  die  Gegend  von  Grenoble  verwüstet  wurden.    Ebel 
Bau  der  Erde  im  i4/pen  Gebirge ,  13d.  I,  S.  46. 

20  ^ 


308 

Diese  Überschwemmung^en  äussern  sich  besonders  in  den 
tieferen  Tlieilen  der  Längen-Thäler  und  sind  hier,  z.  B.  bei 
der  Rhone,  durch  ihre  Ausdehnung  und  regelmässige  Wieder- 
kehr so  bekannt  geworden. 


Der  Transport  der  Geschiebe  durch  das  Wasser  geschieht 
ungeachtet  der  grossen  Schnelligkeit  und  Kraft  der  Alpen- 
Flüsse  nur  ziemlich  langsam.  Es  bedarf  eines  oft  wieder- 
holten Anstosses  und  einer  langen  Zeit,  bis  die  Gestein-Massen 
allmählich  viele  Meilen  weit  befördert  werden.  Sie  dienen 
dann  zur  Ausfüllung  der  grossen  AlpenSee'nj  in  welchen  die 
Adda  im  Corner-,  der  Rhein  im  Boden-  und  die  Rhone  im 
Genfer-See  so  schöne  und  umfangreiche  Delta's  bilden.  Auch 
die  grossen  Schutt-erfüllten  Ebenen,  welche  die  Alpen  im 
Norden  und  Süden  in  so  grosser  Ausdehnung  geben,  zeugen 
von  den  mächtigen  AUuvionen  der  Alpen-F\\\sse, 


über 


das    Vorkommen    von    Gaul t  -  Fossilien    im 
Flammen-Mergel  des  nordwestliclien  Deutsch- 
lands , 


Herrn  Dr.  Ferd.  Roemer 

in  Bonn. 


Hiezu  Taf.  IV,   A. 


Als  man  zwei  von  den  drei  grossen  Haupt-Abtheilungen, 
in  welche  man  zunächst  in  England  und  Frankreich  und  seit- 
dem in  den  aussereuropäischen  Ländern  die  Kreide- Formation 
gegliedert  sah,  mit  Bestimmtheit  auch  in  Deutschland  wieder 
erkannte,  dasNeocomien  nämlich  und  die  obre  Kreide, 
da  schon  war  man  über  das  anscheinende  Fehlen  des  dritten 
mittlen  Gliedes  erstaunt.  Theils  nach  blosser  Gesteins- 
Ähnlichkeit,  theils  nach  vermeintlicher  Übereinstimmung  der 
Lagerungs  -  Verhältnisse  sehr  verschiedene  deutsche  Kreide- 
Gesteine  als  Gault  deutend  suchte  man  später  diese  Lücke 
auszufüllen.  Allein  bis  heute  ist  jenes  Bestreben  ohne  Er- 
folg geblieben.  In  keinem  Theile  von  Deutschland  kennt  man 
eine  Schichten-Folge  mit  der  in  England  und  Franhreich  nach 
oben  und  unten  gleich  scharf  von  den  angrenzenden  geschie- 
dener Fauna  des  Gaults. 

Sind  aber  auch  jene  Deutungen  misslungen,  so  erscheint 
darum  das  Fehlen  des  Gaults  in  Deutschland  gegenwärtig  nicht 


310 

weniger  auffallend,  als  früher;  vielmehr  wird  dasselbe  durch 
die  im  Einzelnen  immer  mehr  erkannte  Übereinstimmung;  der 
beiden  andern  Glieder  mit  der  entsprechenden  in  England  und 
Frankreich  nur  um  so  räthselhafter.  Desshalb  verdient  jede 
Angabe  über  das  Vorkommen  selbst  vereinzelter  organischer 
Formen  des  Ganlts  in  Deutschen  Kreide-Bildnngen  eine  be- 
sondere Aufmerksamkeit,  indem  durch  sie  die  Entscheidung 
der  Frage  vorbereitet  wird,  ob  vielleicht  in  einem  der  bekann- 
ten Deutschen  Kreide-Glieder  der  Gault  untergeordnet  und 
ohne  scharfe  Trennung  enthalten  ,  oder  in  welcher  anderen 
Weise  er  in  Deutschland  vertreten  sey.  Die  erste  derartige 
Angabe  ist  diejenige  über  das  Vorkommen  des  Ammonites 
Interrupt  US  Brug.  in  einer  vom  Pläner  bedeckten  Grün- 
sand-Lage im  Bette  der  Ems  bei  Rheine  *.  Eine  zweite, 
welche  wegen  der  deutlicheren  Lagerungs- Verhältnisse  und 
der  grösseren  Zahl  der  beobachteten  Arten  noch  wichtiger 
seyu  dürfte,  beabsichtige  ich  in  dem  Folgenden  hier  mitzu- 
theilen. 

Durch  das  Thal  der  Innerste  wird  bei  dem  Dorfe  Lan- 
gehheim  in  der  für  die  Kenntniss  Norddeutscher  Kreide- 
Bildungen  so  vorzugsweise  lehrreichen  Gegend  von  Goslar 
ein  ausgedehntes  Schichten-Profil  mit  überraschender  Deut- 
lichkeit blossgelegt. 

Zunächst  befindet  sich  unweit  der  auf  dem  rechten  Ufer 
der  Innerste  gelegenen  zu  der  Sophien-Hütte  gehörigen  Treib- 
Hütte  ein  Sandstein-Bruch,  in  welchem  ein  ungeschichteter 
massiger  weisser  Sandstein  gebrochen  wird,  welcher,  äusser- 
lich  von  gewissen  an  anderen  Punkten  des  nördlichen  Deutsch- 
lands unter  dem  Pläner  vorkommenden  Kreide-Sandsteinen 
unterscheidbar,  bei  dem  Fehlen  organischer  Reste  in  seinem 
Alter  bisher  aber  so  zweifelhaft  wie  diese  erscheinen  musste. 
Dieser  Sandstein ,  welcher  bei  einer  Mächtigkeit  von  etwa 
50'  einen  schmalen  Zug  bildend  gegen  SO.  nach  Astf'eld  und 
Riechenberg  hin  noch  in  zahlreichen  Steinbrüchen  aufgeschlos- 
sen ist,  fällt  mit  bedeutender  Neigung  gegen  N.  ein  und  wird 


*     S.  Jahrb.  1S50,  S.  400.     Zcif.schr.  d.  deiUscIi.  gfolog.  Gcsellsch. 
Bd.  II,  S.  113. 


311 

zunächst  von  einer  etwa  70'  mächtigen  Schichten-Folg^e  ver- 
schiedenartig*, aber  doch  vorherrschend  dunkel  gefärbter  Thon- 
reicher  Mergel  bedeckt.  Diese  letzten  ,  obgleich  von  eigen- 
thüinlichein  ungewöhnlichem  Aussehen,  haben  bei  ihrer  gänz- 
lichen Versteinerungslosigkeit  doch  nur  ein  untergeordnetes 
Interesse.  Ein  wohl  bekanntes  Glied  des  Norddeutschen 
Kreide-Gebirges  stellen  dagegen  die  zunächst  folgenden  Schich- 
ten dar.  Es  sind  100'  mächtige  dunkelgraue,  zum  Theil  kie- 
selige Konkretionen  einschliessende  Mergel  mit  den  eigent- 
thümlichen  heller  gefärbten  flammigen  Streifen  und  den 
übrigen  Kennzeichen  des  Flammen-Mergels,  wie  er  nord- 
wärts vom  Harze  und  namentlich  auch  im  Teulvburger  Walde 
vorkommt.  Das  oberste  und  bei  Weitem  mächtigste  Glied 
des  ganzen  Schichten-Profils  bildet  endlich  der  Planer.  In 
einer  Mächtigkeit  von  mindestens  1000'  ist  er  als  eine  blen- 
dend weisse,  zum  Theil  50  — CO'  hohe  senkrechte  Fels- Wand 
durch  den  seine  Schichten  quer  durbrechenden  Fluss  bloss- 
gelegt.  Wie  es  regelmässig  im  nördlichen  Deutschland  der 
Fall  ist,  so  sind  auch  hier  die  oberen  festeren  und  rein  weis 
sen  Schichten  vergleichungsweise  arm  an  Fossilien.  Jnoce- 
ramen  und  Micraster  cor  anguinum  sind  fast  die  ein- 
zigen darin  beobachteten  Formen.  Der  grössere  Verstcinerungs- 
Reichthum  ist  ganz  auf  die  an  der  Luft  rasch  zerfallenden 
blangrauen  Mergel  beschränkt.  In  ihnen  finden  sich  nament- 
lich Holaster  subglobosus  Ag.  ,  Discoidea  cylin- 
drica  Ac,  Terebratula  octoplicata  Sow.,  Terebra- 
tula  semiglobosa  Sow.,  Ammonites  varians  Sow., 
Amnion,  peramplus  Sow.  und  Turrilites  costatus  Lam. 
Besondere  Erwähnung  verdient  noch  der  Umstand,  dass 
die  unteren  Schichten  des  Pläners  von  dem  Flammen-Mergel 
an  dieser  Stelle  durch  eine  2'  dicke  dunkle  schwärzlich- 
grüne Mergel-Schicht  getrennt  werden,  in  welcher  Hr.  Siege- 
mann *    auf    der    Sophien-Hütte    die    vortreiflich    erhaltenen 


**  Hr.  SiBGBMAKN  hat  überhaupt  eine  für  die  lokale  Entwicklung  der 
Kreide-Schichten  sehenswerfhc  Sammlung  von  Versteinerun;;en  seiner 
nächsten  Umgebungen  zusammengebracht ,  aus  welcher  er  mir  auch  die 
dem  gegenwärtigen  Aufsatze    vorzugsweise    zu    Grunde    licgci)den    Exem- 


312 

Zähne   eines  grossen    durch  H.  v.  Meykr   als  Polyptycho- 
don  (Owen)  bestimmten  Sauriers  entdeckt  hat. 

Nachdem  in  solcher  Weise  die  Lagerungs-Verhiiltnisse, 
von  welchen  das  Profil  Taf.  IVA  eine  übersichtliche  Darstel- 
lung gibt,  erläutert  sind,  kann  ich  mich  jetzt  zu  dem  Haupt- 
Gegenstande  dieser  Mittheilung,  zu  den  an  jener  Stelle  bei 
der  Sophienhütle  in  dem  Flammen- Mergel  vorgekommenen 
Gault-Fossilien  wenden.  Zuerst  gehört  zu  diesen  ein  Exem- 
plar des  Ammonites  in  flatus  Sow. ,  welches,  obgleich 
nicht  vollständig  erhalten  und  namentlich  die  Nähte  der  Kam- 
mer-Wände nicht  zeigend,  doch  eine  völlig  sichere  Bestim- 
mung zulässt  und  besonders  mit  Exemplaren  dieses  weit  ver- 
breiteten Gault-Ammoniten  aus  den  Mergel  Schichten  von 
Perte  du  Rhone  in  der  Gestalt  des  Rücken-Kiels  und  der 
Rippen  genau  übereinstimmt.  Die  zweite  Form  ist  der  Am- 
monites May  or  an  US  d'Orb.  {Paleonf.  Franc.  /,  p.  267, 
pl.  79),  von  welchem  gleichfalls  nur  ein  einzelnes  Exemplar 
vorliegt,  die  Bestimmung  der  Art  jedoch  fast  mit  einem  eben 
so  hohen  Grade  von  Sicherheit,  als  bei  dem  A.  in  flatus 
erfolgen  kann.  Namentlich  sind  die  für  diese  Spezies  so  be- 
zeichnenden Einschnürungen  der  Schaale  und  die  sichelför- 
migen auf  dem  Rücken  in  einem  Winkel  zusammenstossenden, 
auf  den  flachen  Seiten  der  Schaale  dagegen  fast  verschwin- 
denden Falten  deutlich  wahrzunehmen.  Das  dritte  bestimmt 
erkannte  Ganit-Fossil  endlich  ist  Solarium  ornatum  Fitt., 
welches  nicht  nur  bei  Langeisheim  in  mehren  Exemplaren 
beobachtet  wurde ,  sondern  sich  auch  an  einem  mehre  Stun- 
den von  dort  entlegenen  Punkte  in  der  Nähe  von  Liebenberg 
(wo  in  einem  zum  Zweck  der  Durchführung  der  Land-Strasse 
ausgeführten  Einschnitte  durch  die  Hügel-Kette  der  Othfre- 
senschen  Köpfe  ein  sehenswerthes  Profil  von  Pläner  und  Flam- 
men Mergel  in  übergestürzter  Stellung  entblösst  ist,)  eben- 
falls im  Flammen-Mergel  wiedergefunden  hat.  Die  Exemplare 
zeigen  alle  Merkmale,  welche  der  Art  im  Englischen  und 
Französischen   Gault   zustehen  ,    den  scharfen    Kiel    am    üm- 


plaie  mit  hier  dankbar  crkamitcr  Bcicitwilligkeit  zu  näherer  Vergleichuiig 
inilgetheiit  hat. 


313 

fange  der  Windungen ,  die  granulirte  Oberfläche  der  Sei- 
ten u.  s.  w. 

Es  entsteht  nun  die  Frage,  welcher  Schluss  aus  dem 
Vorkommen  dieser  Gault-Fossilien  auf  das  Alter  der  Flam- 
men-Mergel, in  welchen  sie  vorkommen,  zu  ziehen  ist. 

Bei  der  Schärfe,  mit  welcher  sich  im  Allgemeinen  die 
Fauna  des  Gault's  in  England  und  Frankreich  von  derjenigen 
der  höheren  Kreide  Glieder  sondert,  könnten  auf  den  ersten 
Blick  die  aufgezählten  organischen  Formen  wohl  als  genü- 
gend erscheinen,  um  den  Flammen-Mergel  geradezu  als  ein 
Äquivalent  des  Gaults  anzusprechen.  Diess  könnte  um  so 
leichter  geschehen,  als  die  Lagerungs-Verhältnisse  des  Flam- 
men-Mergels in  mancher  Beziehung  einer  solchen  Annahme 
günstig  sind,  namentlich  wo  derselbe,  wie  im  Teutoburger 
Walde  zwischen  Örlinghausen  und  Bevergern,  unmittelbar  auf 
einem  durch  seine  Versteinerungen  bestimmt  als  Hils  (Neo- 
comien)  bezeichneten  Sandsteine  ruht  und  andrerseits  vom 
Pläner  bedeckt  wird,  indem  hier  der  Gault,  wenn  überhaupt 
vorhanden,  nur  im  Flammen  Mergel  enthalten  seyn  kann. 

Allein  andrerseits  erheben  sich  gegen  jene  Annahme 
auch  gewichtige  Bedenken.  Das  gewichtigste  liegt  in  dem 
Umstände,  dass  die  aufgezählten  drei  Arten  fos- 
siler Konchylien,  obgleich  weit  verbreitet  im 
Gault  von  Frankreich  u n d  England,  doch  in  ihrem  Vor- 
kommen nicht  ausschliesslich  auf  diesen  be- 
schränkt sind,  vielmehr  in  höhere  Glieder  der 
Kreide  hinansteigen.  Bei  der  Angabe  der  Fundorte 
des  Ammonite«;  inf latus  bemerkt  d'Orbigny  *,  dass  der- 
selbe, obgleich  im  Allgemeinen  für  den  obren  Gault  bezeich- 
nend, doch  auch  bei  Montblainville  iMeuse^  in  der  unteren 
Tuff-Kreide  (^Craie  tufau  inferieure')  vorkomme.  Der  Am- 
monites  Mayoranus  soll  nach  demselben  Autor**  zu 
den  wenigen  Fossilien  gehören,  welche  aus  dem  Gault  in  den 

"*     Paleonlol.  Franf.  Cret.  I,  p.  306. 

*"*  l.  e.  p.  269.  „Celle  Ammonile  s'esl  Irouvee,  juaqu'k  presenl,  dans 
le  (fault  OH  grea  vert  inferieur ,  et  metne  dans  le  gres  vert  superieur, 
lorsque  cflui-ci  est  en  conlacl  arec  le  premier ;  c'est  une  des  rnrea  ex- 
eeplions,  qni  sonl  bien  positives". 


314 

obren  Grünsand  (^re*  vert  superieur')  hinaufg^ehen  an  solchen 
Punkten,  wo  dieser  letzte  den  Gault  unmittelbar  überlagert. 
Bei  dem  Solarium  ornatum  endlich  gibt  d'Orbignv  *  an, 
dass  dasselbe  neben  seiner  weiteren  Verbreitung  im  Gault 
auch  in  der  Tuff-Kreide  oder  chloritischen  Kreide  bei  Mon- 
faucon  und  Monbloinville  iMeuse)  zusammen  mit  dem  Am- 
monites  in  flatus  gefunden  worden  sey  und  so  das  einzige 
ihm  bekannte  Beispiel  einer  dem  Gault  und  der  chloritischen 
Kreide  gemeinsamen  Gasteropoden-Art  bilde,  während  unter 
den  Cephalopoden  von  5  Französischen  Arten  nach  ihm  Das- 
selbe gilt. 

In  dieser  Weise  wird  also  die  Beweis-Fähigkeit,  welche 
das  Vorkommen  jener  Arten  für  die  Gleichstellung  des  Flam- 
men»Mergels  mit  dem  Gault  haben  könnte,  wenn  auch  nicht 
aufgehoben,  doch  bedeutend  geschwächt. 

Andrerseits  erscheint  auch  die  enge  strato- 
graphische und  paläontologische  Verbindung,  in 
welcher  der  Flammen -Mergel  mit  dem  Pläner 
steht,  als  ein  Binde rniss  der  unbedingten  Gleich- 
stellung des  Flammen -Mergels  mit  dem  Gault. 
Überall  wo  der  Flammen-Mergel  im  nordwestlichen  Deutsch- 
land bekannt  ist ,  wird  er  von  dem  Pläner  überlagert  und 
zeigt  sich  gewissermassen  an  das  Vorhandenseyn  des  letzten 
in  seinem  Auftreten  gebunden.  Auch  findet  stets  ein  ganz 
allmählicher  Übergang  aus  den  Schichten  des  Flammen- 
Mergels  in  die  des  Pläners  Statt.  An  organischen  Einschlüs- 
sen ist  der  Flammen-Mergel  im  Allgemeinen  bekanntlich  sehr 
arm.  Das  einzige  allgemein  darin  verbreitete  Fossil  ist  Avi- 
cula  gryphaeoides  Sow.,  welche  von  meinem  Bruder  als 
bezeichnend  für  den  Flammen-Mergel  überhaupt  aufgeführt 
wird,  jedoch,  wie  es  scheint,  nur  in  den  obern  nicht  kiese- 
ligen Lagen  desselben  vorkommt.  Ausserdem  finden  sich 
jedoch  hin  und  wieder  auch  noch  einige  andere  Formen  und 
unter  diesen  einige  mit  dem  Pläner  gemeinsame  Arten.  Na-  'fl 
mentlich  habe  ich  Ammonites  varians  Sow.  sowohl  bei 
Langeisheim  als  auch  bei  Liebenburg  erkannt.     An  dem  ersten 

•     l.   C.  p,   200. 


315 

Orte  fanden  sich  auch  noch  Pecten  quadricostatns  Sow. 
und  eine  ebenfalls  im  Pläner  des  nordwesth'chen  Deutschlands 
nicht  selten  vorkommende  Plicatula.  Auf  das  Vorkommen 
des  Ammonites  varians  ist  besonderes  Gewicht  zu  legen, 
da  dieser  Ammonit,  so  weit  bekannt,  nirgends  unter  das  Ni- 
veau der  chloritischen  Kreide  bis  in  den  Gault  hinabsteigt. 
Wenn  hiernach  der  Flammen-Mergel  nicht  geradezu  als 
ein  Äquivalent  des  Gaults  angesprochen  werden  kann,  so 
wäre  dennoch  eine  nahe  Beziehung  beider  Gesteine  in  der 
Art  wohl  denkbar,  dass  entweder  nur  der  untre  Theil  des 
Flammen-Mergels  dem  Gault  gleichzustellen  seyn  würde,  oder 
dass  der  Gault  als  vollkommen  entwickelte  und  scharf  be- 
grenzte Abtheilung  in  Deutsekland  fehlend  doch  das  ihm  in 
der  Reihe  der  Deutschen  Kreide-Bildungen  zustehende  Niveau 
durch  einzelne  organische  Formen  markirte.  Eine  weiter  fort- 
gesetzte Untersuchung  der  Fauna  des  Flammen-Mergels  wird 
hierüber  hoffentlich  bald  zu  einer  Entscheidung  gelangen  las- 
sen. Für  jetzt  scheint  aus  dem  Vorkommen  jener  Gault- 
Fossilien  bei  Langeisheim  jedenfalls  so  viel  zu  folgen,  dass 
der  von  dem  Flammen-Mergel  überlagerte  Versteinerungs- 
leere Sandstein  nicht  mehr  der  obren  Kreide  angehören  und 
namentlich  nicht  etwa  als  dem  Sächsischen  Quader  gleich- 
stehend betrachtet  werden  kann.  Derselbe  wird  vielmehr  wie 
der  gleichfalls  vom  Flammen-Mergel  überlagerte  Sandstein 
des  Teutoburger  Waldes  dem  Hils  (Neocomien)  zuzurechnen 
seyn,  und  das  Gleiche  würde  von  den  an  verschiedenen  an- 
deren Punkten  des  nordwestlichen  Deutschlands  unter  densel- 
ben Lagerungs-Verhältnissen  auftretenden  Sandsteinen  gelten. 


über 

die  Varietäten  der  Terebratula  vicinalis 
aus  dem  Brocatello  d'Arzo, 

von 

Herrn    Prof.    H,   Girard 

in  Marburg. 
Hiezu  Taf.  IV  B,   Fg.   1  -  7. 


Die  bekannten  rothen  Kalke  von  Erba  zwischen  Lecco 
und  Como ,  welche  durch  ihr  Vorkommen  von  Ammonites 
Tatricus  als  Lias  charakterisirt  werden,  treten  noch  an 
mehren  Punkten  weiter  gegen  W.  am  S.-Rande  der  Alpen 
auf.  Zunächst  finden  sie  sich  bei  Molfrasio  am  Comer-See, 
dann  bei  Arzo  unweit  Mendrisio  südlich  vom  Luganer-See 
und  endlich  bei   Gozzano  am  See  von  Orta. 

Bei  dem  Dorfe  Arzo  sind  ausgedehnte  Marmor-Brüche 
in  diesem  Gesteine,  das  unter  dem  Namen  Brocatello 
d'Arzo  im  nördlichen  Italien  wohl  bekannt  ist.  Es  ist  ein 
undeutlich  geschichteter  hellbraunrother  Kalk  mit  weissen 
Stellen  und  Adern,  dessen  Färbung  so  unbestimmt  im  Gestein 
verbreitet  ist,  dass  manchmal  die  darin  enthaltenen  Verstei- 
nerungen halb  roth  und  halb  weiss  gefärbt  erscheinen. 

Von  organischen  Resten  sind  darin  am  häufigsten:  Tere- 
bratula vicinalis,  Ter.  variabilis  oder  tetraedra, 
S  p i r i f e r  t u  m i d  u s  var.  acutus  und  Pecten  textorius*. 

"■     Leopold    v.  Buch    führt  Ammonites  Conybcarei ,    A.   Strangwaysi, 
A.  heteropbyllus ,     A.  Walcotti  daselbst  an,    welche  für  oberen  Lias,     — 


317 

Zu  Tausenden  Ist  die  Ter.  vicinalis  verbreitet,  so  dass 
das  Gestein  mnnchmal  fast  g^anz  daraus  bestellt;  aber  die 
Schaalen  sind  meist  so  innig'  mit  dem  Gestein  verwachsen, 
dass  es  nur  selten  gelingt  ganz  wohl  erhaltene  £xemplare 
herauszuschlagen.  Besonders  leicht  zerspringt  der  Schnabel, 
so  dass  man  sich  kein  Exemplar  mit  ganz  erhaltener  Muskel- 
OfFnung  verschaffen  kann. 

Auffallend  sind  hier  die  Übergänge  der  Form,  welche 
Ter.  vicinalis  auf  der  einen  Seite  der  Ter.  ornithoce- 
phala  nähern  (wesshalb  diese  wiederholt  von  Arzo  ange- 
führt worden  ist),  auf  der  andern  Seite  durch  Formen,  die 
nicht  weit  von  der  Ter.  numismalis  entfernt  sind,  in  Ter. 
quadrifida  übergehen  lassen.  ßeifolgend  eine  Reihe  von 
Abbildungen,  die  Diess  erläutern  werden.  Fig.  1 — 6  sind 
ausgewachsen,  Fig.  7  ist  ein  jugendliches  Exemplar. 

Im  ümriss  haben  die  ausgebildeten  alle  eine  deutliche 
Fünfseitigkeit  und  dabei  eine  gerade  oder  eingebogene  Stirn. 
In  Fig.  1  tritt  dieser  Charakter  am  wenigsten  hervor  (es  ist 
das  hest-genährte  Individuum);  hier  gehen  die  Schloss-Kanten 
allmählich  in  die  Rand-Kanten  und  diese  ohne  scharfen  Ab- 
satz in  die  Stirne  über.  Bei  Fig.  2,  3  und  6  Ist  er  am  be- 
stimmtesten ausgesprochen.  Fig.  2  nähert  sich  überhaupt, 
im  Umriss  sowohl  als  dadurch,  dass  sie  sehr  flach  ist,  be- 
deutend der  T.  numismalis,  mit  der  sie  zusammenfallen 
würde,  wenn  Länge  und  Breite  gleich  wären.  Bei  Fig.  4 
und  5  gehen  die  Schloss-Kanten  allmählicher  in  die  Rand- 
Kanten  über,  und  dadurch  entsteht  eine  Abrundung,  die  den 
Charakter  der  Fünfseitigkeit  etwas  verwischt. 

Diese  Verschiedenheiten    der  Gestalt  hängen  hauptsäch- 

A.  subarmatus,  A.  Hylas  und  A.  parallelus  (A,  hecticiis),  welclie  für  Ox- 
ford-Thon  und  Kelloway-rock  sprechen  würden,  bemerkt  aber,  dass  jene 
Reste  nur  in  Bächen  herabgeschwemmt  bei.samineng;efunden  werden  (Jb. 
1844 ,  424).  Ob  dessen  A.  heterophyllus  nun  des  Vfs.  A.  Tatricus  seye, 
welcher  ebenfalls  als  Cigenthum  des  Oxford  Thones  angesehen  wird  ,  steht 
dahin.  Die  ebenfalls  dort  zilirfc  Terebratula  diphya  spricht  auch  für  Kel- 
loway-rock. Unter  der  Voraussetzung  indessen,  dass  der  Vf.  alle  oben- 
genannten Arten  zusammen  aus  dem  anstehenden  Gesteine  entnommen 
habe,  ist  gegen  die  Formations-Bestimmung  nicht-t  einzuwenden.       D.  R. 


318 

lieh  von  den  Veränderungen  ab ,  welche  mit  dem  vordem 
Thelle  der  Schalen  vor  sich  gehen.  Die  Veränderungen 
entstehen  dadurch,  dass  die  in  beiden  Schalen  korrespon- 
direnden  Rippen  (Cinctae  v.  Buch)  mehr  oder  weniger 
hervortreten.  In  Fig.  1  sind  sie  kaum  merklich  ,  doch  da- 
durch angedeutet,  dass  kein  Sinus  an  der  Stirn  zu  sehen  ist; 
bei  Fig.  2  treten  sie  schwach,  bei  3,  4,  5  und  0  immer  stär- 
ker hervor.  Dadurch  sinkt  die  Schale  zwischen  den  Rippen 
immer  mehr  und  mehr  ein,  und  die  Stirn  bekommt  einen  im- 
mer tieferen  Einschnitt,  der  durch  einen  Sinus  auf  jeder  der 
Schalen  gebildet  wird.  Dieser  Sinus  reicht  immer  nur  bis 
zur  Mitte  der  Länge.  Manchmal  ist  er  auf  der  DorsaU 
Schale  und  manchmal  auf  der  Ventral-Schale  etwas  stärker 
abgegrenzt.  Die  zwei  Rippen ,  zwischen  denen  er  liegt, 
gehen  zu  den  Ecken  der  Stirn;  zwei  Nebenrippen,  die  in  die 
Seiten-Ecken  verlaufen,  sind  bei  Fig.  4  und  5  nur  schwach 
und  erst  bei  Fig.  6  bestimmt  sichtbar.  Durch  ihr  Auftreten 
wäclist  die  Breite  mehr  und  mehr  gegen  die  Länge.  Das 
Verhältniss  beider  Dimensionen  ist  bei 

Fig.  1,  2,  3.  Fig.  4,  5,  6. 

Länge  100,  Breite  65-70.  Länge  100,  Breite  75— S5. 

Während  solche  Abweichungen  in  der  Form  im  vordem 
Theile  der  Muschel  vor  sich  gehen,  verändert  sich  der  äl- 
tere Theil  zwischen  Schloss-Kanten  und  Buckel  nicht  wesent- 
lich. Der  Schnabel  ist  abstehend,  aber  übergebogen,  ellip- 
tisch im  Durchschnitt ,  mit  scharfen  Kanten  der  Area.  Die 
Muskel-Öifnung  ist  nicht  gross.  Das  Deltidium  ist  immer 
sektirend  ,  in  der  Jugend  verhältnissmässig  höher,  im  Alter 
mehr  zum  Discreten  geneigt.  Die  grosse  Schale  hat  am 
Schloss  kein  Ohr.  Die  Rand-Kanten  sind  scharf.  Die  grösste 
Wölbung  beider  Schalen  liegt  etwas  vor  oder  in  der  Mitte 
der  Länge;  der  obre  Theil  der  grossen  Schale  erscheint  bei 
schlankeren  Exemplaren  gekielt,  der  vordere  Theil  bei  den 
breiteren  Arten  im  Querschnitt  fast  vierkantig.  Die  Ober- 
fläche ist  glatt  und  zeigt  nur  jenseits  der  Mitte  einige  An- 
wachs-Streifen. 

Die  jungen  Exemplare  haben  im  Buckel  und  in  den 
Schloss-Kanteu   schon    den    Typus    der    Art ;    nur    steht    der 


M9 

Buckel  etwas  steiler  ab  und  Seiten -Kanten  und  Stirn  su  wie 
die  Rippen  derselben  sind  noch  nicht  ausgebildet,  sondern 
verlaufen  in  einem  gleichmässigen  Bogen.     Siehe  Fig.  7. 

Eine  frühere  Untersuchung  in  der  Berliner  Petrefakten- 
Sammlung  hatte  mir  gezeigt,  dass  zwischen  Ter.  digona, 
T.  läge  naiis  undT.  vici  naiis  keine  Grenzen  zu  halten  sind, 
und  so  scheint  dann  T.  vicinalis  eine  Mittel-Form  zu  seyn, 
aus  der  einerseits  durch  starke  Entwickelung  aller  vier  Rip- 
pen T.  quadrifida,  andrerseits  durch  Entwickelung  der 
zwei  Stirn-Rippen  allein  T.  d  ig  on  a  entsteht;  während,  wenn 
alle  vier  Rippen  versteckt  bleiben  und  die  Schale  sich  aus- 
breitet, eine  Form  entsteht,  die  sich  T.  numismalis  an- 
schliesst. 

Es  könnte  demnach  wohl  seyn  ,  dass  die  hierher  gehö-> 
renden  Formen  des  mittlen  Juras,  T.  quadrifida,  T.  vici- 
nalis, T.  indentata,  T.  lagenalis  und  T.  digona  als 
Nachkommen  und  Varietäten  der  T.  numismalis  und  vici- 
nalis ans  dem  Lias  anzusehen  wären. 


Briefwechsel. 


Alittheilungen    an    den    Gelieimenrath    v.    Leonhard 

gerichtet. 

Lausanne,  27.   Dezember   1850. 

Ich  weiss  nicht,  ob  unser  berühmter  Freund  L.  v.  Buch  auf  seiner 
Rückreise  aus  der  Schweit-s  Zeit  gefunden,  Sie  in  Heidelberg  zu  begrüssen 
und  Ihnen  von  der  Versammlung  zu  erzählen,  welche  in  Aarau  stattgehabt. 
Mir  gewährte  es  die  giösste  Freude ,  mit  Buch  wieder  einmal  zusammen 
zu  seyn.  —  Jeden  Falls,  so  glaube  ich,  hören  Sie  auch  durch  mich  kei- 
neswegs ungern  Einiges  über  die  Aarauer  Verhandlungen ,  an  welchen 
nicht  wenige  Gelehrte  Theil  nahmen,  die  zu  den  ganz  besonders  geachteten 
zu  zählen  sind ;  jene  Verhandlungen  erlangten  auf  solche  W^eise  recht 
viel  Interesse. 

Am  4.  August  vereinigte  sich  die  Gesellschaft;  den  5.,  6.  und  7.  waren 
Sitzungen  unter  dem  Präsidium  von  Frey  Herose,  welcher  zuerst  über  den 
gegenwärtigen  Stand  der  Natur-Wissenschaften  sprach,  so  wie  über  die 
wichtigsten  Entdeckungen  in  den  verschiedenen  Zweigen  derselben  seit 
mehren  Jahren.  Sodann  theilte  Buch  eine  höchst  anziehende  und  beleh- 
rende Notiz  mit,  den  Riesen- Vogel  betreffend,  der  von  Owen  unter  dem 
Namen  Dinornis  novae  Zelandiae  beschrieben  worden  und  wovon  man 
Gebeine  in  den  neuesten  Gebilden  jenes  Eilandes  trifft.  Man  bewunderte 
den  eben  so  klaren  als  geschmackvollen  Vortrag  und  die  seltene  Gabe,  die 
wichtige  Entdeckung  mit  andern  geologischen  Phänomenen  in  Verbindung 
zu  bringen.  Nachmittags  wurde  die  Gaidslif'  oder  Gysula-Flue  erstiegen, 
einer  Höhe  von  wenigstens  2400  Fuss  über  dem  Meeres-Spiegel  ;  man 
geniesst  hier  eine  sehr  weit  erstreckte  Aussicht  des  Kantons  Aargau  und 
der  Alpen-Kette.  Wir  erfreuten  uns  nicht  wenig,  dass  Buch,  trotz  seiner 
Jahre,  sich  so  rüstig  zeigte  und  mit  den  Jüngsten  wetteiferte.  Am  Abend 
gab  Hr.  Fehr  ein  allerliebstes  Fest  auf  der  Terrasse  des  alten  Schlosses 
Diberslein,  welches  sein  Eigenthum  ist  und  dessen  Gärten  er  mit  vielem 
Geschmack  hat  herrichten  lassen. 

Der  zweite  Tag  wurde  den  Arbeiten  der  verschiedenen  Sektionen  ge- 
widmet. Man  vernahm  interessante  Mittheilungen  über  diese  und  jene 
Gegenstände  im  Bereiche  naturhistorischen  Wissens.    In  der  geologischen 


a2i 

Abiheilung  erstattete  Hugi  Bericht  über  den  Zustand  einer  Bohr-Arbeit, 
welche  das  Berner  Gouvernement  unfern  Wangen,  oder  vielmehr  nicht  weit 
von  Brunmatten,  am  Fusse  der  Jura-Kette  hat  vornehmen  lassen.  Hier 
tritt  Keuper  zu  Tage.  Man  beabsichtigte  die  Auffindung^  von  Steinsalz, 
und  es  zeigte  sich  durch  ziemlich  auffallende  Spuren  bereits  günstige 
Hoffnung  für  das  Gelingen  des  Versuches.  (Nach  einem  Briefe  unseres 
Freundes  Ciiarpentier,  der  im  Anfang  des  Novembers  an  Ort  und  Stelle 
war,  hatte  das  Bohr-Loch  schon  eine  Tiefe  von  599  Fuss  erreicht).  Ferner 
wurden  höchst  interessante  fossile  Reste  vorgezeigt  aus  dem  untern  ,  dem 
„braunen  Jura"  des  Kantons  Aarpau.  Ziegler  von  Winterlhur,  gegen- 
wärtig beschäftigt  mit  Veröffentlichung  einer  neuen  Schweitzer  Karte,  wies 
ein  Blatt  vor,  einen  Theil  der  Alpen  des  Kantons  St.  Gallen  darstellend, 
im  Maasstabe  von  25,000;  es  ist  ein  wahres  Meisterstück! 

Am  dritten  Tag«  endigte  die  Versammlung  mit  einer  allgemeinen  Sitzung. 
Glarus  wurde    als  der  Ort  für  die  Zusammenkunft  im  Jahr  1851  gewählt. 

In  jeder  Hinsicht  war  unter  den  Versammlungen,  welchen  ich  beizu- 
wohnen so  glücklich  gewesen,  die  Aarauer  bei  Weitem  die  interessanteste. 
Ausser  Buch  hatten  sich  von  Fremden  auch  Whewell,  Daubrek,  Hogard 
u.  A.  eingefunden. 

Noch  eines  Umstandes  muss  ich  gedenken  j  der  für  Geologen  und 
Paläontologen  keineswegs  unwichtig  seyn  durfte.  Ich  rede  von  der  An- 
wesenheit der  Gebrüder  Mrirat,  die  eine  Menge  der  schönsten  Petrefakten 
nach  Aarau  hatten  bringen  lassen,  von  ihnen  in  den  Berner  Alpen  ge- 
sammelt. Diese  fossilen  Überbleibsel  stammen  aus  den  Lias-Gebildcn  her, 
so  wie  aus  verschiedenen  Etagen  des  Jura-Gebietes,  theils  gehörten  sie 
den  Kreide-  und  Molasse-Formationen  an.  Pictet  hat  im  November-Heft 
der  Bibliolheque  universelle  de  Geneve  von  der  Sache  gesprochen. 

Ich  muss  Ihnen  noch  von  einer  geologischen  Wanderung  erzählen,  die 
ich  das  grosse  Vergnügen  hatte,  ehe  wir  Aarau  verliessen,  mit  L.  v.  Buch, 
mit  Peter  Merian  und  dem  ältesten  Sohne  unseres  Zschokkb  zu  machen, 
welcher  die  Ortlichkeiten  so  seiir  genau  kennt  und  so  freundlich  war,  uns 
als  Wegweiser  zu  dienen.  Nachdem  die  Aar  von  uns  überschritten  wor- 
den, schlugen  wir  die  Strasse  von  Baftel  ein,  welche  in  der  Sla/felegg 
genannten  Gegend  die  Jura-Kette  quer  durchschneidet.  Auf  einem  Wege 
von  2  Stunden  konnten  wir  nach  und  nach  die  verschiedenen  Lagen  des 
Jura-Gebildes  untersuchen,  vom  Koralrag  bis  zum  Lias.  Sodann  kommt 
man  zum  Keuper,  dessen  Mergel  und  Gypsc  sehr  ausgezeichnet  zu  sehen 
sind.  Endlich  folgte  der  Muschelkalk.  Es  ist  nicht  wohl  möglich,  in 
kürzerer  Zeit  eine  lehiici'hcre  {ijeologischc  Wanderung  zu  machen.  Wir 
verbrachten  einen  überaus  angenehmen  Tag,  sammelten  fossile  Reste  und 
erfreuten  uns  der  gehaltvollen  Bemerkungen  Blch's  und  MERtAN's. 

Sehr  zufrieden  verliessen  wir  Aarau,  wo  man  uns  so  wohl  empfangen 
hatte.  Buch  schlug  den  Weg  längs  dem  Fusse  des  Juras  bis  Yallorbes  ein, 
woselbst  ich  die  grosse  Freude  hatte,  ihn  wieder  zu  treffen  und  noch 
10  Tilge  mit  ilim  in  Bex  zusammen  zu  seyn. 

Lardy. 

Jalirgani;  1851.  21 


322 


Freiberg  ^  20.  Januar  1851. 

Wenn  ich  in  mehren  für  Ihr  Jahrbuch  bestimmten  Briefen,  in  welchen 
ich  auf  einige  Schwächen  in  Bischof's  Lehrbuch  der  Geologie  aufmerksam 
zu  machen  suchte,  diesem  Werke  als  einem  für  die  Geologie  jeden  Falls 
sehr  wichtigen  meine  volle  Anerkennung  zollte,  so  vermuthclc  ich  damals 
allerdings  nicht,  dass  der  Inhalt  dieser  Briefe  th  eil  weise  zu  buch- 
händlerischen Anpreisungen  dienen  wurde,  die  vielleicht  ganz  ohne  Vor- 
wissen des  Herrn  Verfassers  auf  dem  Umschlag  des  seitdem  erschienenen 
vierten  Heftes  abgedruckt  worden  sind. 

Der  Inhalt  dieses  Heftes  geht  nun  zugleich  an  mehren  Stellen  aus- 
führlich auf  meine  flüchtig  hingeworfenen  Bemerkungen  ein,  ohne  jedoch 
in  meinen  Augen  dieselben  zu  entkräften. 

Es  ist  mir  nicht  möglich,  in  dem  Räume  eines  Briefes  alle  die 
Differenz-Punkte  unserer  Ansichten  ansführlich  zu  bespj'echen,  und  wäre 
es  möslich,  so  würde  schwerlicli  ein  grosser  Gewinn  daraus  erwachsen. 
Spezielle  Diskussionen  dieser  Art  führten  wohl  selten  zu  einem  erwünsch- 
ten Resultat,  am  wenigsten  zu  einer  vollen  Verständigung.  Besser  ist  es, 
ein  Jeder  schöpft  aus  den  entgegenstehenden  Ansichten  so  viel  Belehrung 
als  er  kann,  ohne  Alles,  was  ihm  falsch  erscheint,  bis  ins  Detail  widerlegen 
zu  wollen.  Ich  wenigstens  denke  es  so  zu  halten  und  bedaure  fast,  einen 
Zipfel  des  Handschuhes  erfasst  zu  haben,  der  den  Plutonisten  oder  Geo- 
logen im  Allgemeinen  hingeworfen  war. 

Indessen  so  resultatlos  Diskussionen  namentlich  über  Thalsachen  seyn 
mögen,  die  nicht  unmittelbarer  Beobachtung  beider  Partheien  vorliegen 
und  vielartiger  Deutung  fähig  sind,  so  glaube  ich  doch  einige  allgemeine 
Bemerkungen  nicht  ganz  unterdrücken  zu  dürfen. 

S.  1037  rechtfertigt  sich  B.  wegen  eines  Vorwurfes,  der  gar  nicht  ihm 
persönlich  galt,  sondern  nur  seinem  Lehrbuch  der  Geologie.  Wenn  ich 
ausser  der  gewiss  nicht  sehr  bequemen  Anordnung  des  ganzen  Werkes, 
die  stete  Metamorphose  der  entwickelten  Ansichten  als  eine  Schwierigkeit 
des  Studiums  dieses  Buches  hervorhob,  so  wollte  ich  damit  durch.ius  nicht 
diese  IVletamorphose  dem  Vf.  vorwerfen,  sondern  nur  dem  Lehrbuch  als 
solchem.  Dass  Naturforscher  ihre  Ansichten  verändern  können,  liegt  in 
der  Natur  ihres,  wie  jedes  ächten  Studiums.  Wenn  sie  es  nicht  thun.  so 
ist  zuweilen  gewiss  nur  unwissenschaftliche  Halsstarrigkeit  die  Ur.<<ache. 
Aber  dass  es  einem  Lehrbuch  nicht  zum  Vortheil  gereichen  kann,  wenn 
die  darin  ausgesprochenen  Ansichten  unter  einander  differiren  oder  sich 
widersprechen,  das  wird  wohl  Niemand  bestreiten.  Was  in  einer  Samm- 
lung von  nach  einander  entstandenen  Abhandlungen  gar  nicht  stören  würde, 
das  stört  allerdings  in  einem  Lehrbuch,  welches  man  aus  einem  Gusse 
hervorgegangen  oder  wenigstens  nach  einem  Prinzip  überarbeitet  zu  finden^ 
wünschen  muss.  Dass  das  nicht  immer  durchaus  möglich  ist,  weiss  ich 
recht  wohl  aus  eigener  Erfahrung,  desshalb  bleibt  aber  der  Übelstand  doch 
eine  Thatsache. 

Wie  misslich   es  ist,    eine   durchaus    neue  Theorie  auf  fremde  Beob- 


323 

achtungen  zu  stützPii  oder  anzuircnden,  die  natürlich  ohne  Rücksicht  auf 
eine  solclie  Anwendung  angestellt  und  beschrieben  wurden,  geht  sehr 
deutlich  aus  der  Erklärung  der  körnigen  Kalksteine  in  der  Umgegend  von 
Schicaraenberg  hervor  <S.  954-964).  Die  wirklichen  Lagerungs-Verhält- 
nisse entsprechen  einer  solchen  Deutung  durchaus  nicht,  und  ich  bin  über- 
zeugt, dass  B.  selbst  nach  eigener  sorgfältiger  Beobachtung  der  That- 
sachen  sie  aufgeben  würde ;  aber  es  würde  mich  viel  zu  weit  führen, 
wollte  ich  die  einzelnen  Widersprüche  der  Natur  hervorheben.  Nur  ganz 
allgemein  bemerke  ich:  dass  die  körnigen  Kalksleine  in  jener  Gegend  sehr 
oft  für  sich  allein,  ohne  benachbarte  Grünsteine,  und  die  Grünsteine  für 
sich  allein,  ohne  Kalksteine  vorkommen,  ohne  dann  eine  wesentlich  andere 
Beschaffenheit  zu  zeigen,  als  wo  sie  zusammen  sind  ;  auch  sind  die  mit 
den  Grünsteinen  verbundenen  Kalksteine  oft  weit  mächtiger  als  die  ersten, 
deren  kleiner  Kalk-Gehalt  ihre  Ursache  seyn  soll. 

S.  1016  liefert  ein  ähnliches  Beispiel;  da  steht:  „denn  Cotta  führt 
wenigstens  nicht  an,  dass  in  der  Gegend  von  Predazs-o  der  Granit  Sili- 
fikationen  im  Nebengesteine  bewirkt  habe".  Allerdings  habe  ich  nicht  aus- 
führlich davon  gesprochen,  da  ich  keine  besondere  Deutung  dieses  ümstan- 
des  im  Auge  hatte.  Die  Silifikationen  sind  aber  an  der  Granit-Grenze  bei 
Predatsz-o  ausserordentlich  bedeutend.  Der  Predazzit  geht  stellenweise 
geradezu  in  Hornstein  über;  erwähnt  habe  ich  diesen  Umstand  auch  S.  198 
mit  den  Worten:  „der  örtlich  in  Kieselkalk  und  Predazzit  umgewandelt 
ist",  nur  nicht  besonders  hervorgehoben. 

Solche  Beispiele  würden  sich  sehr  viele  finden  lassen.  Wenn  S.  1017 
von  mir  ein  plutonischer  Nachweis  über  die  Umwandlung  der  Granit-Gänge 
in  Serpentin  verlangt  wird,  so  muss  ich  bemerken,  dass  es  mir  nie  einge- 
fallen ist,  diese  Umwandlung  für  eine  plutonische  zu  halten.  Wie  sie 
erfolgt  ist,  weiss  ich  nicht,  jeden  Falls  aber  lange  nach  Entstehung  des 
Granitrs.  Die  in  diesem  Falle  mir  untergeschobene  plutonische  Deutung 
gehört  zu  den  so  vielfach  vorausgesetzten  ultra-plutonischen  Ansichten.  Ich 
habe  nur  einfach  die  Thatsachc  berichtet,  dass  der  Serpentin  durch  Um- 
wandlung aus  Granit  entstanden  ist,  ganz  ähnlich  wie  bei   M'aldheim, 

Ähnlich,  wenn  auch  nicht  ganz  so,  verhält  es  sich  mit  der  Umwand- 
lung des  körnigen  Kalksteines  bei  Predaaao.  Ich  sage:  die  Umwandlung 
ist  Thatsache,  und  sie  geht  von  der  Granit-Grenze  aus.  Wie  sie  geschehen 
ist,  kann  zweifelhaft  seyn,  obwohl  ich  in  diesem  Falle  die  Umwandlung 
durch  plutonische  Thätigkeit  allerdings  für  höchst  wahrscheinlich  und  auch 
durch  B.  noch  keineswegs  für  widerlegt  halte.  Dass  unter  gewissen  Druck- 
Verhältnissen  eine  solclie  Umwandlung  möglich  sey ,  wird  selbst  B.  nicht 
abläugnen  ;  dass  aber  ein  sehr  hoher  Druck  (mit  Absperrung  verbunden) 
leicht  denkbar  ist,  kann  kein  Geolog  läugncn.  Es  braucht  nur  eine  3000 
bis  4000  F.  mächtige  Schichten-Decke,  wie  die  des  Fassa-Dolomites,  von 
einem  gar  nicht  allzutiefen  Meere  (aus  dem  sie  abgelagert  wurde)  bedeckt 
zu  seyn,  so  ist  unter  ihr  auch  die  nöthige  Absperrung  jeden  Falls  vor- 
handen. 

Die  Lava-artigen  Ramifikationen  des  Melaphyrs  sind  im  Fassa-Gebiet 

21  * 


324 

eine  Thatsaclie,  und  setir  analog  sind  die  Ramiiikationen  des  Granites.  Dass 
beide  sich  seit  ihrer  Entstehung  wesentlich  verändert  haben  iiönnen,  be- 
zweifle ich  keinen  Augenblick,  ich  behaupte  nur,  dass  diese  Formen 
eruptiv  sind,  und  habe  Grund  zu  vermuthen,  dass  auch  der  Granit  (oder 
meinetwegen  das  Gestein,  woraus  er  entstand)  im  heissflüssigen  Zustande 
eindrang. 

Am  Melaphyr  wie  am  Granit  zeigen  sich  im  Fa.ssa-Gebiet  gewisse 
Kontakt-Erscheinungen,  theils  sehr  ähnliche,  theils  etwas  ungleiche.  Wo- 
durch diese  entstanden  scyen,  halte  ich  nicht  für  erwiesen,  ihren  plutoni- 
schen  Ursprung  vielmehr  nur  für  wahrscheinlich ;  ich  halte  sie  auch  keines- 
wegs für  Beweise  des  Lava-artigen  Eruptiv-ZustandcsJ  dieser  ist  durch 
andere  Umstände,  namentlich  durch  die  Form  -  Verhältnisse  hinreichend 
dargfthan.  Es  kommt  daher  nur  darauf  an,  jene  Kontakt-Erscheinungen 
auf  irgend  eine  Art  zu  erklären.  Mir  drängt  sich  dabei  der  Gedanke  an 
Wärme- Wirkungen  am  meisten  auf;  aber  wenn  eine  andere  Erklärung  sich 
besser  begründen  lässt ,  so  kann  man  dafür,  wie  für  jede  Berichtigung, 
nur  sehr  dankbar  seyn,  nur  darf  nach  meiner  Meinung  keine  solche  Er- 
klärung rückwärts  als  ein  Beweis  gegen  die  eruptive  Natur  von  Melaphyr 
und  Granit  benutzt  werden.  Beide  Umstände  sind  möglicher  Weise  von 
einander  unabhängig.  Doch  kann  ich  nicht  sagen,  dass  die  versuchte  neue 
Erklärung  mich  befriedigt  hätte. 

Die  Untersuchung  der  Form-  und  Lage  r  u  n  gs- V  e  r  hä  Itn  i  sse 
und  die  der  stofflichen  Zusammensetzung  der  Gesteine,  sind  zwei 
in  gewissem  Grade  getrennte  Wege  der  Geologie,  die  freilich,  wenn  rich- 
tig verfolgt,  zu  harmonischen  Resultaten  führen  müssen.  Die  meisten  Geo- 
logen werden  gewiss  aufrichtig  bekennen,  dass  der  zweite  dieser  Wege 
lange  sehr  vernachlässigt  worden  ist  und  dass  Hr.  Bischof  durch  seine 
Anbahnung  sich  ein  grosses  Verdienst  erwirbt.  Es  ist  nicht  zu  verlangen, 
dass  Jemand,  der  seine  Kräfte  vorzugsweise  auf  den  einen  dieser  Wege 
verwendet ,  auch  auf  dem  anderen  eben  so  heimisch  sey.  Die  Forscher 
der  Architektur  der  Erd-Kruste  werden  gewiss  zugeben,  dass  sie  über  die 
Zusammensetzung  und  mögliche  Bildung  oder  Umwandlung  der  Gesteine 
durch  B.  sehr  viel  Neues,  Lehrreiches  und  Beachtenswerthes  erfahren,  sie 
werden  auch  nicht  verlangen,  dass  Derselbe  mit  ihrer  eigenen  Aufgabe 
so  innerlich  vertraut  sey,  als  sie  selbst,  oder  als  er  mit  der  seinigen.  Aber 
sie  können  mit  Recht  verlangen,  dass  er  die  Resultate  ihrer  Studien 
beachte.  Wenn  sie  aus  den  Form-  und  Lagerungs-Verhältnissen  gewisser 
Gesteine  erkannt  und  hundertfach  nachgewiesen  haben,  dtss  dieselben 
eruptiv  sind,  so  werden  sie  sich  nicht  durch  ein  paar  oberflächliche  Gegen- 
Beobachtungen  widerlegen  lassen.  Wenn  sie  dagegen,  durch  die  Analogie 
der  Laven  verleitet,  vielleicht  etwas  voreilig  behauptet  haben,  diese  Ge- 
steine sind  aus  einem  heissflüssigen  Zustande  erstarrt,  so  mag  ihnen  der 
Chemiker  mit  Recht  ein  „Halt!"  zurufen,  wenn  er  nachweisen  kann,  dass 
Das  nicht  möglich  ist.  Wenn  er  aber  zugleich  die  eruptive  Bildung  der- 
selben überhaupt  als  eine  ultra-piutonische  Träumerei  bezeichnet,  so  ist 
Das  jeden  Falls  mehr  gesagt,  als  er  verantworten  kann. 


325 

Der  Ausdruck  „UUra-PIntonist"  ist  in  Bjschüf's  Feder  jedeii  Falls  eine 
Tautologie*.  Denn  da  er  überhaupt  keine  plutonischen  Bildungen  (d.  h.  itu 
Erd-Innern  unter  holiem  Druck)  anerkennt,  so  ist  nach  ihm  nothwendi^ 
Jeder  Piutonist  ein  Ultra,  und  man  sieht  in  der  That  nicht  ein,  wozu  dieses 
Epilheton  noch  nölhig^  wird. 

Die  Versöhnung  liegt  übrigens,  wie  mir  scheint,  sehr  nahe.  Wenn 
Bischof  etwa  nachweisen  sollte,  dass  alle  sogenannten  plutonischen  Ge- 
steine durch  Umwandlung  aus  vulkanischen,  Lava-artigen  entstanden  sejru 
können,  so  würde  damit  der  Widerspruch  zwischen  Stoff  und  Form 
gelöst  werden. 

B.    CoTT.i. 


Mittheiiuiigen  an  Professor  Bronn  gerichtet. 

Braunschweig,  31.  Januar  1851. 

Auf  der  zum  altfürstlich  Braunschweigischen  Allodio  gehörigen  Salin« 
Liebenhalle  bei  Salagitler  ist  im  Dezember  v.  J.  in  einer  Tiefe  von  734 
Fuss  eine  mächtige  Masse  von  Steinsalz  erbohrt.  Ich  erlaube  mir  Ihnen 
darüber,  was  die  geognostischen  Verhältnisse  anbetrifft,  Einiges  mitzutheilen. 

Das  Bohrloch,  das  unter  der  Leitung  der  beiden  ausgezeichneten  Sali- 
nisten,  Bergrath  v.  Unger  und  Salinen-Inspektor  Schlönbach,  vom  ersten 
Beginnen  an  bis  zur  dermaligcn  Tiefe  in  dem  verhältnissmässig  sehr  kur- 
zen Zeiträume  von  53  Wochen  niedergebraclit  ist ,  liegt  78  F.  vom  Sool- 
Brunnen  der  Saline  entfernt.  Es  sind  damit  von  oben  nacji  unten  durch- 
ifunken:  22'  3"  aufgeschütteter  Boden  (Baust hu(t  etc.),  —  18'  8''  Gerolle  etc. 
(Diluvium),  —  17'  2"  fester  Muschelkalk,  mit  Mergel-Lagen  abwechselnd. 
Hierunter  und  bis  zur  Tiefe  von  734'  war  vorwaltend  Gyps  und  Anhydrit 
mit  rotlien  und  blauen  Thonen,  letzte  %veiter  oben  und  erste  weiter  unten 
der  Art  überwiegend,  dass  von  567 '/o'  abwärts,  mit  zunehmendem  Gehalte 
der  Sooie,  nur  noch  Anhydrit  voikam.  Bei  330'  zeigten  sich  in  einer 
etwa  10'  mächtigen  Lage  von  rotliem  Thon  Spuren  von  roth  gefärbtem 
Sandsteine,  und  in  den»  Niveau  zwischen  696'  und  730'  einige  Aushöhlun- 
gen, die  mit  reicher  SooIe  crfiilit  waren.  Das  zuerst  bei  734'  erreichte 
Steinsalz  hat  ohne  Unterbrechung  bis  zur  Tiefe  von  745'  angehalten.  Hier 
ist  die  Bohrung,  ohne  dessen  Liegendes  erreicht  zu  haben,  einstweilen 
eingestellt,  um,  bevor  fortgefahren  wird,  die  Verrohrung  tiefer  zu  bringen 
und  damit  den  jetzt  hindernden  Nachfall  zu  beseitigen. 

Zwar  steht  eine  vollkommen  ungestörte  Lagerung  der  Schichten  in  dem 
durchsunkenen  Niveau  kaum  zu  erwarten;  denn  eines  Theils  liegt  Lieben- 
halle in  einem  Querthalc,  das  die  von  Gcbhardshagen  über  Kniestädt  und 
Liebenburg  fortsetzenden  Hügel-Ketten  rerhtwinkelig  durchschneidet,  an- 
dern Theils  aber  n)ag  die  unterirdische  Auflösung  und  Fortführung  des 
Steinsalzes,  das  die  dortigen  Sool-Quellcn  speist,  zu  hohlen  Räumen  Veran- 


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lassung;  gpgeben  haben,  von  denen  auch  das  Bohrloch  Beispiele  liefert, 
und  die  bei  ihrem  Zusammensetzen  das  Nebengebirge  nicht  unberührt 
Hessen.  —  Doch  dürfte  aus  dem  Wenigen,  was  ich  oben  über  die  durch- 
bohrten Gesteine  anführte,  mit  Sicherheit  der  geognostische  Horizont  ab- 
zuleiten seyn,  den  das  dortige  Steinsalz  einnimmt. 

Die  von  dem  Liebenhaller  Querthale  durchschnittenen  Hügel-Züge  be- 
stehen aus  Kreide  (Pläner,  Flammen-Mergel  und  Hils-Konglornerat) ,  Lias, 
Keuper,  Muschelkalk  und  buntem  Sandstein  (vgl.  v.  Unger  in  Karsten'» 
Archiv,  Bd.  17,  S.  197),  von  denen  der  letzte  in  der  Zentral-Linie  nicht 
überall  zu  Tage  tritt,  mindestens  nicht  allenthalben  deutlich  zu  erkennen 
steht,  während  die  übrigen  Gesteine  zu  beiden  Seiten  ziemlich  kontinuir- 
lich  daran  abfallend  zu  verfolgen  sind.  Der  Ansatz-Punkt  des  Bohrlochs 
wurde  nach  Maasgabe  des  an  den  Abhängen  zu  beobachtenden  Streichens 
und  Fallens  der  Schichten  in 'der  Art  gewählt,  dass  mutiimaasslich  noch  der 
untere  Theil  des  Muschelkalks  mit  zu  durchbohren  war.  Es  leiteten  bei 
dieser  Wahl  nicht  nur  Lokal-Verhältnisse,  sondern  namentlich  der  Umstand, 
dass  nicht  sehr  entfernt,  bei  Schöningen,  das  Steinsalz  in  den  oberen 
Lagen  der  Formation  des  bunten  Sandsteins  unlängst  erbohrt  war,  und 
endlich  die  Ansicht,  dass  auch  der  untere  Muschelkalk  dergleichen,  gleich 
wie  im  südwestlichen  Deutschland,  enthalten  könne.  War  Letztes  zwar 
nicht  sehr  wahrscheinlich ,  so  gewann  man  in  solcher  Weise  doch  eine 
Decke  für  die  Schichten,  in  denen  das  Steinsalz  vorzugsweise  vermuthet 
wurde,  und  konnte  um  so  mehr  darauf  rechneu,  dass  dasselbe  nicht  schon 
längst  durch  Quell-Wasser  hinweggeführt  sey.  In  der  That  sind  oben  im 
Bohrloche  noch  einige  Schichten  des  Muschelkalks  getroffen,  jedoch,  da 
Schutt  und  Diluvium  ziemlich  hoch  standen,  nur  von  geringer  Mächtigkeit. 
Nach  allen  Oberflächen- Verhältnissen  kann  Diess  nichts  anderes,  als  der 
unterste  Theil  der  unteren  Abtheilung  des  Muschelkalks,  des  Wellenkalks, 
seyn.  Da  das  Steinsalz  erst  in  tieferem  Niveau  erreicht  wurde  und  kein 
Umstand  auf  eine  Überkippung  der  Gesteins-Schichten  hindeutet,  so  liegt 
dasselbe  mithin  in  älteren  Schichten,  als  der  Muschelkalk  ist.  Diess  fest- 
gestellt, bleibt  nur  noch  zu  untersuchen,  ob  dasselbe  im  bunten  Sandsteine 
oder  im  Zechsteine  eingeschlossen  ist.  Was  zuförderst  den  letzten  an- 
betrifft, so  kommt  weder  der  Zechstein  selbst,  noch  eine  Zubehörung  des- 
selben an  den  in  der  Nähe  befindlichen  Hügeln  zu  Tage.  Doch  gibt  diese 
Thatsache  allein  noch  nicht  den  Beweis,  dass  das  Liebenhaller  Steinsalz 
nicht  ihm  angehöre.  Es  könnte  ja  der  Zechstein  in  der  Tiefe  vorhanden 
seyn  und  ein  solches  Vorhandenseyn  um  so  mehr  angenommen  werden, 
als  nach  neueren  Beobachtungen  der  Zechstein  an  dem  NO.  //ara-Rande, 
auch  im  W.  von  Bullenstädt  an  mehren  Stellen,  namentlich  bei  Blanhen- 
burg,  Benzingerode,  von  Werningerode  bis  Ilsenburg  und  dimn  wieder  im 
Ecker-Thale  (von  hier  über  Harxburg,  Goslar  bis  jenseits  Langeisheim 
ist  davon  indessen  keine  Spur)  auftritt.  Stünde  aber  bei  734'  Tiefe  das 
Bohrloch  im  Zechsteine  und  wäre  damit  das  Steinsalz  in  ihm  eingeschlossen, 
so  müsste  nothwendig  in  dem  Niveau  zwischen  etwa  60'  und  734'  Tiefe 
die  ganze  Buntsandstein-Formation   durchbohrt  seyn,    die  bei  Liebenhalle, 


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nach  de:i  Aufsclilüsseii  an  allen  den}enig;en  Hügeln  der  Umgegend,  welche  die 
ältesten  Sciiichten  an  die  Oberfläche  bringen,  vollständig  und  in  bedeuten- 
der Mäciitigkeit  abgelagert  ist.  Da  in  jenem  Niveau  lediglich  Gyps,  An- 
hydrit und  bunte  Thone  mit  Spuren  von  Sandstein  angetroft'en  sind,  keines- 
wegs aber  Roggenstein-Lager,  die  beim  Bohien  schon  wegen  ihrer  Festig- 
keit nicht  zu  übersciien  stehen,  auch  nicht  die  unter  diesen  liegenden 
Thonsteine,  so  bleibt  niciils  librig,  als  dass  das  Liebenhaller  Steinsalz 
dem  bunten  Sandstein  angehört,  und  ferner,  da  vor  Ort  im  Bohrloche  der 
Roggenstein  noch  nicht  angefahren  ist,  dass  dasselbe  in  den  oberen  Schich- 
ten der  letztgedachten  Formation  liegt.  —  Wenn  schon  diese  Schlussfolge 
keine  Lücke  enthalten  dürfte,  so  wird  deren  Richtigkeit  auch  durch  die 
weiteren  Vorkommnisse  im  Bührloche  bestätigt.  Überall  besteht  nämlich 
in  der  hiesigen  Gegend  der  obere  bunte  Sandstein  in  der  Hauptsache  aus 
lothen  und  blauen,  mehr  oder  weniger  harten  Thonen,  die  selten  eine 
Schicht  milden  Glimmer-reichen  Sandsteins  umschliessen,  und  in  denen  hin 
und  wieder  Gyps-Stöcke  aufsetzen.  Das  sind  die  Gesteine,  die  mit  dem 
Bohrloche  unterhalb  des  Muschelkalks  und  bis  vor  Ort  durchsunken  wur- 
den. Roth  oder  blau  gefärbte  Thone,  wie  sie  im  Bohrloche  anstehen,  sind 
dem  Muschelkalke  gänzlich  fremd  —  Ich  hoffe  hiernach  mit  Evidenz  dar- 
gethan  zu  haben,  dass  das  Liebenhaller  Steins-iilz  in  den  oberen  Schicliten 
des  bunten  Sandsteins  auftritt. 

Durch  die  in  neuester  Zeit  begonnene  sorgfältige  geognostische  Unter- 
suchung der  hiesigen  Landes-Thcile  steht  fest,  dass  ein  grosser  Theil  der 
an  der  Asse  und  dem  Heese-Bevge  entspringenden,  jetzt  unbenutzten  Sool- 
Quellen  in  einem  gleichen  Gesteins-Niveau,  nämlich  unter  dem  Muschel- 
kalke und  über  dem  Roggensteine  des  bunten  Sandsteins  zu  Tage  ausläuft. 
Nur  diejenigen  Quellen ,  welche  die  beiden  Salinen  zu  Saizidahlum  und 
Schöningen  versorgten,  treten  aus  anderen  Formationen,  die  am  letzten 
Orte  aus  Kcuper,  die  andere  aus  Lias  hervor.  Da  aber,  wie  ich  in  Kar- 
STEps's  Archiv,  Bd.  22,  S.  215,  bcriclitete,  bei  Schöningen  das  Steinsalz  in 
den  oberen  Lagen  des  bunten  Sandsteins  entdeckt  wurde,  so  kann  wohl 
kaum  noch  Zweifel  seyn,  dass  die  dortigen  Sool-Quellen  ihren  Gehalt  aus 
diesem  Niveau  entnehmen  und  dürfte  ei